{{Introduction}} [[BOFH]] Der Bastard Operator From Hell (BOFH) Der BOFH ist eine Figur in einer Geschichte, welche mehrere Teile umfasst. Geschrieben wurde sie von Simon Travaglia aus 'Langeweile', wie er selbst sagt. [[DIESER TEXT]] Format: UTF-8 Download unter https://ayra.ch/bofh/BOFH.txt Diese Datei darf direkt verlinkt werden. Die Textdatei beinhaltet spezielle Formatierungen: Kapitelgruppen: {{Kapitelgruppe}} Kapitel: [[Kapitel]] Die Datei ist eher für Programme als für Leser gedacht. Es steht jedem frei diese Texte zu benutzen, allerdings bitte das Copyright beachten. [[COPYRIGHT]] Copyright © by Simon Travaglia Der Text auf AyrA.ch stellt eine geringfügig modifizierte und überarbeitete Version dar, ist im Grunde aber der Selbe wie der Originaltext. [[INTRODUCTION]] Gefunden auf einem neuseelaendischen FTP-Server zu einer Zeit, als die meisten von euch noch nicht mal wussten, dass man Komputer mit K schreibt. von Simon Travaglia frei uebersetzt von Florian Schiel {{1995}} [[The Bastard Operator from Hell #1]] Heute ist Backup-Tag. Mein Lieblingtag! Andererseits hat es natuerlich gewisse Vorteile, der Operator zu sein. Ich linke das tape device nach /dev/null - viel oekonomischer. Zumindest, was meine Arbeitszeit angeht, weil ich nicht alle 5 Minuten Baender wechseln muss. Ausserdem dauert das Backup nur noch etwa 12 Minuten, also kann es nicht ganz schlecht sein! Ein Benutzer ruft an. "Wissen Sie, warum das System so langsam ist?", fragt er. "Wahrscheinlich liegt's an ..." - Ich schaue nach, was heute dran ist - " ... der Taktfrequenz." "Ah." --- Wenn sie nicht wissen, wovon man redet, sind sie meistens zufrieden. "Wissen Sie, wann das repariert wird?" "Repariert? Es sind 275 Benutzer auf deiner Maschine, einer davon bist Du. Nun sei ein braver Junge und lass mal ein paar andere ran. Log aus, Egoist!" "Aber ... aber die Ergebnisse muessen morgen abgegeben werden. Ich brauche nur noch eine Seite auf dem Laserdrucker .." "Aber klar doch! Erzaehl das mal deiner Omama, Bruder!" Ich haenge auf. Hundertausend Hoellenhunde! Man sollte meinen, dass sie endlich lernen, NICHT mehr anzurufen! -------- Das Telefon klingelt wieder. Ich weiss, dass er es ist. Sowas nervt mich. Ich veringere meine Stimmlage um 2 Oktaven. "HALLO, LOHNBUCHHALTUNG!" "Ah .. oh. Tut mir leid. Ich habe die falsche Nummer..." "SOOO? Wie ist denn Ihr Name, Freundchen? Wissen Sie, wieviel Geld uns solche falschen Anrufe kosten? WISSEN SIE DAS? Ich haette gute Lust, Ihre vergeudete Zeit, meine vergeudete Zeit und die Kosten dieses Anrufs von Ihrem Monatsgehalt abzuziehen! TATSACHE, DAS WERDE ICH AUCH! Wenn ich mit Ihnen fertig bin, werden SIE UNS Geld schulden! WIE IST IHR NAME - UND KEINE LUEGEN! WIR HABEN ISDN!" Ich hoere, wie der Hoerer 'runterfaellt und sich jemand in Trab setzt - er will sich im Sekretariat des Dekans ein Alibi besorgen. Ich tippe seinen Benutzernamen ein und rufe im Sekretariat des zugehoerigen Dekanats an. "Hallo?", meldet sie sich. "Hallo, Simon, Operator hier. Passen Sie auf! Wenn er in etwa 10 Sekunden in Ihr Buero stuermt, koennen Sie ihm was ausrichten?" "Ich denke schon...", sagt sie unsicher. "SAGEN SIE IHM: ER KANN RENNEN, ABER ER ENTGEHT MIR NICHT!" "-hm, gut." "Und nicht vergessen. Es waere doch schade, wenn jemand Ihre Datei mit den einschlaegigen S+M Tips in Ihrem Account finden wuerde..." Ich hoere ihre langen Fingernaegel panikartig ueber die Tastatur klappern... "Sparen Sie sich die Muehe - ich hab' bereits 'ne Kopie. Nun seien Sie ein gutes Maedchen und richten Sie's ihm aus!" Sie verspricht es heulend. Das Schlimme an der Sache ist: die S+M Sache war nur geraten. Trotzdem hole ich mir rasch eine Kopie davon. Koennte mal ganz gut sein, wenn ich nicht einschlafen kann... -------- Inzwischen ist das Backup in neuer Rekordzeit zu Ende gelaufen. 11 Minuten und 10 Sekunden. Es lebe die moderne Rechnertechnik! Schon wieder klingelt das Telefon. "Ich brauche mehr Platz" sagt er. "Warum ziehen Sie nicht in den Osten?" "Quatsch, in meinem Account, Sie Idiot." Idiot? Oh-oh... "Es tut mir so leid", sage ich wie Mutter Beimer in der Lindenstrasse "aber ich hab' das nicht ganz mitgekriegt. Was sagten Sie doch gleich?" Ich kann die aufkommende Angst durch die Leitung riechen. Aber es ist zu spaet: er ist erledigt und er weiss es. "-hm, ich sagte, haette gerne etwas mehr Speicherplatz in meinem Account bitte." "Aber klar. Augenblick mal." Ich hoere ihn erleichtert aufatmen, obwohl er die Sprechmuschel mit der Hand abdeckt. "Erledigt. Sie haben massig Platz jetzt." "Wieviel?" Das geht mir nun wirklich auf den Keks! Nicht nur dass sie dauernd Speicherplatz von mir fordern, Sie wollen mich auch noch kontrollieren und protestieren, wenn ich Ihnen nicht genug gebe. Sie sollten gluecklich sein mit dem, was es von mir gibt, und basta! Wieder mit Mutter Beimer: "Also, schaun' wir mal. Sie haben 60 MB frei." "Klasse! 120 MB zusammen. Vielen Dank!", sagte er begeistert von seiner Verhandlungstechnik. "Moment!" unterbreche ich. Das muss man geniessen wie einen Suedaustralischen bei Raumtemperatur. "60 MB insgesamt." "Was? Ich habe doch schon 60 MB belegt. Wie kann ich dann noch 60 MB frei haben?" Ich sage nichts. Ist auch nicht noetig. Er wird schon noch drauf kommen. "Aaaaaaaaaaaarrrrrrrrrrrrggggghhhhhh!" Ich mag mich wenn ich eklig bin. Ehrlich! [[The Bastard Operator from Hell #2]] Ich spiele gerade DOOM an der Masterconsole als irgend so ein gedankenloser Bastard anruft. Ich hebe ab. "Hallo?" sage ich. "Wer ist da?", sagt jemand. "Ich denke, ich bin's", sage ich. Wozu habe ich den Kurs 'Erfolgreiches Verhandeln am Telefon' absolviert? "Wer ich?" "Wird das ein Oesterreicherwitz?", sage ich, waehrend ich mit allen verfuegbaren Fingern auf den Feind ballere. ZU SPAET. YOU GOT KILLED. GAME OVER. Meine Laune sinkt von minus zweihundert auf den absoluten Nullpunkt. "Was kann ich fuer Sie tun?" Stimme so weich wie Kaschmirwolle (ein untruegliches Warnzeichen!) "Aehm, Ich haette gerne gewusst, ob wir ein bestimmtes Software- Paket haben..." "Was fuer eine Software ist das?" "Aehm, sie heisst B-A-S-I-C." >klickediklackediklick< >rm basic.exe< "Hm, tut mir leid, haben wir nicht. Wir hatten das mal..." "Oh. Na gut, die andere Sache, weswegen ich anrufe: koennte man alle Daten in meinem Account auf Band kopieren? Dann haette ich eine Sicherheitskopie zu Hause im Falle eines Falles..." "Im Falle eines Falles?" "Ja, falls sie zum Beispiel aus Versehen geloescht werden oder so ..." "GELOESCHT! Ah, machen Sie sich da mal keine Sorgen. Wir machen doch Backups." Ich bin so ein Schwein! "Wie ist Ihr Username?" Er gibt mir seinen Usernamen. Nicht sehr helle! >klickediklackediklick< "Aber Sie haben doch gar keine Daten in Ihrem Account!", sage ich, baffes Erstaunen in der wohlmodulierten Stimme. "Natuerlich habe ich Daten. Sie schauen sicher an der falschen Stelle!" >klickediklackediklick< "Ah, stimmt. Ich war falsch", sage ich. Hat er nicht gerade 'Typisch' in seinen Bart gemurmelt? Mein lieber Freund... "Ich wollte sagen: DER USERNAME EXISTIERT GAR NICHT." "Was?" Wimmern in der Leitung. "Aber da muss einer sein. Ich habe doch erst heute morgen darin gearbeitet!" "Aha! Da liegt das Problem. Sehen Sie, da war ein Virus im System heute morgen. Der ... aeh ... Leonardo da Vinci Virus. Loescht alle User die gerade eingeloggt sind, wenn er losbricht." "Das kann nicht sein. Meine Freundin war auch eingeloggt, und jetzt bin ich gerade in ihrem Account!" "Und welcher ist das?" ER SAGT ES MIR. MANCHE LEUTE LERNEN'S NIE. "Ah, ja. Den Account konnten wir gerade noch retten." >klickediklackediklick< "Sie hat nur alle Daten verloren." "Aber..." "Keine Sorge. Wir haben doch alles auf Backup." "Oh, Gott sei Dank!!!" "Auf Lochstreifen-Backup! Haben Sie einen Leser dafuer? Wir nicht! Viel Spass!!!" Ich bin so ein Hund! [[The Bastard Operator from Hell #3]] Mein Job ist so eine Hetze, dass ich kaum dazu komme, kurz mal ins Kino zu fahren, bevor die Leute ihre Ausdrucke abholen kommen. Die Queue ist sowieso viel zu voll, als dass ich alles rechtzeitig ausgedruckt (und sortieren) koennte. Also kille ich alle die kleineren Jobs bis auf zwei und die lassen sich im Nu sortieren. Nach dem Film (einer von diesen Endlos-Bertoluccis, wo der Held nach drei Stunden endlich in grandiosen Visionen zugrunde geht) komme ich zurueck, um die Ausdrucke auszugeben. Etwa fuenfzig Leute warten draussen und ich habe zwei Ausdrucke. Stimmt ziemlich gut mit meinem Durchschnitt ueberein. Andererseits haette ich mehr killen sollen. Egal, ich lasse die beiden Ausdrucke elegant auf den Tisch gleiten, drehe mich um und gehe betont langsam zurueck in meinen Glaskasten. Dabei halte ich deutlich sichtbar das Clipboard in der Hand, das mit den grossen roten Buchstaben 'ACCOUNTS TO REMOVE' auf der Rueckseite. Keiner sagt ein Wort. Wie immer. -------- Ich sitze wieder gemuetlich im Operator-Sessel und beobachte den Ueberwachungs-Monitor, der zufaellig mit dem Videoplayer aus der medizinischen Optik verbunden ist (zur Reparatur hier; geschaetzter Termin der Ruecklieferung irgendwann in 2001). Ploetzlich klingelte das Telefon. Das muss heute schon das zweite Mal sein und es beginnt, mir auf die Nerven zu gehen. "Ja?", sage ich und halte das Bild an. "Ich hab' aus Versehen meinen Lebenslauf geloescht", sagt die Stimme am anderen Ende. "Tatsaechlich? Wie war Ihr Username?" Er sagt es mir. Sch.... wie langweilig. "Ah, nein. Nicht Sie haben ihn geloescht - ich war's." "Was?" "Ich hab' ihn geloescht! Er war voll mit Sch...! In keinem einzigen Fach was Besseres als 'ne zwei!" "Haeh?" "Und der Mist mit dem Austauschstudium - das war Ihre Freundin, und wir beide wissen das!" "Haeh??" "Na, Ihre Studienangaben. Ich hab's nachgeprueft. Sie haben gelogen." "Wie haben Sie ..." Es klickt deutlich hoerbar. "Oh, nein. SIE sind's! Der BASTARD OPERATOR FROM HELL!" "Leibhaftig, am Telefon und in Ihrem Account. Es waere wirklich besser gewesen nicht anzurufen, wissen Sie. Vor allem haetten Sie Ihren Usernamen lieber fuer sich behalten sollen..." >klickediklackediklick< "Tja, und dann haetten Sie dem System Manager keine so boese Mail schicken duerfen. Eine Mail, die ausdrueckt, was Sie von ihm halten - in huebschen Bildern!" "Ich habe keine ..." >klickediklackediklick klick< "So? Haben Sie nicht? Wer kann das noch sagen heutzutage? Keine Sorge, es bald wird alles vorueber sein...." >klickediklackediklick klick< ... noch den Usernamen zurueckaendern ... >klickediklackediklick< "B-b-b-b", blubbert er wie eine desynchronisierte PDP-11. "Leben Sie wohl", sage ich ueberfreundlich. "Ich denke Sie sollten jetzt besser packen. Viel Spass beim Neubeginn." Ich lege auf. Zwei Sekunden spaeter laeutet das rote Telefon. Es ist der Boss. Er knurrt den Usernamen - von wem wohl? - und etwas ueber eine schweinische Mail. "Sie wissen, was Sie zu tun haben ..." mit den Punkten und allem. Spaeter, im Abrechnungscomputer der Staedtischen Elektrizitaetswerke, waehrend ich die naechste Rechnung des armen Schweins um ein paar Nullen korrigiere, wundere ich mich wieder einmal ueber diesen hartnaeckigen und unglaublichen Mangel an Urteilsvermoegen - welche Bloedheit kosmischen Ausmasses treibt sie immer wieder dazu, bei mir anzurufen. Noch spaeter, als ich im FBI Computer sein Photo von der WWW Page in die Gesuchtenliste kopiere (die mit dem Label 'Dringend gesucht, bewaffnet und gefaehrlich, sofort schiessen') komme ich zu dem Schluss, dass ich es wohl niemals wissen werde - aber das Leben geht weiter. Ein paar Stunden spaeter sehe ich die GSG 9 sein Apartment umstellen und mir wird klar: fuer ein paar von uns wird es das nicht. Aber morgen ist ein neuer Tag. [[The Bastard Operator from Hell #4]] Es ist Donnerstag und ich bin guter Laune. Es ist Zahltag. Ich denke, ein paar Anrufe koennen nicht schaden. Also lege ich den Hoerer zurueck auf die Gabel. Es laeutet. "Seit Stunden versuche ich, Sie zu erreichen!", schreit eine Stimme am anderen Ende. "Nanana, STUNDEN koennen's gar nicht gewesen sein", sage ich, waehrend ich 'Blade Runner' ins Cover zurueckstecke und mir die Rueckseite anschaue. "Allenfalls 114 Minuten. Ich hatte einen langen Chat mit dem grossen Boss. Versuchte, bessere Technik fuer unsere Benutzer herauszuschlagen." Eins, zwei, drei ... "Oh, tut mir leid." "Macht nix. Ich bin nicht nachtragend." Ich nehme mir vor, sein Passwort in den naechsten Tagen etwas abzuaendern, in etwas, worauf er nicht so schnell kommen duerfte. "Aehm, ich weiss nicht, wie ich ein File umbenennen kann", sagt er. Oh, Gott... Moment es ist ja Zahltag, nicht? Also bin ich guter Laune. "Aber klar. Tippen Sie nur 'rm' und den Filenamen." "Vielen Dank." "Keine Ursache." (Jetzt bin WIRKLICH guter Laune. Vielleicht sollte ich heute das Skript fertigschreiben, das Abspeichern zu bestimmten, zufaellig gewaehlten Zeiten unmoeglich macht.) Das Telephon laeutet wieder. "Hallo?" "Hallo, ebenfalls" sage ich. "Ist das der Kontrollraum?" "Aber klar doch" sage ich zuckersuess. "Koennten Sie mir bitte meine Ausdrucke herausbringen? Ich brauche sie dringend und der Ausdruck muesste schon seit fuenf Minuten zu Ende sein." "Ihr Username?", frage ich. Er gibt ihn mir und ich notiere ihn fuer spaeter. "Kein Problem. Moment.", sage ich und gehe 'rueber zu den Druckern. Ein RIESEN Haufen von Ausdrucken liegt auf dem Boden. Und tatsaechlich, sein Dokument liegt ganz oben auf. Ich breite es ueber dem Haufen aus und spruehe grosszuegig unser Spezialfleckenwasser in die Gegend. Dann fahre ich den schweren Bandwagen ein paar Mal darueber und klemme es zum kroenenden Abschluss vier, fuenf Mal in die schwere Safetuere ein, wo wir die Backup- Baender aufbewahren sollten. Huebsch. "Hier sind Ihre Ausdrucke", sage ich "Tut mir leid, dass es solange gedauert hat. Wir haben ein paar kleinere Probleme mit dem Drucker." Ein Blick und er macht sich fast in die Hose. "Oh, Gott! Kann ich es nochmal drucken?", fragt er besorgt. "Aber klar doch" sage ich. "Aber wie gesagt, unser Printer ist nicht besonders gut drauf heute." "Aeh, kann ich es auf dem Laser drucken - funktioniert der?" "Natuerlich, aber das kostet eine Kleinigkeit", sage ich, Mitgefuehl verstroemend. "Egal, was es kostet! Das ist hyper-dringend!" Ich schleiche zurueck in den Druckerraum und suche die Tonerkassette, die wir fuer spezielle Faelle aufbewaren - die mit den dicken schwarzen Streifen in der Mitte und den blassen Raendern. Ich habe ziemlich lange gebraucht, bis sie so gut funktionierte. Der Ausdruck flutscht raus und ich bringe ihn sofort nach vorne. Bloss nichts verpassen. "W-w-w-was ist den jetzt passiert?", winselt mich der Geck an. Gut, dass ich den Usernamen notiert habe - Geistige Folter ist vielleicht doch etwas, wofuer ich mich laengerfristig begeistern koennte. "Aeh, nichts. Ich meine, klar: es ist nicht perfekt. Aber der Toner hat auch schon 47 Tausend Seiten drauf und wurde 17mal nachgefuellt. Ich finde, es ist noch gut gegen das, was wir sonst so bekommen." Der Geck zahlt und beginnt zu wimmern. "Na, kommen Sie. Kein Grund zum Heulen. Haben Sie die Arbeit auf Disketten?" Er gibt mir eine kleine Plastikbox mit Disketten. Ich huepfe schnell rein und lege sie kurz auf den Loesch-Magneten. Ich gehe wieder hinaus. "Tut mir so leid, aber mir faellt gerade ein, dass unser Lesegeraet hinueber ist. Sie muessen damit zu dem Druckerraum U am anderen Ende des Campus - kennen Sie den? - und es dort ausdrucken. Dort sollte es klappen. Die haben gestern einen neuen Toner bekommen." "SUPER!" "Gern geschehen. Und denken Sie daran: immer die Disketten hoch ueber den Kopf halten. Das Erdmagnetfeld ist heute wieder extrem stark." "Haeh???" "Keinen langen Reden. Machen Sie's." Er marschiert los, die Disketten hoch ueber dem Kopf. Manchmal hasse ich mich selbst. [[The Bastard Operator from Hell #5]] Die dauernde Langeweile bringt mich um. Also lese ich User-eMmails, um die Zeit totzuschlagen. Allerdings muss ich zugeben, dass die heutige Lieferung auch nur zum Gaehnen anregt. Nicht eine wirklich gute Nachricht darunter. Nicht mal versteckte Andeutungen ueber Fummeln im Supermarkt, wie sonst. Gar nichts. Statt dessen muss ich mir den ueblichen Sch... zu Gemuete fuehren: Welcher Verwandte wann welche Art von Operation ueber sich ergehen lassen muss und welche es nicht ueberlebt haben, wie das Wetter auf der anderen Seite des Erdballs ist, die Sorte von Redundanzmails, die nur unsere Queues vollknallen! Um die Sache etwas aufzulockern, hole ich eine persoenliche Party-Einladung aus einer Mailbox, poste sie unter dem Namen des Senders in alt.singles.with.severe.social.dysfunctions im USENET und mache eine Notiz in meinem Kalender, damit ich rechtzeitig dort bin - mit meiner Videokamera. Koennte was werden! Was steht als naechstes an? Ah ja, die medizinische Datenbank, in der die Vertrauensaerzte der Uni die Krankheitsgeschichten der Angestellten speichern. Ich grepe schnell mal durch nach 'Herpes' und 'Syphilis' und verkaufe die Ergebnisse an die lokale Boulevardpresse. Um meine Spuren zu verwischen, gehe ich in den Account des Oberarztes und fuege dort folgenden Eintrag in sein Online-Tagebuch ein: DM 500, Med. Daten an Zeitung. Sollte ausreichen! Ich schichte ein paar Baender aus den Regalen auf den Laborwagen und zurueck, damit es so aussieht, als ob wir sie tatsaechlich verwenden. Dann gehe ich in Archie und suche nach einem bestimmten verborgenen X-GIF Server, von dem ich gehoert habe. Als ich ihn finde, starte ich einen Batch unter einem User-Account, um die Bildchen 'runter zu laden - natuerlich auf seine Kosten. Gerade noch rechtzeitig faellt mir ein, ob auch genug Speicherplatz fuer die Bilder frei ist. Um ganz sicher zu gehen, entferne ich alle Dateien auf der Platte, die nicht direkt mit dem Batch zu tun haben. Zum Beispiel die ganzen LaTeX Dokumente "diss*.*"; die sind in letzter Zeit sowieso schon wieder viel zu gross geworden. Zurueck in User eMail schaue ich, ob sich inzwischen was getan hat. Naaah. Schliesslich grepe ich alle files nach 'schwanger', 'Scheidung' und 'Therapie' und poste sie anonym in eine lokale Klatsch-Newsgroup. Dann, bevor ich auch nur piep sagen kann, ist der Strom weg! In der naechsten Sekunde laeutet schon das Telefon. "Hallo?" sage ich wuetend - der Coyote hat den Roadrunner gerade fast am Wickel gehabt! "Was ist mit dem Comp..." Ich haenge auf. Jetzt geht's um Leben oder Tod. So schnell ich kann, reisse ich das Stromkabel des Mainframes aus der Notstromversorgung und schliesse fieberhaft mein TV daran an. Verdammt! Der Roadrunner war wieder schneller! Inzwischen fangen ueberall die Warner an zu jaulen, weil die Hauptplattenspeicher 'runterfahren. Aber was soll's? Mein Mac und mein Terminal sind sowieso fest mit der Notstromversorgung verbunden, und ich bin im Beer Factory Level in Dark Castle. Das Telefon klingelt schon wieder. Also lasse ich die Kommunikationssicherung am Notstromschaltkreis herausschnappen, und endlich ist Ruhe. Um ganz sicher zu gehen, hole ich den Hockeyschlaeger aus dem Spind und uebe ein bisschen Einer-gegen-die Wand. Durch das Glasfenster schaut das aus, als ob ich wie ein Wahnsinniger nach dem Fehler suche - wie ueblich. 10 Minuten spaeter ist der Strom wieder da und die Diagnose meldet zwei Hard Disk Crashs auf dem Main Frame - zum Teufel damit! Ich habe keinen Mann verloren, bin kurz vorn letzten Level und im TV kommen noch mehr Cartoons! Das andere Telefon laeutet, ein User (welch Ueberraschung!). "Kontrollraum" sage ich, so richtig im Stress. "Wann wird der Computer..." Ich lege auf. Im Moment komme ich ganz gut voran. Nur noch ein Wizard, der unablaessig Bannflueche schleudert, steht zwischen mir und dem letzten Bild. Gleich bin ich drin! Das Telefon laeutet schon wieder! Mit einem raschen Hieb schalte ich auf Freisprechen. "Kontrollraum", bruelle ich, voll involviert. "Ich hab' meine Files geloescht. Meine Daten sind weg", winselt ein User ueber den Lautsprecher. "Aber sicher doch" sage ich, weil ich mich nicht erinnern kann. Diese Bemerkung genuegt, um mich den Bruchteil einer Sekunde abzulenken. Der Wizard nagelt mich in den Boden und schmeisst mir noch einen Feuerball hinterher. GAME OVER. "Wie war Ihr Username?", frage ich mit Honig gesalbter Stimme. Er sagt es mir. Ich schaue nach - und er hat recht. Sch...., dabei war ich es nicht mal! Um meinen guten Ruf zu wahren, wechsele ich sein Login Directory nach /dev/null, setzte seinen Pfad auf '.' und setzte einen alias auf sein 'news' Kommando, welches ein scheussliches kleines Skript in seinem frueheren Home Directory startet. Das Skript schickt eine nicht mehr ganz politisch korrekte eMail an die Beauftragte fuer Gleichberechtigungsfragen der Uni und loescht sich anschliessend selbst. Wohl bekomm's! [[The Bastard Operator from Hell #6]] Es ist Freitag; also gehe ich frueher zur Arbeit, sogar noch vor dem Mittagessen. Das Telefon klingelt. Sch.... Ich blaettere den Ausredenkalender um. "SONNENERUPTIONEN" steht da. Ok, darueber muss ich erst ein bisschen recherchieren. Zwei Minuten spaeter bin ich fit fuer den ersten Anruf. "Hallo?" sage ich. "WO SIND SIE GEWESEN! ICH HABE SCHON DEN GANZEN VORMITTAG ANGERUFEN UND NIEMAND GEHT RAN!" Ich hasse es, wenn sie mich schon am fruehen Morgen anbruellen. Es deprimiert mich irgendwie. Sie wissen, was ich meine ... "Aeh, ja. Tja, wir hatten heute morgen auch wieder extrem starke Sonnenaktivitaet. Das kann boese Auswirkungen auf die Kommunikationsleitungen haben..." sage ich zuckersuess. "Haeh? Aber sonst habe ich doch jeden erreicht?!" "Tja, das ist durchaus moeglich. Die Auswirkungen erhoehter Sonnenaktivitaet sind ziemlich un-vor-her-seh-bar. Letzte Woche hatten wir sogar den Fall, dass ein paar Files einfach vor den Augen ihres Besitzers verschwunden sind, waehrend er noch damit gearbeitet hat ..." "Wirklich?" "Kein Sch...! Aeh, wollen Sie, dass ich Ihren Account schnell checke?" "Aeh, ja. Ich hab ein paar wichtige Dateien drin..." "Ok, wie war noch Ihr Username ..." Er sagt ihn mir. Ehrlich, eine Muecke mit einem Sprengsatz zu erledigen ist schwieriger. Mit einem atomaren Sprengsatz. Mit AWACS-Unterstuetzung. Sch....! (Ich verzichte ab jetzt auf den klickediklackediklick-Teil, ok?) "Wieviele Dateien sind in Ihren Account?", frage ich. "Aehm, also, etwa 20 in meiner Doktorarbeit, circa 10 mit den Daten dazu, und noch etwa 20 fuer das Buch, das ich gerade herausgebe." "Hm. Ich glaube, wir schauen erst mal, was noch zu retten ist. Also, da sind noch zwei Files lesbar, .cshrc und .login..." "AAAAAAAAAAAaaaaaaaaaarrrrrrrrrggggggghhhhhhhh!!!!!!!" Er schluchzt leise ins Mikrophon, ... ... mir kommen auch die Traenen! "Was mach' ich nur?" schnueffelt er. "Ok, haben Sie irgendwas davon auf Floppy gesichert?" "Schon, aber die sind schon Wochen alt!" Ich spiele mit dem Schalter des Floppy-Loeschers. "OK", sage ich, "Wie waer's, ich komme kurz rueber und lade die Backups in Ihrem Account, damit Sie pronto weiterarbeiten koennen?" "Das waere toll", wimmert er, "aber die Floppys habe ich zu Hause. Ich 'fuerchte, die muss ich heut' Nacht selber runterladen." "Gut. Aber denken Sie daran, was ich vorhin gesagt habe: Sonneneruption sind Gift fuer Disketten und Maschinen. Sie muessen Ihre Floppys unbedingt vor der gegenwaertigen Sonnenaktivitaet schuetzen. Sonst verlieren Sie noch alle Daten." "Wie mach ich das? Sie in Alufolie wickeln?" "UM GOTTES WILLEN, NEIN! Alufolie ist das Schlimmste! Sie wissen doch, was mit Alufolie im Microwellenherd passiert, oder?!" "Doch.." "Dann verwenden Sie's auch nicht! Es gibt nur eine sichere Methode, Disketten erfolgreich zu schuetzen..." "Und wie?" "MAGNETISCHE FELDER! Packen Sie Ihre Floppys in einen Kopfkissenbezug gefuellt mit moeglichst vielen Magneten. Sie koennen zum Beispiel die von Ihrem Kuehlschrank nehmen. Sie wissen schon, mit denen Sie ihre Zettel dort festpinnen - Solarpartikel hassen magnetische Felder." "Wow. Danke." "Gern geschehen. Es ist nur mein Job..." Sch.... Ich mache Fortschritte. [[The Bastard Operator from Hell #7]] Ich finde, so ein verantwortungsvoller Posten wie meiner sollte mit einer angemessenen Mittagspause verguetet werden. Fuer die paar Stunden setze ich den Hausmeister auf meinen Stuhl, damit es nicht so aussieht, als dass wir unsere Pflichten vernachlaessigen wuerden (sic!). Ich erklaere ihm, dass er nur darauf achten muss, dass der Hoerer nicht aus Versehen auf der Gabel landet. Er ist einverstanden und ich verschwinde. Zuerst die Bank. Ich lasse mir 20 Mark in Zehnpfenningstuecke wechseln und frage dann nach meinem Kontostand. Waehrend der Angestellte noch tippt, ziehe ich unauffaellig den Netzstecker von seinem Endgeraet. Es stirbt natuerlich, und ich sage dass ich in Eile bin und dass ich gerne den Manager von diesem Sauladen sehen moechte. Er walzt durch die Tuer wie ein gut gefuettertes Riesenbaby und fragt mich, ob es ein Problem gaebe. Ich sage, alles, was ich wolle, sei mein Kontostand und ob das denn zuviel verlangt sei und dass ich immer noch in Eile sei. Dann kreuze ich die Finger. JA! Er findet das herabhaengende Netzkabel, steckt es wieder rein und loggt sich ein, MIT DEM MANAGER ACCOUNT. Ich taumele wie zufaellig an den Schalter und stosse aus Versehen 200 Zehnpfenningstuecke hinunter. Der Manager beachtet mich nicht, aber alle anderen tauchen nach den Muenzen. Ich beobachte ungestoert, wie er sein Passwort eintippt - mit der halsbrecherischen Geschwindigkeit von einem Zeichen pro Sekunde! Gar kein Problem, der Hardliner macht es mir sogar noch leichter, indem er ein semantisches Wort als Passwort gewaehlt hat: ZINSEN. So ein Scherzkeks! Ich verziehe keinen Gesichtsmuskel. Nicht ganz einfach, wenn ich an meine ueberschuldete Hypothek denke. Heute Nacht werde ich da einiges richtigstellen... Ein Benutzer den ich noch vom D(eletion)-Day '94 kenne, naehert sich, um mich anzuquatschen. Sogar der Manager schuettelt abwehrend den Kopf, aber es ist zu spaet. Er haelt direkt vor mir und richtet das Wort an mich! "Aehm, Entschuldigung. Koennten Sie mir einen Tip geben, welchen Computer ich am besten fuer meine Diplomarbeit kaufe?" ?!?!?! Genau. "Schon mal vom neuen Pentium gehoert?" frage ich. "Ja..." "Meiden Sie den wie die Pest! Kaum jemand weiss das, aber man handelt sich fuerchterliche Probleme ein, wenn man ein Betriebssystem so schnell laufen laesst. Manche von den Kisten machen ueber 100 Millionen obstructions per second. Sie koennen sich ja vorstellen, dass da eine solch billige Kiste aus dem Takt kommen muss, nicht? Die Katastrophe ist praktisch vorprogrammiert!" "Oh!" "Nehmen Sie lieber was Sicheres und Bewaehrtes. Ein ZX81 mit dem doppelten Cassettenlaufwerk, wenn Sie das kriegen koennen. Im Vertrauen: Die sind nicht mehr leicht zu bekommen, weil alle Leute, die wirklich was davon verstehen, natuerlich nur bewaehrte Technik kaufen. Kaufen Sie bloss keine Harddisk dazu. Sie haben doch sicher schon gehoert wie oft die kaputtgehen? Cassetten dagegen halten ewig!" "Danke, super!" "Keine Ursache! Wie war doch noch gleich Ihr Username?" Er sagt ihn mir. Gerade noch rechtzeitig fuer D-Day 96. Man sollte meinen, dass sie's irgendwann lernen! -------- Zurueck an meinem Arbeitsplatz finde ich den Hausmeister - eingeschlafen vor dem Terminal. Ich frage ihn, ob er nicht lieber hier arbeiten moechte, aber er lehnt dankend ab. Hier hat er nicht die Moeglichkeit, Leute in der Toilette aufzuschrecken... Ich lege den Hoerer zurueck auf die Gabel und sofort klingelt es. Ich hasse es, wenn es das tut. Ich brauche immer eine Ewigkeit, die Earphones nachher wieder reinzupfriemeln. Diesmal ist es anders. Die heisseste Mieze auf dem Campus ist dran - und sie hat ein Computerproblem! Ich liebe solche Augenblicke. Sie machen den Job erst zu dem, was er ist. "Wie ist Ihr Username?" frage ich - als ob ich es nicht auswendig wuesste. So schnell ich kann, ueberfliege ich ihre persoenliche eMail - das meiste nur todlangweiliges Zeug - und grepe die gesamte User eMail nach ihrem Usernamen. Nichts - vortrefflich! "Wie kann ich Ihnen helfen?", floete ich charmant. "Ich kann mein Dokument nicht abspeichern. Es sagt etwas mit zuwenig Speicherplatz." "Das werden wir gleich haben" sage ich und loesche alle anderen Files auf ihrer Platte - ausser den ihrigen natuerlich. "Jetzt sollte alles funktionieren..." "Oh, vielen, vielen Dank", haucht sie ins Mikrophon. Ich notiere mir, dass ich morgen wieder etwas an ihren Account herumdoktere. Das Telephon laeutet, fast bevor ich es wieder auf der Gabel habe. "Meine Daten sind alle weg!", schreit jemand am anderen Ende. "Wann war das?" frage ich. "Gerade eben...", sagt er schluchzend. "Aha. Tja, Kopf hoch. Es sind noch drei Tage bis zum Semesterende. Wenn Sie Tag und Nacht dran bleiben, werden Sie schon noch eine Drei minus schaffen." Er schluchzt noch zwei- dreimal leise und legt auf. Schwaechling! -------- Das Telephon laeutet schon wieder! "Der Bildschirm an meinem PC ist so schwach. Ich kann kaum die Buchstaben erkennen. Soll ich den Helligkeitsregler hochdrehen?" "NEIN!", schreie ich. "Fassen Sie den Knopf nicht an! Haben Sie auch nur die leiseste Ahnung, was da fuer eine Strahlung 'rauskommt, wenn Sie den Knopf ganz zum Anschlag drehen?!" "Also ich ..", sagt sie verunsichert. "HOEREN SIE AUF MEINEN RAT!", sage ich. "Es gibt nur einen SICHEREN WEG, ein schwaches Display aufzumoebeln, und das ist: Nadelenergieimpulse in die Treiber geben!" Die Worte 'Nadelenergieimpulse ' und 'Treiber' sind zuviel fuer sie. Wenn Leute solche Ausdruecke hoeren, gehen sie automatisch in 'dummy mode' und machen ALLES, was ich sage. Ich koennte ihr jetzt vorschlagen, nackt und nur mit einem Netzkabel bekleidet ueber den Campus zu sprinten und sie wuerde es wahrscheinlich machen... Hmmmm. "Haben Sie zufaellig ein uebriges Netzkabel 'rumliegen?" "Nein..." "Oh, naja. Dann muessen wir das mit den Nadelimpulsen probieren... Also, Sie schalten jetzt, so schnell Sie koennen, Ihren PC ein und aus. Einfach den Kippschalter hin und herflippen, verstehen Sie? Etwa dreissig mal." "Soll ich vorher meine Disketten 'rausnehmen?" "NEIN! Wollen Sie alle Ihre Daten verlieren?!" "Oh. Nein, natuerlich nicht. Also..." Ich lausche gespannt. ... klick klack klick klack klick klack klick klack klick klack kl ... BUMM! Erstaunlich! 27 oder 28. Normalerweise macht sich das Netzteil schon nach dem achten oder neunten Mal in die Hose! "MEIN COMPUTER! ER RAUCHT!", schreit sie an anderen Ende. "Wirklich?? Da muss ein Fehler im Netzteil gewesen sein! Gut, dass wir das geklaert haben! Haben Sie noch Garantie auf die Maschine?" "NEIN!" "Du liebe Guete! Was fuer ein Pech! Tja, dann hilft nur reparieren lassen. Haben Sie wenigstens Ihre Daten gesichert?" "Ja, ins System, gestern erst. Aber die ganze Arbeit von heute morgen ist futsch!" "Sie Aermste! Wie war Ihr Username? Ich will gleich mal checken, ob Ihre Backups OK sind..." Sie sagt ihn mir... [[The Bastard Operator from Hell #8]] Ich sitze wie ueblich an meiner Konsole. Ein Benutzer ruft an. "Hallo, Kontrollraum. Simon am Apparat. Wie kann ich Ihnen helfen?", sage ich. "Ich komme nicht in meinen Account", nuschelt es am anderen Ende. "Wie lautet bitte Ihr Username?", frage ich. Er gibt mir seinen Usernamen. Ich schaue in seinen Account. "Kein Problem, da war nur ein nicht-ausfuehrbares login file. Ich hab's richtig gestellt. Jetzt sollten Sie ohne Probleme 'reinkommen." "Danke." "Kein Ursache. Schoenen Tag noch!" HAEAEAEHH?! fragen Sie sich jetzt. Ist der BASTARD OPERATOR FROM HELL endlich zum Guten bekehrt worden? Hat er aufgegeben?? REIF FUER DIE KLAPSMUEHLE??? Naaah. Der BASTARD OPERATOR FROM HELL wird ab heute ueberwacht. Alle Aktionen im Mainframe werden automatisch protokolliert. UND WENN DAS PASSIERT werde ich normalerweise auch abgehoert! Also muss ich huebsch brav ein, bis ich die Bugs entdeckt habe. Sollte nicht allzu lange dauern - vertrauen Sie mir! Ah. Da haben wir schon eins. Im Telefonhoerer, klar. Aber der Boss ist einer von der witzigen Sorte. Ich wette, da sind noch mehr. Ahja, ein anderer unter dem Telefon und ein dritter in meinem Keyboard. Zeit fuer eine kleine Kaffeeschlacht. Drei auf einmal.... hmmm. Ich bringe mal besser die ganze Kanne und warte auf Zeugen. Der System-Manager kommt herein. "Wo bleibt der Bericht, den ich gedruckt habe?", fragt er mit saurer Miene - er aergert sich offensichtlich, dass ich mich am Telefon noch nicht ans Messer geliefert habe. Widersacher identifiziert! Wie der Direktor der "BASTARD OPERATOR SCHOOL" (ich!) immer zu sagen pflegt: "Es gibt kein Problem das sich nicht loesen laesst, indem man die Benutzerprozesse killt, alle ihre Files loescht, ihre Accounts sperrt und ihre tatsaechlichen Einnahmen dem Finanzamt zukommen laesst." Ich ziehe den Ausdruck unter der Kaffeekanne hervor, die ich vorher plaziert hatte, und der Kaffee ergiesst sich ueber Telephone und Keyboard. Aus irgendeinem Grund standen beide uebereinandergestapelt in der Naehe. "Uuuups!" sage ich. Entsetzen malt sich auf meinem Gesicht. Sein Gesicht sagt mir dass ich richtig lag. "Glauben Sie ja nicht, dass Sie damit davonkommen, Simon", knurrt er und stampft hinaus. Ich schalte den Ethernet Monitor ein und beobachte die Pakete, die aus seinen PC kommen. Ah, ein Memo geht an den Laser im Buero des Direktors. Inhalt: Beendigung meines Vertrags, fristlos. Ich mache schnell ein paar notwendige Aenderungen an dem File, solange es im Spooldirectory liegt, und lasse es dann an seine urspruengliche Adresse weitergehen. Ich starte mein Programm 'endzeit', das -522 auf den PC knallt und der Mainframe macht sich in die Hose. Spaeter beim Booten entferne ich das laestige Logging. Als naechstes gehe ich in den Kabelraum und stecke meinen Walkmankopfhoerer in den freien RS232-Port aus dem Buero des Direktors. Es ist erstaunlich, wie leicht man bugs ausstreuen kann, wenn man weiss, wo die Datenleitungen laufen! Direktor: "Sind Sie sicher?" SysMgr: "ABSOLUT SICHER!" Direktor: "Und Sie wollen es sich nicht nochmal ueberlegen?" SysMgr: "AUF KEINEN FALL!" Direktor: "Nun gut, ich werde es sofort an die Personalabteilung weiterfaxen..." SysMgr: "HERVORRAGEND!" Zwei Sekunden spaeter kommt der Systemmanager herein. Er laechelt. Es sieht aus wie das Laecheln eines grossen, satten Haifischs. "Tja, ich werde Sie vermissen, Simon...", beginnt er, noch ganz erfuellt von der eben geleisteten Entscheidung. "Oh?", sage ich zuckersuess und heuchele Neugier. "Wohin gehen Sie denn?" "Nein, Simon", sagt er genussvoll, "Sie gehen." "Eine BEFOERDERUNG!", sage ich. "Sie haben endlich diesen Brief an den Direktor geschickt, dass er ein gottverdammtes Arschloch ist und dass Sie aufhoeren?" "Nein..." "Sind Sie sicher? Der ist aber viel besser als der ueber meine Entlassung..." "W..." Seine Pupillen weiten sich eine kleine Idee. Es ist, als ob man ein Walross mit dem Sofakissen erschlagen wuerde. Er rast los, um das Fax zu stoppen. Nur, nachdem er gerade gekuendigt hat, klickediklackedi funktioniert sein card key nicht mehr ... Anfaenger... Das Telephon klingelt. Es ist derselbe wie vorhin. "Ich komm' jetzt in meinen Account, aber ich hab' keinen Speicherplatz mehr auf der Platte..." "Moment, ich schau, was ich tun kann." >klickediklackedi 'rm -rf *'< [[The Bastard Operator from Hell #9]] Ich fahre zur Arbeit und klebe hinter diesem alten Trottel, der klassische SLOW DRIVER FROM HELL. Sein Tacho hat bei 20 die rote Linie und kommt ins Schlingern, wenn er die Kurven mit mehr als 5 nimmt. Ich verbrauche ein halbes Kilowatt in meiner Hupe, aber sein Hoergeraet ist anscheinend auf Fluestern eingestellt. Keine Chance, vorbeizukommen! Ich memoriere sein Kennzeichen. Genau genommen tue ich das seit fuenfzehneinhalb Minuten sechzigmal in der Minute. Mannomannomann... Ich denke, da ist wieder mal ein Anruf in Flensburg faellig. Vielleicht koennte man auch den Wagen als gestohlen registrieren. Gestohlen von Waffenhaendlern aus den vorderen Orient. Gefaehrlich... Endlich in der Arbeit blaettere ich als erstes den Ausredenkalender um. "ELEKTROMAGNETISCHE STOERSTRAHLUNG VON FUNKTIONSUNTUECHTIGEM SATELLITEN". Klingt gut; vielleicht wird es doch noch ein netter Tag. Ich logge mich als "FUCKYOU" ein (der Kummerkasten-Account fuer die Benutzer) und rufe die Mail auf. Drei Nachrichten sind drin. Die erste hat 117 Zeilen, eine Plaudertasche offensichtlich. Sch.... ich hasse das! Anstatt einfach zu sagen: "Der und der Account braucht mehr Speicherplatz" fangen sie an zu erzaehlen, ueber was fuer einen Mist sie fuer welchen idiotischen Dozenten zu forschen haben und dass es schon gestern haette fertig sein sollen und dass sie's auch geschafft haetten, aber dann hatte die Kusine dritten Grades ploetzlich einen Magendurchbruch und einen riesigen Blutverlust und musste ins Krankenhaus gebracht werden... usw usw. Ich loesche die Mail unbesehen. Die zweite Mail stammt offensichtlich von jemandem, der nicht mit dem Mailprogramm umgehen kann. Da ist nur der Header, aber keine Nachricht. Ich antworte mit direktem Reply: "Keine Sorge. Wir kuemmern uns darum am naechsten Dienstag." Hoffentlich war's was Wichtiges! Die dritte Mail hebe ich mir fuer morgen auf. Samstag waere ein gar zu langweiliger Tag - sollte ich jemals am Samstag arbeiten muessen! Das Telephon klingelt. Ich dachte, das haette ich 'repariert'! Ich klemme mir den Hoerer unters Kinn, damit ich gleichzeitig die Pizza in die Mikrowelle schieben kann. "Ja?", rufe ich hektisch. "Irgendetwas stimmt nicht mit meiner Bootdisk. Ich kann den Server nicht erreichen." "Haben Sie die Diskette dabei?" "Klar!" Ich hole mir die Disk und stecke sie zusammen mit der Pizza in die Mikrowelle. Fuenf Minuten ULTRA-NUKE! Eine viertel Stunde spaeter ruft er wieder an. "Es funktioniert immer noch nicht, aber jetzt hoere ich auch noch komische Geraeusche aus dem Laufwerk und es riecht irgendwie angebrannt." Angebrannt? Ich untersuche den Boden meiner Pizza. Naaah, nix angebrannt. Dem Jungen geht nur die Phantasie durch! "Oh, Sch....", sage ich, "das sind wieder diese Stoerstrahlungen von ausgemusterten Satelliten." "Tatsaechlich? Davon hab' ich auch schon gehoert..." Wow! "Aha! Tja, ich schaetze, Sie muessen sich 'ne neue Bootdisk zulegen..." "Oh. Naja, macht auch nix. Die alte haette es sowieso nicht mehr lange gemacht. Danke." "Keine Ursache. Und denken Sie immer daran, den Virenchecker FDISK ab und zu laufen zu lassen, wenn Sie wichtige Daten auf Ihrer Disk haben..." "Werd' ich machen. Danke!" "Alles klar - ist nur mein Job!" Racing laeuft viel zu langsam fuer einen erfahrenen Spieler; also kille ich eben mal alle Database Prozesse, die sich den Loewenanteil an CPU holen und gebe Racing Prioritaet -10. Besser, viel besser. Verdammt hart, so an der vordersten Front: Immer nur Arbeit, Arbeit, Arbeit... -------- Ich goenne mir einen schnellen 2-Stunden-Snack in der Cafeteria. In der Cafeteria sind immer alle ganz reizend zu mir. Zumindest seit es mal diesen dummen Computerfehler gegeben hat, der ihre Kueche als Anlaufstation fuer Organspender registrierte - ziemlich laestig! Ich schnappe mir noch ein paar Cokes und Crackers und mach' mich auf den Rueckweg, diesmal durch die Anfaenger-Labs. Informatik, erstes Semester. Ich schaue durch das Guckloch an der Tuer: Ein ganzer Hoersaal voller Frischlinge ohne Dozenten. Das kann nicht angehen! Ich stosse energisch die Schwingtuere auf und marschiere zur Tafel. "Es geht los, Herrschaften! Ich darf um Ruhe bitten. Sie dahinten, ja Sie. Sie sorgen dafuer, dass uns niemand stoert. Blockieren Sie einfach den Eingang. Wer zu spaet kommt, soll sich das fuer's naechste Mal merken. Also, ich bin ihre Vertretung heute und wir wollen jetzt mal den ueblichen Kram, den Sie sonst machen, beiseite lassen und uns ueber ein paar fundamentale Befehle aus der Praxis unterhalten. Wir beginnen mit einer der wichtigsten Funktionen ueberhaupt dem REMARK-Befehl oder wie er allen Kenner bekannt ist 'rm *' ..." Ich haette vielleicht doch besser Professor werden sollen - ich hab' den richtigen Draht zu den jungen Leuten, wissen Sie... [[The Bastard Operator from Hell #10]] Grundverhaltensregeln fuer Dozenten (nach Father Damian C. Fandal ): 1. VERSTECKEN! 2. Wenn sie dich finden: LUEGEN!! Ich soll als Experte in einer Vorlesung "Grundlagen Systemverwaltung" auftreten; so steht es in der Einladung. Also ueberlasse ich den Kontrollraum den bewaehrten Haenden von Sam, dem Hausmeister, und gehe hinueber. Die Vorlesung laeuft wie am Schnuerchen. Gegen Ende verkuendet der Dozent, dass die Studenten "nunmehr 10 Minuten Gelegenheit haben, einem Mann der Praxis, einem richtigen Operator" Fragen zu stellen. Ich hole meinen Block und Stift heraus und sage: "Bevor wir anfangen, folgender Vorschlag: Koennten Sie bitte Ihren Usernamen nennen, bevor Sie eine Frage stellen. Auf diese Weise kann ich Ihnen gewisse Probleme an konkreten Beispielen erlaeutern. Das ist einfacher zu verstehen." Der Dozent schluckt es - mit Senf und Ketchup. Beispiele sind per default gut. Sag niemals was gegen Beispiele an einer Uni! "Ok, erste Frage. Sie da drueben..." "Wie beurteilen Sie den Schutz von persoenlichen Daten auf einem Mehrbenutzersystem?" "Wie war Ihr Username?" "CMS1103." >kritzelkratzel< "Schutz von persoenlichen Daten ... Hmmm. Ein heisses Thema, wirklich. Sie denken zum Beispiel, wenn jemand Ihre private Mail liest, worin Sie sich mit Ihrem Therapeuten unterhalten? Zum Beispiel, warum Sie sich vor Ihrer Frau immer im Schrank verstecken?" "AAAAAAAAAAAAARRRRRRRRRRGGGGGGGHHHHHH!!!!!" "Oh. Das kam wohl nicht so gut an. Oder er musste dringend weg. War vielleicht kein so gutes Beispiel. Naechste Frage, bitte. Ja, Sie da hinten..." "CMS1136. Ich wuerde gerne ..." "Ah. 1136, der einzige User an der ganzen Uni, der in alt.sex.buggery.by.sailors.in.mums.clothing aboniert." "Nur fuer rein wissenschaftliche Zwecke!" "Natuerlich! Fuer einen Wissenschaftler haben Sie eine betraechtliche Posting-Statistik dort, finden Sie nicht?" "NNNNNGGGGGGAAAAAAAAGGGGGGGHHHHHH!!!!" "Der naechste bitte..." Zwei Minuten spaeter sind wir allein im Hoersaal. Das ist eben das Problem mit den heutigen jungen Leuten: Die wollen nichts mehr lernen... Ich gehe zurueck zu meinem Kontrollraum und Sam ist schon wieder auf der Konsole eingeschlafen. Ich glaube jetzt, er ist DOCH hinter meinem Job her. So ein Einsatz... Ich nehme mir vor, bei Gelegenheit ein paar notwendige Aenderungen in der Gehaltsdatenbank vorzunehmen. Man kann nie vorsichtig genug sein... Kranken- und Unfallversicherung braucht Sam eigentlich nicht. Ich lege den Hoerer auf die Gabel - das erste Mal heute nachmittag - und sofort faengt das Ding an zu rattern. ES REICHT! Um mein Mittagsschlaefchen zu retten, leite ich den Anschluss auf 110 um. Das wird ihnen eine Lehre sein! Uuups, fast vergessen, den Ausredenkalender umzublaettern. "STATISCHE AUFLADUNG WEGEN NYLON-UNTERWAESCHE" Naaah, viel zu plausibel - obwohl, ich koennte die Unterwaesche von Fall zu Fall persoenlich ueberpruefen... nee, lieber nicht. Wer weiss, was dabei ans Tageslicht kommt. Ich blaettere eins weiter. "STATISCHE AUFLADUNG DURCH PLASTIK-RECHENSCHIEBER" Na, das ist doch mal was! Eine echte Herausforderung! Ich hebe die Telefonumleitung auf und plaziere den Papierkorb unter dem Druckerauswurf - endlich eine technisch fortgeschrittene Loesung! Waehrend ich noch mein Werk bewundere, laeutet es. Das koennte der grosse Wurf werden! "Hallo?" "Hallo, aehm, wie kann ich mein File auf Rechtschreibfehler pruefen?" "Ganz einfach. Tippen Sie 'spell' und den Filenamen." "Danke." Ich bin wieder mal hoellisch hilfsbereit heute morgen. Vor allem weil ich weiss, dass meine spezielle Version von 'spell' Fehler erzeugt, statt sie zu beseitigen. Aus 'Freund' wird 'Fruend' und umgekehrt. Ein Augenschmaus! Das Telefon klingelt - er ist's wieder. "Irgendetwas stimmt nicht mit dem 'spell' Programm." "Wie kommen Sie denn da drauf?" "Weil mein File ploetzlich voll mit Fehlern ist!" "Hm, das klingt nicht gerade nach 'spell'. Sind Sie ueber Ihren PC eingeloggt?" "Ja, aber ich ..." "Bitte, ueberlassen Sie die technische Diagnose mir! Also, ist da irgendwo ein Rechenschieber auf oder in Ihrem Schreibtisch?" "Aehm [klapper] ja, aber..." "Aha. Haben wir's schon. Sie haben eine statische Aufladung auf Ihrer Festplatte, verursacht von den wechselnden elektrostatischen Feldern, die der Rechenschieber erzeugt - Sie wissen schon: so, wie er kleine Papierfiezel anzieht, wenn sie ihn an Ihrem Pullover reiben..." >>DUMMY MODE ON<< "Oh. Was kann man da machen?" "Sie wissen doch, wie Sie solche laestigen Papierfiezel von Ihrem Rechenschieber wegbekommen? Genau, Sie schlagen damit auf die Tischkante, bis die elektrischen Felder sich im Erdmagnetfeld aufloesen. Machen Sie das gleiche mit Ihrem PC. Sagen wir, zwanzig mal - heben Sie ihn etwa dreissig Zentimeter ueber den Tisch und lassen ihn fallen." "Ah, gut. Bleiben Sie kurz dran?" "Sicher." Das wuerde ich nicht mal fuer die Simpsons verpassen! polter polter polter SCHEPPER "Aeh, hallo? Der Schirm ist ploetzlich dunkel geworden..." "Das ist ganz normal, das macht er immer; soll er sogar. Machen Sie weiter. Und wenn Sie mit dem PC fertig sind, machen Sie sicherheitshalber das Gleiche auch noch mit dem Schirm. Manchmal breitet sich die Aufladung ueber die Kabel bis in den Schirm aus." polter polter polter KLIRR Ich lege auf. Spaeter gehe ich raus in den oeffentlichen CIP-Pool und traeufle unauffaellig Honig in die Schlitze der Floppy Laufwerke, als ploetzlich ein Typ auftaucht, der verdammt wie Lee Harvey Oswald aussieht, und mich ueber den Haufen schiesst. Aber der Knall kommt aus dem Maschinenraum, und waehrend ich an einer blutbesudelten IBM Maschine zusammensacke, hoere ich den Ex-System-Manager im Hintergrund kichern... Noch spaeter, im Krankenwagen, wird mir klar, dass ich von dem Typen nicht mal die Userkennung habe... ... dann wird alles dunkel. Als der Krankenwagen das Ende des Tunnels erreichte, verschwand die Dunkelheit wieder. Vielleicht war ich doch nicht so schwer verletzt. Vielleicht aber doch! Egal, jemand wuerde dafuer bezahl... In diesem Moment starb ich. Fuer einen echten Bastard Operator from Hell sieht die Sache natuerlich etwas anders aus: Mehr wie ein unerwarteter Urlaub. Fuenf Sekunden spaeter bekomme ich 15 kV durch die Brustwarzen gejagt. Unverduennt und ohne Eis! (Echte Sanitaeter wissen eben, wie man eine todlangweilige Party belebt!) DER BASTARD OPERATOR FROM HELL LEBT! [[The Bastard Operator from Hell #11]] Drei Wochen spaeter bin ich wieder auf den Beinen, hochgepaeppelt von suessen Krankenschwestern, die um ihre Pensionsansprueche fuerchten. Voller Energie sitze ich hinter meiner Konsole. Alles in allem, gar nicht so schlecht, die Zeit im Hospital; ich koennte Baeume ausreissen! Ich gehe rasch durch die angehaeufte Usermail der letzten Wochen (nur damit ich nichts verpasse!), dann lasse ich die Studenten wissen, dass ich wieder auf dem Posten bin. Ein nicht angekuendigter Wartungszyklus, mitten in der Hauptuebungszeit; ich flippe den Restart-Schalter. Ein wohliges Gefuehl breitet sich in mir aus. Sie werden mich dafuer lieben! Ich blaettere den Ausredenkalender um: "TREIBHAUSEFFEKT" JA!!! Willkommen zu Hause! Es ist Monatsende. In Kuerze werden diese ganzen unnoetigen automatischen mailing lists das Netz ueberschwemmen. Ich korrigiere die Systemuhr um 7 Tage nach hinten, um mir die Performance nicht zu versauen und wechsele das neue Druckerband gegen mein Spezialband - drei Jahre alt, mit vielen huebschen Loechern. Ich grabe mich durch den Stapel snail mail, der sich angehaeuft hat, und stuerze mich als erstes auf das BOFH Journal "kill -9". Ein huebscher Artikel ist dabei, wie man Windows 95 grausam langsam und hoellisch langweilig machen kann. Irgendwie schaut der Artikel aus, wie die normale Installationsanleitung fuer Windows 95 ... naja, wer weiss. Ich blaettere mich durch bis zur BOFH Expertenrubrik und schaue nach, ob irgendwelche Artikel von mir hineingekommen sind. Alle!!! Sogar der ueber 'den C++ Compiler, der per Zufall Klassen umbenennt und dies sogar im 'Sourcecode aendert! Das Telephon klingelt. (Irgendwie habe ich fast darauf gewartet!) "Mein Bildschirm ist dunkel!!!" "Netzkabel!", sage ich. "Nein, das hab' ich schon ueberprueft. Wenn ich einschalte, passiert einfach nichts!" "Netzkabel!", sage ich. "Nein! Das Netzkabel steckt richtig drin. Auch die Leuchtdioden am Keyboard leuchten nicht!" "Das Netzkabel!", sage ich. "Oh, Moment mal. Das Kabel ist nicht richtig eingesteckt!" "Das Netzkabel?" frage ich. "Ja ... Sch....." "Macht ja nix", sage ich, "Funktioniert jetzt alles wieder?" "Ja, ich glaub' schon. Tut mir leid. Sie haben natuerlich recht gehabt." "Tja, wir bekommen das haeufig in letzter Zeit. Der Grund liegt wahrscheinlich am zunehmenden Treibhauseffekt. Die globale Erwaermung verursacht stark statistisch variierende thermale Kontraktionen, welche wiederum temperaturinduzierte Bewegungen hervorruft, deren Reibungskoeffizienten zu Adhaesion am Plastikteilen fuehren kann..." Ich lausche aufmerksam. Nichts. Mit anderen Worten, >>DUMMY MODE ON<< "Sie koennen sich zukuenftig davor schuetzen, wissen Sie..." "Wirklich? Wie denn?" "Es reicht im Prinzip schon, eine schwach basische Mineralloesung auf die Metallkontakte aufzubringen." "Oh!" >>IRREVOCABLE DUMMY MODE ON<< "Ganz einfach. Alles was Sie machen muessen, ist den Stecker vom Geraet abziehen und eine schwach basische Salzloesung in die Schlitze zu traeufeln. Haben Sie eine schwach basische Loesung zur Hand? So etwa pH 7?" "Aeh... nein?" "Macht auch nichts. Stecken sie den Stecker einfach in den Mund und lassen Sie Speichel hineinlaufen. Speichel ist schwach basisch, und er hat Mineralsalze. ABER wischen Sie den Stecker vorher sorgfaeltig sauber, wegen Keimen und so. Und, SCHALTEN SIE UM GOTTES WILLEN VORHER DEN MONITOR AB - wir wollen doch nichts riskieren!" "Oh. Gut!" >FZZZZT POLTER< Als der Hoerer auf den Boden knallt, lege ich auf. Speicherplatz ist viel zu gut fuer die! [[The Bastard Operator from Hell #12]] Ich komme zur Arbeit, aber ich bin nicht ausgeschlafen. Also klemme ich ein Stueck Kupferschiene ueber die drei Phasen der Hauptversorgung und werfe den Hebel herum. Als die Hauptsicherungen herauspfeifen, wird es dunkel und endlich mal wird es still im Rechnerraum. Es gefaellt mir. Ich schnippe den Hoerer von der Gabel und schliesse die Vorhaenge vor dem Beobachtungsfenster. Jetzt ist es WIRKLICH dunkel hier drin. Wuerde mich nicht wundern, wenn jemand einen Unfall haette... Ich taste mich in der Dunkelheit zum Eingang und entferne ein paar der Bodenplatten, die die tiefen Kabelschaechte unter dem Rechnerraum abdecken. Dann rufe ich unsere Service-Firma an und sage, dass der Mini wieder mal die Hauptsicherung geschossen hat. Ich ersetzte die geschossenen Sicherungen durch ein paar Naegel und schliesse die Versorgungsleitungen gegen Masse kurz. Auf so was kann man nicht hoffen, man muss es MACHEN! 15 Minuten spaeter erscheint der Techniker und fliegt in den Kabelschacht. Ich schiebe die Bodenplatten zurueck an ihren Platz, als der System-Manager - ein neuer, schrecklich gruendlicher Typ - hereinkommt und mir sagt, ich solle mich vorsehen. In dieser Dunkelheit koenne jemand leicht einen Unfall haben... Ich nicke und sage ihm, dass wir uns diese Ausfallzeiten eigentlich nicht leisten koennen und ob ich nicht einfach die Hauptsicherungen wieder einschalten soll, in der Hoffnung, dass nicht Ernsthaftes passiert sei. Nach einiger Meditation ueber die Negativ-Schlagzeilen, die wir mit jeder verstreichenden Minute anhaeufen, macht er die letzte Entscheidung seiner steilen, aber kurzen Karriere: Er sagt, ich soll's versuchen. Spaeter, nachdem sich der Rauch etwas gelichtet hat, untersuche ich die brutzelnden Reste unseres Minis. Kein sehr schoener Anblick... "Komisch, dass die Hauptsicherungen geklemmt haben, nicht?" sage ich zum System-Manager, waehrend er seine persoenlichen Sachen einsammelt. "Eine' Chance von 1 zu einer Million. Zu dumm, dass Sie jemand beobachtet und die ganze Geschichte nach comp.misc geposted hat. Nach all der schlechten Presse koennen Sie froh sein, wenn Sie einen Job finden, in dem Sie einen Taschenrechner managen duerfen..." Ich geh' zurueck in den Kontrollraum und schalte die restlichen Sicherungen wieder ein. Der Rechnerraum belebt sich wieder. An der Konsole steht: 'D.Usbotmbuhpo!G/Tdif-1-m!2::6' - ein letzter Gruss des verschollenen Technikers aus der Hoelle! Ich logge mich ein und beginne, User-eMails zu loeschen. Dabei entdecke ich einen interessanten sexuellen Antrag unseres Consultants an ein maennliches Mitglied der Wasserball-Mannschaft. Das gibt ein hervorragendes motd ('motiv of the day'); deshalb kopiere ich es dorthin. Dann aendere ich den root Account nach 'Winker' und das Passwort nach 'ljkadlkajflkj'. Dem grossen Haeuptling sage ich am Telefon, dass ich einen Einbruch vermute. Bis wir das genauer untersucht haben (ein paar Stunden wird's schon brauchen), bleiben die anderen Accounts gesperrt. Die Leute werden in der Zwischenzeit die motd lesen... Zumindest einer hat's schon gelesen, denke ich, als wir einen Schuss aus dem Buero des Consultants hoeren. Inzwischen editiere ich die Online-Hilfe und aendere die Nummer der Hotline - der System Manager wird sich ueber all die extra Anrufe freuen; besonders in so einer traurigen Zeit.... Ein zweiter Schuss, und mir wird klar, dass er heute wohl keine Anrufe mehr annehmen wird. Ich blaettere den Ausredenkalender um und lege den Hoerer auf die Gabel. "PROBLEME BEI DER STROMVERSORGUNG". Zu realistisch. "STATISCHE AUFLADUNGEN". Immer noch ein wenigzu realistisch fuer meinen Geschmack, aber ich lasse es gelten. Immerhin soll der Kalender noch bis zum Jahresende reichen. -------- Das Telefon klingelt, gerade als ich ich 'Top Gun' in der Maschine habe. Ich pausiere das Video und klemm' mir den Hoerer unter's Kinn. "Ich fuerchte, ich habe eine schlechte Floppy Disk gekauft." "Tatsaechlich?" Bin ich jetzt bei der Stiftung Warentest, oder was? "Naja, ich hab' da diese Disk und sie laesst sich nich' formatieren. Aber alle anderen in der Schachtel gingen. Also muss ich wohl eine schlechte erwischt haben..." "Darf ich fragen, warum Sie deshalb bei MIR anrufen?" "Naja, auf der Schachtel steht was von Garantie; wo kann ich einen Ersatz bekommen?" Ah! Alles klar! "Schaun' wir mal. Sind Sie ganz sicher, dass es an der Disk liegt und nicht irgendwie mit statischer Aufladung zu tun hat?" "Haeh?" "Statische Aufladung, Sie wissen schon, statische Elektrizitaet, die Sie mit ihren Fingern auf das Geraet uebertragen." "Aber ich trage ein geerdetes Armband!" Spaetestens jetzt weiss ich, wo ich bin: im tiefen Tal der Super-Deppen. Geerdete Armbaender gehoeren in unseren Kreisen nicht gerade zum Mode-Accessoire... "Natuerlich, aber die Standard-Armbaender, wie Sie eins tragen, haben einen 1 Megaohm Widerstand in Reihe geschaltet; eine ziemlich schlechte Erdung also. Was Sie bauchen, ist eine direkte Erdverbindung. Am besten fassen Sie mit einer Hand an ein Gehaeuse, das richtig geerdet ist." "Aeh, zum Beispiel unseren Stahl-Labortisch?" "Hervorragend. Jetzt, haben Sie etwas, um die Aufladung abzuleiten? um Beispiel eine Bueroklammer?" "Moment...ja." "Gut. Dann stecken Sie jetzt mit der ANDEREN Hand die Bueroklammer durch die Ventilationsschlitze auf der Rueckseite. Beruehren Sie einfach kurz das Ende des dicken roten Kabels. Dabei aber NICHT den Tisch loslassen. Sie muessen immer gut geerdet bleiben..." >raschel< >hantier< "Meinen Sie das Kabel, das zum Netzteil fuehrt?" "Genau, halten Sie da drauf." "...Aber ist das nicht..." >KZZZZZZT POLTER< Und wieder ein Anruf erfolgreich beendet. Ich nehme den Briefoeffner und schneide eine weitere Kerbe in das dicke gelbe Ethernetkabel, das dekorativ hinter dem HELPDESK FROM HELL vorbeifuehrt. [[The Bastard Operator from Hell #13]] Mein neues Login Skript nimmt allmaehlich Formen an. Tatsache, es ist fast schon Idiotensicher. Zum Beispiel erscheint beim Login folgender Prompt auf dem Bildschirm: "Yes means No and No means Yes. Delete all files? [Y]" Ich mach' mir naemlich wirklich Sorgen ueber die vielen Einbrueche ins System in letzter Zeit... Dem Systemmanager macht das nichts aus - seltsamerweise. Er jammert immer nur ueber die hohe Zahl von computerverursachten Todesfaellen auf dem Campus. Die Welt wird immer verrueckter! Ich blaettere den Ausredenkalender um. "DOPPLER EFFEKT" Klingt so idiotisch, dass es schon wieder realistisch wird - wenn man etwas nachhilft, natuerlich. Das Telefon, der Fluch meines Lebens, laeutet. "Hallo, Kontrollraum", sage ich hilfsbereit. "Ist dort die Technik?", fragt jemand. Erstaunlich, wieviel stocktaube User wir haben, und warum sie dann noch telefonieren, statt mir eine eMail zu schicken. Zum Teufel, es oedet mich schon wieder an... "Jawohl", luege ich (Nixon haette noch von mir lernen koennen). "Ich hab' ein Problem mit meinen Floppy Laufwerk. Es scheint manchmal nicht zu lesen." "Hmm. Wie alt ist das Laufwerk?" "Etwa ein Jahr..." "Und es geht manchmal nicht, aber manchmal funktioniert's. Und die Ausfaelle werden immer haeufiger?" "JA, GENAU!" "Aha, ein klarer Fall von magnetischem Dopplereffekt..." "Ich dachte, das gibt es nur mit Licht- und Schallwellen?" >>BULLSHIT MODE ON<< "Schon. Aber man hat kuerzlich entdeckt, dass sich die magnetische Bindung von Partikeln auf schnell rotierenden Oberflaechen aendern kann, vor allem wenn der Kopf relativ dazu feststeht und ganz leicht magnetisiert." "Ah. Oh." "Also muessen Sie dringend den Kopf entmagnetisieren. Haben Sie eine Floppy- Disk-Entmagnetisier-Schleife?" "Aeh ... nein?" "Na schoen. Dann muessen wir es auf die direkte Methode probieren. Haben Sie die Orginal-Disketten Ihrer Software greifbar?" "Ja." "Ok. Stecken Sie sie in Ihr Laufwerk und formatieren Sie sie." "WAS?!" "Keine Sorge, es passiert nichts - das Laufwerk funktioniert ja nicht, ok? Was passiert, ist folgendes: die unverdorbenen magnetischen Felder auf den Orginal-Disketten ueberlagern die magnetischen Stoerungen im Schreib-/Lesekopf, einfach weil diese Disketten mit einem Laufwerk geschrieben wurden, das keinen Dopplereffekt hat." "Ah, verstehe." "Also. Und wenn ein Schreib-Fehler gemeldet wird und das Programm fragt, ob es weitermachen soll, tippen Sie ein 'yes'. Machen Sie das mit allen Orginal-Disketten, die Sie finden koennen - je mehr, desto besser. Dann lassen Sie eine normale Reinigungsdiskette durchlaufen. Die entfernt dann die freien magnetischen Partikel, die noch auf dem Kopf kleben." "Oh. Ok, vielen Dank." "Keine Ursache - ICH MACH' NUR MEINEN JOB." Ich lege auf, und sofort laeutet es wieder. Es ist der Boss. "Simon, koennten Sie mal in mein Buero kommen?" >ALARM ROT< So schnell ich kann, druecke ich den Panik-Knopf am LAN-Analyser, genauer gesagt, den 'Generiere-90%-Zufallspakete-Knopf'. "Aber sicher. Soll ich gleich kommen oder..." Das andere Telefon laeutet. Ich klemme es mir unters Kinn. "Hallo, Computer Kontrollraum. Simon am Apparat. Wie kann ich Ihnen helfen?" "DAS NETZ IST WEG. ALLE UNSERE PC's HAENGEN!", kreischt die Stimme aus dem einen Telefon ins Mikrophon des anderen. "Aha", sage ich ruhig und souveraen. "Ja, ich kann's auf unserem Monitor sehen. Schaut aus wie ein schlechtes Thinwire-Segment - warten Sie, ich versuche, es 'rauszunehmen." Ich druecke den 'Befoerderungsknopf'(AKA 'Stop Traffic Generation') am LAN-Analyser, ... ... und fast sofort schreit der User: "Phantastisch. Es geht alles wieder. Danke." "Keine Ursache. Schoenen Tag auch." Der Boss hat alles mitgehoert. Also, schaetze ich, wird der Besuch bei ihm nicht allzu schlimm ausfallen. Ich sage ihm, dass ich sofort 'runter komme, sobald ich das Netz wieder stabil habe, und lege auf. Auf dem Weg nach unten erfinde ich ein neues Blendwort - das macht das Management immer gluecklich. 'Vollstaendige Uebertragungstrennung'. Klingt viel besser, als 'Stecker-Ziehen'. Wie 'Master-Reset' besser klingt als 'Ausschalten'. Ich komme in sein Buero und der Personal-Chef ist auch da. Ah-oh. "Simon, haetten Sie Lust, unser System-Manager zu werden?" "?!!! AEh...ich weiss nicht. Eigentlich mach' ich lieber..." "Zehn Tausender extra im Jahr, Porsche als Firmenwagen..." "Roter Carrera Cabrio?" "Ok." "Gebongt!" ...und so endet die Story, wie sie schon frueher haette enden sollen. {{1996}} [[Der B.O.F.H. beginnt das neue Jahr mit ein paar Sexspielzeugen ...]] Es ist sehr ruhig zwischen den Feiertagen. Die Weihnachtszeit habe ich damit verbracht, rumzusitzen, sorgfältig einen Schichtplan auszufüllen und freigiebig Zahlen in der Überstundenspalte unter der Vermeidung einiger Familienmitglieder zu verteilen. Es ist so frustrierend, die Kollegen zu sehen, die sich jämmerlich ins Büro schleppen mit der alleinigen Absicht, mein Netzwerk zu zerstören. Während der Shutdown-Zeit erhielt ich keinen Hilferuf, was meine Theorie bestätigt, daß mein Netzwerk wirklich perfekt funktioniert und alle Fehler von den Nutzern verursacht werden. Es scheint so, daß ich nicht der einzige im Büro war: die Protokoll-Dateien verraten, daß der Chef der Entwicklungsabteilung auch da war, um per Fax Dutzende Bestellungen für verschiedene Teile für die neue Schüttel-Teststrecke, die sie in der Qualitätssicherung bauen, rauszuschicken. Dem Klatsch im Büro zufolge ist der Chef wirklich verrückt - die Teststrecke sollte zum neuen Jahr laufen, aber alle meinen, sie sei noch nicht einmal zur Hälfte fertig. Das Interessanteste am Netzwerk-Fax-Protokoll ist, daß das Programm, das ich auf dem Server installiert habe, sich wenigstens einmal in einen Anruf nach draußen eingeschaltet hat. Es handelt sich um ein unterhaltsames kleines Programm, das das größte Problem mit all diesen Netzwerk-Fax-Systemen auf der Welt löst - das Problem, daß sie furchtbar langweilig sind. Die Veränderung, die ich vorgenommen habe, ist einfach und brillant: der Netzwerkmanager definiert einfach ein paar Suchen-und-Ersetzen-Filter für Nachrichten, die nach draußen gehen, was bei richtiger Anwendung Nachrichten deutlich aufwertet. Man kann natürlich auch dafür sorgen, daß Faxe ganz nach Wunsch in andere Länder umgeleitet werden. Das Telefon klingelt: "Guten Morgen, sie sind der erste Anrufer in diesem Jahr. Kann ich ihnen helfen?" (Manchmal überrasche ich mich selbst.) "Hier ist der Chef-Ingenieur. Funktioniert das Fax-System?" "Ganz bestimmt tut es das. Ich habe es vor ein paar Momenten selbst geprüft. Haben sie etwa Probleme?" "Ja. Ich habe vor Weihnachten ein paar Sachen für die Qualitätssicherung bestellt, aber der Lieferant behauptet, das Fax sei nie angekommen. Können sie das für mich überprüfen? Ich habe es am 22. Dezember abgeschickt und das Gerät meldete, das Fax sei angekommen. Die Bestellnummer ist PE4456." Ein schnelles ´grep´ im Fax-Protokoll zeigt das fragliche Fax an. "Ja, es steht hier im Systemprotokoll und es sollte alles in Ordnung damit sein. Menge 48, Produktbeschreibung: ´Vibrator (3-stufig, sehr zuverlässig)´. Vielleicht konnte ihr Lieferant es noch nicht bearbeiten." "Ja, das könnte durchaus sein. Vielen Dank." "War mir ein Vergnügen." Ich wundere mich ... Das Telefon klingelt wieder. Die Rufnummernidentifizierung sagt, daß das Warenlager dran ist. "EDV hier." "Warenlager hier. Wir haben eine Lieferung ohne Kontaktname. Der Lieferant sagt, sie wurde mit einem Fax bestellt. Können sie herausfinden, wer von euch diese interessanten Teile bestellt hat?" "Natürlich, kein Problem. Wie lautet denn die Bestellnummer?" "PE4456." "Mal schauen ... ja, das ist die Bestellung vom 22. des letzen Monats. Vom Chef der Entwicklungsabteilung." "Danke Kollege." Ich bin sicher, ein Kichern zu hören, als der Hörer aufgelegt wird. Zeit und einige Levels von Doom III (Beta, natürlich) vergehen ohne Störung, dann klopft es an der Tür. Geschickt schalte ich in den ´Boss-Mode´, dann lasse ich den Chef-Ingenieur reinkommen. "Irgendetwas stimmt nicht mit dem Fax-System." platzt es aus ihm heraus. "Wirklich? Wieso?" "Erinnern sie sich an das Fax? Ich habe gerade versucht, es nochmal abzuschicken, aber es kam nicht an." "Okay, testen wir es mal." Ich entwerfe schnell ein Fax auf meinem PC, schließe eines der alten Fax-Geräte an und schicke das Fax ab. Das Empfangsgerät erwacht zum Leben und gibt zuverlässig die Test-Nachricht wieder. Nun, es funktioniert - ich habe das Wort ´Vibrator´ nicht benutzt, so daß das Fax nicht an Siggi´s Sex Emporium in Rotterdam umgeleitet wurde. "Sie sehen es." erkläre ich meinem gespannt blickenden Kollegen. "Alles funktioniert prächtig. Sie müssen dem Lieferanten sagen, daß sein Fax-Gerät kaputt ist." "In Ordnung. Danke für die Überprüfung." sagt er und geht kleinlaut. Geschieht ihm recht für seine Zweifel an meinem System. Das Telefon klingelt. "EDV, B.O.F.H. am Apparat." "Hier ist der Chef. Haben sie Bradshaw von der Entwicklungsabteilung gesehen? Man sagte mir, er würde zu ihnen gehen, weil er ein Systemproblem hat." "Ja, er war gerade hier. Warum?" "Oh, ich frage mich, warum das Warenlager mir ein Paket mit vier Dutzend dreistufigen Sex-Spielzeugen gebracht hat, das unser Freund bei Siggi´s Sex Emporium in Rotterdam bestellt haben soll. Sie können nicht etwa Licht in die Sache bringen?" "Selbstverständlich kann ich. In den Fax-Protokollen steht alles schwarz auf weiß ..." [[Der B.O.F.H. hat ein Beurteilungsgespräch ...]] Als ich an diesem hektischen Nachmittag zur Arbeit komme, erwartet mich eine E-Mail, die mich zu einem Beurteilungsgespräch im Rahmen des Vorgesetztenbewertungsprogramms einlädt. In der E-Mail steht noch, daß ich zufällig ausgewählt worden bin. Mein Abteilungsleiter ist überrascht, denn er erinnert sich deutlich daran, meinen Namen von der Liste gelöscht zu haben. Nun, "Zufall" kann so ein irreführendes Wort sein. Später gehe ich zu dem Gespräch mit einem Menschen vom Vorstand und einem Herrn Grau (der Name paßt vollkommen). "Simon, ich denke, sie wissen, worum es bei diesem Gespräch geht?" lächelt Grau. "Ja. sie wollen herausfinden, daß mein Abteilungsleiter fast immer in der Lage ist, sich an seine Telefonnummer zu erinnern." "Nein, ich denke, so schlimm wird es nicht." gluckst Grau. Der Mann vom Vorstand scheint sich unwohl zu fühlen. "Sein eigener Anschluß. Nicht die Büronummer. Die hat nur vier Stellen. Das ist nur eine Endung." "Ja, gut. Er ist ja nicht umsonst in seiner Stellung!" "Oder verwandt mit dem Chef oder seiner Frau. Oder er spielt Golf im gleichen Club. Oder er kennt jemanden, der im gleichen Club ist. Oder er weiß, wie ein Golf-Club aussieht ..." "Es sieht aus, als hätten sie keine besonders gute Meinung von Ihrem Vorgesetzten." "Nein." Der Vorstandsmann fühlt sich jetzt wirklich unbehaglich. "Aus welchen Gründen?" "Nun, seien wir ehrlich. Bevor er hier anfing hat er Pappkartons in einer Fabrik gefaltet, die für ihre gebackenen Bohnen bekannt ist." "Aha. Und seine Netzwerkerfahrungen?" "Hat er, weil er der zweite Cousin der Frau vom Chef ist." antworte ich. "Aha." "Mal ganz ehrlich, der Mann könnte keine Lampe untersuchen und das Stromkabel identifizieren, von einem Netzwerk ganz zu schweigen. Als ich ihm sagte, wir sollten ATM und passende Karten im Computerraum installieren, bestellte er eine neue Barclay´s-Karte. Ich sagte ihm, daß wir eine Internet-Firewall haben, und er fragte, ob es auch ein Feuerlöschgerät dafür gibt." "Ich verstehe. Möglicherweise hat er mehr Erfahrung, wenn es um die Planung geht, wie man das von einem Abteilungsleiter erwartet?" "Vielleicht. Ich wundere mich jedoch noch immer, weshalb er sich bei mir bedankte und meinte es gehe ihm gut, als ich ihn nach einer besseren Glasfaserverkabelung [fibre] fragte." "Ach so. Was erwarten sie denn von jemandem in dieser Position?" will Grau wissen. "Die Fähigkeit zu addieren, zu subtrahieren, lesen und schreiben ohne sich auf die Zunge zu beißen. Die Intelligenz, seinen Namen unter alles zu schreiben, das ich ihm vor die Nase halte, unabhängig davon, wie seltsam es klingen mag." "So, sie meinen, daß er nichts weiter sein soll als ein Ja-Sager." "Genau." "Nun, wir sind uns einig, daß wir dem nicht zustimmen. Sie können doch nicht ernsthaft erwarten, daß er alles unterzeichnet ohne es zu prüfen. Mit einer kleinen Wartezeit von ein paar Tagen für eine Prüfung muß man leben können. Was ihr Verhältnis zueinander betrifft, nun, auch wenn ihr Abteilungsleiter nicht unbedingt die Idealbesetzung für diese Stelle zu sein scheint, so ist ihr Urteil doch ziemlich ungerecht und übertrieben." "Hmmm." sage ich besorgtes Nachdenken simulierend. "Ich glaube, wir haben da eine Sackgasse erreicht." Dann stehe ich auf und gehe. Auf dem Weg nach draußen höre ich, wie der Mann vom Vorstand Grau davor warnt, den Fahrstuhl oder irgendein anderes Gerät zu nutzen, welches von Computern kontrolliert wird. Dafür hat er Strafe verdient ... ... Später, gegen 18:17 Uhr sehe ich im Überwachungsmonitor, wie sich ein Schatten von den anderen löst und sich an der Tür zu schaffen macht. Ein paar Tastatur-Klicks - die Drehtür bleibt in Mittelstellung stehen und der Sicherheitsalarm geht los. Zwanzig Minuten später gehe ich die Treppen hinunter und tue so, als wollte ich das Haus verlassen. Eine kleine Menschenmenge hat sich um die Drehtür versammelt und schaut den Sicherheitsleuten zu, die sich abmühen, den gefangenen Grau zu befreien. Ich lächle wohlwollend, als Grau mich sieht. "Keine Angst", sage ich. "Wir können ja noch das Glas einschlagen, um sie zu befreien." "Das ist Panzerglas", wirft ein Wachmann ein. "Man müßte schon mit einem Auto dagegenfahren. Ich befürchte, das wäre nicht gut für ihn." "Es gibt immer eine Möglichkeit für den Notfall", sage ich hilfreich. "Irgendetwas ging schief. Der ganze Kontrollmechanismus ist tot." kommt die Antwort. "Wirklich?" frage ich und schaue Grau an. "Nun, der Wartungsvertrag war Teil meiner Anforderung, DIE MEIN ABTEILUNGSLEITER HEUTE NICHT GENEHMIGEN WOLLTE. EINE KLEINE WARTEZEIT VON EIN PAAR TAGEN WIRD DOCH NIEMANDEN UNGLÜCKLICH MACHEN." Der Wachmann murmelt etwas. "Wir dachten, wir könnten einfach die Kabel durchtrennen, damit die Türverriegelung freigegeben wird, und ihn dann rausholen." "Wenn das so einfach wäre, dann könnte jeder Einbrecher hier reinkommen", erkläre ich. "JETZT IST DIE INTERNE BATTERIE AKTIV, DIE UNABHÄNGIG VOM REST DER STROMVERSORGUNG LÄUFT. ES DAUERT 48 STUNDEN, UM SIE ZU ENTLADEN." "Was können wir tun?" will der Wachmann wissen. "Nun, Tacos und Käsescheiben würden ganz gut passen." "Hä?" "Um sie ihm unter der Tür hindurchzuschieben. Er muß ja etwas essen! ICH HOFFE NUR, ER MUSS NICHT ZUR TOILETTE. ICH KÖNNTE ES NICHT AUSHALTEN, 48 STUNDEN IN EINER GLASKABINE EINGESPERRT ZU SEIN, IN DIE JEDER HINEINSCHAUEN KANN, UND NUR MEINE AKTENTASCHE DABEIZUHABEN." Das Leben kann grausam sein, wenn du versuchst, nicht auf das zu hören, was andere dir sagen ... [[Der B.O.F.H. erzieht den Pickelgesichtigen Jüngling (PJ) ...]] Es ist ein ruhiger Montagmorgen, als ich in mein Büro komme und die Anwesenheit eines Wesens bemerke, welches nur als Pickelgesichtiger Jüngling (PJ) bezeichnet werden kann. Zu allem Überfluß hat dieses Wesen meinen Schreibtisch übernommen. "Hallo!" keucht der PJ. "Ich bin der neue Auszubildende, den sie letzte Woche angefordert haben." Anstatt anzuhalten, nehme ich meine Tasche und mache sofort kehrt, um in Richtung des Büros des Abteilungsleiters davonzustürmen. Der informiert mich in sehr deutlichen Worten, dass die Lohnabrechnung, die er nach meinem Bewertungsgespräch in der vergangenen Woche erhielt, in keiner Weise zu dem beigetragen hat, was der flüchtige Beobachter wohl als Rache bezeichnen würde. Reiner Zufall, dass er den PJ jetzt angestellt hat, behauptet er ... Er erklärt mir ausserdem, dass der PJ nicht nur bleiben, sondern mich auch irgendwann ablösen soll. Ich soll ihn zu einem absoluten Fachmann ausbilden. Traurigerweise ist in meinem Büro nur Platz für einen, aber das kann noch warten. ... "Ich habe die Anrufe entgegengenommen, als sie weg waren!" ruft mir der PJ zu, als ich zurückkomme und wedelt mit einem Stapel ´Während sie weg waren'-Notizen. Ich entscheide mich, so zu tun, als stimme ich voll und ganz mit dem Abteilungsleiter überein. "In Ordnung, sortieren sie sie ein und dann beobachten sie dann das hier", sage ich und schalte den Netzwerk-Monitor ein. "Wo soll ich sie einordnen?" "In den Aktenschrank." sage ich. "Aber ich kann keinen sehen ..." "Der runde ..." "... auf dem Boden ..." "JA, IN DER ECKE!!" "Ein Anruf war aber wichtig!" keucht er. "Das ist ein Netzwerk, hier sind alle wichtig. Jetzt ist es von Bedeutung zu erkennen, welche Nutzer wirklich wichtig sind, wenn sie anrufen." "Oh, kann man das denn?" "Das kann man nicht. Es war nur ein Witz. Das hier ist ein Netzwerk, okay? Sie nehmen, was sie kriegen können und sind damit zufrieden, oder sie bekommen ein 'Upgrade' auf ein 150 Baud-Modem mit einem nicht isolierten Netzteil." "Wie haben sie es geschafft, ihren Job zu behalten?" "Hmm. Eine clevere Mixtur aus überlegener Intelligenz, Unersetzbarkeit und unbarmherziger Erpressung, wenn es nötig ist. Das hat bisher funktioniert. Nun, ich verwette meinen nächsten Lohnscheck darauf, dass 90 Prozent der Beschwerden an diesem Morgen von der Lohnbuchhaltung kamen - oder irre ich mich etwa?" "Nein, sie haben Recht! Ist deren Netzwerk fehlerhaft?" "Nein, das ist mehr ein Protokoll-Problem." "Was? Etwa mit dem TCP/IP-Protokoll?" "Nein, eher eines von der Art 'Wenn Simon Rückerstattungen für technische Handbücher fordert, dann schickt ihn weit, weit weg'. Wirklich, es ist zwar nicht dokumentiert, aber ein De-facto-Standard hier." "Und was tun wir wegen dieser Fehler?" "Nichts. Wir erklären, dass es sich um einen unvorhersehbaren Fehler handelt, der möglicherweise irgendwo in einem technischen Handbuch beschrieben wird. Dann installieren wir die 'Niemals-versagende-Netzwerkproblem-Lösungstechnik'." "Was ist das?" "Wir lösen alle Probleme durch ein 'Router-Reset'." "Ich verstehe nicht ..." "Das ist doch ganz einfach!! Irgendwer ruft wegen eines 'Netzwerk'-Problems an. Du gehst hin und schaltest den Router ab und startest ihn neu. Dann gehst du durch die Abteilung und erklärst, dass du es tun musstest, da der Anrufer ein dringendes Problem hatte, das nicht warten konnte. Es ist faszinierend, wieviel Feindseligkeit man auf diese Weise in nur einer Woche innerhalb der Abteilung erzeugen kann. Wenn man wirklich etwas erreichen will, dann tut man das etwa 10 Minuten vor der Mittagspause - niemand speichert seine Arbeit vor der Pause, so dass sich dann die Programme aufhängen und sie alles verlieren, was sie bis dahin getan haben." "Was passiert dann?" "Wir 'tun natürlich auch nur unseren Job'. Aber oben in der Abteilung entsteht eine demilitarisierte Zone! Dinge verschwinden, Mittagessen werden mit Pfeffer 'verfeinert' und dann, langsam aber sicher, hören die Anrufe auf. Wenn jemand einen Ausfall hat, rufen sie nicht mehr uns an, sondern die Service-Abteilung." "Und was tun die?" "Sie schreiben eine 'Während sie weg waren'-Notiz." "Und dann?" "Dann geben sie sie uns." "Und wir ..." "SORTIEREN SIE EIN!" "Was tun wir sonst noch?" "Wir beobachten, wie das Netzwerk wirklich arbeitet, finden Engpässe und planen Upgrades für die nächste Budget-Runde." "Wirklich?" "Ach was. Sind sie gut in 'Immortal Kombat'?" "Naja, es geht so." "In Ordnung, der Gewinner macht den nächsten Reset, der Verlierer kauft Krapfen." Das leben an der Spitze ist hart, aber es ist, was man daraus macht ... [[Der B.O.F.H. trifft einen ebenbürtigen Gegner, behält aber die Oberhand ... vorerst ...]] Überraschenderweise scheint die Ausbildung des PJ gut zu verlaufen. Er bemüht sich, alles richtig zu machen, aber ich bezweifle, dass das auch noch in ein paar Wochen so ist, wenn er mit ein paar schwierigen Klienten zusammentreffen wird ... Ach ja, unsere Klienten. Einer unserer schlimmsten Klienten ist kürzlich zurückgetreten, nachdem ein paar wirklich sehr persönliche Fotos im Speicher einer geliehenen digitalen Kamera 'vergessen' wurden. Das ist eine sehr seltsame Sache, denn die Löschfunktion funktionierte perfekt, als ich die Kamera vor einer Woche 'wartete'. Die Sache wäre wohl weniger schlimm ausgegangen, wenn der Finder nicht eines der Bilder als Startlogo aller Windows-PCs auf seiner Etage eingerichtet hätte. Das Opfer hat natürlich behauptet, dass jemand das Bild bearbeitet und gefälscht habe. Doch alle waren der Meinung, dass es nicht das Bild war, das da 'bearbeitet' wurde. Arme Sau. Der PJ ist besorgt und benötigt offensichtlich Rat. "Wo liegt das Problem?" frage ich. "Ich verstehe nicht, wie dieses Bild auf alle PCs gelangen konnte." "Ach so. Ich schätze, dass es jemandem gelungen ist, in den Programm-Server einzubrechen und das Bild auf die verschiedenen Desktops zu bringen." "Aber der Server ist durch ein Passwort geschützt. Und das Versionsverwaltungsprogramm auch. Wie konnte das passieren?" "Jemand muss das Passwort herausgefunden haben", antworte ich und warte auf das Unvermeidliche. "Aber nur sie und ich haben Passwörter, und ich erst seit gestern." "Notieren sie sich die Passwörter?" "Nun, ja. Aber der Zettel liegt in meinem abgeschlossenen Fach." Ich schüttle traurig den Kopf. "Und wer hat Schlüssel zu dem Fach?" frage ich. "Nur sie und ich." "Und waren sie es?" "Nein." "Dann können wir diese Möglichkeit verwerfen. Also muss ich es gewesen sein, der das Fach geöffnet und die Passwörter benutzt hat, um sich mit einer anderen Identität beim Server anzumelden." "Sie waren es?!" "Natürlich. Sie denken doch, dass es niemand anderes gewesen sein kann, oder? Gott, die einzige weitere Person mit mehr Zugriffsrechten ist der Systemmanager, aber der ist so langsam, dass er ein Abschleppseil braucht." "Warum haben sie das getan?" "Weil sie lernen sollen, was Sicherheit bedeutet. Ich bin mir sicher, dass sie diese Erfahrung bei ihrem nächsten Job, der sie irgendwann nach dem morgigen Tag erwartet, nutzen können." "A ... a ... aber." "Kein Grund zur Aufregung." "Aber ich wollte sagen, dass sie mich doch nicht dazu bringen wollen, Onkel Brian zu sagen, dass das mein Fehler war. Das können sie doch nicht tun!" Warnlampen an! "Onkel Brian?" "Onkel Brian. Sie kennen doch das grosse Büro im 6. Stock. Das mit den Ledermöbeln. Ich würde ihrem Bericht an den Geschäftsführer nur ungern widersprechen." ONKEL Brian ... Onkel Brian. Der Geschäftsführer. Ich hätte es wissen müssen. Das ist keine einfache Sache, sondern ein Riesending. "Nun, vielleicht ist es besser, diese Angelegenheit einem Hacker von draussen anzuhängen", sage ich so freundlich wie ich kann. "Oder einem Hacker aus unserem Haus ..." Der PJ lächelt bedrohlich. Dieser hinterhältige Bastard! Möglicherweise steckt mehr in ihm, als ich dachte. "... wie unser Abteilungsleiter." fügt er hinzu und lässt mich vom Haken. Gott sei Dank ... "In Ordnung", sage ich schnell, bevor er das riesige Potential von Erpressungen erkennt. "Sie sagen es Onkel Brian und ich werde einen Zettel mit ihren Passwörtern auf den Schreibtisch vom Abteilungsleiter schmuggeln." "So machen wir es!" Zehn Minuten später beobachten wir bei süssen Krapfen, wie ein weiterer Chef aus den geheiligten Hallen der Hölle hinausbegleitet wird. "Sie wissen, dass er ihnen diesen Job gegeben hat", sage ich. "Ja. Aber für Sentimentalität ist jetzt keine Zeit." antwortet er. Wirklich, ein PJ voller Potential ... "Okay, was sollen wir nun tun?" fragte er lernbegierig. "Nun, ich denke es ist Zeit, den Stecker eines Remote-Rechners zu ziehen und die Leute anzurufen. Wir erklären ihnen dann, dass die Etiketten ihrer EPROMs ungültig sind und sie sie an einem gut beleuchteten Ort abziehen sollen. Irgendwo, wo die Sonne hell scheint." "Würde das nicht ...?" "Yep." "Legen wir los." Einen Job wie diesen zu haben, kann man nicht BEREUEN! [[Der B.O.F.H. kennt keine Störungen in seinen Druckersystemen ...]] Es ist ein angenehm kühler Morgen, als ich zurückgelehnt in meinem Sessel liege und die nächsten Überraschungen im Leben der Netzwerknutzer plane. Nun, es ist angenehm kühl für mich. Aufgrund eines bedauerlichen Fehlers in der Klimaanlage herrschen in allen anderen Zimmern Temperaturen, die entweder denen der Arktis oder denen der Tropen gleichen. Einige aus der höheren Belegschaft haben versucht, die Brandschutztüren zu den Treppen zu öffnen, die den Luftausstausch blockierten, doch seltsamerweise wurde dadurch mehrmals Feueralarm ausgelöst. Die Sicherheitsleute sorgen seitdem dafür, dass diese Brandschutztüren geschlossen sind. Natürlich nur zur Sicherheit aller. Aufgrund all dieser Aktivitäten ist es in meinem Raum, in dem es zu dieser Zeit normalerweise recht hektisch zugeht, ziemlich ruhig. Überraschend hat sich der PJ als ein Fanatiker mit einem kaum menschlichen Gesicht entpuppt. Er hat es geschafft, den Personalchef zu 'überreden', ihn zu einem Kurs über 'Grundregeln des Managements' zu schicken ... nach Paris. Nicht schlecht für einen Nicht-Manager und Anfänger - könnte das etwas mit dem E-Mail-Filter zu tun haben, den er im Mailsystem der Personalabteilung installiert hat? All diese jungen Sekretärinnen ... Ich denke, dass mein Tag friedlich und ohne Unterbrechungen durch sinnlose Anfragen vergehen wird. Ich klopfe auf Holz. Zu spät. Das Telefon klingelt. Es ist ein Nutzer. "Hallo, ich schreibe dieses Programm, um unsere Drucker aufeinander abzustimmen, um zu sehen ..." Ich lege auf. Es klingelt erneut: "Hallo, ich schreibe ..." Ich lege auf. Wieder klingelt es: "Hallo, ich ..." Ich lege auf. Die Lernfortschrittskurve dieser Menschen ist beinahe horizontal, so dass man auf ihr Bowling spielen könnte. Ich lasse den Hörer neben der Gabel liegen. Zehn Minuten später klopft der Kauz an meine Tür. Ich habe gerade noch Zeit, den Telefonhörer wieder auf die Gabel zu legen, dann kommt er auch schon herein. "Hallo, ich habe versucht, sie anzurufen, doch ihr Telefon muss defekt sein ..." "Ich deute auf die 'Konsole der Hölle' und schüttle meinen Kopf. "Das ist die Konsole", sage ich leise, "sie geht niemals kaputt." "Na gut, dann ..." "Ihr Telefon", fahre ich fort, "hat eine Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren, aber dieses Baby hier wird noch am Weltuntergangstag funktionieren. Es wird auch dann noch Anrufe dummer Nutzer annehmen." Der Kauz ist verblüfft. Er versucht, seine Gedanken neu zu ordnen. Da klingelt das Telefon. "Sehen sie, was ich meine?" sage ich und nehme den Hörer ab. "Mein PC ist schon wieder abgestürzt. Das passiert immer, wenn ich auf mein Netz-Laufwerk zugreifen will." schluchzt ein deprimierter Nutzer. "Aha." sage ich und suche die Ausrede des Tages im Ausredenkalender. "Es könnte sich um VORÜBERGEHENDE KNOTENVERDOPPLUNGEN handeln." "Was?" "Nun, ihr PC stürzt ab, weil er doppelte Dateien auf dem Fileserver und ihrer Festplatte findet. "Oh. Was soll ich tun?" "Nun, das Beste wird sein, sie melden sich beim Fileserver an und machen ein remove-rename." "Und wie?" "Geben sie einfach ein rm -rf ein. Das bedeutet remove minus rename, alle nur einmal vorhandenen Dateien werden nicht umbenannt." "Oh, in Ordnung. Danke." "Gern geschehen." ich lege auf. Der Kauz ist noch immer hier. "Ich schreibe ein Programm ..." setzt er an. "... um die Drucker abzustimmen." vollende ich. "Ja." "MEINE Drucker." stelle ich fest. "Ähm ... ja." "Warum?" "Nun, ich dachte, dass ich einmal pro Sekunde abfrage, welche Druckaufträge sie gerade bearbeiten und wie schnell sie waren." "Warum?" "Um zu sehen, ob es irgendwelche Engpässe im Netzwerk gibt." "Wie, um ein Beispiel zu nennen, einen Engpass, der dadurch verursacht wird, dass die Drucker einmal in der Sekunde auf die Anfrage eines 'intelligenten' Programms antworten müssen?" "Ich dachte, dass das kein Problem wäre." "Das dachten sie nicht", sage ich, ändere die Temperatur im Treppenhaus auf Null und erhöhe die Luftfeuchtigkeit. "Aber sie haben das Programm schon laufen lassen, stimmts?" "Nun, ein- oder zweimal vielleicht." "Nein, mehr als ..." (Ich zähle die roten Punkte, die der Druckerwarteschleifen-Monitor zeigt.) "Mindestens 17mal, wenn ich richtig gezählt habe. Sie schicken eine falsche SNMP-Anfrage an die Drucker, die natürlich nicht antworten. So geht es weiter, und sie schicken eine weitere Anfrage an den nächsten Drucker." "Ich ... nun, es könnte sein ..." "MEIN Problem ist nun: Wen soll ich damit beauftragen IHR Problem zu bearbeiten? Vielleicht meinen beinahe wahnsinnigen Auszubildenden, dem beigebracht wurde, unnötige Netzlast mehr zu hassen als Wiederholungen von 'Unsere kleine Farm'? Oder möglicherweise die Programmierer, die Möchtegernprogrammierer mehr hassen, als sie es hassen, zu arbeiten wenn die Kneipen geöffnet sind? Wissen sie, ich werde einfach alle fragen." Er ist verschwunden und hat seinen sechsmonatigen Spanienurlaub schneller geplant als ich es schaffe, den Telefonhörer neben den Apparat zu legen. Ich schaue im Monitor zu, wie er zu den Treppen stürmt, um zu flüchten. Dummerweise kondensierte im nun kalten Treppenhaus ein wenig Wasser auf dem Linoleumbelag, so dass er ausrutscht und ein paar Treppen nach unten rollt. Auf seinem Weg aus dem Gebäude heraus wirft er eine Gruppe Erbsenzähler um, die begierig zu ihren Summen zurückkehren wollen. Als er aus dem Haus hinkt, kommt mir ein Gedanke: Man kann Zufriedenheit mit dem Job eben nicht planen. Nun, jedenfalls nicht wirklich, schätze ich ... [[Der B.O.F.H. gibt einem hilflosen Verkäufer die Chance, an Geld zu kommen ...]] Ich sitze in meinem Büro, als der Anruf eines Verkäufers kommt, der mir ein paar ATM-Kits aufschwatzen will. Er hat meinen Namen aus einer dieser Anforderungen für Gratis-Zeitschriftenexemplare, die ich vor Monaten abgeschickt habe. Man muss auf diesen Anforderungen ja immer ein paar 'statistische' Informationen geben, also habe ich die Angaben zu meinem technischen Wissen auf ein Zehntel nach unten korrigiert. Bei der Frage nach 'Verfügbaren Finanzmitteln', habe ich meine Antwort um den Faktor 100 aufgeblasen. Eine kleine Lüge tut niemandem weh, und widerlegt nebenbei das Gerücht, es gäbe so etwas wie eine Einladung zu einem kostenlosen Mittagessen nicht. Ich schalte mental in den 'Vergnügungs-Modus' und sage dem Anrufer, dass er mit dem technischen Manager sprechen soll, und ich ihn sofort weiterverbinde. Zwei Sekunden später spricht er mit meiner Imitation unseres technischen Managers. "Ich möchte zu ihnen kommen, um ihnen eine zukunftssichere Netzwerk-Lösung vorzustellen, wenn das möglich ist." legt er los. Das Letzte, was ich will, ist, dass er herkommt und alle Leute nach 'dem technischen Manager' fragt. Daher entscheide ich mich für einen schnellen Spass. "Nun", sage ich, "ich bin in dieser Woche stark mit ein paar Besprechungen über Neuanschaffungen beschäftigt." Er macht eine Pause. Ein klein wenig zu lang, finde ich. Das bedeutet vermutlich, dass er nicht bereit ist, sein Ausgabenbudget einzusetzen. Ich 'füttere' ihn noch ein wenig. "Dann habe ich eine Budget-Konferenz in der nächsten Woche, um die Ausgaben im nächsten Vierteljahr zu planen, also bin ich mit der Vorbereitung darauf auch ziemlich beschäftigt." Er beisst an. "Ich sage ihnen etwas - wie wäre es, wenn wir uns zu einem Mittagessen träfen - sie müssen doch etwas essen, oder? Und ich beschreibe Ihnen ganz unverbindlich unsere Produkte. Sie werden die Vorteile dann ganz von selbst sehen." "Ähm ..." denke ich laut nach. "'Luigi's', am Donnerstag um 12 Uhr?" "Ich, also ...", murmle ich, spiele den Unbestechlichen. "In Ordnung, ich reserviere uns Plätze", schliesst er wie ein wirklicher Verkaufschampion. Ich öffne den elektronischen Terminkalender mit dem Passwort des Chefs (der Name seiner Frau - glaube ich jedenfalls ...) und trage den Termin bei 'Luigi's' ein. Es ist Donnerstag und ich komme um 11:30 Uhr in die Bar, arbeite mich durch die 'importierten Spirituosen' durch, solange ich kann. Irgendwann taucht der Verkäufer auf. Ich bin, wie wir Ethernet-Freunde sagen würden, in einem Wahllos-Modus. Ich würde jetzt alles kaufen. Zumindest dann, wenn ich Geld hätte. Was nicht der Fall ist. Wie auch immer, ich habe ein paar Visitenkarten des technischen Managers dabei und beherrsche eine akzeptable Nachahmung seiner Unterschrift. Die nächsten drei Stunden vergehen schnell, während ich verschiedene Kataloge mit glänzender, beta-getesteter, 'höchstmoderner' Hardware anschaue, in Verzückung gerate, wie das nur ein technischer Manager kann, und gelegentlich Kommentare wie: "Schöne Lichter" abgebe. Irgendwann gegen 15 Uhr entschliesse ich mich, den Mann etwas unter Druck zu setzen. Ich erkläre ihm, dass in diesem Jahr kein Geld für das Netzwerk vorgesehen ist, da ich alles schon im letzten Jahr ausgegeben habe. Er beginnt zu weinen und versucht alles, damit ich mich schuldig fühle. Ich gebe vor aufzugeben und erkläre ihm, dass ich eine Wagenladung Waren bestellen würde und es so aussehen lassen werde, als handele es sich um eine Bestellung aus dem letzten Jahr. "Wird das gehen?" schnieft er. "Natürlich ..." sage ich. "Jetzt gehen sie und machen sich wieder fein. Sie sehen ein wenig durcheinander aus." Er verschwindet zur Toilette. Ich prüfe schnell seine Brieftasche. Sie enthält 70 Pfund. Ich nehme mir 40 - ich will ihn ja nicht völlig zusammengebrochen zurücklassen. Und wo ich gerade dabei bin, nehme ich ihm noch die letzte Möglichkeit zur Bezahlung, indem ich meinen guten alten Permanent-Magnet über die Magnet-Streifen seiner Kreditkarten ziehe. Dann gehe ich wieder zur Bar und bestelle einen anderen Drink. Ich unterhalte mich mit dem Barkeeper, bis der Verkäufer wiederkommt. "Nun", sage ich, "ich muss zurück ins Büro." Er blickt mich misstrauisch an. "Wissen sie", sage ich. "Wie wäre es, wenn ich einfach einen Bestellschein unterschreiben würde, den sie dann ganz ruhig in ihrem Büro ausfüllen können?" Der Traum eines jeden Verkäufers. Ich werfe schnell die Unterschrift unseres technsichen Managers aufs Papier, stecke die Quittung ein und habe schon die Hälfte der Strecke zur Arbeit zurückgelegt, als die Polizeiwagen mit Blaulicht das 'Luigi's' ansteuern. Offensichtlich haben sich die Methoden beim Umgang mit potentiellen Kunden bisher noch nicht geändert. Mit etwas Glück war das aber nur ein kleiner Tiefschlag - es sei denn, der Wurfarm seines Chefs ist gesund ... [[Der B.O.F.H. sorgt mit einer kleinen Bestechung für einen Zusammenbruch seines Chefs ...]] An einem ruhigen Morgen werde ich vom Pförtner angerufen. Neues Equipment ist angekommen und nun muss ich sagen, wohin es gebracht werden soll. Ich brauche ein paar Sekunden, um mich an das Essen mit dem Verkäufer im 'Luigi's' zu erinnern und die wortreichen Versuche meinerseits, ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien, als er kein Geld mehr hatte ... Seine beiden Vorderzähne waren aus Gold. Möglicherweise konnte er sich mit dem Restaurant einigen. Oder er hat etwas herausgefunden ... Das bedeutet möglicherweise, dass unser technischer Direktor nun extrem hochgezüchtete Hardware besitzt, die geeignet ist, alle Geräte zu überfordern, in die sie eingebaut wird. Da ich keine Ahnung habe, was eigentlich geliefert wurde, sollen sie die Sachen erst einmal zum technischen Direktor bringen. Immerhin steht ja 'seine' Unterschrift unter der Bestellung ... "Es ist aber sehr viel ..." sagt der Pförtner. "Der Platz im Lift wird kaum ausreichen." Ich sage, dass sie es in den Lift schaffen sollen, dann bereite ich mich darauf vor, dem Untergang des technischen Direktor beizuwohnen. Fünf Minuten später ist der Lift mit hundert glänzenden Schachteln und Schächtelchen unterwegs. Der technische Direktor scheint sehr verwirrt zu sein. Mit einem Budget ausgestattet, das gerade für ein paar Schachteln Chips reicht, ist er wirklich besorgt über die Lieferung dieser bunten Schachteln. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn er ist ja der einzige, der für Technik Geld ausgeben darf. Ich warte, bis er die Rechnung und die beigeheftete Bestellung sieht. Seinem Blick zufolge scheint ihn ein mächtiges Problem zu beschäftigen. "Das muss ein Irrtum sein!" ruft er, als ein besonders besorgniserregend blickender Buchprüfer mit dem Inventarverzeichnis hereinkommt. "Das ist die neue Technik?" fragt er. "Es scheint so", antowrte ich. "Aber ich dachte, wir hätten kein Geld mehr?" "Haben wir auch nicht." plärrt der technische Direktor. "Wenn das so ist", frage ich und deute auf 'seine' Unterschrift, "Warum haben sie dann diese Sachen bestellt?" "Habe ich doch gar nicht", beteuert er mit 28.8 bps (Beteuerungen pro Sekunde). Ein kleiner Auflauf interessierter Zuhörer hat sich gebildet, so dass ich um Ruhe bitte. "Und das auch noch, nachdem sie die Wünsche nach einer besseren Klimaanlage abgelehnt haben!" Das Murmeln der Ablehnung zeigt den Grad der Zustimmung an, die der technische Direktor jetzt noch erwarten kann (eine beliebig grosse Zahl multipliziert mit Null). Dieses feindselige Publikum ist nicht empfänglich für Ausreden, ganz besonders nach den 'extremen Wetterschwankungen' des vergangenen Jahres. In seiner Verzweiflung meint er einen rettenden Strohhalm gefunden zu haben: "Hey! Diese Bestellung ist sechs Monate alt. Damals war ich doch noch gar nicht hier!" ruft er. "Bestellungen zurückdatieren, um dem Inventar-System zu entkommen!" rufe ich. Die Augen des Buchprüfers leuchten auf wie ein Weihnachtsbaum, als er sich den Ruhm vorstellt, den er mit der Aufdeckung dieses Betruges ernten kann. "Aber ... Ich ..." fleht der technische Direktor. Ich nehme mir eine Schachtel und sorge für etwas mehr Druck: "ATM-Karten für XT-kompatible. Wie nützlich." Die Ablehnung wird lauter. Der technische Direktor gibt alle Versuche, den Unschuldigen zu spielen, auf und versucht etwas anderes. "Wir haben eine Menge altes Equipment!" keucht er. "Die Karte kann DOS beschleunigen!" Er ist eingekreist und hat keine Aussicht auf einen Ausweg. Ich weiss es, er weiss es. Die Belegschaft weiss es. "Was zum Henker ist denn das?" frage ich und deute auf die Rückseite des Stapels im Lift. Der technische Direktor eilt in der Hoffnung hinein, weitere Schwierigkeiten verstecken zu können. "Was?" fragt er, als ich ihn einhole. "Oh, nichts, einfach all das. Der Buchprüfer, die Belegschaft, diese nutzlose Hardware. Alles. Das ist nicht gut für einen Karrieremenschen, wissen sie." "Aber, ich ..." "Ich meine, wenn ihr Chef etwas davon erfährt ..." Wortlos steht er einfach nur da. "Andererseits, wenn all dies hier einfach verschwinden würde ..." Ein Hoffnungsschimmer erscheint am Horizont. "Verschwinden?" "Wie ein böser Traum." bestätige ich. "Wie?" "Nun, sie geben mir die Rechnung und dann unterschreiben sie diese Bewilligung für einen Fortbildungskurs." Er liest sich die Kursbeschreibung durch: "Aber das ist ein Zwei-Wochen-Kurs in Amerika, in dem es um Grundlagen von Netzwerken geht. Sie wissen das doch alles schon." "Dann werde ich viel Zeit zum Vertiefen haben, oder?" "Aber ..." "Oh, ist das nicht eine ATM-Karte für den Commodore C-64?" "In Ordnung. In Ordnung." Er unterschreibt die Unterlagen und wir verlassen den Lift. Ich lege alle Schachteln wieder zurück in den Lift, gehe in mein Büro und rufe den Pförtner an. "Irgendetwas stimmt nicht mit dem Lift!" erkläre ich und nutze dessen Service-Konsole um seine Beschleunigung ein wenig über die rote Linie hinaus zu erhöhen. Als ich wieder beim Lift ankomme, steht der Buchprüfer noch immer da. Er hat offensichtlich etwas dagegen, den Lift abfahren zu lassen. "Sie meinen, das hier sieht schlimm aus", sage ich zu ihm. "Dann sollten sie erst einmal sehen, was noch alles beim Pförtner liegt!" Die Halteverriegelung löst sich mit einem Klick, als er zum Pförtner verschwindet. Genau 23 Sekunden später hört man im gesamten Gebäude den Aufprall eines mit Waren vollbeladenen Lifts im 2. Kellergeschoss. Sowie die Sirenen der Krankenwagen näherkommen, beginne ich damit, mir Reisebroschüren anzuschauen, um einen netten Platz für meinen 'Auffrischungskurs' zu finden. Dann rufe ich unsere Versicherung an, um sie über den Unfall, durch den all diese moderne Technik vernichtet wurde, zu informieren ... [[Der B.O.F.H. sorgt für Normalität ...]] Ich sitze in meinem Büro und geniesse die Musik aus meinem Radio, als ein 'Kollege' aus einem weiter entfernten Büro im meiner Tür erscheint. "Ja?" frage ich und blicke ihn an. "Ähm. Könnten sie ihre Anlage etwas leise stellen - ich versuche, einige Arbeiten zu erledigen und da fällt es mir schwer, mich zu konzentrieren." Er ist neu hier, überlege ich, statt Politik der verbrannten Erde hat er eine grosszügige Chance verdient. "Entschuldigung", sage ich mit einem wirklich zerknirschten Gesichtsausdruck und drehe den Lautstärkeregler von 11 auf 2. Sehr zur Verwunderung der anderen Kollegen, die ihren Freunden schon die freie Stelle melden wollten, verlässt er fröhlich mein Büro. Sogar der Abteilungsleiter bemüht sich her, um zu sehen, ob ich wirklich da bin. Als er wieder geht, bemerke ich den Anflug eines Lächelns in seinem Gesicht. Fünf Minuten später ist er wieder da und fragt mich, ob ich ihm bei der Installation einer Backup-Software für seinen Laptop helfen könne. Ich weiss nicht warum, doch anstatt die DELETE.EXE in BACKUP.EXE umzubenennen, richte ich die Backup-Software tatsächlich ein. ... Jetzt bin ich sicher, dass irgendetwas nicht stimmt. Ich rufe meinen Beinahe-Freund, den Pickelgesichtigen Jüngling (PJ), an und frage, was er so macht. Er erklärt mir, dass er die Probleme einiger Nutzer gelöst und einem Buchhalter geholfen hat, seine Maschine nach einem Umzug wieder zum Laufen zu bringen. Jetzt bin ich wirklich besorgt. Ganz bestimmt läuft irgendetwas falsch! Er hat das 'B'-Wort benutzt und nicht das übliche 'Erbsenzähler'. Der nächste Tag bricht an und ich beginne ihn mit der Reparatur einiger Telefone. Aber mit dem Herz bin ich woanders. Am frühen Nachmittag bringe ich die Apparate zurück und entschuldige mich sogar für die Unannehmlichkeiten. Der Abteilungsleiter lächelt noch immer. Ich war vorsichtig und habe nichts gegessen. Also muss es etwas anderes sein. Etwas sehr, sehr hinterhältiges. Nach einer langen Schlacht mit meinem Gewissen werfe ich einen Blick in die Liste der vom Abteilungsleiter genehmigten Einkäufe, wobei ich mein Gewissen damit beruhige, dass ich dies ja nur tue, um dafür zu sorgen, dass die Bestellungen auch korrekt ausgeführt werden. Ich finde, wonach ich zu suchen glaubte, und zwar in Form von 10 'Ultra-Positiv'-Ionisierern, die in die Klimaanlage eingebaut wurden. Noch kann ich mich nicht dazu bringen, etwas zu unternehmen, also gehe ich in den Druckerraum, schalte die Klimaanlage ab und die Laserdrucker auf volle Kraft. Eine halbe Stunde später bin ich beinahe wieder normal. Ich beende meine Arbeit und gehe nach Hause, um über einen Plan nachzudenken. Am nächsten Morgen stehe ich früh auf und komme unbeobachtet zur Arbeit. Mein erster Halt: der Turm der Klimaanlage auf dem Dach. Ich lokalisiere die störenden Ionisierer und programmiere sie mit meinem Hammer neu. Der nächste Halt: das Büro des Geschäftsführers, wo ich den Ionisierer durch einen von mir gebauten ersetze und gut verstecke. Dann marschiere ich in die Telefon-Vermittlung, sorge für eine Umleitung aller Anrufe direkt zum Geschäftsführer und sperre dann die Konsole der Vermittlungsanlage. Unten im Computerraum forme ich einen Stolper-Draht aus den Netzkabeln der Datenbank- und Netzwerkserver. Dann erwarte ich in meinem Büro, die Fenster natürlich weit geöffnet, den Beginn des Arbeitstages. Bis 9:45 Uhr passiert nichts, doch nach 15 Minuten voller Anrufe und nach der Einwirkung meines Ionisierers ruft der Geschäftsführer genervt meinen Abteilungsleiter an. Ich beobachte es und rufe, sobald der Abteilungsleiter aufgelegt hat, den Geschäftsführer an. "HIER IST NICHT DIE VERMITTLUNG!" schreit er. "Natürlich, Sir. Das weiss ich", sage ich voller Freundlichkeit und Verständnis. "Ich habe gerade festgestellt, dass anscheinend alle Anrufe von der Vermittlung an ihren Apparat umgeleitet werden. Die Konsole der Anlage in der Vermittlung ist auch blockiert. Überhaupt, die Leute aus der Vermittlung verhalten sich in den letzten Tagen recht seltsam - nun, in Wahrheit haben wir uns in der letzten Zeit alle seltsam benommen, glaube ich. Ich werde mich mal im Computerraum etwas umsehen ..." Der Abteilungsleiter schaltet in den Panik-Modus, fegt durch mein Büro, reisst die Tür des Computerraums auf. Und dann die Netzkabel der Server heraus. Ich schenke ihm ein mitleidiges Lächeln, als er mit Schrecken feststellt, was er gerade angerichtet hat. "Home Team ONE, ihre Zukunftsaussichten, NULL", sage ich in den Telefonhörer, die Hand natürlich vor dem Mikrofon. "Nichts weiter passiert", sage ich dann, die Hand nicht mehr auf dem Mikrofon. "Der Abteilungsleiter hatte gerade einen kleinen Unfall ..." [[Der B.O.F.H. lässt sich nicht von einem Wichtigtuer mit einem schicken Auto anhupen ...]] Ich sitze gerade in einem Workshop, als der Abteilungsleiter mit verwirrtem Blick hereinkommt. Den Gedanken, er könnte eine wichtigere Bedeutung des Lebens gefunden haben als den Versuch einer rekordverdächtigen Verkörperung eines Briefbeschwerers, verwerfe ich schnell wieder und entscheide mich stattdessen dafür, ihn nach seinen Gedanken zu fragen. "Gibt es ein Problem?" frage ich also, und es klingt, als wären seine Probleme auch die meinen. "Ähm ... nein. Kein Problem. Ich hatte nur etwas Ärger mit meinem Wagen." "Das königliche blaue Monster im Parkhaus? Startet es nicht?" will ich wissen. "Nein, nein. Es startet perfekt. Zu perfekt, um die Wahrheit zu sagen. Das ist das Problem." Ich weiss, was jetzt kommt, also frage ich nach. "Zu gut?" "Ich habe schon wieder einen Strafzettel für zu schnelles Fahren bekommen?" "Wirklich? Wieviele sind es denn insgesamt?" "Drei. Aber das Verwunderliche ist, dass der Wagen mit Automatik fuhr und nicht schneller war als erlaubt. Doch als ich etwas später auf den Tacho blickte, war ich plötzlich schneller als erlaubt." "Wirklich?" "Ja. Von einem Augenblick zum anderen. Aber wirklich seltsam ist, dass der Radarwarner keinen Ton von sich gegeben hat." "Nun, die Polizei wechselt manchmal die Frequenzen dieser Blitzer, damit Radarwarner nichts nützen." antworte ich, um seine Neugier zu befriedigen. "Aber ich habe das Ding doch erst seit einer Woche! Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich schwören, dass der Wagen sich immer den ungeeignetsten Augenblick aussucht, um zu beschleunigen. Als ob die Automatik und der Radarwarner zusammenarbeiten würden." Ich murmle etwas vor mich hin. "Wie bitte?" "Ich sagte, die Polizei hat anscheinend etwas Neues erfunden." "Oh." Er geht hinaus und denkt offenbar über das Leben ohne Fahrerlaubnis nach. Ich verschwinde ins Parkhaus und verlagere mein neulich gebautes Radarzubehör vom Wagen des Abteilungsleiters in den des PJ. Er ist in letzter Zeit etwas zu selbstzufrieden, daher ist es gut, ihm in Erinnerung zu bringen, was es bedeutet, an der Spitze zu leben. Nachdem ich ihm das kleine Spielzeug untergejubelt habe, will ich mich wieder zum Lift begeben, als ich plötzlich aus grösster Nähe von zwei lauten Hupen angegriffen werde. Hinter mir ist ein rotes Kabriolett nebst Eigentümer aufgefahren und wartet darauf, dass ich den Weg freigebe. Der Name auf dem Schild des Parkplatzes dieses Wagens wird augenblicklich in mein Langzeitgedächtnis übertragen. Als ich wieder im Büro bin, fällt mir auf, dass ich die Ausbildung des PJ vernachlässigt habe, und beschliesse, dies unverzüglich zu berichtigen. Ich berichte dem PJ von meinem Erlebnis mit dem viel zu ungeduldigen Verkaufsmanager und seinem sportlichen Kabrio. "Sollen wir seine Telefonleitung kappen?" fragt der PJ brennend interessiert. "Nein, nein", antworte ich. "Dies ist ein spezieller Fall, der spezieller Behandlung bedarf. Nehmen sie mal das Buch dort." "Das mit dem Metalleinband?" "Genau." Er greift nach dem Buch, nimmt es und stürzt zu Boden. Sekunden später ist er wieder bei Bewusstsein. "Was ist passiert?" fragt er benommen. "Der älteste Trick in dem Buch. 'Welches Buch?' fragen sie Nun, der 'Bastard Operator-Führer'. Der Wälzer der Hölle." "Aber was ist passiert?" "Als sie das Buch hochgehoben haben, hat ein kleiner Schalter am Boden des Buches eine gesunde Dosis Spannung an den Buchumschlag abgegeben. Mit diesem Buch kann man nie vorsichtig genug sein." "Oh." Er ist nicht gerade fröhlich, aber eine gute Ausbildung gibt es nicht umsonst. "Okay", sage ich, "nehmen sie ein Paar Gummihandschuhe und schlagen dann Seite 43 auf, den letzten Absatz." "Diesen über Internet-News hier?" fragt er. "Genau, dieser Abschnitt. Jetzt können sie mir vielleicht helfen, die Nachricht zu schreiben, die unser Freund an eine grosse Anzahl auf Sex spezialisierter Newsgruppen senden wird. Für welche sexuelle Perversion wird er sich wohl interessieren?" Fünf Minuten später haben wir ein virtuelles Meisterwerk geschaffen, das ihm die Aufmerksamkeit einer grossen Anzahl seltsamer Leute im Internet verschaffen wird. "Soll ich die Nachricht abschicken?" fragt der PJ. "Noch nicht sofort. Sie wissen, dass diese Nachricht enormen E-Mail-Verkehr auslösen wird, der den Server regelrecht überfluten kann, und daher der System-Adminstrator eingreifen wird?" "Sie meinen, er wird es bekanntmachen?" "Wir können uns nicht darauf verlassen. Nehmen wir als Antwortadresse die des Cheftelefonisten. Das ganze Haus wird es wissen, bevor einer es wagen wird, diesen Verkaufsmanager zu informieren." "Sie sind ein wirklicher Schweinehund!" "Bis ins Fleisch, an der Tastatur und erbarmungslos durch das Leben anderer Menschen stapfend." antworte ich in einen Anflug von Hochmut. Später an diesem Tag marschiere ich in das Parkhaus und beobachte eine Person aus dem Lift heraustreten und sich zu einem kleinen roten Kabrio schleichen. Der Ausdruck in seinem Gesicht zeigt, dass er nicht nur von draussen Angebote bekommen hat ... Als er in einen langen Urlaub verschwindet, um seine Erinnerungen zu erforschen, kehre ich in mein Büro zurück, um die Arbeit des Tages zu beenden. Ich mache eine kurze Pause, um dann sogleich seine Akten in den Mülleimer zu werfen ... [[Der B.O.F.H. erlebt seinen Schwarzen Mittwoch ...]] Dieser Mittwoch entpuppt sich als denkwürdiger Tag, als ich in das Büro des Abteilungsleiter gebeten werde, um angeblich einige wichtige Informationen zu bekommen. Anwesend sind neben dem Abteilungsleiter noch ein technischer Manager und unser Personalchef. Ein Treffen mit drei gleichgesinnten Schwachköpfen, könnte man sagen - oder fünf, wenn man den Briefbeschwerer und den Mülleimer mitzählt, die weitaus mehr arbeiten und der Firma mehr Geld bringen, als die anderen drei. "Wir, ähm, also, wir haben uns entschlossen, ihren Vertrag nicht zu verlängern", meint der Abteilungsleiter nach einigen Sekunden gespannter Stille. Ganz plötzlich haben der technische Manager und der Personalchef interessante Dinge zum Anschauen an der Decke und auf dem Boden gefunden. In der Zwischenzeit, so scheint es, bemüht sich der Abteilungsleiter darum, den Weltrekord im Schwitzen zu brechen. Er erwartet offenbar das Schlimmste, also soll er es bekommen. "In Ordnung", sage ich leise. "Ich verlasse die Firma dann in vier Wochen, schätze ich." "Ähm, nun, wir haben uns entschlossen, sie jetzt schon auszuzahlen. Sie bekommen das Geld für die letzten vier Wochen. Eigentlich können sie uns verlassen, wann immer sie wollen, also auch sofort." lockt er. "Wir würden diese Lösung vorziehen." "Okay", sage ich. "Ich suche meine Sachen zusammen und verschwinde dann." "Ähm, wir haben den Sicherheitsdienst gebeten, sich darum zu kümmern", erklärt der Abteilungsleiter auf einen Ausbruch wartend. "Draussen steht eine Kiste." "In Ordnung. Man sieht sich", sage ich und verschwinde, nachdem ich mir meine Sachen gegriffen habe. Im Fahrstuhl treffe ich auf den verblüfften PJ. "Was werden sie unternehmen?" fragt er schockiert. "Ich? Ich werde Urlaub machen, ein paar Bücher lesen - keine Ahnung." "Nein, ich meine, weil die sie rausschmeissen." "Ach das! Wirklich nichts. Ich bin sicher, sie werden auch ohne mich klarkommen." Ein Grinsen huscht über sein Gesicht, als er sich die Zukunft vorstellt. "Ich werde sehen, was ich tun kann ..." verspricht er. Drei Tage später klingelt das Telefon. Es ist der Abteilungsleiter. "Äh, ich wollte fragen, ob sie vielleicht wieder zurückkommen könnten." höre ich ihn nuscheln. "Warum? Mein Lehrling macht doch alles richtig, oder?" "Ähm, nein, nicht wirklich." "Seltsam. Dabei habe ich ihm doch alles beigebracht, was ich weiss", antworte ich und bringe die Kugel langsam ins Rollen. "Ja, das hatten wir befürchtet." "Wie bitte?" "Ich weiss auch nicht. Er macht nur noch Fehler. Zumindest behauptet er, es handele sich dabei um Unfälle." "Was für Unfälle?" "Alles mögliche! An einem Tag 'reparierte' er eine 'unnormale' Einstellung der Heizung im Sitzungszimmer und kochte so die tropischen Fische im Aquarium des Geschäftsführers; seine 'Wartung' des Lifts liess mich und einen Manager zur Mittagszeit eine Stunde lang zwischen der dritten und der vierten Etage hin- und herfahren; der Monitor mit den Aktienkursen zeigt nur noch holländische Pornokanäle an; die Sicherheitstüren lassen die Leute nicht mehr zu den Toiletten - bis auf eine Ausnahme, als sie eine nervöse Sekretärin nicht mehr herausliessen - und einer aus der Geschäftsleitung hörte ihre wilden Hilfeschreie, die ihn so erschreckten, dass er für vier Tage klinisch tot war." "Nun, die Betreuung eines Netzwerkes ist eine heikle Sache. Und er wird es noch lernen, denke ich." "Gut, gut, aber könnten sie nicht zurückkommen und die Sachen wieder in Ordnung bringen? Die Passwörter für die Anmeldung im Netzwerk sind nur noch einen Tag gültig und mit jedem Tag müssen sie um einen Buchstaben länger werden. Am Ende der Woche sind wir bei 15 Zeichen angekommen, und sie wissen doch, wie wenig es der grosse Boss liebt, seine Initialen fünfmal hintereinander einzutippen." "Nun, ich weiss nicht recht ...", sage ich auf das Unvermeidliche wartend. "5000 mehr pro Jahr?" "Zehntausend?" "Okay, zehntausend!" "Und ich mochte noch nie diese Klauseln zur persönlichen Haftung." "DAS HAT SIE DOCH VORHER NIE GESTÖRT!" "Stimmt, aber irgendwann rächt sich sowas und sie kriegen einen doch noch ..." "In Ordnung, alles klar. Wann können sie wieder anfangen?" Einen Tag später ist der Status Quo wiederhergestellt. Der PJ gibt mir einen kurzen Überblick über die Dinge, die während meiner Abwesenheit passierten. Der Wendepunkt war offenbar ein Unfall auf der Rolltreppe, bei dem die Frau des Abteilungsleiters, die für ihn bestimmte Geburtstagstorte, der Anzug des Geschäftsführers und eine plötzliche Änderung der Rolltreppengeschwindigkeit zusammentrafen. Ein ausserordentlich seltenes Zusammentreffen ... Das Telefon klingelt und gutgelaunt nehme ich ab. "Ist dort der Netzwerk-Betreuer?" fragt eine Stimme. "Ja ..." "Ich habe ein Problem mit dem neuen Rechner und dem Netzwerk." "Geht es um einen Pentium?" rate ich. "Ja." "Oh-oh. Der Hersteller hat uns gerade ein Fax wegen Problemen mit der elektrostatischen Aufladung geschickt." "Was?" "Um das Problem zu lösen, müssen sie einfach das Gehäuse öffnen ..." "Okay." "Die Netzwerkkarte herausnehmen ..." "Gemacht." "... und einen schmalen Metallstreifen am Verbindungsstecker zum Mainboard anbringen, um statische Aufladung zu verhindern." "Gut." "Jetzt stecken sie die Karte wieder ein und schalten den PC an." "Okay, ich schalte jetzt ..." >KNALL!< "Arghh ...!" >Klick< Es ist schon lustig, wie man die gute alte Zeit vermissen kann ... [[Der B.O.F.H. und sein Partner rächen sich für gestohlenen Platz ...]] "Da geht er hin ..." murmelt der PJ, als der neue Programmierer aus seinem Büro schleicht und nach Hause geht. Der arme Mann leidet unter Verfolgungswahn, der natürlich nichts damit zu tun hat, dass sein Büro in einem Raum eingerichtet wurde, der früher zum Computerraum gehörte. Die Bosse meinten, der Platz würde nicht genutzt und haben ihn geklaut, um das Programmiererbüro einzurichten. Leider kam ich nicht an die Pläne heran, bevor sie das Zeichenbrett verlassen hatten, doch der PJ hat es wenigstens noch geschafft, die Angaben für die Bauleute neu zu 'berechnen' und die Kabelschächte zu 'optimieren'. Es ist lustig, dass nun die Wände nach innen einzustürzen scheinen und der Türgriff sich immer dann erhitzt, wenn die Klimaanlage in Betrieb ist. Ganz im Geiste der Wiederverwertung haben die Bosse auch noch alle anderen Büros nach ungenutzten Möbeln durchsucht, bevor der Programmierer eingestellt wurde. Bei uns fanden sie den Schrank des Todes, den wir genutzt hatten, um die Back-Ups der Erbsenzähler aufzubewahren. Äusserlich gleicht der Schrank des Todes normalen Aktenschränken. Und er verhält sich auch so - bis man ihn schliesst. Das löst dann nämlich ein fünfsekündiges Brummen aus. Und Momente später findet der Programmierer die Arbeit des Tages auf mysteriöse Weise ausgelöscht vor. Verblüffend, wie klein ein Aktenvernichter sein kann ... Die Fernsteuerung für den Stuhl des Programmierers war die Idee des PJ. Der Programmierer kann problemlos die Höhe der Sitzfläche einstellen, doch seltsamerweise scheint der Gasdruck in der Höheneinstellung in unregelmässigen Abständen abzufallen und die Sitzfläche saust dann nach unten. Der arme Mann scheint ein wenig zu hinken. Möglicherweise ein Gelenkproblem. Der Abteilungsleiter hat mitbekommen, dass etwas passiert ist - das sollte er auch, denn er hat den Diebstahl des Raumes zu verantworten. Ich bin sicher, er denkt immer daran, wenn diese scheussliche Türklinke ihm ihren Umriss in die Handfläche brennt ... Nach einem persönlichen Telefonat des Programmierers mit dem Abteilungsleiter, das der PJ und ich nur zufällig belauschten, weil das Mikrofonkabel versehentlich mit einer redundanten UTP-Verbindung verkabelt war, scheint er anzunehmen, dass wir etwas mit seinen Problemen zu tun haben. Offenbar glaubt er die skandalösen Lügen, die der Abteilungsleiter ihm auftischte, denn er lud uns zu einem Gespräch ein ... "Ich habe gehört, dass sie für all das verantwortlich sind", sagt er. "Wofür?" frage ich unschuldig. "Diese Belästigungen! Ich will, dass das aufhört. Ich arbeite an einem wichtigen Projekt und werde Störungen nicht dulden." Ich bin kein Freund harter Worte und der PJ sieht auch nicht so aus, als würde er sie mögen. "Wissen sie, wieviel man mir bezahlt?" fährt der Programmierer fort. "Keine Ahnung", lüge ich, damit ich nicht vorgeben muss, ich sei verärgert, weil er mehr bekommt, als der PJ und ich zusammen. "Ich mache ihnen einen Vorschlag", sage ich. "Sie teilen ihr Glück mit uns und wir werden sehen, was sich machen lässt. Jede Woche ein paar Scheine für jeden von uns. Nennen wir es einfach Miete für die Nutzung des Computerraumes." "NIEMALS!" In stiller Einigkeit gehen der PJ und ich hinaus. Wohl als Folge eines kleinen Unfalls wegen fehlerhafter Verkabelung seiner Schreibtischlampe (Ich hasse diese billigen Importe!) lädt uns der Programmierer zwei Tage danach zu einer weiteren Unterredung ein. Mit einer grosszügigen Spende für unsere Weihnachtskasse kehren wir in unser Büro zurück. Einige Zeit später bittet der Programmierer mich und den PJ erneut in sein Büro. Er hat dieses selbstzufriedene Lächeln aufgesetzt, dass auf nichts Gutes hindeutet. "Ich, ähm, ich hätte gern mein Geld zurück", sagt er um Lässigkeit bemüht. "Entschuldigung", entgegne ich leise. "Es wurde in schon in den laufenden Betrieb investiert." "Nun, bestimmt können sie es wieder zurückholen. Natürlich nur, wenn sie wünschen, dass diese Angelegenheit nicht bei der Geschäftsführung landet." Er klickt auf ein Icon seines Bildschirms, worauf eine Aufzeichnung auftaucht, die er heimlich mit der Kamera, die zu seinem Laptop gehört, gemacht haben muss - eine Aufzeichnung unserer letzten Begegnung mit Ton und allem. Er lächelt. Ich lächle zurück und nicke dem PJ zu. Ein Stolpern-über-den-Bodenbelag später liegen die Trümmer des Laptops auf dem Boden, ein riesiger Handabdruck dekoriert die ehemalige Festplatte. "Ups", keucht der PJ. "Muss wohl der Zuckermangel im Blut sein ..." "Ein guter Versuch", spottet der Programmierer, "Aber nicht gut genug. Ich habe Backup-Bänder." "Aha. Und befürchten sie nicht, dass ich irgendwie an die Bänder herankommen könnte?" frage ich nach, um herauszufinden, wo sie liegen. Er lächelt zufrieden. "Wovor sollte ich mich fürchten? Sie sind sicher weggeschlossen." KRACH!! Ein Fünf-Sekunden-Brummen-und-Krachen später kehren der PJ und ich in unser Büro und die Normalität zurück. "Soll ich die Spannung an der Türklinke etwas erhöhen?" fragt der PJ. "Alles was drin ist! Oh, und die Tischlampe wirkte ein wenig gedämpft, wenn sie gerade dabei sind ..." Mit soviel Initiative hat er noch eine glänzende Zukunft vor sich ... [[Der B.O.F.H. ist dem Wahnsinn nahe und der PJ folgt ihm ...]] Es ist ein ruhiger Tag, als der Abteilungsleiter mit einem Stapel offiziell aussehender Papiere im mein Büro kommt, was nur eins bedeuten kann - er will einen weiteren Versuch machen, mich loszuwerden. Eine grosse persönliche Tragödie wird sich ereignen. Und sie wird nicht mich betreffen ... "Simon, schön, dass ich sie treffe!" Angesichts der Tatsache, dass es 14:30 Uhr am Zahltag ist und gerade keine teure Hardware rumliegt, die bequem in meine Geldtasche passen würde, ist seine Freude geheuchelt. Er versucht offensichtlich, von seinen wahren Motiven abzulenken. "Ich habe eine Anweisung vom Personalchef bekommen. Der Boss will, dass wir alle an persönlichen Interviews teilnehmen, bevor es in diesem Jahr Gehaltserhöhungen gibt." Die 'Lohnerhöhungs-Fabel' wurde schon früher benutzt, und normalerweise erweist sie sich als riesige Übertreibung. Wie auch immer, eine Lohnerhöhung ist eine Lohnerhöhung, also nicke ich nur. Der Abteilungsleiter schöpft Kraft aus der Tatsache, dass er schon so weit gekommen ist und fährt fort. "Ihr Interview ist für den morgigen Tag um 10:00 Uhr angesetzt. Ist das in Ordnung?" fragt er voll geheuchelter Freundlichkeit. "Natürlich habe ich dann Zeit", antworte ich unschuldig wie Bambi lächelnd. Der Abteilungsleiter dankt mir und geht hinaus, wobei er ein selbstgefälliges Grinsen kaum unterdrücken kann. Ja, es liegt etwas in der Luft ... Der nächste Morgen bricht an und ich bin schon um 9:00 Uhr da, um den Eingang zu beobachten. Die Zeit vergeht ereignislos bis 9:48 Uhr, als sich mein Verdacht bestätigt. Eine blasse, abgezehrte Gestalt mit nachdenklichem Bart, Brille und medizinisch wirkendem weissen Hemd nebst unauffälliger Krawatte betritt das Gebäude. Ein Mittelklasse-Psychologe, wenn ich mich nicht zu sehr täusche. Ich gehe zum PJ, um kurz mit ihm zu sprechen. Er nickt einfach. Wortlos meldet er sich bei den verschiedensten Kontrollsystemen an, wobei er den Kopf schüttelt. Beim Interview, einem typischen Psychologen-Ding, geht es um Tintenkleckse, Geschichten über die Kindheit, Träume und so weiter ... Ich entscheide mich dazu, Bestleistungen zu zeigen, und sehe massenhaft Hexen und Mörderinnen in den Tintenklecksen, 'erinnere' mich an einige verstörende Kindheitserlebnisse und erzähle, dass in all meinen Träumen Äxte, Gewehre und ähnliche 'Spielzeuge' auftauchen. Eine Stunde später scheint der Psychologe die Ruhe selbst zu sein, lächelt viel, lässt mich aber keinen Moment aus den Augen. Ich lächle ihn an. "Kaffee?" frage ich. Er ist zu ängstlich um abzulehnen und nickt. Kaum eine Minute später erscheint der PJ schon mit Kaffee und beobachtet gespannt, wie es weitergeht. Ich lächle weiter, um die Stimmung aufrechtzuerhalten. Ein Haufen Sicherheitsdienstler stürmt herein, als wir etwa die Hälfte des Kaffees getrunken haben. Offenbar versuchen sie nicht nur, mich loszuwerden, sondern mich gleichzeitig auch blosszustellen - möglicherweise, um sich der Loyalität des PJ während meiner Abwesenheit zu versichern ... Der Psychologe scheint sprechen zu wollen. "Simon, ich fürchte, sie sind das, was wir als Soziopath bezeichnen. Sie haben einige tief verwurzelte Probleme, die ich als von der Regierung bestellter Gesundheitsberater ..." Regierung? Diese Schweinehunde! "... als Gefahr für sie selbst und ihre Kollegen ansehen muss." Er ist wirklich schnell, oder? Er scheint sich nun auch ein wenig unwohl zu fühlen, was nicht überraschend kommt, wenn man an das starke Abführmittel, das der PJ mit dem Kaffee mischte, denkt. Aber warten wir ab ... Den inneren Kampf verlierend, zu bleiben und auszuharren oder sich zu erleichtern, stürmt er zu den Toiletten, um festzustellen, dass sie verschlossen sind, wenn ich mich nicht irre. Seltsam, denn der einzige Schlüssel, mit dem man sie verschliessen kann, ist der Generalschlüssel, der im Hi-Tech-Safe des Sicherheitsdienstes (drei Drehungen zur 37, zwei Drehungen zur 12 und einmal zur 45) aufbewahrt wird, dessen Kombination niemand kennt. Während der Psychologe rennend das Treppenhaus erreicht, kommt der Abteilungsleiter herein und nimmt mit teuflischem Grinsen meinen psychiatrischen Beurteilungsbogen. Hämisch grinsend geht er mit mir zurück ins Büro, aber ich bin viel zu beschäftigt damit, die Monitore der Überwachungsanlage über seiner Schulter zu beobachten. Der Psychologe versucht den kürzesten Weg zur nächsten Toilette zu nehmen - eine Etage tiefer. Seltsamerweise ist auch hier die Tür verschlossen ... In der Etage darunter gibt es eine Tür, die nicht verschlossen werden kann, doch acht grosse Kisten mit 28 Zoll-Videomonitoren, von denen jeder rund eine Tonne wiegt, blockieren sie. Man bräuchte einen Gepäckwagen um die Kisten zu bewegen ... Der Psychologe weiss, dass er es nicht mehr bis zu den Treppen schaffen wird, als er einen rettenden Hoffnungsschimmer in Form eines Abfalleimers im Lieferanteneingang der Cafeteria erblickt. Seine Erleichterung ist riesig, doch sie wird weder vom Personal der Cafeteria, das ihn zur Unzeit überrascht, noch von meinem Abteilungsleiter geteilt, als ich ihn auf den Monitor hinweise. "Es ist wirklich gut, eine Einschätzung der Angestellten von einem so umsichtigen und intelligenten Mann zu bekommen", zwitschere ich, als ich ihm meine Beurteilung aus den Händen nehme und in den Mülleimer werfe, den die Beurteilung nun als neue Heimat betrachten kann. [[Der B.O.F.H. lässt seinen Abteilungsleiter singend dahinschmelzen ...]] Der Abteilungsleiter hat sich zu einer Plage entwickelt. Traurig aber wahr. Und hinzu kommt, dass die Ausbildung des PJ noch nicht abgeschlossen ist. Es muss also etwas geschehen. Der Abteilungsleiter spürt, dass etwas im Gange ist und will sich bei mir einschmeicheln, indem er mich immer wieder um technischen Rat fragt und mir dann überschwenglich dankt. Mit anderen Worten - er nervt. Ich hätte besser niemals das Telefon abgenommen, als er anrief ... Den schlimmsten Einschmeichelversuch unternahm er, als er seine Stereoanlage mitbrachte, um meinen Rat für deren Reparatur einzuholen. Ich weiss nicht weshalb, aber er scheint zu glauben, dass ich mich mit allem auskenne, das etwas mit Technik zu tun hat, nur weil ich etwas von den Innereien eines Netzwerkes verstehe. Nun, ich mustere die Stereoanlage kurz, um den Fehler zu finden und stelle schnell fest, dass Ein- und Ausgang vertauscht sind. "Wo liegt das Problem?" frage ich. "Es ist das Band", jammert er. "Es funktioniert nicht mehr richtig, seit wir die Anlage ins Gästezimmer gestellt haben. Selbst wenn wir die Lautstärke voll aufdrehen, hören wir nur das Laufgeräusch, das die Kassette verursacht." "Hm", murmle ich nachdenklich. "Wir brauchen möglicherweise die Lautsprecher, um uns einen kompletten Überblick zu verschaffen." "Ich hole sie in der Mittagspause." antwortet er begeistert. Drei Stunden später stehen die kleinen Schönheiten auf dem Tisch. Ich schliesse die Überlastungssicherungen kurz, während der PJ die Lautsprecher mit Tüten voller Isopryl-Alkohol und Brandbeschleuniger füllt. Eine halbe Stunde später haben wir ein kleines Meisterwerk geschaffen und stehlen uns davon, nachdem wir es eingeschaltet haben. Fünfzehn Minuten später - wir spielen inzwischen Poker im Lagerraum - hören wir die ersten lauten Töne eines Liedes von Neil Diamond. Ich schaue den PJ an. "Der Lautstärkeregler müsste funktionieren", murmelt er, seine elektrischen Kenntnisse betonend. Ein paar Sekunden später hören wir einen Knall aus dem Kontrollraum, als Neil nicht nur ein Gitarrensolo abfeuert, sondern auch ein teures Lautsprecherpaar. Der PJ und ich können die Warntöne der Sauerstoffüberwachung der Klimaanlage hören, was bedeutet, dass der Abteilungsleiter nun eine Entscheidung treffen muss - die Lautsprecher retten und dabei ersticken, oder sein Leben retten. Das Verstummen der Warntöne sagt uns, dass er sich für das Leben entschieden hat. Wir geben ihm ein paar Minuten zur Erholung, dann nehmen wir uns etwas Equipment und gehen zurück, dabei stolpern wir beinahe über eine riesige Kiste mit Terminatoren für das Netzwerk. "Ups", murmelt der PJ. "Wir sollten die Kiste lieber umstellen ... später." Da entdecken wir auch schon den Abteilungsleiter, der an einer Sauerstoffmaske hängt und den vergangenen Horror noch einmal durchlebt. "Es fing einfach Feuer", plärrt er, "und dann gingen diese Akten in Flammen auf, dann die Ordner, dann die Türverkleidung, die brannte wie Zunder, dann ..." Ihm kommt ein Gedanke, sucht nach Informationen, findet nichts und verschwindet wieder. Er starrt uns an. "Sie Schweinehund!" sagt er schockiert. Der PJ und ich tauschen bestürzte Blicke aus. "Wir waren im Lager!" beteure ich mit der Unschuld eines Engels. Er unterbricht sich kurz und nimmt die Maske vom Gesicht, um meine Aussage zu prüfen. Das ist nicht die einzige Unterbrechung an diesem Tag, denn das Brechen eines Armes und des Schlüsselbeins folgen kurz darauf, als er auf runden Terminatoren durch den Gang in die unvorsichtig gefüllten Aktenschränke schleudert, die prompt über ihm einstürzen. Scheusslich. Wir teilen das dem Ermittler von der Polizei mit, als er erscheint. (Die neue Politik des Abteilungsleiters sieht vor, dass alle Unfälle der Polizei gemeldet werden müssen.) Und dieser Fall sollte als Testfall betrachtet werden. Der Polizist notiert traurig die Details und holt dann noch eine Stellungnahme des Geschäftsführers ein. Zwei Stunden später wirft er seine Aufzeichnungen weg, denn es handelt sich nun um einen 'Arbeitsunfall', und nimmt eine lautsprecherlose Stereoanlage mit, für die wir keine Verwendung mehr haben. Beim Hinausgehen bleibt er kurz stehen. "Sie sind doch der Netzwerkmensch?" fragt er mich. "Ja", bestätige ich nickend. "Kennen sie sich mit Videorecordern aus? Meine Frau will ..." Aufhängen ist noch zu gut für sie ... [[Der B.O.F.H. verlässt sich darauf, dass Manager sich niemals erinnern ...]] Es ist Zeit für die vierteljährlichen Budget-Besprechungen, und ich versuche, die Manager davon zu überzeugen, dass wir das Ethernet in einer der Aussenstellen ausbauen sollten. Nach etwa einer Stunde hört sich das so an: Manager 1: "Sie sagen also, dass 10 Millionen dieser 'Bit'-Dinger PRO SEKUNDE nicht schnell genug ist?" Ich: "Genau." Manager 2: "Er hat recht, müssen sie wissen. Ich war in dieser Aussenstelle und die Geschwindigkeit dort war wirklich mies!" Manager 1: "Es klingt einfach nicht besonders plausibel! Zum Teufel, ich kann kaum ZEHN Dinge gleichzeitig beherrschen." Ich: "Das überrascht mich nicht." Manager 1: "Wie bitte?" Ich: "Ich sagte, diese Zahl überrascht mich wirklich. Ebenfalls, ich meine ..." Manager 1: "Oh." Ich: "Sehen sie, als mein Vorgänger das Netz einrichtete, machte er es auf die billigste Art und Weise. Alle Geräte sind sternförmig mit dem gleichen Rechner verbunden. Das ist so, als würden alle die gleiche Strasse zur Arbeit nehmen." Manager 1: "Aber wir haben UNHEIMLICH viel für dieses Netzwerk bezahlt!" Ich: "Das war vor vier Jahren. Netzwerke waren damals teurer als heute. Und ..." Manager 1: "Und was?" Ich: "Und ursprünglich sollte ja jeder seine eigene Netzwerk-'Strasse' bekommen." Manager 2: "Was ist daraus geworden?" Ich: "Nun, vermutlich eine Kombination finanzieller und verteilungstechnischer Probleme." Manager 2: "Was heisst das?" Ich: "Er hat quasi eine Leitung durch alle Büros gezogen, das übriggebliebene Material verkauft und ihnen noch einmal berechnet." Manager 1: "Wirklich?" Ich: "Ja, so ist das mit weniger zuverlässigen Netzwerk-Ingenieuren." Manager 1: "Ich finde, dass das schwer zu glauben ist. Irgendwo muss ein Irrtum vorliegen. Er hat mir versichert, alles richtig gemacht zu haben." Ich: "Ähm, vermutlich hat er gesagt, SIE hätten alles richtig gemacht." Manager 1: "Nein! Ich bin sicher, dass er uns nicht übers Ohr gehauen hat!" Ich: "Na gut, dann sagen sie mir, wieviel er verdient hat?" Manager 1: "Siebeneinhalb [australische Pfund] pro Stunde." Ich: "Und welches Auto fuhr er?" Manager 1: "Ein Mercedes Kabrio." Ich: "Welche Kleidung trug er?" Manager 1: "Gute italienische Anzüge." Ich: "Werden die Dinge jetzt ein wenig klarer?" Manager 1: "Sie wollen also sagen ..." Ich: "Ja, das will ich." Manager 1: "Er ..." Ich: "Er hat es getan!" Manager 2: "Wie schlimm IST das?" Ich: "Zur damaligen Zeit war es nicht schlecht, aber nach allen Erweiterungen, die es inzwischen gab, verschwenden die Angestellten wertvolle Zeit damit, auf das Netzwerk zu warten." Manager 3: "Was schlagen sie vor?" Ich: "Nun, wie sie hier sehen können, empfehle ich UTP für die Workstations und Cat-5, so dass wir auf ATM umsteigen können, wenn diese Technologie sich weiter verbreitet und durchsetzt. Damit könnten wir die Kosten für eine komplett neue Verkabelung in ein paar Jahren einsparen." Ich unterbreche meine Darlegungen kurz, um ihren Gehirnen Gelegenheit zu geben, sich von den Abkürzungen zu erholen. Manager 1: "Wieviel wird es kosten?" Ich: "Nun, es wird nicht billig. Aber wenn man die Kosten über einen Zeitraum von fünf Jahren betrachtet, wird es ein fairer Preis, vorausgesetzt, die Verkabelung wird durch mich und meinen Assistenten durchgeführt und die Zeit als Überstunden mit doppeltem Stundensatz abgerechnet. Natürlich könnten wir auch ein anderes Unternehmen damit beauftragen, doch wie sie leicht sehen können, würde das dann das Dreifache kosten und auch nicht schneller fertig sein. Und wenn wir es sind, die die Kabel verlegen, werden wir auch besser auf mögliche Probleme in der Zukunft reagieren können ..." Manager 2: "Das klingt plausibel. Es scheint so, als hätten sie alle Aspekte der Problematik dargelegt. Ich stimme ihrem Vorschlag zu. Ist jemand dagegen?" Zwei Wochen später zieht der PJ in die Aussenstelle und beginnt mit der Arbeit. "Wir tauschen also wirklich nur die alten UTP-Verbindungskabel gegen welche mit einer anderen Farbe aus, lassen ein paar abgeschnittene Cat-5-Kabelenden im Gang liegen und bohren ein paar Löcher in die Kabelverkleidung?" will er wissen. "Ja! Ein oder zwei Wochen lang." "Wird man das nicht herausfinden?" "Nun, sie KÖNNTEN, wenn es irgendwo eine Dokumentation gäbe, in der steht, dass das Cat-5-Kabel schon vorhanden ist, aber unglücklicherweise fiel dieses Schriftstück heute früh in den Reisswolf." antworte ich. "Also wechseln wir in Wirklichkeit nur die Farbe der Anschlusskabel?" "Genau!" "Aber wieso soll das die Performance steigern?" "Das doch nicht. Aber wenn ich den Traffic-Generator im Computerraum des zweiten Stockwerkes abschalte, der seit Jahresbeginn wöchentlich etwa ein Prozent mehr Datenverkehr verursacht hat, wird die Performance merklich ansteigen." "Also gaukeln wir nur eine Menge Arbeit vor und betrügen sie." "Und vergessen sie nicht die erstklassigen Cat-5-Kabelrollen, die wir weiterverkaufen können." "Sie Bastard!" "Hey, ich hätte sie beinahe auch für neue Netzwerkkarten bezahlen lassen, doch ich hatte Mitleid." "Waren die Geschichten über ihren Vorgänger erfunden?" "Nein. Er hat es ebenso gemacht, nur in einer anderen Aussenstelle ..." [[Der B.O.F.H. spürt, dass etwas Seltsames vorgeht - und er nutzt sein Netz ...]] Etwas sehr verdächtiges passiert in unserer Abteilung. Ich nehme die Zeichen wahr, als ich unsere Etage erreiche - die Atmosphäre unterdrückter Vorahnungen. Erster Halt, mein internes Postfach - der Abteilungsleiter plaziert seine Bomben lieber hier, um sich dann in die trügerische Sicherheit seines Büros zurückzuziehen. Nun, Naivität kennt manchmal keine Grenzen. Wie erwartet finde ich etwas, das auf der Richterskala der Bürokratie durchaus als eine Bombe bezeichnet werden kann. Als Versuch, die Planungen für die Zukunft zu standardisieren, haben die Chefs eine 'Richtlinie für Zukunftsplanungen' festgelegt. Schlimmer konnte es kaum kommen. Jeremy, der die Idee dazu hatte, verfügt über die Initiative und Weitsicht eines Schraubstocks und hat neulich 10 analoge Diktiergeräte gekauft, die 6000 Pfund gekostet haben. Die teuersten Bleistift-Kästen in der Geschichte der Firma ... Damit ich nicht falsch verstanden werde, das ist einfach eine weitere Episode der Saga "Der Krieg der Erbsenzähler gegen die Techies". Ich lese weiter und stelle fest, dass alle Einkäufe in der Zukunft von der Buchaltung geprüft und genehmigt werden müssen, um sicherzustellen, dass sie den Zukunftsvorstellungen der Chefetage entsprechen ... Ich erhalte eine Frist von zwei Wochen, bevor Ihr-wisst-schon-wer sich mit einem Klopfen an der Tür ankündigt. Jeremy kommt herein. "Ah, Simon, nur ein paar Unklarheiten", sagt er. "Dieses kabellose LAN-Zubehör zum Beispiel. Sie wissen doch, dass wir das im Moment noch gar nicht einsetzen können?" "Auf welche Weise?" frage ich. "Haben wir nicht einige freie Arbeitsbereiche, die schwer zu verkabeln sind - sie kennen sie doch; zum Beispiel die PR-Büros - oder ist es nicht so, dass wir den einzigen freien AUI-Connector, erst dann nutzen können, wenn wir ein paar ungenutzte Terminal-Server abschalten?" "Oh. Äh. Nun, nein, nicht genau, es ist nur so, dass aus meinen Berechnungen hervorgeht ..." Er tippt ein paar Zahlen in seinen Organizer, ein Gerät, das in der oberen Etage weitverbreitet zu sein scheint; ein flottes Design, um für die Dummheit des vorangegangenen Kaufes zu entschädigen. "... dass wir 300 Pfund pro Gerät sparen könnten, wenn wir sie von unserem gegenwärtigen Zulieferer kaufen würden." "Aha. Unser derzeitiger Lieferant von ... analogen Diktiergeräten?" frage ich. Er zieht es vor, mich zu ignorieren. "Nein, unser Lieferant persönlicher Organizer. Und wir haben den Zusatznutzen, dass wir in der Lage sind, Informationen mit anderen Organziern auszutauschen, was anderes Equipment nicht kann." Er wackelt davon und hinterlässt in mir das Gefühl, dass das Ergebnis dieses Gesprächs etwa so aussieht: "Geplante Anschaffungen, 1., Simon, Null". So schnell ich kann, verfasse ich eine Mitteilung, in der vor den möglichen Sicherheitsrisiken durch den Datenaustausch mit anderen Organziern gewarnt wird. Es gibt Übernahmegerüchte und das Letzte, was wir wollen, ist das Abhören sensitiver Daten. Meine Warnungen treffen auf taube Ohren. Das Marketing war offenbar schon so erfolgreich, dass man diesen Leuten alles glaubt. Das ist nicht gut. Ich bekomme pünktlich auch solch einen Organizer und nehme ihn widerwillig in Betrieb. Das Handbuch ist zum Thema Up- und Download von Informationen sehr ausführlich, also lese ich es voller Interesse ... Eine Woche später belausche ich wie üblich eine Besprechung im Konferenzraum. Es handelt sich um wirklich um einen verblüffenden Zufall, dass ein paar hochempfindliche Mikrofone in diesen Raum verirrten, als er neu verkabelt wurde. "Nun, ehrlich gesagt, habe ich alles satt", wimmert ein Manager. "Warum?" fragt Jeremy, wobei meine angeschlossene Stimmanalyse-Software eine Spur von Stress in seiner Stimme feststellt. "Dieses verdammte Ding schaltet sich von selbst mitten in der Nacht ein und erinnert mich lautstark an den Geburtstag meiner Frau, der vor Wochen stattfand. Seitdem ich die von ihnen empfohlene Lernfunktion aktiviert habe, kann ich das Ding nicht mit ins Wohnzimmer nehmen, weil es dann meinen Fernseher einschaltet. Und, als wäre das nicht schon genug, es schaltet der Fernseher immer kurz bevor Inspektor Morse den Mörder findet, wieder ab." "Mir geht es ebenso", sagt ein anderer Manager. "Mein Organizer hat bei allen gespeicherten Adressen eine Eins zu den Hausnummern addiert." sagt eine weitere Stimme. "Das ist noch gar nichts", schnieft ein anderer, "meiner klingelte laut und zeigte 'Dinner mit Trudi' mit drei Ausrufezeichen bei ihrem Namen an. Und das auch noch in der Nacht, als ich das Ding meiner Frau gegeben hatte. Dabei kenne ich keine Trudi!! Aber jetzt habe ich viel Zeit, eine Trudi zu suchen." "Das sind offenbar kleine Kinderkrankheiten", versucht Jeremy zu erklären. "Ich bin sicher, dass da einige überflüssige Informationen fehlgeleitet wurden." Ich greife kurz zu meiner Tastatur und aus dem Konferenzraum ist kurz darauf ein Klingeln zu hören. "Grosser Gott!" ruft eine Stimme. "Meiner sagt gerade, ich soll meinen Arzt wegen des HIV-Tests anrufen!!" "Ich denke, wir haben genug gehört", wird er vom Geschäftsführer unterbrochen. "Bis auf weiteres werden diese Geräte nicht mehr genutzt. Danke, meine Herren. Jeremy, kommen sie doch nochmal auf ein Wort zu mir." Dann höre ich, wie Jeremy eine andere verantwortungsvolle Position zugewiesen wird - oberster Fensterputzer. Es ist nur so, dass wir eine fremde Firma damit beauftragt haben ... Wirklich schade. Aber es zahlt sich eben nicht aus, an einem Job zu kleben. [[Der B.O.F.H. soll eine Firmenübernahme verhindern ...]] Ich bin schwer mit Arbeit beschäftigt, als der Abteilungsleiter und der Geschäftsführer mit betretenen Mienen die Tür aufreissen und hereinstürmen. "Wir haben Ärger", sagt der Abteilungsleiter. "Wir werden übernommen", unterbricht der Geschäftsführer ihn und tritt vor den Abteilungsleiter. "Warum sagen sie mir das?" frage ich mit gespielter Unschuld. "Weil sie eigene Methoden zur 'Lösung' von Problemen haben ..." schlägt der Abteilungsleiter vor. "Router?" erwidere ich ganz unschuldig. "Nein. Sie wissen schon, was ich meine!" "Netzwerke!" rufe ich fröhlich. Der Geschäftsführer scheint sich langsam aufzuregen, so befreie ich ihn lieber aus diesem kollektiven Missverständnis. "Okay, wer ist es?" Er spuckt den Namen unseres verhassten Konkurrenten aus. Später, hinter geschlossenen Türen beraten der PJ und ich die Lage und machen einen Plan, dann laden wir den Abteilungsleiter und den Geshäftsführer wieder zu uns ein. "Also, erster Schritt: Feuern sie den PJ!" "Wie? Warum? Aus welchem Grund?" platzt es aus dem Abteilungsleiter heraus. "Er hat irgendetwas veruntreut." "Wenn das ein Grund für eine Entlassung wäre, dann wären sie ..." Ein kalter Blick des Geschäftsführers bringt ihn zum Schweigen, so dass ich weitermachen kann. "Zweiter Schritt: Ich treffe mich mit einem Netzwerkverantwortlichen unserer Konkurrenz und auf dem Weg nach draussen stürze ich und verberge dann schnell aber sichtbar für ihre Sicherheitskameras ein Datenband mit ihrem Logo auf der Hülle. Dritter Schritt: Der PJ, unbezahlbar für unseren Konkurrenten wegen seiner intimen Kenntnis unserer Arbeitsweise, tritt eine kürzlich freigewordene Stellung als Netzwerkverantwortlicher an." "Klingt gut", zwitschert der Abteilungsleiter. Drei Tage später ist es soweit. Ich verpasse unserer Firma ein unattraktives Image, indem ich ein paar Memos über zukünftige Verpflichtungen wegen krimineller Verheimlichung von Defekten in der Möbelabteilung der Presse zuspiele. Natürlich glauben richtige Reporter, die ihr Geld wert sind, nicht ohne weitere Beweise anonymen Schreiben, also beordere ich eine paar Erbsenzähler in die 'Belastungsteststrecke für Möbel' und sorge dafür, dass die Presse dabei ist, wenn sie mit ihren Verletzungen vom Krankenwagen abgeholt werden. In der Zwischenzeit hat sich der PJ beim Konkurrenten durch die ersten drei Kapitel des Bastard-Handbuches durchgearbeitet und dabei eine Spur der Vernichtung hinter sich gelassen. Das Acetylen im Sauerstoffbehälter der Klimaanlage war ein netter Zug und hat die Hälfte der Mitarbeiter aus dem Haus getrieben, bevor sie mitbekamen, was los war und die Sprinkleranlage abschalteten. Ein kleiner Buchstabendreher auf einem Anforderungsformular kann ziemlich wirksam sein ... Seine technischen Ratschläge scheinen von minderer Qualität zu sein, wenn man die andauernden Lieferungen von Ersatzmaschinen und Tischfeuerlöschern an unseren Konkurrenten betrachtet. Mittlerweile wurde in den letzten drei Tagen häufiger Feueralarm ausgelöst, als in den vorausgegangenen zwei Jahren, und die Fahrtstrecke von der Feuerwehrstation bis zum Gebäude unseres Konkurrenten wurde daraufhin in eine Parkverbotszone umgewandelt. Ich habe versucht, den PJ anzurufen, doch aufgrund einer Verwechslung bei der Wartung und 'Reparatur' der Telefonanlage sind die Leute jetzt viel zu beschäftigt, um noch auf Anrufe zu reagieren. Seite 73, wenn ich mich nicht irre. Ich arbeite weiter, als sei nichts geschehen und repariere gerade einen Verstärker, als der Abteilungsleiter mir einen Besuch abstattet. "Es geht um diese Unfälle", sagt er. "Welche Unfälle?" frage ich. "Sie wissen, worum es geht. Diese Unfälle müssen aufhören. Warum werden die Leute aus der Buchhaltung zum Testen der Möbel beordert? Wir haben doch eine eigene Testabteilung." "Natürlich haben wir eine, aber DIESE Leute sind gute Leute", antworte ich. "Was?! Nun, das ist mir egal. Es muss aufhören! Es sind nur noch drei Buchhalter übrig!" "Nein ..." sage ich und blicke auf meine Uhr, "... es sind ..." Ein dumpfer Aufschlag und ein gedämpfter Schrei aus der Etage über mir unterbrechen mich. "... zwei. Ich vermute, die Garderobeneinheit hat den 'Schwere Last an erhöhter Stelle plaziert'-Test nicht bestanden. Aber wo ich gerade bei schweren Lasten bin, sie haben nicht zufällig die Kiste mit den neuen Festplatten, die normalerweise bei mir steht, gesehen?" Er verschwindet ohne ein weiteres Wort, um sich in seinem Büro zu erholen ... Ich komme gerade in mein Büro, als das Telefon klingelt. Einer unserer Lieferanten will einem potentiellen Kunden unsere Anlagen vorführen. Das wird helfen, die Zeit totzuschlagen, bis der Spass wirklich beginnt ... Das Telefon klingelt wieder. Da ich Zeit totschlagen muss, nehme ich ab. "Mein Telefon ist defekt!" "Wieso können sie mich dann anrufen?" frage ich. "Ich benutze einen anderen Apparat, Dummkopf." Dummkopf?!?! "Na gut", flüstere ich, "und wie lautet ihre Nummer?" Er sagt es mir. Ich schaue es mir an. "Ah, Herr 0898." "Ich weiss nicht, wovon sie sprechen." "Sind sie sicher? Ich habe einige SEHR INTERESSANTE Bänder hier, die sie sich anhören können, wenn sie wollen." "Ähm ... das wird nicht nötig sein." "Sind sie sicher?" "Ja, vergessen sie meinen Anruf." "Nun, ich könnte ihren Anruf vergessen, aber die einzige Möglichkeit, meine Vergesslichkeit zu fördern, sind ein paar Flaschen Scotch Whisky. Von der guten Sorte, nicht die, die sie in der Bar servieren ..." "Ich werde sie ihnen sofort schicken lassen." Zehn Minuten später ist die Transaktion vollendet und ich beende den Tag damit, dass ich eines der Bänder auf den Anrufbeantworter in seiner Wohnung überspiele. Es ist nur zu seinem Besten, diese Anrufe sind die Hilferufe einer geplagten Seele ... [[Der B.O.F.H. trifft einen unerwarteten Gast - den B.O.F.H. der Konkurrenz ...]] Als ich im Büro ankomme, ist es im Netzwerk angenehm ruhig, so dass ich mich auf einen Besuch unseres Zulieferers vorbereiten kann, der einem potentiellen Kunden unsere Anlagen zeigen will. Und dann muss ich natürlich noch daran denken, die drohende Übernahme der Firma zu verhindern, indem ich unseren schlechten Ruf weiter verteidige. Mir wird einmal mehr klar, weshalb ich solche Besuche hasse. Deren einziger Zweck ist es nämlich, einem Kunden vorzugaukeln, dass alle wirklich so funktioniert, wie es in den Werbebroschüren steht, indem man einen Betrieb findet, in dem man schon herausgefunden hat, wo die Handbücher falsche Informationen liefern und die entsprechenden Fehler beseitigt hat. Wenn es nicht um ein kostenloses Mittagsmahl und die Möglichkeit, bessere Konditionen für den nächsten Einkauf zu erpressen, ginge, würden diese Leute es bei mir nicht einmal bis zum Eingang schaffen. Diese Besuche laufen nach dem gleichen Muster ab: der Lieferant belügt den Kunden; ich erpresse Waren, damit ich diese schändlichen Fehlinformationen decke; ein Betriebsrundgang; ein kostenloses Mittagessen und mein Versprechen, ich würde sie unterstützen, sollten sie jemals auf Probleme stossen. Mit anderen Worten, ein Tag, der Pinocchio in einen Feueranzünder verwandeln würde. Als es 10 Uhr wird, informiert mich ein Anruf des Pförtners über die Besucher. Ein schneller Blick auf den Monitor der Überwachungsanlage zeigt alles, wie ich es erwartet habe: unser Lieferant mit seinem Kunden. Doch ich habe nicht erwartet, dass es sich um den Netzwerk-Administrator unseres Konkurrenten handelt. Etwas schmeckt mächtig verdorben, und es ist nicht der dänische Käse, den sie in der Cafeteria haben. Zusammen mit dem Abteilungsleiter marschiere ich die Treppen nach unten, wobei wir uns fragen, was der Zweck dieses Besuches sein könnte. Offenbar ein Zeichen der Stärke, aber in welcher Form bleibt noch abzuwarten. Es handelt sich jedenfalls offensichtlich um einen Übermittlungsfehler des PJ, der uns nicht gewarnt hat, welchen ich mit einem Rippenstoss bei unserem nächsten Zusammentreffen zu ahnden gedenke. Die technische Kompetenz meines Rivalen zeigt sich an seinen gummibesohlten Schuhen. Der elektrische Türgriff war reine Zeitverschwendung ... ... aber dann doch nicht, denn der Lieferant verpasst sich einen Schlag, nach dem er erst einmal seinen Namen vergisst und für wen er arbeitet. Mein Gegner entpuppt sich schnell als ein Netzwerkprofi, als er die PIN-Nummer der Zugangskarte meines Abteilungsleiters an der Tür ausspioniert und zweimal 'zufällig' die Tür so schliesst, dass die Hand meines Abteilungsleiters eingeklemmt wird. Dann klaut er dessen Zugangskarte, als mein Abteilungsleiter sich mit seinen Schmerzen beschäftigt. Nicht übel - 11 Sekunden brauchte er für diese Aktion insgesamt. Seine Versuche, den Computerraum zu 'erobern', sind hingegen erfolglos. Ich setze voraus, dass jeder der sich mit Elektrizität beschäftigt, die Gefahren kennt, und daher Sicherheitsmassnahmen und Warnhinweise überflüssig sind ... Das ist der Preis, den man zahlt, wenn man gut ist. Und wer wird schon ein ganzes Netzwerk opfern, nur um das Gedächtnis von jemandem zu retten, der mit etwas spielt, von dem er lieber die Finger lassen sollte. Um auf den Punkt zu kommen, mein Gegenstück spricht kryptisches Fachchinesisch, 'NetSpeak' sozusagen. "Wie schnell ist dieser Anschluss?" fragt er und deutet auf unseren Netzwerkanschluss. "Ein kleiner 2400er. Nein, in Wirklichkeit ist es ein 300er im Synchronmodus, aber nur an guten Tagen." "Ja, die haben die Nullen früher mit übertragen." "Nichts, was man mit einem mehrfachen Control-Alt-Delete nicht beheben könnte." Der Abteilungsleiter kommt in Verbände gehüllt wieder, um am kostenlosen Mittagessen teilzunehmen. Während des Essens sprechen mein Opponent und ich Klartext - für den, der versteht ... "Ich würde die vorherige Konfiguration bevorzugen", sagt mein Rivale. "Ja, ein wenig zuviel SNMP zur Zeit, aber das war eigentlich schon immer so." "Stimmt, das ist bei mir auch so. Also ... eine Neuinstallation der Ursprungskonfiguration ..." Zwei Wochen später ist die Übernahme nicht mehr als eine leise Erinnerung. Wir haben Aussicht auf eine völlig neue Erbsenzähler-Abteilung, und ich kann es kaum erwarten, ihnen einen Besuch abzustatten. Einige aus dem mittleren Management, die eine verhinderte Übernahme als Grund für eine Lohnerhöhung für sich selbst ansahen, zogen plötzlich ein vorzeitiges Ausscheiden vor - die Vierziger sind ein schwieriges Alter, besonders dann, wenn man ein Foto von sich selbst in Frauenunterwäsche (in einem fortschrittlichen Club in Soho) in der obersten Schreibtischschublade entdeckt. Ich bekomme einen Anruf meines Gegenstücks auf der abhörsicheren Leitung. "Alles in Ordnung?" fragt er. "Na klar, und selber?" "Keine Probleme. Wir mussten euren PJ gehen lassen, sie wissen, wie das ist. Wirklich bedauerlich." "Machen sie sich keine Sorgen, er hat seinen Schreibtisch wiederbekommen und spielt gerade mit der Temperatur des Kühlschranks mit dem Hühnerfleisch für das morgige Mittagessen. Ich glaube, ich esse lieber auswärts ..." Die Welt ist voller siegreicher Netzwerke - dies ist eines von ihnen. --------------------------------------------------------------------- Ein kurzes NetSpeak-Wörterbuch des B.O.F.H. 2400: 2400 baud. 300er im Synchronmodus: So langsam, dass ein Abschleppseil gebraucht wird. Vorherige Konfiguration: So, wie es einmal war. Die gute alte Zeit. SNMP: Dummheit der Vorschläge von Nicht-technischen Managern (stupidity of non-technical manager's proposals). Nullen früher übertragen: Schwachsinn reden. Wiederholtes Control-Alt-Delete: viele Neueinstellungen - und ein paar Kündigungen. [[Der B.O.F.H. mischt beim Lieblingsprojekt des Geschäftsführers mit ...]] Der PJ und ich können ein Kichern nicht unterdrücken, als der Abteilungsleiter vorbeigeht. Deshalb bleibt er stehen und kommt herein - vermutlich, um zu sehen, an wen er die Kündigung schicken soll. "Gibt es einen Grund für ihre Heiterkeit?" fragt er. "Nein, nein, wirklich nicht. Es ist nur dieses Memo. Für eine Minute dachte ich wirklich, sie hätten es ernstgemeint, als sie nach den Root-Passwörtern unserer Rechner fragten." "Es ist mein voller Ernst", sagt er ohne die Miene zu verziehen. "Halt, sie töten mich", lache ich. "Warum wollen SIE die Root-Passwörter?" "Das Warum ist irrelevant. Geben sie sie mir einfach", stösst er hervor. "Sie wissen, dass das unsicher ist?" "Ich werde sie in meinen persönlichen Safe einschliessen." "Sie meinen, drei Drehungen im Uhrzeigersinn bis zur 37 ...", sage ich. "Zweimal in umgekehrter Richtung zur 18 ...", setzt der PJ fort. "... und zurück zur 43", vollendet die Putzfrau. "Und dann rufen sie frustriert ihre Sekretärin, damit sie den Safe für sie öffnet." Der Abteilungsleiter zeigt seine Version eines betäubten Fisches, dann redet er weiter. "In Ordnung, ich werde einen neuen Safe bestellen - und ich WERDE diese Passwörter bekommen", sagt er, als er nach draussen stürmt. In dieser Nacht installieren wir heimlich eine kleine Überwachungskamera in seinem Büro ... Am nächsten Tag stöhnen die Stockwerke unter der Last eines riesigen grauen Monsters, das in das Büro des Abteilungsleiters gebracht wird. Er selbst beaufsichtigt den Aufbau in seinem Büro. "Wir können nichts sehen", stöhnt der PJ, als uns die versteckte Kamera nur den Hinterkopf des Abteilungsleiters zeigt. "Nicht mit dieser Kamera", gebe ich zurück, "aber mit dieser haben wir..." >Klick!< "... eine komplette Frontalansicht!" Natürlich zeigt die in der Lampe versteckte Kamera alles, was wir sehen wollen. "Warum haben wir dann die andere Kamera installiert?" fragt der PJ verwirrt. "Ein Köder. Der Chef war dabei, den Raum zu kontrollieren, also wollte ich, dass er diese eine Kamera findet." "Warum?" "Nun, wenn sie sich den Raum aufmerksam anschauen, sehen sie, dass es nur einen einzigen Platz gibt, den die Kamera nicht einsehen kann und wo er zugleich den Unwissenden spielen kann." "Raffiniert ..." "Doppelt raffiniert", füge ich geheimnisvoll hinzu. Die Nachgebenden spielend geben wir dem Abteilungsleiter die Passwörter und ändern sie am nächsten Tag, nachdem er sie zuvor erfolgreich überprüft hat. Um den Einsatz noch ein wenig zu erhöhen, lassen wir uns vom Geschäftsführer in dessen Lieblingsprojekt, ein Videokonferenzsystem, einspannen, damit der Abteilungsleiter uns nicht "dringend zu einer Besprechung rufen" kann, wenn er herausfindet, dass wir die Passwörte wieder geändert haben ... "Wie stehen die Dinge?" fragt der Geschäftsführer wohlwollend. "Grossartig, Sir", schwärmt der PJ. "Morgen sollten wir fertig sein", ergänze ich, als ich die Kameras mit der Multiplex-Einheit verbinde - der Multiplexer hat ungefähr soviel gekostet, wie mir im Vierteljahr zur Verfügung steht -, die der Abteilungsleiter empfohlen hatte, nachdem er vom Verkäufer zu einem Zweitagesausflug nach Brighton eingeladen wurde, der mit seiner Verhaftung in einem Pub endete, weil er einem der Mädchen seine Interpretation der grössten Sehenswürdigkeit vom Trafalgar Square gezeigt hatte ... Ich schicke ein paar Testbilder durch die Maschine und zeige dem Geschäftsführer, wie die Bilder in unseren überseeischen Filialen ankommen. "Die Bilder sehen dann ungefähr so aus", sage ich. "Für jeden Teilnehmer gibt es eins. Die Kamera wird aktiviert, wenn sie sich in den Sessel setzen." "Und das funktioniert alles wirklich so einfach?" fragt der Geschäftsführer und kann dabei seine Freude, selbst im Firmen-TV zu sein, kaum unterdrücken. "Es könnte ein paar kleinere Probleme geben, doch ich bin sicher, dass mein Lehrling und ich in der Lage sind, sie zu finden und zu beseitigen. Das meiste müsste problemlos funktionieren, höchstens bei den Aussenstellen in Rom und Florida könnte es im Sommer zu solaren Interferenzen kommen." Der Geschäftsführer riecht den Braten vielleicht, doch er will nicht riskieren, sein Lieblingsspielzeug zu verlieren. "Natürlich werde ich ihren Abteilungsleiter entsprechend informieren." Eine Stunde später sitzen wir im Büro unsere Abteilungsleiters, der vor hilfloser Wut kocht. "Oh! Haben wir vergessen, sie über die Passwortänderung zu unterrichten? Und über die Videokonferenz? Machen sie sich eine Notiz für die Zukunft", wende ich mich an den PJ. Der Abteilungsleiter kocht noch mehr. Drei Stunden später haben wir ein paar Biere gekippt und teilen Freizeit durch das Ziehen von Strohhalmen auf. Ich meine natürlich Aufgaben. Zwei Stunden danach sind wir im Getränkeladen und kaufen zwei Kisten Gin, die wir im Schutz der Dunkelheit später in das graue Ungetüm von einem Safe schmuggeln. "Warum tun wir das?" will der PJ wissen. Ich sage nichts, sondern springe in die Höhe und lande schwer wieder auf dem Boden. Ein Knirschen des Bodens unter dem Safe klärt ihn auf und er macht mit. Sekunden später klingt es, als fiele ein schwerer Safe nach unten. Am nächsten Morgen können wir zusehen, wie der Abteilungsleiter seine Sachen packt. Der PJ philosophiert dabei über die seltsamen Zufälle des Lebens. "Wissen sie, er wäre vielleicht davongekommen, wenn der Safe nicht auf dem Video-Multiplexer gelandet wäre ..." "Ja", antworte ich, "was für ein unglücklicher Zufall. Vielleicht war es sogar das Buch mit den Passwörtern, das dem Kamel schliesslich das Rückgrat gebrochen hat ..." [[Der B.O.F.H. findet heraus, dass es 'Fehler in der Ausbildung' und 'Ausbildung in Fehlern' gibt ...]] Der PJ und ich sind gerade dabei, einige wichtige Netzwerk-Tests durchzuführen, als das Telefon klingelt. Es handelt sich um den Apparat des PJ, der vorher noch nie geklingelt hat, also feiert er das Ereignis, indem er den Anschluss aus der Steckdose zieht. Als er seine Aufmerksamkeit für ein paar Momente dem Telefon widmet, verpasse ich ihm ein paar Schüsse in den Rücken. Doom II im Netzwerk ist ein hervorragender Nährboden für den Machiavelli in uns allen. "Das war der Abteilungsleiter", erkläre ich, um die Spannung im Raum etwas zu verringern. "Zeit für neue Arbeitsverträge", sagt er und schiebt zum Büro des Abteilungsleiters ab. Fünf Minuten später ist er mit einem nicht gerade fröhlichen Gesichtsausdruck zurück. "Schwierigkeiten?" "Er glaubt nicht, dass ich über genügend Erfahrungen verfüge, die eine Erhöhung meines Stundenlohnes rechtfertigen könnten." Das mag ich gar nicht - denn wenn es ihm passiert kann, dann könnte es mir ebenso ergehen. Und ich habe eine tiefsitzende Angst vor allem, das aussieht, wie das schmale Ende eines Keils. Blitzschnell bin ich am Telefon und rufe den Personalchef an. "Was müssen wir tun, um zu beweisen, dass mein Assistent eine Lohnerhöhung verdient hat?" "Normalerweise gibt es in solchen Fällen ein Treffen des Personalchefs mit einem unabhängigen Experten und dem Kandidaten selbst. Auf diese Weise prüfen wir das Wissen des Kandidaten über Netzwerke." Ich arrangiere den Test für den nächsten Tag und beauftrage den PJ damit, seine Hausaufgaben zu machen ... Der nächste Tag bricht an, und um 10 Uhr warten wir alle auf das Ereignis des Tages - mit Ausnahme des unabhängigen Experten. Wie auch immer, für die nächsten paar Stunden werden wir wohl kaum etwas von ihm hören ... vorausgesetzt der Wartungsdienst für den Lift ist so langsam wie gewohnt. Ich biete mich als unabhängiger Experte an. "Okay, ein paar Fragen", sage ich. "Schiessen sie los", antwortet der PJ. "Nach welchen Kriterien entscheiden sie, ob sie die Dateien eines Nutzers löschen?" "Wie lange ich in der vorherigen Nacht geschlafen habe?" "Sehr gut. Wenn sie den Rechner eines Nutzers vom Tisch schieben, worauf sollten sie achten?" "Darauf, dass die Tastatur drunterliegt." "Halbe Punktzahl. Die Tastatur und ein wertvoller persönlicher Gegenstand." "Natürlich." "Wann sollten Überstunden geplant werden?" "Wenn die Umstände eine Operation während der normalen Arbeitszeit als gefährlich erscheinen lassen." "Weitere Informationen?" "Wenn ich mich schlecht fühle, weil mir das Geld in diesem Monat ausgegangen ist." "Korrekt. Ein Kollege bittet um ihre Hilfe beim Kauf eines Computers für seine Privatangelegenheiten. Was würden sie empfehlen, einen Macintosh oder einen PC?" "Weder den einen noch den anderen. Ich empfehle den Commodore C-64 mit einem doppelten Kassettenlaufwerk, den ich als Türstopper benutze - zu einem Preis von 600 Pfund." "Und wenn etwas schiefgeht?" "Das kann es nicht." "Wieso?" "Das Ding ist so präpariert, dass es Feuer fängt, wenn es angeschlossen wird. Ich würde es dann darauf schieben, dass das Gerät falsch angeschlossen wurde." "Ausgezeichnet. Die Telefone klingeln sich heiss mit Beschwerden, dass Sitzungen am NT-Server in der vierten Etage immer wieder abstürzen. Wo könnte das Problem liegen?" "Das Problem, soweit ich es sehe, liegt darin, dass der Telefonhörer nicht neben dem Telefon, sondern auf der Gabel liegt." "Korrekt." Eine halbe Stunde später ... "Nun, ich bin davon überzeugt, dass er viel gelernt hat." "Und ich bin nicht überzeugt!" ruft der Personalchef. "Dieser Lehrling wurde angestellt, um die Ursachen für schlechten Service und mangelnde Erreichbarkeit, unsere schlimmsten Probleme unter ihrer Terrorherrschaft, herauszufinden. Statt ihn in dieser Richtung auszubilden, haben sie ihn zu einer noch schlimmeren Version ihrer selbst gemacht!" "Stimmt, und er ist doch wirklich gut, oder?" kommentiere ich. "NEIN! Und wenn sie auch nur einen Moment glauben, ich gebe meine Zustimmung zu ... zu diesem ZERRBILD eines Tests, dann liegen sie völlig falsch. Es BLEIBT dabei, dass die Höhe des Lohnes in seinem Ausbildungsvertrag nicht geändert wird." Es stimmt, dass es für jeden Job ein Werkzeug gibt. Es amüsiert mich immer, wie viele 'Jobs' vom Einsatz des Werkzeuges 'Erpressung' profitieren. "Nun gut", sage ich. "Sie haben möglicherweise Recht. Immerhin ist er ja noch ein Anfänger in diesem Bereich. Und da er als Lehrling Fehler macht, ist es sicher gerechtfertigt, wenn sie ihm als Resultat dieser Fehler weniger bezahlen. Sie wissen doch, von welchen Fehlern ich spreche, oder? Da wäre zum Beispiel das Schicken einer E-Mail mit der Liste teurer Auslandsgespräche aus der Personalabteilung an den Geschäftsführer. Wie geht es eigentlich ihrer Tocher? Arbeitet sie noch immer auf den Cayman Islands?" "Äh. Gut, wenn man genau überlegt, könnten seine Fähigkeiten mehr ..." "Fehler wie etwa eine falsche Konfiguration des Netzwerk-Backup-Servers, der deshalb die Bilder aus dem Verzeichnis SMUT auf einer Arbeitsplatzmaschine in das ... sagen wir mal ... Verzeichnis mit der Präsentation, die der Geschäftsführer bei seiner nächsten Beratung mit dem Aufsichtsrat zeigen will, kopieren könnte." In der internationalen Einheit der Operatoren für ihren Erfolg, Beteuerungen pro Minute (BpM), gemessen, nähert sich der Personalchef gefährlich der roten Linie. Eine halbe Stunde und eine spürbare Lohnerhöhung für den PJ später sitzen wir wieder in unserem Büro. "Was soll ich mit diesen Telefonprotokollen machen?" "Schicken sie sie ab." "An den Personalchef?" "NATÜRLICH NICHT! An das Büro des Geschäftsführers. Sie sind noch in der Ausbildung, da lassen sich Fehler nicht ganz vermeiden." Ich muss wohl nicht betonen, dass meine Lohnerhöhung ohne Probleme genehmigt wird. [[Südfrankreich lockt den B.O.F.H. unter dem Motto 'Netzwerk-Profi des Jahres' ...]] Es ist ein ruhiger Tag im Büro. Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass ich die Anrufe an die Service-Abteilung in das vor kurzem frei gewordene Büro des Abteilungsleiters umgeleitet und zufällig eine Axt dreiundfünfzigmal auf die Telefonkabel unten im Gang fallengelassen habe. Vergessen sie diese seltsamen Cassetten mit Enspannungsmusik, nichts ist für den B.O.F.H. entspannender als das einzigartige Geräusch von Telefonenhörern, die wütend auf die Gabel geknallt werden. Unser Telefonsystem befindet sich im Schockzustand; das liegt eindeutig daran, dass alle Leute ihren Ärger an den Telefonhörern auslassen müssen. Ich überzeuge mich, dass die Tür geschlossen und angemessen unter Strom gesetzt wurde (Für den Fall, dass ein mutiger Nutzer es wagen sollte, persönlich zu erscheinen.), und befasse mich dann mit meiner Lektüre. Gewöhnlich ist dies die richtige Zeit zur Beschäftigung mit diesen holländischen Magazinen, die eines Tages unerwartet an den Hintereingang geliefert wurden - und seitdem immer wieder mit schöner Regelmässigkeit versehentlich gebracht werden. Man sollte nicht glauben, dass ein Fehler sich so oft wiederholen kann. Trotzdem, jemand hat mein privates Steckenpferd entdeckt, denn es scheint, als seien den Magazinen Beine gewachsen. Seit der PJ immer mit einem seltsam wissenden Lächeln herumläuft, vermute ich, dass er hinter der Sache steckt. Er wird noch die Gefahren kennenlernen, die zuviel Neugier mit sich bringt, wenn ich herausgefunden habe, was man mit dem elektrischen Tacker alles anstellen kann. Wie auch immer, in der Zwischenzeit bin ich damit beschäftigt, in Netzwerk-Magazinen zu lesen. Ich unterbreche meine Lektüre kurz, um einen 'Bitte schicken sie einen Verkaufsmanager für Telefonvermittlungsanlagen vorbei, damit er mich über ihre Leistungen informieren kann'-Coupon im Namen eines Typs aus der Verwaltungsabteilung, der mir heute im Parkdeck die Vorfahrt genommen hat, auszufüllen. Dann beginne ich, mich auf den verblüffend hohen Stapel ungelesener Netzwerk-Magazine zu stürzen. Ein Thema fällt mir sofort auf. Die Auszeichnung 'Netzwerk-Profi des Jahres'. Ich lache in mich hinein - vermutlich wird irgendein trauriger Anorak den Preis gewinnen, der am Wochenende nichts anderes tut, als sich mit UTP zu befassen, seine Abende damit verbringt, verlorengegangene Dateien auf den PCs der Angestellten zu suchen und wiederherzustellen und der dafür auch noch kaum Lohn und schon gar keine Anerkennung erntet. Ich lese erstmal weiter: "... wird vorgestellt während einer speziellen Veranstaltung im l'Hotel Amassadeur in Südfrankreich". Ah, nun, nicht so schnell. Es gibt eigentlich soviel zu sagen über die unbesungenen Helden der Netzwerk-Welt. Zumindest wird das meine Argumentation sein, wenn ich den Geschäftsführer dazu zu überreden versuche, mich an diesem Wettbewerb teilnehmen zu lassen. Oben im Büro des Geschäftsführers schaut mich der Chef höchstpersönlich eine Minute lang aus glasigen Augen an. Schliesslich schaffen es die Worte, mit einem Krächzen seine Kehle zu verlassen. "SIE wollen Netzwerk-Profi des Jahres werden?!" "So ist es. Denken sie nur an den Ansehensgewinn, den ich der Firma einbringen könnte." "Ich denke an die schlechte Werbung, die sie für die Firma machen könnten." "Das ist nicht besonders nett!" kombiniere ich das schlimmste Schimpfwort, welches ich kenne, mit meinem unschuldigsten Tonfall. "Und das auch noch nach allem, was ich für die Firma getan habe." "Meinen sie nicht, was sie der Firma ANGETAN haben?" Der Geschäftsführer schaut erst mich an, dann das Teilnahmeformular. "Unterstützung für seine Vorgesetzen? Sie haben fünf Vorgesetzte allein im letzten Jahr zur Kündigung getrieben!" "Also musste ich fünf verschiedene Arbeitsmethoden meistern - das ist eine sehr anspruchsvolle Herausforderung. Ich denke, das demonstriert meine grosse Flexibilität." "Aber sie sind dafür verantwortlich, dass sie uns verliessen!!" "Reiner Zufall ... sie alle schienen sich an Angebote anderer Firmen zu erinnern. Vielleicht sollten sie sich einmal um bessere Arbeitsbedingungen und Löhne kümmern." schlage ich vielsagend vor. "Vielleicht sollte ich überlegen, ob ich wirklich alle Netzwerkexperten brauche, die ich zur Zeit habe." Autsch. Das ging unter die Gürtellinie. Na gut ... "Vielleicht wird das Finanzamt etwas über das Geheimkonto herausfinden, dass jemand im Ausland angelegt hat." Der Geschäftsführer wird rot und scheint sich plötzlich sehr für seinen Tintenlöscher zu interessieren. Dann erholt er sich etwas und liest weiter. "Und was ist damit", er schreit jetzt beinahe. "Ein guter Teamarbeiter?" "Ja. Natürlich erwarte ich, dass mein PJ ebenfalls mitmachen kann. Mitglieder des Teams sollen schliesslich nicht vergessen werden." "Aber er ist ein Psychopath!" "Ach so? Wollen sie das gegen ihn verwenden? Das ist nicht sehr hilfreich von ihnen. Ich für meinen Teil denke, dass das Klima in Südfrankreich Wunder für sein Temperament wirken wird. Und die Erfahrung, an einem solchen Ereignis teilzunehmen, wird bestimmt auch positiv auf die Entwicklung seiner sozialen Fähigkeiten wirken." "Das wird einen diplomatischen Zwischenfall geben!" Der Geschäftsführer liest weiter. "Kandidaten für die Preise müssen von drei Kollegen vorgeschlagen werden, die unterschriebene Beurteilungen verfassen." Er unterbricht sich. "Es gibt hier niemanden, der einen solchen Vorschlag unterschreiben würde. Sie werden von allen gehasst." "Ich kann also an dem Wettbewerb teilnehmen, wenn ich die Unterschriften bekomme?" "Wenn sie drei Beschäftigte finden, dann können sie mitmachen. Aber ich sage das nur, weil ich weiss, dass sie niemanden finden werden." Er verlässt den Raum, lacht leise vor sich hin. Ein Wunder? In der Welt der Netzwerke ist nichts unmöglich, wie ich auch immer Nutzern erkläre, deren Festplatten auf wundersame Weise komplett gelöscht wurden. Und wer hat behauptet, dass jemand, dessen Unterschrift auf einem Blatt Papier steht, es auch selbst unterschrieben haben muss ... Wird fortgesetzt ... [[Der süsse Duft des Erfolgs umgibt den siegreichen B.O.F.H. ...]] Es ist ein grossartiger Tag in Südfrankreich, insbesondere nachdem mein Zimmer im L'Hotel Ambassadeur irgendwie mehrfach vergeben wurde, und sie mir deshalb eine Suite mit mehr Räumen zu Verfügung gestellt haben, als mein Chef sie sich jemals leisten könnte. Die Unterschriften für mein Teilnahmeformular waren kein Problem. Ich wusste doch, dass die elektronische Signier-Einheit unseres Faxservers für irgendetwas gut ist. Und daher bin ich nun hier, um meinen Preis entgegenzunehmen. Gut, es gibt noch ein halbes Dutzend anderer Finalisten, aber ich habe die dunkle Vorahnung, dass es in der nächsten Zeit ein paar Unfälle geben könnte. Beim Dinner zur Preisverleihung, das ein sogenannter Entertainer mit billigen Witzen begleitet, treffe ich auf eine recht hübsche Werbefrau, die von den modernen Netzwerktechnologien fasziniert zu sein scheint. "Also haben sie wirklich ihren ATM-Backbone auf 827 Mbps aufgerüstet?" "Natürlich nur, um das Netzwerk zu testen. Wir können etwas, das so schne ... ähm ... neu und noch in der Entwicklung ist, natürlich noch nicht für die Benutzer freigeben." "Natürlich. Wie messen sie denn den Datendurchsatz?" "Doom II auf einem halben Dutzend SGI Challenge-Rechnern. Wir erreichen etwas 45.000 pps." "45.000 Pakete pro Sekunde klingt nicht sehr schnell." Diese Frau aus der Werbung scheint zu wissen, wie schnell ein Netzwerk sein sollte ... Eine geradezu unheimliche Vorstellung. "Nein, es geht um Punkte pro Sekunde. In Doom bekommt man keine Datenpakete, wenn man jemanden getötet hat, müssen sie wissen." "Ach so. Sie müssen aber ein grosses Budget im Jahr habe, wenn sie allein sechs SGI Challenges für ihr Testnetzwerk verwenden." "Nun, also, wissen sie, die werden für das Videokonferenzsystem des Geschäftsführers gebraucht; wir haben sie mit dem Geld der Versicherung gekauft, das wir nach dem Unfall mit den Pentium 75-Rechnern des ersten Videokonferenzsystems bekommen haben." "Da gibt es doch noch immer einen Kostenunterschied." "Nun, wir haben eine sehr zuvorkommende Versicherung." Und ein noch viel schöneres Heimvideo von einer Aufsichtsratskonferenz in Amsterdam. "Sehr schön. Ich vermute, sie haben erzählt, sie müssten die Taktfrequenz der Challenges prüfen und ihre ATM-Karten optimieren, was sie zu 'Testobjekten' für ein oder zwei Monate macht." Diese Frau weiss, worum es geht. Ich bin beinahe beeindruckt ... "Nun, ja, aber das Testen ist eine sehr komplexe Arbeit, die wohl etwas länger als ein paar Monate dauern wird ... 2004 dürfte ein gutes Jahr für das Testende sein, schätze ich." "Sie sind ein gerissener Hund!" Sie begreift schnell. Als wir weiterplaudern, wird eine TV-Persönlichkeit (ein Widerspruch in sich) vorgestellt und ihr ein goldener Umschlag zum Öffnen überreicht. Er schafft es, den Umschlag ohne weitere Instruktionen zu öffnen ... "Und der Gewinner ist ..." Am Gewinnertisch treffe ich meine Freundin aus der Werbung wieder; tierisch, diese Anziehungskraft, die von mir ausgeht. Sie scheint von meinem Sieg überrascht zu sein. "Wie haben sie das gemacht? Ich muss zugeben, dass ich nicht damit gerechnet habe, dass gerade sie den Preis bekommen, wenn man ihre unkonventionellen Ansichten zum Management von Netzwerken bedenkt. Haben sie den Computer der Schiedsrichter irgendwie gehackt?" Hacken? Sie ist offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand - niemand mit etwas Selbstachtung würde sich heutzutage selbst als Hacker bezeichnen, es sei denn, er besässe einen wirklich widerlichen Anorak. Ich bestelle noch ein paar Drinks (von der teuren Sorte, natürlich - ich kenne selbstverständlich bereits das Root-Passwort für das Hotelnetzwerk und, nicht zu vergessen, die Zimmernummer des alten Entertainers, der uns beim Dinner so genervt hat), hole tief Luft und erkläre es ihr. "Nein, ich habe nichts _gehackt_ ... (Ich brauche all meine Kraft, um dieses schlimme Wort auszusprechen.) Wie auch immer, die Kandidatenlisten und all die anderen Sachen mussten mittels anderer Hardware bearbeitet werden, denn sie waren auch nicht über das Hotel-LAN erreichbar." "Mit Hardware?" "Mit einem Kugelschreiber und einem Blatt Papier. Diese Schiedsrichter haben immer Ärger mit der Technik." "Ach so, _diese_ Hardware." "Genau. Übrigens musste ich gar nichts hacken; alle bis auf einen meiner Mitbewerber schieden im letzten Moment aus. Nun, einige von ihnen hätten es bestimmt nicht getan, wenn sie nicht in ihrer gestrigen Post diese komischen Polaroids gefunden hätten." "Was, sie haben sich _ALLE_ ein wenig danebenbenommen?" "Zwei von sechs, ja - das ist eine unvermeidliche Nebenwirkung, wenn man so viel Zeit in heissen Ländern auf Netzwerk-Messen und Konferenzen verbringt." "Was ist mit den anderen?" "Ganz einfach. Einer von ihnen arbeitet für ein Unternehmen, das diese Preisverleihung finanziell unterstützt. Und die anderen, nun, einer besitzt nun die Kopie eines Fahrzeugbriefes und der andere wurde nach einem unerklärlichen anonymen Anruf gefeuert und seine Nominierung von seinen jetzt ehemaligen Kollegen zurückgenommen." Ich muss den PJ für eine Lohnerhöhung vorschlagen - er hat diese Anrufe übernommen, ohne mich damit zu belästigen. "Interessant. Was steckt hinter der Sache mit dem Fahrzeugbrief?" "Oh, irgend etwas, das mit dem Verschwinden eines Betriebs-Rolls Royce und einem bekannten Autoschieber zu tun hat." "Faszinierend. Sie sind wirklich ein Schweinehund!" "Natürlich. Es hat mich allerdings einige Zeit gekostet, perfekt zu werden." "Und was ist mit dem Konkurrenten, der nicht aufgab?" "Oh, den habe ich fair und ehrlich geschlagen. Die Worte im Empfehlungsschreiben meines Chefs waren einfach schmeichelhafter als die seines Chefs." Zumindest waren sie das, _nachdem_ die Empfehlung in einem Abteil des Zuges nach Doncaster in der vergangenen Woche in die Geldtasche des Obersten Schiedsrichters wanderte. "Was passiert nun?" "Zurück zur Arbeit, eine nette Lohnerhöhung für die Steigerung des Ansehens der Firma, ein Dank an meine Vertretung dafür, dass die Nutzer während meiner Abwesenheit nicht zu übermütig wurden und dann noch ein gelegentliches Gespräch nach einem Dinner mit einer fünfstelligen Rechnung." "Was wäre, wenn jemand etwas über den Betrug verlauten lässt?" "Oh, darüber muss ich mir keine Sorgen machen." "Wirklich nicht?" Ich mag das Leuchten in ihren Augen und den Klang ihrer Stimme nicht. "Was würden sie sagen, wenn ich dieses Gespräch auf Band mitgeschnitten hätte?" "Ich würde sagen, dass das Diktiergerät in ihrer Tasche keinen Aufnahmeknopf hat, also haben sie ein leeres Band. Und wenn ich gerade dabei bin, was würden sie dazu sagen, dass in ihrem Zimmertelefon eine Wanze eingebaut ist? Nun, wie waren doch gleich die Namen..." Ich klopfe auf meine Tasche und höre den beruhigenden Klang einer Kassette in einer Plastikhülle. Augenblicklich verliert sie ihren Sinn für Humor, dreht sich um und verschwindet schmollend. Meine Mutter hatte Recht ... man sollte niemandem aus der Werbebranche trauen. [[Auf der Suche nach neuen Herausforderungen setzt der B.O.F.H. alles auf eine Karte ...]] Der Chef ist etwas zurückhaltend, wenn es um meinen Lohn geht. Deshalb beschliesse ich, mich ein wenig umzusehen und eine Arbeitsvermittlung einzuschalten. Meine einzige Befürchtung ist, dass ich tatsächlich einen neuen Arbeitsplatz finden könnte, wenn ich einen guten Arbeitsvermittler treffe. Denn das ist ja nicht das Ziel dieser Übung. Ich will nur, dass der Chef zusammenzuckt, wenn ich wieder einmal eine Lohnerhöhung fordere. Ich überlege, welche Aussichten ich habe und strecke meine Fühler aus, um Kontakt mit ein paar Vermittlungsagenturen aufzunehmen. Ich nehme welche von der Sorte, die den Lebenslauf erst einmal 'überarbeiten', bevor sie ihn an einen möglichen Arbeitgeber faxen. Dinge wie 'Ich habe einmal mit DOS gearbeitet' und 'Ich kann meinen Bildschirm allein einschalten' werden zu 'Hat DOS neu geschrieben' und 'Ausführliches Hintergrundwissen zum Hardware-Support'. Ich erwarte das Schlimmste und bekomme es. Ich treffe meinen Arbeitsvermittler in einem Pub, wo er mir ein Bier spendiert, um zu beweisen, dass er wirklich mein Freund ist und nicht nur einen kriminell hohen Anteil von meinem zukünftigen Lohn haben will. "Also", sagt mein ganz persönlicher, erfahrener Vermittler, der die Computerbranche wie seine Westentasche kennt. "Sie suchen also eine Stelle im Netzwerkbereich?" "Ja." "Welche Erfahrungen haben sie?" Ich gebe ihm einen kurzen Überblick über die vergangenen zehn Jahre. "Ausgezeichnet. Und haben sie auch Erfahrung mit DOS?" "Wieso?" "Nun, wir haben im Moment ein ausgezeichnetes Angebot für einen DOS-Berater." "Und meinen sie, dass das etwas mit Netzwerken zu tun hat?" frage ich leicht verärgert. "Also, nicht genau. Am Anfang wird es eher mit einer Hotline zu tun haben." "Ich bin nicht interessiert. Ich bin ein Netzwerker, kein Programmspezialist und ganz sicher kein Mensch für den Support." "Ah. Na gut, es war ja nur so ein Gedanke. Was ist mit VAX/VMS?" (IBM-Grossrechner [thomas w.]) "DECNet? TCP/IP? Und habe ich schon CI erwähnt?" "Nein, eher in Richtung Cobol-Programmierung. Grossartige Stelle. In Milton Ke ..." "Nein." "Sehr gute Bezahlung ..." "Wenn ich Interesse daran hätte in Cobol zu programmieren, hätte ich das auch gesagt. Habe ich aber nicht. Ich sagte 'Netzwerke'." "Natürlich haben sie das. Könnte die Reparatur von Hardware sie interessieren?" "Was für Hardware?" "Hauptsächlich defekte Terminals. Aber wenn sie funktionieren, sind sie mit einem Terminal-Server verbunden, der in ein Netzwerk ..." schreit er als ich den Pub verlasse. Das Bier habe ich nur zur Hälfte getrunken. Der Chef spielt inzwischen mein Spiel und hat seinerseits ein paar Arbeitsvermittler kontaktiert. Offensichtlich hat er vor, mir zu beweisen, wie leicht es ist, einen Ersatz für mich zu finden. Es ist traurig, wie manche Menschen sich der Selbsttäuschung hingeben. Die nächsten Tage verbringe ich damit, die Arbeit einer Sekretärin zu machen: Daten eingeben, Bänder abtippen etc. Ich mag das gar nicht. Schliesslich kommt ein Angebot von der letzten Arbeitsvermittlung, in dem eine Summe geboten wird, die dem Chef Tränen in die Augen treiben würde. Ich vertiefe mich in die Details und denke über sie nach, als der Chef hereinkommt. "Ich werde es annehmen", sage ich, als der Chef heimlich mitlesen will. "Was annehmen?" fragt er. "Die Stelle, die mir gerade angeboten wird", erwidere ich lächelnd. Er blüht unter dem Druck richtig auf und antwortet: "Und das genau zum richtigen Zeitpunkt!" "Wofür? Rechtzeitig zu den Weihnachtseinkäufen?" sage ich, um die Spannung ein wenig zu erhöhen. "Nein. Gerade rechtzeitig für uns. Ich habe ihren Nachfolger gefunden!" freut er sich und schüttelt ein kaum lesbares Fax in der Hand. "Das meinen sie nicht ernst!" sage ich und zeige auf das Fax. "Darauf kann man ja kaum etwas erkennen!" "Muss ich auch nicht", grinst er. "Ich habe die Leute angerufen und die Details überprüft." "Sie vertrauen doch nicht etwa DIESER Arbeitsvermittlung!" rufe ich. "Die können doch weder eine Stellenanzeige richtig veröffentlichen noch einen Computer-Profi finden." "Das ist ihr Irrtum!" knurrt der Chef. "Sie HABEN jemanden für mich gefunden. Mit etwas mehr Erfahrung und er ist nur einen Bruchteil teurer als sie. Und er fängt schon am heutigen Nachmittag an. SICHERHEITSDIENST!" Der Augenblick, von dem der Chef seit Monaten träumt, ist gekommen. "Begleiten sie diesen Herrn nach draussen. Lassen sie ihn nichts berühren und lassen sie sich seine Schlüssel geben. Er soll auf dem Weg nach draussen mit niemandem reden. Und löschen sie seinen Namen SOFORT aus der Angestelltenliste! Prüfen sie seine persönlichen Sachen, ob sich unter ihnen Eigentum der Firma befindet und händigen sie sie ihm dann aus." Zufrieden mit sich selbst stolziert er, der John Wayne der Netzwerke, zurück in sein Büro. Ich werde auf die Strasse begleitet und gebe den Sicherheitsleuten meine Schlüssel. Ich werfe noch einen kurzen Blick auf das Gebäude, das einmal mein Arbeitsplatz war und gehe wieder hinein zum Empfang. >Kling!< "Hallo", lächle ich die Empfangschefin an. "Ich wurde gerade als Netzwerk-Administrator eingestellt. Könnten sie bitte meinen Vorgesetzten informieren ..." Ich kann es kaum erwarten, John Waynes Gesicht zu sehen. Oder meinen neuen Lohnscheck. Oder die Mitteilung, dass ich als neuer Mitarbeiter erst einmal eine Woche damit verbringen muss, alle Sicherheitsregeln zu lernen. [[Mit einer Lohnerhöhung in der Tasche geht der B.O.F.H. auf Nummer sicher und schockiert den PJ ...]] Als neu angestellter Mitarbeiter an meinem alten Arbeitsplatz muss ich die Regelungen des Arbeitsvertrages erfüllen und nehme daher an einem Sicherheitskurs teil. Es ist die übliche Routinebelehrung, die Geräte, die nicht benutzt werden, abzuschalten und so weiter - Kinderkram. "Kann mir jemand sagen, was das ist?" fragt der Ausbilder und hält ein Stück Stromkabel mit abgeschabter Isolierung hoch. "Ein Unfall, der auf seine Chance wartet", schlage ich hilfreich vor. "Ausgezeichnet! Völlig richtig." ist er begeistert über die bisherige Mitarbeit seines Publikums. "Und was ist das?" fragt er, während er ein Stück eines Datenkabels von ähnlichem Aussehen hochhält. "Ein Unfall, der auf seine Chance wartet", antworte ich noch einmal. "Ähm, nun, nicht ganz", gluckst er. "Doch, wenn sie das Kabel in etwa zwei Zoll Höhe über der dritten Stufe der ziemlich schlecht beleuchteten Treppe von der sechsten in die fünfte Etage anbringen." Die Augen des Ausbilders werden für einen Moment schmal, als er versucht, seinen Gesichtsausdruck unter Kontrolle zu bringen ... Erkenntnis spiegelt sich in seinen Zügen wieder. "Sie haben diesen Kurs schon einmal besucht, oder?" "Nun, natürlich habe ich das. Aber ich habe das Zertifikat am Ende nicht bekommen. Niemand scheint es bekommen zu haben; nicht, nachdem sie die Treppe hinuntergestürzt sind, ihr Schlüsselbein brachen und ihre Ausbildungserlaubnis verloren. Ich glaube, es war die dritte Stufe, wo sie den Halt verloren, stimmt's?" Er knurrt leise, als die Erinnerungen an den Sturz und die Fahrt ins Hospital wiederkommen; die Erinnerung an seine Warnung vor dem Unfall, dass meine 'Einstecken und hoffen'-Politik nicht mit den Richtlinien der Firma übereinstimme. Sein Aussehen erinnert mich daran, dass ein 'Vergeben und Vergessen' noch nicht zur Firmenpolitik gehört ... Um auf alles vorbereitet zu sein komme ich etwas früher von der Frühstückspause zurück und muss feststellen, dass mein Stuhl nicht mehr da steht, wo er stehen sollte. Ein schneller prüfender Blick lässt mich erkennen, dass einige wichtige Teile fehlen. Ich schiebe den Stuhl nach hinten und suche mir einen anderen aus. Da ich noch immer allein bin, schaue ich mir die Präsentation unseres Ausbilders auf dessen PC an und erlaube mir ein paar kleinere Änderungen an seinen Folien. Als die anderen zurückkommen, lasse ich mich mit einem lauten 'Plumps' auf meinen Stuhl fallen. Ich kann mir nicht helfen, doch der leicht irritierte Ausdruck im Gesicht unseres Ausbilders entgeht mir nicht, ein Ausdruck, der sich noch verstärkt, als wir zu seiner Lieblingsfolie kommen. Die Folie, die uns auffordert, im Fahrstuhl nicht in der Nase zu bohren oder zu essen, wird ein wahrer Publikumserfolg "Nun, vielen Dank für die Folien", sage ich am Ende des Kurses. "Und ich kann ihnen versprechen, dass ich diese Folie, die vor dem Rindfleisch im Lift warnt, ganz besonders beachten werde. Ein wirklich sehr wertvoller Hinweis - einmal etwas ganz anderes als die üblichen Tips, die Abdeckung von Kabelschächten sorgsam zu prüfen." Am nächsten Morgen kommt der Abteilungsleiter mit einem besorgten Gesichtsausdruck herein. "Hallo, Simon. Ich habe hier eine Beschwerde über sie." "Eine Beschwerde! Über ihn! Das kann ich nicht glauben!" ruft der PJ überrascht und schlägt sich mit der Hand gegen die Stirn. Er übertreibt die Rolle des schockierten Kollegen ein wenig, muss ich sagen. "Ja, unser Sicherheitslehrer hat sich darüber beschwert, dass sie die Folien für seinen Vortrag verändert haben." "PRÄSENTATIONSFOLIEN VERÄNDERT!" macht der PJ weiter und wird vom Abteilungsleiter mit einem eiskalten Blick zum Schweigen gebracht. "Nun, ich habe vielleicht ein paar grammatische Berichtigungen vorgenommen", gebe ich zu. "Aber ich habe nichts getan, was die Qualität der Präsentation nicht verbessert hätte. Wie auch immer, wenn das so schlimm ist, kann er doch seine alte Präsentation mit den Backups wiederherstellen." "Ja, das war auch unser erster Gedanke - bis wir die fehlende Schutzwand gegen störende elektrische Felder im Regal für die Backups bemerkten." Der PJ unterdrückt ein schuldiges Lachen. "Und die Backups, die wir ausserhalb der Firma aufbewahren?" schlage ich vor. "Ja, aber es scheint ein Problem mit ihnen zu geben", antwortet der Abteilungsleiter. "Der Inhalt der Bänder scheint nicht mit den Prüfsummenangaben der Barcodes auf den Hüllen übereinzustimmen." "Nun, der Barcode-Leser von einem der Bandlaufwerke hat einen Fehler", antworte ich. "Es ist möglich, dass das Archiv mit der Präsentation auf einem Band mit einer ähnlichen Prüfsumme zu finden ist." "Und wie viele Bänder müssten wir prüfen?" "Etwa 2000 - sie alle haben unglücklicherweise die gleiche Prüfsumme - aber das ist ein Fehler der Software, den ich ihnen in einer Notiz vor, Moment, ja, vor zwei Monaten mitteilte." "Ah, nun, ich sehe keinen Grund, warum er seine Folien nicht noch einmal erstellen könnte", sagt der Abteilungsleiter, kehrt damit die ganze Sache unter den Teppich und verlässt unser Büro. "Gab es diese Notiz wirklich?" fragt der PJ. "Ja, eine Mitteilung, die ihm die Verantwortung überträgt, mit vielen Fachwörtern am Anfang, um ihn abzuschrecken. Nun wird er sie lesen und sehen, dass die Verantwortung bei ihm liegt." "Und was wird geschehen?" "Oh, die übliche Vertuschung - ein Anruf in ein paar Minuten, um sich zu entschuldigen; dann dürfte bald ein verärgerter Sicherheitslehrer durch die Tür da drüben kommen ..." Fünfundzwanzig Minuten später ist meine praktische Demonstration der Gefahren, die von einem Datenkabel, das in etwa einem Zoll Höhe quer über die erste Stufe einer dunklen Treppe gespannt ist, ausgehen, beendet. Ich greife mir ein Blanko-Formular, das die Teilnahme an der Sicherheitsbelehrung bestätigt, vom Stapel, den die Sanitäterin im Treppenhaus zurückgelassen hat, und reiche es dem PJ, damit er die leeren Felder ausfüllt. Die Welt der Netzwerke ist wirklich voller Unfälle, die auf ihre Chance lauern. [[Der B.O.F.H. leidet unter vorübergehendem Ärger mit den Telefonen ...]] "Wir haben eine kleines Problem mit der Rufumleitung", ruft der PJ, als er hereinkommt und mit Verschwörermiene auf den Raum mit der Telefonanlage deutet. Ich greife mir den Laptop mit der Diagnosesoftware für die Anlage und folge ihm. Da ich den Laptop nicht wirklich brauche, lasse ich ihn auf den Boden fallen und unterziehe alle möglichen Lauschgeräte, die der Chef 'zufällig' im Raum hinterlassen haben könnte, einem Belastungstest, indem ich meinen Kugelschreiber in den Lüfterschlitz der Unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) der Vermittlungsanlage schiebe. "Wo liegt das Problem?" rufe ich, um die Geräusche eines Kugelschreibers, der von den besten Ventilatorflügeln im Raum zerlegt wird, zu übertönen. "Der Chef hat etwas über die 0190er-Nummern herausgefunden", schreit er und blickt sich gehetzt um, jeden Moment Entdeckung und grausame Bestrafung erwartend. Eine kleine Goldgrube, diese Einrichtung. Eine eigentlich simple Idee in der Theorie - wir leiten einfach die Anrufe für jedes abgeklemmte Telefon in der Firma zu einer 0190er Nummer weiter, die Ratschläge für die Arbeit mit Computern gibt, und kassieren dabei als Vermittler kräftig mit. Tips wie: "Ihr Problem scheint eine unzureichende Belüftung zu sein. Die einzig mögliche Lösung besteht darin, ihren Computer mit Wasser zu kühlen. Gehen sie zu einem Springbrunnen ..." und so weiter. Es ist beeindruckend, wie viele Anrufe jemand bekommt, der gerade die Firma verlassen hat - für 99 Pence je Minute - und noch beeindruckender ist, wie viele Telefone keine Umleitungssperre haben. So schnell wie möglich rufe ich die 0190er Leute an und erkläre ihnen widerwillig, dass wir ihren Service nicht mehr länger brauchen. Das Geld sollen sie auf ein Konto überweisen, dass ich unter dem wenig bekannten Pseudonym 'Verstorben' angelegt habe. Die Zahl, die sie nennen, erfreut den PJ und mich sehr. Offenbar kamen mehr Anrufe als erwartet. "Wie konnte der Chef etwas herausfinden?" frage ich. "Ich befürchte, ich habe einen Tippfehler gemacht und statt einer abgeklemmten Nummer eine noch genutzte eingegeben", beichtet der PJ mit überzeugendem Bedauern im Tonfall. Vergebung ist in Krisenzeiten der Schlüssel zum Erfolg, also schlage ich dem PJ vor, dass wir so tun, als ob wir die Vermittlungsanlage reparieren bis der Chef kommt. Minuten später platzt der Chef voller Wut herein, um zu hören, was seine Lauschgeräte nicht mehr mitbekommen können, und landet stattdessen mit einem Fuss auf dem Laptop, der am Boden liegt. Seine langsamen Reflexe schaffen es nicht, den Chef zu bremsen, so dass das Display des Laptops aufspringt, über das er stürzt und mit dem Gesicht zuerst in das Regal mit der Telefonvermittlungsanlage rast. Scheusslich. "Autsch", murmelt der PJ. "Ich wette, dass das verdammt schmerzhaft ist." Der Blick des Chefs bestätigt diese Vermutung, als er sich langsam aus dem baumelnden Kabelsalat befreit ... "Was zum Teufel machen sie hier?" knurrt er und wischt sich mit seinem Taschentuch über das blutige Gesicht. "Wir überprüfen nur diesen lärmenden Lüfter. Es sieht ziemlich ernst aus", sage ich und verpasse dem Ding einen Schlag als Rache für den Ärger in der Vergangenheit. Sagte ich Vergangheit? Ich meinte eigentlich den aktuellen Ärger. Der Lüfter, der endlich genug von meinem Kugelschreiber hat, stoppt plötzlich, gibt ein leises 'Klick' von sich und läuft polternd aus. "VERDAMMTER MIST!" schreit der Chef, um den automatischen Alarm der USV zu übertönen, was angesichts der Tatsache, dass dieser Ruf auch durch die Wände dringen soll, keine schwere Übung für den Chef darstellt - er schreit ja gern. "SCHALTEN SIE U ... m auf die andere Einheit", vollendet er, als ich die Alarm abschalte. "Da haben wir wohl nicht viel Aussicht auf Erfolg", erklärt der PJ und hält die zerkleinerten Überreste des Laptops mit der Software in den Händen. Offenbar hat das Gerät in den letzten Sekunden ziemlich viel aushalten müssen. "Ich bin untröstlich", sagt er. "Aber irgendwer hat wohl ein Kabel auf dem Boden liegengelassen ..." Wir schauen den Chef an. "... über das ich stolperte." "Zu spät für dieses Ding - holen sie ein anderes!" ruft der Chef, der schon den Selbstschutz beim nächsten Managertreffen im Auge hat. "Können wir nicht", werfe ich ein. "Die Sicherheitskopien befinden sich auf einer defekten Festplatte, die wir aufgrund ihrer Anweisungen nicht ersetzen durften", füge ich noch hinzu, um die Situation zu meinem Vorteil zu wenden. "Hu!" murmelt der PJ. "In ihrer Haut möchte ich jetzt nicht stecken. Das wird nicht gut für ihr Budget aussehen - dieser Totalausfall der Vermittlungstechnik." "EIN KOMPLETTAUSFALL!?!" keucht der Chef. "Nun, sie sagten doch, dass wir defekte Teile unserer Vermittlungsanlage durch Teile der Zentralvermittlung ersetzen sollen, um Kosten zu sparen ..." antworte ich. Der Chef bekommt ein gehetztes Aussehen. "In Ordnung. Was wollen sie?" "Ich denke, dass sie das schon wissen", lächle ich wohlwollend. Oder ist es übelwollend, ich verwechsle das immer. Zehn Minuten später halte ich die Telefonrechnungen und die Kopien, die der Chef angefertigt und in seinem Safe versteckt hatte, in den Händen. Ich kehre in den Vermittlungsraum zurück, wo die Temperatur der Anlage sich bedenklich der Ausfalltemperatur genähert hat, und demonstriere, wie leicht es ist, die elektrische Sicherung eines Lüfters auszutauschen ... Es ist doch lustig, dass sich manche Dinge immer zum Besten entwickeln, oder? [[Ein erhitzter Wortwechsel mit dem Chef über die Klimaanlage erhöht die Temperatur im gesamten Gebäude ...]] An diesem angenehmen Sommermorgen kommt der PJ vom Einkauf in unser Büro zurück. Er hat sich dabei offensichtlich an meine Anweisungen gehalten. "Wirklich ein perfekter, handgemachter elektrischer Wasserkocher mit einer Sicherung, um eine Überhitzung zu verhindern", sage ich voller Zufriedenheit über die Perfektion meines Planes. "Aber wir haben doch eine Kaffee- und auch eine Teemaschine!" sagt der PJ. Während ich den Kocher am Wasserbrunnen fülle, schüttele ich den Kopf über diese Frage. "Was passiert jedes Jahr im Sommer?" frage ich ihn. "Es wird heiss?" rät er. "Korrekt. Und die Klimaanlage tut was?" "Sie fällt aus." "Und wir müssen was tun?" frage ich. "Wir sitzen den ganzen Tag im Vermittlungsraum." "Richtig. Nehmen sie den regelbaren Transformator und kommen sie in den Vermittlungsraum." Er folgt meiner Anweisung, so dass ich wenig später den Transformator auf 5 Volt einstellen und den Kocher anschliessen kann, den ich unter dem Gitter eines Fussbodenventilators der Klimaanlage versteckt habe. "Ihre Aufgabe besteht, sofern sie mitmachen wollen - sie haben natürlich gar keine andere Wahl, aber es klingt so gut - darin, dafür zu sorgen, dass diesen Kocher immer schön versteckt bleibt. Darüber hinaus erhöhen sie die Spannung am Transformator pro Tag um 5 Volt." Ich zeige ihm ein Thermostat an der Wand und öffne dessen Umhüllung. "Schritt 2: Drehen sie jeden Tag die Justierschraube entgegengesetzt zum Uhrzeigersinn um 5 Grad, damit die Klimaanlage annimmt, es wird kälter. Nun, noch Fragen?" "Ja, eine. Was passiert, wenn der Transformator 200 Volt erreicht?" "Ich wette zwanzig Pfund, dass am Kocher nie mehr als 50 Volt anliegen werden." "Glauben sie!" keucht der PJ in Erwartung von leichtverdientem Geld. "Und denken sie daran, dass immer Wasser in dem Kocher sein muss" erinnere ich ihn, denn ich weiss ja, wie vergesslich er sein kann. Nun, die Wette kommt zustande, und ich befasse mich für ein paar Tage mit dem Testen der Belastbarkeit unseres Netzwerkes. Als ich genug davon habe, die Netzwerkvariante von Doom 2 zu spielen, rufe ich den Chef an und informiere ihn über die Probleme mit der Klimaanlage im Vermittlungsraum. Um den Schein zu wahren, erscheint er auch bald und schaut sich neugierig um. Er betastet die Thermostate ein wenig, schnuppert ein wenig, um die Luftfeuchtigkeit zu prüfen. Als er sein technisches Repertoire ausgeschöpft hat, bestellt er einen Fachmann für Klimaanlagen, der ihm bestätigt, dass unsere Messungen korrekt sind. "Sie brauchen eine neue Einheit", erklärt der Techniker dem Chef. "Die Anlage, die sie zur Zeit benutzen, scheint überlastet zu sein." "Das habe ich dem Chef doch schon im letzten Sommer erklärt", ergänze ich. "Aber er hat sich nicht darum gekümmert. Und nun sehen sie, was daraus geworden ist." Meine vorsichtigen Worte scheinen ihn daran zu erinnern, dass zwischen uns der Kriegszustand herrscht. Er scheint zu ahnen, dass etwas an der Sache faul ist, kann es aber nicht herausfinden, obwohl er sich verzweifelt bemüht, mich zu überführen - ganz besonders nach meinem kürzlich errungenen Sieg, als es um die Vermittlungsanlage ging, wo es ihm ebenfalls nicht gelang, mich zu entlarven. "Ja, dann müssen wir eben eine neue Einheit hier einbauen, aber wo ..." lächelt er und entdeckt den idealen Ort dafür genau vor sich. "Wie wäre es denn hier?" fragt er und deutet auf die Wand zwischen dem Vermittlungsraum und unserem Netzwerkkontrollraum. "Keine gute Idee", sagt der Techniker. "Der Wärmetauscher würde den Raum dahinter in eine Sauna verwandeln." "Nun, es scheint keine andere Alternative zu geben", antwortet der Chef selbstgefällig. "Wie wäre es hiermit?" frage ich und zeige auf eine Lücke zwischen zwei Wärmetauschern an der gegenüberliegenden Wand. "Nein, das geht nicht", unterbricht mich der Chef. "Da stehen schon zu viele Einheiten. Wenn wir eine weitere hinzustellen, gefährden wir die Trägfähigkeit der Decke." Etwas sagt mir, dass er diesmal seine Hausaufgaben gemacht hat. "Also nehmen wir diese Wand", lächelt er. Dabei zeigt er voller Schadenfreude auf einen Platz, der ziemlich genau zwischen meinem Schreibtisch und dem des PJ liegt. Der entsetzte Blick des PJs spricht Bände. Zwei Wochen später ist es in unserem Kontrollraum wirklich ein wenig ungemütlich, erst recht, nachdem jemand den Auftrag gegeben hat, unsere Fenster dauerhaft zu verriegeln. In der Folgezeit geht unsere Besucherzahl drastisch nach unten und erreicht einen neuen Tiefstand. Eigentlich kommt nur noch der Chef täglich vorbei, um durch das doppelt verglaste Fenster hereinzuschauen und hämisch zu grinsen. Bis heute - heute ist der Tag der Vergeltung. Der PJ und ich sind ungewöhnlich früh in unserem Kontrollraum, um meinen Plan zu vollenden. Vollendung heisst nichts anderes, als dass wir die neue Einheit der Klimaanlage abklemmen, sie umpolen und wieder anschliessen, so dass wir endlich eine funktionierende Klimaanlage bekommen. "Das wird der Chef bemerken!" ruft der PJ. "Er wird nicht mehr hereinkommen - niemand tut das", antworte ich, um ihn zu beruhigen. "Aber wenn er draussen vorbeigeht, wird er die Rückseite des Wärmetauschers bemerken." "Nicht, wenn sie die Abdeckung ebenfalls austauschen." "Das wird ihn nicht täuschen!" "Ich bin ganz sicher, dass es klappt - neulich hat er herausgefunden, dass ich die Gehäuse des Shredders und des Faxgerätes ausgetauscht habe. Bedauerlicherweise hat der 'Shredder' automatisch die Zeitungen angewählt und die Berichte über die horrenden Ausgaben an sie gesendet. Boulevardzeitungen können wirklich grausam und verantwortungslos sein." "Was hat der Chef getan, als er es herausfand?" "Was denken sie denn? Zugeben, dass wir ihn zum Gespött der Leute gemacht haben? Ich habe nun noch eine kleine Aufgabe für sie." "Worum geht es?" "Machen sie ihre Abrechnung noch einmal - sie war sein letztes 'Fax'." "Sie Hund!" "Durch und durch, immer auf der Jagd und meine 20 Pfund erwartend ..." [[Der B.O.F.H. wird zum Vertragskiller, als er Schäden beseitigt, die sein Chef verursachte ...]] Ich bin nicht glücklich. Eigentlich ist das nicht selten, aber heute bin ich WIRKLICH unglücklich. Der Abteilungsleiter hat gerade eine Zeitbombe dadurch gestartet, dass er ohne nachzufragen einen grossen Wartungsvertrag mit einem unserer Hardwarelieferanten abgeschlossen hat, der uns einen fünfzigprozentigen Rabatt einräumt. Nun gefällt mir ein Rabatt bei Wartungsverträgen ungefähr ebenso, wie irgendein anderer Administrator, der meint, man müsse Wartungstechnikern erst einmal mit einem Sack voller Terminatoren auf den Kopf schlagen, aber das klingt wohl ein wenig verdächtig. Der Abteilungsleiter, bekannt dafür, dass er Probleme hat, unverletzt durch lange Korridore zu gehen, hat es irgendwie geschafft, mit diesen hochqualifizierten und geldgeilen Profis, die das Wartungsteam bei der 'Raub-mich-aus'-Gesellschaft bilden, diesen Rabatt auszuhandeln. Nun, wir werden sehen. Und wo ich gerade dabei bin, er behauptet, ohne Hilfe den Weg zu seinem Büro gefunden zu haben, was ich bezweifle. Alles was mir nun bleibt, ist zu sehen, welchen Schwachsinn er da konkret ausgehandelt hat. "Was für ein Vertrag ist es?" frage ich, nachdem er in seinem Büro angekommen ist und mich fröhlich angrinst. "Ein Standardvertrag wie vorher. Nur habe ich die Hunde damit für 20 Jahre FESTGENAGELT!" sagt er hämisch lächelnd. "DAS IST EIN WASSERDICHTER VERTRAG! Deren Anwalt hat sich sogar ein wenig dagegen gesträubt!" "Und UNSERE Anwälte?" frage ich und ahne schon, was jetzt kommen wird. "Die werden überschätzt!", antwortet er. "Das hätte ich mit geschlossenen Augen tun können." Ich schaue mir den Vertrag an und sehe, dass er ihn vermutlich wirklich mit verbundenen Augen unterzeichnet hat. "Nun, eine kleine Frage", sage ich und bereite mich auf eine lange Reise ins Land der Ahnungslosigkeit vor. "Ja?" "Sie wissen, dass WIR ebenfalls für 20 Jahre an diesen Vertrag gebunden sind?" "Natürlich." "Nun, merken wir uns das einmal und dann zeigen sie mir bitte irgendein - IRGENDEIN Gerät, das wir schon länger als 5 Jahre haben, ganz abgesehen von 20 Jahren!" Ein Groschen beginnt zu fallen. Langsam. "Oh ... Ah ... Nun ... Keines?!?" piepst er, als der Groschen am Boden ankommt und sich in dieser Hinsicht als lohnende Investition erweist. "Nicht ganz", sage ich. "Wir haben diese grosse Lochkarten-Stanzmaschine von IBM im Computerraum. Und wissen sie wieso wir die noch haben?" "Um Lochkarten herzustellen?" "Nein, denn wir haben ja keine Lochkartenleser mehr ..." "Ballast für die Klimaanlage!" platzt er heraus und hofft auf einen Treffer. "Nein. Gut, wenn wir die Maschine abstellten, dann wären einige der Lüfter nicht mehr nötig, aber das ist nicht der Grund. Wir haben diese Maschine noch, weil das Gebäude praktisch um sie herum errichtet wurde. Als Schrott könnten wir wohl noch etwa 200 Pfund für sie bekommen, aber wir können das Geld nicht bekommen, WEIL SIE ZU GROSS IST, UM SIE HINAUS ZU TRANSPORTIEREN!" "Ich weiss nicht, worauf sie hinauswollen", gesteht der Abteilungsleiter. Ich prüfe zur Sicherheit noch einmal den Vertrag. "Nun, sie haben einen BINDENDEN, WASSERDICHTEN Vertrag unterschrieben, der besagt, dass wir ihnen monatlich 2000 Pfund bezahlen, jeden Monat der nächsten zwanzig Jahre, damit sie sich um einen Mini-Computer kümmern, der in etwa fünf Jahren jeden Wettkampf gegen einen Taschenrechner verlieren dürfte. Und sie haben offenbar nicht einmal ihre Erlaubnis verlangt, bevor sie diesen Vertrag unterschrieben?!" "Welche Erlaubnis?" "IHRE VERDAMMTE ERLAUBNIS ZUM GELDDRUCKEN! SIE HABEN IHNEN ALLES GEGEBEN! DIE EINZIGE SACHE, DIE SIE VERGESSEN HABEN, WAR EIN HAFTUNGSAUSSCHLUSS!" rufe ich und bin dem Wahnsinn nahe. Ein eiskalter Gedanke geht mir durch den Kopf. "Sie haben ihnen keinen kompletten Haftungsausschluss gegeben, oder?" "Was meinen sie?" fragt unser qualifizierter und professioneller Entscheidungsträger. "Kompletter Haftungsausschluss bei Unfällen. Sie wissen schon, die Leute gehen durch einen Korridor und lassen einen Schraubenzieher fallen, der durch ein Loch für die Belüftung fällt und auf irgendeiner Maschine landet, einen Kurzschluss verursacht und die Maschine in ihre Einzelteile zerlegt. Mit einem Haftungsausschluss hört deren Verantwortung bei einem 'Entschuldigung' auf." "Ähm ... Nein, nein. Ich bin mir sicher, dass ich das nicht gemacht habe, weil ein Techniker irgendwann meinen Lieblingskugelschreiber zerstört hat, den er auch bezahlen musste." "Nun, bei 2000 Pfund im Monat werden die Kosten für einen Kugelschreiber sie wirklich in den Ruin treiben." Zwei Wochen später kommt der Techniker von der 'Raub-mich-aus-für-20-Jahre'-Gesellschaft. Um uns das Gefühl zu geben, er verdiene sein Geld, schraubt er das Gehäuse auf, wirft einen Blick auf die Diagnose-Lämpchen, schreibt ein paar Zahlen auf, lächelt selbstgefällig und schliesst das Gehäuse wieder. In Wirklichkeit ist er so von sich selbst überzeugt, dass er nicht bemerkt, wie der PJ ihm einen seiner Schraubenzieher klaut und damit verschwindet. Er bemerkt auch nicht die ein wenig hervorstehende Kachel am Boden des Korridors. Bis sein Fuss auf ihr landet und damit, wie geplant, einen Mechanismus auslöst, der ein sehr, sehr lautes 'BANG!!' unserer unbezahlbaren und historisch wertvollen ersten Lochkartenmaschine erzeugt, als sie mit dem Schraubenzieher des Technikers zwischen dem Netzteil und den nun kurzgeschlossenen Netzkabeln explodiert. Und da es sich um eine alte Maschine handelt, geht sie prompt in Flammen auf. Möglicherweise wird dieser Vorgang noch durch ein petroleumgetränktes Tuch beschleunigt, dass der PJ und ich in weiser Voraussicht in sie hineingestopft haben ... Der Abteilungsleiter und ein Anwalt tauchen lautlos hinter uns auf. Der Anwalt betrachtet sich die Zerstörungen und der Abteilungsleiter den unschätzbaren Betrag, den er mir bei der nächsten Verhandlung über meinen Lohn schuldet ... [[Der B.O.F.H. zeigt, dass Dummköpfe nicht auf Bäumen wachsen, sie stattdessen über mehrere Jahre lang trainiert werden müssen ...]] "Hallo. Ist dort die Netzwerk-Verwaltung?" fragt ein Nutzer über die Freisprechanlage. Ich nehme das LAN-Topologie-Überwachungs-Gerät (VR Brille [VR: Virtual Reality]) ab und beende die Verbindung mit dem leistungsfähigen Netzwerk-Analyse-Server (VR Panzerschlacht Game-Server), um meine Aufmerksamkeit dem Anrufer zuzuwenden. Die Rufnummernidentifizierung meldet, dass er aus der Erbsenzählerzentrale kommt. "Ja, hier ist die Netzwerk-Verwaltung", antworte ich. "Gut. Ich habe ein Problem mit dem Herunterladen einer Datei aus Brüssel mittels FTP. Die Verbindung wird immer nach genau einem Megabyte abgebrochen." Der PJ grinst zu mir herüber, schreibt hastig einen Zettel voll: "HEUTIGES LIMIT 1024K" und deutet auf die Packet-Filter Software. Langsam wird er richtig gut. "Ah, ja", sage ich und blättere im Ausredenkalender. "Wir haben im Moment mehrere Fälle dieser Art. Wir glauben es liegt an ... Netzwerk-Destabilisierung durch floureszierende Niedrigspannungslampen." "Wie bitte?" "Nun, wenn eine fluoreszierende Lampe eingeschaltet wird, sendet sie einen Strom durch das Kabel zurück, was zu Interferenzen in Netzwerkkabeln führt, die daneben liegen. Gerade bei niedrigen Spannungen tritt dieser Effekt verstärkt auf." >>DUMMY MODE EIN<< [Aus dem Bastard-Wörterbuch: DUMMY MODE, Substantiv. Der Zustand in dem der Nutzer, überwältigt durch technische Begriffe, alles glaubt und/oder tut, was ihm gesagt wird.] "Oh. Und was kann man da tun?" [Habe ich es nicht gesagt?] "Naja, heute können wir nichts mehr unternehmen, denn irgendetwas erzeugt offenbar ständig diese Ströme. Wie gross ist denn die Datei, die sie brauchen?" "Etwa 1.6 Megabyte." Ich kritzele auf den Zettel des PJ: "MORGIGES LIMIT 1.59 MEGEBYTE" und gebe ihn ihm zurück. "Nun", erwidere ich. "Gibt es in ihrer Etage irgendwelche Lampen, die mit niedriger Spannung betrieben werden?" "Ich habe keine Ahnung." "Nun, sie müssten klein sein, meistens sind es rechteckige Lämpchen, wie man sie in Anzeigen oder Displays findet." "DIE NOTAUSGANGS-SCHILDER!!" ruft er, als er endlich das Ende des Pfades gefunden hat, auf den ich ihn schickte. "Natürlich!" rufe ich und teile seine Begeisterung. "Sie sind über den Türen angebracht, wo auch die Netzwerkkabel liegen. Nun, es sieht so aus, als könnten sie im Moment nichts unternehmen - und wir können die Kabel leider auch nicht so schnell neu verlegen. Ich bedaure ..." "Und könnten wir nicht die Notausgangsschilder woanders anbringen?" "Oh, ich fürchte, WIR können dies nicht, selbst wenn wir die Zeit hätten." "Oh?" "Nein, wir haben einfach nicht die Zeit, die Abdeckung der Kabelschächte abzunehmen, dann jedes Ausgangsschild mit seinem Kabel ein paar Meter von den Datenkabeln wegzuschieben und die Abdeckung wieder anzubringen." "Oh", antwortet er. Das Rattern seiner Gedanken ist dabei beinahe zu hören. "Dann muss ich eben versuchen, die Datei in kleineren Paketen zu übertragen." Ich lege auf, streiche auf dem Zettel des PJ die 1024K durch und ersetze sie durch 50K. Ich nicke ihm zu, den Filter entsprechend einzustellen. "Er wird es nicht tun ..." sagt der PJ. Er ist so jung und hat doch schon kein Vertrauen mehr ... "10 Pfund?" frage ich. "Es ist ihr Geld", sagt er naiv an leichtverdientes Geld denkend. Der nächste Morgen bricht an und ich verstaue einen druckfrischen neuen 10 Pfund-Schein in meiner Geldtasche. Der PJ hat mit Empörung festgestellt, dass die Notausgangsschilder tatsächlich nicht mehr über den Türen leuchten, sondern links und rechts an der Wand des Notausgangskorridors, damit sie die Netzwerk-Kabel nicht mehr stören. "Man sollte niemals die Verzweiflung eines Nutzers unterschätzen", erkläre ich und bringe ihm so einen weiteren wichtigen Grundsatz der Kunst der Netzwerkbetreuung bei. Um ihn ein wenig abzulenken, lasse ich ihn neue 'Kabellose Infrarot-LAN-Sender und -empfänger' (Infrarot-Kameras) in der Erbsenzähleretage installieren. Ich verteile noch ein paar Kabelrollen, so dass es aussieht, als seien wir sehr mit Arbeit beschäftigt. Etwas später an diesem Nachmittag ist die Netzwerkzentrale beinahe mit befreundeten Netzwerkadministratoren aus anderen Firmen überfüllt. "Sie kennen die Regeln", erkläre ich. "20 Pfund pro Spieler mit Ausnahme des PJ und mir, denn wir sind die Gastgeber und beginnen auch mit der Wahl unseres Spielers." Zustimmendes Nicken, als der PJ die Wetteinsätze einsammelt und wir die Spiel-Monitore einschalten. Als jeder seinen Spieler ausgesucht hat, kann es losgehen. "Lasst das Spiel beginnen!" rufe ich, betätige den Schalter, der das Licht in der Erbsenzähleretage und den Treppen abschaltet und löse den Feueralarm aus. "Gewonnen hat der, dessen Spieler als erster das sichere Treppenhaus erreicht!" Durch die Infrarotmonitore beobachten wir, wie das Chaos ausbricht, wie jeder in der Dunkelheit verzweifelt versucht, in die scheinbare Sicherheit, die die matt leuchtenden Notausgangsschilder versprechen, zu gelangen. Der Tribut, den die neuangebrachten Schilder von den Wänden verlangen, ist recht hoch und wird sich vermutlich nur durch eine dicke Schicht Putz wieder berichtigen lassen. Nächstes Hindernis (für die schlaueren Wettbewerber) auf der Liste sind Kabelkisten, die der PJ zufällig in den Korridoren verteilt hat. "Das ist wie Pinball mit mehreren Kugeln!" ruft der PJ begeistert. Zehn Minuten später zähle ich meinen Gewinn - denn natürlich hat der Erbsenzähler, der die Schilder neu angebracht hat, gewonnen ... Und da behaupten manche noch, mit Netzwerken könne man kein Geld verdienen. [[Die Handschrift des B.O.F.H. entwickelt sich zu kindlichem Gekritzel beim Versuch, astronomisch hohe Ausgaben ersetzt zu bekommen ...]] Es ist ein angenehmer Tag in der Netzwerkzentrale, als ich zu einem Treffen mit den Erbsenzählern schlendere. Es soll um die Spesenabrechungen gehen, die ich für die letzten beiden Monate abgegeben habe. Es sieht so aus, als hätte sich die brandneue, topmoderne und mit überflüssigen Funktionen nur so vollgestopfte Schrifterkennungssoftware (zur Erfassung von Spesenabrechnungen und deren Überführung in Tabellen, um dann allerlei mystische Berechnungen vorzunehmen, um denjenigen zu finden, der all die Spesengelder ausgibt) sich an meinen Belegen und Rechnungen verschluckt. Vielleicht, und hier muss ich raten, liegt das daran, dass ich nicht WILL, dass jemand herausfindet, wieviel ich wirklich ausgebe. Wenn ich wollte, dass der Chef 'Bier und Wodka' auf meinen Spesenabrechnungen liest, würde ich in Grossbuchstaben 'BIER und WODKA' schreiben und nicht 'Briek und Brohrl' hinkritzeln, als hätte ich eine Schreibhemmung. Es ist schliesslich ein Vorrecht von Netzwerk-Administratoren, sich für ihr eigenes Geld ein paar Chips zu kaufen, sich dann eine horrende Rechnung vom Bartisch zu greifen und die Firma dafür zahlen zu lassen! Ja, das ist ein gottgegebenes Recht! Ich bereite mich geistig und moralisch mit ein paar Gläsern Bier und Chips in der nahegelegenen Kneipe auf das Treffen vor. Zehn Minuten später bin ich in der Erbsenzählerzentrale und rede mit einem ihrer Repräsentanten. "Gut, kommen wir zu den Spesen für Essen und Trinken ... was soll das heissen?" fordert der Erbsenzähler mich heraus. "Briek und Brohrl. Was zum Teufel sind Briek und Brohrl?" "Lassen sie mich mal sehen ... " antworte ich und heuchle Hilfsbereitschaft. "Oh! Das ist Rindfleisch! Ich habe wohl ein Steak gegessen!" "Und Brohrl?" "Brohrl. Hmm ... Brüsseler Kohl, Rosenkohl!" "Sie haben für 150 Pfund Steak und Rosenkohl gegessen??" "Könnte schon sein. Es war ausserhalb der Steak- und Rosenkohl-Saison ... Übrigens sehr lecker, wenn es richtig zubereitet serviert wird. Und es war ein sehr grosses Steak ... " Eine halbe Stunde, die wir mit kreativer Veranschaulichung von Speisen zubringen, später ... "Was ist das?" fragt der Erbsenzähler. "Briek und Escrot?" "Nun, das erste ist offensichtlich wieder Rindfleisch und das andere ... hmmm ... sieht irgendwie wie ESCORT aus, stimmt's?! HA HA HA! Stellen sie sich das vor - die Firma zahlt für einen Begleit-Service! Nein, ich weiss wirklich nicht, was es sein könnte - irgedeine Delikatesse, die sie im Kongresszentrum von Amsterdam servieren?" Natürlich habe ich es kommen sehen. Die neue Handschriftanalyse-Software kann ohne Probleme mein 'Briek und Brohrl' und mein 'Ligord und Amno' lesen, übersetzen und auch noch herausfinden, wo ich was zu mir genommen habe, wieviel ein Treffer gekostet hat und wie ihr Name war! Ich glaube nicht, dass ich betonen muss, dass diese Entwicklung alles andere als positiv ist. Zum Glück glaube ich fest daran, dass bei der Weiterentwicklung der Technik die Menschen sich schrittweise zurückentwickeln sollten, was eine Form von Selbstverteidigung ist. Also begann ich, meine Schreibgeräte und Schriftgrösse zu variieren und füllte meine Formulare halb mit einem Buntstift und halb mit Fingerabdrücken aus (was alles der gegenwärtigen Vorschrift entspricht, die vorschreibt, dass Spesenabrechnungen handschriftlich ausgefüllt werden müssen). Möglicherweise ist es auch die unterschiedliche Grösse meiner Buchstaben, die der Software Probleme macht. Manchmal sind die Buchstaben 16 Punkte gross, manchmal auch 1600 ... Die Ankunft eines neuen Erbsenzählers, der den alten, der wirklich erschöpft aussieht, ablöst, weckt mich aus meinen Gedanken ... "Simon, nur noch ein paar Unklarheiten", beginnt der neue Erbsenzähler. "Mmmm?" antworte ich zu jeder Hilfe bereit. "Dies hier. Es ist eine senkrechte Linie. Buntstift, oder?" "Ja. Das müsste stimmen. Ich glaube, das ist der erste Strich vom K im Wort Kalbfleisch." "Hä?" "Ich hatte einen Krampf in der Hand und konnte nicht kleiner schreiben. Ich konnte den Stift kaum halten, aber vergessen wollte ich es auch nicht. Ich werde doch nicht bestraft wegen dieser kleinen Behinderung?" Die Worte 'kleine Behinderung' versetzen ihn in Angst und Schrecken. Das Management legt auf politische Korrektheit besonders grossen Wert, und die kleinste Geschmacklosigkeit gegenüber Behinderten wird mit einem sofortigen Rauswurf geahndet. "Aha. In Ordnung. Aber Kalbfleisch für 100 Pfund?" fragt er nervös. "Es gab eine Salattheke und Weintrauben." "Ich verstehe. Und dies? Das sieht aus wie ein Farbkleks." "Ein Fingerabdruck." antworte ich. "Steak Sandwich. Sehr selten. Schauen sie, hier können sie das S erkennen." "Es ist ein Fleck!" "Nein, es heisst wirklich Steak Sandwich. Ich musste es abkürzen, damit es auf das Formular passt, denn mein Finger kann keine dünneren Linien malen." "Warum haben sie keine Tastatur benutzt?" "Was? Um RSI [Repetitive Strain Injury - 'Tastaturkrankheit'] zu riskieren?" Zehn Minuten später gibt der zweite Erbsenzähler gebrochen auf und zählt einfach die Einzelposten zusammen. "Oh!" rufe ich plötzlich. "Ich habe noch etwas." "Was ist das?" fragt er. "Briek und Clops von heute?" "Das steht für ... Rindfleisch und Chips." "Sie hatten zwei Schüsseln davon." "Natürlich, ich muss auf Proteine achten!" Es ist ein Hundeleben, wirklich ... [[Der B.O.F.H. verlangt nach einer lästigen Nutzeranfrage Gebühren ...]] Es ist Zeit, die Ausbildung des PJ fortzusetzen, also führe ich ihn durch einen Computerraum, als ein Anruf kommt. Was zum ...? Nun, niemand ausser uns ist im Raum, also gehe ich ans Telefon. "Hallo." "Ist dort der Computerraum?" "Ja ..." "Sind sie der Systembetreuer?" Ich schaue mich schnell um - ausser dem PJ gibt es keine Zeugen. "... Ja ..." "Ich glaube, sie haben eine defekte Festplatte in ihrem Datenbankserver." "Wirklich? Wie kommen sie darauf?" "Nun, meine Datenbank-Updates funktionieren nur sehr langsam." "Welche Updates?" "Ich versuche, die mittleren Initialen aller Angestellten und Geschäftspartner seit 1991 durch grosse Buchstaben zu ersetzen." "Wie ... sinnvoll. Und sie erwarten, dass diese ganze Arbeit in wenigen Augenblicken erledigt ist?" "Handelt es sich etwa nicht um ein Festplattenproblem?" "Nein, wir würden es schon vorher wissen, denn die Festplatten sind mit einem Warnsystem ausgestattet, das einen Ausfall ankündigt." "Wirklich?" "Ja, und ich sage voraus, dass sie in drei Sekunden ausfallen." "Wieso?" "Weil ich die Server dann abschalte." Ich höre einen ganzen Sturm von Tastenanschlägen, aber sie kommen zu spät, um noch etwas zu bewirken ... Ein paar Rüttler an den Kabeln und einen lauten Klick später beginnt ein rasch improvisierter Neustart der Festplatten, dem eine automatische 'Reparatur' folgen wird. Der PJ, dem seine Ausbildung wichtig ist, beobachtet aufmerksam alles und macht sich Notizen. "Keine Zeugen", erinnere ich ihn, als wir zum nächsten Gerät gehen. Gerade rechtzeitig sehe ich noch, wie der Chef um die Ecke biegt und zu uns kommen will. Noch ein >Klick< und der Beweis für unser Handeln verschwindet. "Was ist passiert?" fragt der Chef aufgeregt. "Wann?" frage ich überrascht und ahnungslos zurück. "Gerade eben - meine Datenbank-Sitzung blieb einfach stehen!" Der PJ und ich stellen uns dumm, solange der Chef die Nachrichten auf den Kontrollmonitoren nach Spuren der Bastardisierung untersucht. Natürlich findet er nichts, so dass er nach ein paar Minuten wieder verschwindet. Als ich sicher bin, dass er nicht so schnell zurückkommen wird, schliesse ich die Konsolen wieder an den Datenbankserver an und beobachte die Meldungen, die das Festplattenreparaturprogramm auf den Monitor zaubert. Der Chef ist so berechenbar, dass er in ein Laufrad gehört. Das Telefon im Computerraum klingelt wieder. Der PJ greift danach. Ich schüttle meinen Kopf und forme mit den Lippen das Wort "Ausbildung". Ich greife nach dem Hörer. "Hilfe, meine Tabellen spielen verrückt!" heult der Nutzer. "Beschreiben sie das näher", fordere ich ihn auf. "Nun, dort, wo der Eintrag aus der Datenbank kommen soll, funktionieren sie einfach nicht!" "Hmm. Das klingt ganz nach einem Prä-Revisions SQL-Befehl in ihrer Tabelle." >>DUMMY MODE EIN<< "Hä?" "Also, öffnen sie ihre Tabellenkalkulation. Irgendwo im Menü gibt es einen Eintrag zur Ausführung von SQL-Anweisungen." "Ah ... Oh, ja, hier ist er!" "Gut. Jetzt klicken sie auf den Eintrag. Dann sollte ein Fenster aufgehen, in dem 'SELECT irgendetwas FROM irgendwo WHERE irgendetwas anderes' steht." "Ja, das steht da." "Jetzt löschen sie alles bis auf das, was zwischen FROM und WHERE steht." "Gut, jetzt steht nur noch HR_IDX, ein Komma, HR_SAL_SCALE, wieder ein Komma und HR_NAME da." "Richtig, das sind die fehlerhaften SQL-Anweisungen, die sie loswerden wollen. Also schreiben sie jetzt vor jeden Eintrag 'DROP' und ersetzen sie die Kommas jeweils durch ein Semikolon. Dann lassen sie jedes DROP auf einer neuen Zeile stehen. Nun müssen sie noch die 'Automatisch ausführen'-Option aktivieren und sich mit dem Login und dem Passwort des Chefs anmelden, um die SQL-Fehler zu beseitigen." "Aber ich kenne das Passwort doch nicht!" "Natürlich kennen sie es. Es ist der Name seiner Frau, oder?" "Ihr zweiter Vorname. Aber er hat gesagt, wir sollten es nicht nutzen, weil er speziellen Rechte hat, um ..." "Um fehlerhaftes SQL zu berichtigen, was sie tun wollen ..." "Oh ... >Klick. Klick. Klick.< ... Das ist lustig. Meine Tabelle ist nun völlig leer!" "Das ist korrekt so, weil die Reparaturen einige Zeit dauern werden. Und vergessen sie nicht, ihren Chef über die 'Reparatur', die sie gemacht haben, zu informieren." "Mache ich. Vielen Dank!" "Schon gut. War mir ein Vergnügen. Wirklich." Kaum habe ich aufgelegt, klingelt das Telefon schon wieder. "Computerraum ..." seufze ich. "Hallo, wir haben ein Problem mit der Angestellten-Datenbank. Es sieht aus, als sei die Hälfte der Einträge verschwunden!" "Ja", murmle ich. "Wir arbeiten zur Zeit daran." "Oh. Gut, und läuft es jetzt?" "Natürlich. Und schon bald können sie sie wieder nutzen ..." "Grossartig!" "... wenn sie darauf zugreifen können. Die Gebühren für eine Anfrage betragen heute fünf Pfund." "Was?!" "Pro Anfrage!" "Sie machen Witze!" "Pro Minute." "Das können sie nicht tun!" "Da haben sie Recht. Ich kann das nicht tun - ich habe nämlich Mittagspause, aber vielleicht kann ihnen mein Assistent helfen." Ich gebe den Telefonhörer dem PJ und marschiere in die Cafeteria, um zu prüfen, wie der Kaffee heute schmeckt. "Zehn Pfund", höre ich den PJ fordern. "Was?" "Pro Anfrage und pro Minute." Fünfzehn Minuten später gesellt er sich zu mir, um mir in der Cafeteria die wilde Horde von Nutzern zu beschreiben, die darauf lauert, die Systembetreuer in ihre Hände zu bekommen. Man kann für diese Genugtuung nicht bezahlen. Es sei denn, man ist ein Nutzer ... [[Der B.O.F.H. verbringt einen Tag als Hotliner ...]] "Also, ich denke, es wäre gut für die Zusammenarbeit der Abteilungen untereinander, wenn wir alle für einen Tag einmal in einer anderen Abteilung arbeiten", erklärt der Chef, um seinen 'Job-Sharing'-Plan zu verteidigen, mit dem er uns ungefähr alle sechs Monate nervt. "Der Geschäftsführer war begeistert von meiner Initiative!" "Sicher wissen sie, dass dann unser Netzwerk ohne Aufsicht ist, oder?" "Genau deshalb werden sie an der Hotline arbeiten", antwortet der Chef lächelnd. "Sie werden dann als Erster erfahren, ob es Probleme gibt ..." Alle Argumente, die ich vorbringe, werden doppelt so schnell vom Chef zurückgewiesen, was bedeutet, dass ein Tag in der Höllen-Hotline unvermeidlich ist. Der PJ, gesegnet sei er, riecht den Braten. "Was ist passiert?" fragte er. "Der Chef kann einfache Fragen nicht beantworten, selbst wenn er die Nacht zuvor mit dem Studium von Fachliteratur zugebracht hat, aber heute hat er plötzlich Antworten auf alle Probleme! Und sie haben nicht einmal gekämpft. Es scheint beinahe so, als hätten sie es darauf angelegt, einen Tag lang die Fragen dummer Softwarenutzer zu beantworten! Was ist los!?!?" Leider ist es notwendig, dass ich jemanden in meinen Plan einweihe. Und sei es auch nur, um zu beweisen, dass ich noch immer die volle Kontrolle habe. "Schauen sie sich mal in der Abteilung um", sage ich. "Betrachten sie die Ausrüstung! Wo steht stets die neueste Technik?" "Nun, in der Hotline - die brauchen immer das Neueste und Beste, um die Software der Anrufer auf ihren Maschinen zu testen. Aber ich verstehe nicht ..." "Wieviel RAM-Speicher hat ihr PC?" will ich wissen. "16 Megabyte." "LÄCHERLICH!" rufe ich. "Warum? Nun, jeder PC in der Hotline hat mindestens 32, einige haben sogar 64!" "SIE HABEN VOR, IHNEN HARDWARE ZU STEHLEN!" antwortet der geschockte PJ. "Aber wir ... wir teilen uns doch alles, oder?" "Ja, mein Freund!" rufe ich und fülle meine 'Brotbüchse' mit Werkzeug. Am nächsten Morgen bin ich schon vor Arbeitsbeginn (!) vor Ort, um meinen neuen Posten einzunehmen. Das Telefon klingelt schon fünf Minuten vor der offiziellen Bürozeit. Aber ich bin so gut gelaunt, dass ich mich melde. "Hallo, ist dort die Hotline?" fragt eine nervöse Stimme. "Aber natürlich", antworte ich hilfsbereit. "Auf der Platte meines Bildbearbeitungsrechners ist kaum mehr Speicherplatz frei. Jemand hat mir empfohlen, dass ich alle nicht genutzten Dateien mit einem 'Komprimierprogramm' zusammpacken soll. Aber welches Programm soll ich dazu denn benutzen?" "Sie haben einen Macintosh, stimmt's?" frage ich. "Ja, den Grafik-Server der Abteilung", antwortet er. "Genau. Nun, sie können den Standard-Komprimierer benutzen, der auf dem Desktop installiert ist. Ich glaube, er heisst 'Papierkorb'." "Aber kann man damit nicht Dateien löschen?" "Nein, dafür ist die 'ENTFERNEN'-Taste da. Aber sie haben keine auf ihrem Computer, also sind sie völlig sicher. Ziehen sie die Dateien einfach auf den 'Papierkorb'-Ordner und wählen sie dann 'Papierkorb leeren', damit der Komprimierer die Dateien komprimiert." "Wirklich?" "Ja. Das ist übrigens eine sehr effiziente Methode zum Komprimieren. Sie werden überrascht sein, wieviel freien Platz sie durch die Arbeit des Komprimierers gewinnen." Ich lasse den armen Idioten seine gesamte Arbeit für die Abteilung 'komprimieren' und widme mich wieder meiner eigentlichen Beschäftigung. Ich entferne alle Coprozessoren und überflüssige RAM-Bausteine, nachdem ich im BIOS die nötigen Änderungen vorgenommen habe, damit die BIOS-Routinen die fehlende Hardware nicht bemerken. Ein Kinderspiel, wirklich. Um eine Entdeckung sicher zu verhindern, schalte ich noch überall wo es geht den virtuellen Speicher ein. In der Zwischenzeit ist der PJ damit beschäftigt, unsere Nummern aus dem Telefonverzeichnis der Hotline zu entfernen. Danach schliesst er die Batterien und die Speicherchips der Telefone kurz, was zwangsläufig und irgendwie zufriedenstellend die noch gespeicherten Nummern löscht. Das Telefon klingelt, und da die Maschine des PJ noch immer mit heraushängenden Innereien dasteht, nehme ich den Anruf an. "Hallo, Hotline?" fragt der Anrufer. "Ja, was kann ich für sie tun?" frage ich noch immer bestens gelaunt, denn die Menge der verkäuflichen Hardware in meiner 'Brotbüchse' nimmt schnell zu. "Ich habe meine Software aktualisiert, und nun spielt das CD-ROM-Laufwerk keine Musik-CDs mehr." heult der Anrufer. "Nun, das liegt vermutlich nur an Staubablagerungen auf der CD-ROM-Linse", antworte ich. Ich weiss natürlich, dass diese Problem auf der ersten Seite des Handbuches beschrieben wird, doch wer liest heute noch Handbücher? "Was kann ich nur tun?" "Nun, sie haben doch sicher von ihrem CD-ROM-Hersteller eine speziell für diesen Laufwerkstyp vorgesehene Reinigungs-CD?" frage ich. "Äh ... nein", kommt die Antwort. >>DUMMY MODE EIN<< "In Ordnung, bleiben sie ganz ruhig. Dann müssen wir eben mit einer leichtbeschichteten Schleifscheibe improvisieren." "Grossartig!" freut sich der Anrufer. "Wie?" "Nun, leihen sie sich am besten gleich morgen beim Hausmeister ein Blatt feinbeschichtetes Schleifpapier. Dann nehmen sie sich eine ihrer CDs als Schablone und schneiden eine Schleifpapierscheibe mit der Grösse der CD aus. Dann legen sie diese Scheibe in ihr Laufwerk und starten es." "Aber wie kann ich merken, dass alles fertig ist?" "Nun, sie werden hören, wie das Laufwerk hochfährt. Dann hört es langsam wieder auf zu rotieren. Wenn das Laufwerk keine Geräusche mehr von sich gibt, ist die Reinigung abgeschlossen." "Vielen Dank!" freut sich der Anrufer, dann legt er auf. ... Der PJ und ich sind beinahe traurig, als wir am Ende des Tages die Hotline verlassen. Irgendwie ist ihr Potential doch sehr vielversprechend. Ich erlaube mir ein düsteres Lächeln, als ich ein Streichholz im Schlüsselloch der abgeschlossenen Tür zur Hotline plaziere. Da müssen sie morgen wohl etwas später beginnen ... [[Der B.O.F.H. und der PJ breiten ihr Netzwerk der Verdammnis über das ganze Land aus ...]] Der PJ und ich sind in Feierstimmung. Die Chefetage hat schliesslich dem Plan zugestimmt, Zugangsprovider für das Internet in allen Städten zu werden, in denen wir Aussenstellen haben, um unsere Betriebskosten ein wenig zu senken. Freilich ist das ein langfristiger Plan, denn für die nächsten Wochen bedeutet es, dass der PJ und ich unzählige Überstunden in Büros in fremden Städten damit zubringen werden, mit unseren Systemen zu kämpfen, um sie idiotensicher einzurichten. Der Ursprung für die Idee der Erweiterung unseres Angebotes liegt etwas länger zurück. Damals hat der Geschäftsführer all die schöne Videokonferenzsoftware, die es für das Internet gibt, gesehen. Und nach den diversen Fehlschlägen und Reinfällen des letzten Jahres bei der Realisierung seines eigenen Videokonferenzsystems schöpfte er neue Hoffnung. Seine Augen glänzen, wenn er daran denkt, gleichzeitig in allen Aussenstellen auf den Monitoren zu erscheinen. Ich glaube nicht, dass es angebracht wäre, ihn daran zu erinnern, dass die Software-Clients natürlich über eine eigene Bediensoftware verfügen ... Als ich seine Unterschrift hatte, setzte ich sofort alle Räder in Bewegung und kündigte den Vertrag mit unserem Internet Service Provider - ein Unternehmen, das noch immer nicht weiss, auf welcher Seite es die Datenautobahn befahren soll und annimmt, dass das World Wide Web etwas mit Spinnen und Delphinen zu tun hat. Natürlich haben sie uns trotzdem dafür bezahlen lassen, dass sie den Hohlraum in ihren Köpfen als Wissen bezeichneten. Aber als wir anriefen, um ihnen mitzuteilen, dass IHR Router WIEDER abgestürzt war, wussten wir, dass das Ende nah ist. Der PJ macht sich mit tapferer Miene auf, um eine Woche in einer unserer Aussenstellen in Schottland zu verbringen. Da das Appartement, das der Firma gehört, für einen Mr. Babbage reserviert wurde, der übrigens vor einer Woche auch das walisische Firmenappartement reserviert aber nicht besucht hatte, muss der PJ in einem Luxushotel übernachten. Dieser Mr. Babbage ist auch dafür verantwortlich, dass ich die vergangene Woche im Hotel untergebracht war. Viel von meinem Zimmer habe ich wegen der reichlich vorhandenen Arbeit allerdings nicht gesehen - durch ein zufälliges Zusammentreffen glücklicher Umstände fiel meine Arbeitszeit mit den Öffnungszeiten der Hotelbar zusammen. Das war wirklich reiner Zufall, musste ich auch dem Chef erklären, als er mich zwei Tage später über die astronomische Bar-Rechnung befragte. Völlig ehrlich kann ich sagen, dass ich WIRKLICH keine Erinnerung daran mehr habe, diese Bar jemals betreten zu haben. Wie auch immer, um dem Chef zu demonstrieren, dass unsere Bemühungen erfolgreich sind, erkläre ich ihm, dass eine Firma von der anderen Strassenseite (und nur einen kurzen Weg durch die städtischen Abwasserleitungen entfernt) sich dafür interessiert, durch uns an das Internet angebunden zu werden. Ich rechne ihm die zusätzlichen Profite vor, die wir dadurch erzielen können. Aufmerksam betrachtet der Chef das dicke Kabel, das in ihrem Router verschwindet, und die vier USV-Segmente mit Kabeln, die aussehen wie Netzkabel. Zurück in unserem Haus bemerkt er die Enden der UTP-Kabel (Unshielded Twisted Pair, schlagt es nach.) und dass sie an einen unserer Netzknoten angeschlossen sind. Er begreift sofort, dass die Anschaffung von drei 2,4 Kilowatt-Stromanschlüssen eine Investition in die Stromrechnungen der Zukunft ist. Dass die andere Firma auch für unseren Service zahlt, lässt ihn lächeln - ein irgendwie erschreckender Gedanke. Er ist natürlich nicht der einzige, der etwas bemerkt. "Diese Internet-Geschichte verbraucht eine Menge Strom", stellt der Netzwerk-Experte ('ex' steht dabei für 'ehemalig') unseres Kunden fest. "Die Stromrechnung unseres Netzwerkes ist geradezu explosionsartig gestiegen!" "Nun, das ist doch logisch", antworte ich. "Ich meine, sie müssen sich einmal vorstellen, dass sie nun ihre Daten über die gesamte Welt verbreiten können und nicht nur in EIN anderes Büro. Und dann stellen sie sich noch vor, wie hoch ihre Rechnung wäre, wenn sie nicht durch uns mit dem Netz verbunden wären!" "Oh!" murmelt er. "Von dieser Seite habe die Sache noch nicht betrachtet." "Und denken sie an die Geschwindigkeit, mit der sie die Daten nun bekommen oder senden. Wie schnell ist ihr normaler Provider?" "Oh", nuschelt er. "14.4 oder 28.8. Viel zu langsam für die Arbeit. Obwohl wir manchmal auch Pausen machen." "Eben. Wir können ihren Anschluss ebenfalls schneller machen", sage ich. "Aber das würde bedeuten, dass wir noch ein paar Kabel verlegen müssten, was natürlich den Stromverbrauch erhöht. Dann könnten wir noch einen redundanten Server bei uns aufstellen. Aber die Stromrechnung müssen freilich sie bezahlen." "Nun, die Chefs wollen Redundanz zur Datensicherheit, wenn wir unsere eigene Homepage fertigstellen ..." Ich hasse mich. Wirklich. Das ist, als würde man auf einen Fisch in einer Sardinenbüchse schiessen. Mit einem Gewehr für die Elefantenjagd. Um meine aktuellen Erfolge zu feiern, rufe ich die andere schottische Aussenstelle an, um die Vorbereitungen für die nächste Woche zu treffen. "Hallo? Ich möchte das Firmenappartement reservieren ... Babbage mein Name. Aus London. Ich habe schon gebucht? Ausgezeichnet." Der PJ ist verdammt gut. [[Reisen, Flugzeuge und ein Laptop - der B.O.F.H. bringt einen abgehobenen Anorak sicher zur Erde ...]] Es ist wieder Messezeit. Und das bedeutet, dass ich eine Woche an der Ostküste der USA zubringe, um die letzten Neuigkeiten aus der Welt wackelnder Kabel zu sehen. Natürlich lese ich manchmal Produktvorstellungen in der Computer-Presse, doch es ist noch immer besser, einen ATM-Switch leibhaftig zu sehen, als nur seine Abbildung. Eigentlich ist es viel wichtiger, eine Hotelbar von innen zu sehen, als einen echten ATM-Switch; man muss schliesslich wissen, wo man die Prioritäten zu setzen hat. Und wenn ich Lust darauf habe, blinkende Lichter zu sehen, kann ich mich auch in unseren Vermittlungsraum setzen, statt durch eine schweisstreibende Ausstellungshalle zu pilgern. Der Flug über den Atlantik ist grossartig. Die Sitze sind hervorragend, der Lachs war allerdings ein wenig zu kalt. Natürlich reden wir über die erste Klasse - mein 'Drehe-dich-nach-links-und-blicke-auf-die-Toilette-Economy'-Sitz wurde mysteriöserweise mit dem einer Mrs. E. Windsor vertauscht ... nun, das ist natürlich auch ein ziemlich protziger Name. Ich schätze, dass jetzt jemand, der wichtig ist, hinten sitzt, denn einige unauffällig-auffällig aussehende Männer in schwarzen Anzügen diskutieren mit den Stewardessen über Sitze, Reservierungen und solches Zeug; ich muss mich bei der Fluggesellschaft über die schlechte Schalldämmung in der ersten Klasse beschweren - es ist wirklich recht laut. "Entschuldigen sie, welchen Prozessor haben sie?" Mein durch Brandy beförderter Fünf-Sterne-Traumzustand wird jäh unterbrochen. "Entschuldigung?" "Welchen Prozessor haben sie in ihrem Laptop? Ich habe einen 133 Megahertz-Pentium." Grossartig! Noch schlimmer als ein Schwätzer im Bus, den man spätestens an der übernächsten Station rauswerfen kann, ist ein Computer-Langweiler als Sitznachbar im Flugzeug. "Das ist eine SPARC Ultra mit 437 Megabyte." Nur eine kleine Übertreibung - ich fange lieber freundlich an. "Wirklich? Ich wusste nicht, dass Windows auf SPARC läuft." "Tut es auch nicht." "Welches Betriebssystem nutzen sie denn?" "Solaris 2.7." "Wow! Sie müssen ein echter Profi sein." "Ja. Etwas in der Art." Und genau das macht dich zum Verlierer. "Sie haben Windows 95?" "Ja." "Nun, sie müssen ein wirklich armes Schwein sein." Er lächelt unsicher, versucht, sich zu beweisen, dass ich nur scherze. Es wird Zeit, dieses Missverständnis aufzuklären. "Wissen sie, dass sie dieses Modell durch einen einfachen Hardware-Trick beschleunigen können?" "Nein! Wirklich? Wie geht das?" "Naja, eigentlich sollte ich das nicht sagen, denn es ist ein kleines Risiko dabei - es könnte gegen die Garantiebestimmungen verstossen." "Das ist in Ordnung. Ich würde es gern ausprobieren, solange es einigermassen sicher funktioniert. Was muss ich tun?" "Gut. Haben sie eine Büroklammer? Natürlich reicht auch ein kurzes Kabelstück." "Ja, hier habe ich eine Klammer. Und was muss ich nun tun?" "Nun, sie können den SCSI-Bus beschleunigen, indem sie die anliegende Spannung etwas erhöhen. Drehen sie den Laptop um, so dass sie die Rückseite sehen, und verbinden sie einfach diesen Pin des SCSI-Busses mit dem Kopfhörer-Anschluss." Er fingert ein wenig herum und schafft es tatsächlich, die Büroklammer richtig zu plazieren. Kein blauer Dunst ... noch nicht. "Und jetzt?" "Jetzt haben sie einen Rechner, den sie bei Bedarf beschleunigen können. Sie müssen das nicht ständig tun, denn das würde unnötig Strom aus den Akkus fressen. Beschleunigen sie den Rechner nur dann, wenn sie es wirklich brauchen." "Wie kann ich ihn denn nun beschleunigen, wenn ich dies brauche?" "Spielen sie einfach eine Musik-CD im CD-Laufwerk. Dann wird bekanntlich ein kleiner Strom in den Kopfhörerstecker gesendet, durch den dann auch der SCSI-Bus beschleunigt wird. Aber drehen sie die Lautstärke nicht zu hoch, denn es könnte etwas zerstört werden; 'Dark Side of the Moon' von Pink Floyd dürfte ausreichen; aber achten sie auf die Wecker." "Hmmm ... Ich habe keine Musik-CD dabei. Kann ich stattdessen das Mikrophon benutzen?" "Natürlich - schalten sie es einfach auf 'Wiedergabe' und sprechen sie hinein, wenn sie mehr Geschwindigkeit brauchen. Aber seien sie vorsichtig! Schreien sie nicht zu laut." Fünfzehn Minuten vergehen, und ich beginne meinen letzten Ratschlag zu bereuen. Mein Freund hat herausgefunden, dass der einfachste Weg, um Geräusche zu erzeugen, darin besteht, in das Mikrophon zu pfeifen. Und es sieht so aus, als sei sein Laptop gegen Spannungen widerstandsfähiger, als die, die ich kenne. Aber zum Glück naht Hilfe in Gestalt eines erregten Gentlemans, der ziemlich zornig zu sein scheint. "HÖREN SIE ENDLICH MIT DIESEM VERDAMMTEN PFEIFEN AUF!" schreit er. Prompt tut auch die Büroklammer das, wofür sie vorgesehen ist ... Es ist interessant, wie fein die Rauchmelder bei Boeing eingestellt sind - der Feueralarm geht etwas entfernt von uns los. "Ich schätze, das gibt eine Geldstrafe von 1000 Pfund", lächle ich süss, als die Stewardess kommt, um die Streithähne, die handgreiflich werden, voneinander zu trennen. Bald sind die Beteiligten an dem Streit fest an ihre Sitze geschnallt - jeder unter der Aufsicht eines finster blickenden Stewards. Es herrscht endlich wieder wunderbare Ruhe. "Entschuldigen sie bitte die Störung, Sir. Kann ich ihnen noch einen Brandy bringen?" [[Aus Angst vor einem Abteilungsausflug zur Besserung des Teamgeistes erinnert sich der B.O.F.H. an seine eigene Definition von Teamarbeit ...]] Ich teste gerade meine neue Infrarot-Fernsteuerungs-Hardware, als der PJ hereinkommt. "Wer ist das?" fragt er und deutet auf ein Individuum im Anzug, das im Nachbarbüro zu sehen ist. Das Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor. Dann fällt der Groschen ... "Irgendwer aus der Personalabteilung", antworte ich. "Einer von diesen immer freundlichen Typen, die sich um den Teamgeist und die Zufriedenstellung der Kunden kümmern, wenn ich mich richtig erinnere." "Unsere Kunden wissen doch sowieso, was sie erwartet!" "Ja. Genau das könnte das Problem sein ..." "Der Chef ist ein wenig zu freundlich", beobachtet der PJ, als der Chef Mr. Freundlich begrüsst. "Ja. Und angesichts seines Kriechfaktors würde ich sagen, dass da irgendwas von oben kommt ..." Zwei Stunden später kommt der PJ hereingerannt. "Es gibt etwas, das sie wissen sollten", sagt er. "Was? Sie haben doch nicht etwa den Chef belauscht!?" "Nein, ich habe nur ein ungenutztes Netzwerkkabel getestet. Das Testgerät hat freilich hervorragende aurale Fähigkeiten." "Wie ein Mikrophon?" "Ummm ...." "In Ordnung, worum geht es?" unterbreche ich ihn. "Sie planen einen Abteilungsausflug!" platzt er heraus. "Einen verdammten was?!" rufe ich und verliere für einen Moment meine Gelassenheit. "Einen Abteilungsausflug. Ganz so schlimm ist das doch nicht, oder?" will er wissen. "Sie scherzen! Ein Wochenende in der Teamgeist-Hölle zusammen mit Leuten, die glauben, ein Benchmark kommt davon, dass man die Untertasse beim Kaffe vergisst?" "Uuuuhh ..." "Sie haben Verteter unserer Kunden dabei, die Tag und Nacht mit dummen Fragen nerven, zum Beispiel: 'Wie erfüllen sie ihre Fehlerbeseitigungs-Politik?'" "Wie erfüllen wir sie?" "Tun wir nicht. Die plötzliche Selbstentzündung von Ausstattung ist ein bewiesenes und dokumentiertes Phänomen." "Was werden wir tun?" "Nicht gehen. Es sei denn, sie haben Interesse an Massnahmen, die 'Vertrauen' bilden sollen, indem sie sich rückwärts in die Arme von Leuten fallen lassen, die Schwierigkeiten haben, sich ohne schriftliche Anleitung zu erkälten." "Anscheinend ist die Teilnahme Pflicht - zumindest hängen die Bonus-Zahlungen von der Teilnahme ab." "Diese betrügerischen Hunde!" "Was werden wir machen?" fragt der PJ. "Nun, beginnen wir mit dem Anfang - wann soll das Ganze denn stattfinden?" "Sonnabend in drei Wochen." Wir stecken unsere Köpfe zusammen, um einen Schlachtplan auszutüfteln, der so fies ist, dass selbst Rommel die Tränen kommen würden. Am nächsten Tag sind wir dann die ersten, die voller Begeisterung ihre Teilnahme melden. Den Chef scheint das so aufzuregen, dass er vor Freude gleich eine neue Packung Magentabletten aufreisst. Der PJ sorgt dafür, dass die Faxe abgefangen werden. Er bestellt statt der geplanten 45 Einzelzimmer nur 10, ersetzt das geplante Menü durch Alkohol und bestellt anstelle einer Jazzband für die Abendunterhaltung eine bekannte Cabaret-Truppe aus Soho ... Ich leihe mir die Kreditkarte von Mr. Freundlich - unvorsichtigerweise hat er sie im Besucherraum eingeschlossen - überschreibe den Magnetstreifen mit neuen Informationen: "Gestohlene Karte - Verhaften" und kurbele dann die Gerüchteküche etwas an, indem ich leere Hustensaftflaschen (Natürlich mit viel Alkohol!) in seinem Abfalleimer plaziere. Dann tausche ich das Netzteil seines Laptops gegen eines, dass nicht funktioniert. Am nächten Tag beginnt unser Angriff ... "Irgendetwas scheint mit dem Netzteil nicht zu stimmen", sagt Mr. Freundlich zu mir und macht dabei keinen besonders fröhlichen Eindruck. Offensichtlich hat es seiner Stimmung nicht gutgetan, für eine Stunde von einem stämmigen Mechaniker eingesperrt zu werden, um auf die Überprüfung der Kreditkartendaten zu warten. Der PJ gibt ihm ein anderes Netzteil. Einen lauten Knall später kommt Mr. Freundlich wieder zu uns und riecht ein wenig nach Rauch. "Oh, mein Lieber!" rufe ich. "Der PJ hat ihnen doch nicht etwa einen Spannungsverstärker gegeben! Wissen sie, ich gebe ihnen unseren Notfall-386er bis wir ihren Laptop repariert haben. Vier Megabyte sollten für Windows 95 eigentlich genügen." "Das mit der neuen Infrarot-Maus?!" fragt der PJ. Am nächsten Tag bekommt auch der Chef mit, was läuft, nachdem ihn die Erbsenzähler wegen Mr. Freundlichs Alkoholbestellung angerufen haben. Die Gerüchte sind mittlerweile auch bis zum Chef vorgedrungen, und als er etwas von der Cabaret-Truppe erfährt, ruft er den PJ und mich in sein Büro. "Haben sie etwas damit zu tun?" will er wissen. Der PJ und ich schütteln verneinend die Köpfe. "Wenn sie meine Meinung wissen wollen", sage ich. "Ich habe die Gerüchte gehört und denke, dass er möglicherweise seelisch zu instabil ist, um den Teamgeist zu fördern." Die Saat der Zweifels ist nun angelgt, und ich warte darauf, dass der PJ noch für ein wenig Dünger und Wasser sorgt ... "Ist das nur mein Eindruck, oder ist es hier etwas zu heiss?" stellt er die richtige Frage. "Ja, es ist wirklich etwas warm", antworte ich. Der Chef greift zu seinem neuesten Lieblingsspielzeug, der Fernbedienung für die Klimaanlage, und stellt die Temperatur etwas niedriger ein. Durch einen seltsamen Zufall führt dies dazu, dass der Rechner von Mr. Freundlich nun schon zum dritten Mal an diesem Morgen abstürzt. Schweigend beobachten wir, wie Mr. Freundlich wütend den Austausch-Laptop vom Tisch wirft und damit beginnt, seine Büroeinrichtung in ihre Einzelteile zu zerlegen. Zehn Minuten später haben die Wachmänner ihn aus dem Gebäude begleitet, und die Pläne zur Förderung des Teamgeistes sind im Papierkorb gelandet - da gehören sie auch hin. Und da behaupten manche noch, das Leben sei nicht fair. [[Der PJ will den B.O.F.H. in einem Wettkampf besiegen ...]] "Ich glaube, damit haben wir wieder 500 Pfund zum Fenster hinausgeworfen. Und das macht dann zwei Punkte für mich." freut sich der PJ und fügt zwei weitere Häkchen zu seiner Liste hinzu. Nun, vielleicht ist ein Wettbewerb darum, wer die meiste Technik innerhalb einer Woche vernichten kann, wirklich ein wenig kindisch, aber Probieren geht über Studieren und so ist dieser Wettstreit seiner etwas vernachlässigten Ausbildung vielleicht noch ganz nützlich. Wir spielen um den üblichen Einsatz - ein Bier in der Kneipe um die Ecke. "Was haben sie gemacht", frage ich und heuchle Interesse. "Ich habe einem Anrufer aus der sechsten Etage erklärt, sein Problem habe etwas mit dem Spannungsabfall in seiner Etage zu tun. Der Ausredenkalender hat mich dazu inspiriert, und ich habe die Idee etwas weiterentwickelt. Ich sagte ihm, die Spannung in seinem Büro sei deshalb zu niedrig. Und deshalb soll er ..." "Seinen PC auf 115 Volt umschalten", beende ich genervt. "Habe ich etwas falsch gemacht?" will er wissen. "Nicht direkt. Aber denken sie immer daran, dass es nicht unsere Aufgabe ist, Technik zu zerstören oder Nutzer zu erschrecken. Das ist eher ein Bonus für uns, die wir selbstlos unser Leben der Anwenderunterstützung gewidmet haben. Unsere Aufgabe ist es, den reibungslosen Betrieb unseres Netzwerkes zu garantieren." "Indem wir Netzwerknutzer ausschalten." "Zeigen sie mir eine Ethernet-Kollision und ich werde ihnen ein Netzwerk zeigen, das auch mit einem Nutzer weniger auskommt." antworte ich. "Aber sie sorgen doch ständig für solche Kollisionen!" "Und ich widme mich immer der Erweiterung der Leistungsfähigkeit unseres Netzwerks." "Und nebenbei produzieren sie eine Wagenladung Schrott." unterbricht der PJ mich. "Nicht zwangsläufig. Diese Wagenladung Schrott ist mehr eine zufällige Belohnung. Ich bevorzuge nämlich kleine tägliche Belohnungen, denn ein zufriedener Angestellter ist ein sicherer Angestellter. Und ein sicherer Angestellter ist ein guter Angestellter. So habe ich in der vergangenen Woche zum Beispiel ein Video, das zeigte, was am vorausgegangenen Freitag um 11:47 Uhr im Lift passierte, an einen der Beteiligten geschickt. Nachdem ich von ihm einen dicken Umschlag mit Geldscheinen bekommen hatte, war ich ein zufriedener Angestellter und habe einen Router in Rekordzeit konfiguriert. Hätte ich mich dagegen mit düsteren Gedanken befasst, dann wäre der Router heute noch nicht eingerichtet ..." "Und warum haben sie dieses Video dann noch in der Kantine über die Monitore, die eigentlich die Aktienkurse der Firma zeigen, geschickt?" "Ausschliesslich zum Wohle der Firma. Sie haben doch gesehen, wie vielen Leuten es gefiel. Sie waren fröhlich und glücklich. Und das hat ihre Produktivität gesteigert." "Und die drei Beteiligten?" "Nun, die waren nicht so fröhlich und haben kurz danach gekündigt. Aber das beweist nur noch einmal, dass in unserer Firma nur Platz für fröhliche und produktive Menschen ist." "Gut, aber sie liegen noch immer weit hinter mir", grinst er hämisch und deutet auf die Liste mit den Punkten. "Wie sieht es denn aus?" Er zählt fieberhaft die Punkte zusammen und antwortet dann: "Vierzig zu neun - für mich." "Also jage ich einem Vorsprung von 26 Punkten hinterher." "Nein, 31!" korrigiert er. "Ah, nein, 26", wiederhole ich und schiebe den Laptop des Chefs vom Tisch, lasse ihn auf den Boden knallen und springe noch ein wenig auf den Trümmern herum. "Das war nicht fair!" ruft er. "Das Leben ist nicht fair." antworte ich. "Aber das Rootpasswort ist sehr hilfreich." Doch all dies täuscht nicht darüber hinweg, dass ich wirklich weit zurückliege, was mir nicht gefällt. Und mir bleiben nur noch 32 Minuten - dann muss ich ein "Radler" bestellen, was der PJ normalerweise nicht trinkt, doch diesmal wird er es tun, um mich dumm vor den Leuten an der Bar und den anderen Gästen aussehen zu lassen. Völlig mit diesen Gedanken beschäftigt lasse ich einen Router abstürzen und nehme den Anruf eines Nutzers entgegen. "Hallo?" fragt eine nervöse Stimme. "Womit glauben sie ein Problem zu haben?" frage ich. "Es sind ihre Rechner. Sie stehen alle." "Ja, das wird am Spannungsverlust liegen, der durch hitzegeschädigte Sicherungen verursacht wird." >>DUMMY MODE EIN<< "Ah, ähm, wie ... Was soll ich tun?" "Nun, da rufen sie einfach die Elektriker an, die die Sicherungen in ihrer Etage kontrollieren und zurücksetzen müssen." "Aber wir haben dringende Arbeiten!" "Nun, vielleicht sollte ich das jetzt lieber nicht sagen ..." flüstere ich. "Was?" fragt er und zappelt schon am Haken. "Sie können die beschädigten Sicherungen auch selbst reparieren." "Wie?" drängt er mich und stellt sich schon den Ruhm und die neuen Aufstiegsmöglichkeiten vor, die er dadurch erlangen kann. "Gehen sie einfach zum Hauptanschluss ihrer Etage, den sie im Treppenhaus finden. Dort finden sie einen Schalter, der die gleiche Nummer trägt wie ihr Hauptanschluss. Diesen Schalter betätigen sie ungefähr zwanzigmal so schnell wie sie können." Der PJ schaut mich voller Verachtung an, doch zehn Minuten später wird offensichtlich, welche Folgen mein Ratschlag hatte; nur noch 2 Punkte hinter ihm. Bei diesem Stand bleibt es auch bis 5 Uhr, als der PJ mich zur nächsten U-Bahn-Station begleitet. "Einige Leute können es eben und andere nicht", lacht er selbstgefällig. Seine gute Laune ist durch nichts zu beeinträchtigen, doch sie hält zum Glück nur solange an, bis unser Zug einfährt und ich seinen Laptop auf die Schienen stosse. "Ups!" sage ich, als ich die korrekte Zeit wieder einstelle. "Eine Minute vor ... Ich schätze, sie schulden mir ein Bier ..." "Sie BASTARD!" sagt er, als der süsse Geschmack des Sieges sich in Wohlgefallen auflöst. "Zählen sie es zu den Kosten für die Ausbildung hinzu", sage ich. "Und ich hoffe, dass Bier für Schlappschwänze wird ihnen schmecken ..." [[Der Kampfgeist des B.O.F.H. erwacht, als die Erbsenzähler gegen die Netzwerker intrigieren ...]] Ich bin schockiert. Zutiefst gekränkt ... In einem hinterhältigen und unfairen Angriff haben die Erbsenzähler voller Niedertracht einen schwerwiegenden Diebstahl durchgeführt - unsere Espresso-Maschine wurde aus dem Inventar gestrichen und über Nacht geraubt. "Ich ... ich ..." jammert der PJ völlig aufgelöst. Da ich schon einige Zeit in der Computerbranche tätig bin, weiss ich, wie wichtig Sicherheitskopien sind, hole meinen Notfalltauchsieder und eine Packung Instantpulver hervor. "DAS ist ein Schlag unter die Gürtellinie", schnieft der PJ, als er langsam wieder zu Bewusstsein kommt. "Ich kann einfach nicht glauben, dass sie das wirklich getan haben!" "Warum denn nicht?" antworte ich. "Schliesslich befinden wir uns inmitten eines wunderschönen Krieges zwischen den Abteilungen, auch wenn der Chef immer etwas von gemeinsamen Zielen erzählt." "Aber die Espresso-Maschine!" ruft er. "Das tut wirklich weh. Was werden wir tun? Wir müssen doch etwas dagegen unternehmen!! Überall Einen Ausbau der 'RAM-Speicher' vortäuschen? Noch eine Runde Erbsenzähler-Pinball?" Ich schüttle nur den Kopf. "Nein, denn genau das erwarten sie jetzt. Und wir werden auch keine Netzverbindung unterbrechen - sie würden es als Entschuldigung für die Beauftragung eines auswärtigen Unternehmens nutzen." "Nun, was werden wir dann unternehmen?" "Für den Augenblick - nichts." "Aber ..." "... aber später werden wir sie treffen, wo es wirklich schmerzt." Nach zwei Wochen ist die Maschine noch immer verschwunden, und der PJ zeigt ernsthafte Entzugserscheinungen. Es wird Zeit zu handeln. "Richtig. Die Datenbank mit den Konten!" rufe ich. "Das geht nicht. Ich habe es gestern versucht, doch sie haben das Passwort geändert!" antwortet der PJ. Im Geiste schätze ich den Einfallsreichtum der Erbsenzähler ein, versuche ein paar mögliche Passwörter und lande mit 'PROFIT' einen Treffer. Die Datenbank verbirgt ein einfaches Rechnungssystem, das so programmiert wurde, dass selbst Kinder es verstehen könnten. Das bedeutet, es ist genau auf die Zielgruppe zugeschnitten. Ich nehme ein paar kleinere rückwirkende Änderungen vor und trenne dann die Verbindung wieder. Der PJ schlägt die Zeit damit tot, dass er einen anonymen Hinweis an die Rechnungsprüfer schickt. Der nächste Tag bricht an, und der PJ und ich sind schon frühzeitig da, um ein paar verschlafene Manager die Rolltreppe reiten zu sehen. Einen Doppelklick auf einen Button der Rolltreppensteuersoftware später führt die Rolltreppe einen prompten Nothalt aus und verstreut Buchprüfer und Rechtsverdreher in alle möglichen Richtungen. Die blutenden Nasen werden für eine unvoreingenomme Prüfung sorgen. Ein weiterer Doppelklick drei Sekunden später garantiert ein uns genehmes Ergebnis. Da sie nun aus Angst keine weitere Rolltreppe benutzen wollen, machen die Buchprüfer und Rechtsverdreher den zweiten Fehler an diesem Morgen, indem sie die Lifte ansteuern. Denn zu ihrem Unglück ist mein neuer Lift-Joystick angeschlossen und funktioniert tadellos, so dass sie ein Abenteuer erleben, das man normalerweise in Zusammenhang mit Achterbahnen bringt. Die Überreste eines Frühstücks auf der Jacke eines Prüfers lassen keinen Zweifel an der Funktionalität meines neuesten Spielzeugs zu. Die Stimmung der Buchprüfer würde der normale Betrachter der Bilder, die die Videoüberwachungsanlage liefert, nun wohl als 'aggressiv' bezeichnen. Eine Stunde später marschieren der PJ und ich in die Erbsenzählerzentrale, um 'ein paar Netzwerkprobleme zu beseitigen'. "Das ist der Bastard!" schreit ein Erbsenzähler den Prüfern zu und zeigt auf mich. "Entschuldigung?" frage ich unschuldig und demütig. "Der, der die Lifte und die Rolltreppen manipuliert hat!" "Wie bitte?! Niemand hat die Lifte und Rolltreppen angefasst, seitdem diese Abteilung vor sechs Monaten den neuen Wartungsvertrag abgelehnt hat!" "Das haben wir ganz sicher nicht getan!" ruft der Chef der Erbsenzähler aufgeregt und verlässt die relative Sicherheit seines Büros. "Also ... irgendjemand hat es getan", sagt der erste Prüfer und trennt seinen Blick von den Ausdrucken mit den Zahlungen. "Das Geld wird nun gezahlt an ... einen Clinton Ash." "C. ASH", murmle ich leise. "Hmmmm. Ach, diese Firma aus Panama! Sie waren doch gerade vor sechs Wochen in Panama, oder?!" frage ich den Erbsenzählerchef. "Haben sie den Scheck mit der Post geschickt oder persönlich überbracht?" Der Erbsenzähleranführer ist nicht dumm (zu meiner Überraschung) und schätzt die für ihn bedrohliche Situation korrekt ein. Er traut sich nicht, mich herauszufordern, denn er weiss nicht, welche Überraschungen ich noch für ihn vorbereitet habe ... "Ach so, Ash und Partner", improvisiert er schnell. "Vertragspartner für Service und Wartung." "Natürlich!" lache ich. "Und auch Installateure für Espresso-Maschinen, oder?" "... Ja!" stimmt der Chef der Erbsenzähler zu und begreift, in welche Richtung dieser Dialog geht. "Hat nicht eines ihrer Tochterunternehmen vor, heute eine in unserem Büro zu installieren?" "... Jjjjaaa, das hätte ich beinahe vergessen. Ich werde das am heutigen Nachmittag persönlich überprüfen." "Warum warten?" frage ich und reiche ihm mein Handy. "Rufen sie jetzt an. Möglicherweise haben die Leute es ja vergessen." Diesen Nachmittag verbringen der PJ und ich bei einer starken Mischung entspannt darüber nachdenkend, dass es schon ein Glücksfall ist, dass unsere alte Espresso-Maschine nun durch ein brandneues Modell mit allerlei Schikanen ersetzt wurde. "Ich habe offenbar noch einiges zu lernen", gibt der PJ nachdenklich zu. "Betrachten sie es nicht als Lernaufwand", sage ich. "sondern als Aufgabe, das Beste aus ihren Fähigkeiten zu machen ..." [[Als sein Chef Probleme mit Kabeln hat, scheut der B.O.F.H. weder Kosten noch Mühen, um die Schwierigkeiten auszuräumen ...]] Ich versuche, ein Geschäft mit Raoul, einem unserer Zulieferer für Netzwerkkabel, zu machen. Er soll uns Cat-5-Kabel liefern, doch er stellt sich stur, denn er weiss, dass er der einzige Händler ist, der dieses 100 MBit-Kabel vorrätig hat ... Was natürlich unserem Plan entspricht, der in Kraft trat, als ich den Geheimcode 'der Chef will' benutzte. Den zusätzlichen Gewinn werden wir selbstverständlich brüderlich teilen. Der Chef ahnt zwar etwas derartiges, aber beweisen konnte er es noch nie, trotzdem er befohlen hat, dass solche Telefongespräche über die Freisprechanlage geführt werden, damit er immer mithören kann. Sein zweiter dummer Einfall war die Idee, ein paar aufpolierte Büros im Alleingang zu verkabeln. "Nun, das könnte schwierig werden", sagt mein Lieferant am anderen Ende der Leitung. "Natürlich habe ich das Kabel, das sie brauchen. Ja, ich habe sogar die doppelte Menge davon - aber es ist schon bestellt und wird noch heute ausgeliefert. Haben sie es schon bei einem anderen Lieferanten probiert?" Der Mann ist aalglatt ... "Selbstverständlich, aber die haben alle kein Cat-5-Kabel mehr", antworte ich. "Sie scherzen!" keucht er recht überzeugend. "Es scheint, als hätte jemand den gesamten Kabelbestand aufgekauft - für die nächsten Tage ist alles ausverkauft. Sind sie sicher, dass sie nichts für mich tun können?" "Nein, nicht wirklich - ich habe zwar noch ungeprüftes Kabel da, das nach Cat-5 aussieht, aber darauf sind ein paar fremdländisch aussehende Militärbezeichnungen, die mit den unseren nicht übereinstimmen." "Wir nehmen es! Lassen sie es zum Mittag liefern!" ruft der Chef. "Warten sie einen Augenblick", sage ich und schalte schnell die Stimmen-Aufzeichnung des Telefons ein. "Wäre es nicht besser, zunächst herauszufinden, was diese Bezeichnungen auf dem Kabel bedeuten - es könnte sich schliesslich auch um ein simples Telefonkabel handeln." "Dafür haben wir keine Zeit. Ich habe versprochen, dass die neuen Büros in drei Tagen voll funktionstüchtig sind!" ruft der Chef und eilt nach draussen, um die Leute, die die Büros verkabeln sollen, zusammenzutrommeln. Ich schalte die Aufzeichnung wieder ab. "Was bekommen wir wirklich?" frage ich. "Ich bin mir wirklich nicht sicher. Die Kabel wurden aus einem versunkenen rumänischen Containerschiff geborgen - ich habe nur den Wert des Kupfers bezahlt." "Aber es wird Signale übertragen?" "Natürlich." "Wirklich?" "Nun, kann sein - ohne Abschirmung und ohne die sonst übliche Verflechtung der einzelnen Drähte - ich würde es mir zweimal überlegen, ob ich es für die Weihnachtsbaumbeleuchtung einsetzen könnte. Aber es ist ihre Entscheidung." "Warum haben sie gesagt, es sieht wie Cat-5 aus?" will ich wissen. "Nun, die Ummantelung sieht ganz ähnlich aus und es wird auf Kabeltrommeln geliefert." antwortet er. "Und unsere Kabel kommen sonst auch immer mit leicht versinkenden Transportmitteln?" "Ich habe nicht gesagt, dass es exakt so aussieht wie Cat-5!" "Ausgezeichnet!" lache ich. "Wir hören später voneinander." Später an diesem Nachmittag werde ich vom Chef unterbrochen, der sehr aufgeregt zu sein scheint. "Dieses verdammte Kabel ist Schrott!" schreit er. "Nun, ich habe sie davor gewarnt, es zu kaufen", bemerke ich trocken und deute auf die Diode, die bei der Stimmen-Aufzeichnung eigentlich leuchten sollte. "Das erinnert mich daran, dass ich dieses kleine Lämpchen reparieren muss." Der Chef sitzt in der Falle. Er hat kein Kabel, einen Termin und vier oder fünf Profis für das Verkablen, die jetzt sinnlos herumstehen und trotzdem kräftig dafür kassieren werden. Hinzu kommt noch, dass er gutes Geld für falsches Kabel ausgegeben hat. Als wohlwollender Mensch beschliesse ich, dem Chef zu helfen. Ich rufe Raoul an. "Raoul, was müssten wir für Cat-5-Kabel bezahlen?" frage ich. "Ich habe doch schon gesagt, dass ich kein Kab ..." "Entschuldigung, ich formuliere meine Frage etwas anders: Was müssten wir für das Kabel eines anderen bezahlen?" Die Augen des Chefs leuchten auf, als die Lösung seines Problems nahe zu sein scheint. Raoul nennt eine widerlich hohe Summe, doch der Chef nickt ohne nachzudenken. "Allerdings wurde unser Lieferwagen gestohlen", fügt Raoul plangemäss hinzu. "Sie müssen es selbst abholen." "Nein, kann ich nicht", antworte ich. "Ich habe nur einen Zweisitzer." "NEHMEN SIE MEINEN!" ruft der Chef, der seine Felle wieder davonschwimmen sieht. Eine halbe Stunde später beladen der PJ und ich den Palast auf Rädern unseres Chefs mit Kabeltrommeln. Die Rückfahrt werde ich übernehmen, denn der PJ hat mittlerweile zugegeben, dass er erst zwei Fahrstunden hatte. Ich bin sicher, dass man alle Beulen (mit Ausnahme derer, die die drei Parkuhren hinterliessen) leicht wieder ausbeulen kann. Ich verabschiede mich von Raoul und lasse ihn meine Massenbestellung von Cat-5-Kabel stornieren, die zu dieser künstlichen Knappheit in den letzten Tagen geführt hat. Als wir wieder im Büro ankommen, ist der Chef so erfreut, dass er die Überreste des Kühlers, die die drei Parkuhren übrigliessen, nicht einmal erwähnt. Er schickt die Kabelleute wieder an die Arbeit. "Richtig ...", sage ich. "... die Kabel finden sie dort drüben in dem Auto." "Dieses Zeug!" fragt einer von ihnen. "Das sieht doch wie eine rumänische Beschriftung aus?" Zehn Minuten später macht Raoul mir ein Angebot für ein paar Restbestände Cat-5, dem ich nicht widerstehen kann ... [[Wichtigste Regel beim Aufbau eines Netzwerkes: Niemals die 'Initiative' dem Chef überlassen ...]] Die Stimmung im Chef-Land ist nicht gut. Es geht wieder um die Vernetzung der neuen Büros. Bedauerlicherweise haben die Manager herausgefunden, was bei der lausig geplanten Verkabelung und deren Durchführung, die auf eine 'Initiative' des Chefs zurückging, gelaufen ist. Sie sind NICHT erfreut. Wie sie Wind von der Sache bekommen haben, überlasse ich der Fantasie des Lesers. Ich habe allerdings bemerkt, dass der PJ die Unbedingt-Erledigen-Liste abgearbeitet hat, die ich ihm in der vergangenen Nacht hingelegt hatte. Sein Sinn für Details ist wirklich erstaunlich. Die Verwendung von Kabel, das dem Standard nicht ganz entspricht, wäre allein nicht so schlimm für den Chef gewesen. Hinzu kommt aber noch seine Entscheidung für eine absolut untaugliche Weise der Verkabelung. Möglicherweise wurde seine Entscheidung durch ein freundschaftliches Gespräch, das der PJ und ich mit ihm unter Hinzuziehung von ein paar Bieren hatten, nachteilig beeinflusst. Chef: "Also, ich denke an ein mehradriges Kabel, das entlang der Büros unter dem Bodenbelag verlegt wird. An drei Punkten, die ich in jedem Raum ausgesucht habe wird es Anschlüsse geben. Dafür nehmen wir normale Steckdosen ..." Ich: "Steckdosen? Doch nicht etwa solche Dinger, wie sie in den Büros im Erdgeschoss vor ein paar Jahren verwendet wurden? Eine Erschütterung und die Stecker fallen aus der Dose und die Verbindung zum Netz ist unterbrochen." Chef: "Aber dann dachte ich, Twisted Pair, das direkt aus der Netzwerkzentrale kommt, wäre besser." PJ: "Am Boden entlang der Wand? So dass jemand, der zufällig seinen Kaffee verschüttet, gleich einen Kurzschluss verursacht ..." Chef (schnell): "Habe ich am Boden gesagt? Ich meinte natürlich in der Wand ..." Wir: "Wo es dann gleich bei den elektrischen Leitungen liegt und es zu störenden Interferenzen kommt." Chef: "Nicht, wenn es alle 6 Zoll mit der elektrischen Leitung verdrillt wird. Dann heben sich die Wirkungen der elektrischen Felder gegenseitig auf. So ist das ja auch beim Twisted Pair-Kabel." Ich bin sicher, der weitere Verlauf des Gesprächs ist damit hinreichend beschrieben - es ist, als würde man in einem Aquarium angeln. Noch immer sind die drei sinnlosen Löcher in den Wänden Anlass für interessante Gespräche in den Büros. Aber auch das hätte ich dem Chef noch durchgehen lassen, wenn er nicht versucht hätte, irgendwelches kabelloses LAN-Equipment zu installieren. Er nahm wohl an, dass infrarote Strahlung eine Form von kurzwelligem Radio ist. (Ich habe keine Ahnung, wer ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt hat, allerdings scheint es, als sei die Nase des PJ in diesen Tagen etwas gewachsen.) Jetzt hat der Chef jedenfalls herausgefunden, welche negativen Einflüsse auf seine Karriere von einem Netzwerk ausgehen, das nur dann funktioniert, wenn die Bürotüren weit geöffnet sind ... "Wir haben wirklich ein Problem", jammert er gehetzt, als er in mein Büro kommt. "Womit?" frage ich hilfsbereit. "Das verdammte Netzwerk! Es ist ein einziges Trümmerfeld!" "Nun, eigentlich will ich ja kein Salz in offene Wunden streuen, doch sie hätten daran denken sollen, dass wir, der PJ und ich, dafür bezahlt werden, Netzwerke zu planen. Sie hätten uns nur unsere Arbeit machen lassen sollen." "Und was hätten sie gemacht, das so anders wäre?" will er beleidigt wissen. "Hm ..." mischt sich der PJ ein. "Ich hätte ein paar Cat-5-Kabel entlang der Büros unter dem Bodenbelag verlegt (und nicht eine billige Imitation) und hätte an drei Punkten pro Raum für Anschlüsse gesorgt." "Aber das ist doch genau das, was ich vorgeschlagen hatte!" ruft er, als der Groschen fällt. "Nun, Taten sagen mehr als Worte", grinse ich. "Aber wo ich gerade dabei bin, eine offizielle Untersuchung scheint da auf sie zuzukommen." "Was soll ich tun", wimmert er mit einer Stimme, die an einen Nutzer während der 'Festplatten-Defragmentierungs-Zeit' erinnert. "Nun, sie könnten die Kabel austauschen", antworte ich. "Sie haben recht, das werde ich tun." "Nur ist es alle sechs Zoll mit den Elektrokabeln verdrillt. Und das bedeutet, dass die Wand teilweise aufgerissen werden muss, um ..." "Das ist nicht gut!" "Nun, dann bleibt nur noch Plan B übrig." "Was ist Plan B?" "Sie zahlen eine einmalige Prämie an die 'Bastard-Net GmbH' und stimmen hohen Überstundenabrechnungen zu. Dann wird das Problem schon morgen behoben und am nächsten Mittwoch nur noch eine Erinnerung sein." "Wie hoch soll die Prämie sein und an wen muss sie zahlen?" fragt er. "Zweihundert; jeweils für den PJ und mich." Angesichts seine Lage begreift der Chef schnell und greift nach seiner Geldtasche. Am nächsten Morgen durchsuchen die Sicherheitsleute das ganze Gebäude auf der Suche nach acht Bürotüren, die über die Nacht in der Etage mit den neuen Büros verschwunden sind. Seltsamerweise haben die Überwachungskameras nichts aufgezeichnet ... Die Zuverlässigkeit des Netzwerkes in den neuen Büros ist einzigartig - es sei denn, der Chef der PR-Abteilung (ein ziemlich kräftig gebauter Mann, der problemlos die Türen ausfüllt) kommt vorbei. Seine Beliebtheit in den Büros geht schnell zurück. Eine Woche später ist der Austausch der Kabel unter dem Bodenbelag vollendet und der PJ und ich präsentieren unsere Überstundenabrechnungen, damit der Chef sie unterzeichnet. "Das können sie doch nicht tun", ruft der Chef. "168 Stunden? Das sind 24 Überstunden in nur sieben Tagen!" "Wir haben wirklich sehr hart gearbeitet." sagt der PJ leise. "Sie können doch nicht ernsthaft erwarten, dass ich das unterschreibe", sagt der Chef, der sich wie immer viel zu schnell aufregt. "Natürlich nicht", antworte ich. "Dann werden wir das Netzwerk eben wieder in den Ursprungszustand versetzen. Oh, und ich frage mich ..." "Fragen sich was?!?" knurrt der Chef. "Wessen Fingerabdrücke wohl auf dem Stapel gestohlener Türen sind, die die Sicherheitsleute gefunden haben ..." "Wann?!" "Morgen früh ..." Eine Unterschrift später nehmen der PJ und ich uns für den Rest des Tages frei, um uns von den arbeitsreichen Überstunden zu erholen. [[Ein Eindringling im E-Mail-System veranlasst den B.O.F.H. dazu, die Gelben Seiten zu gebrauchen ...]] Ich bin gerade dabei, unsere Satellitenschüssel für das WAN (Wide Area Network) und das Verschlüsselungssystem einzurichten, als mein E-Mail-Client mir eine ankommende Nachricht meldet. Ich löse meinen Blick vom Kalibriermonitor (und dem US-Militär-Kanal, den man unglücklicherweise nicht mehr löschen kann), um die Nachricht zu lesen. Es ist seltsam, dass ich eine E-Mail bekomme, denn alle Nachrichten, die in meiner normalen Mailbox landen, werden sofort gelöscht nachdem die Absenderadresse automatisch in verschiedene Mailinglisten für Werbung eingetragen wurde. Die Nachricht scheint aus unserer Firma zu kommen, was noch verwunderlicher ist, da nur der PJ meine 'private' Adresse kennt. Aber diese E-Mail kommt nicht vom PJ, denn der ist gerade mit der Verteilung der neuen Telefonbücher beschäftigt. Meine Neugier wächst und wächst ... Die weitere Untersuchung enthüllt, dass die E-Mail von der neuen Software der Service-Abteilung kommt, die die Passwortdateien des Mail-Servers durchsucht hat, um eine Adressenliste zu generieren. Die Nachricht an sich ist belanglos - eine einfache Anfrage. Ich hasse die Software der Service-Abteilung, ich hasste sie schon immer. Der Gedanke an Software, die 'Ich befasse mich mit dem Problem, wenn ich mich mit dem Problem befasse' nicht als Terminangabe akzeptieren will, verärgert mich sehr. Wirklich sehr. So sehr, dass ich mich beim Server der Service-Abteilung anmelde. Zwanzig Minuten später bekomme ich einen Anruf aus der Service-Abteilung. "Hallo, hier ist der Service. Wir fragen uns, ob sie wissen, was mit unserem Server passiert ist?" "Keine Ahnung", antworte ich. "Wieso?" "Er ist langsamer als sonst. Die Aktualisierung unserer Daten schleicht geradezu." "Wirklich? Vielleicht ist es fehlerhaft programmierte Software, die nur begrenzt skalierbar ist", antworte ich und benutze ein paar geeignete Fachausdrücke, die prompt Wirkung zeigen. "Testen sie, ob sich das später ändert - es könnte auch sein, dass gerade ein paar interne Prüfroutinen ausgeführt werden." "Oh, natürlich! Danke." Die Anruferin legt auf, und ich erhöhe Priorität für die Festplattenprüfsoftware von 80 auf 95 Prozent der Serverleistung. Gleichzeitig stelle ich Intensität der Fehlerprüfung von 'oberflächlich' auf 'sehr intensiv'. Zum Glück habe ich eine angepasste Version der Prüfsoftware, die nicht nach den standardmässigen 15 Minuten damit aufhört, einen Abschnitt der Festplatte sehr intensiv zu überprüfen. Nun - zum Glück für irgendjemanden. In jedem Fall. "Fünf Pfund darauf, dass die Platte die Nacht nicht übersteht", sage ich zum PJ. "Kein Interesse", erklärt der PJ nachdem er meine 'Test'-Einstellungen geprüft hat und sich an die extrem hohe Ausfallrate bei den von uns 'getesteten' Festplatten für die Erbsenzählerabteilung erinnert. 87 Prozent im ersten Monat, wenn ich mich nicht irre. Und das bedauerlichste daran war, dass bei den Erbsenzählern eine inkompatible Version der Backup-Software installiert war. Natürlich taten die allnächtlichen Abtipp-Übungen von Formularen einigen von ihnen ganz gut. Selbstverständlich kommt es am nächsten Tag zu einem plötzlichen Headcrash auf dem Server der Service-Abteilung, so dass alles zum stehen kommt. Der Chef scheint sich persönlich für diesen Fall zu interessieren, doch kann er keine Anzeichen für aussergewöhnliche Aktivitäten erkennen. Ich bemerke, dass er sich persönlich um die Bänder mit den Software-Backups kümmert, statt der Software-Bibliothek zu vertrauen. Hmmm. Ich gebe dem PJ die neue Ausgabe der Gelben Seiten für den Chef. Wir grinsen uns wissend an ... Der Server der Service-Abteilung wird neu installiert und konfiguriert, die Datenbankeinträge werden neu eingespielt. Und wieder bekomme ich die gleiche E-Mail wie am Vortag, die gerade in dem Augenblick bei mir ankommt, als ich bemerke, dass eines meiner Skripte in einer Endlosschleife angekommen ist und alle fünf Minuten die Zeit um fünf Minuten zurücksetzt. Aber ich bin mir sicher, dass die Fehlerdetektoren der Software in der Service-Abteilung dies nicht bemerken werden ... Da die Sache mich interessiert, gehe ich zum Chef. "Ich dachte, ich bringe das Band mit der Software der Service-Abteilung in die Software-Bibliothek", schlage ich ihm hilfsbereit vor. Er gibt mir das Band, und es entgleitet mir unglücklicherweise. Bei meinen Bemühungen, es wieder aufzuheben, wird es von einem Stuhlbein zerquetscht. Viermal. Als ich hochschaue, sehe ich das lächelnde Gesicht des Chefs. In der Hand hält er ein Band, das unübersehbar die Aufschrift 'Backup - Service-Abteilung' trägt. "Ich bin ja nicht von gestern", freut er sich und legt das Band auf den einzigen freien Platz auf seinem Schreibtisch - auf die gerade vom PJ vorbeigebrachte neue Ausgabe der Gelben Seiten. Ein kurzes 'Hmm' später verlasse ich das Büro. Als ich wieder in meinem Büro angekommen bin, starte ich die Prüfsoftware für die Festplatten wieder mit 97-prozentiger Prozessorauslastung und - natürlich - 'sehr intensiv'. Am nächsten Tag passiert das Schreckliche erneut: Der Server der Service-Abteilung erlebt einen weiteren Headcrash seiner Festplatte. Ich eile sofort in das Büro des Chefs. "Ich könnte das Backup-Band den Technikern bringen, damit sie den Server wieder reparieren können." schlage ich vor. Der Chef lächelt und schüttelt nachdenklich den Kopf. "Oh", antworte ich. "Nun, in diesem Fall gehe ich wieder an meine Arbeit. Sie haben nicht etwa unser transportables Bandlöschgerät gesehen? Ich bin besorgt, denn es reagiert wirklich sehr empfindlich auf Erschütterungen und ähnliches. Deshalb habe ich aus einer überzähligen Ausgabe der Gelben Seiten ein Schutzgehäuse gebastelt ..." Der Chef wird blass, als sein Blick auf das Telefonbuch auf seinem Schreibtisch fällt. "Ah ... das muss es sein", sage ich und spaziere mit dem wiedergefundenen Löschgerät, das nichts anderes ist, als ein kräftiger Magnet, aus seinem Büro. Wer mit dem Feuer spielt, kann sich die Hände verbrennen ... [[Geld wechselt den Besitzer, als der B.O.F.H. sich geheime Informationen beschafft ...]] Es ist ein ruhiger Nachmittag, als mein persönliches Telefon klingelt. Ich hebe ab, höre zu und lege dann wieder auf. "Stressabbau-Sitzung", erkläre ich dem PJ, und wir verdrücken uns in den nahegelegenen Pub. Ich sehe, dass mein Anrufer schon da ist, also lasse ich den PJ die Getränke holen. "Guten Tag, George", beginne ich, als der PJ und ich an seinen Tisch kommen. "Guten Tag", antwortet George und blickt sich vorsichtig um. "Sie haben meinen Assistenten noch nicht kennengelernt." fahre ich fort. "PJ, George; George, PJ." Der PJ schaut mich mit einem Blick an, den er sonst für mental Instabile reserviert hat (wofür er später noch bezahlen wird; er sollte sich vor Schränken in acht nehmen ...). "George ist einer unserer Hausmeister", sage ich und warte darauf, dass das Gehirn des PJ auf Touren kommt. Sein Gesichtsausdruck bleibt unverändert, also muss ich seinen Gedanken auf die Sprünge helfen. "George leert die Papierkörbe der Reichen und Mächtigen ..." helfe ich ihm. Das Feuer der Erkenntnis spiegelt sich in den Augen des PJ, als er in George eine hervorragende Quelle für potentiell zerstörerische Informationen erkennt. "Hallo", sagt er und streckt die Hand aus. George bewegt sich nicht. Ich seufze. "Das ist nicht die richtige Art und Weise, um George zu begrüssen", erkläre ich. "DIES ist die richtige Art und Weise." Wir schütteln die Hände und George lässt einen neuen 20 Pfund-Schein in seiner Tasche verschwinden. "Das Videokonferenzsystem ist wieder auf dem Plan." sagt George leise. "AUSGEZEICHNET!" rufe ich. "Das klingt nach viel neuer und teurer Technik für uns." "Nicht, wenn man der Kopie einer handschriftlichen Bestellung Glauben schenkt ..." flüstert George. "ÜBUNG IM HÄNDESCHÜTTELN!" sage ich zum PJ. Er kramt in seinen Taschen und schüttelt dann die Hand von George. Ein weiterer 20 Pfund-Schein verschwindet, und ein Stück Papier fällt zu Boden. Da ich ein ordentlicher Mensch bin, hebe ich es auf und stecke es ein, um es später zu entsorgen. "Nun, wir können nicht den ganzen Tag hier herumhängen", scherze ich. "Wir haben Arbeiten zu erledigen etc." Wenige Minuten später studieren der PJ und ich eine Rechnungskopie mit vielen Nullen in der rechten unteren Ecke. Viele Nullen. Eine Rechnung, die viele Glocken des 'Netzwerk-Überwachungs-Monitors' zum Klingen gebracht hätte, wenn die Rechnung wie üblich behandelt worden wäre. "Erkennen sie das?" frage ich den PJ. "Was?" "Die Ratte." antworte ich. "Eine grosse Ratte mit einem flachen Schwanz, weil in der jüngsten Vergangenheit jemand darauf getreten ist." Der PJ schaut zum Büro des Abteilungsleiters. "Eine Ratte mit einem Gespür für unpassende Kleidung?" schlägt er vor. "Bingo!" Die weitere Untersuchung der Rechnung zeigt, dass die bestellten Geräte aktuelle Versionen der Geräte sind, die vor einigen Monaten bei einem Unfall zerstört wurden, der den Vorgänger unseres Abteilungsleiters seine Stellung gekostet hat. Sein Nachfolger hat offenbar erkannt, dass die Person, die die Anlage installiert, zum lebenslangen Freund des Geschäftsführers wird. Um keine Zeit zu verlieren, rufe ich den Lieferanten mit befehlsgewohnter Stimme an, um die Lieferadresse zu ändern. Als ich auflege, fällt mir ein, dass die Worte 'wie besprochen' oben auf der Rechnung stehen. Ich fliege zur Telefonanlage und vertausche die Nummer des Chefs mit meiner eigenen. Keinen Augenblick zu früh. Die Stimme des Lieferanten klingt wieder an meinem Ohr. "JA!" knurre ich im Chef-Modus. "Hallo, ich wollte mich nur vergewissern, dass die Änderung der Lieferadre ..." "WAS?! ICH HABE SIE DOCH GERADE ANGERUFEN!!" "Ja, aber sie haben ausdrücklich gesagt ..." "Ja, stimmt. Sie haben Recht", gebe ich zu. "Ich bin einfach nur bestrebt, die Geräte möglichst schnell hier stehen zu sehen." "Nun, wie wäre es, wenn ich ihnen unser Vorführmodell schicke, damit sie damit ein paar Tage üben können", schlägt er grosszügig vor. Einen Tag später empfangen der PJ und ich ein hochmodernes Videokonferenzsystem, suchen dann im Internet die benötigte Software und laden nebenbei noch ein paar nützliche Bilder herunter. Wieder einen Tag später können wir dank der Überwachungskameras beobachten, wie der Abteilungsleiter, unser Chef, seine 'neu gelieferten' Geräte in ein Zimmer schleppt, das ziemlich nahe beim Büro des Geschäftsführers liegt. Kaum eine Woche später hat der Geschäftsführer seine erste Sendung hinter sich, die in allen unseren Niederlassungen gleichzeitig gesehen wurde. Der PJ und ich diskutieren diese Sendung später. "Ich glaube, dass das Fass zum Überlaufen gebracht wurde, als der Kopf des Geschäftsführers auf dem Körper dieser nackten Frau erschien." schlägt der PJ vor. "Könnte sein", stimme ich zu. "Wie auch immer, ihr kleines Filmchen, wie der Kopf des Geschäftsführers sich in den eines schinkenproduzierenden Tieres verwandelte, war wirklich ein Kunstwerk." Unser Chef beteiligt sich nicht an unserer Unterhaltung. Möglicherweise liegt das daran, dass er so eifrig bemüht ist, seinen Schreibtisch auszuräumen, bevor der Sicherheitsdienst in hinausbegleiten wird. Ich habe es einmal gesagt, ich habe es tausendmal gesagt - es ist ein lustiges Spiel. [[Schon einmal den Wunsch verspürt, am Arbeitsplatz Computerspiele zu spielen? Der B.O.F.H. bemüht sich, den Spass zu vervielfachen ...]] "Hallo, ist da die Netzwerk-Abteilung?" fragt ein Nutzer. "Natürlich. Wie kann ich helfen?" antworte ich voller Hilfsbereitschaft, die immer gut für die PR ist. "Alle Dateien auf meinem Netzlaufwerk sind verschwunden!" "Verschwunden?" "Ja. Einfach verschwunden. Ich hatte einige Sicherheitskopien von Dateien, die ich für die Arbeit brauche." "Wie lautet ihr Nutzername?" frage ich. Er sagt es mir, doch das ist eigentlich belanglos, denn das Display unserer Telefonanlage zeigt ja ohnehin den Namen des Anrufers, seine Zimmernummer, seinen Nutzernamen und seine Position in der Hierarchie unserer Firma an. In diesem Fall: Name: Ronald Williams; Zimmer: 2.23; Nutzername: prsrw; Position: 'Kanonenfutter'. "Aber ja", erwidere ich. "Und ihre Arbeit besteht darin, sich mit den verschiedenen Versionen von Leisure Suit Larry, Doom und einigen anderen Spielen beschäftigen, ist es nicht so?" Ich höre eine beängstigtes Keuchen, als er seinen fatalen Fehler bemerkt - doch nun sitzt er in der Falle. "Sie waren nur zu Testzwecken da ..." "Waren sie nicht." seufze ich. "Es sei denn, sie haben eine wirklich gute und überzeugende Entschuldigung, damit sie nicht wegen Software-Piraterie bestraft werden." "Bestrafung?" "Nun, natürlich nicht, wenn sie die Original-Disketten besitzen, aber das scheint sehr unwahrscheinlich zu sein, da ihre Dateien aus gepackten Archiven bestanden ..." "Woher wollen sie das wissen? Sie waren doch verschlüsselt!" "Mit ihren Initialen als Passwort. Also wirklich, wenn sie nicht versucht hätten ..." "Ich kann nicht glauben, dass sie das getan haben ..." "Ich habe es getan. Ich habe das auch schon vorher gemacht und werde es wieder tun. Auf Wiederhören." sage ich und lege auf. Der PJ sieht verwirrt aus. "So kenne ich sie doch gar nicht. Seit wann kümmern sie sich um illegale Kopien?" fragt er. "Das ist mir doch egal. Ich brauche nur Platz, um meine eigenen Spiele zu sichern. Und ich kann nicht schon wieder den Chef übers Ohr hauen, um an eine neue Festplatte heranzukommen." Das Telefon klingelt wieder. Ich schaue nach der Nummer des Anrufers. Es ist 'Kanonenfutter'. Der PJ nimmt den Anruf schliesslich an. "Alle Dateien auf meiner Festplatte sind ebenfalls verschwunden!" meckert der Anrufer aufgeregt. "Ich wollte nur gründlich sein", flüstere ich und überlasse es dem PJ, ein wenig zu improvisieren. "Ja, das stimmt", antwortet der PJ. "Das liegt am ..." >BLÄTTERBLÄTTER< Er sucht schnell eine Antwort im Ausredenkalender. "... dynamisch-transienten magnetischen Re-Allokations-Mechanismus ihrer Festplatte. Sie sollten regelmässig Sicherheitskopien ihrer Platte machen." "Aber das mache ich doch!" platzt der Anrufer heraus. "Es ist alles gesichert, auch meine Dateien auf dem Server! Könnten sie sie bitte wiederherstellen?" "Warten sie einen Moment", antwortet der PJ. "Ich verbinde sie mit dem Systembetreuer, der ihnen hilft, ihr Problem zu lösen. Seine Nummer ist die 8002 für den Fall, dass die Verbindung nicht klappt." Er verbindet weiter und legt dann auf. "Zwei Minuten, zwei Anrufe", sagt der PJ und legt einen Fünf-Pfund-Schein auf den Tisch. "Sechs Minuten, zehn Anrufe", halte ich dagegen und lege meinen Schein auf den des PJ. Wir beobachten Kanonenfutters Aktivitäten auf dem Display der Vermittlungsanlage. Nachdem nach fünf Minuten keine Verbindung mit dem Systembetreuer zustande gekommen ist, legt er auf. Es ist allerdings nicht verwunderlich, dass der Systembetreuer den Anruf nicht entgegennehmen kann, denn die Nummer, die Kanonfutter anruft, gehört zu einem Apparat, der im Kellergeschoss hinter einer Wandverkleidung steckt. Sieben weitere Anrufversuche später stecke ich meine zehn Pfund ein. Der PJ ist nicht gerade erfreut, denn er erwartete etwas mehr Intelligenz von diesem Anrufer. Seine Naivität ist wirklich immer eine zuverlässige Quelle für Überraschungen (und ein zusätzliches Einkommen). Wir beobachten, wie unser Freund schliesslich die richtige Nummer der Systembetreuung anruft. "Nun, da löst sich ihr zusätzlicher Plattenplatz wohl in Luft auf." sagt der PJ. "Zehn Pfund, dass das nicht passiert", schlage ich vor. "Da gehe ich mit", antwortet der PJ in der Hoffnung auf den doppelten Gewinn. Ich hebe die verdreckteste Kassette mit Magnetband vom Boden auf, und wir marschieren in den Raum mit den Bandmaschinen, um auf einen Systembetreuer zu warten. Selbstverständlich müssen wir nicht lange warten, bis er kommt. Er hat ein paar Bandkassetten bei sich. Als er mich sieht, presst er sie, aus welchen Gründen auch immer, fest an sich ... "Lassen sie sich nicht stören", sage ich und halte deutlich meine Kassette hoch, von der prompt ein Stück vom Gehäuse herunterfällt. "Sie haben das Band in ihrem Laufwerk gelesen?" fragt der Systembetreuer. "Natürlich", antworte ich. "Und es funktionierte bestens - nur ein paar Lesefehler, was nicht schlimm ist für ein Band, das so alt ist." Der Systembetreuer rollt verzweifelt mit den Augen und greift nach der Kassette mit dem Reinigungsband, die auf dem Bandgerät bereitliegt. Der PJ beobachtet verstört und ahnungslos, was passiert. Seine Ahnungslosigkeit verschwindet, als das Reinigungsband in das LAufwerk eingelegt ist. "Aha ..." sagt er und lauscht aufmerksam auf das Geräusch, das aus dem Laufwerk kommt. "Sandpapier ... und ... ist es ein Gleitmittel?" Er ist gut. "In Ordnung - und - für die zehn Pfund, die sie mir schulden ..." sage ich und nicke in die Richtung des Systembetreuers, der in Panik mit dem Auswurfknopf des Bandlaufwerkes kämpft. "Hm ... nein, handelt es sich um schnellhärtendes Epoxid-Harz?" "Und der Gewinner des Tages ist ... DER PJ!" rufe ich. Wir verlassen den Computerraum und kehren zurück in unser Kontrollzentrum. "Wann haben sie ..." beginnt der PJ. "... das Reinigungsband 'perfektioniert'? Vor etwa sechs Wochen - es wird normalerweise nicht benutzt, also wusste ich, dass es das perfekte Werkzeug zur ferngesteuerten Zerstörung ist. Man kann von irgendwo aus anrufen und sagen, dass man Lesefehler hat ..." "Aber damit haben sie sich nur Zeit gekauft." "Nicht korrekt." sage ich und entferne die Aufkleber von einigen herrenlosen Bandkassetten, die ich vorhin im Papierkorb gefunden habe. "Sie Bastard!" ruft er voller Respekt. "Durch und durch, privat, im Job und immer bereit für eine Runde Netzwerk-Doom." "Legen wir los!" [[Als der B.O.F.H. mit Verschlüsselung bedroht wird, versetzt er seinem Chef den bisher grössten Schock ...]] Der PJ und ich marschieren durch die Korridore des Rechenzentrums, als unsere Schritte plötzlich durch die firmeneigene Umweltschützergruppe gestoppt werden. Wir fragen uns, warum diese Gruppe so offensichtlich gewachsen ist. Vor langer, langer Zeit wurde sie von zwei oder drei Veteranen gegründet, deren technischer Verstand gerade dazu ausreichte, ein 8 Zoll-Laufwerk zu reparieren. Heute scheint diese Gruppe zum Ruheplatz für Drückeberger geworden zu sein. Um den wahren Grund für die Existenz dieser Gruppe zu verschleiern (Flucht vor Arbeit und Verantwortung), führen ihre Mitglieder lange Gespräche über neue Entwicklungen in der Rechentechnik, wohin diese führen werden und warum, auf welche Entwicklungen man besonders achten sollte und wer davon betroffen sein wird. An sich wäre dies ja auch nicht besonders schlimm, wenn sie (a) sich nicht in den Korridoren oder in irgendeinem Büro versammeln würden, wo sie ganz sicher stören, oder (b) den Chef nicht manchmal mit dem Virus ihrer Zukunftsvisionen infizieren würden. Heute ist wieder einer dieser Tage. Verschlüsseltes TCP/IP und wie es bei uns eingeführt werden könnte - das ist das Thema ihrer aktuellen Vierstundendiskussion. Der PJ und ich bleiben stehen ... "Was macht dieser Typ?" fragt der PJ leise und deutet auf einen der Wortführer, der ganz offensichtlich von der Idee begeistert ist, einen seiner strategischen Pläne verwirklicht zu sehen, um mit seinem ausgezeichneten Fachwissen eine Stufe in der Firmenhierarchie aufsteigen zu können. "Abgesehen davon, dass er Unmengen Deodorant in die Klimaanlage versprüht?" frage ich den PJ. "Ich bin mir nicht sicher, irgendwie sehen die alle gleich aus." In der Zwischenzeit ist der Chef, der sich unter ihnen befindet, hellauf davon begeistert, dass er in einem einzigartigen Coup die Barrieren für den Zugriff auf die einzelnen Arbeitsplatzrechner verstärken und damit anscheinend die Sicherheit unseres Netzwerkes erhöhen kann. Das ist nicht gut. Zwei Stunden später marschiert der Chef mit ein paar hastig beschriebenen Notizblättern in der Hand in unser Büro. "Sagen sie mir", fragt er mich. "Warum benutzen wir eigentlich kein verschlüsseltes TCP/IP?" "Zusätzliche Last im Netzwerk", antworte ich, um zu sehen, wie gut er vorbereitet wurde. "Aber die zusätzliche Last ist doch minimal, wenn die Verschlüsselung mit persönlichen Schlüsseln von Programmen auf den Arbeitsplatzrechnern durchgeführt wird", schlägt er vor. Da hat ihn jemand offensichtlich gut präpariert, denn diese Thematik geht sonst weit über seinen Horizont hinaus. "Stimmt! Das ist mir noch gar nicht eingefallen!" rufe ich begeistert. "Nun, dann bereiten sie sich schon einmal auf die Einführung vor", antwortet er voller Enthusiasmus. "Selbstverständlich." Der PJ blickt mich mit dem gleichen beunruhigten Ausdruck an wie vorhin auf dem Gang. "Sie werden doch nicht etwa weich?" fragt er besorgt. "Dies hier wird für mich sprechen", antworte ich und deute auf einen soeben installierten PC, dessen Monitor einen Bildschirmschoner anzeigt. Förmlich betätigt der PJ die Return-Taste ... und Mikrosekunden später berührt er unsanft die Wand hinter sich. "Das ist doch gut, oder?" frage ich, als er das Bewusstsein wiedererlangt. "Das Wort 'Return' ist mit leitfähigem Material aufgedruckt worden. Wird die Taste gedrückt, dann wird eine Verbindung mit der Erdung des Rechners hergestellt, wodurch eine hohe aber weitgehend harmlose Spannung entsteht. Ach, wie war das noch mit dem Weichwerden?" Der PJ zweifelt nicht mehr und hilft mir, die Anweisung des Chefs buchstabengetreu auszuführen. Der Chef nimmt diese Nachricht mit selbstgefälligem Grinsen entgegen und verbringt den nächsten Tag damit, ein begeistertes Memo über die Sicherheit in Netzwerken anzufertigen, eine neue Ära der Sicherheit, bla bla bla bla. Er formuliert das Memo so, als hätte er höchstpersönlich und ohne fremde Hilfe nur mit seinem Feuerzeug ausgestattet die Bits und Bytes zusammengebracht, um dies alles zu ermöglichen. Um die theatralische Wirkung noch zu steigern, legt er als Termin für die Inbetriebnahme des neuen Systems den nächsten Montag fest. Der Montag ist da, und der Chef erscheint mit den Chefs der IT im Schlepptau. Mit angehaltenem Atem wartet er darauf, dass es 9 Uhr wird, damit er die Verschlüsselung einschalten kann. Das Klicken des Sekundenzeigers mischt sich mit dem Klackern der Tastatur und dem Geräusch, das der Chef verursacht, als er in einem alten Metallregal mit vielen spitzen Ecken und Kanten landet, nachdem er die Verschlüsselung aktiviert hat. Dann fangen die Anrufe an. Die Freisprechanlage erlaubt es den IT-Chefs mitzuhören. "Hallo, Netzwerkbetreuung." melde ich mich. "Hallo, hier ist die Nutzerbetreuung. Wir bekommen unzählige Anrufe von Nutzern, deren PCs nur noch TCP/IP-Fehler melden." "Ja, das liegt an der Verschlüsselung." antworte ich. "Aber wie können wir die Daten entschlüsseln?" "Das geht nicht. Ich dachte, sie wissen das. Wir sollten doch nur die Verschlüsselung einrichten." "WOLLEN SIE DAMIT SAGEN, DASS SIE GERADE EIN SYSTEM INSTALLIERT HABEN, DAS NICHT MIT ANDEREN RECHNERN KOMMUNIZIEREN KANN?" fragt der IT-Boss wütend. "Wir waren es nicht." sage ich und zeige ihm ein aktuelles Memo. "Ja, das sehe ich." sagt der Boss mit einem eiskalten Blick auf unseren Chef. Unglücklicherweise führen dessen vergebliche Versuche, die Verschlüsselung wieder abzuschalten, zu unnötigen Beschädigungen eines Regals. Doch zum Glück war der IT-Chef noch so nett, auch allen anderen Mitgliedern der Drückerberger-Gruppe, die ja diese Idee hatte, einen Versuch zu gestatten, die Verschlüsselung zu stoppen, so dass die Dinge schliesslich wieder ins Lot kamen. Status Quo wiederhergestellt - alle Systeme laufen. [[Sehr zum Missfallen des B.O.F.H. wird der PJ Opfer eines Zaubers ...]] Irgendwann musste es ja passieren. Und um ehrlich zu sein, ich wundere mich nur, warum es so lange gedauert hat. Trotz meiner zahlreichen Belehrungen, meiner anschaulichen Schilderungen der zu erwartenden Schwierigkeiten bei der kleinsten Andeutung eines solchen Handelns und trotz meiner zahlreichen Erinnerungen an die Konsequenzen eines solchen Verhaltens hat der PJ mich alleingelassen. Er hat sich verliebt. Eine der weniger erfreulichen Nebenwirkungen der ständigen Arbeit mit vernetzten Rechnern ist das Nachlassen der eigenen Vorsicht - ganz besonders dann, wenn man so viele persönliche Mitteilungen auf dem Bildschirm des Netzwerk-Monitors mitlesen kann wie wir. Und genau dies ist dem PJ passiert - er fand 'seine' Frau, die sich mit dem jüngsten Erbsenzähler im Internet Relay Chat (IRC) unterhielt. (Die beiden müssen verrückt sein, wenn sie annehmen, dass niemand ihre Unterhaltung belauschen kann.) Der PJ hat die Frau sofort davon überzeugt, dass er ein weitaus interessanterer Typ zum Kennenlernen ist als ein Erbsenzähler. Was freilich nicht besonders schwer war, wenn man davon ausgeht, dass das nächtliche Verlegen von Kabeln mehr Spass bereitet als ein Gespräch mit einem Erbsenzähler. Das Telefon klingelt. "Netzwerk-Service. Wie kann ich ihnen helfen?" singt der PJ mit diesem kranken verliebten Tonfall - sie wissen, was ich meine. "Ich habe anscheinend meine Adressenliste für die Weihnachtskarten vom Server gelöscht. Könnten sie sie möglicherweise vom Backup-Band wiederherstellen?" "Eine kleinen Moment bitte ... " >KLICK< >WHIRRRR< >CHUNKACHUNKACHUNKA< "... da ist sie wieder." "Oh, vielen, vielen Dank!" "Kein Problem." Ich überprüfe die Adressenliste - und es handelt sich tatsächlich um eine Adressenliste, keine logische Bombe oder ein fehlerhaftes Makro. Dieser Bursche ist krank. Ich werfe einen Blick auf seinen Netzwerkmonitor, um zu sehen, in welcher Etage heute ganz plötzlich das Netz ausfallen wird. Aber alles was ich sehe ist grün - also kein 'unerwarteter' Bandbreitenengpass in Sicht. Beängstigend. Mir fällt auf, dass das Hintergrundbild seiner Workstation sich geändert hat. Es zeigt nun jemanden, der blond und weiblich ist. "Ist das ..." deute ich auf das Bild. "Yep. Sieht sie nicht prächtig aus?" Ich muss zugeben, dass das Wort 'Babe' mir als erstes einfällt. Dann verspüre ich plötzlich das Verlangen, den Netzanschluss des Servers der Erbsenzähler lahmzulegen. Mir wird klar, dass es noch normal ist, wenn man das Bild einer anderen in der Geldbörse mit sich herumträgt. Doch das Verschicken von JPEGs mit E-Mails ist etwas, was nur Anoraks machen. "Habe ich ihnen schon gesagt, dass wir uns heute zum ersten Mal treffen wollen?" singt der PJ in diesem kranken Tonfall. Das klingt wie das Kratzen von Fingernägeln auf einer Wandtafel. Wirklich. "Nein", antworte ich müde. Ich habe es ein paar Tage lang geschafft, Begeisterung und Interesse zu heucheln, denn ich hoffte, ihn dadurch zur Vernunft zu bringen, doch meine Bemühungen waren offensichtlich erfolglos. "Wo werden sie sie denn treffen?" "Oh, ich weiss noch nicht - ich bin ein absoluter Anfänger auf diesem Gebiet. Aber vielleicht können sie mir einen Tip geben?" "Hmmmm ... warum versuchen sie nicht das neue Fischrestaurant in der High Street? Es ist preiswert und wird sehr geschätzt. Und natürlich können sie mit der Karte für 'geheime' Ausgaben vom Chef bezahlen." "Gute Idee. Ich schicke ihr gleich eine E-Mail." Entweder ist mein 'ehrlicher' Gesichtsausdruck noch nicht verbraucht oder er weiss es wirklich nicht besser. Ein kleines Filterprogramm auf dem Mailserver sorgt dafür, dass die Geliebte des PJ sich nun auf Curry in Highgate freut. Jetzt gilt es, die andere Hälfte meines Plans umzusetzen. Ich schicke den PJ weg, damit er für sein Schätzchen einen romantischen Blumenstrauss kaufen kann. Das wird ihn mindestens eine halbe Stunde lang beschäftigen, so dass ich die Gelegenheit nutzen kann, um eine Bekannte anzurufen. Der PJ nutzt seine Chance für eine verlängerte Mittagspause (Zum Glück, den sein verliebtes Geplapper macht mich langsam verrückt.), und so ist es nicht besonders schwer, die letzten Stunden des Tages zu überstehen, bevor er mit krankem Lächeln verschwindet. Der Morgen kommt, und ich erscheine besonders früh gegen 11 Uhr im Büro, um herauszufinden, wie der Abend meines Untergebenen verlaufen ist. "Verdammt erschreckend. Sie war gebaut wie ein kleiner Büroblock, sie hatte eine Stimme wie Arthur Mullard und sie redete den ganzen Abend über ihre neue Kirsch-Entstein-Maschine." Lustig, das klingt ganz nach Julie, der Schwester meiner Nachbarin. Aber nein, sie kann es nicht gewesen sein, denn sie hat mit Computern nichts zu schaffen. Und eigentlich dürfte sie kaum Zeit für Verabredungen haben, denn ihr Truck belädt und fährt sich ja nicht selbst. "Aber was ist mit dem Foto?" frage ich. "Das ist eine Fälschung. Zum Teufel, ich habe genug von Frauen!" >Klingel< Der PJ nimmt den Anruf an. "Netzwerk-Service." "Mein Netzlaufwerk ist voll." "So?" "Könnte ich etwas mehr Platz bekommen?" "Natürlich gebe ich ihnen mehr Platz ... " >KLIKEDIKLAK< "... schon geschehen. Sie haben fünf Megabyte freien Platz bekommen." Ich schaue neugierig auf seinen Monitor: "rm -rf *". Schon besser. [[Wo findet man einen PJ, wenn man einen braucht? Es ist eine echte Herausforderung, doch ...]] Ein trauriger Tag für die Netzwerk-Abteilung. Der PJ hat sich leider entschlossen, unsere Firma zu verlassen. Offenbar gibt es Wiesen die grüner sind und anziehender auf die Jungen und Ahnungslosen wirken. Er hat eine Stelle als Netzwerk-Betreuer eines Unternehmens aus der Öl-Branche angenommen, wo die Kollegen annehmbar sind und die Bezahlung vielversprechend ist. Mit einem Anflug von Sentimentalität in seinem Blick holt er zwei Wochen nach seiner Kündigung seine Sachen. In diesen zwei Wochen lief der Chef mit dem wohlbekannten Ausdruck ständigen Verfolgungswahns herum. Offensichtlich hat ein 'Druckfehler' im Online-Rufnummernverzeichnis die Anzahl der Fehlverbindungen zu seinem Anschluss dramatisch erhöht. Und auch die Änderung seiner Nummer konnte das Problem nicht lösen. Die Erkenntnis, dass er für eine Versetzung nach Wales nicht nur im Gespräch, sondern auch noch dafür ausgewählt wurde, führte zusätzlich noch zu einigen verzwickten und langwierigen Streitereien, die ihn für einige Tage beschäftigten. Die Vorstellungsgespräche für den Nachfolger des PJ beginnen, und es ist offensichtlich, dass das Niveau der Bewerber nicht gerade an das des echten PJ heranreicht. Ich: "Ein Nutzer beschwert sich über die Geschwindigkeit im Netzwerk. Werden sie das Problem suchen oder den Netzwerk-Port des Nutzers sperren?" Sie: "Ich such ..." Ich: "Danke, sie werden von uns hören. Nächster!" Ich: "Es ist 16:54 Uhr am Freitag und ein Nutzer ruft mit einer Frage zu TCP/IP an. Was werden sie tun?" Sie: "Die Frage beantworten?" Ich: "Verzwickte Frage. Sie beantworten niemals an einem Freitag eine Anfrage nach 15 Uhr! Selbst WENN sie noch bei der Arbeit sind! NÄCHSTER!" Ich: "Sie bemerken, dass die Firmware des Routers seit einigen Revisionen nicht mehr aktuell ist. Was tun sie: Füllen sie ein Austausch-Beantragungs-Formular aus, sorgen für die Sicherung der alten Eproms oder bestellen gleich die neue Firmware-Version?" Sie: "Die neue Version bestellen?" Ich: "Nein. Sie lassen den Router alle drei Stunden abstürzen, bis der Chef sie anfleht, die Firmware so schnell wie möglich zu aktualisieren, was zu vier Überstunden mit doppeltem Stundensatz führt! NÄCHSTER!" Nach zwei Tagen mit Vorstellungsgesprächen entscheidet der Chef sich dazu, selbst einen Bewerber auszuwählen. Erwartungsgemäss entscheidet er sich für Ronald, den schlimmsten annehmbaren Bewerber, einen mit offensichtlichen Problemen seiner Auffassungsgabe. Und natürlich werden die Nutzer ihn lieben, was immer ein deutliches Warnzeichen ist. Ich mache das beste aus der Situation bis ich einen Plan habe. "In Ordnung, Ron, ich zeige ihnen ihr ..." "Nein, Ronald, nicht Ron." "Ja." Ich mache mir in Gedanken eine Notiz, dass ich die Platten des Bodenbelags ein wenig lockern muss ... Dann bereite ich ihn auf seine neue Karriere im Netzwerk-Service vor, indem ich ihn den Staub aus den Kabelschächten entfernen lasse. Zwei Tage und einen Unfall im Kabelschacht später fängt Gerald als neuester PJ an. Ein kindischer Typ, doch immerhin ist er unfreundlich zu unseren Kunden. Trotzdem, ihm fehlt der richtige Killerinstinkt, der die Profis von den Amateuren unterscheidet. Und im fehlt auch der technische Verstand, nicht mit dem Regenmantel mit den grossen Metall-Verschlüssen auf das Dach zu steigen, um während eines Gewitters die 'Satellitenschüssel zu kalibrieren'. Ups. Aber Hautverbrennungen verheilen ja recht schnell. Gerald folgt dem Beispiel Ronalds, indem er sich in einen langen Erholungsurlaub verabschiedet, so dass ich die Festung allein verteidigen muss. Es geht hektisch zu, denn die Anzahl der Anrufe, die ich annehmen kann während ich mit dem alten PJ Netzwerk-Doom über das Internet spiele, ist begrenzt. Gleichzeitig scheint es schwierig zu werden, Bewerber für den Posten des PJ zu finden. Beinahe unmöglich, um es genau zu sagen. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass es sicherer ist, mit laufenden Motorsägen auf einem Einrad balancierend zu jonglieren, als bei uns zu arbeiten, so dass die Bewerber in Scharen einen Bogen um unser Angebot machen. Da ich arbeitsmässig überlastet bin, komme ich nicht dazu, die vielen Netzwerkfehler zu beseitigen, die uns plagen - zum Beispiel den Netzanschluss des Chefs, der sich plötzlich wie ein unterbrochener Stromkreis verhält. Zum Glück bin ich immerhin in der Lage, ihm als Interims-Lösung aus meinem Bestand ein 2400er Modem zu leihen. Bei 2400 Baud brummt sein File-Server natürlich mächtig. Ganz zu schweigen vom Netzteil des Modems, das soviel Strom frisst, dass nach dem Einschalten des Modems die Lampen in seinem Büro weniger hell leuchten. Der Chef sieht keinen anderen Ausweg mehr, als ich ihm einen Vorschlag mache. Wenn er eine ansprechende Prämie und einen entsprechenden Lohn anbietet, dann könne ich ihm einen Ersatz für den PJ beschaffen, erkläre ich ihm. Der Chef greift nach dem rettenden Strohhalm und nennt zwei akzeptable Zahlen. Ich rufe den PJ an und mache ihm ein unwiderstehliches Angebot. Dem er auch nicht widerstehen kann. Einen Tag später hat der PJ seinen Urlaub beendet und eine kräftige Lohnerhöhung in der Tasche. Was der Chef nicht weiss, kann ihn auch nicht ärgern. Vorerst. Als ich später dem PJ die Hand schüttle, dringt ein lauter Schrei zu uns. Ich LIEBE dieses Geschäft. {{1997}} [[Wie kann man den Besuch der Schnüffler von der Buchprüfung heil überstehen? Der B.O.F.H. hat ein paar Ideen ....]] Die Dinge stehen nicht gut. Die Geschäftsleitung will offenbar Blut sehen. Bis jetzt gab es zwar noch keine offiziellen Verlautbarungen, doch jeder im Haus weiss, was die Besuche der Buchprüfer zu bedeuten haben ... Die Buchprüfer gehen nicht erst zu den Chefs, was bedeutet, dass sie schon mit allen notwendigen Informationen scharfgemacht wurden. Jemand von den hohen Tieren hat sie wohl auf mich angesetzt, wenn man das Gelächter der notorischen Ja-Sager, die sich meine Kollegen nennen, richtig deutet. Oder es geht um den PJ ... Ich erinnere mich daran, dass ich alle Mitglieder der Geschäftsleitung bei der Mailingliste eines schäbigen Videoversands angemeldet habe, doch ich glaube nicht, dass ich mir dadurch diese Aufmerksamkeit 'verdient' habe. Die kleinkarierten Prüfer spielen 'Guter Bulle - böser Bulle'. Ein staatlicher Steuerprüfer wirkt verglichen mit ihnen wie Mutter Theresa. Ich habe noch eine Minute, bis sie in meinem Büro eintraffen, also melde ich mich noch schnell beim Router der Geschäftsführung an und starte einen Packet-Sniffer zur Überwachung der Daten. Dann richte ich die automatische Gesprächsaufzeichnung so ein, dass sie die Gespräche für ein paar zusätzliche Telefonanschlüsse mitschneidet. Ich bin gerade damit fertig, als sie kommen. "Das ist eine Sicherheitszone", rufe ich laut und spiele den schwerbeschäftigten Arbeiter. "Interne Buchprüfung", knurrt der böse Bulle. "Haben sie einen Ausweis?" frage ich, um Zeit zu gewinnen, bis ich die verräterischen Zeichen von meinem Monitor löschen kann. Ihre Fotos sind ziemlich unscharf, doch unter dem Vergrösserungsglas kann ich sie identifizieren. "Die scheinen in Ordnung zu sein. Wie kann ich ihnen helfen?" "Wir sind hier, um ihre Ausrüstung zu prüfen und ins Inventarverzeichnis aufzunehmen. Halten sie sich bereit bis wir mit der Prüfung fertig sind." "Wie lange wird das dauern?" frage ich. "Wenn wir fertig sind, dann sind wir fertig." sagt er böse Bulle. Ausgezeichnet. Ich schreibe ihre Namen in das Besucherbuch und lasse sie dann mit meiner Kennung durch die Tür. Sie laufen ein wenig herum, rufen sich Inventarnummern zu und machen dabei komische Geräusche. Ich vertreibe mir die Zeit damit, dass ich die neuesten Bänder der automatische Gesprächsaufzeichnung anhöre. Es dauert nur ein paar Minuten, um dem Sekretärinnengeschwätz zu entnehmen, dass jemand in der Erbsenzählerabteilung herausgefunden hat, dass einer unserer Mikrowellenstrahler auf das Zentrum der Erbsenzähleretage gerichtet ist und nicht in den Himmel. Es ist nicht so, dass wir den Strahler derzeit zum Senden nutzen würden ... Andererseits wäre es in bezug auf die psychsomatischen Kopfschmerzen und andere Krankheiten, die diese Strahlen vielleicht auslösen, die Mühe wert. "In Ordnung", kommt der böse Bulle zu mir. "Ihren Aufzeichnungen entnehme ich, dass sie im vergangenen Jahr als angeblich nicht mehr reparierbar drei Fernseher ausgemustert haben ...." "Ah, Satellitenempfangs-Monitore", unterbreche ich ihn schnell. "Sehr schlechte Qualität, ja." "Zwei Stereo-Videorecorder ..." "Recorder für die Überwachungsanlage mit zwei Audio-Kanälen. Schlechte Qualität." "Einen Mikrowellenherd ...." "Ein Testgerät für die Übertragung von Mikrowellen geringer Reichweite." "Und 112 Videos." "Aufzeichnungsmedien für die Überwachungskameras, stimmt." "Gekauft im Megastore?" "Zu einem guten Preis." "Unbespieltes Material für 15 Pfund pro Kassette?" "Qualität kostet ..." "Warum sind dann die Titel der Kassetten aufgeführt?" "Ein Fehler bei der Erstellung der Rechnung. Rufen sie sie doch an. Ich bin sicher, dass sie in den Aufzeichnungen des Megastores als Leerkassetten auftauchen. Nun ..." "Und sie haben sie ausgemustert?" "Die Sicherheitsrichtlinien verpflichten uns, vertrauliche Aufzeichnungen nach drei Monaten zu vernichten ..." "Nun, und was ist mit diesen vielfarbigen Indikator-Leuchten?" "Wir benutzen sie hier überall ..." "Ja, aber dabei könnte es sich um beinahe alles handeln. Selbst eine Weihnachtsbaumbeleuchtung passt zu dieser Rechnung." Scharfsinnige Bastards, wirklich ... "Ich bin sicher, dass alles in bester Ordnung ist", sagt der gute Bulle in einem Tonfall, der Vertrauen wecken soll. Zweifellos ist das die gleiche Art von Vertrauen, die in dem Satz: "Halte mir den Rücken frei, Brutus." steckt. Das kann nur eines bedeuten .... "Nur eine Sache noch", fragte der böse Bulle etwas freundlicher. "Sie besitzen WIRKLICH alle Ausmusterungsformulare, die von ihrem Abteilungsleiter und dem Chef der Einkaufsabteilung unterschrieben wurden?" Ups. Plötzlich stehen die Dinge für die Heimmannschaft gar nicht mehr so gut. "Denn wenn sie sie nicht haben, dann MÜSSEN sie persönlich für die Verluste haften. Bei einem Buchwert von rund 5000 Pfund ..." sagt er und geniesst dabei sichtlich jede Silbe. "Natürlich habe ich die Formulare", lächle ich und deute auf den Stapel Papier, den ich für solche Situationen vorbereitet habe. "Irgendwo hier. Entschuldigen sie bitte die Unordnung." Während sie sich durch den Papierstapel durcharbeiten, suche ich die Autonummern heraus, die zu ihren Namen gehören, und schicke dem PJ dann eine E-Mail mit seinem Auftrag. Eine Stunde später beschliessen die Prüfer, dass der Arbeitstag vorbei ist und ziehen ab. Der PJ und ich machen es ihnen nach folgen ihnen, um Zeuge einer 'zufälligen' Sicherheitsprüfung am Fahrzeugausgang zu werden. Der PJ und ich sind schockiert und sprachlos, als wir die Kofferraumladungen mit wertvoller 'ausgemusterter' Technik sehen, die unsere ehemaligen Buchprüfer zusammen mit einem Stapel Ausmusterungsformulare hinaustransportieren wollten. Die Formulare waren leer bis auf jeweils zwei verräterische Unterschriften. "Also dahin verschwinden unsere Ausrüstungen!" platze ich heraus für den Fall, dass die Sicherheitsleute den Faden nach dem anonymen Anruf verloren haben sollten. Status Quo wiederhergestellt. Ich biete dem PJ an, ihn mit einem Bier für den Krampf in seiner Signierhand zu entschädigen. Das Leben an der Spitze ist hart - glaubt niemandem, der etwas anderes behauptet ... [[Der B.O.F.H. hat Lust auf einen harmlosen Schwindel. Doch wie wird man den störenden Chef los? Kleinigkeit ...]] Unser Chef ist tollwütig, könnte man sagen. Ich habe ihn nicht mehr so verrückt gesehen, seit der PJ und ich die Erbsenzähler davon überzeugt haben, dass Windows 95 seit zwei Jahren obsolet ist und sie auf die diesjährige Version, nämlich OS/2, umsteigen müssten. "Was zum Teufel ist in der Werbeabteilung passiert?" stösst er hervor. "Der Abteilungsleiter hat mich angebrüllt. Er sagte, sie hätten eine Sekretärin alle Installationsdisketten löschen lassen und ihre Rechner mit Viren infiziert!" "Sie machen Scherze", antworte ich und strahle tiefste Unschuld aus. "Ich habe mit niemandem in der PR-Abteilung geredet. Oder haben die mich etwa angerufen?" "Nein, sie haben den Nutzer-Service angerufen, aber den Anruf haben sie angenommen!" "Das kann nicht sein - ich habe den gesamten Tag mit Arbeiten am Netzwerk zugebracht." antworte ich. Unser automatischer Netzwerk-Betreuer dürfte für ein bequemes Alibi sorgen. "Und was ist DAMIT?" ruft er und fuchtelt mit meiner Viren-Diskette herum. "Das ist eine Diskette mit einem Virus", sage ich. "Und warum haben sie sie mit 'VIRUS SCAN' beschriftet?" "Das war eine Erinnerungen für mich selbst, dass ich diese Diskette prüfen muss. Ich habe herausgefunden, dass sich tatsächlich ein Virus auf ihr befindet und sie in den Papierkorb geworfen. Aber offensichtlich hat jemand irrtümlicherweise versucht sie weiterzuverwenden." "Der komplette Server in der PR-Abteilung ist nun infiziert, und sie müssen den Nutzern verbieten, ihn zu nutzen, damit sie ihre PCs nicht wieder neu infizieren." "Natürlich", sage ich. "Aber der PJ und ich können die Dinge wieder richten." Der PJ ist sichtlich verwundert über meine Bereitschaft, dem Plebs in der Werbeabteilung zu helfen, doch das ist genau die Gelegenheit, auf die ich gewartet habe, um ihre Computer dazu zu nutzen, ein paar kleinere Veränderungen in den Jahresabschlussberichten vorzunehmen. Nur wenige Betrachter haben die Reisszähne und Geweihe, die ich den IT-Chefs verpasst hatte, im vergangenen Jahr bemerkt. Für dieses Jahr muss ich wohl eine weniger subtile Bearbeitung der Druckversionen vornehmen. Die Sicherheitsvorkehrungen haben sie freilich verstärkt, als sie feststellten, dass die Zahlen der Firma nicht so aussahen, wie sie aussehen sollten - die Sorte von Zahlen, die man den Aktieneigentümern lieber nicht zeigt. Auf der anderen Seite hat sich die Druckerei über den Extra-Auftrag gefreut, deren Bonus natürlich auch die Wohltätigkeitskasse des B.O.F.H. wieder schwarze Zahlen schreiben liess. "Gut", erklärt der Chef und unterbricht meine Gedanken. "Ich werde die Aktion natürlich persönlich überwachen - zur moralischen Stärkung und des Zusammengehörigkeitsgefühls wegen ..." Unglücklicherweise kann der Chef den Beitrag zur moralische Stärkung, den er vor einigen Tagen in der Cafeteria leistete, kaum mehr übertreffen. Er rutsche damals auf einem Fettfleck aus und plazierte sein Gesicht in einer vegetarischen Lasagne. Doch das ist nicht der Hauptgrund. Meine kreativen Gedanken werden einfach gehemmt, wenn der Chef mir ständig über die Schulter blickt. Zeit für eine Strategie, mit der wir ihn loswerden ... "Grosser Gott!" rufe ich und trete gegen den Netzstecker des PCs des PJ. "Dieser Blitzableiter ist einfach lächerlich." "Welcher Blitzableiter?" fragt der Chef. "Sie wissen doch, die Kupferleitung, die diese Seite des Gebäudes mit der Erde verbindet. Wir haben sechs Wochen auf den Wartungsdienst gewartet, der sich den Blitzableiter über unserem Fenster auch nur anschaute." "Aber wir haben doch mehrere Blitzableiter", antwortet der Chef, der offenbar keine Ahnung von den aktuellen Kupferpreisen hat (oder, um etwas genauer zu sein, von den Preisen vor sechs Wochen, als der PJ und ich etwas Geld brauchten). "Nein, nur einen - eine ökonomische Einsparmassnahme ihres Vorgängers", füge ich als passende Ausrede hinzu, die er auch nicht widerlegen kann. "Oh? Dann werfen wir doch einen Blick darauf!" Ich führe ihn zum Fenster und zeige auf den Blitzableiter. "Wozu brauchen wir einen Wartungsdienst? Sie können doch ebenfalls hinaufklettern und das Ding in ein paar Augenblicken reparieren." "Ich bin nur für das INNERE des Gebäudes zuständig ...." sage ich. "Oh, zum Teufel damit - machen sie das verdammte Fenster auf!" schreit der Chef nun offensichtlich im Idioten-Modus. Fünf Minuten später ist er in einer verletzlichen Position und damit auch sehr beschäftigt. "Ich habe gar nicht gewusst, wie hoch wir wirklich sind ..." sagt der PJ verträumt. "Stimmt. Wenn sie aus dieser Höhe abstürzen, dann braucht man eine Schaufel, um sie in den Krankenwagen zu befördern." antworte ich. Erwartungsgemäss blickt der Chef nach unten. Die plötzliche Blässe seines Gesichts und das Weiss seiner Knöchel zeigen an, dass er nun an seinem Platz gefangen ist und so schnell auch nirgends mehr hingehen wird. Nachdem wir zwei Stunden in der Werbeabteilung mit dem 'Beseitigen' von Viren zugebracht haben, sieht der Jahresbericht perfekt aus. Zumindest dann, wenn man den Werbe-Chef mit einer John Lennon-Brille und einem Dollarschein als Zunge sowie zwei sehr konservative IT-Bosse, die Händchen halten, gern sieht. Natürlich haben sich die Zahlen der Firma auch nicht verbessert - nun schon in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Ich bleibe kurz stehen, um dem Chef zuzusehen, der in seiner neuen und ziemlich attraktiv aussehenden Zwangsjacke aus dem Haus begleitet wird. Der Wachdienst muss 'seine' Notizen über Stress und Arbeitsüberlastung auf dem Fensterbrett gefunden haben. Das sieht nach einem neuen Spitzenwert moralischer Unterstützung aus ... Und auch der nette kleine Bonus von den Druckern sollte nicht vergessen werden. [[Der Chef der Erbsenzähler hat einen drittklassigen Plan ausgeheckt, um den B.O.F.H. und seinen Gefährten auszutricksen. Wie konnte er nur ....]] Es geschieht nicht oft, dass wir durch einen Besuch des Chefs der Erbsenzähler 'geehrt' werden. In Wahrheit kam es bisher nur einmal vor, dass er den Frieden in den heiligen Hallen des B.O.F.H. störte, als er herausgefunden hatte, dass die 'satellitengestützte Datentransfertechnologie' anscheinend auf ein Buchmacherbüro gerichtet war und hauptsächlich Resultate von Pferderennen übetrug. Ich spüre, dass er mir diesmal etwas zu sagen hat, das wichtig ist. Er sieht aus, als sei er wirklich sehr zufrieden mit sich selbst. Sein gutgenährtes Gesicht zeigt einen Ausdruck, der eine unheimliche Ähnlichkeit mit dem eines Wolfes hat, der ein einsames Schaf beobachtet. Er richtet sich zu seiner vollen Grösse von einem Meter sechzig auf und spricht mit freundlicher, aber merklich nervöser Stimme. "Angesichts der Tatsache, dass ihre Vorstellungen von technischem Service ziemlich eigenwillig sind, um es vorsichtig auszudrücken, haben wir uns entschlossen, uns einen eigenen Server zuzulegen und einen eigenen Netzwerkbetreuer einzustellen." Er schweigt vornehm, damit mir die Schlussfolgerungen seiner Rede bewusst werden. "Kann ich das so auffassen, dass sie nicht zufrieden mit dem Service sind, den mein Assistent und ich ihnen bieten?" erwidere ich und deute auf den PJ. "Er?" gluckst der Erbsenzähler. "Er ist nichts anderes als ein Psychopath." Der PJ strahlt wegen dieses Kompliments. Die Anklage aus der höheren Etage geht weiter. "Wir werden einen richtigen Netzwerkbetreuer einstellen, so dass wir sie beide nie mehr in die Nähe unseres Netzes lassen müssen. JEDER den wir finden ist verglichen mit ihnen eine Verbesserung." Schreckliche Worte, doch ich war sowieso gelangweilt. Etwa eine Woche später wird uns das entsprechende Rundschreiben von einem Briefträger der Erbsenzähler gebracht. (Es ist offensichtlich, dass die vorangegangene Konfrontation mit uns den gesamten Mut des Chefs der Erbsenzähler aufgebraucht hat.) Ab 9 Uhr sind wir nicht mehr für das Netzwerk in der Finanzabteilung zuständig. Ich gebe die Notiz dem PJ und sehe die Angst in seinen Augen aufleuchten. "Nun, da wir nicht mehr für die Erbsenzähler zuständig sind, haben sie wohl ihre eigenen Router", sage ich und ziehe ein paar Stecker. Interessanterweise meldet das kleine Testgerät, das ich in ihre Kaffeemaschine eingebaut habe, dass sie noch immer Daten aus dem Netz bekommen ... hmmmm ... nicht schlecht, diese Typen. Ich tippe schnell eine Nachricht und ziehe sie auf das Pager-Icon auf meinem Desktop. Ein paar Sekunden später klingelt mein wirklich furchtbar privates Handy. Der PJ ist fasziniert und verängstigt; nur wichtige und mächtige Personen kennen die Nummer dieses Handys. Und wenn es klingelt, dann bedeutet das normalerweise, dass wir wirklich in Gefahr sind. Der PJ hat das Handy noch nie in Aktion gesehen, deshalb beobachtet er es wirklich sehr ängstlich. "Hallo? Ja, das ist richtig ... ja, ich meine ... nein, wir haben absolut keine Zugriffsrechte. Es wird vollständig vom neuen Netzwerk-Operator gepflegt. Oh, sie sind das, wirklich? Das ist schön ... ja, in Ordnung, Victoria-Station in fünfzehn Minuten." Der PJ sieht verwirrt aus und wird noch mehr von dem Feueralarm verschreckt. Ich erkläre, dass der Alarm wohl etwas mit dem Rauch zu tun hat, der aus der Erbsenzähler-Zentrale kommt, und er eilt nach draussen, um sich die Sache anzuschauen. Der Groschen fällt, er kommt wieder zurück und will von mir wissen, woher ich wusste, dass etwas in der Erbsenzähler-Etage nicht stimmt, denn ich konnte weder den Rauch noch die Feueralarmüberwachung sehen. "Nun, sie erinnern sich an Martin?" "Was, den Mann, dem sie mich einmal vorgestellt haben?" "Ich habe sie so vielen Leuten vorgestellt ..." "Okay, den mit dem Pferdeschwanz und der Fixierung auf Alkohol, dessen Temperament und Verhalten den Nutzern gegenüber uns beide wie den heiligen Franz von Assisi aussehen lässt?" "Ja, das ist er." "Von dem sie letzte Woche erzählt haben, dass er eine Arbeit sucht?" "Hmmm ... nun, er war eher derjenige, dessen Name durch einen seltsamen Zufall ganz oben auf der Bewerberliste der Erbsenzähler stand." erkläre ich. Ihm dämmert plötzlich, weshalb ich in der vergangenen Woche so viel Zeit mit dem Stöbern in der Personal-Datenbank verbracht habe - und weshalb ich so wild darauf war, dem netten Arbeitsvermittler ein paar freundliche Vorschläge zu machen. Ein Gedanke kommt mir noch. "Halt, halt ... warten sie, bis sie den Router sehen, den die Erbsenzähler sich zugelegt haben. Das ist eines von diesen zusammengeflickten Dingern, wie man sie nicht gerade oft sehen kann. Ich verspreche ihnen, dass die Erbsenzähler noch viel Ärger mit dem Ding haben werden. Es gibt auf der ganzen Erde nur zwei Leute, die das Betriebssystem des Routers kennen, und das sind die zwei, die es geschrieben haben. Einer von ihnen sitzt vor ihnen." "Und der andere?" "... kennt die Nummer meines privaten Handys und ist nun auf dem Weg zum Pub um die Ecke. Kommen sie, ich habe ein paar Biere zu kaufen." [[Jemand hat herausgefunden, wohin die 'befreiten' Telefone verschwinden. Es ist höchste Zeit, 'B' für Bastard zu wählen ....]] Wir haben ein Problem. Der Chef hat sich vorgenommen, mit Geld, das viel sinnvoller für andere Dinge angelegt werden könnte, die Telefone in der Firma zu standardisieren. "Warum tut er das?" fragt der PJ "Weil er irrtümlich glaubt, dass das irgendeine Auswirkung auf die Anzahl der Telefone hat, die jedes Jahr 'befreit' werden und dann bei den Angestellten landen." "Sie meinen, die Telefone werden GEKLAUT?!" fragt der PJ, der offenbar noch glaubt, das Verbrechen mache einen Bogen um unsere Firma. "Natürlich", rufe ich. "Das gehört einfach zur Arbeit im Büro dazu. Es war auch schon immer so. Im Tausch gegen ein neues Telefon bekommt die Firma lebenslange Loyalität und ein weiteres uraltes und riesiges Monster aus dem Jahr 200 vor Christi Geburt, was ganz nebenbei eine gute Rechtfertigung für all den Platz ist, den wir im Erdgeschoss für uns reserviert haben ...." "Und das funktioniert wirklich?" "Logisch. Denken sie sich eine Nummer aus. Irgendeine Nummer!" Der PJ tippt eine Nummer und schaltet die Lautsprecher ein. "Hallo, Entwurfsabteilung." "Hallo, die Netzwerkbetreuung ist hier. Es scheint, als hätten wir ein kleines Problem mit ihrem Telefon mit der Seriennummer 138728." Mein Monolog wird durch das Geräusch unterbrochen, das ein in Panik auf die Gabel gelegter Telefonhörer verursacht. "Was ist passiert?" fragt der PJ. "Ich würde sagen, jemand ist im Moment damit beschäftigt, die Treppen hinunter und nach Hause zu rasen, um ein Telefon zu holen. Merken sie sich, wie wirksam die Nennung einer Geräte-Seriennummer ist, um die Leute aus dem Gebäude zu jagen ..." Der PJ und ich beobachten, wie ein Angestellter aus dem Haupteingang rennt und über die Strasse zur nächsten U-Bahn-Station hetzt. Dann rufe ich die Nummer erneut an ... "Hallo", meldet sich schroff eine Stimme im Gestörter-Chef-Modus. "Pete", plaudere ich los. "Zum Glück erreiche ich dich noch. Grüsse Sheryl von mir, wenn du sie siehst, du Verführer." "WER IST DA?" Ich lege schnell auf. "Ich bin sicher, dass zumindest SEINE Abwesenheit nicht bemerkt werden wird ... nun, lassen sie uns nach oben gehen und sein Schreibtischtelefon klauen. Er wird zu geschockt sein, um sein Firmentelefon wieder mit nach Hause zu nehmen. Bis zum Zahltag muss er wohl ohne Anrufe auskommen." "Sie sind wirklich ein Bastard", gibt der PJ widerwillig zu. "Natürlich. Und jetzt gehen wir zum Chef ..." "... und wie soll das den Diebstahl verhindern?" frage ich den Chef, nachdem ich mir seinen Vorschlag angehört habe. "Weil es sich um ein spezielles Modell handelt - mit einem schmalen Gehäuse und Digital-Display, das in DIESER Ausführung nur für DIESES Unternehmen hergestellt wird. Und natürlich wird das Firmenlogo aufgedruckt sein." "Nun, ich glaube, sie sind da ein wenig vom richtigen Weg abgekommen", stellt der PJ völlig richtig fest. "Wenn sie ein Telefon haben wollen, das niemand klauen kann, dann machen sie es 20 Pfund schwer und lassen es wie Schrott klingen." Braver Junge. Der Chef ist etwas verwirrt, denn er weiss, dass er seinen Vorschlag der Geschäftsführung zur Genehmigung vorlegen muss. Und er will nicht, dass wir seinen Plan stören ... Ich entscheide mich, ihn vorerst in Ruhe zu lassen. "Nun, wir können nicht den ganzen Tag hier herumlungern. Das Netzwerk muss gewartet werden und so weiter." Sehr zu seiner Erleichterung marschieren wir aus seinem Büro. "Ich glaube nicht, dass die Geschäftsführung seinen Plan genehmigen wird", vermutet der PJ, als wir unser Büro betreten. "Verlassen sie sich lieber nicht darauf", antworte ich. "Kleben sie das Firmenloge auf irgendetwas und sie werden ihnen alles genehmigen - besonders dann, wenn die Konkurrenz noch nicht auf diese Idee gekommen ist ..." Ich lasse den PJ allein und begebe mich in die Räume der Geschäftsführung, um die Präsentation unseres Chefs 'vorzubereiten'. Zum Termin der Präsentation halten wir uns in der Netzwerkzentrale auf, als ein Anruf des Chefs kommt. "Warum funktioniert die Testleitung nicht?" knurrt er erwartungsgemäss. "Keine Ahnung", sage ich. "Wir sind schon unterwegs." "Sie müssen nicht ..." Schnell wie ein Blitz sind der PJ und ich im Präsentationsraum. "Na sowas", ruft der PJ, der seinen Text perfekt beherrscht. "Neue Telefone, die genauso aussehen wie die, die die Konkurrenz gerade eingeführt hat." Alle Köpfe drehen sich herum, als unser Chef in die Rolle des Verlierers schlüpft - er weiss genau, dass man niemals die Konkurrenz kopieren wird. "Und da haben wir auch schon das Problem", sage ich und löse meinen Blick vom Testgerät. "Es ist das Anschlusskabel dieses Modells. Ich werde mir eine entsprechende Notiz machen." Ich hole meinen persönlichen Disorganiser hervor, den ich zu Beginn des vergangenen Jahres bei einem Nutzer befreit hatte. Auf das Gehäuse habe ich neulich ein Firmenlogo geklebt. "Was ist das?" will einer aus der Geschäftsleitung wissen. "Oh, nur ein Organiser. Ich habe das Firmenlogo aufgeklebt, damit er auf Konferenzen nicht mehr so leicht verwechselt oder gar geklaut wird." "Davon könnte ich auch einen gebrauchen." kommt die Antwort, auf die zustimmendes Gemurmel folgt. Unserem Chef dämmert, dass er nun endgültig verloren hat. Wie geplant sitzen der PJ und ich zwei Stunden später im Pub um die Ecke, wo wir ein paar Biere trinken, die wir mit dem Geld bezahlen, das wir soeben als Prämie für unseren Vorschlag, 'Firmen-Organiser' einzuführen, bekommen haben. Nun, wenn es nicht so einfach wäre, könnte man es beinahe als Herausforderung bezeichnen. [[Der Chef kocht sein Süppchen in der falschen Mikrowellenschüssel, so dass der B.O.F.H. ihn wieder einmal ganz einfach ausmanövrieren kann ....]] Der Chef ist auf dem Kriegspfad! Statt wie ein tapferer Mann seine Niederlage bei der jüngsten Firmentelefonaffäre einzugestehen, will er sich an uns rächen und versucht nun, uns das Leben zur Hölle zu machen. Dabei zwingt er uns jeden einzelnen Sicherheitsstandard auf, den die Menschheit kennt. Hinzu kommt noch, dass er persönlich überprüft, wann wir zur Arbeit kommen und Feierabend machen. Und auch vom kreativen Erfinden von Abrechnungen, womit wir sonst den grössten Teil unserer Arbeitszeit verbringen, hält er uns dadurch ab. Das ist nicht gut. Nun, Angriff ist die beste Verteidigung. Und natürlich dauert es auch nicht lange, bis der PJ und ich ins Büro des Chefs kommen sollen, weil wir vergessen haben, Warnschilder bei den geöffneten Kabelschächten aufzustellen. Meine Befürchtungen bestätigen sich, als ich den Chef der Personalabteilung neben dem Chef sitzen sehe. Er war noch nie ein grosser Fan von mir oder dem PJ - zumindest nicht mehr, seitdem wir uns im Rahmen von Reparaturarbeiten an der Telefonanlage ein wirklich sehr privates Telefongespräch, das er mit seinem Arzt über ein sehr persönliches Problem führte, mithören mussten. Vielleicht hätten wir ihm nicht dafür danken sollen, nicht 'vorschnell' gehandelt zu haben ... Der Chef beginnt seinen Angriff. "So sehr ich solche Sachen auch ablehne, doch in diesem Fall kann ich einfach kein Auge mehr zudrücken. Ich fürchte, ich muss sie beide nach diesem gefährlichen Sturz schriftlich und vor der Belegschaft verwarnen." sagt er. "Den gefährlichen Sturz in drei oder vier Zoll Tiefe?" "Was nichts daran ändert, dass es ein gefährlicher Sturz war", antwortet er aufgehetzt vom Personalchef. "Könnte ich einmal mit ihnen persönlich reden?" frage ich ganz um sein Vertrauen bemüht. "Nein, das wird nicht nötig sein", antwortet der Chef. "Oh, ich habe eigentlich nicht sie gemeint. Ich meinte den Repräsentanten aus der Personalabteilung. Denn da wir gerade über Sicherheitsrisiken reden, dachte ich, der PJ und ich könnten mit ihm über den billigen Mikrowellen-Sender reden." Wie durch ein Wunder wandelt sich die Stimmung im Zimmer. Könnte es daran liegen, dass der Chef sich daran erinnert, WER die besagte Sendeschüssel empfohlen und (gegen den ausdrücklichen Rat der Netzwerk-Techniker) bestellte? "Vielleicht könnte ich ein oder zwei Minuten entbehren", sagt der Chef schmallippig. "Nun, es geht hauptsächlich um eine Vorsichtsmassnahme, müssen sie wissen", sage ich, als wir unter vier Augen miteinander sprechen. "Da dies meine letzte Verwarnung ist, kann ich nicht damit rechnen, dass mein Arbeitsvertrag noch einmal verlängert wird. Und deshalb muss ich natürlich jemanden finden, der sich um diese Sendeschüssel, die sie im vergangenen Jahr empfohlen haben, kümmert und alle zwei oder drei Wochen einmal auf das Dach klettert, um die Befestigungsschrauben anzuziehen. Offenbar neigt sich die Schüssel immer mehr nach vorn, so dass sie irgendwann direkt auf das Dach strahlen wird. Wir hätten das alles nicht herausgefunden, wenn sich nicht einer der Mitarbeiter im Büro direkt unter dem Dach darüber gewundert hätte, dass der Kaffee in seiner Tasse immer dann zu kochen anfängt, wenn wir mehr als 20 Prozent der verfügbaren Bandbreite nutzen ..." Der Chef ist, wie wir unter uns Fachleuten sagen, gefangen in einem Kanu ohne Paddel und rast auf den Wasserfall zu. Er versucht erfolglos, seine Angst zu verbergen, die ihn überfällt, als ihm die möglichen Folgen für seine Karriere bewusst werden. Und, was noch wichtiger ist, wer für seinen Sturz verantwortlich wäre ... "Wer war doch gleich der Angestellte?" fragt er und simuliert leises Interesse. "Oh, sie kennen ihn!" antworte ich. "Wilson, Wilkins - etwa so klang sein Name. Sie wissen doch, der Kerl, der immer wegen Kopfschmerzen und ähnlichem Krimskrams fehlt." Der Wasserfall kommt immer näher. Er WEISS, dass wir eine unterschriebene Kopie seines Schreibens (natürlich zusammen mit unserer Antwort) sicher an einem feuersicheren Ort hinterlegt haben, zu dem er erst dann Zugang erhält, wenn der Teufel Frostschutzmittel und Wolldecken bestellt. 52 Sekunden später sind wir wieder im Büro ... "Nun, damit ist die Sache dann hoffentlich erledigt", sagt der Chef sehr zum Ärger des Personalchefs. "Es hat den Anschein, dass die Warnschilder aufgestellt WAREN. Ja, ich glaube, ich habe sie sogar selbst gesehen! Nun, sollten sie sich nicht besser an die Arbeit machen und die Reparatur abschliessen ..." "Wir sind schon unterwegs", stimme ich zu. "OH! Das hätte ich doch beinahe vergessen. Hier sind noch die Stundenabrechnungen, die sie vorhin nicht unterschreiben wollten! Ah! Ich sehe schon, warum sie sie beanstandet haben! Der PJ und ich konnten die ... ähm ... dringenden Wartungsarbeiten nicht in unserer regulären Arbeitszeit beenden, deshalb haben wir sie ja in zwei Sonntagnächten gemacht. Ich werde das Formular ausfüllen, so dass sie gleich unterschreiben können." Der Personalchef verschwindet mit einem Fluch, von dem ich ganz sicher weiss, dass er von der Unternehmensleitung nicht gebilligt wird, und der Chef unterzeichnet die Überstundenabrechnung über eine Summe, die vermutlich dem Bruttosozialprodukt eines kleinen kommunistischen Staates entspricht. Der Sieg und die Bezahlung der Überstunden gehören uns, deshalb zeige ich guten Willen und überlasse dem Chef eines der Back-Ups, die wir ausserhalb der Firma lagern. "Was war das?" fragt der PJ. "Oh, ich habe dem Chef nur sein Memo über die Anschaffung der Sendeschüssel zurückgegeben." "Sind sie sicher, dass das eine gute Idee war? Er wird das Back-Up einfach zerstören." "Das ist vermutlich das beste", antworte ich. "Nach allem, was geschehen ist, war das die einzige Aufzeichnung über die Schüssel, die noch existierte. Und ohne Aufzeichnungen ...." "Ich rufe den Schrotthändler an." [[Verkatert und gezwungen, die Nutzer-Betreuung zu übernehmen - wäre er nicht der B.O.F.H., wäre es ein schlimmer Tag ...]] Es ist ein schwerer Tag in der Netzwerkzentrale und ich habe einen Kater, der selbst die tapfersten Superhelden zum Heulen gebracht hätte. Ich weiss nicht mehr genau, wie ich nach Hause kam, aber ich glaube, dass eine sehr, sehr lange Taxifahrt und die Kreditkarte von irgendjemandem dabei eine Rolle gespielt haben ... Nachdem wir den gestrigen Tag auf der Computer-Messe am anderen Ende der Stadt mit dem 'Ködern' von Lieferanten zubrachten, war es einfach unvermeidlich, dass wir danach mit einigen dieser speichelleckenden Verkaufsmanager in den Nachtclubs landeten, um jeden Drink auszuprobieren, den es gibt. Der Erste, der zusammenbricht, hat verloren - das Geschäft, die Initiative und seine Firmenkreditkarte, wenn er nicht hinschaut. Wegen meines Gesundheitszustandes habe ich beinahe vergessen, dass wir dem Chef mitgeteilt haben, dass der PJ und ich natürlich gern die Vertretung in der Nutzer-Betreuung übernehmen, während sie bei einem Arbeitsschutz-Seminar lernen, wie man ein ganzes Wort eintippt, ohne gleich an RSI (Repetitive Strain Injury - Tastaturkrankheit), oder wie man das heute auch nennt, zu sterben. Der Chef ahnte zwar, dass wir etwas im Schilde führen, doch hat er natürlich nicht den Mut, uns mit seiner Anwesenheit zu 'erfreuen'. Und ihm fehlt wohl auch das geistige Auffassungsvermögen um herauszufinden, worum es uns geht. Aber das ist ja keine Überraschung. Nun, soll er bei dem RSI-Seminar zusammen mit all den anderen Halbtoten sich doch darüber wundern, dass die Gesundheits- und Arbeitsschutzvorschriften der Firma zwar vorschreiben, dass alle Mitarbeiter daran teilnehmen müssen. Sein Protest, er hätte schon an diesem Seminar teilgenommen, verpuffte aber wirkungslos, denn in der Personaldatenbank war weder ein entsprechender Eintrag vorhanden (Ups!), noch besitzt er die 'Sie-kommen-aus-dem-Gefängnis-frei'-RSI-Kurs-Teilnahmekarte. Der PJ und ich haben andererseits schon verschiedene dieser Zertifikate und entsprechende Einträge in der Datenbank, obwohl wir noch immer keine Ahnung davon haben, wie der Seminarleiter aussieht oder worum es bei diesen Veranstaltungen eigentlich geht. Im Bewusstsein seiner Niederlage zieht der Chef leise und unauffällig davon. In der Zwischenzeit habe ich im Benutzer-Service die Rauchmelder wieder angeschlossen, nachdem ein kleines Feuerchen das Zertifikat des Chefs über seine Teilnahme am RSI-Seminar verbrannt hat. Ich verdächtige das Heizungssystem - es hat wohl Überstunden gemacht. "Hallo, ist dort die Nutzer-Betreuung?" "Ja, sie sind richtig." antworte ich liebenswürdig und hilfsbereit. "Können sie mir die Nummer des Modem-Pools geben?" "Natürlich kann ich!" antworte ich und nenne dann die Nummer eines Fax-Gerätes aus der vierten Etage, was sie wohl für ein paar Wochen erfolgreich verwirren wird. Ich lege auf und bin gerade am Einschlafen, als das Telefon wieder klingelt. "Mein Laptop läuft immer langsamer. Können sie mir helfen?" "Natürlich kann ich das. Aber sagen sie mir nicht, dass sie noch immer mit der Stromfiltereinheit arbeiten?" >>DUMMY MODE EIN<< "Die Stromfiltereinheit?" "Ja, die Einheit, die den Strom für ihren Laptop filtert. Normalerweise ist sie schwarz und ungefähr drei Zoll lang und zwei Zoll breit." "Oh .... ja, ich sehe sie." "Gut, dann müssen sie erst einmal die Filtereinheit durch das filterlose Kabel ersetzen." "Das filterlose Kabel?" "Ja, es lag mit in der Verpackung des Laptops. Wahrscheinlich liegt es noch dort." "Aber ich habe die Verpackung in den Müll geworfen!" "Hmmm. Nun, ich könnte ihnen eins bestellen, aber haben sie für die Zwischenzeit denn ein ungenutztes Netzkabel?" "Uuuuhhhmmm ..." "Leihen sie sich einfach eins von einem anderen Rechner - das ist dann deren Problem." "Ja, ha ha", lacht er ins Telefon. Was für ein Einfaltspinsel. "Gut, jetzt schalten sie den Laptop und den Stromfilter aus, dann schneiden sie das Kabel zwischen dem Stromfilter und dem Laptop etwa in der Mitte durch und entfernen etwas von dem Isolationsmaterial. Dann müssen sie nur noch die beiden Kabelenden in die Anschlussdose des neuen Netzkabels einführen ..." "Das habe ich gemacht." "Und das Netzkabel anschliessen." "Okay, vielen Dank." Er legt auf und ich beginne in Gedanken mit dem Countdown. Ungefähr zehn Sekunden später geht der Feueralarm los, was ich als vielversprechendes Zeichen werte ... Am Ende des Tages kommt der Chef ins Büro. Er wirkt nicht gerade begeistert. Offensichtlich hat er etwas vom Ratschlag des PJ gehört, der einem Nutzer empfohlen hat, die Passwörter für die Bildschirmschoner auf allen Rechnern in seiner Abteilung zur Erhöhung der Sicherheit durch völlig zufällige Buchstabenkombinationen zu ersetzen. Die Nachricht von der Aussperrung aus den Computern verbreitete sich nach der Mittagspause innerhalb weniger Minuten im gesamten Haus ... Angesichts der Ahnungslosigkeit und des offensichtlich naiven Verständnisses von Sicherheit, das der PJ zeigt, kommt der Chef herein, tobt ein wenig über die verlorene Zeit, Produktionsausfall, Verschwendung von Firmengeld, unzufriedene Kollegen, bla, bla, bla ... Wir stimmen pflichtbewusst seinen Argumenten zu und versprechen, uns in der Zukunft zu bessern, sollten solche Probleme noch einmal auftauchen. "Übrigens", fährt der Chef mit einem Stirnrunzeln fort, "haben sie mein Zertifikat über die Teilnahme am RSI-Seminar gesehen? Ich könnte schwören, dass ich es auf den Tisch dort drüben gelegt habe ..." Auf der Suche nach der Urkunde verlässt er uns, während ich die Rauchmelder abschalte und der PJ einen Eintrag in der Personaldatenbank aktualisiert ... Es sieht so aus, als hätten wir morgen wieder Arbeit, Arbeit, Arbeit ... [[Der B.O.F.H. wird mit ultimativer Bürokratie konfrontiert. Aber er hat keine Lust darauf ...]] Der Geruch von Fisch liegt in der Luft. Faulem Fisch. Im besten Falle ist es der von geschmortem Thunfisch. Der Chef hat gute Laune. Ja, er strahlt richtig. Das kann nur etwas Schlechtes für uns bedeuten. Ganz besonders angesichts der Tatsache, dass er in letzter Zeit verdächtig oft mit einem der Firmenanwälte telefoniert hat. Leider wurden die Gespräche nicht aufgezeichnet, da der PJ vergessen hatte, die Kassetten des Gesprächsrekorders auszutauschen. Nun, diesen Fehler wird er nicht zweimal machen - dafür wird der elektrische Tacker sorgen ... Es liegt also ganz offensichtlich etwas in der Luft - der Chef hat uns für 10:30 Uhr zu einem Gespräch eingeladen, zu einer Zeit, die wir sonst gar nicht kennen. Der selbstgefällige Ausdruck in seinem Gesicht überzeugt mich vollends davon, dass er glaubt, er sei in einer unangreifbaren Position. "Gentlemen", sagt er mit einem völlig untypischen Tonfall der Kameraderie. "Warum nehmen sie sich nicht eine Stunde unbezahlten Urlaub und besorgen sich neue Kleidung?" Der PJ antwortet prompt. "Und warum nehmen sie sich nicht eine Stunde bezahlten Urlaub und lassen sich f ..." "WIE BITTE?!" unterbreche ich ihn und rette den PJ davor, mit seinen Worten eine Disziplinarmassnahme zu provozieren. "Wie sie sicher wissen, ist es uns erlaubt, die Kleidung zu tragen, die zur Natur unserer Arbeit passt." "Es sei denn", sagt der Chef und hält eine mit vielen Unterstreichungen versehene Kopie eines Vertrages hoch, der so aussieht wie der, den wir unterschrieben haben, als wir in der Firma anfingen. "Es sei denn, ihre Arbeit schliesst Kontakte ein mit ..." Er schweigt für einen Moment, um uns Zeit zu geben, seinen Satz zu vervollständigen und kostet sichtlich jede Milisekunde aus ... "... es beginnt mit einem K ...", fügt er hinzu, "... und endet mit einem N ...." Weder der PJ noch ich haben eine Ahnung, so dass der Chef das Rätsel selbst auflöst. "KUNDEN." "Oh", sagt der PJ. "Das war nicht das K-Wort, an das ich gedacht habe. Aber ich schätze, wir reden trotzdem über die gleichen Leute ..." Mit einer Handbewegung unterbreche ich ihn und bringe die Sache auf den Punkt. "Wir arbeiten nicht mit Kunden", erkläre ich als redete ich mit einem einfältigen Kind. "AHEM", antwortet der Chef und zündet die Bombe, die er bisher versteckte. "Es war die Idee der Geschäftsführung wie auch die der Nutzerbetreuung, dass die Nutzerbetreuung und die anderen Abteilungen nun offiziell ihre Kunden sind." Sein selbstgefälliger Gesichtsausdruck sagt alles. Diesmal hat er seine Hausaufgaben gemacht. "Und was schlagen sie vor?" frage ich. "Die normale Repräsentanten-Kleidung. Anzug ..." Der PJ keucht. "... Hemd, Krawatte ...." Ich unterdrücke das Würgen in meinem Hals. "... und natürlich besohlte Schuhe, vorzugsweise Leder." "Nun", fasse ich zusammen. "Wir stimmen nicht oft in unserer Meinung überein, aber ich muss zugeben, dass sie Recht haben. Morgen werde ich bereit sein." Die aufgerissenen Augen des PJ zeigen, dass er an meinem Verstand zweifelt. Aber der Chef ist auch kein Idiot. Nun, natürlich ist er einer, aber für den Augenblick lasse ich ihm seinen Frieden, denn er riecht sicher schon den Braten, kann aber noch nicht genau sagen, wo der Haken ist. Wir verlassen ihn um nachzudenken ... Am nächsten Tag drehen sich alle nach uns um, als der PJ und ich wie befohlen im Anzug erscheinen, und präsentieren dem Chef die Rechnung für unsere neue Kleidung, der plötzlich unter einer dramatischen Herzattacke zu leiden scheint. Eine Stunde später hat die Schwester ihn wiederbelebt, nachdem der PJ und ich die Gelegenheit genutzt haben, seinem Schreibtisch mit dem Defilibrator ein paar Kratzer und Schrammen zu verpassen und den Arbeitsplatz-PC des Chefs zu zerlegen. "Wo bin ich?" fragt der Chef. "In ihrem Büro." antworte ich. "Sie hatten offenbar einen Zusammenbruch." "Das stimmt. Was VERDAMMT NOCHMAL IST DAS?!" fragt er und deutet auf die Rechnung. "Das ist die Rechnung für unsere Kleidung. Erinnern sie sich daran, dass in unserem Vertrag steht, dass die Firma für jede speziell zu Arbeitszwecken angefertigte Kleidung bezahlen muss. Wussten sie, wie schwer es ist, innerhalb von sechs Stunden echte italienische Schuhe mit Stahlkappen, die professionell aussehen, zu bekommen? Sie mussten sie extra einfliegen!" "Damit kommen sie nicht durch!" knurrt er und lässt seinen Blick wieder auf die grosse Ansammlung von Zahlen am unteren Ende der Rechnung fallen. "Nun, befürchten sie nicht", antworte ich versöhnlich. "Befürchten sie nicht, dass sie sich auf dem falschen Gleis befinden. Einer der netten Buchhalter mit einer Vorliebe für Internet-Strip-Shows hat uns gestern einen Blankoscheck gegeben ..." "Dann werde ich ihn eben SPERREN!" sagt der Chef knurrend, die Aussicht auf seinen Sieg schon deutlich vor Augen. Soviel Zuversicht, dass selbst die Überreste seines PCs davon wieder zum Leben erweckt zu werden scheinen ... Ich gebe ihm noch eine zehnminütige Behandlung mit herzschlagsteigerndem Strom, bevor ich die Firmenkrankenschwester erneut rufe, während in der Zwischenzeit der PJ unseren Kleiderlieferanten anruft, damit der den Scheck schnell einlöst ... Und da sagen manche noch, Nadelstreifen seien eine Garantie für Erfolg ... [[Der B.O.F.H. hat Ärger, weil er nicht an einem Seminar teilnimmt ...]] Die Dinge stehen schlecht. Die Kräfte der Finsterniss (die Brigade der Missmutigen) bereiten mir Probleme. Der PJ und ich wurden zu 'politisch unkorrekten Personen' erklärt, weil wir nicht an einem Seminar über 'Belästigungen am Arbeitsplatz' teilgenommen haben. Der Chef hat offensichtlich seine Hände im Spiel, denn schliesslich war er es, der darauf hinwies, dass wir NIEMALS an einem dieser Zwangstreffen teilgenommen haben; ich führe diese Handlungsweise auf die neulich verabreichte elektrische Erste Hilfe zurück. Erwartungsgemäss wird ein Treffen mit der Personalchefin und dem Chef der Betriebsgewerkschaft (die Abteilung der Besorgten) angesetzt. "Ah, ja", beginnt die Personalchefin. "Offenbar haben sie nie am Seminar über Belästigung am Arbeitsplatz teilgenommen." "Stimmt", antworte ich. "Die Wahrheit ist, dass wir in unserer Position einfach zu beschäftigt sind, um (a) jemanden zu belästigen; oder (b) an einem Seminar darüber teilzunehmen, was wir nicht tun sollen." "Gut, das dürfen sie ruhig annehmen, aber ich kann ihnen nur versichern, dass die Teilnahme an diesem Seminar Vorschrift für Mitarbeiter und Vertragspartner ist. Ich glaube nicht, dass ich sie daran erinnern muss, dass ihr Arbeitsvertrag vorsieht, dass sie an allen relevanten Seminaren teilnehmen müssen", sagt sie mit Stahl in der Stimme, der die Dicke von Panzerstahl erreicht hat. "Ich glaube nicht." "Entschuldigung?!" "Nun, nehmen wir für einen Augenblick, und wirklich nur, um ihre These zu widerlegen, einmal an, dass der PJ oder ich wirklich jemanden belästigen wollten. Nehmen wir zum Beispiel sie. Würde ich als Netzwerk- und Kommunikations-Ingenieur den weiten Weg bis zu ihrem Büro gehen, um dann laute und unanständige Geräusche oder Bemerkungen zu ihnen oder über sie zu machen, die sie (und natürlich auch ich) als Belästigung auffassen könnten? ODER würde ich stattdessen aus einer unangreifbaren Position heraus - zum Beispiel dem Büro des Chefs - ein paar Bilder finden und veröffentlichen, auf denen sie weniger Kleidung tragen, als das der Standard in unserem Haus vorsieht?" Plötzliche Stille macht sich im Raum breit. Die Personalchefin sieht aus, wie jemand, der jetzt lieber an irgendeinem anderen Ort wäre und völlig vergessen hat, weiter seine Axt zu schärfen. "Ich weiss nicht, worauf sie anspielen, mögl ...." fängt Frau Liebenswürdig an. "Oh, auf nichts, das versichere ich ihnen. Ich bin sicher, dass das nur ein Problem mit der Klimaanlage war, das die Sicherheitska ..." "HALT! Ich glaube nicht, das wir dieses Thema jetzt noch weiter vertiefen müssen", unterbricht mich der Gewerkschaftschef. "Zumindest nicht, wenn der Beweis ..." Mit anderen Worten, er will die Bänder. "Nun, wie ich schon sagte, dies war nur ein Beispiel", antworte ich. "Und es war völlig frei erfunden. Doch wo wir gerade bei Fakten sind, stimmt es, dass demnächst eine Lohnerhöhung geplant ist?" Er sieht einen Rettungsanker. "Ah, es gab Gespräche über ..." "Ausgezeichnet. Der PJ und ich haben gehofft, dass dies der Fall ist." Verhandlungen beendet. Der PJ und ich ziehen uns in unser Büro zurück, um die Lohnerhöhung zu verplanen. Zwei Tage später halten wir die schriftliche Bestätigung der Lohnerhöhung in den Händen und sind einmal mehr zufriedene Mitarbeiter. Der Chef andererseits ist nicht so zufrieden. Wieder hat er gegen uns verloren und sich in eine Ein-Mann-Armee verwandelt, die wütend durch die Abteilung marschiert, um ein Opfer zu suchen, das sich nicht wehren kann. Das Telefon klingelt. Es ist die Nutzer-Betreuung. "Hallo?" melde ich mich. "Ist dort die Netzwerk-Abteilung?" "Sie wissen, wer wir sind." "Wir haben ein ... Problem, dass wir gerne gelöst hätten." "Hardware oder Software?" "Ähmmm ... Bossware." "Das könnte teuer werden ..." "Ein Abend für vier mit Drinks und Essen im Dorchester auf unsere Kosten?" "Gut, wir kümmern uns darum." "Oh! In Ordnung." "Keine Ursache." Ich liebe Anrufe dieser Art. Ich informiere den PJ über das Geschäft. Später an diesem Tag stürmt der Chef herein auf der Suche nach der Person, die den Mail-Server heruntergefahren hat. "Das war wohl ich", erkläre ich. "Sie haben uns doch gesagt, wir sollen den Server in den Computer-Raum stellen. Aber die Elektriker haben die Stromleitungen noch nicht geprüft." "RICHTIG!", antwortet er bissig. "Ich komme wieder, um mich mit IHNEN zu unterhalten, wenn ICH den Server wieder hochgefahren habe." Wie vorschnell. Der PJ und ich sehen, wie das Netzteil des Servers eine Rauchwolke ausstösst, als der falsch verkabelte Netzstecker 400 Volt statt der erwarteten 240 liefert. Es ist unserem Sicherheitssystem zu verdanken, dass im Notfall die Türen der betroffenen Räume sofort geschlossen werden, damit niemand irrtümlich in einen Raum gelangt, der sich mit Ozon füllt. Andererseits kann auch niemand mehr heraus ... Der Chef in dem Raum greift nach der Sauerstoffmaske. "Er muss verrückt geworden sein! Er lachte wie ein Wahnsinniger, stürmte in den Raum und ging auf die Technik los!" erkläre ich den Leuten vom Sicherheitsdienst etwas später. Der Chef lacht noch immer (offensichtlich findet er irgendetwas unheimlich lustig), als sie in hinaustragen ... [[Der B.O.F.H. und der PJ machen ein paar Konsultationsbesuche ...]] Zum ersten Mal in seiner Karriere hat der Chef etwas richtig gemacht! Das ist verwunderlich, doch irgendwie hat er es geschafft, ein paar Konsultationsbesuche mit anderen lokalen Unternehmen zu verabreden, um den kollegialen Austausch von Informationen und Erfahrungen über Netzwerke zu fördern. Das könnte ihm so passen! Wir wissen, dass es sich dabei nur um eine List handelt, mit der er uns loswerden will, um nach den drei Blanko-Bestellformularen, die seine Unterschrift tragen, zu suchen, die wir von ihm erpresst haben, indem wir damit drohten, den Geschäftsführer darüber zu informieren, was ein Tisch und eine Sekretärin unter reger Beteiligung unseres Chefs im Beratungsraum der Geschäftsleitung getrieben haben. Wer hätte gedacht, dass die Erweiterung der Gesprächsaufzeichnungsanlage um eine Infrarotkamera sich so schnell auszahlen würde? Und in Konsultationsbesuchen erkennt ein erfahrener Bastard natürlich SOFORT eine Möglichkeit zur Aufrüstung der eigenen Hardware. Der PJ und ich bereiten uns auf die Besuche vor, indem wir die leider für längere Zeit nicht mehr gebrauchten falschen Böden in unsere Aktentaschen einsetzen und sie dann mit veraltetem Netzwerkzubehör füllen. Gemäss unserer Absprache hat der PJ bereits ein halbes Dutzend 10/100 MBit-Ethernet-Karten gegen unsere alten 10 MBit-Karten ausgetauscht, als der Netzwerk-Manager, den wir zuerst besuchen, mir die ganze Schönheit seiner Technikregale vorgeführt hat. Es ist beinahe so, als nähme man einem Baby die Bonbons weg - und lässt ihm dann noch das Einwickelpapier ... Unser zweiter Besuch führt uns in ein etwas sichereres Unternehmen, das eine leichte Herausforderung verspricht. Jedenfalls solange, bis wir zur Mittagszeit in ein Lokal gehen, um sieben oder acht Biere zu trinken, auf die ein paar Tequilas folgen. Ein geringer Preis für Router-EPROMs mit der neuesten Version der Firmware, für die unser Lieferant ein mittleres Vermögen kassieren wollte, während der Netzwerk-Manager unseres Gastgebers friedlich schnarcht. Da ich ein gutmütiger Trottel bin, werde ich die EPROMs später als 'Fehlerbereinigung' mit der Post zurückschicken, nachdem ich ein paar kleine Änderungen an der internen Logik vorgenommen habe. Ich bin sicher, der derzeitige Vorteil unseres Konkurrenten wird zu unserem Vorsprung, wenn die "Benutze das am meisten belastete Segment"-Anweisungen ausgeführt werden ... Wir werden nur einmal unterbrochen, als ihr PJ (so grün, dass er einmal mit einem Rasenmäher zusammengebracht werden sollte) hereinkommt, um zu sehen, was wir machen. Aber das Winken mit meiner Metro-Monatskarte überzeugt ihn davon, dass wir das Wartungsteam ihres Zulieferers sind und routinemässig die Hardware prüfen. Es bricht mir wirklich das Herz, dass ich diese Leichtgläubigkeit nicht bestrafen kann. Die Auswirkungen des Mittagessens bringen den PJ, der auf dem Gebiet der alkoholischen Künste noch ein wenig unerfahren ist, dazu, sich vom anderen PJ den Ort zeigen zu lassen, den selbst Könige zu Fuss aufsuchen. Der andere PJ vergisst natürlich achtlos seine Tasche mit der Nutzerkarte ... Sekunden später fällt der Strom aus, was nur bedeuten kann, dass seine Erholungspause den PJ am Sicherungskasten vorbeigeführt hat. Die Dunkelheit, der wahre Freund eines jeden Bastards, wird nur noch durch einige NOTAUSGANG-Schilder gestört, die ein wenig flackern und schliesslich auch ausgehen. Nun, das nenne ich einen guten Lehrling. Schneller als man "Hochkapazitäts-Speicherplatz-Downgrade" sagen kann führe ich ein solches an einem PC durch, was zugleich einen spürbaren Gewichtszuwachs für meine Aktentasche bedeutet. Ich komme rechtzeitig nach draussen, um den PJ unseres Gastgebers über eine Kabelrolle stürzen zu sehen, die ich auf meinem Weg in den Raum zufällig von einem Regal herunterstiess. Die Lichter gehen wieder an, und ich sehe, wie der PJ dem anderen PJ in einen Stuhl hilft. Der arme Tropf sieht etwas verstört aus, also entschliesse ich mich, ihm ein wenig unter die schwachen Arme zu greifen, indem ich ein paar Anrufe entgegennehme. "DAS VERDAMMTE NETZWERK IST TOT!" schreit ein Nutzer in einer Lautstärke, die bei uns dazu geführt hätte, das uns jemand Krankengeld zahlen muss. Hier scheint sowas üblich zu sein. "Ja, das liegt am Stromstärkeabfall, der durch die starke Nutzung verursacht wird." antworte ich. "Sie sollten ihre Rechner im Niedrigstrom-Modus benutzen, um solche Ausfälle zu vermeiden." "Wie kann ich das tun?" fragt der Nutzer und lässt mich wieder an die guten alten Werte wie Vertrauen und Bestrafung denken. "Schalten sie erst einmal alle Rechner in ihrem Büro ab. Auf der Rückseite jedes Rechners finden sie den Schalter, um den Niedrigstrom-Modus einzuschalten. Dann schalten sie die Rechner gleichzeitig wieder ein." "Sie meinen die 115 Volt-Einstellung?" will der Nutzer wissen. "Sie haben es!" "Danke." "Keine Ursache!" rufe ich, als der PJ und ich nach draussen eilen. Unser Abgang wird begleitet von lautem Krach aus den Büros im Erdgeschoss, der in meinen Ohren wie fröhliche Musik klingt ... Die letzte Station unserer Konsultationsreise ist eine Überraschung. Wir besuchen unseren Konkurrenten, der uns vor einiger Zeit übernehmen wollte. Sieht aus wie eine Falle ... Meine Befürchtungen bewahrheiten sich, als ich die vielen kleinen Löcher für die versteckten Überwachungskameras bemerke, die die Wände der Korridore und der Büros so unauffällig auffällig zieren. Nun, das erhöht den Reiz ein wenig ... Ich liebe die Herausforderung, aber das sagte ich wohl schon ... [[Der B.O.F.H. und der PJ helfen einem Konkurrenten, seine PSIK-Probleme zu lösen ....]] Es ist Zeit für den letzten Besuch auf unserer Konsultationsreise. Und diesmal scheint es sich um eine wirklich harte Nuss zu handeln ... Die Netzwerk-Zentrale scheint direkt aus dem Science-Fiktion-Land zu kommen, eine echte Sicherheits-Zentrale und eine Schatztruhe volle komplizierter Geräte. Meine Finger beginnen sofort zu zittern, doch Vorsicht ist jetzt die wichtigste Parole. Der PJ nimmt die hervorragende Sicherheitsausstattung ebenfalls wahr und passt sich entsprechend an. Ein Telefon in meiner Nähe klingelt, und ich nehme den Anruf hilfsbereit entgegen, wobei ich vorhabe, das gute alte FDISK-Programm zur Fehlerbehebung einzusetzen, doch das verräterische Piepen des Gesprächsrekorders macht mir klar, dass alles, was ich sage, gegen mich verwendet werden kann und wird. Ich gebe ein paar unnütze Floskeln als Ratschlag von mir, dann lege ich wieder auf. Mein Gegenpart beobachtet mich mit dem selbsgefälligen Ausdruck von jemandem, der genau weiss, wie sicher seine Einrichtung ist. Dieser Bastard! Bei der Besichtigung der Kommunikationsanlagen zeigt er mir topmoderne und neue Technik, für die ich sogar dem Chef keine Streiche mehr spielen würde, um sie zu bekommen - was meinen allgemeinen Kummer nur noch verstärkt. "Ziemlich gut, oder?" kommentiert mein Gegenspieler. "Ich bin mir sicher, dass sie solche Technik auch bekommen werden ... irgendwann ...." Dieser Doppel-Bastard! Zur Mittagszeit habe ich beinahe alle Hoffnung aufgegeben - es sieht aus, als hätten sich die Mächte gegen mich verschworen. Selbst in der Cafeteria bemerke ich überall Kameralinsen. Ausser ... Der PJ interpretiert das plötzliche Leuchten in meinen Augen korrekt und stellt sich für den Bruchteil einer Sekunde so, dass niemand sieht, wie ich das alte Hausmittel - ein wenig Abführmittel - in den Nachtisch meines Gastgebers schmuggle. Das mag zwar nicht besonders fair sein, doch wie sagt man so schön, in der Liebe und im Netzwerk-Geschäft ist alles erlaubt ... Wie geplant erreicht der Ruf der Natur mein Gegenstück ein paar Stunden später, so dass der PJ und ich endlich mit der Arbeit beginnen können. Er stolpert zufällig über ein Kabel und landet mit dem Gesicht auf der Kontrollkonsole der Kamera-Überwachung. Dabei zieht er sich im Dienst unserer Sache ein paar Quetschungen zu. Die Überwachungskameras befinden sich nun im Alzheimer-Modus, und ich starte auf jedem PC, den ich von hier aus erreichen kann, die SNMP-Testprogramme. Sekunden später stürmt jemand herein, den ich als den Chef meines Gegenstücks identifizieren kann, und wettert über erschreckend hohe Antwortzeiten im Netzwerk. Doch eigentlich kann das gar nicht so schlimm sein, es sei denn, die 400 ungenutzten PCs im Gebäude schicken jede Sekunde SNMP-Fehlermeldungen durchs Netz ... "Das sieht aus wie das PSIK-Problem, das wir mit neuer Hardware vor ein paar Monaten hatten." kommentiere ich hilfsbereit "PSIK?" fragt er. "Ja, Pseudo-Standard-Interface-Konflikte", antworte ich. "Die neue Hardware hält sich meistens an keinen Standard, was auch prächtig funktioniert, solange die Geräte nicht an ein Netzwerk angeschlossen werden und mit anderen Geräten keine Daten austauschen. Wenn sie aber angeschlossen werden, dann gibt es früher oder später zwangsläufig Probleme ..." "... wenn nur noch Fehlermeldungen durch das Netz geschickt werden." vollendet der PJ, der meine Taktik schnell durchschaut hat. "Was können wir dagegen tun?" fragt der Chef-Verschnitt. "Mein Netzwerkbetreuer hat mir nichts davon berichtet!" "Sie machen Scherze!" erwidere ich entsetzt. "Sie meinen, er füllt keine täglichen Reports aus, in denen er protokolliert, womit er den Tag verbringt? Natürlich! Grosser Gott, aber sagen sie bitte nicht, er hätte keine Netzwerk-Dokumentation für solche Fälle!" "Hat er nicht!" "Aber das hat doch oberste Priorität bei dieser Arbeit! Kein Wunder, dass sie Probleme mit all diesen neuen Geräten haben!! Ich spreche es ja nicht gern aus, aber es hat ganz den Anschein, als hätte er sie mit irgendwelchen technischen Floskeln an der Nase herumgeführt ... Ich sage ihnen, was wir tun können - denn sie sind ja ein guter Bekannter meines Chefs. Ich werde ihnen ein paar unserer Geräte leihweise überlassen, damit wir ein paar von ihren Geräten mitnehmen und die Fehler lokalisieren und beheben können." "Das würden sie tun?!?!" freut er sich, die Rettung des Netzwerkes vor Augen. "Natürlich! Aber nur, wenn sie nicht glauben, wir hätten ihnen nur noch mehr technische Floskeln, Fachbegriffe und Geek-Geschwätz vorgesetzt." "NEIN. Ich bin in der Lage, allein technische Entscheidungen zu treffen. Sagen sie mir, was wir ersetzen müssen und sie können es mitnehmen, wenn sie gehen ..." "Gut, dieser Gigabit-Ethernet-Switch sieht verdächtig aus." antworte ich. "Und vergessen sie nicht diesen kleinen Handheld zur Netzwerk-Analyse" ergänzt der PJ. ... fünf Minuten später ... "Und zum Schluss noch diesen Dual Audio-Kanal Video-Monitor." "Sie meinen den neuen 29 Zoll Stereo-Farbfernseher des Geschäftsführers?!?!?" jammert er. "Ich wette, der verursacht allein schon die Hälfte aller Fehlermeldungen." antworte ich. Innerhalb einer halben Stunde vermisst ihre Kommunikationszentrale nichts als einige fehlerhafte Geräte. Ich organisiere die Anlieferung einer Ladung mit Netzwerk-Zubehör, das so alt ist, dass man die Bytes beim Wandern beobachten kann und mache Pläne für die Verhandlungen, die zwangsläufig folgen werden. Ich kann es kaum erwarten, die Rechnung für die "Behandlung" jedes Gerätes, das wir untersuchen und als standard-kompatibel einstufen, zu sehen ... Ja, diese Konsultationsbesuche machen sich wirklich bezahlt ... [[Dem B.O.F.H. wird von seinen Kollegen ein Preis verliehen ...]] Es ist ein ruhiger Montagmorgen, als der Chef ins Büro hereinschlendert. Er streicht wie eine Katze um dem sprichwörtlichen Brei. "Wie lief der Router-Verkauf?" will er wissen. Er kann seine Zufriedenheit darüber, dass er es geschafft hat, einen Router zu verkaufen, der so kaputt war, dass er nicht einmal mehr den Selbsttest schaffen würde, um als Anker zu dienen, kaum verbergen. "Sie kamen und haben ihn abgeholt." antworte ich und denke an den armen Tropf, der den Router von uns gekauft hat und mit ziemlicher Sicherheit gerade damit beschäftigt ist, ein Feuer zu löschen. "Ich glaube noch immer, dass wir nicht ganz korrekt gehandelt haben." "Klingt wie ein Fall von später Reue", gluckst der Chef selbstgefällig. "Tatsächlich?" erwidere ich. "Ich dachte wirklich, dass es ein Router war! Man kann diesen ausländischen Weinen auch nicht mehr trauen - nach Tschernobyl kann man nie wissen, ob sie radioaktiv sind ...." Der Chef schaut mich an, als sei ich ein völliger Dummkopf, doch der PJ bleibt ruhig, denn er kennt meinen Plan. "Wie HABEN sie die Leute überzeugen können?" frage ich, um das Bedürfnis des Chefs nach Anerkennung und Verehrung zu befriedigen. "Oh. Ich habe ihnen gesagt, dass es ein Originalgerät ist und noch immer so gut, wie an dem Tag als wir es kauften." kichert er, um sich selbst zu beweisen, was für ein Genie er ist ... Und das ist ein Glaube, gegen den ich nichts habe, denn heute ist der erste April - Bastard Boss Tag - und ich will endlich einen Preis bekommen, um den ich mich schon seit vielen Jahren bemühe. In diesem Jahr habe ich beschlossen, dem Chef das Netzwerk als Speichermedium zu verkaufen. Ich muss noch ein paar Andeutungen machen, damit er seine gewaltige Intelligenz von dem Versuch, seine Schnürsenkel zuzubinden abwendet und mir zuhört. "Es ist doch ganz einfach!" rufe ich. "Wir haben überall diese Gigabit Ethernet Switches herumstehen, aber nutzen sie nicht! Statt sie im Leerlauf ungenutzt zu lassen, könnten wir doch ständig die Daten durch das Netz senden, bis jemand sie braucht und benutzt. Das würde auch den Bedarf an Festplatten drastisch senken! Und dann noch die Wartezeit, die durch die Verzögerungen bei Lese- und Schreibzugriffen auf den Festplatten entsteht! Die könnten wir einsparen, wenn die Daten immer im Netz verfügbar wären!" "Das wird niemals funktionieren", kontert der PJ verabredungsgemäss. "Unser Netzwerk ist viel zu klein - die Daten wären schon wieder zurück, bevor sie vollständig abgeschickt wurden." "Nicht, wenn wir die Leitungen etwas verlängern, um eine kurze Verzögerung zu bewirken", antworte ich. "Zehn Cat-5-Kabelrollen dürften genügen." "Ja!" lächelt der PJ. "Das stimmt - daran hatte ich noch gar nicht gedacht." Unsere Diskussion hat den Chef überzeugt. Wenn der PJ mir sofort zugestimmt hätte, dann wäre der Chef vorsichtiger gewesen und hätte das Schlimmste vermutet. Doch nun hat er den PJ "auf seiner Seite", also ist die Sache sicher. Wie ein Schaf im Schlachthof ... "Ausgezeichnet. Ich bin mir sicher, dass der Geschäftsführer zustimmen wird!" "Wären sie so nett, ihm zu sagen, dass es meine Idee war?" frage ich und bringe die letzten beiden Sargnägel an. Jetzt ist er völlig davon überzeugt, dass die Sache sicher ist. Und nichts wird ihn davon abbringen, den ganzen Ruhm selbst einzuheimsen. Er verschwindet zum Geschäftsführer, während der PJ und ich versuchen, gelassen in unser Büro zurückzulaufen. Ich schalte die Überwachungskamera im Büro des Geschäftsführers ein und starte den Videorekorder. Diese kleine Aufzeichnung wird mir ganz sicher die Trophäe einbringen, die ich schon so lange verdiene - den begehrten "IT-Idiot-Preis" für den dümmsten Chef, den ich am heutigen Abend in einem zentralen Pub in London bekommen werde, wo ich mit ein paar befreundeten B.O.F.H.s verabredet bin .... Die Aufzeichnung startet gerade rechtzeitig ... "Wie auch immer ..." schnattert der Chef aufgeregt und mit gespielter Intelligenz drauflos. "Ich lief durch die Abteilung, als mir der Gedanke kam. Angesichts der steigenden Kosten für Festplattenplatz wäre es doch eine interessante Sache, das Netzwerk als Speicher zu nutzen ..." Er fährt fort und schmückt wortgewaltig das aus, was wir ihm als "Futter" vorgesetzt haben, und erwähnt ganz nebenbei, dass er gerade eine Bestellung über zwanzig Cat-5-Kabeltrommeln abgeschickt hat. Die Explosion ist unvermeidlich. Der Geschäftsführer, dessen Praxiswissen zwar gerade dazu ausreicht, eine elektrische Schreibmaschine zu bedienen, hat andererseits sechs Jahre damit verbracht, Erstsemesterstudenten die theoretischen Grundlagen von Netzwerken beizubringen. Der PJ und ich kopieren alles für den Fall, dass uns jemand "bestrafen" will ... Später in der Nacht verputze ich ein oder zwei Biere im Pub, um meinen neuen Preis zu feiern. Trotzdem, ich spüre eine gewisse Unzufriedenheit. Vielleicht hätte ich den Chef besser davon überzeugt, die Liftkabel auch als Stromleitungen für die USV zu nutzen. Ach was, es gibt ja noch das nächste Jahr .... [[Die Netzwerk-Zentrale wird in ihrem Fundament erschüttert, als die Dinge kopfstehen ....]] Die Dinge entwickeln sich nicht gerade so, wie ich das geplant hatte. Ja, beinahe scheint ein Wechsel der Karriere angebracht zu sein. Ich wurde zu einem dienstlichen Gespräch eingeladen, um auf einige Beschwerden über meine "Arbeitsweise" zu reagieren ... Um den Schein von 'Fairness' zu wahren, sorgt der Chef dafür, dass als Zeuge sein guter Freund und mein ewiger Feind, der Personalchef, anwesend ist. Aber auch wenn ich, natürlich nur bei wenigen Gelegenheiten, Differenzen mit ihm habe, so rechne ich doch mit seiner Professionalität. Ich bin sicher, dass er nur das Kriegsbeil begraben will ... "Simon", beginnt der Chef. "Wir haben formelle Beschwerden über sie von einem neuen Systemprogrammierer bekommen. Er erklärt, dass sie sich grundlos anstössig ihm gegenüber benehmen." "Ich fürchte, dass ich nicht die leiseste Ahnung habe, worüber sie reden." "Er behauptet, sie hätten ihn aufgefordert, er könne sie an gewissen Körperteilen lecken." "Wie bitte?" frage ich schockiert. "Da muss ein gewaltiger Irrtum vorliegen. Als ich ihn zuletzt getroffen habe, sagte ich ihm, dass ich einen Systemabsturz hatte, den er sich einmal anschauen sollte. Ich kann doch nicht dafür verantwortlich gemacht werden, dass er mich falsch interpretiert." "Sie kamen von der Toilette." "Reiner Zufall. Ich habe es erwähnt, als die Gelegenheit sich bot." "Erwähnt? Das war wohl eher lautes Geschrei, oder? Ich glaube, sogar ich habe es noch gehört." "Ich gebe zu, dass es etwas lauter als ein Flüstern war, aber das tat ich nur aus Respekt vor seinem reichhaltigen und professionellen Wissen ..." (Nun, einen Versuch war es wert ....) "Die Worte 'lecken sie meinen', nun, sie wissen schon, was ich meine, haben nach MEINER Meinung nichts mit professionellem Respekt zu tun." "Natürlich werde ich mich entschuldigen, falls ich eine Störung des guten Klimas in der Abteilung hervorgerufen habe - ich werde mich jetzt sofort entschuldigen!" "Sie wissen so gut wie ich, dass der Programmierer gekündigt hat." "Nein, das ist mir neu. Wie kam es denn dazu?" "Es hat den Anschein, als sei er beunruhigt über die häufigen Explosionen seiner Geräte gewesen." "Wirklich? Möglicherweise gab es wieder Probleme mit seinem USV-System. Erst kürzlich hatten wir damit Schwierigkeiten ..." "Ja, ich habe auch bemerkt, dass der Chefbuchhalter für unsere Abteilung ebenfalls gekündigt hat. Er sprach von zuviel Stress am Arbeitsplatz." "Nun, ich finde auch, dass die Hersteller von Geräten nicht mehr das sind, was sie einmal waren." antworte ich. "In der guten alten Zeit reagierten die Geräte etwas toleranter, wenn es kleinere Fehler gab." "Meinen sie damit die 400 Volt-Netzkabel, für die die Elektriker keine Erklärung haben?" "Wirklich? Das wusste ich nicht. Jemand hat meinen Strom- und Spannungsmesser gestohlen." "Damit meinen sie wohl das Messgerät, das mit der Hauptleitung im Beratungszimmer verbunden ist und bei dem die 10 Ampere-Skala eingeschaltet ist, so dass die Sicherungen auf der Etage jedesmal durchbrennen, wenn der Overhead-Projektor eingeschaltet wird?" "Wirklich? Wer würde denn sowas machen?" "Haben sie eine Begründung dafür, dass der Sicherheitsdienst ihre Fingerabdrücke auf dem Gerät gefunden hat?" "Ich muss bei meiner Arbeit viele Geräte anfassen. Das ist meine Aufgabe." "Das sehe ich. Nun, die Sache liegt nicht mehr bei uns. Der Geschäftsführer will sich persönlich mit ihnen unterhalten." Persönliche Gespräche mit dem Geschäftsführer sind höchst selten. Und beinahe immer sind sie Anlass für eine 'Kündigung'. Der Chef und ich werden in das Zimmer des Geschäftsführers gebeten ... "Was gibt es bei ihnen eigentlich für Probleme?" knurrt der Geschäftsführer. "Wollen sie die Antwort mit technischen Fachbegriffen oder verständlich für Laien?" frage ich höflich. "Für den Anfang versuchen sie es so, dass ein Laie es versteht." "Ich und mein Auszubildender sind die einzigen Angestellten im ganzen Betrieb, die wirklich wissen, was wir tun." Der Chef schüttelt den Kopf und lächelt humorlos. "Ja, ich habe gehört, dass das der Fall ist." antwortet der Geschäftsführer, der bei einem Familientreffen durch den PJ informiert wurde. Diese Familientreffen sind eine fantastische Einrichtung ... "Entschuldigen sie!" unterbricht der Chef leidenschaftlich. "Ich glaube, sie übersehen da etwas." "Natürlich tue ich das." lächelt der Geschäftsführer wohlwollend. "Wir sind, natürlich, traurig, dass sie uns verlassen wollen." "Was? Ich denke überhaupt nicht daran, eine Kündigung zu unterschreiben. Und sie können mich nicht dazu überreden!" "Aber das haben sie doch schon getan", antwortet der Geschäftsführer etwas verwirrt und zeigt ein Schriftstück mit der rasch hingekritzelten Unterschrift des Chefs. "Aber wer kann mich denn ersetzen?" murmelt der Chef resigniert. "Er sitzt vor ihnen." lächelt der Geschäftsführer. "Sie wollen sich um das Netzwerk kümmern?!" ruft der Chef. "Nein ...." "Aber wer ..." Unglaube und Angst tragen einen kurzen Kampf um die Vorherrschaft auf seinem Gesicht aus. "Das meinen sie nicht ernst!" "Aber natürlich meint er es ernst", antworte ich schnell. "Nun, ich höre, dass sie eine Arbeit suchen. Und ganz zufällig haben wir eine freie Position in unserer Netzwerk-Abteilung zu vergeben. Sie werden natürlich mir unterstellt sein ..." Manchmal kann das Leben schrecklich sein, aber wenn es gut ist, dann ist es WIRKLICH gut. [[Der B.O.F.H. unterzieht seinen neuen Schützling einer würdigen Taufe ... Und sieht ihn erblühen ...]] Jetzt bin ich also in einer hervorragenden Manager-Position. Das zusätzliche Einkommen als Manager genügt schon, um mir den Tag zu versüssen. Die Möglichkeiten, zur Umleitung von Geldern, die für weniger wichtige Projekte (Aufrüstung der Hardware der Service-Abteilung) vorgesehen sind, in wichtige Projekte (neue Hardware für die Netzwerkzentrale) sind zahlreich. Und der Zuckerguss auf der Torte ist die Tatsache, dass mein früherer Chef jetzt mein Untergebener ist ... Und bis jetzt habe ich noch keine Beschwerde gehört. Ich beschliesse, mein Glück mit den anderen zu teilen. Der PJ hatte schon immer den Wunsch, nach New Orleans zu verreisen. Im WWW finde ich schnell eine passende Konferenz, bei der ich ihn anmelde. Er ist hocherfreut, da er noch nie in New Orleans war. Der Ex-Chef erwartet einen ähnlichen Gefallen, und ich kann mir nicht verkneifen, ihn zu enttäuschen. Ich zeige ihm, wo er den Staubsauger findet und dann auf der Karte alle Räume, die zu unserer Abteilung gehören ... Eine Woche später sind beide wieder da, der Ex-Chef wirkt etwas seltsam, was wohl daran liegt, dass er die meiste Zeit im Dunkeln zugebracht hat. Wie konnte ich nur vergessen, ihn daran zu erinnern, dass einige der Schränke in unseren Räumen keine Griffe an den Innenseiten der Türen haben? Ups. Immerhin hatte er noch den Verstand, das Netzkabel der Vermittlungsanlage zu ziehen, so dass jemand ihn finden konnte. Allerdings hätte er diesen Einfall wohl besser vor dem langen Wochenende gehabt. Doch bekanntlich lernt man ja am besten aus den eigenen Fehlern. Es ist schon furchtbar, was man aus Wassermangel alles tut. Da nun alle wieder in der Netzwerkzentrale versammelt sind, verteile ich die Aufgaben. Der PJ übernimmt wegen seiner Erfahrungen meine alte Rolle, also Installation, Überwachung und Wartung. Der Ex-Chef, natürlich ist er völlig ahnungslos, wird vor das Telefon gesetzt. Ich musste es sogar für ihn anschliessen. Meine Hoffnungen werden nicht enttäuscht. Innerhalb der ersten halben Stunde klingelt es. Und da er sich in der Ausbildung befindet, muss der Ex-Chef die Freisprechanlage benutzen, damit er Anweisungen vom PJ oder mir entgegennehmen kann, wenn dies nötig wird. "Hallo, Netzwerk-Zentrale", meldet der Ex-Chef sich. "Hallo, ist dort die Netzwerk-Zentrale?" Ein schneller Blick auf die Rufnummernidentifizierung erklärt den Umstand, dass die Stimme bekannt klingt. Der PJ flüchtet voller Angst. "Wie kann ich ihnen helfen?" "Das Netzwerk funktioniert schon wieder nicht." "Ja. Wann trat der Fehler auf?" "Gerade eben. Ich habe versucht, etwas zu drucken, aber es geht nicht." "In Ordnung, ich schaue mir das mit dem Netzwerk-Monitor an und prüfe, ob ihr Computer defekt ist. In welchem Raum sitzen sie?" Sie gibt ihm die Nummer, und er durchforstet die Netzwerk-Datenbank auf der Suche nach Informationen. Erfolglos. Da er uns in seiner neuen Position nicht so früh um Hilfe bitten will, entscheidet er sich für die erprobte alte Methode und begibt sich zu ihr. Als er weg ist, kommt der PJ wieder. "Ist er wirklich losgegangen?" "Yep." "Der arme Hund!" "Yep." In jedem Unternehmen gibt es mindestens einen paranoiden Mitarbeiter, der unter einer Computerphobie leidet. Und sie gehört zu diesen Leuten, die glauben, dass die Computer heimlich die Einstellungen verändern, wenn sie wegschauen. Zu jenen, die sich ständig darüber beschweren, dass jemand ihre Passwörter geändert hat. (Immer dann, wenn sie die Umschalttaste drücken.) Zu denen, die überhaupt nichts angefasst haben wollen, und trotzdem läuft das Netzwerk nicht. (Das kommt zweimal im Jahr vor, wenn sie den Standort ihres PCs wegen der Sonneneinstrahlung ändern und dabei die Netzwerkkabel abziehen ...) Allerdings ist es in diesem Fall noch schlimmer. Das 'Netzwerk', von dem sie sprach, besteht aus einem RS232-Druckerkabel zwischen ihrem XT-PC der ersten Generation und einem Nadeldrucker. Sie hat niemals der neueren Technologie vertraut (die nicht funktionierte und sich heimlich gegen sie verschwor) und zieht es vor, getrennt von der wirklichen Welt zu bleiben. Mit Ausnahme zweier Anrufe im Jahr, wenn sie das Druckerkabel abgezogen hat. Eine Stunde später ist der Ex-Chef zurück - ein verwandelter Mensch. Nachdem er sich eine Stunde lang verschiedene Verschwörungstheorien und weiteres geistloses Geschwätz vom Akte X-Typ anhören musste, hat er erfahren, was es heisst, an unserem Ende der Telefonleitung zu sitzen. Verschwunden ist der Geist der Hilfsbereitschaft. Verschwunden ist der gute Wille gegenüber den Anliegen der Nutzer. Der PJ und ich tauschen einen wissenden Blick - das haben wir schon früher gesehen, und wir werden es wieder sehen. Er wurde bastardisiert. Das Telefon klingelt erneut. "Netzwerk", stösst er kurzatmig hervor. "Hallo, ist dort die Netzwerk-Betreuung?" fragt die bekannte Stimme. Das Telefon gibt ein knackendes Geräusch von sich, als es hochgerissen und in den Mülleimer gefeuert wird. "So, ich nehme an, ich werde dafür gefeuert, dass ich das Telefon zerstört habe?" fragt er seinem Schicksal ergeben. "Nun, improvisierte Deinstallationen stehen normalerweise etwas später auf dem Ausbildungsplan, aber es hat den Anschein, dass das eigene Erleben der beste Lehrer ist ..." Ich gehe nach draussen und überlasse es dem PJ, ihm die restlichen Ketten zu zeigen ... Und die Peitschen ... Und die 'Video-Überwachungs'-Steuerung ... Wer hätte gedacht, dass er so vielversprechendes Material ist? [[Wer hat behauptet, es sei leicht, ein Manager zu sein? Es gibt noch immer Dinge, die nicht mit einer Axt geregelt werden können ...]] ICH KANN ES NICHT MEHR AUSHALTEN!!! Dabei lief es in meiner neuen Position als Manager so gut - Geld für wichtige Projekte (Stereo-Fernseher, die mit den neuesten und besten Sateliten-Empfangsschüsseln verbunden sind) auszugeben, als die Bombe platzte. Ich fand heraus, dass von mir erwartet wird, an ungefähr sechs 'Planungs-' Besprechungen in JEDER Woche teilzunehmen! Meine bisherige Meinung über das Management wurde mehr als bestätigt ... Irgendwann, nachdem die Frage, 'was diese Byte-Dinger eigentlich sind' ungefähr tausendmal gestellt wurde, ist Schluss! Und dann ertappt man sich bei der Vorstellung, welche Verbesserungen man mit einer Axt und einem grossen Abfallzerkleinerer in der Firma durchsetzen könnte. Wo ich gerade beim Thema bin - die erste hochwichtige Beratung fand zu der bedeutenden Frage statt, ob wir die Pflanzen für unser Haus mieten sollten. Da eigentlich schon überall Pflanzen herumstehen, fand ich, dass das eine irgendwie redundante Thematik sei - aber ganz offensichtlich haben sich meine Gedankengänge noch nicht an meine neue Position gewöhnt. Ich hatte vergessen, dass diese kleine Managergruppe nicht eine, nicht zwei, nicht drei, sondern VIER Umstrukturierungen in der Abteilung (um die Änderungen in der Managementhierarchie widerzuspiegeln) in den vergangenen 18 Monaten empfohlen hat. Nach nur zweistündiger Besprechung wurde beschlossen, dass wir die Pflanzen mieten, denn dann wäre ja der Vermieter dafür verantwortlich, sie zu giessen und zu pflegen. (Als ob der Geschmack des Tees und des Kaffees aus den Automaten nicht ohnehin dafür sorgen würde.) Und nach diesen zwei Stunden ging es eine weitere halbe Stunde lang darum, was mit den schon vorhandenen Pflanzen passieren soll, die in dem Gebäude stehen, seitdem es eröffnet wurde - in den oberen Etagen sind einige schon so gross, dass sie nicht mehr aus dem Gebäude transportiert werden können. Und da kam als kleinerer Geistesblitz der Müllzerkleinerer ins Spiel. Die Planungen sehen vor, eine Zerkleinerungsmaschine zu mieten, sie mit dem Lift nach oben zu befördern und vor Ort eine Art organische Entsorgung durchzuführen. Zu diesem Zeitpunkt sehnte ich mich nach dem Netzwerk. Die Dinge waren so simpel - ein Nutzer ruft an mit einem Problem, das zuerst natürlich durch ihn verursacht wurde, ich quäle ihn dafür ein wenig und beseitige das Problem dann auf bequeme Weise. Einfach. Effektiv. Schnell. Ich brauche Hilfe, also wende ich mich an jemanden, der den nötigen Verstand hat. Den Ex-Chef. Der Ex-Chef ist ein verwandelter Mensch. Er behandelt die Nutzer mit der typischen Geringschätzung eines Netzwerk-Profis, der die allgegenwärtige Frage, warum das Netzwerk nicht funktioniert, einmal zuviel gehört hat. Er hat gesehen, was wir sahen, er weiss, was wir wissen. Er IST ein Bastard! Ich finde ihn im Raum mit der Telefonanlage, wo er Wechselstrom mit 240 Volt durch die Telefonleitungen schickt, um die Telefone bestimmter Nutzer zu grillen. Ich erkläre ihm mein Problem, und er hört mir aufmerksam zu. "Es gibt nichts, was sie tun können", antwortet er. "Sie müssen es einfach mitmachen. Halten sie den Kopf unten, mucken sie nicht auf, denn sonst werden sie wieder eine Umstrukturierung ihrer Abteilung vorschlagen." Ein Gedanke kommt mir. "Wollen sie ihre alte Position zurückhaben?" frage ich. "Niemals!" antwortet er sofort. "Ach, kommen sie", flehe ich (da ich ein Manager bin, ist das nicht unter meiner Würde). "Das wird nicht billig", sagt er. DIESER BASTARD! Ich hätte ihn besser niemals eingestellt. "Wieviel?" Er nennt eine erpresserisch hohe Summe mit einem Klang seiner Stimme, der Verhandlungen ausschliesst. Traurigerweise unterzeichne ich einen >Heul!< Barscheck >Jammer!< über die Summe, die er verlangt. Er verschwindet damit, um ihn einzulösen, nachdem er mir einen weiteren guten Rat gegeben hat. Die Ankunft des grossen Abfallzerkleinerers ist ganz offensichtlich eine Möglichkeit, um auf einem Firmenfoto zu erscheinen, die sich keiner meiner Manager-'Kollegen' entgehen lassen will - eine weiteres Merkmal der Firmenpolitik. Natürlich nehme auch ich an dem Ereignis teil und sehe mich mit paar "In Ordnung, zeigen sie jetzt auf den Zerkleinerer. Und nun noch ein Bild, auf dem sie in den Abfallschacht schauen"-Aufforderungen konfrontiert. Als alle Fotos gemacht wurden, setze ich mich zum Chef des Aufsichtsrates und schlage ihm vor, dass es doch eine gute Idee wäre, wenn er auf einem Foto auftauchte, wenn gerade Holz zerkleinert wird. Ich klopfe auf einen Plastiksack, der mit einem Geräusch antwortet, als klopfte ich auf Holz. Der Aufsichtsratschef lächelt. Wir warten, bis alle gegangen sind, dann bereiten die Fotografen alles vor, denn wenn die Maschine erst einmal läuft, werden bestimmt auch die anderen Manager zurückkommen, die die Chance auf ein weiteres Foto wittern. Der Chef des Aufsichtsrates muss sich also beeilen. Er baut sich auf, ich starte die Maschine und leere den Sack. Um fair zu bleiben, muss ich sagen, dass er die Verwandlung seiner Segeltrophäen in Staub mit Fassung trägt - er entlässt mich nur aus meiner derzeitigen Managerposition. Einen Tag später erreicht mich zuhause ein Anruf des ehemaligen Ex-Chefs, der jetzt wieder der Chef ist, der mir eine Arbeit bei einem sehr überzeugendem Lohn anbietet. Natürlich akzeptiere ich. Die neue Arbeit ist GROSSARTIG. Der Chef ist dank seiner neuen Erfahrungen recht annehmbar. Das Leben könnte kaum besser werden. "KOMMEN SIE SCHNELL!" schreit der PJ, als er in das Büro stürmt. "Es ist der Chef! Er hat sich auf der Management-Beratung eingeschlossen! Dann hat er die Sekretärin aufgefordert, ihm seine Axt zu bringen, und jetzt hören wir nur noch die Geräusche des Müllzerkleinerers!" Mistkerl. Ich wusste, dass es zu schön war, um wahr zu sein ... [[Nicht nur der Duft von Napalm am Morgen, sondern auch ein durchgebrannter Server stellt einen guten Tagesbeginn dar ...]] Nach einer harten Nacht im Pub komme ich zur Arbeit. Meine Sinne sind noch wach genug, um den Brandgeruch richtig zu deuten, der aus dem Computerraum kommt. Dieser Geruch und die Jacke des PJs auf der Lehne seines Sessels lassen nur einen Schluss zu. Er will eine weitere Lohnerhöhung. Und die ist mehr als überfällig, wenn ich bedenke, dass die letzte Lohnerhöhung schon sechs Wochen zurückliegt. Doch die Personalabteilung zeigt mit den Daumen nach unten. Der PJ kommt aus dem Computerraum und bringt einen Feuerlöscher und etwas, das wie ein wichtiger Teil des Kühlsystems des Servers der Personalabteilung aussieht, mit. Gemäss seiner Ausbildung strebt er sein Ziel mit ganzem Einsatz an und rammt jedem, der sich ihm dabei in den Weg stellt, die Faust in den Bauch. "Guter Junge", denke ich mit stolzgeschwellter Brust. Ich bereite mich auf den unausweichlichen Anruf vor. Momente später klingelt auch schon das Telefon. Die Rufnummernidentifikation zeigt, dass mein 'Kunde' niemand anders ist, als der Vizechef der Personalabteilung, eine Person, mit der ich mehr als nur einen Zweikampf ausgetragen habe. "Was zum Teufel ist mit unserem Server passiert?" "Nun, ich bin mir noch nicht ganz sich, aber ich glaube, er litt unter Überhitzung ..." "Sie haben unseren Server in Brand gesteckt?" schreit er. "Nein, natürlich nicht. Das ist ein häufiger Fehler - wenn die Maschinen älter werden, kann der Staub im Gerät zur Selbstentzündung führen, weil ..." "Das verdammte Ding ist erst drei Wochen alt!" "Hmmm, sowas kommt manchmal vor. Sie können doch nicht erwarten, dass der PJ ihren Server rund um die Uhr bewacht - bei dem Hungerlohn, den sie ihm zahlen." erwidere ich. "Das ist es! Wir werden uns ein eigenes System beschaffen", schreit er und schmeisst den Hörer auf die Gabel. Ein paar Tage später sind meine Befürchtungen Realität, denn ein neuer Server taucht in der Personalabteilung auf. Er ist komplett eingerichtet, so dass ich keinen Zugriff auf ihn bekomme. Der Chef erkennt natürlich nicht den ganzen Umfang des Problems - wenn die Abteilungen alle eigene Server kaufen, ist es wahrscheinlich, dass sie einen kleinen Unterschied zwischen dem, was sie uns in der Vergangenheit für die Anschaffung von Servern zahlten, und dem, was die Server wirklich kosten, bemerken. Ein kleiner Unterschied von etwa 200 Prozent. Ich lasse den Dingen ihren Lauf - nach einer 'göttlichen' Einmischung durch den PJ und mich. Und natürlich ruft am nächsten Tag der Chef der Personalabteilung an - die Freundlichkeit in Person. "Hallo", schnurrt er. "Hallo." "Wir haben ein wenig Ärger mit unserem Server und fragen uns, ob sie uns einen Rat geben könnten." "Wo liegt das Problem?" "Nun, wir wollen alle Dateien in einem Verzeichnis mit ihrem Erstellungsdatum anzeigen lassen." antwortet er. Aha, das ist eindeutig eine Falle. Offensichtlich will er mich testen, ob mein Rat gut oder schlecht ist, wobei er sein sehr beschränktes Wissen als Massstab nimmt. "Kein Problem", sage ich. "Geben sie einfach 'ls -l' ein. Wollen sie die Ausgabe seitenweise sehen?" "Oh, natürlich", antwortet er und erwartet das allgegenwärtige 'rm' als Antwort. "Geben sie einfach noch '| more' ein." "Oh." Er ist offensichtlich unzufrieden, da er mich nicht dabei ertappte, dass ich ihm einen falschen Rat gab. In seiner Naivität entscheidet er sich dazu, mir zu vertrauen ... "Wir haben noch ein anderes Problem. Wir hatten Schwierigkeiten mit unserem System. Die Antwortzeiten waren viel zu hoch." Was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, dass der PJ dafür gesorgt hat, dass die Ping-Anfragen etwa 30 Prozent ihrer Netzwerkbandbreite ausmachen. "Ich frage mich, ob sie mir etwas empfehlen können, damit wir das System wieder beschleunigen können?" "Nein, nicht wirklich. Die neueren Rechner werden eigentlich ordentlich konfiguriert ausgeliefert. Oh! Warten sie! Ich wette, sie haben die Speicher-Expansions-Routine noch nicht aktualisiert, oder?" "Ahhh ... nein, nein, ich glaube nicht." murmelt er und versucht, nichtvorhandenes Fachwissen vorzugaukeln. "Na gut, dann sollten sie das am besten gleich tun." "Gute Idee. Frischen sie mein Gedächtnis auf - wie ging das doch gleich?" "Das wissen sie doch", antworte ich hilfsbereit. "Echo 'MEMORY-EXPANSION' /dev/kmem - das ist normalerweise der erste Eintrag in /etc/inittab." "Oh, natürlich. Ich glaube, ich habe den Eintrag bei der Feinabstimmung gelöscht", antwortet er mit gespaltener Zunge. Eine Viertelstunde später ist er wieder am Telefon. Diesmal noch erregter ... "Der verdammte Server läuft noch immer nicht!" jammert er panisch. "Er startet nicht einmal mehr!" "Nun, ich schätze, wir könnten uns die Sache einmal anschauen. Wie lautet ihr Root-Passwort?" Nach einem kurzen Augenblick des Zweifels stösst er "MEHRGELD" hervor. Schnell wie ein Blitz prüfen der PJ und ich das Passwort auf ihren anderen Rechnern. Trefferquote: hoch. Einen Tag später ist der Server der Personalabteilung wieder unter unserer Kontrolle, der Vizechef der Abteilung wurde in die Schranken gewiesen und der PJ sitzt zufrieden im gutgepolsterten Sattel eines soeben beförderten Mitarbeiters. Er ist sogar so zufrieden, dass er dem Personalchef sagen will, was in ihrem Wasserspender wirklich ist. Ich überrede ihn dazu, diese Angelegenheit für eine spätere Gelegenheit aufzusparen ... [[Es ist Besuchszeit, und der B.O.F.H. geht hin, um, ähm, Informationen über die neueste Technik zu sammeln ...]] "Ich schätze, es ist Zeit, dass wir uns nach neuer Technik umsehen." Ich kann nicht glauben, was ich höre. Der Chef kauft neue Technik ungefähr so häufig, wie Margret Thatcher für die Labour-Partei stimmt. Es war damals seine Idee, auf die Pentium-Rechner zu verzichten und eine Menge alter XTs anzuschaffen, die er sehr billig bekommen konnte. Zum Glück hörte ich noch rechtzeitig von diesem Plan, so dass ich 'zufällig' dem Geschäftsführer eine Notiz zuspielen konnte, in der stand, dass der Lieferant ein Cousin des Chefs ist, so dass dieser Plan aufgegeben wurde - ich konnte nicht glauben, dass der Chef meinen Anteil vergessen hatte. Wie auch immer, seitdem der Chef an unserem Service-Telefon sass, ist er ein neuer Mensch. Sein Geist ist immer offen für neue Möglichkeiten ... "Es gibt ein Forschungslabor, das einen Tag der offenen Tür veranstaltet", erklärt er. "Ich denke, sie sollten sich einmal umsehen, was es für Neuigkeiten gibt." Früher hätte er wohl gesagt: "stehlen sie, was neu ist" - doch seit seiner jüngsten Bastardisierung ist das eine Selbstverständlichkeit, die nicht mehr extra erwähnt werden muss. Ein paar Tage später sitzen der PJ und ich zu einer unmenschlich frühen Stunde in einem Zug, der durch die Landschaft tuckert. Natürlich haben wir unsere bewährten Aktentaschen mit den doppelten Böden dabei. Schliesslich landen wir in einem Dschungel aus Forschungslabors und mitten in der Show. Unser Schicksal lässt uns zunächst an einer Vorbereitungstour, Entschuldigung, an einer geführten Besichtigung teilnehmen, bevor wir von der Leine gelassen werden und unseren eigenen Vorlieben nachgehen können. Die Tour ist langweilig, doch immerhin ist unser Führer so dumm, dass er nicht sieht, was wir anstellen. Schliesslich werden wir uns selbst überlassen - mit ein paar ihrer Sachen, die nicht am Boden festgeschraubt waren. Es ist interessant, all die herumliegenden Spielzeuge zu sehen, doch meine Aufmerksamkeit wird von den Sicherheitsleuten angezogen, die um die Räume herumlungern, in denen die Apparate, die wirklich teuer sind, besichtigt werden können. Im ersten Raum scheint es um Telearbeit zu gehen, für die ich mich interessiere, seitdem der Chef eine Standleitung zu meiner Wohnung gelegt hat. "Nun, erzählen sie mir mal etwas über Telearbeit", sage ich begeistert zu dem jungen Anzug am ISDN-Werbestand. "Dieses Gerät kann sie mit dem Netzwerk ihrer Firma verbinden. Dabei merken sie gar nicht, dass sie ISDN nutzen. Alle Netzwerkprotokolle werden unterstützt, so dass es aussieht, als seien sie direkt mit dem LAN verbunden." erklärt er mit glänzenden Augen. "Sieht aus wie ein ISDN-Router." "Ähm ... ja, so ist es. Aber er hat ein hübsches blaues Gehäuse und blinkende Leuchtdioden." Ich betrachte das Gehäuse verächtlich - nein, daran verschwende ich keinen Gedanken. "Haben sie sonst noch etwas Interessantes anzubieten?" "Nun, wir haben einen Router auf einer PCMCIA-Karte." "Wieso?" "Damit sie ihren Laptop mit dem Netzwerk über einen Router statt per Modem verbinden können." "Wieso?" "Damit müssen sie keinen Modem-Einwählserver zusätzlich zu ihren Routern installieren." "Natürlich. Statt eines preiswerten Modem-Servers sollen wir einen teuren Router benutzen. Wie ökonomisch." Meine Gedanken werden durch einen Stoss des PJs unterbrochen. "Sie haben ein Sicherheitssystem hier, das wie bei uns über die Iris des Auges die Nutzer identifiziert." "Nicht ganz - unser System schädigt das Augengewebe nicht dauerhaft und ist auch nicht mit dem Sprinklersystem verbunden." Er muss noch soviel lernen ... Das Mittagessen ist besser als erwartet, hauptsächlich deshalb, weil wir nicht die Kantine benutzen, sondern den VIP-Bereich. Es dauerte nur ein paar Momente, den Leser für die Identitätskarten zu 'reparieren', damit er unsere Karten richtig liest. Echte VIPs beim Versuch zu beobachten, sich Zugang zum VIP-Bereich zu verschaffen, ist eine interessante Mittagsunterhaltung ... Angenehm gestärkt durch Chateaubriand und einen recht edlen Rotwein sind wir bereit, den Rest der Ausstellung in Angriff zu nehmen. Das Gewicht meiner Tasche wird durch eine Flasche eines hervorragenden Cognacs erhöht, die achtlos auf dem Spirituosen-Regal herumstand. Unser Vorankommen wird durch einen der Sicherheitsleute unterbrochen. Während er uns lang und breit mitteilt, warum wir warten müssen, bevor wir Zugang zu den guten Sachen bekommen, verschwindet der PJ wie ein Schatten. Sektion Sechs wird lange vor der geplanten Zeit plötzlich geöffnet, wo wir diesen wunderbaren optischen Speicher sehen, der offenbar ohne eigene Stromversorgung arbeitet. "... wie sie sehen können, gibt es keine Kabelverbindung zur Stromversorgung mit der Basisstation", leiert der Langweiler herunter und versucht offensichtlich, die Aufmerksamkeit auf den Video-Datenstrom zu lenken, der auf das angeblich stromversorgungslose Gerät übertragen wird. "Und hier können sie eine Aussparung in der Datenleitung sehen. Wenn ich nun diese Karte in die Aussparung stecke, wird der Datenstrom unterbrochen, damit sie sehen, dass wir die Wahrheit sagen." Er plaziert die Karte in der Aussparung und dreht sich mit selbstgefälligem Grinsen zum Monitor, um auf ein Standbild zu deuten. Sein Gesichtsausdruck verändert sich plötzlich, und er sieht nun wie jemand aus, der einen Wasserbüffel in seinem Jakusi entdeckt. "Debbie macht es in Dalles. Ein netter Einfall", gratuliere ich dem PJ. Zeit zum Verschwinden ... Wir haben die Hälfte des Weges zum nächsten Pub zurückgelegt, als die Hölle losbricht. Sirenen, Feuerwehren, flüchtende Menschen - der ganze Krims-krams. Die Verwirrung des PJs ist direkt proportional zu meiner Zufriedenheit, als ich mich an die Theke lehne. "Ich setze fünf Pfund darauf, dass der Chef des amerikanischen Mutterkonzerns sich gerade einem Iris-Test unterziehen musste", kommentiere ich und sehe, wie das Wasser aus ihrem Eingang herausläuft ... "Keine Chance", antwortet der PJ. "Noch ein Bier?" Eine lustige Sache, diese neue Technologie ... [[Dank des technischen Fortschritts geht der B.O.F.H. unter die Filmemacher ...]] Die Leute in der Chefetage wollen wieder neue Spielzeuge haben. Weil der Geschäftsführer einen Artikel über Video-Mail gelesen hat, ist er nun der Meinung, unserer Firma fehle etwas. Natürlich bin ich über die immensen Möglichkeiten zur Anschaffung neuer Technik begeistert. Der Chefbuchhalter andererseits wirkte ziemlich besorgt, doch schliesslich verlangte er keinen Kostenvoranschlag mehr, der mit Blut unterschrieben ist. Natürlich war er es, der versuchte, mich aus dem Prozess der Technikbeschaffung herauszuhalten. Offenbar wurde er misstrauisch, als ich das Wrack, das ich bis dahin fuhr, seinem brandneuen BMW in den Weg stellte - nun, genaugenommen stand der BMW im Weg, doch Bewegung ist ja relativ. Ich rufe unseren Netzwerklieferanten an, um die Wünsche des Geschäftsführers zu erfüllen. "Hallo, Netzwerk Express." "Mein Name ist Farquarson. Könnte ich mit Jon sprechen?" "Bitte warten sie einen Moment." >Click< "Guten Morgen, Herr ... ähm ... Farquarson. Ist die Leitung sicher?" "Ja, keine Lauscher. Guten Morgen, Jon. Ich brauche ein paar Server." "Kein Problem. Mit welcher Last sollen sie klarkommen?" "Eine Riesenlast. Wir wollen Video-Mail einsetzen. Sie wissen schon, sie schreiben auf ein Grafiktablett, eine Kamera zeichnet alles auf und übersetzt die Worte in Töne." "Nett. Dual-Pentium Pro 200, würde ich sagen?" "Ähm ... für die Kosten muss ich mich nicht verantworten." "Oh, gut! Dann wollen sie bestimmt, acht, zehn oder zwölf Prozessoren?" "Zwölf sind in Ordnung. Und natürlich auch eine Menge Speicherplatz." "40 GigaByte pro Server?" "Wie bitte?" "Ups, ich habe wohl eine Null übersehen." "Gut. Ein halbes Gigabyte RAM müsste auch ausreichen - wir wollen ja nicht übertreiben. Wie hoch wäre der Schaden?" "Hmmm ... Der Listenpreis liegt bei 62.995 Pfund pro Server." "Und nach dem Erbsenzähler-Rabatt?" "124.999 Pfund. Die Steuern kämen natürlich noch dazu. Ich nehme an, ihr Anteil soll auf das übliche Konto überwiesen werden?" Pünktlich werden zwei Kisten geliefert. Der PJ hat die Server schnell installiert und schwirrt umher, um ein paar Dutzend Video-Mail-Tabletts, die wir in der vergangenen Woche in den Leitungsetagen verstreut haben, an das Netz anzuschliessen. Wir kehren zurück in unsere Netzwerk-Zentrale, wo der PJ gleich nach einer Quake-Sitzung die Konsole für das Video-Mail-System startet. Eine kurze E-Mail informiert den Administrator-Assistenten in unserem anderen Büro, bringt die Manager aus anderen Niederlassungen an ihre Rechner, und bald sehen wir auf der Kontroll-Konsole die Worte durch das WAN fliegen. Zufrieden lehne ich mich für einen Moment zurück und versuche, in die Haut eines psychopathischen Mörders zu schlüpfen, unglücklicherweise natürlich nur in einer virtuellen Welt. "Sie haben das System offenbar begriffen - ich glaube, sie konkurrieren nun darum, wer die längste Video-Mail mit den meisten komplizierten Worten zusammenbauen kann." kommentiert der PJ, sorgfältig hinter der Mauer versteckt. "Nun", antworte ich. "Sie sind Kinder mit neuem Spielzeug. Hoffentlich haben wir bald genug Material." sinniere ich. "Material?" "Oh, machen sie sich darüber keine Sorgen." >BAMBAMBAMBAMBAM< "Ha! Stirb, Trottel!" Nach dem kurzen einstündigen Mittagessen kehren wir zurück. Ich inspiziere das Video-Mail-System und bin ziemlich überrascht, dass sie es geschafft haben, 40 Prozent des Festplattenplatzes in so kurzer Zeit zu verbrauchen. Doch da alles einem guten Zweck dient, stört mich das nicht weiter. Ich starte mein gutes altes Premiere und suche mir ein paar Dateien aus. "Was haben sie vor?" fragt der PJ. "Ich mache einen Film. Nach was sieht es denn ihrer Ansicht nach aus?" "Einen Film? Worüber?" "Über unseren Geschäftsführer. Ziemlich loyal, oder?" "Sehr. Genau das macht mir Sorgen." Es dauert eine Weile, bis ich mich wieder an die Bedienung des Programmes gewöhnt habe, doch bald sind die Video-Schnipsel hübsch zusammengeschnitten. Der PJ wirkt noch immer verwirrt und sucht das Weite, um irgendeinen Server in der Hoffnung abzuschiessen, dass damit sein Geist etwas beruhigt wird. Eine Stunde später transferiert er die letzten Bits in den digitalen Mülleimer, während ich mich zufrieden zurücklehne. Der PJ bemerkt mein befriedigtes Lächeln und kommt zu mir. Er wirft einen Blick auf den Notizzettel, auf dem ich ein paar Sätze aufgeschrieben habe. "Jährliche Nachtwanderung mit Lagerfeuer ... Finanzdirektor ... Gerüchte besagen ... Wachschutz ... Tonstörungen ... Ziegenkäse als Vorspeise .... Was hat das zu bedeuten?" fragt er. "Warten sie einfach ab. Das Telefon müsste gleich klingeln ... JETZT." Er zuckt zusammen, als das Telefon klingelt. "Hallo, Nutzerbetreuung hier. Wessen Zugangskonto wollen sie sofort gelöscht haben? Aber ist er nicht der Finanzchef? Okay, okay, ich will mich nicht mit ihnen streiten, ich bin nur überrascht, denn ich dachte, er sei auf Ewigkeiten mit der Schwester des Geschäftsführers verheiratet. Wer hat ihnen den Auftrag gegeben? Was, der Geschäftsführer höchstpersönlich? In einer Video-Mail ... wie passend." Der PJ verabschiedet sich von unserem Administrator-Assistenten am anderen Ende, der selbstverständlich auch mit einer gewissen Prozentrate beteiligt wird und daher verschwiegen ist, und mustert mich neugierig. "Haben sie etwas dagegen, mir den Film einmal vorzuführen?" "Natürlich nicht." Ich betätige den Abspielbutton, worauf der PJ den Geschäftsführer sieht, der den restlichen Managern mitteilt, dass einige der seltsamen Gewohnheiten des Finanzchefs nicht zur Firmenpolitik passen und er deshalb leider verabschiedet werden muss. Dann folgen in verschiedenen Varianten noch die Anweisungen an die Administratoren, die sich mit Sicherheitsfragen und logistischen Problemen dieser Personalentsorgung befassen. Und selbstverständlich wird auch der Anruf bei der Polizei nicht vergessen. Natürlich hätte die reine Stimmaufzeichnung niemanden befriedigt, doch nun kann man den Geschäftsführer dabei auch sehen. Und wir alle wissen, dass man Video-Mails nicht fälschen kann - oder? [[Der PJ ist nicht mehr er selbst. Aber er muss ja auch einen Schleimer erdulden ....]] Manchmal kann ich das Offensichtliche ja ignorieren, doch der PJ zeigt alle Symptone einer sehr tiefen Enttäuschung. Und natürlich beantwortet er Fragen nach deren Ursache nicht. Seine Arbeit leidet merklich darunter - gestern ertappte ich ihn dabei, wie er den Papierschacht in einem Faxgerät neu auffüllte, nachdem ein Nutzer ihn angerufen hatte. Die Protokolldateien mit den Passwortänderungen zeigen, dass er tatsächlich Nutzern geholfen hat, die ihre Passwörter vergessen hatten, indem er sie abänderte zu Worten wie 'temporär' und 'änderemich', statt die üblichen 'hirnloseridiot' oder 'wiekannmannursodummsein' zu verwenden. Das schlimmste Anzeichen ist, dass er wirklich eine komplette Festplatte aus einer Sicherheitskopie wiederherstellte, nachdem ein Nutzer sie unbeabsichtigt gelöscht hatte. Bei einem ernsthaften Gespräch stelle ich ihn und erfahre so die Wahrheit. Es scheint so, als hätte seine Verwandtschaft in der Firmenleitung ihm einen neu eingestellten Internet-Berater vorgezogen, der so aalglatt ist, dass der Einsatz von Streusand angebracht zu sein scheint. Natürlich habe ich die Zeichen gesehen, doch ich dachte, der PJ hätte mehr Mut, sich den Herausforderungen zu stellen. Nun, es gibt offenbar noch Aufgaben, die den echten Profis vorbehalten bleiben. Natürlich kämpft der PJ mit einem Interessenkonflikt, denn wir wurden von oben aufgefordert, Mr. Schleimer bei der Durchsetzung seiner 'politisch korrekten Richtlinien zur Internet-Nutzung' zu unterstützen - ein kaum verschleierter Versuch des Chefs, all jene zu bestrafen, die ihre Arbeitszeit dazu nutzen, die geheimsten Porno-Seiten zu finden. Ich versuche die Depression des PJ durch etwas Ablenkung zu lindern ... "Haben sie Lust auf einen Besuch im Labor von Dr. Bastard?" frage ich und enthülle meine neueste Erfindung. "Das ist eine Maus." antwortet der PJ lustlos. "Aber nicht irgendeine Maus", antworte ich. "Es ist eine ferngesteuerte Maus, sehen sie?" Ich spiele mit den Pfeiltasten meines persönlichen Des-Organizers, der über eine Infrarot-Schnittstelle verfügt. Die Maus bewegt sich entsprechend. "Nett", kommentiert der PJ unbeeindruckt. "Und wie wäre es damit?" frage ich und deute auf ein soeben modifiziertes Büro-Utensil. "Ein Aktenkoffer?" "Ja, ja - aber mit einer zusätzlichen Erweiterung", antworte ich. "Bringen sie ihn her." Er nimmt ihn, hat etwas mit dem unerwarteten Gewicht zu kämpfen und kommt zu meinem Tisch. Ein Tastendruck auf meinem Des-Organizer lässt das Schloss aufspringen und ein paar Ziegel herausfallen, die auf den Füssen des PJs landen. Manchmal muss man wirklich grausam sein, um freundlich zu sein. "Warum zum Teufel haben sie das gemacht?" schreit der PJ. "Ausbildung." antworte ich. "Sie litten offensichtlich unter der irrtümlichen Annahme, dass das Leben fair sei. Das ist es nicht. Deshalb handeln befähigte Menschen wie sie und ich so, wie wir es tun." "Ich verstehe sie nicht." Müde erkläre ich es ihm. "Stellen sie sich vor, sie wären ein Internet-Berater, der einen ganzen Tag lang der harten und ermüdenden Arbeit nachging, seinen Bürostuhl zu wärmen. Und nun betreten sie die U-Bahn mit der Aktentasche - voller Hausaufgaben, die sich nur darum drehen, wie sie die Netzwerk-Zentrale verärgern können. Und dann springt die Aktentasche plötzlich auf und verstreut ihren Inhalt auf die Gleise." "Also nimmt er heute die U-Bahn, um nach Hause zu kommen?" erwidert der PJ. "Keine Ahnung. Ich wollte hier nur die Möglichkeiten beschreiben. Und wo ich gerade bei Möglichkeiten bin - ich sehe keine Möglichkeit, dass wir uns vor der Teilnahme an seinem Internet-Bericht am heutigen Nachmittag drücken können." Der PJ, beinahe gerettet, verfällt wieder in Pseudo-Depressionen. Also wird es Zeit für einen Notfallplan, den ich mir eigentlich für eine andere Gelegenheit aufheben wollte. Einen kurzen Besuch im Land der Netzwerkprotokolle später wird der Feueralarm durch eine nicht lokalisierbare Rauchmeldung ausgelöst. Am späten Nachmittag erscheinen wir dann im Beratungszimmer der Firmenleitung, um den Internet-Empfehlungen des Schleimmonsters zu lauschen. Die Anwesenheit seines ehemaligen Verwandten hebt die Stimmung des PJs kaum. Der Schleimer beginnt seine Offensive, indem er den 'besorgten mordernen Mann' spielt, der überall Gefahren wittert, während er gleichzeitig die Bedeutung der 'unvoreingenommenen Netzwerk-Menschen' herunterspielt, die ich in den vielen Jahren als Eckpfeiler meines Wirkens betrachtet habe. Innerhalb weniger Minuten hat er die Zuhörer soweit, dass sie ihm aus der Hand fressen, als er seinen Plan für ein isoliertes Netzwerk darlegt, während sein Laptop ein Diagramm nach dem anderen liefert, um seine Intranet-Ideen zu untermauern. Der Chef grinst zufrieden, da sich die Dinge nach seinen Vorstellungen entwickeln. "Ich denke, sie wissen was zu tun ist." flüstere ich dem PJ zu. Er blickt ungerührt auf meinen Des-Organizer, den ich zu ihm schiebe. "Vielleicht findet sich etwas auf seiner Festplatte?" ermutige ich ihn. Tief in ihm drin erwachen seine Lebensgeister, schöpfen neuen Mut und kämpfen gegen die Depressionen. Eine halbe Stunde später schlucke ich mit dem PJ ein Bier, der seiner Verwandtschaft schon vergeben und die Bevorzugung des anderen vergessen hat. Der Schock und das Entsetzen, das auf die Anzeige einiger Aufnahmen aus der Damentoilette folgte, hat die Glaubwürdigkeit unseres Internet-Beraters nicht gerade erhöht - und seinen raketengleichen Abgang erfolgreich beschleunigt. Aber es diente einer guten Sache. "Noch ein Bier?" will der PJ wissen. "Nun, ich habe noch etwas vor. Ich muss dem Chef noch die Gefahren aufzeigen, die davon ausgehen, dass er seine Schlüssel blind einer Aktentasche anvertraute, die ihm anonym zugespielt wurde." Wie sagt man so schön, das eigene Erleben ist der beste Lehrmeister ... [[Die Nadelstreifen-Brigade hat nur Geld im Kopf und will nicht nachgeben ...]] Es hat mich schon immer gestört, dass die Erbsenzähler ihr eigenes Netzwerk betreiben dürfen, auf das wir keinen Zugriff haben. Der Nadelstreifen-Brigade wurde es vor einiger Zeit gestattet, auf unsere Dienste verzichten zu dürfen. Und so sehr wir uns in der Zwischenzeit auch bemühten, sie auf den rechten Weg zurückzubringen, es gab immer wieder einige Rebellen, die dafür sorgten, dass sie wenigstens die Kontrolle über die wichtigsten Systeme in ihrer Etage behielten. Dieses Verhalten kann ich gar nicht verstehen. Wir haben uns monatelang mit aller Kraft bemüht, für sie da zu sein, haben in endlosen Stunden ihre Notebooks dauergetestet etc. Die Sache mit dem Amboss war wirklich ein unglücklicher Zufall, und wir haben noch immer nicht herausgefunden, wieso die Transaktionen mit dem örtlichen Wettbüro als einzelner Posten in ihrem Jahresbericht auftauchen konnten. Aber ich bin sicher, dass dies nicht durch uns veranlasst wurde. Trotz unserer gewaltigen Bemühungen beharren die Erbsenzähler noch immer darauf, dass sie ihre eigene Technik-Abteilung brauchen. Schlimmer noch ist die Tatsache, dass sie ihre Technik-Abteilung als Waffe gegen uns gebrauchen wollen. Der Mann, den sie für die Betreuung des Netzwerkes angeheuert haben, hat eine seltsame Einstellung gegenüber seinen Nutzern - er glaubt wirklich daran, dass seine heilige Aufgabe darin bestehe, ihnen zu helfen. Gefährlich für uns ist auch die Tatsache, dass die Buchprüfer nun den realen Wert der Technik kennen, die wir in den vergangenen Jahren angeschafft haben. Es war einige Rennerei nötig, um dafür zu sorgen, dass der Geschäftsführer nicht erfährt, dass die elekto-magnetischen Multiplex-Kommunikationsgeräte, für die wir eine Rechnung über 1.200 Pfund präsentierten, nichts anderes waren als schnurlose Telefone, die ein Freund des PJs zu Niedrigstpreisen in einem Elektroladen verschleuderte. Es ist offensichtlich, dass wir die Erbsenzähler wieder unter unsere Kontrolle bringen müssen. Wir vermissen nicht nur die 'Bonus'-Zahlungen unserer Zulieferer, es geht auch das Gerücht, dass andere Abteilungen sich ernsthafte Gedanken über unseren Service machen. Zum Glück neigt unser Chef zur Bösartigkeit, seitdem er an unserem Telefon sass, so dass wir von ihm Rückendeckung erhalten. Seitdem die Erbsenzähler ihm die Rückerstattung für seine geschäftlichen Auslagen für den 'Was immer sie wollen'-Begleitservice verweigerten, steht er auf unserer Seite. Es hilft auch nichts, dass der Netzwerkmanager der Erbsenzähler zu den irritierenden Individuen gehört, die immer mit einem selbstgefälligen Grinsen herumlaufen. Er sieht aus, wie einer der Alligatoren, die man sieht, wenn man die Sumpfgebiete besucht. Allerdings hat sein Gesicht eine etwas andere Färbung ... Er bewacht eifersüchtig sein Territorium, was an sich schon eine Herausforderung darstellt. "Ihr Netzwerk ist ja schon wieder zusammengebrochen", sinniert er, als er an uns vorbeigeht. Während eines Updates brach das Netzwerk plötzlich zusammen - gerade als das grosse Rennen beginnen sollte. "Es ist bemerkenswert, dass die Mitarbeiter immer dann vom Arbeiten im Netz abgehalten werden, wenn grosse Rennen oder Fussballspiele stattfinden, nicht wahr?" grinst er hintergründig. "Ja, wir haben eine Menge Schwierigkeiten mit Engpässen", höre ich mich sagen, bevor ich höflich die Tür vor ihm zuknalle und einen weiteren Espresso schlürfe. Ein paar Tage später finde ich mich auf dem Weg zu meinem Parkplatz 'zusammengebrochen' vor dem Auto des Lächlers. Er betätigt die Dauerhupe, doch die Krankheit meines Wagens scheint unheilbar zu sein - zumindest seitdem ich die Zündkerze entfernt habe. "Ich habe keine Ahnung, woran es liegt", schreie ich unter der Motorhaube hervor. "Ich werde ihnen Hilfe holen." Ich weiss, dass der Parkplatzwächter ganz bestimmt nicht aufspringen wird, um irgendjemandem zu helfen; einerseits liegt das daran, dass er über 90 Jahre alt ist, andererseits daran, dass ich ihm ein paar Videobänder der Überwachungskameras überlassen habe, die den Personalchef und die stellvertretende Verkaufschefin dabei zeigen, wie sie einige neue hocheffektive Techniken diskutieren, die sie ausprobieren wollen - im Hotel am Ende der Strasse. "Schnell", rufe ich den PJ. "Wir haben nur ein paar Minuten." Wir wissen, dass die Sitzung der Geschäftsleitung in wenigen Augenblicken beginnt. Nach ein paar kleineren Veränderung am Server der Erbsenzähler sind wir bereit für die Show. Als ich in meinem Büro sitze, schalte ich das Audioüberwachungsgerät ein - okay, die Wanze. Wir hören die einschmeichelnde Stimme des Geschäftsführers. "Ich freue mich ausserordentlich, ihnen heute unser neuestes Produkt vorführen zu können. Mein Dank geht an Anthony, unser Computer-Genie aus der Finanz-Abteilung, der mir bei der Vorbereitung dieser Vorführung geholfen hat. Ich glaube, wir haben eine Liveschaltung zu den Forschungslabors." Liveschaltung, ja - Forschungslabors, nein. Der 3:30 Uhr in Newbury, definitiv. Keuchen aus der versammelten Runde sorgt dafür, dass der Lächler sofort in die Runde gebeten wird. Seine Proteste und Unschuldsbeteuerungen können nicht überzeugen, erst recht nicht, als die Sicherheitsleute, die der Parkplatzwächter begeistert (und in meinem Auftrag) alarmiert hatte, die Quittungen für die Geschäfte mit dem Wettbüro in seinem Schreibtisch 'finden'. Der Geschäftsführer gibt wenig später die Auflösung des Netzwerkes der Erbsenzähler bekannt. "Ich denke, dass es besser ist, wenn ich die Netzwerk-Betreuung unter einem Dach zusammenbringe - dann können die Abteilungen zumindest solchen Aktivitäten nicht mehr nachgehen." Netzwerke - es gibt Gewinner und es gibt Verlierer. Und irgendwie scheinen die guten Chancen immer auf meiner Seite zu sein ... [[Der Genuss der örtlichen kulinarischen Delikatessen lässt den neuen Kollegen verschwinden ...]] "Verdammt! Sie haben ihn vertrieben, stimmt's?" schreit der Chef, dessen Stimmung Anzeichen heftiger Verärgerung darüber zeigt, dass ihm schon wieder ein potentieller Kandidat für den Posten des 'Kontaktmanagers', der die Kommunikation zwischen uns und unseren Kunden verbessern soll, abhanden gekommen ist. Er ist der vierte innerhalb einer Woche - bei dieser 'Erfolgsrate' werden wir unser Verhältnis zu den Kunden leider kaum verbessern können. "Wie bitte?" reagiert der PJ mit dem unschuldigsten Gesichtsausdruck, zu dem er in der Lage ist. "Er ist nicht hier, oder?" will der Chef wissen. "Au contraire", antworte ich. "Ich habe ihn noch am Morgen gesehen. Der PJ war auch bei mir. Er sah allerdings etwas kränklich aus - offenbar ist er mit einigen zukünftigen Arbeitskollegen durch die Kneipen gezogen." "Sie haben ihn dazu überredet?" "Nun, wir haben ein paar Biere getrunken. Natürlich nur zum besseren Kennenlernen und zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses." gebe ich widerwillig zu. "Und wo ist er jetzt?" "Nun, das ist wirklich lustig. Zuletzt sah ich ihn, als er zusammen mit dem PJ und mir im Lift fuhr. Wir haben diese leckeren neuen Zigarren ausprobiert, die es am Stand vor dem Eingang für ein Pfund gibt. Er sah wirklich krank aus. Dann ist er plötzlich aus dem Lift gestürmt." "Warum?" "Keine Ahnung. Ich glaube, der PJ hatte ihm gerade ein fettes Specksandwich angeboten." "Ähm, nein", unterbricht mich der PJ. "Ich glaube das war, nachdem sie ihm diese konservierte Alkoholikerleber gezeigt haben." "Wirklich? Wenn sie das sagen, wird es wohl so gewesen sein." "Ich wusste, dass das passieren wird", antwortet der Chef mit selbstgefälligem Lächeln und greift das Telefon, um mit der Rezeption zu reden. "Schicken sie bitte den nächsten Bewerber hoch." Aha, der alte Trick mit der doppelten Bewerberanzahl. Natürlich wird der neue Bewerber ("Nennt mich Dave.") eingestellt und bekommt seinen Schreibtisch. Der Chef gibt ihm die glänzende Broschüre über die Firma, in der völlig fiktive Tätigkeiten beschrieben werden, die wir angeblich durchführen. Dann fragt er Dave nach seinen Erfahrungen ... "Nun", antwortet der offenherzig. "Das könnte ich ihnen sagen, doch danach müsste ich sie leider töten." Meine Hände verkrampfen sich plötzlich in den Armlehnen des Stuhls, als mir klar wird, wie gefährlich die Arbeit mit jemandem sein kann, der so fanatisch ist. "Wann können sie beginnen?" fragt der Chef, der bemüht ist, den Posten schnell zu besetzen, da ihm sonst eine Umstrukturierung der IT-Abteilung droht. "Sofort, wenn sie wollen. Ich bin flexibel einsetzbar." Die Armlehne des PJs knarrt gefährlich - im Gleichklang mit meiner. Grosse Menschen haben den gleichen Gedanken. Später an diesem Morgen wird unser neuer 'Repräsentant' im Vermittlungsraum versteckt, wo er 'ein Gefühl für unsere Arbeit bekommen soll'. Der PJ und ich erhöhen die Fühlbarkeit noch, indem wir die Temperatur um einige Grade senken und all die lautstarken Geräte einschalten, die wir für spezielle Gelegenheiten wie diese aufgehoben haben. Zur Mittagszeit sind seine Lippen bläulich und er wirkt irgendwie entrückt - ein Zustand, den man schwer beschreiben kann. Wir plazieren eine leere Wodka-Flasche im Abfalleimer der Vermittlung und melden unseren 'Fund' dem Chef. Der lässt sich allerdings entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten ausnahmsweise nicht von uns hereinlegen. Am nächsten Tag ist unser Kollege wieder auf den Beinen und wird ziemlich unsanft mit der Arbeit in Netzwerken vertraut gemacht, als es in einem der Kabelschächte, die er entlangkriecht, zu einem 'plötzlichen Potentialunterschied' zwischen seinen Füssen und seinem Oberkörper kommt. Schockierend! Ich werde bei der Arbeit gestört, als der Chef wenig später vorbeikommt. "Haben sie Dave gesehen?" fragt er. "Nicht in der letzten Zeit", antworte ich. "Warum?" "Oh, jemand ist über eine der Abdeckplatten der Kabelschächte gestolpert, die ungesichert herumlag." "Ja", bemerkt der PJ. "Er hat auch in der Vermittlung eine Abdeckplatte nicht wieder festgeschraubt. Das hätte einen schlimmen Unfall geben können, doch jetzt ist die Platte wieder festgeschraubt." Der Chef bemüht sich bei der Schilderung unserer Sicherheitsvorkehrungen, unschuldig zu lächeln, während er unbemerkt ein Stück Papier auf meinen Schreibtisch schmuggeln will. "Oh", rufe ich und schnappe es mir. "Ein offizielles Rundschreiben, in dem die Haftung des Arbeitgebers für Unfälle am Arbeitsplatz beschränkt wird - auf dem Gebiet ... Oh! ... der Sicherung von Abdeckplatten? Mit dem Datum von gestern? Ich kann mich gar nicht erinnern, dass das gestern gekommen ist. Und sie?" "Nein", antwortet der PJ. "Bis zum heutigen Morgen gehörte das noch nicht zur offiziellen Arbeitsschutzordnung." Der Chef setzt sein 'Wir sitzen alle im gleichen Boot'-Gesicht auf und appeliert an das Gute in uns, um seine negative Erwähnung im nächsten internen Arbeitsschutzbericht zu verhindern. "Das macht 20 Pfund für jeden." antworte ich, um die Sache abzukürzen. Das Geschäft wird gemacht, und der Chef verschwindet mit der Sicherheit, dass er für den Unfall nicht zur Verantwortung gezogen wird. "Übrigens", meldet sich der PJ. "Haben sie bemerkt, dass in diesem Rundschreiben nirgends gefordert wird, dass man vor dem Festschrauben der Abdeckplatten nachschaut, ob sich noch jemand in dem Kabelschacht aufhält?" "Das haben sie nicht getan!" rufe ich. "Nun, haben sie tatsächlich angenommen, dass die Klopfgeräusche durch die Klimaanlage verursacht wurden?" "Aber das ist ja furchtbar. Ich kann nicht glauben, dass sie das getan haben!" Nun, bei der Arbeit in Netzwerken kann man nie zu vorsichtig sein. [[Der B.O.F.H. und die Paintball-Schlacht ...]] Ich liebe den Geruch brennender Geräte am Morgen - das ist der Duft des Sieges. Ich überspringe den Sieg vorläufig und konzentriere mich auf die Stimmen, die das Mikrofon im Taschenrechner auf dem Schreibtisch des Chefs aufnimmt. (Erste Regel für die Anwendung von Wanzen: Plaziere sie in einem Gerät, das gut sichtbar ist, aber niemals wirklich benutzt wird.) "Ich denke, das ist eine FANTASTISCHE Idee!!" höre ich den Geschäftsführer aufgeregt sagen. "Das ist BRILLANT!" versucht der Chef den Geschäftsführer noch zu übertreffen. "Eine Paintball-Schlacht! Das ist genial!" Ich schalte den Lautsprecher aus. Endlich kann ich die Früchte monatelanger Arbeit, vieler ausgestreuter Hinweise und Andeutungen, unzähliger umgeleiteter Webseiten und zahlloser Spam-Mails ernten. Der Fehdehandschuh wurde aufgenommen ... ... Seufz ... "EINE PAINTBALL-SCHLACHT!" ruft der PJ besorgt. "Dieser Herausforderung werden sie sich nie stellen!" "Aber natürlich werden sie", antworte ich. "Wir gegen die Erbsenzähler! Gewehre, die Farbbeutel verschiessen. Es sieht so aus, als hätte der Geschäftsführer, immerhin indirekt IHR Fleisch und Blut, beschlossen, dass es vernünftig und richtig ist, den offenen Krieg zwischen den Abteilungen auf dem Feld der Ehre mit einer Paintball-Schlacht zu beenden - niemand kann sich hinter der Technik verstecken oder mit Siegeln für genehmigte Anschaffungen herausreden!" "Sie klingen, als freuten sie sich auch noch darauf!" jammert er und ist noch immer nicht von dieser Chance überzeugt. "Gehen wir einfach davon aus, dass es nun nicht mehr abwendbar ist. 'Freuen' ist allerdings etwas übertrieben. Aber ich muss zugeben, dass es mich reizt, unserem Gegner auf dem Feld der Ehre fair und ehrlich zu begegnen. Ohne Missgunst und Neid (Sie haben meinen Benzinzuschuss zum Beispiel nur deshalb gesperrt, weil ich mein Auto verkauft habe und vorher drei Monate lang nicht mehr mit ihm auf Dienstreise war.) in einer 'Alles-ist-erlaubt'-Schlacht." "Aber sie werden uns einseifen!" plärrt er. "Sie haben Wochenendkrieger auf ihrer Seite!" jammert er mit letzter Kraft. "Und wir haben unsere Lieferanten! Ich bin sicher, dass ich ein oder zwei Leute finden werde, die mit einem Gewehr umgehen können! Wie auch immer, es ist alles von oben angeordnet. Jetzt bleibt uns nur noch, das Beste aus der Situation zu machen. Nehmen wir die bittere Medizin wie echte Männer und berechnen wir den doppelten Stundensatz für die Wochenendarbeit ..." Der PJ ist nicht überzeugt ... "Oh, habe ich schon erwähnt, dass im Interesse des Zusammengehörigkeitsgefühls der Chef - sie wissen schon, der, der ihre Handynummer an die Nutzerbetreuung weitergegeben hat - bald herausfinden wird, dass er zum Team gehört?" "Wirklich?" erwidert der PJ mit glänzenden Augen. Seine Zweifel sind Vergangenheit ... Eine Woche später ist es soweit. An diesem schicksalhaften Tag verlassen wir den Bus, wobei uns unsere Gegner höhnisch lächelnd beobachten - sie haben sich in den vergangenen Tagen intensiv auf diesen Tag vorbereitet und ausgiebig trainiert ... Meine eigenen Kenntnisse sind nicht so gut, habe ich doch nur ein paar Meldungen in den Newsgroups zum Thema lesen können. Seufz ... Der Paintball-Veranstalter verteilt die Munition und die Waffen an die Truppen, so dass das Spiel beginnen kann. Unser neulich bestelltes Buchverfolgungssystem für die Firmenbibliothek wird in diesem 'Feldversuch' natürlich auch eingesetzt - die eigentlich für die Bücher bestimmten Sender sind in die Kampfanzüge unserer Gegner eingenäht. Offenbar eine lohnende Investition ... Ein Hinterteil präsentiert sich mir in meinem Versteck, so dass ich problemlos mitten ins Schwarze treffen kann. Selbstverständlich benutze ich meine Reservewaffe, die mit etwas mehr Druck feuert und als Munition gefrorene Farbbeutelchen verschiesst ... Der resultierende Schmerzschrei lässt mich aus zwei Gründen lächeln: (a) Er beweist, dass Einträge in Newsgroups wahr sind und (b) lässt unsere restlichen Gegner sich noch tiefer ducken ... Eine halbe Stunde später haben wir die Erbsenzähler in ihrer behelfsmässigen Festung umzingelt. "Wir ergeben uns!" rufen sie und kommen mit erhobenen Händen und Waffen heraus. "In einem echten Krieg müssten wir jetzt Gefangene machen", erkläre ich dem PJ. "Doch die Genfer Konvention bezieht sich ja nicht auf Paintball-Schlachten, was irgendwie traurig ist ..." Das folgende Massaker muss unnötigerweise schnell über die Bühne gehen. "Schnell!" ruft der PJ. "Sie flüchten in den Bus!!!" "Sie meinen den Bus, der zur Zeit vor einem ruhigen Landgasthaus in 4 Meilen Entfernung parkt, oder?" In Ermangelung unseres Gegners sah sich der Chef plötzlich von Mitgliedern seines Teams umgeben, das ausschliesslich aus Leuten bestand, die er in den vergangenen Wochen verärgert hatte. Möglicherweise erklärt das seinen gehetzten Gesichtsausdruck ... Der Geschäftsführer taucht später auf, um zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln, ob die Unstimmigkeiten zwischen uns und den Erbsenzählern schon ausgeräumt wurden. "Freundliches Feuer", erkläre ich gegen das Protestgeschrei des Chefs dem Geschäftsführer. "Ein dokumentiertes Phänomen in Kriegszeiten. Und ein bedauerlicher Zufall." ... Am nächsten Montag sind wir zurück am Arbeitsplatz, und die Vorhersage des Geschäftsführers hat sich bewahrheitet - die Streitereien zwischen den Abteilungen haben einen neuen Tiefstwert erreicht. Das ist natürlich nicht verwunderlich, denn da die meisten Erbsenzähler noch unter den Folgen eines traumatischen Schocks leiden - die Nachwirkung des Hinterhaltes in der Nähe des 'ruhigen Landgasthauses' -, ist auch niemand zum Streiten da. Nicht nur die Erbsenzähler leiden. Wir stecken bis zum Hals in Anforderungsformularen für neue Technik, die wir dem Chef zur Unterschrift vorlegen. Er hat etwas von einem Rückspiel in ein paar Wochen gehört und will es sich anscheinend nicht mit uns verderben ... Ich glaube, ich sollte den 29 Zoll-Stereo-Monitor für die Telearbeit in meiner Wohnung jetzt bestellen ... [[Der PJ erzielt hervorragende Resultate beim wichtigen 'Wie wird man ein richtiger Bastard Operator'-Test ...]] "Ich glaube, sie wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben!" Der PJ denkt kurz nach. "Hmm ... Carter, Rechnungsprüfer. Zimmer 402, Durchwahl 6473, Geburtstag: 22. Juni 1963. Verheiratet, ein Kind - nicht das eigene. Apfelsafttrinker. Ein roter Volvo mit einem kaputten Rücklicht. Hobby: Sammeln von Bierdeckeln. Das Passwort ist ... ähmmmm." "Etwas mit Fisch", helfe ich ihm. "Treibnetz." ruft der PJ. "Ausgezeichnet." antworte ich und wende mich unserem Besucher zu. "Und jetzt noch eine Sportfrage, bitte." "Aber ... ich ..." "Nein. Sport." erwidere ich nachdrücklich. Während der Nutzer wieder abzieht, fülle ich den Praxisteil auf dem Abschlussprüfungsvordruck des PJs aus. "Mal sehen. Ja, sie haben die nötige Punktzahl für das Stiften von Verwirrung und Demoralisierung erreicht. Sie haben ein paar Extrapunkte durch das Streuen von Zweifeln erzielt, indem sie den 'Nicht ihr Fehler'-Kommentar benutzten. Kommen wir nun zur Theorie. Die Festplatte ihres Rechners fällt nach Ablauf der Garantiezeit aus. Was werden sie unternehmen?" "Ich tausche sie mit der Platte des Chefs, so dass er sofort eine neue anfordert. Wenn die neue Festplatte bei uns ankommt, formatiere ich seine alte Festplatte und baue sie wieder in seinen Rechner ein." "Jaaaaa. Aber denken sie daran, dass sie auch für vorausschauendes Handeln Punkte bekommen ..." "Ja, natürlich!" antwortet der PJ schuldbewusst. "Dann baue ich die defekte Platte in den Rechner eines Beraters ein, so dass ich immer eine Festplatte in Reserve habe." "Exzellent. Jetzt helfen sie in ihrer Freizeit einem Nutzer, als ..." Der PJ lacht laut los. "Korrekt. Nächste Frage: Der Chef hat ein Gerät gekauft, das so alt ist, dass sogar die Ingenieure verstehen, wie es funktioniert. Wie werden sie es wieder los?" "Ich lasse es ein paar Treppen hinunterfallen?" "Zu offensichtlich." "Ich sorge dafür, dass das Gerät für eine Weile mit 115 Volt betrieben werden kann?" "Er kann das Netzteil austauschen." "Hmm ... Ich weiss schon, ich richte einen Hitzestrahler auf die Kühlschlitze." "Korrekt. Beenden sie diesen Satz: Macht korrumpiert, absolute Macht ..." "... ist noch mehr Spass!" "Ausgezeichnet. Ihr Chef und ein Kunde haben sie zwei Stunden lang mit ihrem Geschwätz über die Zukunft der Rechentechnik genervt. Jetzt gehen die beiden tief in ein Gespräch vertieft die Treppen zum Gehsteig hinunter. Wer wird zuerst auf dem Boden der Realität aufschlagen?" "Wen interessiert das schon?" "Richtig. Wenn sie sich das Verhalten des Chefs anschauen, was glauben sie ist seine Ansicht darüber, wie unser Netzwerk betrieben wird?" "VZ-Management." "Seien sie etwas genauer." "Verf***te Zauberei." "Genau." "Wie lange braucht ein Ingenieur für den Reifenwechsel?" "Das hängt davon ab, wieviele Ersatzreifen er mitgebracht hat." "Richtig. Wo wir gerade beim Thema sind: Ein Ingenieur sagt: 'Das ist ja interessant'. Was ist passiert?" "Hm, entweder hat er ihren Computer zerstört, hat seinen Schraubenzieher irgendwo in dessen Gehäuse vergessen, hat ihn zusammengesetzt, wobei er ein paar herumliegende Teile vergessen hat, oder es kommt eine Fehlermeldung, die er nie zuvor gesehen hat." "Wirklich?" "Oh, er sagt das nur, um Zeit totzuschlagen, da es ihm nicht erlaubt ist, in Anwesenheit von Kunden zu fluchen." "So ist es. Einer unserer Nutzer bringt seinen Heim-PC mit, damit sie ihn reparieren. Sie ..." "Ich sorge mit Lötzinn dafür, dass die Sicherungen kurzgeschlossen werden, stelle das Netzteil auf volle Spannung, tausche alle funktionierenden Speicherchips durch Schrott aus und installiere ein paar Viren auf seiner Festplatte." "Und?" "Ups - und berechne ihm einen 'Freundschaftspreis' von 20 Pfund pro Stunde." "Ja. Komplettieren sie diesen Satz: Die Sanftmütigen werden bekommen ..." "... was sie verdammt nochmal verdienen. Und sie sollen dankbar dafür sein." "Korrekt. Sie haben zehn von möglichen zehn Punkten beim ersten Versuch erreicht. Als letzte Aufgabe müssen sie 50 Nutzeranfragen verursachen und sie innerhalb von zwei Minuten behandeln. Ihre Zeit läuft - jetzt!" Eine Stunde später betrachten wir die rauchenden Überreste des Regals mit der Servertechnik der Erbsenzähler. "Ein abnormaler plötzlicher Kabelbrand?" fragt der PJ den Sachverständigen der Feuerwehr. "Es sieht ganz danach aus", erwidert der sehr zum Missfallen des Cheferbsenzählers, der nicht so dumm ist, wie er aussieht. "Es sieht so aus, als hätte jemand eine 5 Ampere-Sicherung in einer tragbaren Lampe durch einen einfachen Nagel ersetzt, was zu einem kleinen Feuer führte, als die Isolierung von deren Kabel dadurch beschädigt wurde, dass sie in der Tür eingeklemmt wurde. Ein Unfall, zu dem es irgendwann kommen musste." "Ja, und es ist insbesondere tragisch, dass die Rechnungsabteilung alle Daten über die Anschaffungen der IT-Abteilung ausschliesslich auf diesem Server gespeichert hatte, obwohl wir sie wegen des Brandrisikos gewarnt haben." füge ich hinzu. "Sehr, sehr tragisch." stimmt der PJ zu. Ich gratuliere dem PJ zu seinem neuen Rang als 'Meister-Bastard' als wir später in einem Pub in Soho sitzen, indem ich ihm ein Bier spendiere. "Und das war schon alles?" kommentiert er. "DAS?" rufe ich. "Das ist erst der Anfang. Morgen beginnen wird dann mit der weiteren Ausbildung." Auch jetzt hat der arme Junge noch viel zu lernen. Zum Beispiel, wie leicht es ist, Abführmittel in ein Bier zu schmuggeln ... [[Der B.O.F.H. soll ein begeisterter fröhlicher IT-Mensch sein. Und er kann es kaum erwarten, damit zu beginnen ...]] Es ist früher Nachmittag und wir befinden uns mitten in den jährlich stattfindenden '14 Tagen zur Imageverbesserung der IT-Abteilung'. Die Dinge entwickeln sich einfach prächtig. Der Chef scheint mächtig aufgeregt über meine freizügige Interpretation des Werbespruchs 'Wir geben den Kunden, was sie brauchen' zu sein. Offenbar liegen meine Anleitungen für den Service, wie wir den Kunden 'einen verdammt guten Tritt' geben können, etwas ausserhalb des beabsichtigten Themenspektrums ... Noch schlimmer gelaunt war er, als der berührungsempfindliche Folietaster am Drucker nicht funktionierte, mit dem er den Ausdruck von tausend Kopien der besagten Anleitung anhalten wollte. Der Rand des rasendschnell transportierten Papiers verpasste ihm einen langen und tiefen Schnitt in der Hand, den er so schnell wohl nicht vergessen wird. Und der PJ und ich wissen leider auch nicht, wieso in der Flasche mit Desinfektionsmittel aus dem Erste Hilfe-Kasten plötzlich sehr, sehr salziges Wasser war. Doch die Verwirrung des Chefs begann schon etwas früher, als er ein PR-Foto eines Mitglieds der Rugby-Mannschaft unserer Firma sah (die durch die IT-Abteilung unterstützt und ausgestattet wird), auf dem das Shirt des Spielers nicht in der Hose steckte. Die Shirts wurden in teurer Handarbeit, deren Preis einen Erbsenzähler zum Heulen bringen würde, mit dem Logo der IT-Abteilung versehen (gekreuzte Tastaturen vor einem brennenden PC). Der Spruch 'IT - Wir geben ihnen mehr' steht in grossen Buchstaben auf der Rückseite. Und wenn das Shirt nicht in der Hose steckt, sieht man auch noch die Worte: 'mit der Latte'. Der Chef war nicht beeindruckt. Der PJ und ich machen keine Versuche, seiner Wut zu entkommen, denn wir wissen, dass er das Büro des IT-Chefs durchqueren muss, wenn er uns fassen will. Er ist nicht gerade wild darauf, seitdem ein Bastard einen neuen Klingelton für das Handy des IT-Chefs eingestellt hat - einen Klang, der an die Geräusche erinnert, die eine Linsensuppe nach ihrer Reise durch die Verdauungsorgane verursacht. Entsprechend kurz war das Treffen der Manager der IT-Abteilung, an dem er an diesem Morgen teilnahm. Und als Live-Übertragung zu PR-Zwecken eignete es sich noch weniger. Sogar das Personal der Cafeteria weigerte sich danach, ihm eine Zwiebelsuppe zum Mittag zu servieren. Nein, ich habe kein Mitleid mit dem Chef. Diese ganze Veranstaltung war schliesslich seine Idee. Und, was noch schlimmer ist, er erinnerte den IT-Chef auch in diesem Jahr daran, dass es wieder Zeit dafür sei. Wirklich niemand mag diese PR-Wochen, denn die Chefs verlangen, dass man alle langweiligen Fragen, wie: 'Kann ich den Lebenslauf tausendmal ausdrucken? Kann ich mich mit den Netzwerk-Betreuern ein oder zwei Stunden unterhalten? Wissen sie, wer mein Auto in Brand gesteckt hat?', mit 'Ja', 'Ja' und 'Nein' beantwortet, statt, wie es angebracht wäre, zu sagen: 'Nicht, wenn sie ihren nächsten Geburtstag erleben wollen. Nicht wenn sie noch irgendeinen Geburtstag erleben wollen.' und 'Wir. Wir dachten, sie haben heute Geburtstag.' Was den Chef aber wirklich in die Schusslinie brachte, war seine Anordnung, dass jede Anfrage innerhalb einer 'Antwortzeit' zu bearbeiten sei, die er in unseren Arbeitsverträgen versteckt hatte. Nun sollen wir innerhalb einer vernünftigen Zeit Fragen beantworten. In der PR-Woche bedeutet 'vernünftig' zehn Minuten. Es mag ja sein, dass der Chef eine ordentliche Runde MDK in zehn Minuten spielt, doch ein Netzwerk-Profi schafft das nicht! Und natürlich habe ich MDK gerade gestartet, als das Telefon läutet. "Hallo?" "Ja?" antworte ich und erwarte das Schlimmste. "Ich habe ein Problem mit meinem Netzwerk." Ich habe es geahnt ... "Hmmm?" Warum sollte man Worte an diese Trottel verschwenden? Sie sind viel glücklicher, wenn sie Grunzen und ein beruhigendes Gluckern hören. "Es ist schwierig, das am Telefon zu erklären - könnte jemand hochkommen?" Seufz. Ich winke dem PJ und bin verblüfft, als ich verliere. Dann wird mir klar, dass er meine 50 Penny-Münze mit den Wappen auf beiden Seiten durch eine mit Zahlen auf Ober- und Unterseite ersetzt hat. Es macht mich stolz, dass er sich so gut entwickelt. Doch natürlich werde ich ihm trotzdem nicht sagen, dass ich das Schutzgitter vom Lüfters seines Rechners entfernt habe, so dass die messerscharfen Klingen des Ventilators ungeschützt im Kreise herumsummen, aber man wird sehen ... Ich trotte in das Büro des Nutzers. Das übliche Problem erwartet mich. Sie haben den PC umgestellt und dabei den Netzwerkanschluss vergessen ... "Aber das ist doch sonst nie passiert." "Nein, aber seitdem wir nicht mehr Thin Wire zur Verkabelung nutzen, passiert es." "Das klingt aber nicht nach einer guten Entscheidung." Ich schaffe es, mich nach einer Stunde wegzustehlen (nach der Geschichte über die gute alte Zeit der Fünfziger, in denen die Technologie noch hervorragend funktionierte). Der PJ grinst tückisch, als ich im Büro ankomme. "Er hat zurückgerufen - der Stecker ist abgefallen, und er hat Angst, ihn selbst wieder einzustecken." "Ein separater Anfruf", rufe ich. "Damit ist das ihre Sache!" "Werfen wir doch eine Münze." sagt er. Offenbar versteht er nicht, wann meine Schmerzgrenze erreicht ist. "Gut, diesmal nehme ich Zahl." "Bastard!" Einsichtig gibt er natürlich trotzdem nichts zu. "Oh, vergessen sie nicht zu erwähnen, wie zuverlässig die Technik heutzutage verglichen mit der in den Fünfzigern ist ..." Der PJ murmelt etwas, bevor er sich stöhnend erhebt. "Haben sie meine Zugangskarte gesehen?" "Ja", antworte ich. "Ich brauchte sie, um in den Vermittlungsraum zu kommen. Ich glaube, sie ist hinter ihren PC gefallen, als ich sie ablegen wollte. Auf der Seite mit dem Kühlventilator ..." [[Ein wenig Sabotage ist nötig, um die System-Abteilung und den Chef zu schlagen ....]] Wir befinden uns in der zweiten Woche der PR-Veranstaltung, und es ist endlich etwas ruhiger geworden. Die Leute rufen uns kaum mehr wegen der 'garantierten Antwort' an. Vermutlich hängt das irgendwie damit zusammen, welche Antwort sie garantiert bekommen. Die Fanatiker der System-Abteilung liegen mit ihrer Hardware in der Popularitäts-Hitparade weit vor uns, der Netzwerk-Abteilung, nachdem sie die Nutzer dadurch bestochen haben, dass sie ihnen ein Terrybyte an Festplattenplatz offerierten und ein elektronisches 'Helft euch selber' an uns schickten. Wenn wir jetzt jeden Rechner mit 100 Megabit Ethernet-Karten an das Netz anschliessen würden, wären unsere Chancen, sie zu überholen, relativ gering. Die System-Abteilung muss geschlagen werden. Das Terrabyte Fesplattenplatz kommt als erstes dran - etwa 20 sorgfältige 'Behandlungen' mit dem Gefrierspray und dann mit dem Hitzestrahler entlang der Festplattenelektronik dürften für einen märchenhaften 'Zufallsfaktor' bei der Datensicherheit sorgen. In der Zwischenzeit versucht unser Chef, sich beliebt zu machen, indem er eine kräftige Speichererweiterung des Applikationsservers ankündigt, um wirkliche Verfügbarkeit zu erreichen. Dabei ignoriert er freilich die Ergebnisse der Prüfung durch die Software zur Schwachstellenanalyse, die eindeutig die mangelhafte Arbeitsgeschwindigkeit vor den Monitoren als Ursache ausgemacht hatte. Nun, manchen kann man nicht helfen. Natürlich versucht ein paar Stunden später ein Ingenieur, in unseren Serverraum einzudringen. "Was zum Henker tut er da?" frage ich. "Was meinen sie?" Der PJ ist momentan etwas durcheinander. "Sollte er nicht irgendwo im Lift feststecken?" "Ja, natürlich! Das war mir völlig entfallen. Ah, sie wollen sicher in die 5. Etage." Er deutet auf einen Lift, den nur das Personal und sehr dumme Leute benutzen. Zehn Minuten später ist der Ingenieur zurück. "Dort steht kein verdammter Server!" stösst er hervor, offenbar ein wenig über die kleine Verzögerung erregt, die die Liftprobleme hervorgerufen haben. "Server?" reagiert der PJ. "Ich dachte, sie wollten die Stahlträger in der 5. Etage reparieren." Der Ingenieur schaut ihn unfreundlich an, dann fragt er nach dem Prozessor, der mit neuen Speicherchips ausgerüstet werden soll. Der PJ zieht seine Nutzerkarte durch den Schlitz des Kartenlesers am Eingang der Serverraums. Der Kartenleser antwortet mit dem fürchterlichen 'Zutritt verweigert'-Piepen. Ich versuche es mit meiner Karte, doch habe ich auch keinen Erfolg. "Die Sicherheitsleute haben anscheinend wieder Probleme. Wir warten besser, bis sie wieder am Netz sind. Kaffee?" "Klingt wie ein verdammtes Anfängersystem." kommentiert der Ingenier und folgt dem PJ nach draussen. Kaum sind sie draussen hole ich das Skalpel hervor und entferne das Paketklebeband im Kartenleser wieder. Fünf Minuten später versuche ich es mit meiner echten Zugangskarte, und wir betreten den Serverraum. "So, dieses Baby bekommt also 2 Gigabyte", sagt der Ingenieur und greift nach dem Ausschalter des Applikationsservers. "NEIN!" rufe ich von panischem Schrecken gepackt. "Dieser Server soll nicht aufgerüstet werden. Es geht doch um diesen." Dabei deute ich auf ein System, das so alt ist, dass neben ihm ein 286er hochmodern wirkt. "Sie machen Witze." "Nein. Wieso?" "Zwei Gigabyte für diesen Server würden die Hälfte dieses Raumes in Anspruch nehmen, sofern der Speicher überhaupt adressiert werden könnte, was aber nicht möglich ist." "Aber warum haben ihre Leute das System dann an uns verkauft?" mischt sich der PJ ein. "Das haben wir ganz bestimmt nicht gemacht. Ich bin hier, um diesen Rechner aufzurüsten." Der Ingenieur wird langsam ärgerlich - was die kleinen Äderchen auf seiner Stirn beweisen. "Aber dieser Server braucht keinen zusätzlichen Speicher." "Sehen sie, es gibt hier offensichtlich einige Unklarheiten", sagt der Ingenieur. "Ich muss mit ihrem System-Chef reden." "Der ist leider krank." Ich glaube nicht, dass ich ihm etwas über die Hautentzündungen des armen Mannes berichten werde, die selbstverständlich in keinem Zusammenhang mit der vor einer Woche erfolgten irrtümlichen Lieferung von Lampen, die sonst in Bräunungsstudios eingesetzt werden, steht. Wir haben damals Wind von der geplanten Kriegserklärung mit dem Terrybyte Speicherplatz gehört. Der PJ hatte zufällig die Telefonanschlüsse überwacht. Natürlich nur mit der Absicht der Serviceverbesserung. Eigentlich ist es unnötig zu sagen, dass einige der etwas klügeren Mitarbeiter Sonnenbrillen und Pullover trugen - selbst als die Zetralheizung plötzlich begann, mitten im Sommer kräftig zu heizen. "In Ordnung", gibt der Ingenieur angesichts unseres Widerstandes auf. "Mein Chef wird Kontakt mit ihnen aufnehmen." Zehn Minuten später ist er gegangen, wobei er uns mit ein paar uralten MFM-Festplatten verlässt, die mit Paketklebeband in seinen Speichererweiterungs-Modulen fixiert wurden. "Ich denke, dass die Kamakuza Speicherbausteine AG den Chef mit einem Anruf und einem Angebot beglücken sollte, dem er nicht widerstehen kann." erkläre ich dem PJ und wiege die neuen Speicherbausteine in der Hand. "Wo ich gerade von Arbeitsspeicher spreche - könnten die beiden Zentralrouter nicht auch bessere Prozessoren brauchen?" Am Ende der Woche hat das Image unserer Abteilung neue Spitzenwerte erreicht. Dank des Gewinns, den wir aus dem Verkauf ungenutzter Speicherchips erzielen konnten, haben die für die Bewertung der Beliebtheit wichtigsten Leute nun 100 Megabit Ethernet-Karten. Unterdessen treffen sich der "Geschäftsführer" der Kamakuza Speicherbausteine AG und der "Geschäftsführer" der Kamakuza Router-Erweiterungen AG im Pub. "Wer hat diese Runde gewonnen?" fragt der PJ. "Sie, oder?" "Ja, ich glaube schon." seufze ich, als ich an die Theke gehe. Das Geschäftsführerdasein besteht leider nicht nur aus Spass und Freude. Der Bankrott lauert an jeder Theke, wenn man dieses Geschäft richtig betreibt ... [[Der B.O.F.H. will eine Verkaufsausstellung besuchen ...]] "Da ist er wieder! Dieser Duft!" rufe ich den PJ und geniesse voller Freude diesen vertrauten Wohlgeruch in der Luft ... "Was, Bohnensuppe?" will der PJ wissen, dessen Sinne durch den jahrelangen Genuss von leichter Musik und Bildungsfilmen geschädigt sind. "Nein! DIESEN Duft." "Angst?" "Nein!" "Brennende Technik?" "NEIN! Können sie es denn nicht in ihren Knochen spüren?" "Rheumatismus?" antwortet er sarkastisch. "Nein", antworte ich. "Aber es liegt ein Knochenbruch in der Luft, wenn sie ihre Sinne nicht schärfen ...." "Nun, ich fühle absolut ni ... oh, ja!" ruft er, als die Erleuchtung ihn trifft. "VERKAUFSAUSSTELLUNG!" kommt es simultan über unsere Lippen. "Jetzt brauchen wir nur noch eine zufriedenstellende Begründung für den Chef, der aus irgendwelchen Gründen etwas gegen Verkaufsausstellungen hat." "Könnte es an ihrem letzten Ausstellungsbesuch liegen?" fragt der PJ. "Wann soll das gewesen sein?" will ich wissen. "Ich kann mich nicht an ungewöhnliche Vorfälle erinnern." "Sie meinen, damals, als sie vor der Ausstellung ein paar Wochen in einer Hautklinik zubrachten, um dann auf der Ausstellung als Scheich El Al Hand Kebab aufzutauchen, der angeblich jedes Haus in seinem Emirat vernetzen wollte - ohne Rücksicht auf die Kosten!" "Ich kann mich nicht erinn ..." "Als sie zwei Lieferanten in den Konkurs tranken, für drei Tage mit dem Auto des Chefs, seiner Sekretärin, seiner Visa-Karte und den Nacktaufnahmen aus dem Urlaub verschwanden - und nur sie tauchten jemals wieder auf - angeblich hatten sie einen Ski-Unfall auf der M25." "Jetzt, da sie es erwähnen, erinnere ich mich an den Ski-Unfall. Ja, so war es. Und da der Unfall während der Arbeitszeit passierte, war die Firma verantwortlich für meine Behandlung ..." "In der Betty Ford-Klinik?" "Nur das Beste ist gut genug für die Angestellten, habe ich mir gedacht. Wie auch immer, es gab keinen Beweis dafür, dass ich etwas mit dem Auto, der Visa-Karte, der Sekretärin oder den Urlaubsbildern zu tun hatte." "Die Bilder, die in einem Umschlag mit der Aufschrift 'Anleitung zum Formatieren von MFM-Festplatten' in ihrem Schrank im zweiten Fach von oben stecken?" Hmm. Ich glaube, irgendwie hat der PJ mich mit seiner Ausdauer bei der Wahrheitsfindung, möge er auch noch so tief im Schmutz wühlen müssen, überflügelt. Dabei habe ich ihm alles beigebracht, was er weiss ... "Nun, das ist doch längst vom Fluss der Zeit weggespült worden", sage ich, um das Gesprächsthema zu wechseln. "Zusammen mit dem Auto des Chefs, wenn man den Gerüchten glauben darf", unterbricht der PJ mich. "Immerhin haben sie sich nicht komplett wie Ted Kennedy benommen, denn sie bekommen noch immer Postkarten aus Spanien ..." Die Dinge entwickeln sich nicht so, wie ich das geplant hatte. Der PJ scheint bei dieser Unterhaltung die Oberhand zu behalten - worauf ich nicht vorbereitet bin. Und wohl fühle ich mich dabei schon gar nicht. "GENUG!" rufe ich. "Ich gebe zu, dass es ein paar Irrtümer gegeben hat, nicht nur was die Verkleidung in der Woche danach betrifft, vielleicht haben sie auch mehr erfahren, als sie wissen müssen." "Das sage ich ja!" ruft der PJ. "Sie hätten ihre Spuren besser verwischen müssen, damit niemand darüber redet, befürchte ich." Traurigerweise gehen mir die verbalen Möglichkeiten zur Änderung des Gesprächsthemas aus, so dass die Anwendung von Gewalt vor meinem Gewissen gerechtfertigt erscheint. Ich lasse ihn Kontakt mit dem leicht modifizierten Elektroschocker aufnehmen, der ein paar Ampere mehr liefert als sonst üblich. Und natürlich ist der PJ danach wieder viel, viel ruhiger. "ZURÜCK ZUM THEMA!" schreie ich. "Wir müssen diese Verkaufsausstellung besuchen, und ich werde weitere Unterbrechungen nicht dulden!" Der PJ nickt demütig. "Gut, dann brauchen wir jetzt einen idiotensicheren Plan, der uns die Teilnahme ermöglicht." "Ich könnte meinen Onkel anrufen." "Ja, ja, aber ein Gefallen des Geschäftsführers ist kein richtiger Plan. Es ist in jedem Fall besser, wenn wir dem Chef KEINE Möglichkeit geben, aus technischen Gründen dagegen zu votieren." "Nach den Vorfällen beim letzten Mal brauchen wir schon ein Erdbeben, um die Ansichten des Chefs zu ändern ..." sagt der PJ niedergeschlagen. "NATÜRLICH! EIN ERDBEBEN! GENIAL!" "Sie wollen ein Erdbeben auslösen??!?!" "Nein, nein, natürlich nicht! Nicht, wenn es nicht nötig ist. Nein, der Grund aller Gründe! Die Entschuldigung aller Entschuldigungen!" "Und was meinen sie dann?" fragt der PJ noch immer unwissend. "DIE NOTFALL-SYSTEME! Es ist JAHRE her, dass wir unsere Notfall-Systeme getestet haben. Und es ist durchaus möglich, dass sie Feuer fangen, wenn wir sie wieder hochfahren! BRILLANT!" Der PJ ruft seinen Onkel an, um die Kugel zum Rollen zu bringen. "Ah!" sagt der Chef, als er unser Büro ein paar Minuten später betritt. "Wissen sie, worüber ich gerade nachgedacht habe? Nun, ich glaube, es ist Zeit für einen Probelauf unserer Notfall-Systeme!" "Haben wir überhaupt Notfall-Systeme?" antworte ich und ebne den Weg. "Denn es findet in zwei Wochen eine Ausstellung zu diesem Thema statt, die der PJ und ich gern besuchen würden." "UNWAHRSCHEINLICH!" antwortet der Chef barsch. "Wir haben schon zwei getrennte Notfall-Systeme, die startklar sind. Und genau das werden wir jetzt auch tun." Gesagt - getan. Als etwa zwei Stunden später die Feuerwehr wieder abzieht, winkt mich der Geschäftsführer zu sich heran, damit ich auf die Sabotage-Vorwürfe des Chefs antworten kann. "Lächerlich!" rufe ich. "Das Feuer wurde durch den Staub verursacht, der sich über drei Jahre in den Gehäusen angesammelt hat. Wir sollten froh sein, dass nicht das gesamte Gebäude abgebrannt ist. Auf einer Ausstellung für Notfall-Systeme kann man sich über solche Themen besonders gut informieren. Und zufällig findet in zw ..." Zwei Wochen später beginnen der PJ und ich unsere dreitägige Pflichterfüllung auf der Ausstellung. Es ist eine harte Arbeit, doch irgendjemand muss sie ja erledigen. Wir werden sofort von einer charmant lächelnden jungen Frau begrüsst, die für einen bekannten Zulieferer arbeitet. "Guten Morgen und willkommen, Herr, ähm ..." "Scheich Ali Mohammed", antworte ich. "Und mein Sohn, Ahmed Mohammed. Wir sind hier, um ein wenig Rechentechnik für unseren Palast zu kaufen. Selbstverständlich ist das Allerbeste gerade gut genug für uns ..." [[Die Nachwirkungen der Verkaufsausstellung zwingen den PJ, sein Konto geschuldeter Gefallen zu vergrössern ...]] "Was zum Teufel ist eigentlich passiert?" will der PJ wissen, der etwas mitgenommen aussieht. "Ich nehme an, sie können sich nicht mehr daran erinnern, dass sie sich mit ihrer Freundin aus der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, Salz- und Essigchips, einer Kiste Limonade sowie zwei Krügen mit alkoholbasiertem 'Magnetkopf-Reiniger' für zwei Tage im Vermittlungsraum eingeschlossen haben, um angeblich 'ein paar Köpfe durchzuspülen'?" "Uhhhh, nein", antwortet der PJ verlegen. "Und ich konnte mich auch nicht mehr erinnern", antworte ich. "Ich wachte im Sanitätsraum zusammen mit dieser Frau von der Router-Firma auf. Ich musste die Aufzeichnungen der Sicherheitskameras anschauen, um zu sehen, wie wir es dahin geschafft haben." "Haben sie sie gel ..." fragt er nervös. "Natürlich, jede Kopie ist vernichtet. Sie schulden mir einen Gefallen." "Ja, ich nehme an, es ist so", gibt der PJ mit einem Hauch von Verlegenheit und Schuld zu. "Trotzdem", sage ich. "Eine verdammt gute Verkaufsausstellung." "Ich bin mir nicht ganz sicher", antwortet der PJ. "Es gibt da ein paar Gedächtnislücken. Ich glaube mich an ein rotes Stroboskoplicht zu erinnern." "Das war eigentlich kein Stroboskop. Das war der Router, von dem sie behauptet haben, dass er nicht mit Wechselstrom läuft. Sie haben sogar fünf Pfund darauf verwettet." "Und, lief er?" "Ja. Natürlich nicht besonders lange. Erinnern sie sich an das alte Sprichtwort, dass eine Birne, die doppelt so hell leuchtet, nur die Hälfte der Zeit funktioniert? Nun, hier ging es um das gleiche Prinzip, allerdings müsste man die Aussage dahingehend modifizieren, dass Technik, die mit Dreifach-Strom läuft, dies ungefähr nur 2.5 Sekunden lang durchhält. Oh, sie schulden mir übrigens noch fünf Pfund." "Das ist nicht fair." "Eine Wette ist eine Wette. Wir haben niemals gesagt, wie lange der Router laufen soll. Nun, wenn das der Fall wäre, dann gäbe es auf der Welt nur noch halb so viele Softwarehersteller." Der PJ reicht mir das Geld, während wir darauf warten, dass der Chef hereinstürmt. Und wo ich gerade vom Teufel spreche - in diesem Moment biegt der Orkan um die Ecke. "Uh-oh", sagt der PJ. "Er sieht noch wütender als beim letzten Mal aus, als sie mit seinem Dienstwagen und seiner Sekretärin verschwanden." "Das liegt vielleicht daran, dass sie diesmal seinen Dienstwagen benutzt haben." "Ich kann mich daran wirklich nicht erinnern." "Das wird daran liegen, dass sie sofort ohnmächtig wurden, nachdem sie die Handbremse gelöst und mit dem Wagen frontal gegen die Wand gerast sind. Deshalb haben sie sich doch auch im Vermittlungsraum eingesperrt ..." "Ohhhh, ja. Jetzt erinnere ich mich wieder an die Mauer. Da steht mir das Wasser nun wohl bis zum Hals, oder?" "Nun", erwidere ich. "Als Antwort möchte ich die folgende Analogie benutzen: Sie sind im Turm des Herrn und schon im tiefsten Kellergeschoss angekommen, drücken aber noch immer den Knopf, damit der Lift weiter nach unten fährt." Ein Krachen unterbricht unsere Unterhaltung, als der Chef, bis oben gefüllt mit purer, konzentrierter Wut, in unserem Büro explodiert. "Verschwinden sie!" schreit er. Seine Stimme überschlägt sich vor Anstrengung. "Nehmen sie ihr Zeug und hauen sie ab. Jetzt! Ich will, dass sie einfach verschwinden, keine 'Wenns' und kein 'aber'!" Meine Versuche, ihn zu beruhigen, treffen auf taube Ohren, und seine Tirade wird nur durch das Klingeln des Telefons unterbrochen. Das Telefon, das rote Telefon. Ich schalte die Lautsprecher ein, damit alle mithören können. "Hallo, Gotham City." Wie immer reagiert der Geschäftsführer mit einem Lacher. Es sind die kleinen Dinge, die die höheren Etagen bei Laune halten. "Ich habe gerade einen Blick in ihren Notfall-System-Bericht geworfen." erklärt er. "Er ist sehr interessant. Ganz besonders die Ausführungen über eine mögliche Aussperrung aus dem Vermittlungsraum und einen Angriffsversuch über die Tiefgarage als Test unserer Verwundbarkeit durch Gruppen unzufriedener Mitarbeiter. Ich habe den Bericht gerade an den Aufsichtsrat weitergeleitet. Sie scheinen sehr angetan zu sein von ihrer Arbeit." Der Chef scheint unter einer Attacke zu leiden, die etwas mit gefährlich hohem Blutdruck zu tun haben könnte, deshalb eile ich ihm zu Hilfe. "Weg", ruft er, wird dann merklich ruhiger, um sich an den Geschäftsführer zu wenden. "Und darf ich fragen, wieso sie meinen Dienstwagen für die Simulation benutzt haben?" "Nun, mir wurde gesagt, sie hätten ihn zur Verfügung gestellt, um wenigstens etwas von dem Schaden wiedergutzumachen, den sie mit dem Feuer der Notfall-Systeme in der vergangenen Woche angerichtet haben. Ist das etwa nicht der Fall?" "Oh, natürlich. Ja, das stimmt." biedert sich der Chef an. "Aber ich glaube, der Aufsichtsrat interessiert sich bestimmt dafür, was sich genau abgespielt hat, so, wie es von den Überwachungskameras aufgezeichnet wurde." Die Augen des PJ verraten, dass er wieder seinen Untergang vorhersieht. Wo ich mit einem Tadel wegen meiner unorthodoxen Arbeitsweise davonkommen könnte, dürften die Aufzeichnungen aus dem Vermittlungsraum für ihn eine nicht so harmlose Wirkung zeigen wie die aus dem Sanitätsraum mit mir. "Ich denke, dass meine Dokumentation alle nötigen Gesichtspunkte abdeckt" erwidere ich. Trotzdem gibt sich der Geschäftsführer damit nicht zufrieden, so dass wir alle in sein Büro trotten, um uns Videos anzuschauen. Der Chef kostet den Moment aus, in dem er die Wiedergabe startet. "Was zum Teufel machen die Sicherheitsleute eigentlich den ganzen Tag?" fragt der Geschäftsführer, als der Vorspann von 'Unsere kleine Farm' auf dem Monitor erscheint. "Habe ich von einem Gefallen gesprochen?" wende ich mich an den PJ. "Ich meinte natürlich zwei." "Wie ich schon in meiner Zusammenfassung feststellte", sage ich, "ist die Gefahr revoltierender unzufriedener Mitarbeiter bei diesem laschen Sicherheitsdienst durchaus eine reale Bedrohung." "Riechen sie das?" frage ich wenig später den PJ. "Das riecht wie ein Notfall-Budget mit meinem Namen drauf." [[Die Meinungen über die nötige Notfall-Ausstattung gehen auseinander - bis der B.O.F.H. den Beweis für deren Notwendigkeit erbringt ...]] Der PJ und ich studieren Kataloge mit Computerzubehör, als der Chef in unser Büro hereinplatzt. Er hat sich offenbar vorgenommen, einen Anteil vom Budget für die Notfall-Systeme zu fordern, welches dem PJ und mir hinter seinem Rücken zugewiesen wurde. Wir waren natürlich auch recht gut, als wir die Installation einer 'redundanten' Satellitenschüssel an der Rückseite des Firmengebäudes empfahlen und selbstlos deren Ausrichtung auf ein etabliertes 'Testsignal' einer niederländischen TV-Station forderten, um der Firma Geld zu sparen. "Was glauben sie eigentlich tun sie hier?" regt der Chef sich auf und wedelt mit einem kräftigen Stapel aus Anforderungsformularen für Notfall-Systeme aller Art, die der PJ und ich ihm vorlegen liessen. "Was meinen sie?" "Die Empfehlung einer weiteren Satellitenschüssel. Wir benutzen nicht einmal die, die wir schon haben." "Ja, aber wenn wir eine an jeder Seite des Gebäudes haben, dann haben wir einen redundanten Zugang zur Aussenwelt, wenn die Sendeantennen einmal ausfallen sollten - wie das zum Beispiel bei einem Erdbeben passieren könnte ..." natürlich ist ein Erdbeben noch unwahrscheinlicher als dass der Chef eine Runde ausgibt, aber sorgfältige Planung erfordert nun einmal die penible Beachtung der kleinsten, obgleich unwahrscheinlichen, Details. Für ein paar Sekunden muss er mit sich kämpfen, um dies zu schlucken. "Machen sie sich doch nicht lächerlich! Wir haben gar keine USV an der Rückseite des Gebäudes." "Ja, aber ich glaube, dass ich das auf Seite 2 erhwähnt habe, zwischen der redundanten Espresso-Maschine mit einem zusätzlichen Akku und dem Notfall-Lagezentrum mit einer kompletten Wohnungseinrichtung." "Wenn sie auch nur einen Moment daran glauben, dass die Firma ihnen beiden eine Stadtwohnung bezahlt, in die sie Frauen abschleppen können, dann sollten sie sich lieber andere Gedanken machen", knurrt er. "Und was ihre verdammte Kaffee-Maschine angeht ..." "... nehmen sie die, die gleichzeitig drei Tassen zubereiten kann." vollendet der Geschäftsführer den Satz, als er hereinkommt. "Und da sie noch immer in der Planungsphase sind, dachte ich mir gerade, dass dies hier eine gute Farbe für den Teppichboden im Notfall-Lagezentrum wäre", erklärt er und hält ein Stück eines Axminster-Teppichs hoch, dessen Strassenpreis oberhalb jeder rechtfertigbaren Summe liegt. "Das ist genau der richtige Farbton, der den Stress in einer Belastungssituation vermindern dürfte." Und genau der richtige Farbton, wenn ich mich nicht irre, um dafür zu sorgen, dass die Chancen des PJs und mir, ausserhalb der Ferien des Geschäftsführers einen Blick auf ihn zu werfen, ziemlich gering sind. Nun, im Dienste der höheren Sache müssen Kompromisse gemacht werden. Und die höhere Sache in dieser Woche ist die Sicherung von Exklusivität. Natürlich ist die Stadtwohnung an sich schon grossartig, doch selbst mit der auf dem Dach geplanten 'wassergekühlten Speichereinrichtung', selbstverständlich komplett mit einem Sprungbrett, werden der PJ und ich nur mit weiterer Technikaufrüstung glücklich sein. Der Chef verzieht sich - jahrelange Erfahrung hat ihn gelehrt, die Niederlage zu erkennen, wenn sie an seiner Tür klingelt -, um unsere weiteren Vorschläge zu prüfen. "Was zum Teufel soll das sein?" schreit er fünf Minuten später und fuchtelt mit der Empfehlung, die Thin Wire-Verkabelung zu ersetzen. "Das wird ein Vermögen kosten. Und das ist bestimmt kein Notfall." Seltsamerweise ist es ein paar Sekunden einer. Ein verzwickter Terminierungsfehler schlägt zwei Etagen über uns zu, der die Server der Personal-Abteilung vom restlichen Netzwerk isoliert. "Ah, wir brauchen jemanden für Überstunden", sagt der Chef mit gespielter Zwanglosigkeit. "Dann muss das der PJ erledigen. Ich habe in einer halben Stunde einen Termin mit meinem Arzt." "Oh", erwidert der PJ erwartungsgemäss. "Ich spüre die ersten Zeichen einer Migräne und glaube nicht, dass ich damit allein klarkomme." "Aber jemand muss es doch tun - die Server der Personal-Abteilung sind vom Netzwerk abgeschnitten!" "Das ist doch nicht das erste mal, also kein besonderes Problem", sage ich unschuldig. "Aber nicht, wenn am nächsten Tag die Lohnschecks fällig sind! Als das schon einmal geschah, randalierten die Angestellten und zerstörten den Platz! Das war eine richtiger Notfall!" Der Chef verstummt, als er erneut das bekannte Klingeln an seiner Tür hört. Als Netzwerkprofi begeistert es mich immer wieder, dass selbst die vereinte Geschwindigkeit von FDDI, CDDI und ATM schneckenlangsam gegenüber der Geschwindigkeit ist, mit der sich schlechte Neuigkeiten verbreiten. Der Chef gibt auf. "Wieviel?" Müde holt er seine Geldbörse hervor. "Wofür? Für unser Schweigen oder für die Reparatur?" "Beides." "Geben sie sie uns am besten gleich ganz. Wir geben ihnen dann morgen, was übriggeblieben ist." Ein Thin Wire-Kabel und einen Gedächtnisverlust unsererseits später können der PJ und ich einen Stapel Anforderungsformulare mit dem 'Genehmigt'-Stempel und der Unterschrift des Chefs betrachten. Neben einer Stadtwohnung, niederländischer Pornographie und neuen Kaffee-Maschinen geht ein weiterer Traum von mir in Erfüllung - das Ende von Thin Wire ist nahe. "Das müssen wir feiern. Kellner, ihren besten Champagner, bitte. Und wenn das Bargeld aus dieser Börse verbraucht ist, nehmen sie einfach die Kreditkarten." [[Es haben sich einige Beschwerden über den PJ angesammelt - und der B.O.F.H. muss diesen Vorwürfen nachgehen ...]] Dies ist ein trauriger Tag für die Netzwerker in der ganzen Welt. Als Netzwerkberater und Vorgesetzter des PJ wurde mir die Aufgabe übertragen, einige Beschwerden, die über den PJ vorliegen, zu untersuchen und angemessene Sanktionen für diese Vorfälle zu empfehlen. Offensichtlich hat der Chef an einem Kurs für 'progressive Personalleitung' teilgenommen und ist mit einer Wagenladung Handbücher zurückgekommen, die sich mit der Erhöhung der Produktivität und dem Abbau von Stress am Arbeitsplatz befassen. Ich hätte ihm freilich eher die Lektüre von Literatur über die sieben Zwerge und Schneewitchen empfohlen, statt ihn sich mit den wirklichen Problemen des Managements befassen zu lassen. Noch ist es in unserer Etage recht ruhig, so dass ich mich entschliesse, diese Ruhe zu beenden. Und natürlich kommt auch prompt ein Anruf aus der Personalabteilung - kaum dass ich um 11 Uhr am Arbeitsplatz erscheine. Bei Gesprächen wie dem bevorstehenden muss immer ein Repräsentant der Personalabteilung anwesend sein, so dass wir uns relativ schnell auf eine Zeit einigen und darauf, dass wir uns in einem ihrer ungenutzten Räume in der fünften Etage treffen. Ups, ich meinte einen Raum für Vorstellungsgespräche. "In Ordnung", beginne ich gleich bei meiner Ankunft. "Ich nehme an, wir wissen, weshalb wir uns heute hier treffen." Ich wende mich an den PJ. "Offenbar liegen drei Beschwerden über sie aus dem letzten Monat vor. Es ist unsere Aufgabe, diesen Beschwerden auf den Grund zu gehen und eine angemessene Antwort zu finden." "Ich verstehe." erwidert der PJ. "Gut, zunächst haben wir hier eine Beschwerde darüber, dass sie einem Mitarbeiter aus der Buchhaltung eine Software-Aktualisierung versprochen, sich aber nicht weiter darum gekümmert haben." "Ja, daran erinnere ich mich." antwortet der PJ. "Erzählen sie es mit ihren eigenen Worten. Wonach hat er gefragt?" "Nun, er rief mich im Büro um 16:50 Uhr an und sagte, dass er WYSIWYG (What you see is what you get [thomas w.]) wolle. Und er wollte es, bevor ich das Büro verlasse." "Was haben sie gemacht?" "Ich habe die Lichter und die Notbeleuchtung auf seiner Etage abgeschaltet." "Und was konnte er sehen?" "Nichts." "Und er bekam?" "Nichts." "Also haben sie seinen Wunsch erfüllt?" "Ich nahm es an." "Ausgezeichnet", rufe ich fröhlich. "Ich glaube nicht, dass ..." legt der Repräsentant aus der Personalabteilung los, doch mein eiskalter Blick lässt ihn sofort wieder verstummen. "Die Fragen stelle noch immer ich, glaube ich. Nun, kommen wir zu der ATM-Sache." "Ja, einer der Erbsenzähler wollte ATM in seinem Zimmer." "Und was taten sie?" "Nun, ich habe unseren Firmenarchitekt gebeten, sein Zimmer in das Erdgeschoss gleich neben den Geldautomaten zu verlegen (ATM - Automatic Teller Machine, Geldautomat [thomas w.])." "Also haben sie seinen Wunsch bestmöglich erfüllt." "Ich glaube, er wollte einen besseren Netzwerkanschluss." erklärt der Repräsentant der Personalabteilung in den Tiefen der Technik verfangen. "Immerhin ist das ja ihr Aufgabengebiet." (ATM - Asynchronus Transfer Mode, ein Netzwerkprotokoll [thomas w.]) "Wirklich? Hmm, da könnten sie Recht haben. Aber das werden wir wohl nie genau erfahren, da der Mann die Firma bereits verlassen hat. Offenbar haben ihn die Geräusche des Geldautomaten gestört. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, weshalb er danach gefragt hatte. Seine Pläne, das IT-Budget zu kürzen, konnte er deshalb offenbar auch nicht vollenden ..." "Ein unglücklicher Zufall. Nun gut, die Schuld liegt damit wohl eindeutig bei den Nutzern, die ihre Wünsche nicht deutlich genug äussern. Sie haben ihr Bestes gegeben, auch wenn alles gegen sie zu sprechen scheint. Gut gemacht. Und zum Schluss", fahre ich fort, bevor der Personalabteilungsrepräsentant etwas sagen kann. "Ja, hier haben wir noch die Beschwerde darüber, dass jemand im Korridor hinter der Vermittlungsanlage eingesperrt wurde." "Nun, das war mein Fehler", stimmt der PJ zu. "Ein Datenbank-Mensch wollte prüfen, dass sein Büro korrekt an das FDDI-Netz angeschlossen ist, und muss sich dabei irrtümlich selbst in dem Korridor eingesperrt haben. Ich konnte ihn im Vermittlungsraum nicht sehen und nahm daher an, sie hätten ihn hinausbegleitet." "Ja, das ist ein verständlicher Irrtum", antworte ich. "Das ist mir auch schon passiert. Deshalb sollten wir eigentlich jeden Zugang zur Vermittlungsanlage verbieten." "Das ist doch lächerlich." regt sich Herr Personalabteilung verärgert auf. "Das kann doch gar nicht passieren. Das ist einfach unmöglich!" "Es kann passieren", antworte ich. "In dem Sicherheitskorridor gibt es keine Fenster, so dass man nie wissen kann, ob sich jemand in ihm aufhält. Wir haben diesen Umstand schon mehrfach dem Wachdienst mitgeteilt und nach einer Überwachungskamera gefragt, doch bisher hatten wir leider kein Glück." Es macht mich wirklich sehr traurig, dass er unseren Worten nicht glauben will. "Nun", sage ich etwas später dem PJ. "Ich sehe keinen Anlass für einen Tadel. Wie wäre es mit einem Bier im Pub?" "Ausgezeichnet." erwidert der PJ. "Soll ich den Sicherheitskorridor prüfen?" "Nein, ich bin sicher, jemand hat ihn herausgelassen, als wir einen Tee in der Kantine tranken. Sorgen sie nur dafür, dass die Temperatur niedrig genug ist, nur für den Fall, dass es in der Nacht eine Hitzewelle gibt." Netzwerk-Grundsatz Nummer 4: Gelegenheiten sind, wie die Zigarren des Chefs, dazu da, ergriffen zu werden ... [[Wenn der Chef versucht, den B.O.F.H. mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen, ist es Zeit, Notfallplan A zu starten, sich zurückzulehnen und das Feuerwerk zu geniessen ...]] Ich mache mir wirklich Sorgen um den Chef. Sein Verhalten ist irgendwie unbeschreiblich - und zwar seitdem er in der vergangenen Woche auf dem Weg zu einer Präsentation mit seinen mühsam erstellten Folien über ein herumliegendes Kabelstück stolperte. Traurigerweise sind dabei seine Folien zum Thema 'Externe Auftragsarbeiter und fest angestellte Mitarbeiter - Wege zur Verringerung der Lohnausgaben' ein wenig durcheinandergekommen, was seinem Vortrag wohl nicht besonders förderlich war ... Es ist mir auch nicht entgangen, dass er meinen Tip, seine Folien vor dem nächsten Vortrag zu numerieren, ignorierte. Auch den Hinweis des PJ, dass es Programme zur Erstellung von Präsentationen gibt, die sich selbst um die richtige Reihenfolge kümmern und billiger sind, lässt er ungehört verhallen. Man könnte beinahe annehmen, dass er die Folien heimlich und nicht auf einem Firmen-PC angefertigt hat, damit niemand etwas von seinem Vortragsthema erfährt. In diesem Fall wäre allerdings die Benutzung des Foliendruckers, der 98% seiner Lebenszeit ungenutzt herumsteht, keine gute Methode, um von den eigenen Aktivitäten abzulenken. Besonders schlimm ist, dass einer seiner Gedanken seinen Weg in eine mottenzerfressene Ecke im Gehirn des IT-Chefs gefunden hat - seitdem ist unser Leben nur noch mit Kummer und Leid verbunden. In dem Bemühen, eine weitere Prämie von den Erbsenzählern zu bekommen, hat der IT-Chef dem Plan unseres Chefs zugestimmt, den PJ und mich Arbeiten für andere Firmen erledigen zu lassen ... Sicher, nach den ersten paar Netzwerk-Zusammenbrüchen und einigen seltsamen Sicherheitsproblemen gingen die Wünsche nach unserer Hilfe etwas zurück - und gegen Null. Doch der Chef liess sich auch dadurch nicht davon abbringen, es uns heimzuzahlen. Wir kommen gerade wieder einmal in unser Büro zurück, wo uns drei grosse Kisten begrüssen, die unübersehbar auf dem Boden stehen. Meine Sinne für furchtbar teures Equipment flattern, als mein Blick auf den Namen des Herstellers und die Produktbezeichnung fällt, die eine Seite einer der Kisten schmücken. Natürlich war auch der PJ nicht gerade langsam bei der Wahrnehmung der Technik, die dem Heiligen Gral im Netzwerkbereich entspricht. Wir stehen wie betäubt vor den Kisten und schweigen andächtig, als der Chef 'zufällig' hereinschlendert und uns anspricht. "Ja", sagt er selbstgefällig. "Es ist genau das, was sie denken. Neueste und beste Switch- und Routertechnik von Teranet, vollkommen ausgerüstet mit Karten für alles, was von RS232 über ATM bis zu Gigabit Ethernet heute auf dem Markt zu haben ist. Sagen sie einfach etwas und es wird in dem Gerät stecken. Und sie sind als glückliche Tester auserkoren worden!" "Ein Test?" frage ich und blicke auf eine Ausrüstung, die ausreichend für einen kleinen Telefonnetzbetreiber ist. "Ja, verdammt. Sie haben die nicht etwa angenommen, ich hätte ihnen das Zeug gekauft? Sie werden dafür bezahlt, dass sie diese Technik einem unabhängigen Test unterziehen und einen Bericht darüber schreiben. Dann schicken wir die Technik selbstverständlich wieder zurück an den Hersteller - natürlich nachdem dieser die Vollständigkeit überprüft hat ..." Dieser Bastard. "Dieser Basterd", flüstert auch der PJ, als der Chef hinausmarschiert. Der Chef, ich kann es kaum zugeben, hat das Undenkbare getan - er hat uns einen Schlag versetzt, den uns nur ein richtiger Manager versetzen kann. Er weiss genau, dass die Rückgabe dieser wunderbaren Schatztruhen nach dem Test und der Umstieg auf unsere alte Technik auf uns ungefähr die gleiche Wirkung haben wird wie der Umstieg von einem Rolls Royce auf einen R 5. Ein Schlag tief unter die Gürtellinie. Einen Tag später können der PJ und ich der Versuchung nicht mehr widerstehen - wir spielen mit der neuen Technik. Sie ist leider nicht so gut, wie man es erwartet - sie ist besser. Der Chef macht alles zunichte - er füttert den Einzug des Reisswolfs sowohl mit unserem Bericht als auch mit unserer Einkaufsempfehlung und lässt uns dann stehen, um grinsend in die Kantine zu verschwinden. "Das können die doch nicht machen!" jammert der PJ, als die Leute des Herstellers die Technik wieder einpacken. "Alles in Ordnung, ich bin sicher, wir werden irgendwann derartige Technik bekommen." versuche ich ihn zu beruhigen. "Ja, wenn sie so verdammt alt ist, dass sie nur noch als Kühlung taugt." "Gut", murmele ich. "Ich sage ihnen etwas - wie wäre es mit ein paar Flaschen Bier zum Mittag. Sie mögen doch Bier, oder?" "Das geht heute nicht", platzt er heraus. "Ich habe Sharon gesagt, dass ich sie in der Mittagspause treffe. Und sie hat nur eine halbe Stunde Zeit." Einen Zug an einem Stück Schnur später dämmert es auch dem PJ, als hunderte Papierstückchen wie Konfetti in die Klimaanlage des Erdgeschosses eingespeist werden. Die Rauchmelder tun, was sie tun sollen, und Notfallplan A läuft an. Wir sichern unsere Zentrale und reihen uns, der PJ, Sharon und ich, in die Schlange der anderen Schafe ein, die das Gebäude über die Notausgänge verlassen. Unterdessen folgt der Frachtlift am anderen Ende des Ganges seiner Notfallprogrammierung und fährt in den Keller. Die drei Kisten mit der Aufschrift 'Weihnachts-Dekoration' werden nach dem Alarm von der Lagerabteilung ganz bestimmt korrekt gelagert. Ich denke, wir werden sie wiedersehen, wenn der Chef die Verantwortung für das seltsame Verschwinden unheimlich teurer Technik übernommen (und deren Bezahlung organisiert) hat. "Rechts!" rufe ich, als wir ins Tageslicht hinaustreten. "In den Pub. Ich glaube, dort wartet ein Vertreter von Teranet mit ein paar Bieren auf uns." [[Der Chef versucht erneut, den B.O.F.H. und den PJ zu vetreiben. George, einige Biere, ein Reisswolf und ein paar potentielle PJs treten auf ....]] Nachdem ich einige Stunden (und Biere) brauchte, um herauszufinden, was wirklich gespielt wird, fühle ich mich an diesem Morgen etwas unwohl. Es scheint, als hätte George, unser Spezialist für Reinigung und Reparaturen, ein erschütterndes Gespräch zwischen unserem Chef und dem IT-Chef mitgehört. Sie haben vor, dem Geschäftsführer einen Gefallen zu tun, um ihn auf ihre Seite zu ziehen und den PJ und mich dadurch loszuwerden. Ein kleines Vermögen später erzählte uns George, wie sie ihren Plan umsetzen wollen ... So kommt es nicht überraschend, dass der Geschäftsführer und die Schleimer-Truppe (unser Chef und der IT-Chef) bei uns erscheinen. "Ich wollte sie um einen kleinen Gefallen bitten", beginnt der Geschäftsführer freundlich. "Was kann ich für sie tun?" frage ich und bemerke einen leichten Anflug von Schleimerei bei mir. "Nun, es geht um den Computer-Kurs, an dem meine Enkel teilnehmen." erklärt er. "Aber sie sind doch viel zu jung, um schon Grossvater zu sein." schmeichelt der IT-Chef. Der Geschäftsführer redet weiter: "Nun, die Kinder haben offenbar den Wunsch, die Theorie in der Praxis zu erleben. Und da dachte ich ..." "... dass wir ihnen zeigen könnten, wie ein echtes Computernetzwerk funktioniert." vollendet der PJ. "Genau." "Es wird uns eine Ehre sein." sage ich und übernehme die Führung beim Einschmeicheln. "Und ich kümmere mich um ein paar schöne Andenken, die Verpflegung und den Transport", setzt sich der PJ an die Spitze und erreicht mit einer Länge Vorsprung das Ziel, dicht gefolgt von mir und dem Chef. Zwei Tage später erscheint die Gruppe pickelgesichtiger Dreikäsehochs. Das halbe Haus ist auf den Beinen, denn es geht das Gerücht, dass man sich bei solcherlei Aktivitäten Freunde in den oberen Etagen machen kann. "Bevor wir beginnen, möchte ich ein wenig über die Sicherheitmassnahmen in unserem Haus berichten." Der Geschäftsführer lächelt stolz, als er sieht, dass sein Nachwuchs bei mir in den besten Händen ist. Fünf Minuten später bereiten sich unsere Schüler darauf vor, die Vermittlung zu betreten, als ein lauter Schrei zu uns dringt. "Und schliesslich", erkläre ich und entferne das Kabel, welches die Türklinke mit dem Transformator verband, "gilt unser Dank auch unserem Chef, der sich bereitwillig für diese Demonstration der Gefahren, die von elektrischem Strom ausgehen, zur Verfügung stellte." Ich öffne die Tür, um den Chef vorzustellen, der mit einem gehetzten Gesichtsausdruck und einem Haufen Zugangskarten für die IT-Abteilung, die wild um ihn herum verstreut sind, auf dem Boden sitzt. "Man kann nie vorsichtig genug sein." Der Chef wird zur Sanitäterin gebracht, die ihn schnell wieder aufpäppelt (und ihm wohl auch neue Unterwäsche gibt, wenn mich mein Geruchssinn nicht täuscht). Unterdessen gesellt sich der IT-Chef zu uns, als wir die Vermittlung ansteuern. Er starrt in Ehrfurcht auf die einzelnen Komponenten (von denen er ungefähr die Hälfte angeschafft hat), die wir unseren Besuchern erklären. Als wir in das Archiv für Software und Dokumente gehen, fordern wir sie auf, uns Fragen zu stellen. "Wofür sind diese Geräte da?" will der Nachkomme des Geschäftsführers wissen. "Das sind ein Reisswolf und ein Bandlöschgerät, die wir zur Vernichtung von Dokumenten benutzen. Wollt ihr sie ausprobieren?" Natürlich können einige es nicht erwarten, mit den Geräten zu spielen, also geben wir ihnen ein paar alte Videokassetten und einen Stapel Papier. "Und wofür ist dieser Fernseher?" will ein anderer wissen und zeigt auf den 29 Zoll-Monitor. "Das ist kein Fernsehgerät", gluckst der IT-Chef amüsiert. "Das ist ein Monitor für die Überwachungskameras." "Aber da ist doch ein Videorekorder angeschlossen." "Zur Aufzeichnung der Bilder der Kameraüberwachung, oder?" wendet er sich an mich. "Nun, für mich sieht das wie ein Fernseher mit einem Videorekorder aus. Ich frage mich noch immer, wieso sie das bestellt haben." "Bestellt?" taucht der PJ auf. "Er hat mich beauftragt, sie in seine Wohnung zu transportieren." "Sie haben es doch beantragt", verliert der IT-Chef langsam die Fassung. "Wofür eigentlich? Wie auch immer, ich habe Kopien aller Anträge. Ich hebe sie auf, bis die Anfrage erledigt ist. Dann werden sie vernichtet ..." Der IT-Chef stürzt im Superman-Modus los, versucht, einen hohen Kassettenstapel zu überspringen, und landet mit dem Gesicht voran auf dem Einzug des Reisswolfs. Kein schöner Anblick für unsere jungen Besucher, aber nicht so schlimm wie der Anblick des IT-Chefs, als die Messer des Reisswolfs zum Leben erwachen und sich über seine Krawatte hermachen ... Der PJ betätigt den Notschalter, um ihn vor weiteren Verletzungen zu bewahren, wobei freilich auch der Rückwärtsgang nun nicht mehr funktioniert. "Und wieder sehen wir, wie riskant es an unserem Arbeitsplatz zugeht." erkläre ich, während der IT-Chef versucht, sich mit rudernden Armen aus seiner Lage zu befreien. "Ein Reisswolf kann sehr gefährlich sein. Doch auch von einem Bandlöschgerät gehen gewisse Gefahren aus, wenn man eine Uhr trägt, deren Gehäuse nicht antimagnetisch beschichtet ist, wie wir dies bei unserem Vorgesetzten sehen." BZZZZZZZZZERT ... "Oh, oder wenn man eine Uhr trägt, die nur angeblich beschichtet wurde. Vielen Dank für diese eindrucksvolle Demonstration." Der Geschäftsführer lächelt zufrieden, weiss er doch, dass die jungen Besucher etwas gelernt haben. Normalzustand wiederhergestellt. [[Als der PJ Mitleid mit einem Nutzer zeigt, vermutet der B.O.F.H. eine beginnende Krise und leitet Notfallmassnahmen ein ...]] Es ist ein ruhiger Nachmittag, als das Telefon klingelt. Der Anruf kommt nicht aus dem Haus, sondern von ausserhalb, also ist er interessant. Das Glück ist auf meiner Seite, denn es ist mein Lieblingsvertreter, der mich zum zweimal jährlich stattfindenden Kneipenbesuch einladen will, bei dem er immer für Getränke, Speisen und die Unterhaltung sorgt, um mich als guten Kunden zu behalten. Natürlich könnte ich auch wieder wie früher einfach direkt Verträge abschliessen, doch so muss jemand anderes die Rechnung für den Kneipenexzess bezahlen. Der PJ und ich sorgen dafür, dass wir früh davonschleichen können und treffen den Vertreter in der nahen Besäufnisanstalt. Die Nacht verspricht interessant zu werden ... Natürlich sind der PJ und ich am nächsten Tag noch etwas geschafft. Um zehn nach fünf und unter dem Einfluss einiger Biere klang die Idee, den Rekord im Biertrinken zu brechen, noch gut, doch um zehn nach zehn am nächsten Morgen ist unsere Begeisterung dafür nicht mehr so gross und hat irgendwie einen Dämpfer erlitten. Und der war gross genug, dass die Anwesenheit eines Nutzers in unserem Büro nur unbedeutende Reaktionen hervorruft. Halbherzig greift der PJ nach dem Tacker, der ein wenig dahingehend modifiziert wurde, dass er nun schneller die Heftklammern ausspuckt. Und der Sicherheitsschalter ist natürlich auch ausser Betrieb. "Warten sie!" rufe ich, denn in meiner derzeitigen Verfassung habe ich keinen Bedarf ein paar hundert KLACKs gemischt mit Schreien zu hören. "Kann ich etwas für sie tun?" frage ich den Nutzer. "Ich suche ein Twisted Pair-Kabel für meinen Computer", sagt der Nutzer und zeigt damit schon einen gewissen Kenntnisstand, der Nutzern generell verboten sein sollte. (Natürlich nur, um sie vor Gefahren zu bewahren.) "Wie lang hätten sie es denn gern?" frage ich müde. "Nun, da verlasse ich mich ganz auf sie", antwortet er glucksend über den Witz, der so alt ist, dass schon Noah ihn beim Holzkauf für seine Arche benutzt hat. "Natürlich, nehmen sie sich einfach eins aus der braunen Kiste in der Ecke." Zufrieden verschwindet der Nutzer mit einem Kabel, während der PJ zu mir kommt. "Sind sie in Ordnung?" will er mit besorgter Miene wissen. "Sie haben einem Nutzer geholfen!?" "Indem ich ihm eines der defekten Kabel gab, die wir als Kupferschrott verkaufen? Ich habe mir nur einen zeitlichen Aufschub verschafft, bis meine Kopfschmerzen vorrüber sind. Er wird wieder zurückkommen, erinnern sie sich an meine Worte." "Oh", schluckt der PJ, als ihm aufgeht, dass auch in schlechten Zeiten die grauen Zellen noch arbeiten. Er hält für einen Moment inne - kein besonders Problem in seiner Verfassung. "Befürchten sie nicht, dass wir die Nutzer zu oft belügen?" Eine Sinnkrise! Ich hätte es früher bemerken müssen. All die Symptome waren da - die Sorge um andere, das langsame Angeln nach dem Tacker. "Machen sie sich nicht lächerlich!" rufe ich, um sein noch schwaches Gewissen am weiteren Wachstum zu hindern. "Nutzer erwarten, dass sie angelogen werden. Ebenso wie Versicherungen und die Finanzämter. Es ist unser Recht, nein, unsere Pflicht, sie im Interesse des technologischen Vorsprungs zu desinformieren." "Ich, ich habe gedacht - ich weiss nicht, ob ich dieser Arbeit wirklich gewachsen bin." Es ist schlimmer als ich dachte. Bevor die Krankheit sich weiter ausbreiten kann, rufe ich bei der Nutzer-Betreuung an und gebe ihnen die Handynummer des PJs, damit sie ihn bei 'problematischen Anrufen' erreichen können. Überraschend beginnen sie beinahe sofort, Anrufer zu ihm weiterzuverbinden. "Hallo?" Zwei Stunden später ist die Mission erfolgreich abgeschlossen und der PJ verhält sich wieder normal. Die Nutzerin, die danach fragte, weshalb die Rufumleitung bei ihrem Telefon nicht funktionierte, hat dem Kamel vermutlich das Rückgrat gebrochen. Der PJ brauchte eine Weile, bis er herausfand, dass die Anruferin das Telefon von ihrem Schreibtisch mit durch das Gebäude schleppte. Als Veteran hatte ich freilich nichts anderes erwartet. Der PJ ist wiederhergestellt, als unser Amateur-Netzwerker wieder auftaucht. "Das Kabel ist defekt!" beschwert er sich verzweifelt. "Das glaube ich nicht", antwortet der PJ völlig ruhig. "Wir haben alle Kabel geprüft." "Das stimmt", füge ich hinzu. "Natürlich konnten wir die Luftfeuchtigkeits-Differentiale nicht testen, weil unser Mulitmeter kaputt ist." "Natürlich." keucht der PJ. "Das wird es sein." ruft der Nutzer und spielt uns nichtvorhandene Kenntnisse vor. "Ich mache ihnen einen Vorschlag", wende ich mich an unseren leidenschaftlichen Amateur. "Sie nehmen einfach das eine Ende des Kabels und gehen damit in den Korridor vor der Vermittlung. Dann halten sie das Ende einfach an ihre Zunge. Wenn es den Luftfeuchtigkeits-Differential-Test besteht, werden sie ein leichtes Kitzeln spüren. Und wenn sie nichts spüren sollten, ist das Kabel defekt." Sekunden später wird die Stille im Korridor durch einen lauten Schrei und eine Reihe dumpfer Schläge unterbrochen. "Ups", platzt der PJ heraus. "Da habe ich das Kabel doch versehentlich an das Stromnetz angeschlossen." Die dumpfen Schläge in der Nähe der Tür hören auf, was nur bedeuten kann, dass unser Freund es geschafft hat, sich von dem Kabel zu trennen, indem er es durchgebissen hat. "Schön, dass sie wieder gesund sind", sage ich, als der PJ den Beweis entfernt. Ich meine - das Kabel. "Schön, wieder da zu sein." Ist es nicht lustig, wie sich die Dinge immer zum besten wenden? [[Es sieht so aus, als hätte der B.O.F.H. sich selbst ein Bein gestellt, doch der PJ steht ihm mit einem listigen Plan zur Seite ...]] Wenn ich die Worte 'Virtuelle Vorstandssitzung' noch einmal höre, muss ich jemanden verprügeln. Der verdammte Chef hat es geschafft, das kindliche Interesse des Geschäftsführers an einem Videokonferenzsystem wiederzuerwecken. Im Normalfall würde ich aus diesem Anlass ja bei dem Gedanken daran, noch mehr Firmengeld verpulvern zu dürfen, lächeln, doch wir haben einfach nicht genügend Leitungskapazität, um ein solches System im gesamten Unternehmen einzurichten. "Warum?" fragt der PJ, der den Geruch eines Nagetiers wittert. "Ah. Nun, ich muss ihnen sagen ..." "Dass sie unsere Leitungskapazitäten an andere weiterverkauft haben, oder?" "Nein, nicht ganz. Nein." "Sie haben den ISP-Service (Internet Service Provider [thomas w.]) unserer Firma aufgegeben?" "Nein, den habe ich vor ewigen Zeiten verkauft." "Sie haben ihn verkauft!" "Genau, ich habe den Kundenbestand und den Domainnamen an einen anderen Zulieferer verkauft. Zu sehr lukrativen Bedingungen." "Und sie haben mich nicht daran beteiligt?" "Nein. Ich habe nicht einmal meinen Anteil ausgezahlt." "Was haben sie dann mit dem Geld angestellt?" "Sie meinen: Was habe ich mit dem 'Venture Kapital' gemacht?" "Wie bitte?" "Es ist ausreichend, wenn ich sage, dass wir die einzigen Partner der InterTelecom International sind, einem Anbieter sehr billiger Telefontarife ..." "Wie?" "Und unser neuester Kunde ist ein Unternehmen mit Aussenstellen in der gesamten Welt. In einer dieser Aussenstellen stehen sie gerade." "Sie verkaufen unsere Leitungskapazität wieder zurück an die Firma? Wieso hat sich die Firma darauf eingelassen?" "Nun, erinnern sie sich an den grossen Ausfall des Netzwerks bei den Erbsenzählern?" "Welchen Ausfall?" "Den, als der Chefbuchhalter erklärte, dass wir besser nicht mehr telefonieren sollten, statt weiter Unsummen für Anrufe ins Ausland auszugeben. Wir sollten dafür besser einen freien Anbieter nutzen." "Ja, aber ich dachte, sie hätten eine Art Notfallplan gehabt und die Sache wieder gerichtet ..." "Das habe ich getan. Und sie werden bestimmt gern hören, dass die InterTelecom International alle anderen Anbieter leicht ausstechen konnte, da die Gebühren unheimlich niedrig sind." "Was bedeutet, dass wir unserer Firma Leitungskapazitäten stehlen!" "Stehlen klingt so negativ. Wir sorgen nur dafür, dass die ohnehin vorhandenen Leitungen zu 100 Prozent genutzt werden - dafür sollte uns die Firma belohnen. Und das tut sie immer dann, wenn wir unserer Bonuszahlungen von InterTelecom International bekommen." "Clever." stimmt der PJ widerwillig zu. "Aber wo liegt das Problem?" "Wenn wir das Konferenzsystem anschaffen, bekommen wir Probleme mit der Auslastung der Leitungen." "Sicher. Aber wir wissen doch, dass das nichts weiter als ein Spielzeug ist, das in den ersten Tagen benutzt wird, dann aber in Vergessenheit gerät." "Das hoffe ich", erwidere ich. "Dann habe ich einen Vorschlag ..." Eine Woche später wird sehr, sehr teure Technik unter den wachsamen Augen des Chefs in die Firma gebracht. Der PJ ist in unsere Aussenstelle in die USA geflogen, während eine Hilfskraft in Rom die Stellung für die Tests hält. Die Tests sind gerade beendet, als der Geschäftsführer herunterkommt und gleich elektronische Grüsse an den PJ und die Hilfskraft schickt. Die Antwort erfolgt prompt und in guter Qualität, so dass der Chef und der Geschäftsführer sehr zufrieden mit sich selbst wirken. "Jetzt würde ich gern zu den restlichen Aussenstellen sprechen." sagt der Geschäftsführer. Drüben im Vermittlungsraum sorgt eine Vermittlungseinheit plötzlich dafür, dass eine Sicherung durchbrennt und die Leitung unterbricht. Die angerufenen Aussenstellen erscheinen auf dem Monitor - ziemlich körnig und unscharf, würde ich sagen. Die versammelten Mitarbeiter lauschen, als der Geschäftsführer eine kurze Rede über die Wunder der Technik hält. Ein paar Kommentare wandern hin und her, bevor der Geschäftsführer 'auflegt'. "Was meinen sie?" fragt der Chef. "Nun, der Test sah sehr gut aus, doch die Bilder aus den Aussenstellen sahen nicht besonders schön aus." "Stimmt", gebe ich zu. "Das ist ein Problem mit Heisenbergs Wahrscheinlichkeitsprinzip der Videokompression." "Was?" witzelt der Chef. "Heisenbergs Wahrscheinlichkeitsprinzip der Videokompression. Es handelt sich um ein bekanntes Experiment aus der Quantenphysik, bei dem Katzen in Kisten mittels Video überwacht wurden. Je mehr Katzen beobachtet werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es zu Quantenstörungen bei der Videokomprimierung kommt." "Das kommt mir irgendwie bekannt vor", verrät sich der Chef. "Wie können wir das ändern?" fragt der Geschäftsführer. "Nun, die einzige Chance besteht darin, dass wir auf die Kompression verzichten, was allerdings bessere Leitungen mit höherer Kapazität erfordert ..." "Kümmern sie sich um die Sache", antwortet der Geschäftsführer, der während der Arbeitszeit offensichtlich ein paar Folgen 'Star Trek' zuviel gesehen hat. Der Chef unterzeichnet ein paar Bestellungen und schleimt mit dem Geschäftsführer nach draussen. Ich gehe in das benachbarte Zimmer zum PJ und der Hilfskraft und zeige ihnen die Bestellungen. Dann kümmere ich mich um die Sicherung in der Vermittlung. "Soll ich den Telefon-Dienstleister anrufen?" fragt der PJ. "Ja, und sagen sie ihnen, dass InterTelecom International expandieren möchte ..." Ein Fisch, ein Fass, ein Gewehr. Was könnte einfacher sein .... [[Der Duft einer Umstrukturierung liegt in der Luft, als der B.O.F.H. das Herumkratzen auf einer CD zur Beseitigung von Viren empfiehlt ....]] Wenn ich jedesmal fünf Pfund bekommen hätte, wenn der IT-Chef glaubte, die Unfähigkeit von Managern durch eine 'Neustrukturierung der Abteilung' beseitigen zu können, wäre ich heute ein reicher Mann. Es ist nicht so, dass er besonders trickreich dabei vorgeht. Vielmehr scheint ihm der Aufsichtsrat immer nur deshalb zuzustimmen, weil sie eine neue Anordnung der Beschäftigten sehen, die sie vorher nie zu sehen bekamen. Und das Meisterstück in dieser Woche ist die Bildung von Nutzergruppen, die von kompetenten Vertrauenspersonen betreut werden - was bedeutet, dass jedes Mitglied unserer Abteilung sich um eine andere Gruppe kümmern muss. Und weil er ein boshafter und rachsüchtiger Bastard ist, hat der IT-Chef mir eine Gruppe Vertriebsberater zugeteilt - Leute, deren technischer Sachverstand dem von Tomatensträuchern gleicht, deren soziale Fähigkeiten 'einzigartig' sind. Der PJ hat es etwas einfacher, ihm teilt man eine Gruppe von Nutzerbetreuern zu, die schon wissen, dass man uns nur dann anruft, wenn man Verbrennungen dritten Grades liebt. Die Anrufe kommen prompt - ungefähr in dieser Art: "Der Drucker des Nutzers funktioniert nicht, deshalb muss das Netzwerk defekt sein". Und wenn man dann schliesslich die Schritte zur Fehlersuche hinter sich hat, stellt sich heraus, dass das Papierfach leer ist. Zur Mittagszeit klingelt mein Handy, ein Berater schildert sein Problem, und mir wird klar, dass der IT-Chef meine persönliche Handy-Nummer weitergegeben hat. Ich mache mir im Geist eine Notiz, dass diese Indiskretion gerächt werden muss. Doch in der Zwischenzeit muss ich mich um den Berater kümmern. "Die Software, die ich auf dem Rechner eines Nutzers installieren will, bricht immer mit einem Schreibfehler ab." jammert er. "Glauben sie, dass die Festplatte voll sein könnte." "Hmmm", antworte ich nachdenklich. "Was haben sie installiert?" "Office, ein Spracherkennungsprogramm, ein 3D-Design-Programm und die Online Enzyklopädie. Ist das zuviel?" "Nein, natürlich nicht!" rufe ich. "Das ist doch nur ein Bruchteil von dem Platz, der auf dem 386er des Nutzers zur Verfügung steht. Nein, ich glaube, es ist schlimmer." "Schlimmer?" höre ich es am anderen Ende mit vereinten Stimmen fragen, die befürchten, dass dies ihren Erfahrungshorizont (Drücken der Return-Taste und das Einlegen von Disketten) übersteigt. "Ja, ich glaube, dass wir es mit einem weiteren Fall von Rückwärts-Maskierung einer CD-ROM zu tun haben." "Was ist passiert?" "Nun, diese Maskierung wirkt wie ein Filter, der dafür sorgt, dass die installierte Software nur noch mit Programmen des gleichen Herstellers funktioniert. Wenn sie versuchen, die Software eines anderen Herstellers zu installieren, kommt es zu Fehlern. Alle grossen Firmen handeln heute so - Marketingtaktik, sie wissen schon." "Na sowas! Was soll ich tun?" "Nun, welche CD-ROMs haben sie?" "Ganze Ladungen. Unsere gesamte Software ist auf CD." "Hmmm, das ist möglicherweise schlimmer als ich dachte. Es überrascht mich, dass sie bisher noch keine Probleme hatten." "Da sie es erwähnen, mir fällt ein, dass die Enzyklopädie ziemlich langsam bei der Installation war. Könnte das etwas damit zu tun haben?" "Zweifellos. Da wirkt offensichtlich der Anti-Installationsvirus." "Was soll ich nun tun?" "Ich weiss nicht recht - wissen sie, was wir machen, wenn wir Computer-Bänder löschen wollen?" "Sie zerkratzen sie?" "Genau. Und das tun sie mit den CD-ROMs. Wenn sie allerdings die Daten erhalten und nur den Virus entfernen wollen, dann zerkratzen sie natürlich nur ein kleines Stück auf den CDs. Das Stück, auf dem sich die Daten befinden, die anzeigen, mit welcher Software die CD-ROMs nicht funktionieren." "Wie?" "Nun, sie haben doch ein chirurgisches Skalpel aus Keramik bei sich?" >>DUMMY MODE EIN<< "Nein?" "Oh, dann nehmen sie eine Rasierklinge. Sie müssen zwei möglichst eng beieinanderliegende Kratzer rund um die CD entlang der sogenannten 'Inhaltsspur' machen. Dann kann die Software nicht mehr prüfen, ob sie funktionieren darf." "Wirklich?" "Aber sicher", antworte ich voller Überzeugung. "Mir können sie doch vertrauen." "Also soll ich das bei allen CDs machen?" "Bei jeder CD, die sie finden können." "Aber wir haben Hunderte davon." "Machen sie das nach der normalen Arbeitszeit, dann werden sie für die Nachtarbeit Überstundenzuschläge bekommen", appelliere ich an seine Habgier. "Ja!" sagt er und zählt in Gedanken die Pfundnoten. "Aber denken sie daran, es niemandem zu sagen." füge ich hinzu. "Denn sonst wollen auch die anderen sich daran beteiligen. Wenn sie den IT-Chef allerdings schon morgen früh überraschen wollen ...." "Kein Sterbenswort", ruft er. "Und wenn sie gerade dabei sind ..." sage ich. "Ja?" "Der Abteilungsleiter hatte übrigens ebenfalls Probleme mit einigen seiner Musik-CDs - wenn sie noch Zeit haben, dann ...." Der Rest ist - natürlich - Geschichte. Das Jammern, das Zähneknirschen, die prompten Hinauswürfe - ganz zu schweigen von der Zerstörung verschiedener teurer Sammler-Ausgaben von Jazz-CDs. Ich sehe eine Umstrukturierung am Horizont aufziehen. [[Ein Disput mit der Kantine fesselt den B.O.F.H. an Porzellan und lässt den Chef den Genuss von Bohnen bereuen ...]] Etwas ist faul im Staate Dänemark. Und unglücklicherweise hat die Betriebskantine es mir zum Mittagessen serviert. Ich fühle mich nicht gut. Ich bin ein kranker Mann. Es scheint, als sei das Abkommen über die friedliche Koexistenz zwischen mir und der Kantine in der fünften Etage durch meine zufällige Bemerkung zum PJ (Leider konnten sie sie hören.), dass ihr neues Motto - wie das der Luftwaffe - wohl 'Der Tod kommt von oben' lautet, zerbrochen. Selbstverständlich ist das Menu du Jour nicht schlimmer als jemand in einer Todeszelle dies erwarten würde, doch trotzdem hätte ich auf ihrer 'Diätmahlzeiten'-Webseite im Intranet die Ankündigung von ungarischem Gulasch nicht in ungarischen Klebstoff ändern und auf das Geflügelklein Diarrhöe verzichten sollen. Manche Menschen haben eben keinen Humor. Der Chef duldet es natürlich, denn er weiss, dass jeder Mitarbeiter mit Selbstachtung sich erst dann krankmelden würde, wenn der Tod vor der Tür stand und seine Dienste angeboten hat. Das zählt zu den ungeschriebenen Gesetzen in unserer Firma. Nein, wenn ich schon den ganzen Tag auf Porzellanoberflächen zubringen muss, dann tue ich das während der Arbeitszeit. Seine häufigen Besuchen lassen keinen Zweifel daran, dass der Chef es darauf anlegt, ein paar Stunden auf meiner Arbeitszeitabrechnung streichen zu können. Doch meine Anwesenheit, auch wenn es mir schlecht geht, wird fortgesetzt. Die einzige Sache, die ich nicht ganz verstehe, ist, wie sie mir die tödliche Dosis verabreichen konnten. Im Normalfall bin ich sehr vorsichtig mit dem Essen (erste Regel - kein Fisch, kein Geflügel, kein Schwein), so dass mir der entscheidende Hinweis noch fehlt. Das selbstgefällige Grinsen und die auffällige Anteilnahme der Kantinenmitarbeiter an meinem Schicksal bestätigen meine Zweifel, als ich die Brottheke direkt ansteuere, um mein Krankenmahl zu holen. Ein Schlachtplan wird dringend gebraucht. Und ausgebrütet. Kaum hat der Chef den Platz nach seinem 'Vier Stück von allem'-Menü verlassen, starte ich Phase 1. "Nun, ich weiss nicht recht ..." wende ich mich an den PJ, als einer der Kantinenmitarbeiter, der sich unbeobachtet fühlt, heranschleicht. "... aber der Chef vermutet, dass mein Zustand mit dieser Kantine zusammenhängt. Er sagte, dass in irgendeiner Gasse in Soho bessere hygienische Bedingungen herrschen würden als an diesem Platz." "Wirklich?" fragt der PJ perfekt die Rolle des Dr. Watson spielend. "Nun, ich weiss nicht", antworte ich und bemerke die aufmerksam gespitzten Ohren im Hintergrund, "... aber der Chef hasst diese Kantine. Die Angestellten sollten froh sein, wenn sie noch eine Anstellung als Toilettenreiniger in einem Kebab-Restaurant bekämen, hat er mir erzählt." Während ich am nächsten Tag schon zum elften Mal dem Ruf der Natur folge, richtet der PJ den Monitor der Überwachungsanlage ein. Heutige Bildquelle ist der 'Thermostatsensor' neben der Bedientheke. Der Chef kommt kurz vorbei, um zu sehen, ob wir schon Mittagspause machen, doch der PJ erklärt ihm durchaus wahrheitsgemäss, dass ich ein paar Notfall-Massnahmen überwache. Ich komme rechtzeitig zurück, um dem Chef dabei zuzuschauen, wie er sein Tablett füllt. "Keine besonderen Vorkommnisse." kommentiert der PJ. "Ja. Nichts aussergewöhnli ..." murmle ich, als mir etwas auffällt. Unter dem Vorwand, eine Schale Tapetenleim für Rindfleisch (angeblich Bratensosse) auszutauschen, schmuggelt ein Kantinenmitarbeiter einen zusätzlichen Teller Bohnensuppe auf das Tablett. Vergesslich wie er ist, schleppt der Chef sein Tablett zu seinem Platz und bindet sich das alte Taschentuch um den Hals. "Sollten wir ihn nicht warnen?" will der PJ wissen. Das zynische Glänzen meiner Augen beantwortet seine Frage. Problemursache identifiziert, Phase 1 abgeschlossen. Der nächste Tag gehört zu denen, die diese Arbeit so angenehm machen. Der Chef hat sich krankgemeldet. Man sagt sich, dass er es noch in die Metrostation geschafft hat, bevor sein Frühstück wieder hochkam. Die Kantinenbelegschaft ist in der Zwischenzeit mit einer spontanen Gesundheitskontrolle beschäftigt (Ein anonymer Anruf ...), die neben anderen Verstössen echtes Rattenfleisch im Ratatouille entdeckt. Eine Woche später bin ich einigermassen wiederhergestellt. Freilich habe ich noch ein wenig Angst vor Lebensmitteln. Der Chef ist nach seiner wundersamen Heilung ebenfalls wieder da. Er freut sich hämisch über die Vorteile der Gesundheitspläne der Firma, das Krankengeld, die Vorzüge des Daheimbleibens etc., etc., ... Zur Mittagszeit freut er sich noch mehr, als er seinen Teller vollpackt und sich geradezu lyrisch über die Vorteile äussert, ein bezahlter Angestellter unserer Firma zu sein. Seine Begeisterung wird auch nicht gebremst, als der PJ ihm dabei hilft, seine tägliche Portion Bohnensuppe auf dem Tablett zu verstauen. Am Nachmittag redet der PJ einmal mehr mit ihm durch die verklemmten Türen des Lifts. In meiner Eile, ihn aus seiner Lage zu befreien, habe ich den Hebel des Notfalltüröffners abgerissen, so dass wir den Wartungsdienst anrufen mussten. "Wie lange brauchen die denn noch?" heult der Chef. "Es kann nicht mehr lange dauern!" rufe ich ihm zu und winke dem PJ, dass er dem Service-Mann noch eine Tasse Kaffee machen soll, während ich den letzten Eintrag in der Liste der möglichen Verletzungen der Nutzungsbedingungen des Lifts vornehme. Ich gebe ihm noch maximal 10 Minuten ... [[Der Chef wurde 'ermutigt', nach Tonga umzuziehen, doch sein Ersatz ist ein Alptraum ....]] "Wie haben sie das angestellt?" fragt der PJ, nachdem er zur Arbeit kam und sieht, wie der Chef seine Sachen packt ... "Ich?" frage ich unschuldig. "Nichts habe ich angestellt!" Der PJ wartet geduldig, bis ich mit der Wahrheit herausrücke. "Also, es könnte sein, dass ich ihn geringfügig verängstigt habe ..." "Wie 'geringfügig' war das denn?" Ich bemerke gewisse Zeichen von Traurigkeit in seinem Tonfall, mit denen ich mich später befassen werde. Natürlich, der Chef ist mittlerweile formbar wie frische Knetmasse, doch man sollte immer bedenken, dass Veränderungen positiv wirken können. "Nun, ich könnte gesagt haben, dass es langfristig besser und sicherer wäre, in Tonga zu leben statt hier in Grossbritannien." "Wie bitte?" "Es fing wohl damit an, dass der Chef wissen wollte, wie weit wir mit unserem Jahr 2000-Projekt sind. Ich denke, er ahnte, was in Wirklichkeit dahinter steckt - ein idiotensicherer Plan, um sich für fünf Monate im Büro zu verschanzen und danach mit einem Lächeln, den Worten: 'Alles in Ordnung' und einem Stapel Rechnungen für Beratungen wieder herauszukommen." "Und?" fragt der PJ. "Und deshalb habe ich ihm gesagt, dass es wirklich keinen Grund zur Besorgnis gibt." "Wieso?" "Weil ich ihm sagte, dass die Welt unter dem Jahr 2000-Virus leidet. Und dass alles schon im Jahr 1999 vorbei sein wird, wie Nostrodamus und die meisten religiösen Gruppen das vorhersagen." "Und er hat das geglaubt?" "Nun, sie wissen ja, wie wahrscheinlich es ist, dass er mir vertraut ..." "Sie meinen, nachdem sie ihm empfohlen haben, den Toaster mit unter die Dusche zu nehmen, um am Morgen beim Frühstück Zeit zu sparen?" "Das und dem Empfehlung, Magnete als Diskettenhalter zu benutzen, ja. Wie auch immer, ich habe ihn daran erinnert, dass die älteren Nuklearverteidigungseinrichtungen aus der Zeit des Kalten Krieges von Computern kontrolliert werden, darunter auch die, die so programmiert wurden, dass sie den Startvorgang einleiten, wenn sie die Verbindung zum Pentagon verlieren." "Und?" "Und es ist doch offensichtlich, dass kurz nach 23:59 Uhr am 31. Dezember 1999 der Wert für die seit der letzten erfolgreichen Verbindungsaufnahme verstrichene Zeit dank der Datumsarithmetik sich von einer Minute zu tausenden negativen Minuten ändern wird ..." "... und - Start!" vollendet der PJ. "Sie haben es erfasst!" "Und er hat ihnen geglaubt?" "Nun, beim Prüfen der Protokolldaten fiel mir auf, dass er ein regelmässiger Besucher einiger Webseiten ist." "Sie meinen die Homepage der Liebhaber von Spitzenunterwäsche?" "Unter anderem, ja, aber wichtiger ist, dass er auch 'Nostrodamus sagt'-Seiten und solche mit Warnungen vor Gefahren des Nuklearwaffen besuchte. Ausgestattet mit diesen Informationen war es leicht, mit seinen Ängsten zu spielen." "Und jetzt geht er nach Tonga?" "Dahin oder an einen anderen Ort, der absolut ohne jegliche strategische Bedeutung, dafür aber sicher davor ist, etwa 10 Minuten nach Mitternacht von einer alten Rakete aus den 60er Jahren getroffen zu werden." "Aber sie glauben doch nicht wirklich, dass das passieren kann?" "Schon möglich. Aber wen kümmert das? Ich werde in der Silvesternacht betrunken wie ein Stinktier auf der Party feiern. Nebenbei - mein guter Wille, andere zu beraten, wird neue Tiefstände erreicht haben - dank meiner hervorragend finanzierten Aussage: 'Jetzt ist alles in Ordnung.'" "Also arbeiten sie an unserem Jahrtausend-Projekt?" "Seit dem heutigen Morgen bin ich nur noch damit beschäftigt." "Und womit werden sie es abschliessen?" "Das werden sie in genau fünf Monaten sehen ..." Eine Woche später stehen die Dinge schlechter als erwartet. Der alte Spruch 'Der Teufel, den du kennst, ist besser als ein Tritt in die Rippen an einem kalten Morgen' bewahrheitet sich einmal mehr. Der Ersatz für den Chef ist schlimmer, als dieser es jemals war. Er hat mir mein Jahr 2000-Projekt abgenommen und unsere Software- und Hardware-Zulieferer damit beauftragt, ihre Waren zu testen. Ich könnte heulen ... ... wenn ich nicht das Root-Passwort, Kontrolle über die Telefonvermittlung und einen beinahe psychopatischen Hass auf Manager hätte. Nach ein paar Tagen sieht der neue Chef wirklich krank aus. Ganz offensichtlich hat ein Fehler in der Vermittlungsanlage dafür gesorgt, dass die Hälfte der Einwahlnummern aus unserem Modem-Pool auf sein Privattelefon umgeleitet wird. Und die andere Hälfte landet auf seinem Handy. Als sei dies nicht schon schlimm genug, lief sein Telefon auch heiss, nachdem er seinen wöchentlichen Bericht in unserem Intranet veröffentlicht hatte, in dem aus 'Version Control Server' ein 'Virgin Control Server' wurde. Offenbar haben einige der jüngeren Erbsenzählerinnen angefragt, wie er denn diesen Jungfräulichkeitstest durchführen will ... Der PJ und ich schlagen die Zeit damit tot, dass wir die internen Uhren unserer Ausrüstung auf den 31.12.1999 setzen. Nach dem Ärger, den wir mit dem E-Mail-Server verursacht haben, ist es wohl Zeit, erneut unser siebenmonatiges Jahr 2000-Projekt vorzuschlagen. Veränderung ist wirklich gut. [[Der neue Chef entdeckt, dass Lernen manchmal schmerzhaft ist, besonders dann, wenn der Lehrer der B.O.F.H. ist ...]] Normalerweise wird die Vorstellung eines neuen Kandidaten für das mittlere Management begleitet von all dem Pomp, den man beim Auswechseln des Staubbeutels eines Staubsaugers veranstaltet, doch heute laufen die Dinge etwas anders. Dieser neue Chef ist angeblich eine Verbesserung gegenüber all seinen Vorgängern, denn er hat einen Universitätsabschluss in Management. Also haben wir nun einen unschuldigen, neugierigen und völlig ahnungslosen Chef zum Formen. Seine erste ahnungslose und neugierige Handlung besteht darin, ein Treffen zwischen sich selbst und einigen global agierenden Netzwerkanbietern zu vereinbaren, um bessere Preise für die Bandbreiten zu erzielen - eine Gruppe von Individuen, die ihre eigene Grossmutter für fünf Pfund verkaufen würden. Der Chef bewegt sich so weit ausserhalb seiner Heimatgewässer, dass er eine Schwimmhilfe braucht. Um ihn vor dem Wahnsinn (und die Firma vor dem Bankrott) zu bewahren, sorge ich dafür, dass ich in das Verhandlungsteam komme. Die Anrufe, die seitdem auf meinem Anrufbeantworter landen, lassen den Schluss zu, dass dies kein populärer Zug ist. "Nennen sie mich Alan." stellt sich der neue Chef vor, als wir die verschiedenen potentiellen Versorger treffen. Offensichtlich hat er die üblichen Seminare besucht, in denen ihm erzählt wurde, dass der informelle Ton die Verhandlungen erleichtern würde. Ginge es nach mir, würden wir die Verhandlungen erleichtern, indem wir die Vertreter in einen Raum zusammen mit ein paar Ziegelsteinen einsperren und nur mit dem ins Geschäft kommen, der als Letzter aufrecht stehen kann. "Die Vorschläge scheinen alle noch verhandelbar zu sein", eröffnet der Chef das Schachspiel. Er bemerkt anscheinend nicht, dass sie uns alle fünfzig Prozent mehr kosten würden als wir gegenwärtig zahlen - Zulieferer nennen das 'Anfangsangebot'. "Und dabei müssen sie das gewachsene Bandbreiten-Potential beachten", antwortet einer der Vertreter. "Sie meinen, das ist genau das, was wir jetzt schon haben, abgesehen von mehr Potential?" interpretiere ich die Aussage neu, damit der Chef mitkommt. "Wachstumspotential ohne zusätzliche Hardware-Installation, ja." "Und da wir ohnehin schon über überdimensionierte Leitungskapazitäten verfügen, bedeutet das also, dass wir ohne Grund 50 Prozent mehr bezahlen sollen?" "Potential kostet Geld", mischt sich ein anderer Vertreter ein. "Und ich bin mir sicher, dass unser Plan maximales Potential verspricht." "Während sie nichts zusätzlich liefern ..." füge ich hinzu. Das Treffen plätschert auf diese Weise noch etwas vor sich hin, bis der Chef endlich zu seinem letzten Mittel greift, um von niemanden über's Ohr gehauen zu werden. Schliesslich schafft er es, sein letztes Angebot zu machen. "Nun, was können wir hierfür bekommen?" fragt er und schreibt mit Verschwörermiene eine Zahl auf, die ungefähr 40 Prozent unseres Netzwerk-Budgets entspricht. "Ich werde meine Grossmutter anrufen", sagt einer der Vertreter und greift nach seinem Handy. Ab jetzt geht es abwärts. Am Ende der stundenlangen Verhandlungen ist der Chef ein gebrochener Mann und bereit, unsere derzeitigen Kapazitäten durch eine Ansammlung von 300 Baud-Modems und Telefonzellen zu ersetzen. Zeit für eine strategische Pause, also rufe ich eine Mittagspause aus und schaffe den Chef schnellstmöglich aus dem Gefahrenbereich. "Das ist alles ziemlich technisch, oder?" jammert er, als wir ausser Hörweite sind. "Das ist ein Ochsenjob!" antworte ich und fahre damit fort, ihn über die Methoden der Preisfestlegung zu informieren - offensichtlich ein Thema, das nicht zur Ausbildung für den Abschluss als Manager einer Pfarrgemeinde gehört. Ich bringe ihn in den Vermittlungsraum, damit der PJ mich ergänzen kann. Unsere Kommentare treffen auf taube Ohren. "Aber ich bin sicher, dass sie wissen, worüber sie reden." murrt er naiv. "Immerhin sind sie ja schon jahrelang in dem Geschäft." "Natürlich, weil ahnungslose Manager ihnen blind vertrauen." antworte ich. "Ehrlich, in diesem Geschäft können sie niemandem vertrauen." "Das ist aber eine zynische Ansicht", erwidert er erwartungsgemäss. Es wird offensichtlich Zeit für Plan B. "Es kostet ein Vermögen, um das Potential der Leitungen unserer Telefonanlage zu erhöhen." "Wieso?" "Ich denke, dass der PJ ihnen das Problem, über das wir sprechen, am besten demonstrieren kann." Zehn Minuten, einen Schrei und einen senkrechten Sturz auf den Boden später kann ich als Solist zu den Verhandlungen gehen, da ein weiterer Chef es vergessen hat, die Abdeckgitter im Vermittlungsraum zu überprüfen, die schmerzhafte Stürze vermeiden sollen ... Der Arme. "Gentlemen", beginne ich, nachdem ich ins Beratungszimmer zurückkomme. "Wegen eines Arbeitsunfalls ist Alan leider für den Rest der Verhandlungen verhindert, weshalb die Entscheidung über einen Vertragsabschluss nun in meinen Händen ruht. Ich denke, ich werde es ihnen überlassen, unseren Vertragspartner zu finden, indem ich sie alleinlasse. Oh, sie finden die Ziegelsteine unter ihren Sitzen." Manchmal muss man sich eben ein wenig dafür einsetzen, die Kunden zufriedenzustellen ... [[Monate des Biersaufens haben dem B.O.F.H. zugesetzt, so dass er beschliesst, eine Erholungsreise zu unternehmen ...]] Ich habe mich entschieden, mir eine wohlverdiente Pause zu gönnen, um mich von den Anstrengungen der Arbeit (zum Beispiel Alkoholvergiftungen) zu erholen. Meine Reise soll mich an die Küste führen. Da ich vorsichtig bin, beauftrage ich den PJ, mich mit täglichen E-Mails über die Geschehnisse in der Firma zu informieren. Traurigerweise wartet mein Laptop noch auf seine Aufrüstung, die der Chef mir in einem seiner laxeren Momente genehmigt hat, so dass ich für Kontakte mit der zivilisierten Welt auf ein Internet-Café angewiesen bin. Wie 90 Prozent der kultivierten E-Mail-Nutzer bevorzuge ich es, meine persönliche Kommunikation in der Zurückgezogenheit meines Büros oder meiner Wohnung zu erledigen, wo ich nicht durch die Geräusche von Quake spielenden Jünglingen abgelenkt werde. Dafür ist genug Zeit in den restlichen Stunden des Tages. Ausserdem warte ich nicht besonders gern darauf, dass mir ein Typ mit Pferdeschwanz den langsamsten Computer auf der Erde einschaltet, der so wenig Arbeitsspeicher hat, dass er selbst für die Eingabe des Passwortes nicht reicht. Als ich erwähne, dass ich gern mein bevorzugte E-Mail-Programm nutzen würde, ernte ich ein mitleidiges Lächeln. "Ihr erstes Mal?" gluckst der Pferdeschwanz selbstgefällig. "Niemand benutzt dieses Programm." Ich könnte ihm das Gegenteil beweisen, aber ich will mich ja erholen. "Ja, mein erstes Mal", antworte ich ängstlich. "Was empfehlen sie denn?" Er schwärmt mir etwas von der Alpha-Version der neuesten Fehleransammlung irgendeiner selbsternannten absolut hochmodernen Programmierfirma vor und tippt das Passwort ('verbinden', wie ich mühelos mitbekomme) ein. Er beginnt seinen Monolog darüber, dass ich keine Angst vor der Technik haben müsse, die jemand mit seiner Erfahrung betreut, um mich zu beruhigen. Irgendwann verstummt er, wendet sich wieder dem Rechner zu, um festzustellen, dass alles nicht so ist, wie es sein sollte, was möglicherweise daran liegt, dass ich alle Programme in den Papierkorb verschoben habe, als seine Aufmerksamkeit nachgelassen hatte. Ich konnte mich nicht bremsen - alte Gewohnheiten wird man nicht so leicht los. "Das ist interessant", kommentiert er. "Oh, es funktioniert nicht?" jammere ich in einem Tonfall, der mir aus der Nutzerbetreuung sehr vertraut ist. "Ich wusste es, Computer hassen mich." In der Überzeugung, ich sei ein ahnungsloser Anfänger, meldet er sich erwartungsgemäss beim Datei-Server mit seiner eigenen Nutzerkennung an und verlässt sich dabei zur Geheimhaltung des Passwortes ganz auf sein 'blitzschnelles' Tippen ('Mädchenschwarm' - geschmacklos und grösstenteils unwahr). Während er eine Neuinstallation durchführt mache ich 20 Pfund locker und kaufe mir von einem anderen fettigen Pferdeschwanz an der Espresso-Theke ein Nutzerkonto. Er setzt mich an einen anderen Rechner und gibt mir den Rat, mich einfach ein wenig im Internet umzusehen, während sie mit der Fehlersuche an dem anderen Rechner beschäftigt sind. Als er verschwunden ist, beende ich meinen Verlierer-Modus und lade die E-Mails von der Arbeit herunter. Ein weiterer Pferdeschwanz kommt vorbei und lächelt mitleidig, als er über meine Schulter blickt und beobachtet, wie die E-Mails mit 2.400 Baud hereinkriechen, weil eine Schulklasse an einem anderen Rechner sich ein Echtzeit-Video anschaut. Ein schneller Blick in meine E-Mail sagt mir, dass der Chef noch immer Schwierigkeiten macht, indem er in meiner Abwesenheit einen Netzwerk-Analysten anheuert. Darum werde ich mich kümmern müssen. Doch in der Zwischenzeit habe ich einen kleineren Fisch zu braten, denn ein Pferdeschwanz verschüttet hinter meinem Rücken seinen Espresso, als er von hinten zu dem ahnungslosen Kunden heranwatschelt. Ich melde mich auf dem Datei-Server als 'Pferdeschwanz1' an und schaue mir die Dateien an. Um die Zeit totzuschlagen, modifiziere ich das Anmelde-Skript ein wenig. Wo ich gerade so schön dabei bin, beschliesse ich, dass die Homepage des Cafés ein wenig aufgemotzt werden könnte. Ein schockiertes Keuchen wenige Augenblicke später sagt mir, dass jemand die erweiterte Fassung der Homepage mit den gerade hochgeladenen Videos anschaut. Ein kleiner Hauch von Schweden tut niemandem weh - speziell dann nicht, wenn, wie ein schneller Blick mir zeigt, das Keuchen von der Lehrerin der Schulklasse kommt, die versucht, ihre Schüler vom Monitor abzulenken. Mir scheint, er zeigt nicht die erwartete Dangermouse-Homepage. Ich lasse meine Finger noch einen Augenblick länger über die Tastatur gleiten, um meine Nutzerdaten anzupassen, dann gehe ich herüber um zuzuschauen, wie das Ende des Unterrichts aussieht, dem die Jugendlichen ausgesetzt waren. "Das ist ja ekelhaft!" rufe ich entsetzt. Ein Pferdeschwanz entschuldigt sich wortreich. "Es stimmt also, wenn man über das Internet sagt, dass es voller Perversitäten ist." wende ich mich an die junge Lehrerin. "Es ist doch nur ein Werkzeug", verteidigt sich der Pferdeschwanz. "Das habe ich gesehen." sagt die Lehrerin. Es ist lustig, wie warmherzig man zu Personen sein kann, die man kaum kennt. Einen Anruf bei der lokalen Fernsehstation später helfe ich der verlockend hübschen Lehrerin und ihren Schützlingen durch das Blitzlichtgewitter, die TV-Kameras und die Reporter-Mikrofone nach draussen und halte nur einmal an, um meine 200 Pfund, die ich für das Nutzerkonto bezahlt hatte, wieder in Empfang zu nehmen, die ich nun in ein Abendessen mit der Lehrerin zu investieren vorhabe. Ferien? Nichts als Arbeit, Arbeit, Arbeit ... [[Während der B.O.F.H. sich erholt, sieht sein Ersatz Karrierechancen - was Gegenmassnahmen des PJ herausfordert ...]] Dieser Urlaubstag ist ein trüber Tag. Mein neuer Kontakt zum Bildungswesen muss arbeiten, so dass ich in die Stadt ausweiche, um meine tägliche E-Mail in Empfang zu nehmen. (Zur Zeit sind die Internet-Cafés an der Küste nur schwer zugänglich, weil sie von besorgten Eltern belagert werden und die Betreiber abgetaucht sind.) Als ich mich auf dem Firmenrechner anmelde, bemerke ich, dass der letzte Bericht des PJs sehr lang ist. Deshalb werfe ich die Espresso-Machine an und öffne dann den Bericht, den der PJ geschickt hat. Er ist ein Dokument von geradezu epischem Ausmass, welches den Kampf eines kompetenten Netzwerkbetreuers angesichts schier unüberwindlicher Widerstände schildert. Anscheinend hat sich der vom Chef eingesetzte Netzwerk-Analyst innerhalb weniger Tage von der demütigen und unauffälligen Person zu einer heimtückischen und verschworenen Person gewandelt. Sicher, etwas derartiges war absehbar und wird auch vom Inhaber dieser Position erwartet, doch er hätte damit wenigstens warten können, bis ich gefeuert wurde. Der PJ hat freilich schnell herausgefunden, dass das Wissen des neuen Schosshündchens des Chefs über Netzwerke und Unix gleich nach 'nichts' kommt - obwohl es sehr nahe daran ist, beinahe noch weniger - wie auch immer, er hat keine Ahnung. Die hervorragend trainierten Instinkte des PJ bemerkten die Spuren, die auf heimliche Absprachen deuteten, so dass er die Telefonüberwachung aktivierte. Seine Sinne hatten ihn nicht getäuscht - sein neuer Vorgesetzter und der Chef kennen sich seit der Zeit, als die Elektrizität erfunden wurde. Weitere Nachforschungen ergaben erschütternde Übereinstimmungen zwischen seinem und meinem Lebenslauf - Wort für Wort vermutlich. Es scheint, als hätte der Chef meinen Lebenslauf seinem Freund geschickt. Und der hat offenbar das Potential meiner Postition richtig gedeutet, jede Arbeitsstunde damit verbracht, beim Nutzerservice und der Firmenleitung herumzuschnüffeln, um dadurch die Erinnerung an mich verblassen zu lassen. Die Beobachtungen des PJ deuten darauf, dass er entweder meine Arbeit übernehmen, den Nobelpreis bekommen oder auch beides will. Die Bemühungen gipfelten darin, dass mein Ersatz sich selbst in den Vordergrund spielen wollte, indem er mir eine Nachlässigkeit nachweist, die er in einer bewegenden halben Stunde beseitigt, um so seinen Ruhm unsterblich zu machen. Ich muss mich nun auf die Schilderungen des PJ verlassen ... "Etwas seltsames ist mit dem Mail-Server passiert", erklärte mein Ersatz dem PJ und spürte den kommenden Ruhm. "Es gibt einen Prozess, der das Mailprogramm gestartet hat. Der Prozess kommt aber von draussen. Ich glaube, wir werden angegriffen." "Woher kommt der Prozess?" fragte der PJ nach und erahnte schon die Antwort. "Von einem Rechner, der sich bofh.stirbGeekstirb.com nennt." Der PJ erkannte natürlich meinen Domainnamen und weiss auch um meine Vorliebe, mittels E-Mail auf dem laufenden gehalten zu werden. Also entschied er sich, die Situation zu entschärfen, bevor sie ausser Kontrolle geraten konnte. "Ja, das scheint ein Hacker zu sein." stimmte er zu. "Was können wir dagegen tun?" will der Aushilfs-B.O.F.H. wissen und denkt offenbar schon an die Verwertungsrechte an seinem Buch über Internet-Kriminalität. "Sollten wir das Anmelden auf unseren Maschinen verbieten?" "Natürlich nicht", rät der PJ ab. "Das würde sie nur ärgern. Am besten lassen wir das Desinfektionsprogramm durch das Netzwerk laufen." "Wie?" "Mit dem Spray-Kommando. Der Name kommt von Desinfektionsspray. Geben sie einfach SPRAY RECHNERNAME Strich c eine Million Strich l Zweitausend und ein UND-Zeichen ein. Das machen sie mit allen Rechnern, die zu unserem Netzwerk gehören. Das sollte das Netzwerk reinigen, während ich mir einen Kaffee hole." Als der PJ zurückkehrt, wird er von gequältem Heulen empfangen. "Das verdammte Netzwerk ist tot." "Nein, nein", kommentiert der PJ. "Es ist noch da und läuft - aus irgendwelchen Gründen allerdings nur sehr langsam." Ab dann ging es nur noch bergab. Ihn davon zu überzeugen, alle 10/100 MBit Ethernet Switch Ports auf 100 Non-Switched umzukonfigurieren, "für erhöhte Leistung", war ein Meisterstück - auch wenn 10 Prozent der Nutzer, die 100 MBit nutzen können, wirklich zufrieden mit der Leistung waren, die ihnen der Ausfall der restlichen 90 Prozent bescherte. Bei dem Versuch, die aufgebrachten Nutzer wieder zufriedenzustellen hat er von sich aus die Steuersoftware für die Router aktualisiert und dabei offensichtlich eine goldene Regel nicht beachtet: Traue niemals einer Aktualisierung, die du nicht selbst bearbeitet hast. Das führte zu einem weiteren heftigen Ausfall, als ein seltsamer Fehler die SLIP-Verbindungen (Protokoll zur Einwahl in Netzwerke mittels Telefon [thomas w.]) mit höchster Priorität versah, so dass das Netzwerk beinahe lahmgelegt wurde. Und das überraschte den PJ wirklich, hatte er doch noch nicht die Zeit gehabt, dies per Hand einzustellen. Ich will gerade meine Lektüre beenden, als ein neuer Bericht hereinkommt. Offenbar hat es einen scheusslichen Arbeitsunfall mit meinem Telefon gegeben. Anscheinend hat das Anschlusskabel meines Headsets die Isolierung des Netzkabels durchgescheuert, was dazu führte, das das Headset nicht nur dem Ego meines Ersatzes heftigen Auftrieb gab. Zum Glück haben wir als ordentliche Netzwerker einen Notfall-Ausschalter, doch unglücklicherweise lehnte eines der schweren Handbücher des PJs zu diesem Zeitpunkt vor ihm. Die Sanitäter haben es dann irgendwie geschafft, meinen Ersatz mit ein paar Schokokeksen und einer warmen Decke unter meinem Tisch hervorzulocken, aber es sieht so aus, als müsste ich nun bald damit rechnen, wieder in die Firma zurückgerufen zu werden. Man gönnt uns Arbeitenden eben keine Erholung. Oder unseren Vorgesetzten ... [[Die Fehler eines cleveren neuen Einkaufssystems bringen die bis dahin unterdrückten rachsüchtigen Seiten des B.O.F.H. zum Vorschein ...]] Die Leute der Systembetreuung gehen mir wirklich auf die Nerven. Sie sind nicht mehr damit zufrieden, dass sie in ihrem Maschinenraum die unumschränkten Herrscher - ähnlich wie der PJ und ich in der Netzbetreuung - sind, sondern haben nun auch noch das Bestell- und Einkaufssystem übernommen. Anstatt wie bisher ein Gerät, das seinen letzten Atemzug getan hat, zu identifizieren und eine Bestellung für ein besser ausgestattetes Ersatzgerät dem Chef unterzuschieben, damit er seine drei Kreuze darunter setzen kann, müssen wir nun jeden Wunsch nach Geräten, die etwas mit Computern zu tun haben, per E-Mail an das neue Bestellsystem schicken, damit die Systemleute die Bestellung lesen, genehmigen und sich um eine preisgünstigere Alternative umsehen können ... Ich bin darauf vorbereit, mit dieser Situation umgehen zu können. Doch der PJ fühlt sich wie in Ketten gelegt. Möglicherweise hängt das damit zusammen, dass wir einen 'Crisco'-Switch anstelle des 'Cisco'-Switches, den wir bestellt hatten, bekamen - direkt aus dem Silicon Back-Valley in Venezuela. Gemessen am Wert seiner Gesichter hätte dieses Land seine Exporte bei der Miss World-Herausforderer-Marke stoppen sollen. Ich schäme mich selbst dafür, dem Repräsentanten des gewählten Zulieferers 'zuzüglich der Früchtchen, die es für den Gegenwert von zwanzig 100base-T Hubs gibt' gesagt zu haben, da diese Forderung offenbar buchstabengenau interpretiert wurde. Nun, zumindest dürfte die Kantine in den nächsten zwei Jahren keinen Engpass bei Bananen zu befürchten haben. So schnell wie möglich beschwere ich mich beim Chef. "Wir können diese Lieferung nicht annehmen", rufe ich. "Das Netzteil hat nur zwei verschiedene Einstellungsmöglichkeiten: 12 und 24." "Das ist offensichtlich ein Beschriftungsfehler", antwortet er. "Man hat wohl die Null am Ende vergessen." Als ich einen der Betreuer des Bestellsystems mit den rauchenden Überresten der erwähnten Ansammlung von Müll konfrontiere, erklärt der Chef defensiv: "Nun können wir es wohl nicht mehr umtauschen. Letztlich stand auf dem Gerät ja 12 Volt beziehungsweise 24 Volt ... Wir müssen es reparieren! Und überhaupt, sie haben nicht gesagt, dass sie ein Gerät für 240 Volt Wechselstrom wollen, als sie die Bestellung an das Einkaufssystem schickten. Die Leute können ja schliesslich keine Gedanken lesen." "Nein, denn dann hätte ich auch nicht gesagt: 'Vermeiden sie, Thinwire-Kabel mitzukaufen', oder?" "Oh, das Kabel lagert noch im Erdgeschoss", unterbricht der System-Mensch. "Wir haben dank Crisco's Winter-Aktion einen tollen Preis erzielt - 'Thikwire für wenig Geld'" "Sehen sie", sagt der Chef. "Wir sind schon dabei, Geld zu sparen." "Sie haben 4.000 Meter Thikwire-Kabel für die Büros gekauft?" "Genau. Und es war geradezu unheimlich billig." strahlt er. Im Rahmen eines aussergewöhnlichen Wandels meines Charakters muss ich einen Tag lang krankmachen, da ich mich wirklich schlecht fühle. Als ich dies am nächsten Tag dem PJ erzähle, geht es ihm ebenso. Am nächsten Tag sind wir wieder an unserem Arbeitsplatz und entschlossen, etwas aus dem Tag zu machen. Ich zeige dem Chef ein Stück Thikwire-Kabel, den Kabelschacht und einen Bohrer mit sehr grossem Durchmesser. "Wo sollen wir anfangen?" frage ich. "Uhm", murmelt der Chef, der genau weiss, dass seine Beliebtheitswerte in den Büros sich umgekehrt proportional zur Lautstärke eines Bohrers verhalten, der sich langsam seinen Weg von einem Ende des Gebäudes zum anderen bahnt. "Vielleicht sollten wir das Kabel zurückschicken." "Natürlich sollten wir", antworte ich. "Das ist nicht möglich", sagt der System-Mensch. "Wir müssten eine Stornierungsgebühr bezahlen, doch das Bestellsystem ist dafür noch nicht eingerichtet." Das bedeutet Krieg! Ich schreibe ein Skript, um 20 Disketten zu bestellen - eine nach der anderen. Dann ändere ich die Antwortadresse meiner E-Mails auf die Adresse des Bestellsystems. Fünf Minuten später geht dem Bestellsystem der Arbeitsspeicher aus, so dass der PJ und ich zu einem improvisierten Treffen mit dem Chef und den Leuten der Systembetreuung gebeten werden. "Er hat den Arbeitsspeicher unserer Server überlastet und sie abstürzen lassen!" heulen die vereinten Systembetreuer. "Kein Arbeitsspeicher!" Klickediklack. "Ich habe ihnen gerade neuen bestellt ... Oh-oh, schon wieder ein Absturz. Sie scheinen wirklich ziemlich wenig Arbeitsspeicher zu haben. Wissen sie, sobald ihr System wieder läuft, bestelle ich ihnen noch etwas mehr, damit sie auf der sicheren Seite sind ..." "Nein!" stösst der Chef hervor. "Aber wir müssen die Bestellung doch durch das Bestellsystem schicken." sage ich. "In Ordnung", seufzt der Chef. "Schreiben sie es auf und geben sie es den Systembetreuern, und die werden es dann selbst in das System eingeben." Der PJ mischt sich ein: "Aber sie werden Teile vergessen oder übersehen, von denen sie glauben, sie seien unwichtig, und wir bekommen wieder nur Schrott!" "Nein. Sie werden ihre Bestellung Wort für Wort eingeben", beschliesst der Chef. "Sie haben verstanden!" Die Systembetreuer nicken, und der PJ und ich stimmen widerwillig zu. Kaum sind sie wieder verschwunden, beauftrage ich den PJ, einen neuen Switch zu bestellen. "Was soll ich schreiben, 240 Volt Wechselstrom-UTP-Switch ...?" "Schreiben sie, was sie wollen. Versichern sie sich nur, dass es nach den ersten 256 Zeichen kommt, denn für die Produktbeschreibung sind 256 Zeichen die oberste Grenze." "Das ist doch kindisch." "Nicht so kindisch wie 'Ein Idiot gibt dies ein' in das Beschreibungsfeld zu schreiben." "Das würden sie nicht tun!" "Doch. Ich werde es wieder tun und ich gedenke auch, dies für den Rest der Abteilung zu dokumentieren. Noch Fragen?" "Nein, natürlich nicht." "Gut, dann kritzeln sie los. Und machen sie es so unleserlich wie möglich." [[Soweit der B.O.F.H. das einzuschätzen vermag, werden die Leute von der Systembetreuung nicht vom Geist der Weihnachtszeit beflügelt. Ganz im Gegenteil ....]] Es ist Weihnachtszeit und die Schleimerei erreicht Rekordwerte, denn für morgen sind die Schecks mit dem Weihnachtsgeld angekündigt, also will jeder seine Bedeutung im den Augen der IT-Chefs steigern. Natürlich haben sie dabei alle völlig vergessen, dass die anhand der Kundenzufriedenheit durchgeführten Berechnungen im vergangenen Jahr nur zwei Schecks mit extrem hohen Summen hervorgebracht hatten. Ich muss gestehen, dass der PJ und ich darüber wirklich überrascht waren, doch wie wir alle wissen, irren Computer sich ja nie. Das Problem ist nur, dass der IT-Chef selbst sich wegen einer Extra-Belohnung bei seiner Weihnachtsparty bei einer Frau aus der Werbeabteilung einzuschmeicheln versucht, indem er ihr eine technische Position in der Abteilung anbietet. Sehr viel technischer als die Position, die er ihr bietet, wenn er es schafft, sie während der Party im Kopiererraum zu treffen. Als ich durch die Nutzerbetreuung schleiche, um die Menge vor dem Büro des IT-Chefs zu umgehen, klingelt ein Telefon. Voller Weihnachtsfreude nehme ich den Anruf an. "Hallo, hier ist Bruce aus der Marketing-Abteilung. Jemand scheint das Administrator-Passwort für die Website der Firma geknackt und die Webseiten verändert zu haben. Ich würde unsere Website gern gegen Hacker schützen, damit während der Weihnachtsferien nichts passiert." "Wirklich?" frage ich und erinnere mich daran, wie leicht es war, die Produkt-Abbildungen gegen Bilder auszutauschen, die unsere Kunden wirklich begeistern werden. "Nun, dann sollten sie einfach das Passwort ändern." "Was soll ich nehmen? Nur ein paar Buchstaben und Satzzeichen?" "Nein, seien sie doch nicht albern, nehmen sie etwas, dass sich niemand aufschreiben muss, um sich daran zu erinnen. Den Namen der Firma zum Beispiel. Ich bin sicher, dass das ausreicht." "Wirklich? Jemand aus der Systembetreuung sagte, wir sollten das Passwort so kompliziert wie möglich gestalten." "Natürlich haben sie das gesagt." bemerke ich und erinnere mich nur zu gut an den alptraumhaften Ärger, den das Bestellsystem in den letzten Wochen verursacht hat. "Die Leute haben es gern, wenn sie angerufen werden, weil jemand das Passwort vergessen hat." "Das stimmt", antwortet er und erinnert sich ebenfalls gut an die damit verbundene Schande. Ich lege auf und schaue nach, wie weit der PJ mit seiner 'Kundenzufriedenheitsumfrage' gekommen ist. Ein wenig Datenanpassung hat schliesslich noch niemandem geschadet. Alles was ich noch tun muss, ist, mich darum zu kümmern, dass ich die Aufmerksamkeit des Chefs auf mich ziehe. Ich bewaffne mich also mit den Bilanzen der IT-Abteilung, locke ihn in die Falle und lulle ihn mit bizarren Begriffen wie Betriebsausgaben, innerbetriebliche Wertschöpfung, Kontenausgleich und ähnlichem ein, bis seine Augen glänzen, um ihn dann auf die kreative Buchführung hinzuweisen, um die es mir geht. "Und hier habe ich unser Anlagevermögen in Euro umgetauscht, wie wir das 1999 sowieso machen müssen. Ich dachte, es sei gut, wenn wir unsere Programme so früh wie möglich testen, denn dann können wir die Fehler schneller finden - und sie vor der Umstellung rechtzeitig beseitigen." "Oh, natürlich", antwortet der Chef. "Gute Idee. Und was ist das da?" "Hier habe ich alles wieder in Pfund umgetauscht, da wir im Moment den Euro ja noch nicht brauchen und auch noch nicht verwenden." "Aber die Ausgangs- und die Endwerte unterscheiden sich um ungefähr zehntausend Pfund!" "Ja, nun, dieser Wechselkurs, die Kommission, die Bearbeitungsgebühr und die Steuern müssen schliesslich auch bezahlt werden." "Oh, Mann!" ruft der Chef aus. "Hoffentlich müssen wir nicht viele Tests dieser Art durchführen." "Nun, man kann nie sicher sein. Ich weiss, dass wir noch einen Test machen werden, bevor ich im nächsten Jahr meinen Osterurlaub antrete, doch abgesehen davon liegt alles in Gottes Hand - wer weiss, zu wievielen Tests uns die Buchprüfer noch verpflichten werden." "Hmm, nun, dann sollten wir bis zur Umstellung im Interesse der Firma wohl die Buchprüfer davon abhalten, dass sie unsere Finanzen prüfen - sehen sie ein Problem darin?" "Nein, da fällt mir im Augenblick nichts ein." antworte ich. "Gut. Aber was ist denn das da?" fragt er und deutet auf die einzige Grafik in roter Farbe. "Das?" frage ich. "Oh, das ist das Geld aus dem Budget der Systembetreuer, das angeblich niemand ausgegeben hat. Es scheint in zwei grösseren Summen ausgezahlt worden zu sein, als zwei Systemleute ihren Urlaub antraten." "Oh", sagt der Chef und hat meine Erklärung für die finanziellen Unstimmigkeiten bei uns schon wieder vergessen. "Es ist schon lustig, dass das Geld genau dann verschwand, als sie ihren Urlaub antraten." sage ich, um seinen Verstand wieder in die richtige Richtung zu lenken. "Sie meinen, dass die uns bestohlen haben?" fragt der Chef, als die Erleuchtung seinen Geist erhellt. "Ich befürchte, diese Zahlen lassen keinen anderen Schluss zu", seufze ich traurig. "Soll ich die Polizei rufen?" "Mit welcher Begründung?" will ich wissen. "Das ist nur eine Zusammenfassung der Kontenbewegungen. Damit sie jemanden strafrechtlich verfolgen können, müssen wir eine komplette Buchprüfung mit all den Prüferrechnungen, möglichem Euro-Umtausch, Steuern, Gebühren und den Kosten für die Prüfungserlaubnis durchführen." "Prüfungserlaubnis?" "Die Erlaubnis, die Buchprüfung in zusätzlicher Zeit vorzunehmen", erkläre ich ihm. "Für die Arbeit in den Weihnachtsferien. Das könnten gut fünfzehntausend Pfund werden, schätze ich. Und dabei gibt es keine Garantie dafür, dass sie auch bestraft werden." "Also werfe ich sie raus ...", ruft er. "... und riskieren, für einen Rausschmiss ohne Grund verantwortlich gemacht zu werden." "Aber etwas muss doch dagegen unternommen werden." "Stimmt", antworte ich. "Und zwar vor dem nächsten Bilanztag, der in der zweiten Januarwoche liegt, wenn ich mich nicht irre." "Was schlagen sie vor?" "Nun, sie können ihnen eine Abfindung zahlen und den Vertrag am 1. Januar nicht verlängern." schlage ich vor. "Ausgezeichnet. Aber ..." "Aber?" will ich wissen. "Wer wird sich um die Systembetreuung kümmern?" "Nun, das ist nicht besonders viel Arbeit. Ich meine, wir könnten uns darum kümmern, wenn wir einen weiteren Lehrling einstellen würden. Wir könnten bis Mitte Januar bereit sein." "Wirklich?" "Natürlich würde das einen höheren Stundensatz für uns bedeuten." "Oh ...." "Was aber viel weniger wäre, als wir am 10. Januar verlieren würden, wenn die Situation sich nicht ändert." "In Ordnung, dann machen wir es so", ruft der Chef und watschelt davon, um es so zu machen. Ich erkläre dem PJ die letzten Entwicklungen, als die System-Leute sich selbst zu Knochenbrüchen verhelfen - die neuen Sicherheitsleute gehen ziemlich hart gegen Widerstand vor, wenn man sich weigert, das Haus zu verlassen. Vermutlich ehemalige Elite-Soldaten. "Noch mehr Arbeit?" jammert der PJ. "Verbunden mit einer Lohnerhöhung." "So?" "Und sie bekommen eine neue Auszubildende." "Was verdammt ..." "Ihrer Wahl." "Und?" "Und ist es nicht Zeit, mit der 'Befragung' von Bewerberinnen aus der Werbeabteilung zu beginnen? Natürlich erst dann, wenn der Abteilungsleiter mit dem 'Kopieren' fertig ist." "Hä?" ruft der PJ, doch dann kommt auch sein Verstand auf Touren. "Genau, bezeichnen sie mich ruhig als einen sentimentalen Weihnachtsmann ...." {{1998}} [[Eine hässliche Saga von glühendem Ehrgeiz und geschmuggeltem Likör - ein herzliches Willkommen zur B.O.F.H.-Weihnachtsgeschichte ...]] Ein neues Jahr. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Dabei scheint es, es sei erst gestern gewesen, als die vorweihnachtliche Feier der IT-Abteilung stattfand. Zugegeben, ich hatte ein paar Gläser dieser erwärmten Medizin, die in dieser Jahreszeit immer so populär ist, getrunken, so dass meine Erinnerung nicht mehr so klar ist, doch ich erinnere mich noch daran, einem unserer lautstarken Klienten dabei geholfen zu haben, in der Bowleschüssel nach Äpfeln zu tauchen - gelegentlich liess ich ihn zum Luftschnappen hochkommen - kurz bevor der tragische Unfall mit dem Weihnachtsbaum passierte. Wer hätte auch erahnen können, dass die Weihnachtsbaumbeleuchtung mit Starkstrom gespeist wird, vom Installateur der Firma B-Electrix natürlich einmal abgesehen. Der Brandgeruch, das Schreien und die improvisierte Tanzvorführung, die dem Sturz des Weihnachtsbaumes in die grosse Bowleschüssel folgten, gerade als der Chef einen weiteren Eimer des alkoholfreien Erfrischungsgetränks nachfüllte, waren ein gutes Finale dieses Tages - und kosteten wesentlich weniger als ein eingekauftes Feuerwerk. Und dann fällt mir noch ein, dass die Dinge sich ursprünglich anders entwickeln sollten als bei der Weihnachtsfeier 1997. Von oben kam nämlich die Anweisung, dass jeder, der sich mit Alkohol erwischen lässt, mit der Genehmigung der Personalabteilung gnadenlos gefeuert wird. Manche Menschen haben eben keinen Humor, denke ich, als ich mich daran erinnere, wie ich ein paar halbleere Schnapsflaschen in die untersten Schubladen der Schreibtische einiger besonders lästiger Nutzer schmuggelte. Leider rief die Pflicht, so dass ich nicht zuschauen konnte, wie der Sicherheitsdienst zehn Minuten später einem anonymen Tip wegen heimlichen Trinkens am Arbeitsplatz folgte. Aber man kann ja nicht alles haben, oder? Der PJ und ich hatten gemäss den Anweisungen für eine 'sichere' Weihnachtsfeier unsere Getränke sicher in der Netzwerkzentrale versteckt in Geräten, die für Aussenstehende wie Feuerlöscher aussehen - Geräte, die ich mir für spezielle Gelegenheiten wie diese aufhebe. Es ist verblüffend, was man für Geld kaufen kann. Und wenn es nicht Geld ist, dann sind es ein paar Fotos, die einen mit Netzstrümpfen bekleideten und tanzenden Arbeitsschutzverantwortlichen auf dem Tisch eines angeblich privaten Clubs in London zeigen. Nach dem Zwischenfall mit dem Weihnachtsbaum muss ich mich leider auf die Erinnerungen des PJ verlassen, da ich wohl einen ganzen Feuerlöscher hatte und mein Gedächtnis ungefähr so klar war wie die Formulierungen eines typischen Lizenzvertrages für Software. Scheinbar hat sich das Geschehen wie folgt entwickelt: Gegen 16:15 Uhr half ich dem PJ die alkoholfreie Bowle auszutauschen, nachdem wir ein paar Feuerlöscher geholt hatten, um die zu ersetzen, die wir für das Ausschalten des Chefs gebraucht hatten. Etwa 17 Uhr kam die Feier voll in Schwung, die Menschen begannen die 'alkoholfreie' Bowle so sehr zu schätzen, dass ich noch ein paar weitere Feuerlöscher holen musste, um den PJ davor zu bewahren, Opfer einer spontanen Selbstentzündung von Orangensaft zu werden, während er weitere Bowle zubereitet. Gegen 18:17 Uhr (so die Zeitangabe auf dem Band der Sicherheitskamera) kletterte ich auf einen Tisch und begann das auf unseren Feiern so beliebte Spiel 'Der Chef ist so dumm'. "Wie dumm ist er?" rief die mit Getränken wohlversorgte Menge. "Er ist so dumm, dass er nicht einmal IT buchstabieren kann." "Er ist so dumm, dass er sich den Fuss beim Neustart seines Rechners brach." "Er dachte, vorbeugende Wartungsmassnahmen bedeutet, dass der Ingenieur ausgesperrt werden muss." "Er muss für eine Urinprobe studieren. Aber er ist auch faul." "Wie faul ist er?" "Er hat gerade seine Autobiographie beendet - In 80 Tagen einmal um die Cafeteria." Gegen 20:30 Uhr ging es abwärts (oder aufwärts, das hängt von der Perspektive des Betrachters ab), die Mixgetränke waren alle, so dass die Bowle jetzt eine Kombination aus Gin und Reinigungsalkohol darstellte. Der PJ zeigte jedem der es wissen wollte, wie man einen Rechner mit Windows NT wirklich sicher macht, und benutzte dazu nichts weiter als einen Hammer und den neuen Laptop des Chefs. Das Ende kam etwa 22:45 Uhr - wie üblich - als der Chef aus dem Krankenhaus zurückkehrte. Wegen der Verbrennungen im Gesicht ohnehin schon wütend, wurde seine Stimmung nicht gebessert durch die Party-Musik, die aus den Funkgeräten der Sicherheitsleute erklang, die Radio IT und seine betrunkenen DJs sendeten. Wegen der Verbände erkannte der PJ ihn zunächst nicht und versuchte, ihn zur Teilnahme am Spuckwettbewerb zu überreden - wer am nächsten an die Kaffeetasse des Chefs herankommt, gewinnt (und Sonderpreise gibt es, wenn die Tasse getroffen wird). "Schluss!" schrie der Chef und warf die Bowle-Schüssel um, als er zu den Plattenspielern hechtete, um die Musik und die Lichter abzuschalten. Im Rückblick betrachtet bin ich sicher, dass der Chef es sich besser zweimal überlegt hätte, statt mit seinen nassen Hosen wütend auf die brennenden Kerzen der Weihnachtstorte loszugehen. Sogar mein lückenhaftes Gedächtnis kann sich daran erinnern, wie der Chef von Schmerzen gepeinigt mit brennenden Hosen herumhüpfte. Wenn sie nur nicht die am nächsten herumliegenden Feuerlöscher genommen hätten, dann wäre das Ende der Feier anders verlaufen. Doch andererseits sind zwei Feuerwerke besser als eins, und die Leute hatten Spass dabei, sich am Feuerlöscher abzuwechseln - ein zusätzlicher Weihnachtsbonus sozusagen ... [[Der B.O.F.H. und der PJ zeigen, dass in der Welt der Netzwerke noch immer Platz für Liebe und Mitleid ist ...]] "Netzwerk- ... UND Systembetreuung", rufe ich. "Ich liebe es!" Der PJ teilt meine Begeisterung für das nun schier unendliche Potential krummer Geschäfte. "Was hat Orwell doch gleich gesagt?" antwortet er fröhlich. "Macht korrumpiert. Absolute Macht ..." "... macht noch mehr Spass." beende ich. Als Folge des gelungenen Putsches am Ende des vergangenen Jahres haben der PJ und ich nun alles bekommen - das Netzwerk, die Rechner, alle Geräte, das Wissen über die Strategie des IT-Chefs zum jährlichen Passwortwechsel - einfach das gleiche Wort verwenden und nur die Zahl am Anfang um eins erhöhen. Das schlägt beinahe noch die Methode, die er ursprünglich angewendet hat - nämlich alljährlich ein 's' an das Ende des Wortes zu hängen. "Bitte einen neuen Wagen", rufe ich. Der PJ drückt einen Knopf und unten in einem vollgepackten Lagerraum erwacht eine Bandwechselmaschine zum Leben. Doch statt aus einer riesigen Rolle Magnetband, die sonst zu ihrer Nutzmasse gehört, besteht die derzeitige Ladung aus sieben Autos für die Autorennbahn, die wir in dem verschlossenen Raum aufgebaut haben. Mit der Überwachungskamera prüfe ich die Position des Rennwagens und drehe mich dann zum PJ. "Wie wäre es mit einem Wettkampf über zehn Runden? Der Verlierer muss den Bandwechsler wieder richtig bestücken und für den Rest des Tages die Anrufe entgegennehmen." "In Ordnung", sagt der PJ eingelullt von dem trügerischen Gefühl der Sicherheit, welches ihm meine vorherigen Bemühungen geben, die tragisch in einer dunklen Ecke endeten. Ganze 15 Minuten später ist der PJ unten im Keller und bestückt den Bandwechsler. Während er weg ist stelle ich den Geschwindigkeitsregler an der Fernsteuerung seines Autos wieder auf normal - bei einem Geschicklichkeitsspiel zu manipulieren, wie konnte ich nur so tief sinken? Jahrelange Praxis, das ist es. Anfänglich fiel es mir schwer, doch nun kann ich tiefer sinken als ein Pygmäe beim Limbotanz. Bei seiner Rückkehr wird dem PJ die ganze Last seiner Niederlage bewusst. Unser erweiterter Wirkungsbereich bedeutet auch eine gewachsene Verantwortung und, das ist schlimm, verstärkten Nutzerkontakt. Eines der neuen Telefone klingelt. Ich lächle versonnen, als der PJ abhebt. "Hallo, sehen sie, ich habe mein Passwort für die Personaldatenbank vergessen, doch ich muss an diesem Morgen die Datenbank bearbeiten." "In Ordnung", antwortet der PJ in einem unerwartet hilfsbereiten Tonfall. "Bringen sie nur ihre Nutzerkarte vorbei und wir ändern es dann hier für sie." Ich bin gerade dabei, meinen Kalender auf Termine zu prüfen, als ich bemerke, wie der PJ die Lifte in den Wochenend-Modus schaltet - was bedeutet, dass sie im Keller verharren. Ein paar Minuten später keucht ein stämmiger Mensch aus der Personalabteilung durch unsere Tür, nachdem er die zwei Treppen nach oben erklommen hat. "Ich bin hier, damit mein Passwort geändert wird." "Oh, das tut mir jetzt aber leid. Der PJ ist gerade hinunter in ihr Büro geeilt, um es zu ändern." sage ich, während der PJ sich unter seinem Schreibtisch verkriecht. "Er hat mir gesagt, ich solle heraufkommen." japst unser Besucher. "Nein, ich bin sicher, dass er sagte, er käme zu ihnen herunter." "Oh. Nun, können sie das Passwort denn nicht ändern?" bittet der Nutzer. "Ich könnte, doch es ist wahrscheinlich, dass der PJ meine Änderungen wieder überschreiben wird." "Oh", murmelt der Nutzer und watschelt davon. Ein paar Minuten später ist er wieder am Telefon. "Es geht um mein Passwort", sagt er. "Ah, ja." antwortet der PJ. "Sie waren nicht in ihrem Büro, als ich dort ankam. Wie wäre es, wenn sie hochkämen und ich ändere es dann von hier aus?" "Aber ich war gerade bei ihnen und habe mit ihrem Kollegen gesprochen." "Nun, dann müssen sie eben noch einmal vorbeikommen, oder?" Der Hörer fällt auf die Gabel und der PJ kümmert sich wieder um den Lift. Nach dem dritten Mal klingt das Keuchen so schlimm, dass ich den PJ aus seinem Versteck herauskommen und das Passwort ändern lasse, bevor der arme Mann einen Herzanfall bekommt. Ich weiss, ich weiss, ich bin ein Weichei ... Natürlich hätte das alles den armen Mann weniger angestrengt, wenn der PJ nicht die Füllung seines Asthma-Inhalators gegen Heliumgas ausgetauscht hätte, was ihn in Panik wegen seiner plötzlich veränderten Stimme versetzte und schliesslich ohnmächtig werden liess. Auf seinem Weg auf den Boden hat er auch noch mein CD-ROM-Laufwerk mitgerissen, was mich in eine hinterhältige Stimmung versetzt. Ich bin gezwungen, den nächsten Anruf anzunehmen, während der PJ den Bewusstlosen zur Sanitäterin bringt. Nun, zumindest plaziert er ihn im Frachtaufzug und stellt die richtige Etage ein. Man soll uns nicht nachsagen können, wir kümmerten uns nicht um unsere Nutzer. "Hallo, ich habe ein paar wichtige Verkaufsdaten auf einer Diskette, auf der steht, sie sei im DOS-Format." "DOS-Format?" "Ja." "Das ist leicht. Wechseln sie ins DOS." "Uh-Ah." Klickklick. "Und benutzen sie den FORMAT-Befehl." "Oh, natürlich." Und wieder ein erfolgreicher Schuss in das Fischfass. [[Chaos herrscht im Büro, und ein Besucher aus der Vergangenheit ist beeindruckt von den modernen Ausdrucksformen abnormalen Benehmens ...]] Wir begeben uns nun in die Baker Street, wo Sherlock Holmes und sein ergebener Assistent, Doktor Watson, aufgrund eines bisher noch nicht entdeckten Gesetzes der Quantenphysik in unsere Zeit transportiert wurden ... "Es scheint, als hätten wir uns vorwärts in der Zeit bewegt", entscheidet der grosse Mann. "Das ist doch unmöglich, Holmes." rief ich ungläubig. "Wieso, Watson?" antwortete er und griff nach seiner Tabakdose. "Bei verschiedenen Gelegenheiten habe ich mich selbst davon überzeugen können, während ich dieses weisse Pulver genoss. Den Spiegel bitte, Watson. Doch warum sind wir hier, das macht mir Sorgen." "Ich ..." "Lassen sie uns untersuchen, ob es etwas gibt, an dem wir unsere Intelligenz messen können." Und so kamen Holmes und ich zu einem grossen Gebäude, dessen Türen sich wie von magischer Hand bewegt selbst öffneten. Eine bewegte Treppe, die, so vermutete Holmes, von elektrischem Strom angetrieben wird, führte uns in ein Untergeschoss, wo eine rauchende Kiste auf dem Boden lag. "Ich weiss nicht, wie das passierte", erklärt ein Mann einem uniformierten Gentleman. "Ich hatte die Nutzerbetreuung angerufen, weil das Bild flackerte, und da hat man mich mit dem Netzwerk- und Systembetreuer verbunden. Ich war mit meiner Erklärung noch nicht fertig, als der Monitor auch schon in Flammen aufging." "Haben sie ein Klickgeräusch gehört, etwa so wie bei einer Schreibmaschine?" fragte Holmes den Mann. "Warum? Ja, stimmt." antwortete der. "Und konnten sie am Telefon ein Geräusch hören, das nach einem Lachen klang?" "Jetzt, da sie es erwähnen ..." "Und was ist damit?" fragte Holmes und zeigte auf ein kleines Gerät, das kleine Menschen zeigte, die in Panik durcheinanderliefen. "Das ist der Notfall-Raum - es gibt eine Panik, weil der Feueralarm losging und die Schalter für das Abschalten des Gasgemischs, das das Feuer durch Sauerstoffentzug ersticken soll, nicht funktionieren." Während wir zuschauten, fiel eine der Gestalten über ein Kabel. "Uh-oh. Noch jemand, der gestürzt ist." "Vermute ich richtig, dass dieser Raum nur selten benutzt wird?" fragte Holmes. "Stimmt. Deshalb liegt überall das Kabel herum." antwortete der Uniformierte. "Und haben sie zufällig verlangt, dass die Netzwerk- und Systemleute ihnen diesen Raum überlassen?" "In der Tat, das hat man verlangt." "Genau wie ich es erwartet habe." "Was?" fragte der unifomierte Gentleman. "Ich bin noch nicht ganz sicher." antwortete Holmes geheimnisvoll. "Wir müssen noch weitere Ermittlungen anstellen. Wenn sie so nett wären, mir zu zeigen, wo ich diese Netzwerk- und Systemleute finde, von denen sie sprachen ..." "Das kann ich ihnen nicht zeigen, weil sie eine Zugangskarte brauchen, um in den Lift hinein- wieder herauszugelangen. Ich werde sie stattdessen persönlich hinbringen." Und so kam es, dass wir einen mechanischen Fahrstuhl betraten, der uns in eine höhergelegene Etage das Gebäudes beförderte. "Klopfen sie einfach an diese Tür, damit sie eingelassen werden", raunte der Uniformierte leise, als hätte er vor etwas Angst. Weil ich keine Zeit verschwenden wollte, klopfte ich, während Holmes sich überschwenglich händeschüttelnd von dem Wachmann verabschiedete. Als er sich wieder der Tür zuwandte, hatte es noch keine Reaktion aus dem Raum gegeben, trotzdem ich durch das Glas Menschen sehen konnte, die sich durch das Zimmer bewegten. "Es sieht nicht so aus, als würde man uns aufmachen, Holmes." "Unsinn", sagte er und schob eine flache Karte durch einen Spalt. Mit einem Piepston öffnete sich die Tür. "Guter Gott!" rief ich aus. "Wo haben sie diese Karte her?" "Aus der Geldtasche des Wachmannes." "Aber braucht er sie nicht, um den Fahrstuhl wieder verlassen zu können?" Holmes dachte für einem Moment nach und lauschte aufmerksam. Ein gedämpftes Klopfen war entfernt zu hören ... "Es scheint so." Bei unserem Eintritt in den Raum fanden wir zwei Männer, einen jüngeren mit Hautausschlag im Gesicht und einen etwas älteren, von dem eine Aura der Macht ausging, die mich unwillkürlich an Holmes erinnerte. Eine wortlose Verständigung schien zwischen ihnen stattzufinden. "Ich glaube, ich kann dieses Rätsel nun lösen", sagte Holmes. "Aber erst ein paar Biere." rief der ältere der beiden Fremdlinge. Knapp zehn Minuten später sassen Holmes, ich, die beiden Männer und vier Frauen in einer nahegelegenen Taverne und genossen ein paar Biere. "Und wieder ein erfolgreich gelöster Fall", murmelte Holmes. "Sie haben doch auf meinen Tabakdose geachtet, Watson?" "Ihre spezielle Tabakdose, Holmes?" "Ja, die, die ich für Gäste reserviert habe." "Ziemlich .... Verdammt - das ist Puder mit Cayennepfeffer. Ich dachte, dass sie sie für Gäste reserviert hätten!" "Nun, natürlich ist das so, Watson. Das würde ich doch niemals selbst geniessen, oder?" "Sie verdammter Hund, Holmes!" Durch tränende Augen sah ich, wie Holmes den Fremden die Hände schüttelte. Rätsel über Rätsel ... [[Die Midlife-Krise des IT-Chefs und wie aus einer Karriere als Fotomodel eine Qualifikation für eine leitende Position wurde ...]] Es ist wirklich mitleiderregend. Schmerzlich wird Abteilungsleitern in einem bestimmten Alter immer bewusst, dass sie nicht mehr länger zu den Jüngeren oder auch nur zum mittleren Alter gehören. Und dann versuchen sie, durch eine plötzliche Änderung ihres Lebensstils dies zu kompensieren. Und so kam es, dass der IT-Chef sich ein Designer-Handy, einen Laptop sowie ein neues Kabriolett zulegte - und eine auffallend junge Schwätzerin als Beraterin. Es ist leicht zu sehen, dass ihre Erfahrung in der Model-Branche soviel mit Informations-Systemen zu tun hat, dass selbst das Blättern in Hochglanzmagazinen ihre Qualifikation schon merklich verbessert ... "Ich sehe nicht, weshalb sie ein Problem darstellt", ruft der Chef. "Sie kann nicht einmal IT buchstabieren und macht jetzt Zusagen an jeden, der sie danach fragt." protestiere ich. "Sie muss aber etwas über IT wissen, sonst hätte sie diese Position nicht besetzen können." antwortet der Chef und bestätigt damit meinen Verdacht, dass er ein Mitglied von NaivetE International ist. "Na gut. Wie lange brauchte sie gleich noch, um ihren PC einzuschalten?" "Der Schalter ist wirklich schwer zu finden." antwortet er mit der Loyalität eines Terriers. Meine schlimmsten Ängste werden wahr, als sie entscheidet, dass wir eine ganze Ladung Netzwerk-Computer (NC) anschaffen werden, "weil wir uns dann nicht mehr um die Aufrüstung kümmern müssen". Diese schlecht durchdachte Entscheidung hat den Segen des Chefs bekommen, so dass sie nun bei mir landet, damit ich mein technisches Einverständnis erklären kann. Ich werfe das Formular schneller in den Zerkleinerer als der durchschnittliche Nutzer 'Wo ist meine Festplatte?' buchstabieren kann. In Rekordzeit steht der Chef in unserem Büro. "Diese Netzwerk-Computer sind grossartig", stösst er hervor und wedelt mit ein paar Hochglanzbroschüren. "Und wieso sind sie das?" frage ich. "Weil sie sich wie PCs ohne Festplatte verhalten." ruft er. "Sie sind hervorragend, weil alles, was sie zum Laufen brauchen, vom Server geladen wird." "Klingt nach einem dummen Terminal mit Grafik und Klangwiedergabe." "Uh ... nein, viel schneller und in Farbe." "Also ist das so, als würde man einen Schwarzweissfernseher gegen einen Farbfernseher tauschen." "Uh ... nicht ganz." "Wir verabschieden uns also von unabhängigen Computern und setzen nun solche ein, die davon abhängen, dass der Server funktioniert - wie in den alten Tagen mit den Terminals. Und wenn der Server gerade abgestürzt ist, dann kann auch niemand arbeiten. War das nicht eigentlich der Grund, weshalb wir unabhängige PCs angeschafft haben?" "Ähm .... Nein, nicht wirklich." "Oh. Dann unterscheiden sie sich also von einem, sagen wir, Arbeitsplatz-PC wodurch?" "Dadurch, dass wir die Technik nicht aufrüsten müssen. Es wird wie bei ihrem Farbfernseher sein", ruft er triumphierend. "Wenn sie erstmal einen haben, brauchen sie sich nie wieder Gedanken über seine Aufrüstung zu machen - wir müssen nur die Software auf dem Server aktualisieren." "Auch dann nicht, wenn die Programme mehr Arbeitsspeicher verlangen?" "Nein." "Auch nicht, wenn die Programme die neuesten Spielereien ausnutzen wollen - denken wir an Stereo-Bilder, Dolby Surround oder Widescreen?" "Sehen sie, wir werden so oder so ein paar dieser Dinger anschaffen. Unterschreiben sie einfach!" ruft der Chef. Also, was soll's, denke ich mir, soll er seine Unterschrift bekommen. Ich kritzle einen Namen auf das Formular. Natürlich nicht meinen, aber wen wird das schon stören? Abgesehen vom Chef natürlich, sofern jemand die Unterschrift mit seiner vergleicht. "Und da sie mit der gleichen Technologie arbeiten sollten, mit der auch ihre Nutzer arbeiten, bestellen sie gleich ein paar für sich mit." BASTARD!! Ein paar Tage später sind die Netzwerk-Computer da und werden zum Test auf verschiedene Abteilungen verteilt. Der PJ und ich bringen unsere zum Laufen, indem wir ihre Innereien gegen die eines modernen Laptops austauschen - doch von aussen sehen sie noch immer aus wie die Original-NCs. Das Blutbad kann beginnen! Fernwartung ist eine hervorragende Erfindung, ganz besonders dann, wenn man damit andere Rechner neu starten kann. Ich ersetze in der Netzwerkversion von Doom die Gesichter der Monster mit denen der NC-Nutzer und sorge dafür, dass bei ihrem Tod ihr Netzwerk-Computer neu gestartet wird. Wenn ich einen Nutzer töte, stirbt auch der Netzwerk-Computer. Natürlich, das ist nicht sehr sportlich, also rufe ich die Nutzer an und gebe ihnen eine Chance. Doch wie gross kann die Chance schon sein, wenn man eine Kopie des Spiels benutzen muss, die auf dem Server liegt und nur die Benutzung der Pistole erlaubt? Trotzdem ist es interessant zu sehen, wie ein Erbsenzähler zu kämpfen vermag, wenn er die nächsten zwei Stunden mit der Tabellenkalkulation arbeiten will und im Spiel gewinnen muss, damit er die Funktion zum Speichern nutzen kann. Zur unserer Überraschung lehnen die meisten Nutzer die Netzwerk-Computer ab, so dass sie nach nur 4 Tagen (und 327 getöteten Nutzern) ausser Betrieb genommen werden. "Ich habe an eine PC-Variante dieses Spiels gedacht", kommentiert der PJ. "Das gleiche Spiel, nur dass es den Prozessor der Arbeitsplatz-PCs zum Stillstand bringt?" "Wollen sie damit sagen, dass sie auch schon daran gearbeitet haben?" "Ich habe daran gedacht, es installiert und warte nur noch auf neue Mitspieler mit einem Gewehr." [[Der Chef ist auf der Spur zweier mysteriöser Angestellter, C. Omputer und R. Amchip, doch der B.O.F.H. schaltet sich ein ...]] Wenn der PJ und ich an der Spitze stehen, ist es einfach, dass Netzwerk am Laufen zu halten, doch wenn sich der Chef einmischt, um das zu tun, was er als seine Aufgabe ansieht, wird es schwierig .... "Wer ist dieser Charles Omputer?" fragt er und schielt auffällig auf ein paar Zettel mit Arbeitszeitabrechnungen. "Nie von ihm gehört." "Natürlich haben sie, denn sie haben seine Abrechnung unterschrieben." "Charles Omputer? ... Oh, sie meinen Chazzer. Er ist ein Teilzeitarbeiter, der uns dabei geholfen hat, die Telefonkabel zu ersetzen, die durchbrannten, weil ein Idiot mit seinem Computer die Sicherungen auf seinem Schreibtisch blockierte." "Sie wissen genau, dass die Sicherung defekt war. Wie auch immer, ich weiss nicht, wieso mein Computer so weit zurückgeschoben wurde." Der PJ könnte nicht unschuldiger blicken, selbst wenn er es versuchte. "Und das hätte die Telefonleitungen nicht beeinflussen dürfen", fährt der Chef fort. "Nicht, wenn nicht jemand entschieden hätte, dadurch Kosten zu sparen, dass wir die zusätzlichen Stromleitungen für die Büros in den Kabelschächten für die Datenleitungen verlegen ...." Der Chef scharrt mit dem Fuss. "Trotzdem, Herr Omputer hat Überstunden abgerechnet, oder?" "Ja, aber das ist nicht unser Fehler. Schliesslich haben sie uns beauftragt, Frank Irmware in der vergangenen Woche zu feuern, weil er den Server zum Absturz brachte." "Wir können uns solche Fehler nicht leisten", sagt der Chef hart. "Wir müssen wachsam sein. Können wir einen Ersatz einstellen für Omputer?" "Nun, wir haben einen Lebenslauf von Roger Amchip." "Wie ist er?" "Er ist seit Jahren im Computerbereich tätig." flötet der PJ. "Es hat den Anschein, als würden wir ziemlich viele Ausländer beschäftigen", kommentiert der Chef. "Und wie kommt es, dass ich sie niemals treffe?" "Nun, sie wissen ja, wie sie sind - jung, neugierig und voller Tatendrang." "Ja. Nun, dann rufen sie diesen Amchip an und vereinbaren ein Treffen mit ihm. Aber machen sie ihm klar, dass ich keine Überstunden bezahlen werde!" Arschloch. "Wie weit ist 'Omputer' mit der 'Kabelreparatur' vorangekommen?" frage ich den PJ. "Sollte morgen fertig sein ..." "Und es sieht noch immer aus, als seien wir schwer beschäftigt?" "Gemessen an der gedrückten Stimmung im Tee-Zimmer scheint es so zu sein ..." Ich habe es nicht nur einmal gesagt, sondern tausendmal - es sind die kleinen Dinge, die zählen. Man kann nicht einfach nur 50 Telefonkabel in der Vermittlung aus den Anschlussdosen herausziehen, eine Sicherung mit Klebstoff ausser Gefecht setzen und dann alles auf einen Kabelbrand schieben, der angeblich den Telefonhub der Etage zerstörte - was mindestens zwei Wochen Überstunden bedeutet. Nein, man muss auch so tun, als arbeite man unter Hochdruck an der Problembeseitigung, während man in der Vermittlung die Telefonkabel wieder in die entsprechenden Dosen steckt - fünf pro Nacht, um genau zu sein. Und deshalb lassen der PJ und ich Kabelstücke und Isoliermaterial auf dem Boden in einem der Büros herumliegen - gleich neben der Pflanze, die nur dürftig ein irrtümlich in die Wand gehämmertes Loch verdeckt. Und es geht doch nichts darüber, ein wenig Wechselgeld von einem der Nutzer zu stehlen und Zigarettenstummel in ihren Kaffeetassen zu hinterlassen, um jedem Verdacht, es würde gar nicht an der Verkabelung gearbeitet oder es gäbe gar keinen Teilzeitarbeiter, der uns dabei hilft, vorzubeugen. Mit wenig Aufwand kann man so jeden Verdacht wirksam bekämpfen. Womit nur noch das Problem mit Roger Amchip zu lösen wäre ... Der Chef kommt rechtzeitig in sein Büro, um zwei Beine zu sehen, die unter seinem Schreibtisch hervorlugen. Da er ein absoluter Schwächling ist, lässt er mich nachschauen. Ich schalte die Sicherung an seinem Schreibtisch ab und rutsche ein wenig herum. "Kein Puls", rufe ich. Der Chef schreit in Panik auf und lässt sich sein letztes Abendessen mit Hochgeschwindigkeit noch einmal durch den Kopf gehen. "Ich werde die Ambulanz rufen." "Keine Chance. Er ist eiskalt - hier, fühlen sie an seinem Bein." Der Chef berührt widerwillig das Bein. "Guter Gott. Wer ist das?" fragt er mit gedämpfter Stimme. "Amchip. Er war gestern abend so wild darauf, endlich arbeiten zu können. Es muss ein Stromschlag gewesen sein. Hätten wir nur niemals die Stromkabel zusammen mit den Datenkabeln in einem Schacht verlegt." "Wir müssen die Polizei rufen." "Das stimmt. Und, wenn ich das so sagen darf, das ist sehr tapfer von ihnen." "Was?" "Dass sie sich der Verantwortung stellen wollen. Viele Leute hätten einfach Amchips Witwe einen Scheck überreicht, damit sie vorgibt, er sei spurlos verschwunden, statt wegen Totschlag vor Gericht zu landen." "Totschlag!" "Nun, es war doch nicht vorsätzlich, oder? Obwohl, es ist ja bekannt, was sie von Überstunden halten ... Arme Frau Amchip." "Meinen sie, sie würde Geld akzeptieren?" "Nun, wir leben in harten Zeiten. Ich denke, sie würde sich eine gute Ausrede einfallen lassen, weshalb ihr Mann verschwunden ist." Der Chef holt in Rekordzeit sein Scheckheft heraus ... "An wen soll der Scheck gehen?" "Charlotte Amchip. Nein, das wäre zu verdächtig ... Schreiben sie ihn für ihr gemeinnütziges Projekt aus - Charlotte Amchips Schizophrenie Hospiz." "Wie wird Schizophrenie buchstabiert?" "Oh, nehmen sie einfach die Anfangsbuchstaben." Eine Stunde später beruhigt der Chef seine Nerven mit einem Drink, der PJ und ich feiern unsere neueste Bonuszahlung und der Chef der Arbeitsschutzinspektion kriecht ein wenig auf dem Boden herum, nachdem er seine Modellpuppe wiedergefunden hat, mit der er immer die verschiedenen Beatmungstechniken demonstriert. Es ist doch schön, dass sich die Dinge immer zum besten entwickeln, oder? [[Als der B.O.F.H. einen Wochenendausflug zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls vorschlägt, muss das etwas mit dem teuflischen Gebräu vom Vortag zu tun haben ...]] "Natürlich habe ich das erledigt!" schreit der PJ wütend und wirft den Telefonhörer auf die Gabel. Ich spüre die Spannung, die in der Luft liegt, und frage ihn, was los ist. "Ein verdammter Nutzer - er war beim Chef und hat sich über die Geschwindigkeit seines Netzanschlusses beschwert. Natürlich hat der Chef ihm versprochen, dass ich das Problem löse ..." "Und sie haben die Arbeitszeit nicht als Überstunden abgerechnet?" "Ich bin krank wegen all der Überstunden." Der arme Kerl wird noch verrückt, wenn er mehr Zeit im Büro verbringt. Ich erinnere mich noch gut an meine tiefen Depressionen, nachdem ich einen weiteren Tag damit verbracht hatte, Anrufe entgegenzunehmen, in denen sich die Nutzer über nichtfunktionierende Passwörter beschwerten, die natürlich nicht funktionierten, weil sie die Shift-Taste gedrückt hatten. Meine Depressionen lösten sich allerdings auf, als ich die wundersame Wirkung von Elektrizität, etwas Klebstoff und Stanniolpapier entdeckte. Doch das ist eine andere Geschichte. "Was sie brauchen", antworte ich und bemerke einen Schatten hinter dem Glas unserer Tür. "Was sie brauchen, ist eine Pause. Eine Chance, um sich wieder als Mitglied eines Teams fühlen zu können. Wenn es etwas gibt, was die Harmonie am Arbeitsplatz bessert, dann ist es das Gefühl, zu einer Gruppe zu gehören, die eine gemeinsame Aufgabe löst." Ich unterbreche den PJ, der nach dem Branchenbuch greift - zweifellos um nach einer psychiatrischen Klinik zu suchen -, und deute auf den unscharfen Schatten des Chefs hinter der Tür. "Aber das ist keine gute Idee." "Warum nicht?" spielt der PJ mit. "Verraten sie es nur nicht dem Chef, aber in einer Firma, in der ich einmal gearbeitet habe, hat ein Wochenende zur Ausbildung des Teamgeistes zu einer solchen Verbesserung des Arbeitsklimas und der Produktivität geführt, dass danach 30 Prozent der Belegschaft entlassen wurden." Als ich wieder zur Tür blicke, ist der Schatten verschwunden. Später am Nachmittag kommt der Chef grosszügig lächelnd vorbei. "Ich weiss, dass das jetzt etwas kurzfristig kommt", sagt er und beobachtet uns aufmerksam. "Doch ich habe festgestellt, dass die Moral bei uns ziemlich am Boden ist. Also dachte ich, dass einige von uns an einem Wochenende zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls teilnehmen sollten. Ein Hotel in Brighton hat noch freie Zimmer, Konferenzräume und Möglichkeiten zur Erholung. Ich dachte an dieses Wochenende?" Die 30 Prozent müssen ihn wirklich gepackt haben, denn fast die halbe IT-Abteilung steht auf seiner Liste. Der PJ und ich zieren uns erst ein wenig, um dann das Angebot zu akzeptieren. Es wird Freitagnacht und der PJ und ich finden uns zusammen mit den anderen Schafen der Abteilung in einem Hotel wieder. Dank eines seltsamen Zufalls erlauben die elektronischen Schlüssel dem PJ und mir nicht mehr, die Türen der gebuchten Zimmer zu öffnen. Statt dessen öffnen sie die grossen Suiten an den gegenüberliegenden Gangenden für uns. "Wer sind wir, dass wir mit dem Schicksal hadern?" frage ich den PJ und stecke den Magnetkarten-Programmierer wieder ein. "Wir sehen uns morgen." Der Morgen kommt, und es ist Zeit, dass wir für unsere Sünden büssen ... Der Chef der IT-Abteilung will eine Übung zur Vertrauensbildung durchführen, bei der das Opfer sich auf einen Tisch stellt und sich nach hinten in die Arme eines Kollegen fallen lässt. Doch seltsamerweise hat plötzlich niemand mehr Interesse an dieser Übung, als der PJ in einem besonders kritischen Moment Kevin Costner draussen vorbeigehen sieht. Unser Chef lässt sich auch von dem bedauerlichen Unfall, der den IT-Chef ans Bett fesselt, nicht davon abbringen, uns mit unzähligen Spielen zu bezaubern. "Ich halte das nicht mehr aus!" japst der PJ, als wir schliesslich gegen 20 Uhr in die Bar verschwinden können. "Ich weiss. Das ist ein verdammter Alptraum." "Und er wird morgen eine weitere dieser 'Vertrauensübungen' veranstalten, bei der einer Person die Augen verbunden werden, während jemand anderes sie um das Gebäude leiten muss." "Widerlich. Obwohl ..." "Nein, nein, er hat gesagt, dass er sich nicht daran beteiligen wird. Doch davon abgesehen, er weiss, wo die Treppen und Balkone sind." "Verdammt! Nun, besondere Zeiten erfordern besondere Massnahmen." "Was wollen sie tun?" "Ich kaufe dem Chef ein oder zwei Drinks." Ein paar Stunden später habe ich die Schlüsselkarte aus der Tasche des Chefs stibitzt und mache mich auf den Weg in sein Zimmer, während der PJ ihn an der Bar festhält ... Am nächsten Morgen sind alle an Deck, doch der Chef lässt sich nicht blicken. Ich geselle mich zu den Zuschauern. "In Ordnung, was haben sie getan?" fragt der PJ neugierig. "Raten sie." "Sie haben seine elektrische Wärmedecke unter Wasser gesetzt?" "Nein." "Sie haben seinen Toilettensitz zum Leben erweckt?" "Nein, aber es wird schon wärmer." "Wieviel wärmer?" "So warm wie, sagen wir, Jalapeno-Pfeffer umhüllt von Glyzerin und an einer strategisch wichtigen Stelle auf dem Regal mit den Pillen plaziert, so dass ein Betrunkener sie vor dem Schlafengehen zuerst greifen muss." "Sie Bastard! Wird er noch kommen?" "Keine Ahnung." Ich denke ein wenig über das Thema nach. "Wie gross sind wohl die Chancen, dass die Polizei jemanden entlässt, den sie nackt in der Empfangshalle eines Hotels dabei erwischte, wie er den Eisautomaten verprügelte?" "Ungefähr so gross, wie die Chance, dass die heutige Übung zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls nicht in der Bar stattfindet?" "Exakt." antworte ich und bin stolz, dass der PJ über eine so schnelle Auffassungsgabe verfügt. "Ich nehme ein Bier." [[Eine Inventur muss durchgeführt werden und unbequeme Fragen warten auf Antworten, doch der B.O.F.H. bleibt eiskalt, auch als es heiss wird ....]] Ich hasse die Zeit der Inventur. In jedem verdammten Jahr das gleiche Ritual: man muss herumlaufen und die Seriennummern, die auf jedes Gerät geklebt wurden, aufschreiben. Irgendein Trottel meint wohl, man könne damit den Diebstahl von Firmeneigentum verhindern. Und dann kommt noch die unvermeidliche Stichprobe, um sicherzugehen, dass wir nicht gelogen haben. Es wäre natürlich nur dann wirklich mühsam, wenn wir nicht eine Liste mit den Seriennummern und keine Kontrolle über das Programm hätten, das die Geräte aussucht, die kontrolliert werden sollen. Und wenn es tatsächlich jemanden gäbe, der eine Festplatte mit einer Kapazität von 5 Megabyte, das 600 Bits pro Zoll-Bandlaufwerk oder die Speichererweiterung für den ZX81 stehlen würde, dann wäre das wirklich ein Anlass für Fragen. Natürlich sind die Geräte, die zu unserer Stichprobe gehören, alle da und in perfektem Zustand - schliesslich brauchen wir sie ja auch nur ein paar Stunden pro Jahr. Und sollte sich die Stichprobe ändern, dann hätten wir noch viel Platz in einem der verlassenen Lagerhäuser in Peckham, die mit all dem Gerümpel gefüllt werden, das niemand klauen würde. Nicht, dass das wirklich nötig wäre. Die beängstigende Fluktuation bei den Erbsenzählern sorgt dafür, dass die Chance, zweimal den gleichen Prüfer zu haben, ungefähr so gross ist, wie die Chance, dass jemand die drei Autos entdeckt, die der Chef in der genannten Lagerhalle hinter Umzugskartons versteckt hat. Das ist eben das gute an einem hervorragenden Alarmsystem - es lässt keine Klingeln ertönen, um Einbrecher abzuschrecken - es schickt einfach die Bilder auf meinen Rechner. Und so kam es, dass der PJ und ich die Ankunft dreier brandneuer, hochmoderner Autos im Langzeitspeicherbereich des Lagerhauses mitbekamen. Der Chef, gerade zurückgekehrt von der Polizei, ist natürlich zu bedauern. Er hat versucht, sich beim Geschäftsführer einzuschmeicheln, indem er den jährlichen Austausch der Fahrzeuge der Chefetage zu einem besonders günstigen Geschäft machen wollte. Doch er hat einen Fehler gemacht. Es scheint, als wurde - von ihm unbemerkt - auf dem Bestellschein Mercedes durch Lada ersetzt. Und statt die Bestellung an einen reputierlichen Händler für Luxuswagen zu faxen, hat wohl ein Speicherfehler dafür gesorgt, dass die Bestellung an einen weniger angesehenen Händler für Billigautos geschickt wurde. Einen Händler, der, so wollte es das Schicksal, auch drei brandneue Ladas hinten in seinem Vorführraum stehen hatte - seit sechs Jahren. Der Chef hat die Lieferung trotzdem gut überstanden. Besser übrigens als das wiederholte Spielen von Johnny Cash's "Ring of Fire" in der Kantine, nachdem er sich von der unorthodoxen Medizin erholt hatte, die er auf dem letzten Wochenendausflug zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls zu sich genommen hatte. Und so kommt es, dass ich eine Spur von Feindschaft spüre, als der Chef sich herablässt, um einen Erbsenzähler bei der Prüfung unseres Bestandsberichtes zu begleiten. "Eine 600 Bit pro Zoll-Bandmaschine?" fragt der Prüfer. "Ja, die steht gleich hier", antworte ich und zeige auf das Ungetüm. "Die stand gestern aber noch nicht da!" ruft der Chef und riecht wohl den Braten. "Stimmt, wir mussten sie wegen der neuen Verkabelung umstellen." antworte ich in einem Tonfall, der überzeugend klingt - ich habe mich eben vorbereitet. "In Ordnung. Eine Seagate-Festplatte mit 5 Megabyte Speicherkapazität?" "Die läuft im E-Mail-Server." "Aber wir benutzen solche kleinen Festplatten doch gar nicht mehr!" ruft der Chef wieder. "Ich fürchte, da irren sie sich." antworte ich. "Denn die Server-Software läuft auf einem alten XT, der nur mit alten MFM-Festplatten umgehen kann." "Das ist ja lächerlich." ruft er, greift sich den Papierstapel des Prüfers und blättert wütend darin herum. "Wie steht es mit dem 29 Zoll-Fernseher?" "Der Monitor mit Textanzeige?" frage ich. "Der steht nicht hier, sondern im Beratungszimmer des Geschäftsführers." "Gut, und wo ist die Sega-Spielkonsole?" "Die steht in der Personalabteilung. Sie wollen sie der Kinderkrippe für die Angestellten überlassen." antworte ich ohne mit der Wimper zu zucken. "Richtig", sagt er entschlossen. "Und die neue Klimaanlage, die für diesen Raum bestimmt war - wo ist sie?" "Noch im Warenlager, denke ich." "Nein, das habe ich am Morgen überprüft. Sie sagten, sie sei schon zu ihnen geschickt worden." "Nun, dann steht sie möglicherweise vor dem Frachtaufzug." "Nein, aber ich habe eine Idee, wo wir sie finden können. Sie haben eine schöne Wohnung, nicht wahr?" fragt er und zeigt eine Aussenaufnahme meiner Wohnung, auf der die neue Klimaanlage zu sehen ist. "Nun, ich war so von den Daten der Anlage beeindruckt, dass ich mir ebenfalls eine zugelegt habe." "Und wo haben sie die gekauft?" fragt er gehässig. "Das war in dem Lager in Peckham, oder?" mischt sich der PJ ein, um mich zu retten. "Wegen all der hitzeproduzierenden Technik, die wir erst neulich ausgemustert haben", erinnert er sich. "Ja, stimmt", fällt es dem Chef jetzt ein. "Natürlich, ich hätte es wissen müssen. Nun, damit wäre das Problem ja geklärt." Schneller als man 'verminderte Zurechnungsfähigkeit' aufsagen kann sind der Chef und der Prüfer verschwunden. "Er wird das gegen uns verwenden, das wissen sie", murmelt der PJ. "Ja, ich weiss. Und das ist einfach nicht gerecht. Nun, wie buchstabiert man doch gleich 'Trabant'?" [[Die Service-Abteilung wittert Morgenluft, doch der B.O.F.H. hat einen schlauen Plan, um sie wieder zurechtzustutzen ...]] Ich sitze an meinem Tisch, als der PJ kurz aufblickt. Er ist gerade damit beschäftigt, Nutzern zu helfen, die sich über Geschwindigkeitsprobleme beim Zugriff auf den Backup-Server beschweren. "Das Kill-9-Kommando funktioniert nicht mehr." "Stimmt. Ich habe es neu geschrieben und mit ein paar Erweiterungen versehen, damit wir mehr machen können, als nur 'Hang up' als Parameter einzugeben." "Wie lauten die Parameter denn?" "Sie sind vielfältig - alles, was ein guter Systemadministrator braucht." "Was?" "Nun, schauen sie - da wäre zunächst 'Kill-Godfather', das sich einem laufenden Prozess von hinten nähert und ihn in einer ruhigen Ecke abschiesst. Und zusätzlich, wenn wir schon dabei sind, hinterlässt es das Bild eines Pferdekopfes als Bildschirmschoner." "Bezaubernd." "Dann haben wir 'Kill-CIA', was den Prozess beendet, es aber so aussehen lässt, als handele es sich um einen ganz natürlichen Vorgang." "Uh-huh." "Natürlich wird bei einer Untersuchung der Protokolldateien das Wort 'Grashügel' auffallen, was die Leute aus der Forschungs-Abteilung auf die Beine bringen dürfte." "Ja ..." "Hm, 'Kill-Shotgun', wenn sie sich nicht mehr an die korrekte Nummer des Prozesses erinnern können. Damit werden gleich alle Prozesse, die ähnliche Nummern haben, beendet. 'Kill-Driveby' beendet den gewünschten Prozess und gleich noch den mit der nächsthöheren bzw. nächstniedrigeren Nummer." "Ist das nicht ein wenig zu viel?" fragt der PJ milde lächelnd. "Nein, 'Kill-viel' beendet alle laufenden Prozesse, schickt eine widerliche E-Mail an Bill Gates, in der steht, wie wir gegen die Lizenzverträge verstossen, überschreibt dann den Kernel des Betriebssystems und lässt das System abstürzen. Oh, und es stellt einiges mit den Arbeitsplatzrechnern an." "Das System ist gerade abgestürzt." "Ja, '-viel' ist die Standardvorgabe, wenn der Nutzername 'Service' ist. Ich habe ihnen die entsprechenden Rechte gegeben, so dass sie nun über all die Macht verfügen, die sie im Service so dringend wollten." Das Telefon klingelt und etwas sagt mir, dass es die Service-Leute mit einer Beschwerde sind. Manche Leute sind wohl nie zufrieden. "Sie wissen, was das bedeutet, oder?" fragt der PJ ängstlich. "Dass die Service-Abteilung arbeitet? Ja, ich weiss. Ich hatte gehofft, dass die Schachtel mit Stiften uns ein oder zwei Wochen Ruhe verschafft, die sie mit ein paar simplen Spielen zubringen, doch der Chef hat ihnen die Stifte nach den ersten paar Tagen wieder weggenommen." "Wir können es nicht zulassen, dass die Service-Leute sich um Probleme kümmern - es hat zwei Tage gedauert, bis die Datenbanken wieder liefen." "Stimmt - nun, dann habe ich einen Plan ..." Der nächste Tag kommt, und ich erwarte die Belohnung für meine Mühen. Und erwartungsgemäss meldet sich das Telefon ziemlich früh. "Die Diktiersysteme sind irgendwie kaputt", sagt der Service-Gnom. "Und was ist das genaue Problem?" frage ich. "Nun, das Sprachmodul für normales Englisch ist auf allen Arbeitsplatz-PCs verschwunden, so dass die PCs die Nutzer nicht mehr verstehen. Und das Programm zur Anpassung der Sprache ist ebenfalls verschwunden." "Aha." antworte ich nachdenklich und winke dem PJ. "Sie sagen also, dass bei allen PCs die Nutzereinstellungen zur Spracheingabe nicht mehr wiederherstellbar sind, was möglicherweise eine Folge des Server-Absturzes ist, den ihre Abteilung gestern verursachte?" "Ja." "Aber sagen sie nicht, dass auch die Installations-CDs verschwunden sind!" "Ja, woher wussten sie das?" "Ein Zufallstreffer", ruft der PJ. "Aber müsste es da nicht noch andere Sprachmodule neben dem für normales Englisch geben?" "Ja, das ist eine seltsame Sache." "Tatsächlich?" "Ja, da ist ein Sprachmodul, das ich vorher nie gesehen habe. Es heisst 'Betrunkener Schotte'." "Wirklich?" "Ja, aber ich weiss nicht, was das ist." "Nun, es gibt nur einen Weg, es herauszufinden. Nehmen sie eine Flasche Scotch und gehen sie zu Don McCloud in der dritten Etage, lassen sie ihn den Scotch trinken und setzen sie ihn dann auf das Sprachmodul an." "Das ist nicht ihr Ernst." "Stimmt. Sagen sie einfach den Erbsenzählern, dass sie ihre Berichte selbst eintippen sollen." "Aber die sollen morgen gedruckt werden." "Nun, was auch immer sie tun, vergessen sie nicht, dass Don nur Single-malt Scotch trinkt." Kaum hat er aufgelegt, rufe ich Don an und setze ihn ins Bild. Er nimmt es wie ein echter Profi, stürzt sich auf die Aufgabe und hat auch keine Probleme damit, von anderen verstanden zu werden. Doch seine Bemühungen, ohne Akzent zu sprechen, enden, als ich ihm etwas über Diskriminierung am Arbeitsplatz erzähle und wie das in den Zeitungen aussehen würde. Später lauschen wir in der Kneipe seinem Bericht ... "Nun, ein paar von ihnen haben den Akzent wirklich gut gemeistert", murmelt Don nachdem er zwei Tage hauptsächlich damit verbracht hat, Scotch zu trinken. "Aber ich habe gehört, dass sie es nun gar nicht mehr brauchen, da die Original-Sprachmodule am Montag neu installiert werden sollen." "Oh, machen sie sich deswegen keine Sorgen", antworte ich. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Service-Mensch die Worte 'Computer, Kill, Minus, viel' für die technische Dokumentation diktiert." Ein betrunkener Erbsenzähler, der wie Sean Connery an einem schlechten Tag klingt, bringt die nächste Runde. Eine schmutzige Arbeit, aber jemand muss sie ja machen ... [[Aufgeben oder Kürzungen seines Budgets hinnehmen - was wird der B.O.F.H. tun? Nun, mit der Hilfe von Eis und Ausrüstung für Ausgrabungen ....]] Man kann sich unentdeckt immer nur eine bestimmte Zeit vor seinen Aufgaben drücken. Und so haben wir nun die Anweisung bekommen, uns mit dem mittleren Management zu versöhnen, da sonst unser Budget gekürzt wird. Ich kann es nicht erlauben, dass das Budget für verschiedenste Ausgaben zur Steigerung meines Wohlbefindens gekürzt wird - nicht nach den vorausgegangenen Kürzungen, die ich in den vergangenen Monaten wegen der erhöhten Aufmerksamkeit der Rechnungsprüfer vornehmen musste. Der PJ und ich entscheiden uns für die 'Teile und Herrsche-Methode', um uns mit den Nutzern auszusöhnen. Ich schreite aufgeweckt zum ersten Beschwerdeführer, einem Kostenmanager, der wohl über recht lockere Verbindungen zu den Erbsenzählern verfügt. "Ich habe Leistungsprobleme", schreit er verzweifelt, als ich hereinkomme. "Ja, ich habe die Gerüchte gehört", antworte ich und bringe das, was wie eine knospende Beziehung zwischen ihm und seiner jungen persönlichen Assistentin aussieht, zu einem vorschnellen Ende. "Aber machen sie sich keine Sorgen, das passiert schliesslich auch den Besten unter uns. Und was ist nun mit ihrem PC?" "Ich habe über meinen Computer gesprochen!" ruft er. Er führt mich in sein Büro, wo ich feststelle, dass nicht einmal die Erbsenzähler ihn besonders mögen, denn sein PC ist so alt, dass der Vorderseiten-Aufkleber in der Handschrift Noahs beschrieben wurde. Ich empfinde ein wenig Mitleid für ihn. "Das sieht nach einem Magnum-Problem aus." sage ich. "Doch nicht das Gewehr?" fragt er ängstlich. "Nein, das Eis. Schieben sie es hinten in das Gehäuse, schalten sie den PC ein und verschwinden sie zum Mittagessen. Und entfernen sie alles Brennbare vom Tisch, denn man weiss ja nie ..." "Aber man wird mich beschuldigen." "Nicht, wenn sie die Verpackung im Mülleimer ihrer Assistentin liegenlassen." "Aber sie ist ..." "... ersetzbar." sage ich. Problem gelöst, also suche ich mein nächstes Opfer. Auf der Suche treffe ich den PJ, der in keiner guten Verfassung zu sein scheint. "Wie war der Manager der Entwurfs-Abteilung?" frage ich. "Ein Manager? Der konnte nichtmal ohne schriftliche Instruktionen die Toilette aufsuchen." "Verärgert?" "Ja, er hat von mir verlangt, dass ich eine dieser verdammten Workstations mit zwei 21 Zoll-Monitoren nach unten trage." "Ah ja", rufe ich und erinnere mich an die lauten Geräusche, die ich erst jüngst hörte. "Also ist es wohl besser, das Treppenhaus im Südflügel in der nächsten Zeit zu meiden, oder?" "Die beiden untersten Etagen und das Kellergeschoss. Ich habe sie nach unten fliegen lassen, ohne das Geländer zu berühren." "Guter Schuss, Kamerad!" rufe ich zustimmend und klopfe ihm auf die Schulter. "Wir werden noch einen guten Administrator aus ihnen machen. Richtig, ich muss jetzt gehen und schauen, womit ich dem IT-Chef helfen kann." "Sie suchen unseren Chef? Wieso?" will er wissen. "Möglicherweise braucht er einen guten Rat." "Wirklich?" grinst der PJ mit glänzenden Augen. Ein paar Minuten später stehe ich im Büro unseres Abteilungsleiters und ahne langsam, was er will. "Wir denken daran, unseren Wirkungskreis zu erweitern und nach Asien zu expandieren", meint er und bestätigt meine Vermutungen. "Dazu brauchen wir dringend dieses Videokonferenzsystem." Es war nur eine Frage der Zeit. Und es scheint, als sei der Zeitpunkt jetzt gekommen. Noch bevor der PJ und ich es richtig wissen, sollen wir die Bandbreite freigeben, die wir dazu nutzen, das Kabel-TV aus den Staaten zu empfangen. "Ja?" murmle ich. "Ich habe gute Dinge über etwas gehört, was sie IP-Tunnelung nennen. Ich weiss nicht, was die Vor- oder Nachteile sind, also, was können sie mir darüber erzählen?" "Nun, es ist eine Methode, den Internet-Datentransfer von einem Punkt zu einem anderen zu realisieren. Man nutzt es, um Virtuelle Private Netzwerke aufzubauen." Ich schalte in den Idioten-Modus. "Ist es schnell?" "Oh, natürlich." "Wie teuer kann es werden?" "Nun, das Kabel dürfte ziemlich billig sein, da wir alles nötige bereits haben. Ich denke, dass die Ausrüstung für das Graben am teuersten sein wird." "Ausrüstung?" "Ja, wir müssen einen Tunnel nach Asien graben." "Aber wir können keinen Tunnel nach Asien graben. Das würde Jahre dauern." "Nein, nein." lache ich. "Das war ein Scherz." "Oh, Gott sei Dank." "Nein, wir müssen nur einen Tunnel zur nächsten Vermittlungsstation der Telefongesellschaft graben, die etwa eine halbe Meile entfernt ist. Das dürfte uns vier oder fünf Tausender für die Miete kosten." "Vier- oder fünftausend?" "Nun, wir könnten sicher ein wenig sparen, wenn wir sie bar bezahlen. So etwa dreitausend, denke ich. Und wir müssten unseren eigenen Projekt-Manager stellen." "Wo bekommen wir den her?" "Nun, es gibt Gerüchte, dass es da eine Assistentin in der Finanz-Abteilung gibt, die sich nach einer neuen Aufgabe umsieht. Ich würde eng mit ihr zusammenarbeiten, um das Projekt zu beaufsichtigen." "Tun sie das." ruft der Chef wie ein richtiger Star Trek-Spezialist. Hol mich rauf, Scotty! Auf diesem Planeten gibt es kein intelligentes Leben. [[Die Nutzer sind nicht mehr in ihren Büros und - unglaublich, aber wahr - der B.O.F.H. und der PJ vermissen sie. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen ....]] Langeweile, Langeweile, Langeweile. Das Gebäude ist einsam und verlassen, da die Firma ihre neue 'W3-Initiative' in die Tat umsetzt, die darin besteht, dass die verschiedenen Abteilungsleiter an diesem speziellen Tag die Mitarbeiter über die berühmten drei Wos unserer Existenz aufklären - woher kommen wir - wo stehen wir - wohin gehen wir. Ich bemerke, dass die Aufkleber mit Toilettensymbolen von den Postern der Cafeteria verschwunden sind. Vielleicht ist das der Grund für die Vermutung des PJs und mir, dass neben uns nur noch die Leute vom Wachdienst keine Einladung für diesen Tag bekommen haben. Es ist wirklich überraschend, wie man sich als Administrator langweilen kann, wenn das Netzwerk nicht durch Nutzer gestört wird. Auch der PJ ertrinkt in Melancholie, weil es keine Nutzer gibt, über deren Fehler er sich aufregen könnte. Jemand mit weniger starken Nerven würde aufgeben und an seiner Qualifikation zweifeln. Der PJ und ich haben jedoch andere Fische zu braten - über der Heizung unter dem Schreibtisch des Chefs. Es ist bemerkenswert, wie heiss sie werden kann, nachdem wir die Hitzesicherung entfernt haben. Im Handumdrehen haben wir ein geschmackvolles Mittagessen - und knusprig ist es ebenfalls, was der Entdeckung des PJs zu verdanken ist, dass man das Sicherheitsgehäuse entfernen und damit das Essen näher an den Heizspiralen plazieren kann. "Wissen sie, es ist schon lustig", meint der PJ und lässt sich die letzten Stücke seines Fisches schmecken. "Irgendwie vermisse ich die Nutzer." "Wir sollten Dr. Robb anrufen." Dr. Robb ist unser Psychologe. Früher kam er einmal pro Woche in die Firma, um sich das Gejammer der Angestellten anzuhören, doch die Installation einer Überwachungskamera in seinem Zimmer hat seiner Popularität wohl ziemlich geschadet. Ich vermute, dass der Vizechef der Verkaufs-Abteilung niemals damit fertig wurde, dass sein Video an einem Freitagabend nach den Drinks auf den Sicherheitsmonitoren abgespielt wurde. "Hallo?" "Hallo, Dr. Robb." "Ah ... Hallo Simon." "Wie geht es dem PC?" "Ich benutze keine Computer mehr", sagt er nervös. "Ich benutze nicht einmal elektrische Geräte." "Aber sie haben doch ein Telefon? Ist das nicht auch ein elektrisches Gerät?" >KLICK< "Das ist seltsam." kommentiert der PJ. "Er hat aufgelegt. Und wie war das mit den nichtgenutzten elektrischen Geräten?" "Ich weiss - klingt nach einer Neurose, wenn sie mich fragen. Es scheint, als brauche er eine weitere Dosis der Schocktherapie, über die man neuerdings soviel hört." "Was meinen sie damit?" "Oh, nichts. Wir müssen eben selbst mit dem Problem klarkommen. Ich denke, die traurige Wahrheit ist, dass wir unsere Nutzer brauchen." "Nein!" ruft der PJ hysterisch. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit trübsinnigen Gedanken. Die Normalität kehrt zurück, als das erste Opfer der W3-Veranstaltung zurückkommt und Sicherheitskopien seiner Linux-Station anfertigen will, solange die Bandlaufwerke frei sind. "Hallo", sage ich und greife mir das Telefon. "Es geht um mein Backup - es funktioniert nicht." "Das liegt daran, dass sie all ihre Programme sichern wollen, statt nur die Daten, an denen sie arbeiten. Sie müssen ihre Anwendungsprogramme nicht sichern, weil wir sie ohnehin auf dem Server sichern." "Aber ich muss meine Anwendungen wirklich sichern", ruft der Nutzer und ignoriert meinen Rat. "Dann müssen sie das superschnelle nichtgekrümmte längsgerichtete Laufwerk benutzen." >>DUMMY MODE EIN<< "Äh ... In Ordnung. Wie kann ich es ansprechen?" "/dev/null" "Gut. Das ist ja wirklich schnell. Wie mache ich nun die Sicherung?" "Hm, das Kommando lautet 'cat /dev/null', auf das sie die Ausgabe von 'ls -alR /' umleiten." "Sehr gut. Danke." "Keine Ursache." "Wie war das?" keucht der PJ. "Ich dachte, wir hätten festgestellt, dass wir unsere Nutzer brauchen?" "Seien sie doch nicht töricht. Ich brauche niemals einen Nutzer, wenn ich Doom, Quake und das Internet habe. Und einen gegrillten Fisch zum Mittagessen. Oh, wo ich gerade dabei bin, haben sie das Sicherheitsgehäuse ...." Ein Schrei aus dem Büro des Chefs beantwortet meine Frage, bevor der PJ reagieren kann. "Ups", meint der PJ. [[Während der PJ mit der Tunnel-Arbeit beschäftigt ist, kümmert sich der B.O.F.H. um das E-Mail-System und leitet Beschwerden an Telefonsexnummern weiter ...]] Es ist ein langweiliger Morgen in der Netzwerkzentrale, so dass ich die Zeit damit totschlage, den PJ damit zu beschäftigen, die Kabel in den Kabelschächten zu prüfen. Natürlich ist das eine nicht besonders angenehme und ziemlich beengte Arbeit, doch das wird ihm einen weiteren Einblick in die Welt der Netzwerke geben. Und es wird ihm dabei helfen, sich daran zu erinnern, dass "Finger weg von meinem Laptop" genau das bedeutet. Die Anrufe kommen an diesem Morgen schnell und reichlich, und ohne den PJ muss ich mich um sie kümmern. Die Nutzer-Betreuung hat unsere Nummer an jeden herausgegeben, der wichtig sein könnte. Und seitdem der Chef die Nummer in der Vermittlungseinheit fest einprogrammiert hat, funktioniert auch der sonst übliche tägliche Wechsel der Nummer nicht mehr. Nach ein paar Anrufen erkenne ich den Trend, dass alle Anrufe auf eine Beschwerde hinauslaufen, so dass ich alle weiteren Anrufe auf die Nummer eines Telefonsexanbieters weiterleite - ich weiss ja nun, worum es geht. Dann schicke ich eine E-Mail an die Erbsenzähler, in der ich sie darauf aufmerksam mache, dass der Missbrauch der Firmentelefone beängstigend ansteigt und sie sich vielleicht darum kümmern sollten. Doch anders als in der guten alten Postkutschenzeit wird meine Nachricht nicht zugestellt. Sie werden eigentlich nie mehr zugestellt, seitdem unsere Vorgänger in der Systembetreuung den E-Mail-Server mit einer neuen 'phantastischen' Software aufgerüstet haben, die beinahe alles kann, ausser einen roten Kussmund an das Ende privater E-Mails anzuhängen. Alles, ausser meine Nachrichten zu befördern. Ich mache den Chef einmal mehr auf die vielen Mängel der Software aufmerksam, doch er weicht mir nur aus. "Nun, die E-Mail-Software hat uns ziemlich viel gekostet. Und davon abgesehen, unsere Terminverwaltungsprogramme sind in sie integriert!" Und so kommt es, dass der Chef ein paar Tage später seine Handbuch-Bibliothek auf der Suche nach der Bedienungsanleitung für sein E-Mail-Programm durchsucht, als der PJ mich bei meiner hingebungsvollen Arbeit mit einer Frage stört. "Was tun sie?" "Ich stelle sicher, dass mein geliebtes Sendmail zurückkommt." antworte ich. "Wie?" "Hm, ich helfe nur der 'Blitzzusteller'-Software, die E-Mails des Chefs zuzustellen. Die Anzeige der Mails in der Warteschlange ist wirklich gut - sie erlaubt mir, einige E-Mails persönlich 'zuzustellen'." "Wie?" "Nun, sie markieren einige Nachrichten und verschieben sie einfach in den Papierkorb." "Welche Nachrichten?" "Oh, immer nur einen Teil einer mehrteiligen E-Mail." Ich zeige es ihm auf dem Monitor. "Hier sehen sie sein Postfach. Die Betreffzeile enthält die Zuordnungsnummer der einzelnen Teile. Und nun lösche ich Teil 23 von 24 und lasse die anderen Teile durch. Das wird ihn verrückt machen. Und natürlich stelle ich auch alle E-Mails, die er abschickt, auf diese Weise zu, und so muss er all seine wichtigen Nachrichten mit der Hauspost verschicken und weiss nie, ob sie ankommen oder nicht." "Nun, was er nicht weiss, wird ihn auch nicht stören", murmelt der PJ. "Diese Aussage müsste erst noch bewiesen werden. So glaube ich zum Beispiel, dass der Chef bis jetzt noch nicht weiss, dass die oberste Sprosse der Leiter im Lagerraum sehr locker ist ...." Wir beiden lauschen angestrengt auf das Geräusch eines übergewichtigen Managers, der aus eineinhalb Metern Höhe in einen Haufen Kartons mit Knüllpapier stürzt. Während ich dabei bin, den Mailserver wieder mit der Software auszustatten, für die ich mich zuerst entschieden hatte (Ich glaube, es waren die 10 E-Mails an die Hausmeister, in denen ich mich über die unsichere Leiter beschwerte, die das Fass schliesslich zum Überlaufen brachten.), kommt der PJ herein und sieht mich verwirrt an. "Ich verstehe nicht, wieso wir das installieren ..." sagt er. Seufz. Wenn man glaubt, er hat begriffen, stellt sich heraus, dass er noch immer in einer anderen Welt lebt und nach Antworten sucht. "Wenn sie in der Hierarchie der Firma aufsteigen, dann wächst auch ihr Verantwortungsgefühl, während sich ihre Verantwortung in Wahrheit verringert. Und ihre Ahnung von den Dingen, die um sie herum vorgehen, verringert sich ebenfalls." beschreibe ich. "Warum haben wir das Programm dann gekauft?" "Wir haben es gekauft, weil es jemandem eingefallen ist, der meinte, diese Software sei eine gute Idee und den Managern würde nicht auffallen, dass sie absoluter Schrott ist." "Ich glaube, das ist ein wenig zynisch ..." Ich unterbreche ihn, um einen Anruf über die Freisprechanlage zu tätigen. "Hallo?" fragt der Chef. "Hallo, ich frage mich gerade, weshalb sie die Anschaffung der neuen objektorientierten Programmiersprache genehmigt haben." "Nun, das war doch ihre Idee - sie sagten, wir hätten bald keine Objekte mehr." "Natürlich. Danke." Ich lege auf. "Begriffen?" frage ich. "Ich glaube nicht ..." Ich greife erneut zum Telefon. "Hallo?" meldet sich der Chef. "Es geht um diesen Grafikbeschleuniger, den ich aus ihrem Computer entfernt habe. Wieso eigentlich?" "Weil ... weil ... irgendetwas mit den Grafiken, die zu schnell waren?" "Natürlich, jetzt erinnere ich mich." antworte ich und lege auf. "Aber ..." erwidert der PJ. "Kein ABER - es ist ganz einfach: sie oder wir. Sie können einen Chef bei seiner Entscheidung beeinflussen, doch sie werden es niemals schaffen, dass er mit dem Denken anfängt." Seufz. [[Die Anwesenheit des Firmenarchitekten sorgt für eine erwartungsvolle Stimmung und lässt den B.O.F.H. zu Tricksereien greifen ...]] Ein gewisses Gefühl der Erregung, das ich schon lange nicht mehr gespürt habe, liegt in der Luft. Die Sorte von Spannung, die die jährlichen Weihnachtsparties ausstrahlen, auf denen die Bonuszahlungen verteilt werden. (Die letzten Jahre natürlich ausgenommen.) Die Ursache dieser Spannung ist schnell ausgemacht. Der Firmenarchitekt, der normalerweise nur dann gerufen wird, wenn wieder einmal eine Abteilungsumstrukturierung ansteht, ist im Haus. Allein dies ist schon Überraschung genug, denn ich kann mich nicht erinnern, im Vorfeld etwas von einer bevorstehenden Umstrukturierung vernommen zu haben. Und diesmal geht es wohl auch nicht darum, die Axt auszupacken und die Abteilungen neu zurechtzustutzen. (Seufz.) Nein, es muss etwas anderes sein. Und der IT-Chef muss davon wissen. Der PJ, darauf trainiert, in solchen Situationen ohne falsches Zögern zu handeln, ruft die Überwachungskameras des Hauses auf die Monitore und im Handumdrehen finden wir das Büro des IT-Chefs, wo wir seine Gürtelschnalle bewundern - ein protziges Metallgebilde, das vermutlich einem Raketenangriff standhalten könnte und in das eine üppige Wassernixe eingraviert ist - ein Geschenk loyaler Mitarbeiter. Und da behaupten manche noch, Qualität werde immer modern sein. Das Schicksal meint es gut mit uns, denn noch vor seinem Vortrag können wir an die Gürtelschnalle herankommen und sie mit Technik ausrüsten, die Bürgerrechtsgruppen wohl auf die Strassen treiben würde. Manche Leute haben eben keine Ahnung. "Glauben sie, dass der Gürtel funktionieren wird?" fragt der PJ, bevor ich das Wunderwerk aktiviere. "Natürlich", antworte ich. "Die Wanze ist so empfindlich, dass sie eine furzende Ameise in 10 Meilen Entfernung aufzeichnen würde. Da fällt mir ein, schalten sie sie etwa eine Stunde nach dem Mittagessen ab - wir wollen die Schaltkreise ja nicht überlasten." Doch in der Zwischenzeit hört das Miniaturmikrofon im Auge der Nixe alles mit ... "Gentlemen", wendet unser IT-Chef sich in beschwichtigendem Tonfall an die versammelte Geschäftsleitung. "Als Vorsitzender der Kommission zur Evaluierung unserer Expansionschancen kann ich ihnen folgendes berichten: Erstens ist die Miete für dieses Gebäude sehr teuer. Zweitens wird es mittelfristig zu klein für uns sein. Und drittens fehlt in diesem Gebäude die für das nächste Jahrhundert nötige Netzwerk-Infastruktur. Nach der Beratung mit verschiedenen Abteilungen ..." Er macht eine Pause und zeigt zweifellos auf einige Mitglieder der Geschäftsleitung, die für ihre seltsamen Ansichten bekannt sind. "Und daher empfehle ich den Umzug in ein grösseres Gebäude am Flussufer, das nicht nur weniger Miete kostet, sondern auch kurzfristig bezogen werden kann." "VERDAMMT!" ruft der PJ und gibt damit ziemlich genau wieder, was ich dazu denke. "Das kann nicht sein Ernst sein!" "Es hat den Anschein", erwidere ich. "Und wenn ich an seine fehlenden technischen Kenntnisse denke, dann hat man ihn wohl über den Tisch gezogen." "Fehlendes Wissen?" regt sich der PJ auf. "Er kann nicht so verrückt sein. Immerhin war er in dieser TV-Sendung. Wie hiess sie doch gleich? 'Unsere Zukunft 2000'?" "Nein, die Sendung, an der er teilnahm, hiess 'Hilflos 2000', eine völlig andere Art von Dokumentation, würde ich sagen." Innerhalb einer Stunde kommt unser Chef mit den Neuigkeiten zu uns. "Wir ziehen um", schreit er ängstlich und deutet in Richtung Fluss. "Ich habe es gerade herausgefunden!" "Dann fangen sie am besten mit dem Packen an", rufe ich. "Sie meinen ... sie ... sie wollen den Umzug nicht verhindern?" fragt er. "Warum?" erwidere ich ungläubig. "Ich kann es kaum erwarten! Das ist die Chance, ein völlig neues und zukunftssicheres Netzwerk aufzubauen." "Aber dann, dann sind wir nicht mehr in der Stadt", jammert er. "Das wird überbewertet - Smog, Gedränge. Lassen sie mich auf den Fluss blicken." "Mich auch", stimmt der PJ mir zu. "Aber all ihre Arbeit, die sie hier getan haben?" "Das ist Vergangenheit. Jetzt freue ich mich auf die Herausforderungen der Zukunft." "Aber ..." "In Ordnung, für fünfzig Pfund werde ich mich um die Angelegenheit kümmern. Wie ist es mit ihnen?" "Zwanzig Biere", ruft der PJ. "Das ist nicht ihr Ernst!" "Na gut, dann ist es eben nicht unser Ernst. Lassen sie uns packen." "Uh ... oh. Was wollen sie tun?" "Nun, das könnte ich ihnen sagen, doch dann müsste ich ihren Kopf in den Zerkleinerer stecken und ihre Überreste irgendwo verscharren." "Sie meinen, es ist so geheim?" "Nein, nicht wirklich. Ich bin nur neugierig, was geschehen würde." Meinen Hinweis verstehend trollt sich der Chef. Ich greife zum Telefon und rufe den Oberschwindler der Firma an, einen Anwalt, der sich wirklich hervorragend zu drücken weiss, denn sogar auf seiner Visitenkarte steht der Name eines anderen. Ich lade ihn zu einem Gespräch über den Pachtvertrag ein und weise ihn auf den Schwachpunkt hin, den wir entdeckt haben ... Wir brauchen etwa 10 Minuten. Und selbstverständlich finden wir am Abend den Chef in Geberlaune. "Ich weiss nicht, wie sie das gemacht haben", lacht er erleichtert. "Aber mein Geld ist gut angelegt. Wie haben sie den Chefanwalt nur dazu gebracht - ich dachte, er wäre einer der Landeigentümer?" "Ach, er ist durchaus eine nette Person, wenn man ganz normal mit ihm redet." antworte ich. "Oh", mischt sich der PJ ein. "Wo wir gerade darüber sprechen - soll ich den Aktenvernichter abschalten?" "Hmmm. Vielleicht noch nicht sofort. Warten wir besser noch ein paar Stunden." Es stimmt schon, was man sagt - man muss nur wissen, wie man mit diesen Leuten redet ... [[Der B.O.F.H. und der PJ sind traurig, denn sie werden nicht zu einem Wochenendausflug eingeladen - doch mit einem Holzhammer und etwas Gewalt werden sie es schon richten ...]] Der PJ und ich sind zutiefst verletzt, weil der Geschäftsführer sich nach dem abgeblasenen Umzug dazu entschlossen hat, den enttäuschten Proleten der anderen Abteilungen Gelegenheit zu geben, sich an einem 'Spiele'-Wochenende - ein 'Wer ist der Mörder'-Rollenspiel am Abend des Samstags eingeschlossen - an der IT-Abteilung zu rächen - ohne den PJ und mich. Die Gerüchteküche vermutet, dass unser 'bezähmter' Anwalt über die Sache mit dem Pachtvertrag geplaudert hat, bevor er in der relativen Sicherheit unserer Konkurrenz unterkommen konnte ... Was aber am meisten schmerzt, ist, dass der IT-Chef eine unserer eigenen Ausreden gegen uns verwendet hat - nämlich, dass das Netzwerk rund um die Uhr laufen muss und wir daher auch für unsere Niederlassungen in der ganzen Welt erreichbar sein müssen - ganz besonders an einem Wochenende, an dem die gesamte IT-Abteilung abwesend ist. Was natürlich völliger Schwachsinn ist, denn die Hälfte unserer ausländischen Niederlassungen könnte sich nicht einmal an unsere Nummer erinnern, wäre sie nicht über die oberste Funktionstaste mittels Schnellwahl erreichbar. Es scheint beinahe so, als wolle man nicht, dass der PJ und ich Freundschaften mit anderen Leuten aus der Abteilung schliessen und Spass mit ihnen haben. Man scheint uns nicht zu trauen. Allerdings liess das Interesse an dem Wochenende sichtlich nach, als das 'Wer ist der Mörder'-Spiel angekündigt wurde. Trotzdem unsere Nicht-Einladung ein unschöner Zug ist - nun haben wir wenigstens die Chance, ein paar Garantietests an den Festplatten (ein paar Schläge mit einem gummiummantelten Hammer, der kurz vor dem Ende der Garantiezeit keine Spuren hinterlässt) vorzunehmen. Es ist überraschend, wie viele Tests damit enden, dass wir kostenlosen Ersatz anfordern müssen. Ich prüfe, ob unsere Testausrüstung vollständig ist, als der Chef am Freitagnachmittag hereinstürmt. "Guten Abend", ruft er fröhlich und muss sich offensichtlich bemühen, etwas nicht auszuplaudern, das neu für uns ist. "Raten sie, was ich für sie eingefädelt habe!" "Was?" erwidere ich ohne Begeisterung. "Man hat zugestimmt, dass sie an den Spielen am Sonntag teilnehmen können - nachdem sie ein paar Programme auf den Computern der Personal-Abteilung installiert haben." sagt er und gibt mir eine Liste, die länger ist als die der bekannten Fehler in Windows 95. Der Sonnabend kommt und da der PJ und ich nicht zu denen gehören, die eine Herausforderung scheuen, sorgen wir dafür, dass die Software wunschgemäss installiert wird. Und weil wir danach noch etwas Zeit haben, verbringen wir sie sinnvoll. Als ich dann am Montag zur Arbeit komme, rechne ich schon damit, dass ich einem Gespräch mit dem Chef nicht entkommen kann. Erwartungsgemäss lässt er mich rufen bevor ich auch nur einen Schritt in unser Büro setzen kann und führt mich aufgeregt gestikulierend in sein Büro, wo sich aus meiner Sicht viel mehr Leute aus der Personal-Abteilung versammelt haben als sonst. Der PJ ist ebenfalls unter den Leuten, so dass das es sehr eng im Büro des Chefs ist. "Simon", beginnt der Chef. "Ich habe hier eine Liste mit Beschwerden, die Justin über ihr gestriges Verhalten angefertigt hat." "Gestern?" frage ich und Unschuld ist mein zweiter Vorname. "Bei den Spielen? In Balesworth Castle Ground?" schlägt Justin vor. "Ach so! Sie sagen, es gibt Beschwerden?" "Ja! Sie wissen, dass dies eine Spassveranstaltung sein sollte, bei der sich die Mitglieder der verschiedenen Abteilungen im Sinne von Sportlichkeit treffen können?" "Ja, das weiss ich. Und ich habe mich doch wirklich bemüht, an allen Spielen teilzunehmen, auch wenn mir deren Regeln nicht ganz geläufig waren." "Es sieht so aus. Justin scheint zu glauben, dass sie ein wenig zuviel Begeisterung zeigten." "Wirklich? Ich kann mich nicht erinnern. Können sie?" frage ich den PJ. "Nicht wirklich." "Und was war mit dem Kegeln?" "Kegeln?" "Ja, als sie ihre Kugel vom Dach heruntergeschmissen haben?" "Ach so, das! Nun, das musste ich - ich bekam einen Anruf für die Nutzerbetreuung und der Empfang am Boden war wirklich schlecht, so dass ich mit dem Handy auf das Dach steigen musste. Und im 'Geiste der Sportlichkeit' wollte ich die anderen Teilnehmer nicht auf meinen Wurf warten lassen. Wie auch immer, ich glaube, in den Regeln wird nichts darüber gesagt, aus welcher Höhe die Kugel geworfen werden muss." "Natürlich nicht, aber das Vortäuschen des Anzündens einer Zündschnur an einer der Kanonen des Schlosses hat dem Wohlbefinden ihrer Mitspieler nicht gerade gedient ...." "Das war doch nur Spass." "Wie die Kugel, die die Haube von Justins Coupé traf?" "Oh, ich brauchte einen Probewurf zur Verbesserung meiner Fähigkeiten", rufe ich und spiele weiter das Unschuldslamm. "Und das ist wohl auch ihre Entschuldigung für das 'Schlag den Sack'-Spiel?" will er wissen. "Ich gebe zu, dass ich da wohl ein wenig zu begeistert war", antworte ich. "In Kombination mit dem Einfallswinkel des Sonnenlichts könnte das für einige Verwirrung gesorgt haben." "Verwirrung ... ja", antwortet Justin bissig. "Nun, immerhin habe ich es geschafft, einen Sack zu treffen." "Sie haben es geschafft, einen Sack zu treffen. Aber zum Unglück für Justin ist der Sack, den sie getroffen haben, eher als Skrotum bekannt." "Wie ich schon sagte, ich bin es nicht gewohnt, Schuhe mit Stahlkappen zu tragen ..." "Ich könnte all diese Entschuldigungen gelten lassen, wenn es nicht so aussähe, als hätte niemand von ihnen die gewünschte Software installiert, worum ich sie gebeten hatte ..." "Das haben wir getan", ruft der PJ. "Keiner der Rechner startet!" schreit Justin und verliert völlig die Selbstbeherrschung. "Die haben nur herumgesessen." "Ich habe es ihnen doch gesagt", wende ich mich an den PJ. "Diese Festplatten sind defekt." "Womit wir bei diesem Ding wären", seufzt der Chef und hält ein Teil unserer Festplatten-Testausrüstung hoch. "Kann mir vielleicht jemand sagen, wie es in das Büro von Justin kommt?" "Er hat den Schaden an seinem Coupé selbst ausgebessert, um die Versicherungsprämie niedrig zu halten?" schlage ich hilfreich vor. Der PJ und ich lehnen uns bequem zurück, um auf das folgende Gejammer und Zähneknirschen vorbereitet zu sein ... [[Die Übernahme durch ein amerikanisches Unternehmen führt zu einem Besuch in den USA und einer Lektion zur sinnvollen Nutzung von Fahrstühlen ....]] Es ist ein kurzweiliger Montagmorgen, als der Geschäftsführer in unser Büro kommt, um uns um einen Gefallen zu bitten. Der Chef, der immer einen Riecher für solche Gelegenheiten hat, schleicht ebenfalls herein. "Ich wollte sie bitten, das Videokonferenzsystem zum Laufen zu bringen, damit ich eine kurze Ansprache halten kann." verlangt der Geschäftsführer. "Sie wollen sich doch nicht etwa zurückziehen?" platzt der Chef heraus, der sich schon auf der Karriereleiter aufsteigen sieht. "Nein, nein." "Ein früher Ostergruss an die Belegschaft?" "Nein. Es ist nur so, dass wir verkauft wurden. Die Firma, die Gebäude, die Mitarbeiter." "DIE VERDAMMTEN JAPANER!" ruft der Chef. "Nein, nein!" seufzt der Geschäftsführer. "Angesichts der derzeitigen Lage auf dem Geldmarkt gibt es eigentlich nur zwei Alternativen: Amsterdam und die USA. Und Amsterdam ist es nicht." "Gott sei Dank!" entfährt es dem Chef. "Ich kenne kein einziges belgisches Wort!" Das sind die Dinge, die man sich anhören muss, wenn man kein Gewehr hat ... Nun, der Tag kommt und der Geschäftsführer erklärt der Belegschaft auf dem ganzen Globus, dass uns ein amerikanischer Konzern aufgekauft hat, der im Ausland investieren wollte und in unseren perfekt verschönerten Bilanzen genau das sah, was er sehen wollte. Es gäbe auch keine Pläne für Umstrukturierungen, erklärt der Geschäftsführer, was ein kollektives Aufatmen verursacht. Für den Moment geht also alles so weiter wie bisher ... "Simon", murmelt der Geschäftsführer, der sich schon zum zweiten Mal in dieser Woche aus der relativen Sicherheit seines Büros heraustraute (ein neuer Rekord), ein paar Tage später. "Ich brauche sie und ihren Kollegen, um unsere Muttergesellschaft zu besuchen. Sie sollen sich anschauen, wie man in den USA arbeitet. Plaudern sie mit den Leuten und sehen sie sich ein wenig um, sie wissen schon. Die Chefs dort haben ihre Techniker beauftragt, sich um sie zu kümmern, damit wir die Netzwerke zusammenschalten können. Es macht ihnen doch keine Mühe?" Ein bezahlter Ausflug in die USA ... Hmmm. "Nun, das könnte durchaus hilfreich sein, aber es würde Jahre dauern, die Technik in die Staaten zu transportieren." "Oh. Wir lassen sie in der Business-Class fliegen, da können sie es als Gepäck mitnehmen." meint er. "Ich glaube nicht, dass damit die GESAMTE Ausrüstung zur Netzwerkanalyse abgedeckt wäre ..." "Gut, ich nehme an, dass wir sie auch in der ersten Klasse unterbringen können!" ruft er schliesslich mimosenhaft ... Und so kommt es, dass der PJ und ich zwei Tage und viele, viele Drinks in der ersten Klasse später in der Ausnüchterungszelle auf dem Flughafen landen. Offenbar haben die Zöllbeamten etwas gegen betrunkene Besucher, besonders dann, wenn man den 'andere Bräuche'-Witz zu oft macht. Zu unserem Glück kümmert sich unser Mutterkonzern um die Sache und schafft es, uns aus der Haft herauszuholen. Nach einer erholsamen Nacht treffen wir unseren 'Reiseführer' - dem Äquivalent zu unserem Chef. Er gibt uns einen kurzen Überblick über ihre Tätigkeiten, stellt uns den System- und Netzwerkbetreuern vor und zieht sich dann hastig zurück. Wir schauen uns die Technik an und müssen gestehen, dass wir sehr beeindruckt sind. "Wirklich sehr gut", wende ich mich an meinen amerikanischen Kollegen, als wir ihre Sammlung neuester Technik bewundern. "Nun, wir wollen eben mit der Zeit gehen. Ganz nebenbei, ziemlich viel von der alten Technik wurde zerstört, als wir in den zweiten Stock umziehen mussten." "Zerstört?" frage ich und wittere einen Profi. "Ja, wir wissen noch immer nicht genau, weshalb die Fahrstuhltüren geöffnet waren, obwohl der Aufzug gar nicht da war ..." "Ah." nicke ich wissen. "Und der vollgepackte Wagen mit der Technik plumpste in den Schacht?" "DREI vollgepackte Wagen - unglücklicherweise hatte ich die Ohrenschützer aufgesetzt, die wir im gekühlten Serverraum tragen müssen, so dass ich die Geräusche beim Aufprall nicht hören konnte." "Wie bedauerlich", seufze ich vielsagend. "Nicht so bedauerlich wie das Misstrauen des Chefs gegen uns, der seine Zimmerpflanzen lieber selbst zum Aufzug brachte." "Wo er sie fallen liess?" frage ich grinsend. "Nein, eigentlich hat er sie bei seinem gesamten Sturz nach unten festgehalten. Wissen sie, die Sanitäter haben die Pflanzen dann bei ihren Rettungsversuchen zertrampelt." Eine Woche später werden der PJ und ich aus der Ausnüchterungszelle auf dem Londoner Flughafen herausgeholt (eine ungenutzte Gelegenheit ist eine für immer verlorene Chance), um am nächsten Tag den Chef und den Geschäftsführer zu informieren. "Ihre Technik ist unserer um Jahre voraus! Wir brauchen unbedingt eine teure Aufrüstung! Hinzu kommt noch, dass unser Netzwerk Geschwindigkeitsprobleme hat, weil die Leitungen zur Satellitenschüssel für die Datenübertragung zu lang sind. Wir müssen mindestens zwei Stockwerke nach oben ziehen, damit wir die Entfernung und die Wartezeiten verringern können. Ich schlage vor, dass wir mit dem Umzug beginnen, nachdem wir die Bestellung der neuen Technik mit den Amerikanern organisiert haben, damit wir kompatibel bleiben ..." In der Zwischenzeit präsentiert auf der anderen Seite des grossen Teiches mein Gegenstück seine Kompatibilitätsvorschläge ... "Ihre Technik ist unserer um Jahre voraus ..." Ein paar Tage später bekomme ich den Scheck aus den USA, um kompatible Technik zu besorgen ... Meine Gedanken, was ich mit dem Geld am besten anstellen könnte, werden nur durch den Krach gestört, den ein vollgepackter Rollwagen nach seinem Aufprall verursacht. Darum hat sich der PJ gekümmert ... Und es ist doch wirklich ein netter Zug unseres Chefs, sich selbst um den Umzug seiner geliebten und ausgezeichneten Kakteen zu kümmern ... [[Das Übersetzen der Ausreden von Ingenieuren in die Umgangssprache ist eine schwierige Aufgabe - aber nichts ist zu schwierig für die Bastard-Bibel ....]] Ich bin dabei, Hand an die Bastard-Bibel, oder - wie der PJ und ich das Werk nennen - an 'Alles, was unsere Nutzer über die Systeme und das Netzwerk wissen wollen, aber Angst haben, danach zu fragen, da sie keine Lust haben, ein Wochenende in einer chemischen Toilette eingesperrt zu werden' zu legen. Der PJ marschiert nach draussen, nachdem er einen Hardwareschaden in einem der alten RAID-Rechner festgestellt hat, der ohnehin schon dem Ende seines Lebens verdächtig nahe ist. Er bemerkt meine mitleidigen Blicke, so dass er sich an mich wendet: "Sie mögen Wartungs-Ingenieure nicht besonders, oder?" "Nicht im geringsten. Diese Arbeit ist so mies bezahlt, dass die Guten sich frühzeitig selbständig machen, während all die anderen Versager - oder Neulinge - zu uns geschickt werden, um sich um unsere Technik zu kümmern." "Ganz so schlimm ist es nicht", meint der PJ kopfschüttelnd. "Immerhin machen sie ja ihre Arbeit." "Wir werden sehen." Ich will seine Hoffnungen nicht unsinnig steigern, da ich weiss, dass unsere Wartungsfirma zur Kosteneinsparung in geradezu religiösem Eifer darauf beharrt, dass die Fehler durch unsere Programme hervorgerufen werden und nicht durch ihre Technik. Und wenn das fehlschlägt, dann versuchen sie, die Technik bei uns mit unserer Ausrüstung zu reparieren, um zu verstecken, dass sie gar keine eigene Werkstatt haben, was kein Wunder ist, da es sich um eine Firma handelt, die im Hinterzimmer eines Autohändlers sitzt. Erwartungsgemäss erscheint der Wartungs-Ingenieur genau um 11:58 Uhr, um sich den Massen anzuschliessen, die zum Mittagessen in die Kantine marschieren. Er will sich unter den Rest der Abteilung mischen, um sich ein kostenloses Essen zu erschnorren. Wie das Unternehmen - so seine Mitarbeiter. Nach dem Mittagessen lassen wir ihn in den Rechnerraum, um zu sehen, ob er weiss, was er tut. Er spielt ein wenig mit den Schaltern der RAID-Einheit herum, um zu sehen, ob das Lämpchen verlischt, das den Festplattenfehler anzeigt. Als das nichts bringt, erfreut er uns mit seiner sorgfältig durchdachten Analyse: Vielleicht könnte die Festplatte defekt sein? "Hmmm, das ist aber interessant", sagt er, während ich den Blick des PJ auf den entsprechenden Eintrag in der Sektion für 'Ingenieurssprache' in der Bastard-Bibel lenke: "Ich habe keine Ahnung, wo der Fehler liegt." "Also hat die Festplatte einen Defekt?" frage ich. "Könnte sein, aber ich muss mein Diagnosewerkzeug aus dem Auto holen." Der PJ findet die Übersetzung selbst: "Ich muss xxx aus dem Auto holen" wird übersetzt mit "Ich muss mich in mein Büro davonschleichen und hoffen, dass die Anrufe an einen anderen Ingenieur weitergeleitet werden." "Oh, wir haben das Werkzeug hier!" rufe ich und versetze ihn in Angst und Schrecken. "Oh ... grossartig." Jetzt ist er gefangen. Er muss das Gehäuse öffnen und im Inneren herumstochern, da wir sonst wissen, dass er keine Ahnung hat. Ich gebe ihm einen Hinweis, indem ich auf die falsche Festplatte deute. "Ich denke, sie müssen diese Platte austauschen." "Das ist denkbar", antwortet er und vermeidet es noch immer, sich festzulegen. "Aber ich muss das erst einmal überprüfen." Als ich ihn verlasse, bereitet er das Gehäuse mit einem Hammer auf den Austausch vor. Eine Minute später erscheint er in unserem Büro. "Haben sie einen grösseren Hammer?" An diesem Punkt fühle ich mich, und sei es auch nur, um meinen Verstand unter Beweis zu stellen, gezwungen, ihn auf die kleinen Halterungen hinzuweisen, die das Herausfallen der Festplatte verhindern sollen. Er reisst das Laufwerk aus dem Gehäuse und bringt es in unser Büro, um es zu testen. "Ja, es ist, wie ich vermutet habe. Eine Lötstelle auf dem Logikschaltkreis ist trocken. Ich muss das einfach mit etwas Lötzinn reparieren." "Ich bin dabei, ihre Technik zu ruinieren." liest der PJ vor. "Wie bitte?" "Nichts", antwortet der PJ und schliesst die Übersetzungstabelle, bevor der Ingenieur einen Blick auf sie werfen kann. "Ich rede mit mir selbst." Der Ingenieur schliesst unseren Lötkolben an, der sich prompt durch das Mauspad, auf dem er liegt, hindurchfrisst. "In einem Augenblick ist die Platte wieder einsatzbereit." verkündet er fröhlich. "Das wird ein verdammt teurer Briefbeschwerer", übersetzt der PJ. "Wie bitte?" "Nichts - ich rede mit mir selbst." Bevor sich der Lötkolben vollständig durch das Mauspad bis zur Tischplatte hindurcharbeiten kann, entschliesse ich mich zum Eingreifen. "Sollten sie das nicht im Computerraum machen, um mögliche thermische Expansions- oder Kontraktionsprobleme auszuschliessen?" frage ich. >>DUMMY MODE EIN<< "Hmmm .... Ja ... ich bin gerade dabei. Ich wollte nur sichergehen, dass der Lötkolben funktioniert." Er wandert hinüber in den Rechnerraum, um eine Minute später wieder bei uns zu sein. "Haben sie etwas Lötzinn? Ich habe mein eigenes wohl im Wagen vergessen." "Aber natürlich", antwortet der PJ und reicht ihm etwas aus unserem Vorrat. "Warten sie!" rufe ich. "Nehmen sie lieber das Lötzinn mit dem Flux-Kern, der als Beschleuniger für den Haftvorgang wirkt." >>DUMMY MODE UNWIDERRUFLICH EIN<< Ich gebe ihm etwas von dem Zeug, das sich eher für Heizungsrohre als für Elektronik eignet, und bringe den Ingenieur zum Lächeln. "Sehr gut, ich wollte sie gerade nach dem Beschleuniger fragen." Fröhlich zieht er in den Rechnerraum. "Warum haben sie ihm diesen Schrott gegeben?" will der PJ wissen. "Das Zeug kann man kaum benutzen und es entwickelt unheimlich viel Ra ...." Seine Frage wird beantwortet, als der Feueralarm im Computerraum ausgelöst wird. Wir beobachten eine Weile, wie der Ingenieur an dem Schalter für die Löschgaszufuhr herummacht, den ein echter Bastard mit Klebstoff so behandelt hat, dass sich die Löschgaszufuhr nicht abschalten lässt. Natürlich befreien wir ihn, bevor er umkippt. Im letzten Moment ... Nun, ich bin eben ein Weichei ... [[Als der Chef und der PJ unter einem akuten 'Computer-Abkürzungsfimmel' leiden, wird es Zeit für den B.O.F.H., sich einzumischen und einen Besuch in der Harley-Street zu empfehlen ...]] "... also denke ich, dass ihr Vorschlag, ein ATM-Netzwerk als Backup des FDDI-Backbones ASAP einzurichten, nicht ganz angemessen ist", erklärt mir der Chef. "Wie bitte?" frage ich und fühle mich, als sei ich in einer an meinen Arbeitsplatz angepassten Version von 'Twilight Zone' gelandet. "Ich habe ihre FYI über die TCP/IP-Verzögerungen in der vergangenen Nacht gelesen. Ich glaube, wir sollten das Problem PQD lösen!" "Das sehe ich", antworte ich, wobei mir langsam dämmert, was geschehen ist. Schneller als der Wind eile ich aus dem Büro des Chefs und wecke den PJ in unserem Büro. "Was ist los?" will er wissen. "Es ist furchtbar!" antworte ich zutiefst besorgt. "Ich glaube, der Chef leidet unter einem schrecklichen Abkürzungsfimmel ... Diese Krankheit tritt dann auf, wenn jemand seine Ahnungslosigkeit in technischen Angelegenheiten ..." "... durch die übermässige Verwendung von Abkürzungen zu verstecken versucht ... Meistens sind Manager und Verkäufer davon betroffen, da sie meinen, sich damit den Schein von Kompetenz geben zu können." Unterbricht mich der PJ und trifft die richtigen Schlussfolgerungen. "Ich habe ihren Artikel darüber gestern während der Mittagszeit in einer Newsgroup gelesen." "Sie lesen die Newsgroups in ihrer Pause?" frage ich besorgt. "Nun, ja", antwortet der PJ schuldbewusst. "Aber das tat ich nur nebenbei, als ich darauf wartete, dass ein Bild vollständig geladen wird." "Pornographie?" frage ich zustimmend. "Hm ... nein, es ging um ein Foto vom Layout des Motherboards des neuen Pentium-Pro-Laptops ... es ist wirklich alles ziemlich klein darauf ..." "Verdammt! Sie sind noch schlimmer als der Chef! Sie sind vom Computer abhängig!" "Nein, das bin ich nicht!" ruft er. "Das sind sie wohl! Oder lesen sie etwa keine Computer-Magazine, wenn sie zu Hause sind?" "Nein ..." "Lügen sie mich nicht an!" "Nun, vielleicht ein paar, aber es ist keine Sucht. Ich kann jederzeit damit aufhören." "Natürlich, denn sie lesen sie nur oberflächlich, richtig?" "Es sind nur ein paar Magazine! Was ist daran so schlimm?" "Also hätten sie nichts dagegen, wenn ich ihr Bild und ihren Namen den Zeitschriftenhändlern mitteilen würde, damit sie ihnen diese Magazine nicht mehr verkaufen?" "Oh ... nein." schluckt er. "Sie besitzen einen privaten PC, oder?" "Was wäre wenn? Es ist nur ein alter 486er, den ich auf den Müll werfen sollte. Ich dachte, das wäre Verschwendung, also ...." "Also stellten sie ihn bei sich auf! Ich habe sie doch über die Gefahren der Arbeit mit Computern belehrt! In der einen Minute sind sie ein hochbezahlter Spezialist, in der anderen ein ahnungsloser Geek, der Werbeanzeigen nach günstigen Anoraks absucht. Sie müssen wissen, wann es Zeit zum Abschalten ist." "Wann ist das?" "Am besten zehn Minuten, nachdem sie am Arbeitsplatz erschienen sind, doch in ihrem Fall sind härtere Massnahmen notwendig!" "So schlimm ist es doch auch nicht!" ruft er ängstlich. "Nicht so schlimm? Ich habe das schon hundertmal gesehen! An dem einen Tag arbeiten sie mit einem normalen menschlichen Wesen und am anderen sitzt ihnen R2D2 gegenüber, der darüber redet, wie man Linux auf den Computer im Auto portieren könnte!" "Das ist doch albern. Linux würde niemals in den Arbeitsspeicher passen. Man müsste ein paar SIMMs hineinstecken und jemanden finden, der den Kernel neu compiliert ...." "Sehen sie jetzt, was ich meine?" frage ich. "Was soll ich tun?" "Nun, in solchen Fällen empfehle ich den Kollegen immer, die betreffende Person zur Harley-Street zu begleiten." "Gibt es dort einen Spezialisten?" "Nein, aber der Verkehr dort ist mörderisch. Im besten Wortsinne. Wenn man den Geplagten anschubst ... Das ist der einzige Ausweg, fürchte ich ..." "Aber es muss doch einen anderen Weg geben!!" schnieft er. "Nun, es gäbe noch kalten Truthahn." "Sie meinen, ich soll keine Computer mehr anfassen?!?!?" "Nein, ich meine wirklich kalten Truthahn - er wird heute in der Cafeteria serviert und ich habe in der Nacht mit den Kühlschrankeinstellungen gespielt. Am Morgen wird man sie so hochkantig hinauswerfen, dass sie es niemals mehr riskieren werden, in die Nähe elektrischer Geräte zu kommen!" "Kann ich nicht einfach ... mich selbst auf Entzug setzen?" "Sie meinen, ein Buch lesen, das beinahe so gefährlich ist - zum Beispiel ein Reisejournal - als eine Art 'Computer-Methadon'?" "Ja!" "Nun, das könnte man versuchen. Aber sie müssen von diesen Magazinen und den Maschinen wegkommen." "In Ordnung. Aber haben sie nicht auch einen Computer in ihrer Wohnung?" "Sie meinen den, den ich brauche, um mich auf Arbeit einzuwählen?" "Ja." "Den brandaktuellen Pentium Pro II mit allen Schikanen?" "Ja!" ruft der PJ, der einen 'Zuckerbrot und Peitsche'-Ausweg zu sehen scheint. "Den habe ich gegen eine neue Stereoanlage getauscht." "Aber was ist, wenn sie in der Nacht angerufen werden?" "Auf dem Apparat, den ich abgeklemmt habe?" erwidere ich. "Ah." "Richtig, ich glaube, sie haben es begriffen! Nun, ich denke, sie brauchen ein paar Wochen Urlaub." "Wie freundlich", seufzt der PJ. "Aber wo soll ich denn hinfahren?" "In eine Gegend, in der man nichts von Computern versteht ... wo man RAM-Chips nicht von Kartoffelchips unterscheiden kann!" "Aber ich will Microsoft nicht besuchen!" wimmert er. Unsere Konversation wird vom Chef unterbrochen, der mit einem blutenden Finger hereinkommt. "Ich habe meinen Finger gerade an der BT-Vermittlungsanlage geschnitten. Glauben sie, dass ich eine Tetanusspritze brauche?" "Hmmm ..." erwidere ich. "Warum lassen sie sich vom PJ nicht zu einem Platz in der Nähe der Harley-Street begleiten. Sie können in wenigen Augenblicken dort sein ..." Genau das ist mein Problem - ich kümmere mich zu sehr um das Wohlbefinden der Leute .... [[Der PJ zeigt besorgniserregende Zeichen von Computer-Fanatismus - eine Brille mit dicken Gläsern und einen spriessenden Bart - kann er gerettet werden ...]] Es ist eine ziemlich hektische Zeit. Der Chef ist im Erholungsurlaub - offenbar ist er in der vergangenen Woche auf die Harley-Street gestolpert, als der PJ ihn zu einem Spezialisten bringen wollte. Aber irgendwie hat er es noch geschafft, sich auf die einzige Verkehrsinsel zu retten, nachdem er von ein paar Autos 'angerempelt' wurde ... Nun, Glück im Unglück .... Der PJ ist vorgeblich ebenfalls im Urlaub - aber in Wirklichkeit hatte er einen Rückfall. Anscheinend hat er sich in einem Internet-Café mit 10 Kisten voller Mars-Riegel, drei Kisten Coke und einem Exemplar von Steven's 'Netzwerk-Programmierung unter Unix' verbarrikadiert. Als sie es schliesslich schafften, sich zu ihm durchzukämpfen, trug er dicke Brillengläser und einen spriessenden Bart. Der Seelenklempner hat ihm für ein paar Tage computerfreie Bettruhe verordnet, die vervollständigt wird durch verdächtig hohe Dosen eines Beruhigungsmittels, um ihm den Teufel auszutreiben. Und, als hätte ich es nicht geahnt, immer dann, wenn nicht genügend Arbeitskräfte da sind, schaffen es ein paar Anrufer zu mir durchzudringen - zwei am ersten und drei am zweiten Tag. Ich vermute, dass die Nutzerbetreuung dafür verantwortlich ist, denn der Chef ist ja nicht da, um Öl ins Feuer zu giessen ... Seufz. "Hallo?" "Hallo, System- und Netzwerkbetreuung." "Mein Computer gibt komische Schleifgeräusche von sich. Sie scheinen von dort zu kommen, wo das Netzkabel angeschlossen ist." Hm, was würde Lassie wohl tun? "In der Nähe des Lüfters?" "Ja, ich vermute, dass es von dort kommt, aber ich weiss es nicht genau." "Nun, dann nehmen sie einen Stift und schieben ihn in einen der Lüfterschlitze." >KRACH< "Sehen sie!" "Interessant! Jetzt ist es still. Wo ich sie gerade am Telefon habe - manchmal startet mein PC mit Speicherfehlern, und der Techniker meint, dass es ein Problem mit der Halterung der SIMMs geben könnte. Kann das stimmen?" "Ja", gluckse ich. "Natürlich. Das ist eine der bekanntesten Ursachen für Speicherfehler. Wir hatten schon ein paar davon in dieser Woche. Wegen ..." >BLÄTTERBLÄTTER< Ich liebe den Ausredenkalender .... >>DUMMY MODE EIN<< "Oh. Was kann man da machen?" "Nun, sie können natürlich auf den Techniker warten, aber wenn sie es eilig haben, könnte ich ihnen eine andere Lösung empfehlen." "Ja. Wie geht das?" "Sie wissen doch, wie die Speicherchips aussehen?" "Die langen schmalen Streifen, die in das Motherboard gesteckt werden?" "Ja, genau. Ziehen sie sie heraus. Und machen sie sich keine Sorgen, wenn dabei die Plastikhalter kaputtgehen, die dienen ohnehin nur zu Transportzwecken." "Hmm .... Gemacht." "Und jetzt wickeln sie die Chips in Silberfolie ein, um mögliche Kapazitätsunterschiede auszugleichen ... Und dann stecken sie die Chips wieder in das Motherboard." "In Ordnung ..." "Dann schalten sie den Rechner wieder ein und lassen ihn über die Nacht laufen." "Wird gemacht ..." "Oh, und vergessen sie nicht den Stift." "In Ordnung. Danke." "Keine Ursache." Als ich am nächsten Tag zur Arbeit kommen, klingelt schon das Telefon. "Hallo?" Die Stimme am anderen Ende beginnt, über ein Feuer, die Gesundheit und die Sicherheit am Arbeitsplatz zu plappern, doch meine Aufmerksamkeit wird durch die Rückkehr des PJ abgelenkt. Die Behandlung war offenbar erfolgreich, wenn man seine Interessenlosigkeit gegenüber seiner Umgebung betrachtet. In der Zwischenzeit hat die Stimme am Telefon aufgehört zu reden, so dass ich mit einem: "Ich kümmere mich darum!" antworten kann und auflege. Um den PJ wieder für die Arbeit zu begeistern, lasse ich ihn fünf doppelte Espressos trinken, begleite ihn nach unten in den Pub und mache ihn mit ein paar Bierchen und Kebab scharf. Geschafft! Ich setze ihn auf den heissen Stuhl und gebe ihm den Telefonhörer. "Hallo?" antwortet er auf den ersten Anruf, der ihn erreicht. Dem Geschrei nach zu urteilen, ist mein Anrufer vom Morgen am anderen Ende, der offensichtlich verärgert über die vierstündige Teepause ist, die ich ihm verschafft habe. "Ja." antwortet der PJ. "Wir waren unterwegs, um uns um die Auswirkungen der ..." >BLÄTTERBLÄTTER< Klingt nach einer erfolgreichen Therapie! "Wir hatten deshalb einige Schwierigkeiten. Die Drucker haben nicht gedruckt, Dateien verschwanden von den Festplatten ... Oh, bei ihnen auch? Dann sind sie wohl auch betroffen ... Hmm, ich weiss nicht recht, ob ich sie auf den Techniker warten lassen soll oder, warten sie, vielleicht können sie sich auch selbst darum kümmern ... Schalten sie den Rechner erst einmal ab. Gut, und jetzt öffnen sie das Gehäuse. Um die entropischen Interferenzen zu beseitigen, müssen sie nun einfach ... Keine Ursache, ich helfe doch gern." "Lust auf ein Bier?" fragt der PJ hoffnungsvoll und greift sich seinen Mantel. "Wir haben nur noch 15 Minuten bis zum Feueralarm ..." In der Sprache der Systembetreuer würde man wohl sagen, dass wir ein Dialogfenster der Hoffnung sahen und draufgeklickt haben ... [[Der B.O.F.H. erklärt seine neue 'Manager-Gedächtnis-Theorie' dem PJ, der ihr skeptisch folgt - bis der Chef hereinkommt ...]] "Also, wer sollte doch gleich überflüssig werden?" fragt der Chef und bricht damit die Stille nach meiner Präsentation. Es ist ruhig in dem Raum, während der Chef und der Rest des mittleren Managements auf die Antwort auf diese schwierige Frage warten. "Niemand wird überflüssig", schäume ich leicht verärgert. "Ich habe über unsere Technik gesprochen, über Router und Switches. Ich möchte einen Router durch zwei Switches ersetzen, so dass beim Ausfall eines Switches der andere in Aktion tritt, der dann dessen Kernaufgaben übernehmen kann." "Zwei Switches, die die gleiche Sache erledigen." sagt der Chef. "Ja, die gleichen Kernaufgaben." "Wie zwei Lichtschalter an den entgegengesetzten Enden eines Ganges?" "In etwa, ja." "Wenn also der eine eingeschaltet ist, muss der andere abgeschaltet sein, damit das Licht brennt?" Seufz. Als wir später in unserem Büro sind, erkläre ich dem PJ meine Theorie von der Leistungsfähigkeit eines Manager-Verstandes, da er keine Ahnung zu haben scheint, wieso die Präsentation so schnell an Niveau verlor. "Manager sind von ihrem Kurzzeitgedächtnis abhängig." beginne ich. "Die erste Regel besagt, dass es gerade ausreicht, um zwei technische Fachbegriffe zu speichern. Erwähnen sie einen technischen Ausdruck und sie werden ihn speichern. Nennen sie einen weiteren, landet er ebenfalls im mentalen Speicher, doch beim nächsten Begriff kommt es zum Speicherüberlauf und einem Neustart. Deshalb denken sie immer daran, was sie nach der Arbeit machen können, wie weh ihnen ihr Hintern tut oder ob die Bluse der Marketingassistentin wohl durchsichtig sein wird und so weiter." "Doch dann müsste ihr Gehirn doch ständig Neustarts durchführen." sagt der PJ. "Ich glaube nicht. Regel 1 Abschnitt B befasst sich mit Speicherverlusten. Technische Begriffe verschwinden aus dem Gedächtnis mit der Geschwindigkeit von etwa einem Begriff pro Satz." "Oh." "Die zweite Regel besagt, dass der verfügbare Platz für einen technischen Ausdruck begrenzt ist - er ist jämmerlich klein. Deshalb werden die Fachausdrücke komprimiert, damit sie in den Speicher passen. Ich sage 'Diskettenzugriffs-Such-Latenz' und sie hören 'Disketten-Latex', 'Suche Latex' oder ähnliches." "Also wollen sie damit sagen, dass sie von ihrer Präsentation nicht viel verstanden haben? So dumm können die Manager doch aber auch nicht sein." kommentiert der PJ. Oh, diese Unschuld ... "Womit wir bei der dritten Regel wären", erwidere ich. "Nach dem Neustart des Verstandes ist der Speicher nicht leer, was bedeutet, dass sich Fragmente völlig zufällig miteinander verbinden, was dann zu 'Suche eine durchsichtige Latexbluse' führen kann." "Aha." erwidert der PJ, der mir noch nicht ganz glaubt. Ich glaube, er braucht einen Beweis meiner Theorie ... "Nun, wenden sie meine Regeln auf die folgenden Sätze an. Nehmen sie ein Blatt Papier als Manager-Verstand." "In Ordnung." akzeptiert der PJ die Herausforderung. "Ich glaube, wir brauchen redundante Switches ..." Sorgfältig schreibt der PJ 'redundante Switches' auf sein Blatt. "Sie haben die zweite Regel vergessen", erinnere ich ihn. Der verbessert sich: 'Rede über Swatch'. "... die wir dynamisch routen können ..." Der PJ schreibt: 'Dynamo-Route'. "... was uns erlauben würde, multi-home ..." 'Mein Hintern tut weh' schreibt der PJ und streicht alles andere durch. "Korrekt", kommentiere ich. "Und was bleibt nach dem Neustart davon übrig?" "Ich brauche eine Swatch für den Mann mit dem Root-Passwort." "Klingt vernünftig, wenn sie mich fragen." "Das ist doch Unfug!" plappert der PJ, um vom Chef unterbrochen zu werden, der seinen Kopf durch die Tür steckt und hereinkommt. "Tut ihr Hintern auch weh?" fragt er, als er die Notizen des PJs sieht. "Meiner hat während der ganzen Präsentation geschmerzt. Ach so, wer von ihnen brauchte die neue Uhr?" Triumphierend lächle ich den PJ an. "Das bin ich", sage ich und grabsche mir ein neues Schmuckstück für mein Handgelenk. "Wofür brauchten sie die Uhr doch gleich?" "Oh, ich benutze sie, um die Leistungsfähigkeit des L2-Caches auf den neuen symmetrischen Multiprozessor-Maschinen zu testen." >NEUSTART< Wenn der Chef eine Anzeigemöglichkeit hätte, würde ich jetzt gern einen Test seines Gedächtnisinhaltes vornehmen ... "Wie war das?" fragt er. "Ich sagte nur, dass ich einen Dual-Port-PC brauche, um die Lempel-Ziv-Komprimierung durchzuführen - anscheinend ein neuer Algorithmus." >NEUSTART< "Zyklische Redundanzprüfung! Elektrisch löschbare EPROMs! Voraussschauende Lesezugriffe!" sage ich schnell, bevor der Chef sich wieder sammeln kann. Jetzt hat er einen seltsam entrückten Ausdruck in seinen Augen. "Was ist passiert?" fragt der PJ und fuchtelt mit seinen Händen vor dem Gesicht des Chefs herum. "Oh, davon habe ich auch schon gehört", antworte ich. "Er ist im Neustart-Modus steckengeblieben. Ich glaube, wir müssen ihm helfen." "Und wie sollen wir das machen?" Der PJ sieht besorgt aus. "Oh, das ist einfach. Geben sie ihm einen Tritt ..." "Das kann ich nicht", jammert der PJ. "Das oder er wird den ganzen Tag lang so vor ihrem Tisch stehen ..." Widerwillig verpasst der PJ dem Chef einen Tritt in den verlängerten Rücken. Der Chef geht zu Boden. "Was ist passiert?" ruft er, als er wieder auf die Füsse kommt. "Sie sind gerade ohnmächtig geworden und auf die Ecke des Tisches gefallen. Und dabei haben sie den Schluss meiner Darlegungen über den Einsatz einer Level 5-RAID-Maschine verpasst, die alle Daten speichern und sie dann als Data Warehouse über eine SQL-Datenbank mit den entsprechenden Frontends auf den PCs verfügbar machen kann." Stille ... "Ich glaube, er braucht einen weiteren Neustart." Und ich nehme ein paar Schritte Anlauf ... [[Die Rechnung für die LAGER sollte keine Probleme bereiten, doch ein verräterischer Erbsenzähler veranstaltet eine Rechnungsprüfung ...]] Man sollte es nicht glauben, aber ich habe nun schon zehnmal in diesem Monat Toner in einem unserer 44 Zoll-Drucker nachgefüllt! Und das GEHT MIR WIRKLICH AUF DIE NERVEN! Da es sich dabei immer um die rote Farbe handelt, kann dies nur eins bedeuten - jemand tapeziert sein Schlafzimmer mit Pornobildchen. Natürlich ist es nicht schwer, den Schuldigen zu finden, wenn ich mir in den Protokolldateien anschaue, wer wann Druckaufträge losgeschickt hat. Allerdings reicht allein die Tatsache, dass jemand einen geradezu besorgniserregenden Verbrauch roter Farbe verursacht, noch nicht aus, ihn zu erpressen. Bis auf diesen Heimlichtuer aus der Design-Abteilung, der seine Zwergenfetisch-Bilder NIEMALS am Tag ausdruckt. Und wer nur nachts den Drucker benutzt, kann einfach nicht mit meinem Verständnis rechnen. Und so sieht die Netzwerk-Lager-Kasse, LZ9030-NSAXBK-002 ("Laufende Zuwendungen, Kostenstelle 9030, Nicht-Standard-Ausgaben, Beschaffung, Konto 2") in der Sprache der Erbsenzähler, in dieser Woche besonders gesund aus. Es ist einfacher, erpresstes Geld durch das System der Buchhaltung zu transferieren - das Opfer wehrt sich auch nicht so heftig, wenn es nicht um sein persönliches Geld, sondern das der Abteilung geht ... Ja, die Lager-Kasse sieht so gesund aus, dass es Zeit wird, für den nächsten Freitag 'Ausrüstung einzukaufen', damit die Erbsenzähler nicht auf das Konto aufmerksam werden ... Eine Rechnung trudelt ein, und ich gehe mit ihr zum Chef, um sie von ihm unterschreiben zu lassen, da der PJ gerade nicht da ist. "Wofür ist diese Rechnung?" "Ach, das ist die Rechnung für eine neue ... Licensing Attribute Geopositional Accounting Receipt-Software - LAGER, um es kurz zu sagen." >KLICK< "Ein neues System. Gute Sache. Hier haben sie die Unterschrift. Oh, warten sie ... sind sie sicher, dass diese Zahl stimmt? Nur 270 Pfund?" Die Aussicht auf hundert weitere Biere für den versammelten Bastard-Club stimmt mich froh, und um jeden Verdacht abzuwenden, entschliesse ich mich, die geistigen Anstrengungen des Chefs zu erleichtern. "ZWEIhundertsiebzig Pfund!?!" schreie ich auf. "Mein Irrtum - das sollte FÜNFhundertsiebzig Pfund heissen." Ich nehme mir vor, ein Taxi für die Heimfahrt zu bestellen, bevor ich in die Kneipe gehe, da ich vermutlich nicht in der Lage sein werde, mein Handy zu bedienen, nachdem ich meinen Anteil der 'Software' getrunken habe. Ich schicke die Rechnung an die Erbsenzähler und rufe meine B.O.F.H.-Freunde an. Doch irgendein unerfahrener und junger Erbsenzähler will mehr zu der Rechnung wissen, da 'Blue Posts' nicht zu unseren normalen Softwarelieferanten gehört. Das an sich ist nicht das Problem, da ich vor Jahren ohnehin die meisten Programme, die wir eingekauft haben, über eine Kneipe bestellte und liefern liess. Das wirkliche Problem besteht darin, dass ein anderer verräterischer Erbsenzähler, der mir einige Gefallen für das Verschwindenlassen eines Videos, das ihn und eine junge Sekretärin zeigte, schuldet, angeordnet hat, dass das Lager-Konto überprüft wird. Beunruhigend daran ist, dass er einen externen Berater zu diesem Zweck angestellt hat, der uns überprüfen soll ... Ich rufe den PJ an und informiere ihn. Er taucht unter und trifft sich beim Mittagessen mit einem Freund, der daraufhin einen anonymen Drohanruf tätigt. Und wo er schon dabei ist, bestellt er für uns auch eine Pizza, mit der wir die Langeweile während das Tee-Nachmittags bekämpfen können. Die Sicherheitsleute - gelangweilt von der monatelangen Ruhe - reagieren mit Eifer auf den Drohanruf. Türen, die monatelang geöffnet waren, werden geschlossen, die Betriebsausweise werden kontrolliert und Durchsuchungen des Gebäudes organisiert. Alles scheint normal zu sein. Mit Interesse beobachte ich, wie der Chef der Erbsenzähler sich mit einem Anzugträger trifft. Sie nehmen leider nicht den Fahrstuhl, um in die Erbsenzähler-Etage zu gelangen, sondern die Treppe ... Jetzt muss ich nur noch abwarten. Der Transporter der Firma, bei der wir Sicherheitskopien lagern, taucht rechtzeitig auf, und ganz sicher bringt er die Bänder mit den Kopien der Datenbank der Erbsenzähler, die deren eigener Rechnerspezialist nach dem Ausfall von gleich drei Platten seiner RAID-Maschine (Was für ein seltenes Ereignis!) angefordert hat. Die Datenverluste müssen enorm sein - aber das würde natürlich kein Erbsenzähler zugeben. Die Bänder mit den Daten, die von einer misstrauischen Person in der Erbsenzähler-Abteilung angefertigt wurden (was ein Glücksfall ist, da unsere eigenen Bänder unter ungeklärten Umständen bei unserem Partner für die Aufbewahrung der Sicherheitskopien verschwunden sind), werden von den Sicherheitsleuten durchgelassen und über die Treppe nach oben gebracht. Die Lieferung unserer Pizza verursacht eine kleine Aufregung unter den Sicherheitsleuten, doch die Metalldetektoren bleiben stumm, also schicken sie den Lieferanten ebenfalls zu den Erbsenzählern, wo wir sie in Empfang nehmen wollen. "Da stimmt etwas nicht." sagt der Anzugträger zum Chef der Erbsenzähler, als wir uns zu ihnen gesellen. "Die Bänder sind irgendwie in den Laufwerken verklemmt!" "Dann nehmen sie das andere Laufwerk!" ruft der Erbsenzähler und bemerkt uns. "Das habe ich getan - es klemmt!" Verärgert durch die scheinbar vorübergehende Verzögerung schenkt der oberste Erbsenzähler uns seine Aufmerksamkeit. "Was wollen sie denn hier?" "Wir nehmen nur eine Lieferung entgegen." antworte ich, als unsere Pizza gebracht wird. "VERDAMMT!!" schreit der PJ überzeugend. "Das ist ja heiss wie ein Feuer!!" "Oh nein!" seufze ich. "Sagen sie mir nicht, dass der Röntgen-Scanner für Pakete wieder im Einsatz ist! Beim letzten Einsatz dieses Dings haben wir eine ganze Kiste mit .... NEIN, SAGEN SIE NICHT, DASS IHRE BÄNDER DURCH DEN SCANNER GINGEN!" [Später in dieser Woche ...] "UURGGLE MURG HURGRLE", keuche ich. "Natürlich, das ist doch in der Nähe des Sloane Square, oder?" fragt der Taxifahrer und reicht mir einen Eimer nach hinten. "Unnnn!" antworte ich und verabschiede mich in ein durch Lager verursachtes Koma. [[Nichts liebt der B.O.F.H. mehr als eine Vertragsprogrammierer, der noch grün hinter den Ohren ist. Doch zeigt er auch Mitleid mit ihm, als der Chef ihn mit seinen seltsamen Einfällen quält ...]] Genau das ist das Problem, wenn sich IT-Manager treffen - weil sie sich gegenseitig übertrumpfen wollen, verkünden sie voller Begeisterung, dass sie schon Programme benutzen, die die anderen noch gar nicht kennen. Zum Beispiel behauptet unser IT-Chef, dass wir schon im ganzen Unternehmen Software einsetzen, die es jedem Mitarbeiter ermöglicht, am Arbeitsplatz Waren zu bestellen und liefern zu lassen. "Und hier ist ihr künftiger Arbeitsplatz", erklärt der Chef väterlich, als er unser Büro in Begleitung eines Auftragsprogrammierers betritt, den die Vermittlungsagentur nach einer kurzen Anforderung durch den Chef geschickt hat. Offensichtlich soll er das Programm schreiben, über dessen Existenz der Chef gelogen hat. Ich fühle etwas Mitleid mit dem Programmierer (Immerhin musste er den halbstündigen Vortrag des Chefs über die Wunder der Kopiertechnik über sich ergehen lassen - eine Dosis, die im Normalfall fatal wirken kann.), so dass der PJ und ich uns nicht darüber beschweren, dass der Chef unbefugt in unser Territorium eindringt. "Geben sie ihm einen Rechner, mit dem er das Online-Bestellsystem entwickeln kann." "Ein Online-Bestellsystem?" frage ich. "Das könnte schwierig werden - dafür braucht er einen besonderen Rechner." "Gut, dann bestellen sie eben einen. Kommen sie ASAP mit der Bestellung zu mir!" Die nächsten zehn Minuten verbringen der PJ und ich damit, die Bestellung für einen PC zusammenzustellen, der mit allen erdenklichen Zusatzgeräten und Erweiterungen ausgestattet ist. Der Chef unterschreibt die Bestellung ohne mit der Wimper zu zucken, und ich schicke sie als Fax an unseren Zulieferer, der anruft, um die prompte Lieferung anzukündigen. Als der neue Rechner ankommt, installieren der PJ und ich noch ein paar zusätzliche Erweiterungen - mit anderen Worten, wir stehlen alles, was wir brauchen können, und überlassen den umkonfigurierten Rechner dem Programmierer ... Der hat in der Zwischenzeit seine Wandtafel bemalt. "Was bedeuten diese Kästchen?" fragt ihn der PJ. "Nun, sie repräsentieren die drei Lebenszyklus-Phasen von Software - Entwurf, Entwicklung und Pflege." antwortet er begeistert. Er ist so grün ... "Sie haben gerade ihre Ausbildung zum Programmierer abgeschlossen, oder?" frage ich freundlich. "Nun, ich habe etwas Erfahrung mit der Entwicklung von Web-Applikationen." "Aber keine Praxiserfahrung?" "Ich ..." Der PJ und ich seufzen unisono, wobei ich ein paar Pfeile auf die Tafel zeichne. "Der wahre Lebenszyklus eines Programms sieht eher so aus", sage ich. "Design, Implementierung, Rückmeldungen, Implementierung, Rückmeldungen, Implementierung und so weiter bis sie sterben - wenn sie überhaupt jemals bis zur Implementierung und aus der Design-Phase herauskommen." "Und wie reagieren sie darauf?" "Ganz einfach, es gibt nur eine Phase: die Implementation." "Aber es muss doch Rückmeldungen geben." "Die gibt es natürlich. Genau deshalb werden ja die meisten Büros mit Ablagen für Rückmeldungen ausgestattet, die die Reinigungskräfte in der Nacht für sie auffüllen." "Ich weiss nicht recht. Ich denke, ich werde es ordentlich programmieren." "Aber sagen sie nicht, wir hätten sie nicht gewarnt." Einen Tag später hat der arme Trottel noch immer keine Ahnung, was er eigentlich programmieren soll, so dass der PJ und ich ihm raten, die Design-Phase zu überspringen und eine passable Abfrageoberfläche für eine Datenbank mit E-Mail-Funktionalität aus den brauchbarsten Bestandteilen des Web-Systems der Personalabteilung zu programmieren. Er verbringt lange Stunden damit, phantasievolle Funktionen zur Bestandsverwaltung zu programmieren und so weiter ... Nachdem wir ihn sorgfältig auf die Präsentation seiner Arbeit vorbereitet haben, entlassen wir ihn in die Obhut des Chefs. Eine halbe Stunde später kommt er mit einem traurigen Gesichtsausdruck zurück. "Wie ist es gelaufen?" fragt der PJ. "Er hat es nicht einmal ausprobiert. Ich soll nur die Farben der Schaltflächen, die Schriftgrösse etc. ändern." "Das überrascht mich nicht." kommentiere ich. "Also haben sie es geändert?" "Ja, aber dann wollte er noch weitere Farben ausprobieren." "Natürlich. Und andere Schriftarten?" "Ja." "Wie ist es mit dem Firmenlogo? Wollte er auch da Änderungen?" "Ja, er wollte, dass ich es in der Mitte plaziere und nicht linksbündig." "Machen sie sich keine Sorgen", antwortet der PJ. "Morgen wird er verlangen, dass sie das Logo wieder am linken Rand unterbringen. Dann auf der rechten Seite und später wieder in der Mitte ..." "Was soll ich tun?" schnieft er. "Er wollte das Programm nicht einmal in Aktion sehen." "Er hat nur gesagt, dass es in Ordnung ist und hat ihren Vertrag gekündigt?" frage ich wissend. "Ja, so ist es. Ich soll nur die ästhetischen Feinheiten vollenden, und dann läuft mein Vertrag aus." Die demoralisierende Wirkung die davon ausgeht, dass all sein Wissen und Können darauf reduziert wird, Farben und Schriftarten zu ändern, fordert ihren Tribut von dem armen Wicht. "Ja, er hat sich nicht darum gekümmert, was das Programm macht. Hauptsache, es sieht gut aus. Nun, haben sie ihm gesagt, was wir ihnen empfohlen hatten?" "Ja, ich sagte ihm, dass es sich um eine Testversion handelt, die noch nicht verteilt werden kann." "Gut. Das bedeutet, dass er die URL dem IT-Chef bestimmt schon gegeben hat." "Und der wird sie allen anderen Abteilungsleitern gegeben haben." fügt der PJ hinzu. "Aber das Programm ist doch noch nicht fertig." schluchzt er, eindeutig zutiefst erschüttert von dem Gedanken, dass er eine fehlerhafte Software programmiert haben könnte. "Ich will wirklich, dass es gut funktioniert." Ich sehe, dass dies eine Aufgabe für den wahren Profi ist ... Zwei Tage (und 5.000 Rollen Toilettenpapier, die dem Chef und dem IT-Chef geliefert wurden) später sitzt unser begeisterter Programmierer wieder an seinem Projekt. Ich bin mehr als erfreut darüber, dass seine Ablage für Rückmeldungen vollgepackt ist mit Zetteln, auf denen der Chef in Handschrift seine Design-Ideen verewigt hat. Nun, er wird es schon noch schaffen ... [[Nichts lieben der B.O.F.H. und der PJ mehr als die Herausforderung - abgesehen von Gewalt, doch ein hinterhältiger und listiger Plan fordert letztere geradezu heraus ...]] "Hallo, hier ist Sonya, die persönliche Assistentin von David. Ich soll für ihn ein paar Dinge klären, bevor er zurückkommt." "David?" "Ihr Chef." "Ist das sein Name? Er hat keine Assistentin." "Jetzt hat er eine. Er hat gelesen, wie gut ihre Hilfe beim Klären von Dingen ist ..." Ich schalte ab, während sie mir lang und breit die Vorteile persönlicher Assistentinnen erklärt. Immerhin muss ich mit leichter Verwunderung feststellen, dass der Chef seine Management-Magazine während seines Erholungsurlaubs vom Stress am Arbeitsplatz gelesen hat. Es ist schon überraschend, wie manche Leute auf 100 Volt reagieren, die gewissen Körperteilen in ihrem Bürosessel verabreicht werden ... Leider bedeutet die Anwesenheit einer persönlichen Assistentin für uns eine zusätzliche Schwierigkeit, die es zu überwinden gilt, wenn der PJ und ich unseren Plan in die Tat umsetzen wollen, dem Chef etwa dreissig Zentimeter seines Büros zu stehlen, um unser Büro entsprechend zu vergrössern - eigentlich eine leichte Aufgabe, da wir ein paar Bauleute kennen, die uns noch einen Gefallen schulden. Dieses Arschloch von einem Chef! "Wie kann ich ihnen helfen, äh ..." "Sonya", stösst sie hervor, offenbar ein wenig verärgert darüber, dass ihr Name meinem Kurzzeitgedächtnis schon wieder entfallen ist. (Ich nutze bei solchen Sachen nur meinen mentalen Zwischenspeicher, da sie ohnehin bald Geschichte sein wird ...) "Natürlich. Nun, wie kann ich ihnen helfen, äh ...." "SONYA!" stösst sie erneut hervor. "David will, dass ich die Einkäufe überprüfe, für die er die Bestellungen unterzeichnet hat. Er will wissen, ob alles korrekt geliefert wurde." "Das ist schon geschehen, als die Technik geliefert wurde", antworte ich, denn ich habe den Plan des Chefs schon durchschaut. Da er zur Zeit nicht in der Lage ist, herauszufinden, ob der PJ oder ich Technik gestohlen haben, die geliefert wurde, hat er neues Blut darauf angesetzt - jemanden, der noch nicht weiss, wie solche Versuche meistens enden. Ich glaube, sie hat gute Chancen, beim nächsten Besuch des Chefs einigen ihrer Vorgänger zu begegnen. "Er will nur ganz sichergehen, wenn sie also einfach eine Liste mit den Bestellungen ausdrucken könnten ..." "Nun, das würde ich gerne tun, aber unglücklicherweise hat die Festplatte mit der Datenbank schwere Defekte, so dass wir die Daten verloren haben." "Wann soll das passiert sein?" fragt sie. "Vor zehn Minuten habe ich die Datenbank noch benutzt und sie funktionierte - allerdings hatte ich keinen Zugriff auf die Daten der Bestellungen." "In der Tat traten die Fehler tatsächlich gerade jetzt auf", sage ich und reiche dem PJ den Gummihammer, den wir für Festplattenfehler in Notfallsituationen aufbewahren. "Und wie wäre es mit einem Ausdruck aus einer Sicherheitskopie?" fragt sie. "Alle alten Ausdrucke werden aus Sicherheitsgründen nach der Benutzung vernichtet, und im Laufwerk der Bandmaschine, mit der wir die Sicherungsbänder einspielen können, klemmt ein anderes Band." sage ich und reiche dem PJ die Suizid-Kassette (gefüllt mit Klebstoff). "Also gibt es keine Aufzeichnungen?" "Der Chef - David - hat Ausdrucke und die Lieferanten haben ausgedruckte Lieferbestätigungen. Ich bin sicher, sie können sie zusammensammeln - keine leichte Aufgabe, aber sie werden das schon schaffen." Ein Schniefen dringt an mein Ohr, als sie auflegt. "Furchtbares ist geschehen!" ruft der PJ mit gespieltem Entsetzen, als er den Raum betritt. "Natürlich ist es geschehen", antworte ich, da ich gerade ein wenig die Zukunft plane. Aber der Reihe nach. Ich rufe das Netzwerk der privaten Institution an, die sich um das Wohlbefinden des Chefs kümmert und schaffe es beim dritten Versuch, ihr Administrator-Passwort zu erraten ('Freud'). Ich nehme ein paar Veränderungen im Datensatz des Chefs vor, ändere die Einträge in 'Vorfälle in der Vergangenheit' von 'keine' in 'extrem gewaltbereit' und, das ist das wahre Meisterstück, den Eintrag unter 'Rechnung an' vom Namen seiner Privatversicherung in den Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) - was sicherstellt, dass er an ein Metallbett im billigen Erdgeschoss gefesselt wird. Natürlich wird er nach drei Behandlungen mit Stromstössen 'geheilt' entlassen werden, aber was soll's. So entgeht er der teuren Privatbehandlung, denn ich finde heraus, dass ein Volt nicht ein Pfund kostet - der Nationale Gesundheitsdienst geht in diesem Fall wohl bis 10.000 Volt ... Und wo ich gerade dabei bin, ändere ich auch den 'Besuche erlaubt'-Eintrag - er wird die Ruhe brauchen. "Wo liegt das Problem?" will der PJ neugierig wissen. "Ich dachte, wir haben in diesem Vierteljahr keine Ausrüstung gestohlen?" "Haben wir auch nicht, aber eine sorgfältige Durchsicht der Bücher könnte an den Tag bringen, dass wir für einige Geräte zweifach bezahlt haben - einmal durch unsere Abteilung und einmal durch die Abteilung, für die die Technik bestimmt war. Das war, als sie die Kostenstellen neu verteilt haben und niemand genau wusste, wer für welche Technik bezahlt hat ..." "Also haben sie das Geld genommen?" "Nein, nein - das hätte nur die Aufmerksamkeit auf uns gelenkt. Nein, ich habe die doppelte Anzahl der Geräte bekommen und die überzähligen dazu genutzt, die Ausrüstung in der Datenverarbeitung zu aktualisieren." "Die Datenverarbeitung, in der nur Frauen arbeiten? Die ihnen die Geburtstagsgrüsse und den Kuchen geschickt haben?" "Könnte sein ..." "Mit der Einladung zu einem Geburtstagsumtrunk?" "Ja, das könnte sein. Ich glaube, da war etwas ..." "Der Tag, an dem sie verspätet mit einem Taxi zur Arbeit kamen, in dem auch einige der erwähnten Frauen sassen?" "Ja, ja. So war es! Und was ist schlimm daran?" "Oh, nichts." murmelt der PJ und marschiert nach draussen. Und wer erscheint wohl am nächsten Tag wieder bei uns? Der Chef! Gemessen an seinen glasigen Augen hat er die dem NHS-Budget entsprechende Dosis Elektrizität abbekommen, was bedeutet, dass er gar nicht so verrückt ist, wie alle anderen immer behaupten. Er ist, wie das Schicksal so spielt, in Signierlaune - wenn man seine Hand und seinen Arm hält und ihm den Stift wegnimmt, bevor er darauf herumkauen kann. Also schreiben wir seiner persönlichen Assistentin eine hübsche Beurteilung und geben ihr noch zwei Wochen. Für die Datenverarbeitung bestellen wir gleich noch eine ganze Ladung gasgefederter Bürosessel, denn schliesslich hat der PJ bald Geburtstag ... Soweit so gut, ich schliesse den Stuhl des Chefs wieder an die Spannungsversorgung an ... [[Das Ziel des Spieles ist es, den Chef zu treffen, doch der pariert, indem er die neue Frau an der Seite des IT-Chefs den Einkauf erledigen lässt ....]] Das ist wirklich erbärmlich! Nachdem ich die Invasion der persönlichen Assistenten erfolgreich abgewehrt habe, bin ich eigentlich geneigt, die Friedenspfeife zu rauchen. Bis, und das ist wirklich traurig, der IT-Chef, ausgerüstet mit Designer-Handy, Laptop und einem brandneuen Firmen-Kabriolett, die ehemalige Assistentin des Chefs zur neuen 'Managerin' ernennt, die sich um die Kommunikation in der Chefetage kümmern soll. Ich bin wirklich sicher, dass diese Beförderung nichts mit den langen Ausflügen der genannten Frau zusammen mit dem IT-Chef im erwähnten Firmenwagen zur Mittagszeit zu tun hat. Denn es ist ja ganz offensichtlich, dass ihre zweitägige Erfahrung in ihrer vorherigen Position ausgereicht hat, sie für die IT-Abteilung zu qualifizieren. "Sie ist ausgezeichnet!" ruft der Chef und verteidigt seine ehemalige Assistentin. "Ausgezeichnet!" erwidere ich. "Wenn sie mehrmals die Anzahl ihrer Backen zählen würde, käme sie jedesmal auf ein anderes Ergebnis ..." "Sie muss aber etwas über die IT wissen, wenn sie diese Stellung bekommen hat!" erwidert der Chef und ignoriert meinen Kommentar. "Natürlich ... Und wie lange brauchte sich doch gleich, um ihren Arbeitsplatz-PC einzuschalten?" "Der Schalter ist ja auch schwierig zu finden!" antwortet er mit der Loyalität eines Terriers. "Ja - der Schalter ist wirklich irreführend deutlich an der Vorderseite des Rechners angebracht ..." Der Chef sieht ein, dass seine Argumente schneller als die Titanic versinken und sucht das Weite. Da das Problem nicht gelöst wurde, erwarte ich die schlimmsten Dinge für die Zukunft ... Meine Befürchtungen werden bestätigt, als sie eine Ladung Netzwerk-Computer zu Sonderpreisen bestellt. Diese jämmerlich recherchierte Entscheidung hat die offizielle Genehmigung bekommen, und ich soll nun mein technisches Einverständnis erklären. Schneller als der normale Nutzer 'Wo sind meine Daten?' sagen kann, stopfe ich die Papiere in den Aktenvernichter. Der Chef erscheint beinahe etwas schneller in unserem Büro. "Diese Netzwerk-Computer sind grossartig!" sagt er. "Sonya hat uns das gerade vorgeführt." "Wirklich? Ich kann nicht sagen, dass ich dem zustimme, aber was soll's, was gut für Amsterdam ist, ist wohl auch gut für London!" rufe ich. "Nein. Ich meine, sie hat uns umgedreht, wirklich überzeugt." "Also sind sie alle käuflich? Ich würde nicht so bald kündigen, wenn ich sie wäre!" "Ich rede über Netzwerk-Computer!" schnappt er. "Natürlich. Und ihre Käuflichkeit?" "Es gibt keine Käuflichkeit!!" "Natürlich nicht! Die Wände haben Augen und Ohren", murmelt der PJ zwinkernd. Der Chef gibt auf und fasst sein Gerede zusammen ... "Wie auch immer, diese Netzwerk-Computer sind wie PCs - nur ohne Disketten und Festplatten." verkündet er. "Sie booten nicht?" fragt der PJ. "Nein!" antwortet der Chef. "Sie laden alles von einem Server." "Wie die dummen Terminals, die wir vor zehn Jahren hatten. Immerhin haben sie ja jetzt Grafik- und Tonfähigkeiten." "Uh ... nein, schneller und in Farbe!!" "Sie meinen, wie die X-Terminals, die wir vor drei Jahren ausgemustert haben?" frage ich. "Uh ... nicht genau." "Also ist ein Arbeitsplatzrechner, der von einem Server abhängig ist, besser, als ein Rechner, der auch ohne Server funktioniert?" "Hm ... weil wir die Technik nicht aufrüsten müssen!" "Niemals?" "Nein, das ist wie bei einem Farbfernseher!" stösst der Chef triumphierend hervor. "Wenn sie erst einmal einen haben, müssen sie sich keinen neuen mehr kaufen, weil alles, was sie brauchen, von den Sendern kommt." "Auch nicht, wenn die Programme diese neuen Möglichkeiten wie Nicam Stereo, Dolby Surround oder Widescreen nutzen?" "Uh .... nein ..." "Und wenn es neue, schnellere Prozessoren, bessere Mäuse, Scanner und Programme gibt, die sie nutzen?" "Wissen sie, wir kaufen ein paar dieser Netzwerk-Computer, also unterschreiben sie!" schreit der Chef schliesslich, als ihm gegen meine Logik keine Argumente mehr einfallen, und zaubert aus dem Nichts eine Kopie der Bestellung hervor, die ich dem Zerkleinerer anvertraut hatte. Nun, warum auch nicht. Ich schreibe eine Unterschrift auf das Papier. Natürlich nicht meine, aber wen interessiert das schon? Den Chef vielleicht, sollte jemand auf die Idee kommen, den Vorgang zu prüfen, doch, wie gesagt, wen interessiert das schon .... "Und weil sie die gleiche Technik nutzen sollen, wie ihre Nutzer, werde ich ihnen auch ein paar Netzwerk-Computer schicken." fährt der Chef fort. BASTARD! Als die Lieferung kommt, werden Testrechner über die verschiedenen Abteilungen verstreut, der PJ und ich bekommen die für uns bestimmten, so dass die Schlacht beginnen kann! Die Möglichkeiten zur Fernwartung der Netzwerk-Computer sind grossartig, besonders dann, wenn man die Rechner ferngesteuert zum Neustart veranlassen kann. Ich versehe die Monster in Netzwerk-Doom mit den Gesichtern der Nutzer und sorge dafür, dass ihr Rechner neugestartet wird, wenn sie getroffen werden ... Ich rufe die betreffenden Nutzer noch an und informiere sie über die Chancen, die sie, da sie das Spiel ja vom Server laden müssen, haben, wenn sie nur die Pistole nutzen können, wobei sie mit der Munition besonders sparsam umgehen sollten, denn Nachschub gibt es für sie nicht. Natürlich, manche Erbsenzähler werden richtig gute Pistolenschützen, wenn es von ihrer Schiesskunst abhängt, ob sie die Tabelle, an der sie zwei Stunden sassen, auch speichern können (ein weiterer kleiner Eingriff in das Programm auf dem Server). Am Freitag trudeln die Testergebnisse ein. Zu meiner Überraschung sind die Netzwerk-Computer nicht sehr beliebt, so dass sie wieder durch normale PCs ersetzt werden. Oh, 327 Tote gab es übrigens .... Der Chef bekommt eine Verwarnung, weil er die Bestellung unterschrieben hat, die kleine Helferin des IT-Chefs dagegen eine Gehaltserhöhung (ihr Lohn scheint wohl an spezielle Vorführungen gebunden zu sein) und der PJ und ich freuen uns wieder über normale Zustände. "Ich denke an eine PC-Version dieses Spiels", kommentiert der PJ später. "Sie meinen das gleiche Spiel, nur sollte es den Pentium-Fehler ausnutzen, um die PCs zum Stehen zu bringen?" "Sie haben auch schon daran gedacht?" "Nicht nur das, ich habe es auch schon installiert und warte nun auf Gegner ...." Seufz. Schon wieder so ein anstrengendes Gemetzel ... p.s.: gewisse ähnlichkeiten zu einer vorhergehenden episode sind unübersehbar, aber anscheinend doch gewollt. jedenfalls habe ich meine dateien einer sorgfältigen prüfung unterzogen, um irrtümer auf meiner seite auszuschliessen .... [thomas w.] [[Die 'Millenniums-Bombe' hat nichts mit der zu tun, die den Chef nach nur einem Bier dazu bringt, die Tarnung des B.O.F.H. auffliegen zu lassen ....]] Ich sitze in einer Besprechung, in der ein amerikanischer 'Experte' für das Jahr 2000-Problem seinen Vortrag hält. Ich bin weit davon entfernt, jemandem vorzuwerfen, dass er seine Chance erkannt hat und nun scheinheilig mit beiden Händen das Geld scheffelt, aber er hätte seinen Vortrag immerhin etwas unterhaltsamer gestalten können. Doch der ist ungefähr so langweilig, wie das Beobachten des Trocknens von Nagellack. Was ich zufällig gerade mache - nämlich auf den Fingern einer attraktiven jungen Systembetreuerin neben mir. Bis zur üblichen Zeit für den Morgentee - als ihr Verstand erwacht und sie davonläuft. Das ist das Problem unserer Zeit - niemand hat mehr Pflichtgefühl. Abgesehen vom Chef natürlich, der mich dabei erwischt, wie ich mich ebenfalls davonstehlen und den Pub aufsuchen will, in dem wir uns treffen wollen. "Beeilen sie sich!" ruft er. "Oder sie verpassen die Ausführungen über ..." >blätterblätter< "... die Notwendigkeit, in Cobol geschriebene Programme zur Datenbankabfrage neu zu entwickeln." Soweit es mich betrifft, gibt es für dieses Problem zwei Lösungsansätze für jeden jemals in Cobol programmierten Müll: a) Das "rm-rf"-Kommando, es sei denn das Betriebssystem dieser Zeit (vor RSI [Repetitive Strain Injury - thomas w.] und damit vor der Angst, noch vor dem Abschluss der Befehlseingabe zu sterben) versteht diesen Befehl noch nicht, dann muss er entsprechend durch "DELETE/ERASE/NO CONFIRM [...] *.*; *" ersetzt werden. Oder, mein ganz persönlicher Favorit: b) Eine Axt. Wie auch immer, da er gesehen hat, wie ich das Zimmer verliess, kann ich mich nicht im Pub sehen lassen, bevor der Chef eingeschlummert ist. Eine Viertelstunde später bin ich dann im Pub und plaudere über den erst jüngst getrockneten Nagellack auf den Fingernägeln einer Verantwortlichen für die Systemsicherheit. "Was machen sie eigentlich als Sicherheits-Ingenieurin?" frage ich und verwickle sie sofort in ein Gespräch unter Fachleuten. "Nun, ich kümmere mich um alle Aspekte der Sicherheit von Soft- und Hardware. Das schliesst den Schutz der Privatsphäre ein wie auch die Gestaltung von Software und deren Test unter besonderer Beachtung der Aufgabe, dass keinem Nutzer irgendwelche Schäden durch ihren Einsatz entstehen - physisch, geistig wie auch finanziell. Es ist eine sehr interessante Aufgabe, bei der man immer auf dem neuesten Stand sein muss." Mein Gehirn schaltet sich ab, als ich versuche, meinen Kummer zu verbergen, den sie damit verursacht - und nicht nur, weil sie meint, die Nutzer seien wichtig. Mir ist gerade das schlimmste passiert, was überhaupt passieren kann. SIE IST DER ANTI-BASTARD! Sofort versuche ich, mich etwas von ihr zu entfernen, damit es nicht einmal zu zufälligen Berührungen kommt. Ich erinnere mich schliesslich noch gut an meine Physikstunden, in denen es darum ging, was geschieht, wenn Materie und Antimaterie zusammentreffen ... "Und was machen sie?" fragt sie. "Nun, ich bin System- und Netzwerk-Administrator." "Und was führt sie zu dieser Jahr-2000-Veranstaltung?" fragt sie und erwartet eine vor Selbstlosigkeit und Sorge um die Nutzer triefende Antwort. "Nun, ich bin hier, um mich zu versichern, dass unsere Nutzer nicht mit potentiellen Problemen, die vor, während und nach dem Jahreswechsel auftreten könnten, zu kämpfen haben ...." antworte ich. Zugleich hasse ich mich dafür, dass ich solch ein Schleimer sein kann, während ich mir im Geiste dazu gratuliere, dass ich damit die erste Hürde auf dem Weg zu weiteren Vergnügungen genommen habe. Ich kann mir einfach nicht helfen ... "Wirklich?" fragt sie voller Freude, eine verwandte Seele in der Masse der Computer- und Netzwerkprofis gefunden zu haben, die sie zweifellos in der Vergangenheit kennengelernt hat. "Aber natürlich", erkläre ich. "Sie haben ja KEINE AHNUNG, wie lange mein Assistent und ich brauchen, um unseren Nutzern zu geben, was sie benötigen." Sie denkt an Händchenhalten mit den Nutzern, ich denke an einen Tritt in den Unaussprechlichen, aber das ist ja unaussprechlich, also lasse ich sie denken, was sie will. Zum Teufel mit den Physikern, sie müssen sich geirrt haben ... Wir plaudern noch eine Weile, doch dann weht der Nordwind einen unangenehmen Geruch herein, und der Chef tritt ein. Das kann nur eins bedeuten ... "Es gibt gar kein kostenloses Mittagessen!" ruft der Chef entmutigt. "Stimmt, ich dachte auch, hier bekäme ich eins", antworte ich und besänftige ihn, indem ich ihm ein Bier auf meine Kosten anbiete, um damit einerseits an sein 'Zusammengehörigkeitsgefühl' zu appellieren, und andererseits, um seine bekannte 'Ein Bier - Ein Betrunkener'-Schwäche auszunutzen. Ich verstärke den Effekt noch mit einem doppelten Wodka, was bedeutet, dass er spätestens in 15 Minuten unter dem Tisch liegen sollte. Ich kehre von der Bar zurück, und der Chef läuft vor Gutmütigkeit geradezu über, weil ich ihm ein Bier spendierte. Nachdem er ein halbes Bier geschluckt hat, bemerke ich meinen fatalen Fehler. "Holen sie Wiesserdochgleich her!" ruft er an niemanden spezielles gewandt und sucht in seinem Mantel nach seinem Handy. Er findet es und ruft den PJ an, dem er einen überzeugenden Beweis seines Zustandes liefert. ARSCHLOCH. Nachdem ich meine letzten Chancen auf einen ruhigen Abend mit meinem Gast verspielt habe, schreitet der Chef auf dem Pfad der Vernichtung voran. "Dieser Kerl da ist grossartig", ruft er voller Zuneigung zu mir. "Erinnern sie sich daran, wie dieser Nutzer es brandeilig hatte, freien Festplattenplatz zu bekommen? Sie haben ihm eine in der Mikrowelle aufgeheizte Festplatte in den Schoss fallen lassen!" Ich versuche, den Chef mit dem Geräusch umfallender Biergläser abzulenken, doch er kramt weiter in seinen Erinnerungen. "Oder als sie diesem Rechnungsprüfer erklärt haben, sein Bürostuhl wäre statisch aufgeladen, weshalb er ihn erden solle? UND SIE BRACHTEN IHN DAZU, SEINEN STUHL AN DIE STECKDOSE ANZUSCHLIESSEN! HA! HA! HA!" Und so kommt es, dass der PJ nur noch mich und den Chef antrifft, als er endlich kommt. Da der Chef nur noch halb bei Bewusstsein ist, brauche ich ganze 10 Sekunden, um den PJ einzuweihen. Ich kaufe dem Chef ein Abschiedsgetränk und schiebe ihn, zusammen mit dem Glas, in ein Taxi, das ihn heimbringen soll. "Ich muss sagen, dass sie das ziemlich gut wegstecken", sagt der PJ. "Vergeben und vergessen", rufe ich grossmütig. "Aber davon einmal abgesehen, er dürfte etwa in diesem Moment erkennen, dass sein Getränk kein Bier ist." "Schnaps?" "Machen sie sich nicht lächerlich!" rufe ich. "Wir reden von einem warmen Milchshake mit Fischgeschmack - genau das richtige Getränk für einen empfindlichen Magen ..." [[Eine neue Kollegin namens Sharon, eine verbesserte Sicherheitsausrüstung und ein GPS-Sender sorgen dafür, dass der B.O.F.H. den Sonnenuntergang bei Tequila geniessen kann ...]] "Ja, wir kennen uns schon", erklärt die neue Kollegin, als sie zusammen mit dem Chef unser Büro betritt. "Wir haben uns auf der Veranstaltung zum Jahr 2000-Problem in der vergangenen Woche kennengelernt. Können sie sich nicht daran erinnern? Sie habe ich doch beim Mittagessen kennengelernt." "Mein Erinnerungsvermögen an bestimmte Ereignisse ist .... ein wenig schlecht." murmelt der Chef. "Ja", unterbreche ich ihn. "Bedauerlicherweise wurde er anscheinend von einem wütenden Taxifahrer angegriffen, nachdem sich zwei Biere, ein Teller Chips und ein Fisch-Milchshake auf dem Beifahrersitz wiederfanden, nachdem sie sich im Magen des Chefs aufgehalten hatten." "Sei es wie es sei", ruft der Chef und will die Herrschaft über das Gespräch wieder an sich reissen. "Sharon hat angerufen und uns angeboten, unsere Systeme auf potentielle Risiken zu untersuchen - sie wissen schon, die Haftung der Firma, Software und Hardware-Fehler, die zu Verletzungen oder anderen Unfällen führen können, die Sicherheit insgesamt und so weiter." Wie nett von ihr. "Wie auch immer", fährt der Chef fort. "Ich bin sicher, sie werden Sharon bei allem unterstützen, was sie tut. Für uns wird es Zeit, den IT-Chef zu besuchen." Der Chef und unsere neue Sicherheitsberaterin verlassen das Büro in Richtung des Büro des IT-Chefs, während der PJ herbeiflitzt. "Was hat das zu bedeuten?" fragt er und erinnert sich daran, welche Rolle der Chef dabei gespielt hat, mich und Sharon auseinanderzubringen. Dank seines Verhaltens wird es mich einige Anstrengungen kosten, Sharon wieder etwas näher zu kommen. "Ich bin mir nicht sicher", antworte ich. "Aber ich denke, es bedeutet Ärger." Am nächsten Tag wird die Wahrheit meiner Vermutung bewiesen, denn Sharons Analyse der Liste der Arbeitsunfälle markiert geradezu blutig, dass die System- und Netzwerk-Betreuung ein sehr gefährliches Terrain ist. "Diese Vorfälle hätten sich mit entsprechenden Detektoren vermeiden lassen", ruft sie und findet die grösste Fehlerursache heraus, die schon mehr als einen Ingenieur erst in den Kabelschacht fallen und dann bei der Sanitäterin aufwachen liess. (Während der PJ und ich seine Ausrüstung durchwühlten.) "Ah, nein, wir benutzten einen anderen Detektor für Löcher im Boden", sage ich und deute auf ein Strommessgerät auf dem Tisch. "Fäkalien und Urin - wenn jemand die Kontrolle über seine Körperfunktionen verliert, wird der Strom unterbrochen." "Das ist doch lächerlich", ruft Sharon. "Aber davon abgesehen - sie können das doch niemals testen." "Ich teste es jeden Monat." ruft der PJ entrüstet. "Das tut er wirklich." stimme ich ihm zu. "Er isst eine Schüssel Bohnen und dann testet er das Messgerät, wenn seine Verdauung dazu bereit ist." Da sie dieses Thema nicht weiter vertiefen will, verschwindet Sharon, um herauszufinden, weshalb der Warenaufzug in der 6. Etage wartete, während der PJ in der 5. Etage einen Wagen voller Nutzer-Technik durch die geöffneten Türen des Aufzugs rollen liess. Ich könnte ihr sagen, dass das unsere Standardprozedur ist, um den Chef davon abzubringen, unsere Dienste als Umzugshelfer anzubieten, statt etwas über PLU-Controller zu murmeln, die von Nägeln in der Wand beeinflusst werden. Am Ende des Tages ist Sharon zu den von mir gewünschten Schlussfolgerungen gekommen - unsere Ausrüstung braucht eine Verbesserung der Sicherheitsmassnahmen. Diese Erkenntnis, die noch kombiniert wird mit ein paar Hochglanzmagazinen über 'Systemsicherheit', die der Chef in seinem Briefkasten gefunden hat (die die Vorteile einer ganz bestimmten amerikanischen Firma hervorheben), ist für den Chef mehr als ein Wink mit dem Zaunspfahl. "Ich glaube nicht, dass wir das alles benötigen", erklärt Sharon, nachdem sie den Plan des Chefs gehört hat. "All das, was wir brauchen, finden wir auch hier." "Wir sollten alle Optionen betrachten", ruft der Chef, der nicht geneigt ist, auf eine Vergnügungsreise in die USA zu verzichten. Plangemäss versucht er, unsere Zustimmung zu seinen Vorstellungen zu gewinnen, indem er uns alle zu dieser Reise einlädt, um 'alle technischen Bereiche abzudecken'. Und der Chef weiss es schliesslich am besten. Das Flugzeug hebt ab, und der PJ und ich machen uns ASAP über die Drinks her, während Sharon in die Business-Class geht, um dem Chef weitere Gefallen zu tun. "Ich verstehe das nicht", sagt der PJ. "Wieso?" erwidere ich. "Wenn sie etwas haben wollen, dann ist es immer gut, wenn sie dafür sorgen, dass jemand anderes es 'aus technischen Gründen' fordert, denn dann sieht es legitimer aus, als wenn sie es selbst gefordert hätten. Handys, Laptop, wünschen sie sich etwas!" "Was werden wir tun, wenn wir angekommen sind?" "Ich habe vor, Tequila in einer Strandbar zu trinken." "Ich glaube nicht, dass es in Ohio Strände gibt." "Ohio?" rufe ich. "Wir fliegen nicht nach Ohio. Nicht nach der Entführung." "Sie wollen das Flugzeug entführen?" flüstert der PJ. "Das können sie doch nicht tun!" "Natürlich." "Aber ..." "Oh, keine Angst, Waffen werden wir nicht brauchen. Nur den ersten Titel dieser CD", sage ich leise und deute auf meinen tragbaren CD-Spieler. "Das ist ein CD-Spieler!" "Scheinbar, ja, aber es ist auch ein ... ein kleiner GPS-Sender." "Sie wollen das Navigationssystem des Flugzeugs manipulieren?" "Ich ziehe die Bezeichnung 'kleine Berichtigung des Kurses' vor. Dieses kleine Gerät wird in Kürze damit beginnen, Signale auszusenden, um so langsam aber sicher den Kurs zu verändern, denn sonst würde der Pilot etwas merken." "Damit kommen sie nicht durch!" flüstert der PJ ängstlich. "Natürlich. Habe ich sie jemals belogen?" "Oh, in der vergangenen Woche sagten sie, dass sie den Strom abgeschaltet hätten, als ich die Sicherungen austauschen wollte. Und in der Woche davor sagten sie mir, dass alle Abdeckplatten auf dem Kabelschacht von innen Griffe hätten, so dass es völlig in Ordnung sei, sie von innen zu schliessen." ' "Ich habe sie doch wieder herausgeholt, oder?" "Nachdem sie all das Bier getrunken hatten, das ich im Schrank des Chefs fand." Und so kommt es, dass ich in Südamerika an einer Bar sitze und Tequilas trinke, während der Chef versucht, uns einen Rückflug in die Zivilisation zu organisieren. Und Dank meiner selbstlosen Bemühungen, bei der Rettung des Flugzeugs zu helfen, nachdem der Treibstoff knapp wurde, ist Sharon nun meine neue beste Freundin. [[Um der Langeweile der Routine zu entgehen, meldet sich der B.O.F.H. freiwillig für die Nutzer-Betreuung. Doch ist er noch clever genug, es mit den Problemchen der Nutzer aufnehmen zu können ...]] Es ist ein ruhiger Nachmittag, als der Chef betont unauffällig hereinschlendert und zu meinem Tisch schleicht. "Ich wollte ihnen nur sagen, dass ich die kleine Verwechslung im Dienstplan der Nutzer-Betreuung berichtigt habe." murmelt er leise. "Welche Verwechslung im Dienstplan?" will ich wissen. "Oh, irgendein Witzbold hat ihren Namen auf den Dienstplan der Nutzer-Betreuung gesetzt, wenn diese ihr Wochenende zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls abhält." "Stimmt. Das war ich. Ich glaube, ich fange in der Mittagszeit an und arbeite dann bis fünf Uhr, wenn ich mich nicht irre. Ich freue mich schon darauf." "Ah!" ruft der Chef und reisst blitzschnell sein Handy aus der Tasche, um per Schnellwahl die Versicherung der Firma anzurufen. Der PJ wirkt verunsichert - es gibt in der Nutzer-Betreuung keine Technik mehr, die uns begehrenswert erscheint, da wir alles brauchbare mitgenommen haben, als der Sicherheitsdienst die ausgefallenen Überwachungskameras reparieren liess. Die Wahrheit ist - ich langweile mich. Langeweile, Langeweile, Langeweile. Und deshalb beherzigte ich den Ratschlag, dass ein kleiner Ortswechsel die gleiche Wirkung hat wie ein Urlaub, als ich mich für einen vierstündigen Aufenthalt in der Schaltzentrale der Idioten einschrieb. Und nebenbei will ich herausfinden, ob ich es noch schaffe, den Nutzern, die mich wegen irgendwelcher Probleme mit ihren Programmen anrufen, die richtigen Antworten zu geben. Der nächste Tag bricht an und pünktlich nach dem Mittagessen steuere ich direkt die Nutzer-Betreuung an, um mein Bestes zu geben. Natürlich für unsere Nutzer. Und um ehrlich zu sein, es ist nicht einmal halb so schlimm wie ich annahm - es ist sogar himmlisch ruhig. Und so schliesse ich sogar die Telefone wieder an, worauf die Warteschlange mir drei Anrufe meldet. Ich wähle zufällig einen aus und melde mich. "Hallo, wissen sie, mein Rechner raucht ein wenig und es riecht verbrannt. Als ich ihn heute einschaltete, gab er schon so komische Geräusche von sich. Sollte ich ihn nun besser ausschalten?" "Nein. Machen sie sich keine Sorgen - wir hatten heute ein paar Ausfälle in der Systembetreuung, wo wohl ein paar Sicherungen eines Servers durchgeschmort sind, der Rauch und der Brandgeruch dürften durch den Kabelschacht zu ihnen gekommen sein." "Gibt es etwas, das ich tun sollte?" "Nein, eigentlich nicht. Ich würde an ihrer Stelle die Bürotür schliessen und zum Nachmittagstee gehen, bis der Rauch sich verzogen hat - etwa eine Stunde, schätze ich." "Halt, warten sie! Wieso ist nichts mit den anderen Rechnern passiert?" "Weil sie gerade mit dem Backup-Server ihrer Abteilung verbunden sind, der heute die Probleme mit den Sicherungen hatte." "Oh, natürlich!" stimmt mir der Anrufer beinahe begeistert zu, bedankt und verabschiedet sich in eine frühe Pause. Da ich jetzt nur noch über begrenzte Zeit verfüge (bis der Feueralarm die Sprinkler auslöst), entschliesse ich mich, die letzten beiden Anrufe so schnell wie möglich zu bearbeiten. "Hallo", zwitschert eine Sekretärin aus der PR-Abteilung. "Immer dann, wenn ich eine E-Mail abschicke, meldet das Programm etwas über Probleme mit diesem DNS-Zeug." "Stand da etwas wie 'DNS Zuordnungsfehler'?" "Ja ... ich glaube, das stand da." murmelt sie. "Oh, meine Liebe", seufze ich. "Das tut mir aber leid." "Was, was ist?" "Sie meinen, sie wissen das nicht?" "Nein, was?" "Nun, DNS steht für Datenbank der Namen und Saläre." "Das verstehe ich nicht." "Nun, wenn sie nicht der Datenbank zugeordnet werden können, wenn sie eine E-Mail verschicken wollen, dann kann das nur bedeuten ... nun, sie sind wohl gefeuert. Oder man wird sie demnächst noch entlassen." "Aber ich bin doch erst seit ein paar Monaten hier!" "Ja, aber ich wette, sie haben ihren Chef verärgert, als sie es ablehnten, ihn zum Mittagessen zu begleiten, oder?" frage ich und deute dabei nur die Aufreisserklamotten und das Cabrio ihres Chefs richtig. Und seine aufdringliche Art, sich um die vermeintlichen Probleme der weiblichen Belegschaft zu kümmern. Nicht dass ich eifersüchtig wäre, aber ... "Aber das konnte ich doch nicht machen, weil ich mich um die Rechnungen von der Bank kümmern musste!" schnieft sie zutiefst verunsichert. "Nun", antworte ich freundlich. "Soweit ich sie kenne, war es angenehm, mit ihnen zu arbeiten ... Ich werde sie vielleicht ein wenig vermissen, es sei denn ..." "Es sei denn was?" "Nun, sie könnten sich in der Personalabteilung darüber beschweren, dass er ihnen damit gedroht hat, sie zu feuern, wenn sie nicht ... nun, sie wissen schon." "Was? Was?" "Naja, seine Ausrüstung bewundert haben, sozusagen ..." "Was!" "Nun, es liegt bei ihnen. Wenn sie warten, bis sie gefeuert werden, dann wird jeder denken, sie suchten nach Ausreden. Wenn sie sich aber jetzt schon beschweren und nichts über die DNS-Sache verlauten lassen, werden alle denken, ihre Vorwürfe würden stimmen." "Glauben sie, dass das funktionieren kann?" "Ich denke schon. Es wäre ja nicht gerade eine Premiere, wissen sie. Sie hätten dabei nur mehr Glück als ihre Vorgängerinnen ..." "Ich glaube, sie haben recht. Gut, ich werde es so machen. Vielen Dank für ihren Rat." "Keine Ursache, dafür sind wir ja da." erwidere ich und wende mich dem dritten Anrufer zu, während ich dem PJ mit Gesten zu verstehen gebe, er solle schon einmal die 'Kündigung' des Chefs der PR-Abteilung vorbereiten. "Hallo, mein Linux scheint die CD im Laufwerk nicht mounten zu wollen. Es verlangt, dass ich die CD 'read only' mounte. Welchen Parameter muss ich dazu angeben?" "Linux basiert auf einem Hardware-Schreibshutz. Sie müssen die CD selbst mit einem Schreibschutz versehen." "Was? Davon habe ich noch nie gehört!" "Nun, die meisten Betriebssysteme machen das tatsächlich mit spezieller Software, doch Linux arbeitet mit einer offenen hardwarebasierten Cache-Technologie", antworte ich und überzeuge ihn mit ein paar Schlüsselworten von der Richtigkeit meiner Ausführungen. Mit anderen Worten: >>DUMMY MODE EIN<< "Und was soll ich tun?" "Machen sie einfach ein drei Millimeter grosses - aber nicht grösser! - Loch in die CD. Genau in der Mitte zwischen dem Rand und dem Loch in der Mitte. Dort wird nämlich der Schreibschutz erwartet. Aber denken sie daran, dass das Loch nicht grösser sein darf und genau in der Mitte liegen muss, da sie sonst auch den Leseschutz aktivieren könnten." "Oh ... In Ordnung ..." Er legt auf, ohne danach zu fragen, wieso jemand lesegeschützte CDs benutzen sollte, und entgeht damit meiner Erklärung der WORN-Technologie (Write once, never read - wie bei den normalen Disketten). Als der Feueralarm dann losgeht, blicke ich auf meine Tagesleistung zurück: früherer Feierabend wegen eines Feuers, ein eitler Gockel weniger und ein übertölpelter UNIX-Fanatiker. Ja, ich glaube, ich kann es noch! [[Wird der B.O.F.H. den RoboChef auch beim diesjährigen Gladiatorenkampf mit den Jungs aus der Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung einsetzen? Oder wird ein mutierter Flurpolierroboter das Derby gewinnen ...]] Es ist wieder soweit! Die Netzwerk- und Systembetreuung gegen die Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung. Nein, kein simpler Wettkampf darum, wer das meiste Abführmittel in den Wasserspender des anderen Teams schmuggeln kann - auch wenn das ein Riesenspass ist, wenn man jemanden in der Fabrik kennt, in der das Mineralwasser abgefüllt wird. Nein, es geht um ein Spiel für echte Könner - einen Roboterkrieg! Der PJ und ich liefern uns jährlich die Schlacht mit den Leuten aus der Abteilung für Forschung und Entwicklung. Die Regeln sind einfach: beide Teams treten mit einem oder mehreren Robotern, die selbständig den Weg durch ein recht einfaches Labyrinth finden müssen, das aus Räumen und Gängen im Kellergeschoss besteht, an. Der PJ ist wirklich begeistert, da dies sein erster Roboterkrieg ist.. "Das ist also eine jährliche Veranstaltung?" will er wissen, während er mit mir an unserem mechanischen Teilnehmer schraubt. "Seit dem vergangenen Jahr." "Ich kann mich gar nicht daran erinnern." "Natürlich nicht, sie waren ja auch nicht da." "Was?" "Auf einer Vergnügungsreise." "Oh, und wie haben wir abgeschnitten?" "Nun, wie ich das beurteile, haben wir fair und überzeugend gewonnen - keiner der sieben Roboter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung war schliesslich noch im Spiel, trotzdem gab es wohl einige Proteste wegen meines Roboters." "Warum?" "Aaaahhh, weil es eigentlich der Chef war, dem ich eine Autoantenne auf den Rücken gebunden hatte, der sich auf der Suche nach seinem neuen Laptop in der Dunkelheit des Kellergeschosses verirrt hatte." "Und er hat gewonnen?" "Ja, dabei gab es gar keinen Laptop; und als seine Begeisterung abnahm, habe ich das Licht aus- und den Feueralarm eingeschaltet, was seine Geschwindigkeit dramatisch erhöhte." "Und worüber haben sie sich beschwert?" "Nun, da gab es eigentlich zwei Beschwerden - erstens, weil der Chef blindlings herumtappte und dabei ihre Roboter zerstörte (was uns freilich dabei half, den Wettbewerb zu gewinnen) und zweitens, weil der Chef gar kein Roboter war." "Und was ist passiert?" "Ich habe ihnen bewiesen, dass er, unter Berücksichtigung aller notwendigen Fakten, ein Roboter war - er verfügt über einen endlichen Vorrat an einfach auszuführenden Befehlen und man muss ihn mit Informationen füttern, ohne die er nicht selbständig handeln kann ..." "Stimmt. Und weshalb lassen wir ihn in diesem Jahr nicht wieder antreten?" "Hm. Nun, die Regeln sind in diesem Jahr etwas strenger. Der Roboter muss auf dem Prozessor basieren, den die Abteilung Forschung und Entwicklung für diese automatischen Polierroboter entwickelt hat." "Die Roboter, die in der Nacht auf zufälligen Routen durch das Gebäude huschen?" "Genau die." "Und wofür ist all dieser Müll?" fragt er und deutet auf den Haufen Elektronik, der für die Eröffnung eines eigenen Geschäfts ausreichen würde. "Nun, zum diesjährigen Kampf gehört ein Demolierwettbewerb, der überlebende Roboter wird zum Gewinner erklärt. Und ich denke mir, je grösser der Roboter ist, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass er am Ende noch mobil ist." "Also benutzen wir dieses grosse Regal auf Rädern?" "Ja. Erstens wird es vor dem Wettkampf nicht besonders auffallen und zweitens fordern die Regeln, dass die Stromversorgung durch Batterien erfolgen soll. Und ich brauche eine Menge Energie, um die rotierenden Sägeblätter zu betreiben. Und drittens ist es ein über ein Meter langes Fahrgestell, das den Wettkampf einfach gewinnen muss, reichen doch die grössten Roboter der anderen nur etwa bis zu seiner halben Höhe." "Wo haben sie all die Batterien her, die sie dafür brauchen?" "Oh, die habe ich in der vergangenen Nacht von der Unterbrechungsfreien Stromversorgung geborgt." "Hat das niemand bemerkt?" "Nein, ich habe die USV abgeschaltet - da kann es auch keine Fehlermeldungen geben. Wie auch immer, jetzt muss ich nur noch diesen Prozessor mit dem modifizierten Programm zur Navigation durch ein Labyrinth und die Batterien einsetzen. Und noch ein wenig Ballast ..." "Zauberhaft!" Drei Nächte später treffen wir im Keller die Jungs aus der Forschung und Entwicklung, die ihre Roboter vorbereiten, während wir auf unserem sitzen. Einiges Geld scheint in einem Roboter mit dem Namen "Reggie" zu stecken, da er besonders schnell um die Ecken flitzen kann. "Ich schätze, damit haben sie einen Punkt Vorsprung", murmelt der PJ, nachdem er eine Vorführung der Fähigkeiten des Roboters gesehen hat. "Er ist schneller in den Ecken als unser 'Kleiner' jemals sein kann." "Au contraire!" antworte ich. "Sie vergessen zwei wichtige Punkte, die ich ihnen noch nicht mitgeteilt habe; mit den 20 USV-Batterien und den vier von jeweils einem Präzisionsmotor getriebenen Rädern ..." "Fünf ..." beginnt der Starter zu zählen. "... verfügt unser Teilnehmer über eine phänomenale Beschleunigung ..." "Vier ..." "Aber er kann trotzdem nicht so schnell wenden!" "Drei ..." "Das ist der zweite Punkt: mit all seinem Gewicht ..." "Zwei ..." "Ja?" "Eins ..." "... wäre es glatte Zeitverschwendung, als Favorit um die Ecken zu fahren ...." "Los!" Zehn Minuten später sind der PJ und ich auch schon in der Kneipe. Zugegeben, die Idee, den Roboter einfach durch die Wände rollen zu lassen, gehört wohl nicht zu den naheliegendsten, doch sie hat ihren Erfolg deutlich unter Beweis gestellt. "Wer hätte auch ahnen können, dass der Roboter Amok laufen würde und mit den rotierenden Sägeblättern die Hauptleitung der Energieversorgung durchtrennen würde?" frage ich den PJ. "Zumindest nicht ernsthaft", bestätigt der PJ und wedelt zufrieden mit der Siegprämie, die die Leute der Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung in ihrer Panik vergessen haben ... "Er hätte doch auch das andere Team durch das Gebäude jagen können ..." "Nein, nein!" rufe ich. "Das heben wir uns als Überraschung für das nächste Jahr auf ..." [[Während der PJ Feuer und Flamme für Carole ist, legt jemand Feuer in der Aussenstelle in Wales. Doch diese Vorfälle sind bedeutungslos gegenüber dem grossen Meisterplan ...]] Es ist früher Morgen, als der Chef in ausgesprochen mieser Stimmung in das Büro platzt. "In Ordnung, wer von ihnen beiden hat dem Berater in unserer walisischen Aussenstelle gesagt, sie könnten seine Datenbank-Dateien nicht aus dem Backup auf dem Magnetband wiederherstellen, da das Band zu kalt ist?" "Wie war das?" frage ich unschuldig. Und da mein Gewissen wirklich rein ist, kann das nur der PJ gewesen sein. "Wer hat den Walisern gesagt, sie sollten das Band erst in einem Toaster erwärmen, bevor sie die Datenbank mit den offenen Rechnungen wiederherstellen können?" "Ich habe keine Ahnung, wovon sie reden!" rufe ich und spiele die Rolle des Unschuldslamms weiter, wobei ich es natürlich vermeide, den PJ in irgendeiner Weise zu belasten. "Kommen sie mir nicht damit! Sie hätten beinahe die ganze Aussenstelle in Brand gesteckt mit ihrem Vorschlag, einen Stapel Druckerpapier auf den Toaster mit dem Band zu legen!" "Das hätte ich niemals getan!" rufe ich. Insgeheim bewundere ich freilich den Einfallsreichtum meines Kollegen. Zehn Minuten später hat sich der Chef verkrümelt, und der PJ und ich sind wieder allein. "Gute Arbeit", wende ich mich an den PJ als ich sicher bin, dass uns niemand belauscht. "Wovon reden sie? Ich wollte gerade IHNEN gratulieren!" erwidert er. "Wollen sie damit sagen, dass sie es wirklich nicht waren?" "Nein!" beteuert er. "Aber wer zum Teufel war es dann?" frage ich mich laut. "Können wir das wirklich nicht herausfinden?" "Ach, machen sie sich darüber keine Gedanken, holen sie einfach die gestrigen Bänder aus dem Gesprächsrekorder, während ich mich um die Protokolle der Telefongespräche kümmere." "Welche Gesprächsprotokolle? Ich dachte, wir überwachen nur die Verhandlungen mit Lieferanten?" "Das ist das, was jeder glaubt, dass wir nämlich keine Gespräche überwachen - es ist ja auch unmöglich." "Und was glauben wir?" "Jeder Anruf, dessen Dauer, die angerufene Nummer und die Position auf den Bändern. Und was die Bänder angeht, die grosszügige Anwendung der Lautstärkeregelung sorgt dafür, dass es so aussieht, als würden wir nur die Händler aufnehmen." "Und wie sieht es wirklich aus?" "Wir überwachen alle Anschlüsse bis auf einen ..." "Bis auf einen?" "Ja, den in unserem Büro, der als 'Faxmodem' beschriftet ist und den wir für unsere privaten Auslandsgespräche nutzen." Eine knappe Viertelstunde später haben wir den Anruf aus Wales gefunden, und beim Abhören der Gesprächsaufzeichnung finden wir auch schnell heraus, dass der Bösewicht die zuletzt eingestellte Mitarbeiterin der Nutzerbetreuung ist - eine Mitarbeiterin, die beim Einstellungsgespräch alle Merkmale einer unterwürfigen Schleimerin gezeigt hatte, deren einziger Lebenszweck darin besteht, den Nutzern zu helfen. Ich rufe in der Nutzerbetreuung an, lasse mich mit ihr verbinden, stelle mich vor und spiele ihr den Mitschnitt vor. Eine plötzliche Stille am anderen Ende bestätigt meine Vermutungen, während der PJ die Datenbank der Personal-Abteilung durchsucht, um ihrem Namen ein Gesicht zu geben. "Ah, wenn sie gestatten, kümmere ich mich um die Sache", schlägt er plötzlich vor und dreht seinen Monitor so, dass ich ihn nicht sehen kann. Das hätte vielleicht funktioniert, wenn ich nicht PC Anywhere installiert hätte und ein Fenster auf meinem Desktop mir immer zeigen würde, was er sieht. Ein kurzer Blick darauf genügt, um den Grund für den erwachenden Altruismus des PJs zu erkennen. "Ich glaube, ich kann mich ebenso um den Monitor von Carole kümmern wie sie." Antworte ich. "Ihr Monitor ist nicht defekt!" ruft der PJ, der ernsthaft um die von ihm offenbar langfristig angestrebte Liebesbeziehung zu Carole fürchtet, wenn sie mich trifft. Ganz besonders, wenn ich auf ihre Fragen nach seinem Verbleib vielleicht sagen würde: "Einsatzbesprechung mit dem neuen Schönling aus der Nutzerbetreuung" ... "Nein, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht. Ich werde mich jetzt darum kümmern." "Sie Bastard!" murmelt er niedergeschlagen. "Durch und durch, in ihrem Home-Verzeichnis und in ihrer E-Mail!" rufe ich und beginne meinen Siegeszug zur Nutzerbetreuung. Ein kurzes Gespräch mit der besagten Frau lässt mich eine Blutsverwandte erkennen - ein technikverliebtes Lebewesen, das diese Arbeit nur angenommen hat, um die Rechnungen bezahlen zu können ... "Also arbeiten sie nicht gern mit den Nutzern?" "Besonders nicht mit denen aus Wales. Sie bekommen keine technische Unterstützung und ihre Ausrüstung hat noch immer die Aufkleber aus der Zeit der Arche Noah." "Ja, das ist unser System zur Wiederverwendung der Technik. Unsere veraltete Technik liefern wir nach Schottland, und sie schicken ihre ausgemusterte Technik nach Wales." "Das ist eine verdammte Schufterei, besonders dann, wenn sie einen Berater an der Leitung haben, der die beiden Enden eines Netzkabels nicht voneinander unterscheiden kann." "Aber es gäbe da eine Möglichkeit." antworte ich und schildere ihr meinen Plan ... Zwei Tage später liest der PJ die E-Mails des Chefs, als ... "VERDAMMT!" ruft er. "Diese Frau wird nach Wales versetzt! Sie müssen herausgefunden haben, dass sie für die Anrufe verantwortlich war. Das ist grausam." "Nein", erwidere ich. "Sie wollte die Versetzung. Wenn sie es erst einmal schafft, ihren neuen Arbeitsplatz etwas umzugestalten und die neue Technik eingerichtet hat, kann sie ihre Arbeit von London aus über das Netzwerk erledigen ..." Unser Gespräch wird vom Chef unterbrochen. "Ich dachte nur, ich sollte vorbeikommen und mich entschuldigen. Es hat den Anschein, dass ich etwas vorschnell war, als ich sie beschuldigte, die Filiale in Wales zu sabotieren." "Ach, wirklich?" antworte ich. "Ja, anscheinend ist der technische Berater dort ein Pyromane - die Leute vom Wachdienst fanden ihn in der vergangenen Nacht, wie er Feuerzeugbenzin in den Anwendungsserver sprühte. Er wollte sich tatsächlich damit entschuldigen, dass jemand aus der Nutzerbetreuung ihm etwas von einer zu niedrigen Betriebstemperatur für die CPU erzählt hat." "Schrecklich." "Ich weiss. Wie auch immer, ich wollte sie nur informieren", seufzt er und watschelt davon ... "Vorwärts WVBN!" rufe ich. "WVBN?" "Weltweites Virtuelles Bastard Netzwerk. Mein grosser Plan!" "Uh-ohh ..." [[Der B.O.F.H. und der PJ nehmen an einer 'langweiligen' Versammlung teil, bei der alle in Schweiss ausbrechen, und der Chef muss für die Ideen überhitzter Aktionäre büssen ....]] Der PJ und ich wurden gezwungen, an einer Aktionärsversammlung teilzunehmen, damit wie einspringen können, falls dem Chef schwierige technische Fragen gestellt werden, die er nicht beantworten kann (Beispielsweise: "Wo ist die Leertaste?"). Es gibt Wein und Knabbergebäck, damit die Aktionäre in guter Stimmung sind, damit sie die Dinge so sehen werden wie das gegenwärtige Management. "Hmm, ein 89er Cabernet Sauvignon, wenn ich mich nicht irre", höre ich einen Anzugträger der alten Schule zu meiner Linken sagen. "Ich glaube, es ist eher der 90er Jahrgang." gluckst sein Gesprächspartner wissend. "Wirklich?" platzt der PJ heraus. "Ich dachte, es war ein 88er Ford Grenada - die Ghia-Version mit Ledersitzen und der Holzverkleidung!" Man muss ihm verzeihen - er wird immer etwas unausstehlich, wenn er mehr als eine Stunde lang an einem solchen Treffen teilnehmen muss. Ich selbst werde auch schon etwas nervös .... Ich ziehe ihn von den Leuten weg und kümmerte mich gleichzeitig um die Klimaanlage (dank eines kleinen Senders, der in meinem persönlichen De-Organizer untergebracht ist). Innerhalb von zehn Minuten erhitzt sich das Gebäude und die menschliche Zurückhaltung der Aktionäre löst sich in Schweiss auf, während alle Versuche, die Klimaanlage wieder unter Kontrolle zu bringen, scheitern. (Aber das ist eben der Preis, den man zahlen muss, wenn man noch immer das Passwort für die Fernsteuerung nutzt, mit dem die Anlage ausgeliefert wurde.) Nach ein paar geflüsterten Gesprächen mit den Leuten vom Catering stimmt der Geschäftsführer allem zu, was die Aktionäre davon abhalten wird, wirklich unangenehm zu werden. Und wie es der Zufall will, finden wir 12 Kästen Bier, die im Kühlschrank auf die Siegesfeier des Yacht-Clubs der Firma warten ... Zwölf Kästen eiskaltes Bier später entwickelt sich die Aktionärsversammlung zu einem lustigen Beisammensein. Grosszügig gestimmt haben die Aktionäre von der Geschäftsführung verlangt, die Löhne für alle Angestellten zu erhöhen - mit sofortiger Wirkung. Und da man das Eisen schmieden muss, solange es heiss ist, habe ich sie auch noch dazu gebracht, dass mir 100 "dringend benötigte neue PCs" mit "allem Zubehör" genehmigt werden. Der Chef, bekannt dafür, dass er nach einem Bier normalerweise zusammenklappt, verteilt Fotokopien seines Hinterns - zum Glück hat er noch seine Unterhosen an. Der Wachdienst wird vom 'Weitsprung-Wettberb' alarmiert. (Ein Bürostuhl mit Rollen wird mit aller Kraft über eine geneigte Rampe - ein langer Tisch, dem an einem Ende die Tischbeine abgebrochen wurden - nach oben gestossen.) Ein 'herrenloser Bürostuhl' widerstand nach seinem fulminanten Start den Versuchen zweier Fenster, ihn zu stoppen - einem Fenster im Beratungszimmer und einem Fenster in einem unten abgestellten Taxi. Am nächsten Tag brodelt die Gerüchteküche - alle wissen, wem sie die Lohnerhöhung zu verdanken haben. Der PJ und ich fühlen uns wie Robin Hood und nehmen voller Bescheidenheit die Danksagungen entgegen. Lao Tsu wäre stolz auf uns. Doch unser Ruhm hält freilich nicht lange an, da es eine Notfall-Versammlung der Aktionäre gibt, die die Fehler der vergangenen Nacht wieder berichtigt. Das ist schlimm. Die Annullierungen kommen schnell herein, und wir kommen gerade rechtzeitig, um zu sehen, wie unser Plan zur Anschaffung neuer Technik in den Fluten versinkt. "Ah", werfe ich ein, als dieser Punkt angesprochen wird. "Das ist jetzt vielleicht kein guter Zeitpunkt, doch ich habe die genehmigten Rechner schon in der Nacht bestellt." "Dann machen sie die Bestellung eben wieder rückgängig!" rät eine Stimme. "Dann müssen wir eine Vertragsstrafe von 10 Prozent zahlen ..." Zehn Prozent sind weniger als hundert Prozent Verlust, also werden wir beauftragt, die Bestellung rückgängig zu machen. "Aber sie haben doch noch gar nichts bestellt!" platzt der PJ heraus, der genau weiss, dass das einzige, was ich in der vergangenen Nacht noch geregelt habe, ein Disput mit der Drehtür war, die mich auf dem Weg zum Taxi aufhielt. "Nein, nein, aber wenn ich 10 Rechner bestelle, die auf der Rechnung als 'Vertragsstrafe für Vertragsrücktritt' deklariert sind und nach Wales geliefert werden ..." "Oh!" ruft der PJ. "Das Weltweite Virtuelle Bastard Netzwerk rückt näher!" "Was für ein Weltweites Virtuelles Bastard Netzwerk?" fragt der Chef und erscheint im Büro. "Weltweites Virtuelles Bastard Netzwerk?" frage ich unschuldig. "Ja .... über das sie gerade sprachen." "Oh, sie meinen das Weltweite Virtuelle Bargeldkarten Netzwerk?" frage ich und klammere mich an den erstbesten Strohhalm. "Für ... elektronischen Handel?" "Nein, ich denke, dass ich es richtig verstanden habe. Sie haben diese neuen Rechner für ein globales Netzwerk nach ihren eigenen Vorstellungen bestellt. Ich glaube, die Aktionäre werden sich sehr dafür interessieren." Ich bin schockiert. Der Chef, der normalerweise kaum zwei und zwei zusammenzählen kann ohne auf eine Zahl unter 22 zu kommen, hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Er weiss zuviel. Während ich an meinem De-Organizer herumfummle, fordert der Chef den PJ auf, sich vom Netz abzumelden und uns in das Beratungszimmer der Geschäftsleitung zu begleiten. Um klaustrophobischen Anfällen vorzubeugen, empfehle ich die Treppen für den Weg nach oben. Zehn Minuten und drei Etagen später keucht der Chef und verlangt vor dem Beratungszimmer eine Pause. Er hat wohl sein Asthmaspray verloren, das die Treppen nach unten fiel, als der PJ ihn unglücklich anstiess. Wir öffnen die Tür und betreten den Raum. "Sie schickt der Himmel!" keucht jemand, als die Hitzewelle uns trifft. "Die Tür konnte nicht von innen geöffnet werden und die Klimaanlage ist schon wieder ausgefallen. Schliessen sie die Tür ja nicht, wenn ihnen ihr Leben lieb ist!" Zwölf Ersatzkästen Bier später sind wir noch immer eingesperrt und begutachten das Loch im Fenster, das der Chef bei seinem Versuch, den 'Weitsprung'-Wettbewerb zu gewinnen, hinterliess. Gut, man könnte einwenden, dass es ihm bestimmt nicht gepasst hat, an den Stuhl gefesselt zu werden, aber ich kann beschwören, dass er erfreut genug war, um über die ganze Zeit ein leises "Wheeeee" von sich zu geben .... Und natürlich kam er in den Genuss eines ganz besonderen Ritts auf einem Taxi ... [[Als das Gebäude in den blitzenden Farben aus dem Teletubby-Land erstrahlt, gibt es nur einen Weg, den alten Zustand wiederherzustellen ...]] Ich komme rechtzeitig zum Morgentee zur Arbeit, als mein Blick auf den Boden fällt, den ich mir mit dem PJ teile. Noch bevor ich das Foyer durchquert habe, habe ich mein Handy aus der Tasche geholt und rufe den PJ an. "Hallo, nigerianische Botschaft", meldet er sich mit der in dieser Woche aktuellen Ansprache. "Sie erraten niemals, was sie im Flur anstellen!" rufe ich. "Sie malen die Wände mit Leuchtfarbe orange an?" fragt er. "Oh, natürlich, sie haben ja die Überwachungskameras. Wo habe ich nur meine Gedanken?" "Ja, und nicht nur das!" "Was?" "Nun, wollen sie die gute oder die schlechte Nachricht zuerst hören?" fragt der PJ verspielt. "Die gute Nachricht ..." antworte ich und nehme zur Abwechslung einmal den Lift. "Die gute Nachricht ist, dass es nur eine schlechte Nachricht gibt." "In Ordnung, die schlechte Nachricht bitte." "Die Maler haben in der vergangenen Nacht in der vierten Etage angefangen." "Wie schlimm ist es?" frage ich, als sich die Lifttüren öffnen und meine Frage beantworten. Ich starre auf ein Büro, das wie das Innere einer Bräunungslampe aussieht. Der Chef kommt herbeigeschlendert und lächelt wohlwollend - oder ist es ein boshaftes Grinsen? "Furchtbar, nicht wahr?" fragt er mit belegte Stimme. Ah! Was ich als wohlwollendes Lächeln interpretiert hatte, war in Wirklichkeit ein stilles und kummervolles stilles Jammern. Es ist zur Zeit leicht, den Chef, der sich gerade von seinen Verletzungen erholt hat, falsch einzuschätzen. "Wer hat das getan?" frage ich. "Die Eigentümer des Gebäudes", antwortet der Chef. "Sie haben damit auf eine Anfrage des mittleren Managements reagiert. Doch das ist noch nicht alles. Die Lieferanten haben gerade angerufen und mitgeteilt, dass unsere violetten Teppiche angekommen sind." Ich kämpfe gegen den Brechreiz und schaffe es, ein "Warum?" hervorzubringen. "Wegen dieser Studie", ruft der PJ und hält einen zerknitterten Fetzen hoch, den ich als Manager-Magazin identifiziere. "Hier wird behauptet, dass bestimmte Farben dafür sorgen, dass die Mitarbeiter produktiver und energiegeladener an die Arbeit gehen." "Ja, waren das nicht hellblaue und rosafarbene Bemalungen?" "Nein", erwidert der PJ und erinnert sich an bestimmte Abschnitte des Artikels. "Hellblau und rosa fördern eine ruhige Arbeitsweise - was, ganz nebenbei, die neuen Farben ihres Büros sind." "Sie machen einen verdammten Scherz!" "Nein. Oh, ich habe wohl gelogen, als ich sagte, es gäbe nur eine schlechte Nachricht." Ich renne in mein Büro um nachzusehen. "Ja, ja, ich sehe, was sie meinen", sage ich und lehne mich in meinem Stuhl zurück. "Es ist etwas ruhiger als das metallische Grau, das wir vorher hatten. Irgendwie beruhigt es wirklich." "Es ist nicht gut, sich hier aufzuhalten", kommentiert der PJ. "Es ist gefährlich - erinnern sie sich an die Ionengeneratoren ....?" Wie könnte ich die Ionengeneratoren vergessen? Das Management hatte geplant, durch die Erzeugung negativ geladener Ionen und deren Verteilung über die Klimaanlage dafür zu sorgen, dass der PJ und ich netter zu unseren Klienten sind. "Der Computer-Raum!" rufe ich. Der PJ, der Chef und ich flüchten in die klinische Sauberkeit des Computer-Raumes mit seinen rohen grauen Wänden. "Viel besser!" Durch das Fenster der Brandschutztür sehe ich die Mitarbeiter der IT-Abteilung ihrer routinemässigen Arbeit nachgehen, ohne dass sie sich gegen die Wirkung der neuen Wandfarben wehren könnten. "Arme Schweine!" ruft der PJ. "Sie sind verloren! Wir müssen uns zunächst um unser Wohlbefinden kümmern!" erklärt der Chef und gibt damit exakt meine Gedanken wider. (Was mich übrigens etwas verwundert. Aber jetzt fällt mir ein, dass sein Büro ja schon immer diese bläulich-pinkfarbenen Wände hatte ....) "Hm, mal nachdenken ..." murmle ich, um herauszufinden, ob der Chef uns nicht hereinlegen will. "Was könnte man da tun?" So geht das noch ein paar Minuten, dann wirkt das Grau der Wände auf den Chef und er hat eine Idee. "Ein Feuer!" ruft er, worauf ich mir vornehme, seinen Nachfolgern pro Woche eine Stunde Therapie im Computer-Raum zu verordnen. "Nein! Das funktioniert nicht - die Feuerlöscher würden es sofort löschen." "Das ist es!" antworte ich. "Und all das Wasser an den semi-therapeutischen Wänden ..." "Das würde sie nie abwaschen!" wendet der PJ ein. "Das muss es ja auch nicht! Es genügen ein paar Flecke ..." "... die einen neuen Anstrich nötig machen würden!" vollendet der PJ. Während der PJ und der Chef ihr 'Dick und Doof'-Spiel vollenden, entferne ich die Vertäfelung von der Wand. "Was tun sie da?" fragt der Chef verwirrt. "Ein kleines Feuer ist zwar gefährlich, aber es hilft uns nicht unbedingt weiter ..." beginne ich und überlasse dem PJ die Vollendung des Satzes. "... ebenso wie ein grosses Feuer. Wir brauchen ein kleines Feuerchen am richtigen Ort." "Und wo ist der?" "Hier ...." rufe ich und reisse weitere Platten von der Wand, um die dahinterliegende Rohrleitung freizulegen. "Die Klimaanlage ..." "Damit kann der Rauch im gesamten Gebäude verteilt werden!" ruft der PJ begeistert. "Freunde, Kameraden", rufe ich. "Leiht mir eure Jacken und Schuhe!" "Werden wir sie zurückbekommen?" fragt der Chef dümmlich. Ich schaue mich ein wenig in der Leitung um, dann stopfe ich die Jacken, Schuhe, ein paar Inventarlisten, einige Sicherungsbänder ein paar Liter Reinigungsflüssigkeit in Plastikflaschen und - alte Gewohnheiten wird man so schnell nicht los - die Brieftasche des Chefs in die Öffnung. "Löschgas!" rufe ich. Der PJ springt los und schaltet den Feueralarm ein. "Was tun sie da?!" schreit der Chef entnervt. Nichts passiert. "Ein kleiner 'Fehler' in der Verkabelung." erklärt der PJ. "Wenn der Feueralarm eingeschaltet wird, wird zugleich das Gas zum Feuerlöschen blockiert, während man das Löschgas abschalten muss, um es ausströmen zu lassen." "Ihr 'Fehler'?" fragt der Chef. "Sie sind zu freundlich", grinse ich und werfe das brennende Streichholz in das Loch und bringe die Verkleidung wieder an. Schneller als man fragen kann "Ist das der Feueralarm?" leuchten alle Lämpchen an der Kontroll-Konsole der Feuermelder auf, während das Echo der Alarmsirenen an unsere Ohren dringt. "Auf die neuen Farben!" rufe ich, hebe eine Abdeckplatte am Boden auf und hole aus dem Hohlraum darunter drei Flaschen Bier, die genau die richtige Temperatur haben, hervor ... "Prost!" rufen der Chef und der PJ gemeinsam. Und da behaupten manche tatsächlich, Orange würde das Zusammengehörigkeitsgefühl steigern ... [[Weiss der B.O.F.H. etwas über das Verschwinden des Telekommunikations- Managers, dessen Rasenmäher und die Frau, der dieser den Rasen hinterlassen hat ...]] Ein ruhiger Morgen. Zyniker könnten freilich behaupten, das läge daran, dass ich alle Anrufe aus der Nutzerbetreuung an den Manager in der Marketing-Abteilung weiterleite, der uns in der vergangenen Woche mit der Behauptung, wie würden seinen PC nicht schnell genug aufrüsten, nervte. Offenbar konnte er nicht begreifen, dass Doom wichtiger als die Aufrüstung seines Arbeitsspeichers ist. Aber möglicherweise haben es die 71 Anrufer, die sich über ein langsames Netzwerk beschwerten, mittlerweile geschafft, etwas Weisheit in sein Gehirn zu pflanzen. Auch wenn wir die Nutzer wieder an das Netz angeschlossen haben, so sind sie doch noch immer rastlos und irgendwie verwirrt wegen eines 'Zungenproblems' mit dem neuen Kaffee-Automaten. Im Rahmen der ziemlich unerwartet über uns gekommen Neuausstattung, zu der auch der irgendwie missglückte neue Anstrich gehörte, haben die Mächte entschieden, die alten und verbrauchten Getränkeautomaten durch gepflegte neue zu ersetzen. Diese Entscheidung war eine angenehme Überraschung für uns unten in der Netzwerk- und Systembetreuung. Als die alten Getränkeautomaten installiert wurden, hatten der PJ und ich natürlich sofort versucht, den Knopf für 'Tee' so umzuprogrammieren, dass er eine vegetarische Suppe liefert und der Knopf für die Suppe den gekochten Inhalt von Staubsaugerbeuteln. Unglücklicherweise war das Endprodukt unserer Bemühungen noch beliebter als das Original, so dass wir uns entschlossen, die Programmierung wieder rückgängig zu machen. Jetzt, da wir diese neuen Automaten haben, können die Nutzer nur eines sagen - nämlich, dass sie ganz bestimmt niemals das bekommen, was sie wollten, was das ganze Konzept der Neuprogrammierung doch sehr lohnend erscheinen lässt. Und die Igelfleischbrühe hat einige wohlwollende Kritiken bekommen. Ganz zu schweigen vom fröhlichen Augenzwinkern derjenigen, die wirklich glauben, dass die Aufkleber nur vertauscht wurden und sie in Wirklichkeit Rindfleischbrühe bekommen. Das Telefon klingelt und ich nehme den Hörer ab. Teilweise tue ich das, weil wir uns langweilen und andererseits, weil der PJ in der Personal-Datenbank gestöbert hat und die Anruferin hübsch genug aussieht, um ihr unsere Aufmerksamkeit zu schenken - nach dem 18. Klingeln. "Ich brauche ein E-Mail-Programm auf meinem Laptop", höre ich die Anruferin aus dem Lautsprecher reden. Etwas zu selbstsicher, wenn es nach mir geht. Der PJ prüft das Inventar und bestätigt, dass die Anruferin zu den Nutzern gehört, auf deren Tischen noch die Rechner stehen, die bei der Gründung der Firma aktuell waren. Die einzige Aufrüstung bestand darin, dass auf ihrem 386er mit 8 MB Arbeitsspeicher jetzt Windows NT läuft. "Von welchem Laptop reden sie?" "Von dem, das ich benutze, um meine Dissertation zu schreiben." "Dissertation?" "Ja, ich besuche nach der Arbeit die Abendschule." "Also handelt es sich dabei nicht um einen Computer, der der Firma gehört?" "Nun, er gehört einem Freund, aber die Dissertation ist wichtig für meine Arbeit, und die Firma bezahlt die Kurse, die ich belege." "Ich bedaure, aber wenn der Laptop nicht zum Inventar gehört, können wir ihn nicht ans Netzwerk anschliessen." "Das ist kein Problem, das habe ich schon gemacht. Ich brauche nur noch ein E-Mail-Programm." "Oh, wie nett von ihnen, dass sie uns die Arbeit abgenommen haben." Dem PJ wird endlich klar, weshalb ich aufgeregt auf einen bisher unidentifizierten Punkt auf dem Netzwerkplan auf meinem Bildschirm zeige. Der Punkt repräsentiert einen Laptop, den ich mittels SNMP als ein 'Nicht vor Dezember verkaufen'-Exemplar der brandneuen Laptop-Serie identifiziere, von denen zur Zeit im ganzen Land nur ein Dutzend zum Testbetrieb ausgeliefert wurden. Offenbar muss die Anruferin mit wirklich bedeutsamen Arbeiten befasst sein, wenn sie ein Exemplar des Laptops hat. Ich beginne damit, den Laptop über das Netzwerk auszukundschaften. "Hallo", ruft der PJ mit belustigter Begeisterung in das Telefon. "Ich habe schon davon gehört - es soll nur 11 Exemplare davon geben." "Nun, ja, eigentlich sind es 12." Ein gedämpfter Knall, der durch die Lautsprecher zu uns dringt, bestätigt, dass es sich tatsächlich um das Modell handelt, von dem berichtet wird, dass es mit einem explosiven Desktop Management Interface ausgestattet ist, das auch als Detonierende Maschinen Interrupt-Problem (DMI) bezeichnet wird. "Nein, definitiv 11", gluckst der PJ, als er den Hörer zufrieden über eine ordentlich erledigte Aufgabe wieder auflegt. Zu diesem Zeitpunkt kommt der Chef zufällig vorbei (Offenbar haben wir ihn zuletzt zu freundlich behandelt, denn er hat den misstrauischen Blick, seine Nervosität und die Angewohnheit, unter seinen Wagen zu schauen, bevor er einsteigt, verloren - trotzdem trägt er immerhin noch Handschuhe, wenn er Türgriffe angreift.). Er sucht den Telekommunikations-Manager, der anscheinend spurlos verschwunden ist. "Es ist sehr traurig, dass er verschwunden ist." erkläre ich dem Chef. "Doch andererseits wird es ja immer weniger interessant, ob nun Daten oder Sprache übertragen wird - also ist sein Verlust vielleicht doch verschmerzbar." "Darum geht es nicht!" schäumt der Chef in seinem unübertrefflichen 'Das-ist-wirklich-wichtig'-Tonfall.. "Er wurde schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen, und seine Frau hat sich darüber beschwert, dass das Gras zu lang ist!" Ich schlage die Gelben Seiten bei 'Psychiatrische Kliniken' auf und reiche sie dem Chef. Er schaut mich prüfend und fragend zugleich an. "Es ist schon bemerkenswert", denke ich laut. "Es gibt einige seltsame Leute, die meinen, eine Nebenstellenanlage sei so kompliziert einzurichten, dass man die Aufgabe einem Experten aus dem eigenen Unternehmen nicht zumuten könne. Leute, die glauben, ein Telefon am Arbeitsplatz sei eine Selbstverständlichkeit und kein Privileg. Menschen, die glauben, Netzwerk-Spezialisten seien Abschaum, weil sie geplante Ausfallzeiten haben. Menschen, die nicht wissen, dass man 30.000 Volt durch eine Leitung zur Sprachübertragung schicken kann, ohne auch nur eine Leitung des verwendeten Glasfaser-LANs zu beschädigen." Jetzt weiss der Chef, dass es sinnlos wäre, seine Zeit für Aussagen wie: "Ich wusste doch, dass sie etwas vorhatten, als ich sie in der letzten Woche traf!" oder "Geht es ihm gut?" zu verschwenden. Stattdessen konzentriert er sich für ein paar Augenblicke auf das Gewicht in seinen Händen, schlägt das Buch dann schliesslich zu, stellt es zurück in das Regal und lächelt dann freundlich. "Also wird er wohl seinen Rasenmäher nicht so bald zurückverlangen, oder?" [[Der B.O.F.H. hilft den Mitarbeitern, ihre Identitätskrise zu überwinden, während der PJ einen Keil zwischen die Systembetreuung und den Chef treibt ...]] Ich komme früh zur Arbeit, um das System zu warten. Nun, wenn ich von 'früh' spreche, dann meine ich 9:15 Uhr - denn dann sind alle mit den Datenbank- und Applikationsservern verbunden. Mein Überwachungsprogramm piept, als es 200 aktive Verbindungen feststellt, so dass ich mein Vorhaben zur Wiedereinführung von Überstunden starten kann ... Ich programmiere eine Endlosschleife, und das System bricht innerhalb weniger Augenblicke zusammen. Erwartungsgemäss stürmt der Chef einem Tornado gleich aus seinem Büro und will zu uns hereinkommen, doch dieser Versuch endet in einem dumpfen Aufschlag, den all seine Energie wird durch einen Keil, den ich unter unsere Tür geklemmt habe, geschluckt. Der Keil ist meine Antwort auf die neuen Brandschutzvorschriften, die vorsehen, dass bestimmte Türen, die nur mit einer Magnetkarte geöffnet werden können, während der Bürostunden offengehalten werden müssen, die elektronische Verriegelung also aufgehoben wird. Unglücklicherweise bedeutet das auch, dass jeder halbgebildete Mensch aus der PR-Abteilung die geöffnete Tür als Einladung missverstehen könnte, uns lang und breit zu erzählen, dass jemand seinen PC "gehackt" hat. Und wo ich gerade vom Teufel sprach - promt taucht auch ein Kauz aus der Werbung auf. "Ich habe doch gesagt, dass wir einen grösseren Keil benutzen sollten." murrt der PJ. "Hallo", ruft der Werbemensch. "Ich glaube, mein Benutzername wurde gehackt!" "Nein, es ist alles in Ordnung", antworte ich ohne aufzuschauen. "Doch! Das geht nun schon seit ein paar Wochen so in unserer Abteilung!" "Etwa seitdem sie die Kamera für Porträtfotos einsetzen, die sie direkt auf selbstklebendem Fotopapier ausdrucken?" "Ja, das könnte sein, aber was hat das eine mit dem anderen zu tun?!" "Sie wollen doch nicht sagen, dass sie nicht auch ein Foto ihrer Frau, ihres Haustiers, ihres Autos oder ihrer kleinen Freundin ausgedruckt und auf den unbenutzten Platz auf ihrer Tastatur geklebt haben, wo das 'Grossbuchstaben'-Licht sonst immer aufleuchtete, wenn sie die Feststell-Taste gedrückt hatten, oder?" "Uh ...." murmelt er und hat sichtlich Probleme die Situation zu begreifen. "Hier ist mein Rat für sie - schneiden sie die Augen aus den Bildern aus und drücken sie immer dann die Feststell-Taste, wenn ihre Frau oder ihr Haustier irgendwie besessen aussieht ..." Unser Besucher verschwindet mit beschämtem Schweigen, als der PJ herbeikommt. "Selbstklebendes Fotopapier?" "Ja", antworte ich. "Für die diesjährige Erneuerung der Mitarbeiterausweise." "Ich dachte, darum kümmert sich der Wachdienst?" "Das haben sie im letzten Jahr auch noch getan, doch der neue PR-Chef ist der neue blauäugige Liebling des Geschäftsführers, und sie wissen, was Blauaugen bekommen ..." "Eine braune Nase vom Arschkriechen?" "Korrekt. Also hat der PR-Chef sich eine Menge Aufgaben unter den Nagel gerissen, die irgendwie in der Grauzone zwischen den verschiedenen Abteilungen angesiedelt sind." "Wieso?" "Mehr Aufgaben, mehr Mitarbeiter. Mehr Verantwortung ..." "Mehr Kohle!" "Schon wieder richtig. Ein dürftig getarnter Plan, um mehr Geld zu bekommen." "Es fällt mir schwer, das zu glauben!" kommentiert der Chef, als er das Büro betritt, da sein Gleichgewichtssinn offenbar wiederhergestellt ist. "Das spart nur Kosten, die dadurch entstehen, dass sich verschiedene Abteilungen unabhängig voneinander um Fotos kümmern." "Was?" fragt der PJ. "Weil die PR-Abteilung ein elektronisches Archiv mit allen Fotos der Mitarbeiter unterhält, die sie auch an die Presse herausgeben." "Ja." antworte ich. "Wenn zum Beispiel ein Erbsenzähler zum Profit-und-Verlust-Regulierer des Jahres gewählt wird ...." "Ich ..." beginnt der Chef. "... wie auch immer, deshalb bin ich nicht hier. Wieso ist der Applikationsserver nicht am Netz?" "Applikationsserver ...." murmle ich und schaue auf den Kalender mit den Wartungsterminen. "Ja, das ist die geplante Routinewartung." Ich zeige ihm den entsprechenden Eintrag. "Solche Wartungsarbeiten sollten sie doch ausserhalb der normalen Bürozeit durchführen!" "Nun, das hätte ich gern getan, doch sie sagten doch, wir sollten Überstunden vermeiden." "Ja, aber das gilt doch nicht für solch wichtige Server!" "Das sagten sie doch!" rufe ich und erinnere ihn an Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit. "Sie haben es gesagt, nachdem wir ein ganzes Wochenende mit der Wartung einer wichtigen Maschine verbracht hatten." "Der verdammte Getränkeautomat ist kein wichtiger Server!" "Da sprechen sie aber nur für sich selbst", stichelt der PJ, der Blut geleckt zu haben scheint. "Der Automat ist nicht wichtig! Fahren sie jetzt den Server wieder hoch!" "Aber ..." wende ich ein. "Keine Ausreden mehr, fangen sie an!" Mit gespieltem Widerwillen starte ich den Server. Womit nur noch das Problem des Eindringlings bei den PR-Typen bliebe. Eine schnelle Prüfung ihres Netzwerks liefert mir den richtigen PC und dank äusserst lascher Sicherheitsvorkehrungen und der verwendeten Standard-Passwörter kann ich innerhalb einer Minute schon in der Datenbank für den Fotodrucker lesen und schreiben. Und da der Drucker nicht über viele Speicherplätze für die Unterschriften unter den Bildern verfügt, ersetze ich gleich noch 'Wachdienst', 'Vertragsarbeiter', 'Reinigungsdienst', 'Geschäftsführung' etc. durch sinnvolle Begriffe. Am nächsten Tag kündigt ein neuerlicher dumpfer Aufschlag den Chef an. Nach einer weiteren Minute bestätigt ein weiterer Aufschlag die Theorie des PJ, dass ein grösserer Keil besser funktionieren könnte ... Nach seiner Entlassung aus dem Krankenzimmer kommt der Chef mit leichten Prellungen vorbei und klopft freundlich an unsere Tür. Der PJ führt ihn schliesslich herein. "Was ist das?" fragt mich der Chef. "Das ist ein neuer Mitarbeiterausweis", antworte ich. "Und wieso steht unter dem Foto 'Erbsenzähler'?" "Weil das seine Arbeit ist?" vermute ich. "Sollte das der Fall sein, wie viele Wichser sind wohl in diesem Haus angestellt?" "Darüber will ich lieber nicht spekulieren ..." "Offenbar dreiundsiebzig. Siebenundzwanzig Erbsenzähler, 35 Idioten und ein Arschloch. Damit bin ich gemeint! Oh, und zwei gute Kameraden - aber das wissen sie ja sicher ..." "Jemand hat den Rechner eines PR-Mitarbeiters gehackt!" schlägt der PJ vor. "Ja, es scheint so. Aber ich kann nicht glauben, dass die Werbeleute die Fotos nicht geprüft haben, bevor sie sie an die Wachleute weitergaben." antworte ich. "Ich schätze, da müssen wohl alle Fotos neu ausgedruckt werden." "Das geht nicht!" ruft der Chef. "Der Wachdienst hat keine Blanko-Karten mehr, und die nächste Lieferung kommt frühestens in vierzehn Tagen ..." Am nächsten Tag herrscht dann auch etwas Verwirrung, als der Wachdienst die neuen Karten austeilt. Es ist lustig, irgendwie sind die Nutzer trotz der aktualisierten Fotos nicht zufrieden ... [[Wann ist schweigen wirklich Gold? Wenn der Chef vorschlägt, grosse Festplatten zu kaufen und man die neuen Kapazitäten weitervermieten kann ...]] "... und deshalb schlage ich vor, dass wir die Arbeitsplatzrechner standardisieren und mit grossen Festplatten ausstatten, um all den ungenutzten Platz in den Gehäusen auszunutzen ..." Etwas rüttelt mich auf und ich erwache inmitten einer Runde von Managern in einer IT-Beratung. Diese Beratungen waren eine Idee des Chefs, um den Sachverstand der Abteilung zusammenzubringen. Unglücklicherweise gibt es keinen Mindest-Intelligenzquotienten - die einzige Hürde, die man vor der Teilnahme an einer solchen Beratung überwinden muss, besteht darin, das Beratungszimmer zu finden. Ich freunde mich mit dem Gedanken an, dass, wenn wir überziehen, ich hören werde, was das Reinigungspersonal sagt, was immer ein wenig Abwechslung in die Konversation bringt. "Ah, ich glaube nicht, dass das eine gute Idee angesichts der Sparplä .... Autsch!!" kommentiert der PJ, als ihn unter dem Tisch ein Tritt trifft. Es ist zu spät, natürlich. Jetzt, da ein Widerspruch geäussert wurde, tritt das Gesetz über inkompetente Diskussionsrunden in Aktion. Was bedeutet, dass jetzt ein Diskussion darüber fällig ist, ob die Ablehnung würdig erscheint, überhaupt diskutiert zu werden. Das wird uns zwar eine halbe Stunde näher an das Ende der normalen Arbeitszeit bringen, bringt uns aber auch weiter von einer Lösung der technischen Fragen weg. Wir machen ein Kaffeepause, in der ich mir den PJ schnappe und zur Rede stelle. So ruhig, wie mir das möglich ist, frage ich ihn, was er mit seiner Aktion bezweckt. "Aber er hat diese grossen Laufwerke für alle Arbeitsplatz-PCs empfohlen!" verteidigt er sich. "Viele von den Rechnern haben gar keinen Platz für solche Laufwerke!" "Das ist unwichtig. Sie wissen doch, dass die Manager sie nun verspotten und verhöhnen werden, wodurch die Beratung unnötig in die Länge gezogen wird, so dass sie heute nicht mehr arbeiten können." "Aber ist es nicht unsere Aufgabe, gute Ratschläge zu geben?" "Machen sie sich nicht lächerlich! Es ist unsere Aufgabe, ihre Entscheidungen zu interpretieren und zu unserem Vorteil zu nutzen." "Also sind die grossen Laufwerke ...?" "Hmm, halblange 18 Gigabyte-Platten mit 7200 Umdrehungen pro Minute." "Aber die PCs brauchen doch all die Speicherkapazität gar nicht!" "Nein, aber wenn wir genügend davon bekommen, können wir ein Wide Area RAID-5-System mit verteilten Kopien aufbauen!" "Hä?" "Also, was hat der durchschnittliche Nutzer auf seiner Festplatte?" "Das Betriebssystem?" "Ja, ja, und sonst?" "?" Seufz. Nach all unseren gemeinsam durchgestandenen Abenteuern ist er in seinem Herzen noch immer ein Amateur. "Ihre E-Mail-Ordner, eine paar eigene Dokumente, die Raubkopie von Leisure Suit Larry - ihre Pornosammlung versteckt im Verzeichnis YENROH1.DDL im Windows-Ordner und so weiter." "Oh! Wirklich?" "Nun, all das. Und wieviel Platz brauchen wir dafür wirklich? Ein Gigabyte, maximal. Was bedeutet, dass wir die restlichen 17 Gigabyte für wirklich wichtige Projekte nutzen können!" "Zum Beispiel?" "Unsere Dokumente, Spiele, all unsere Pornobilder, die wir auf den Bändern mit der Aufschrift 'Systemkopie' 1 bis 200 gespeichert haben." "Also benutzen wir ihre Festplatten?" "So ähnlich. Aber sie wissen ja, wie Nutzer sind - sie können die Leertaste nicht finden, wenn ihr Bauch nicht zufällig draufplumpst. Also müssen wir mehrere Kopien parallel anlegen." "Aber warum nutzen wir dann gleich RAID-5?" "Nur für den Fall, dass einer der Arbeiter die Post abholt und eine Bombe zurückbringt. Ich habe keine Lust, die automatische Bilderpräsentation nur deshalb unterbrechen zu müssen, weil die halbe Erbsenzählerzentrale auf der anderen Strassenseite gelandet ist." "Sie scherzen doch, oder?" "Grösstenteils. Aber vergessen sie nicht, wie das mit Abteilungen voller Schafsköpfe ist - sie fahren alle ihre Rechner herunter, um dann zum Mittagessen zu trotten." "Nein. Ich glaube, sie verschweigen mir noch etwas." Misstrauischer Kerl! "In Ordnung. Ich habe ein halbes Terrabyte als Online-HSM-Plattenplatz vermietet." "Hierarchisches Speicher Management?" "Ja. Unsere Nutzer können mit dem Speicherplatz nichts anfangen, also vermiete ich ihn als Netzwerk-Speicher." "Sie verkaufen den Plattenplatz der Firma!?" "Ja, an ein paar Ölmultis, die ihre Sicherheitskopien ausserhalb ihrer Unternehmen lagern wollen." "Das kann ich nicht glauben!" ruft der PJ zutiefst erschüttert. "Was, meinen machiavellistischen Grössenwahn?" "Nein, dass sie mich nicht eingeweiht haben!" "Nun, es ist lustig, dass sie das erwähnen. Wenn Dave wieder die Anschaffung von Festplatten vorschlägt, erwarte ich, dass sie ihr vorlautes Mundwerk halten. Das gilt auch, wenn er die Anschaffung von Monochrom-Monitoren empfiehlt, um die Ausfallzeiten, die durch übermässige Augenbelastung verursacht werden, zu verringern. Wir haben einen Interessenten, der eine Wagenladung Farbmonitore braucht." "Aber das ist doch lächerl .... Oh, Dave arbeitet für sie, oder?" ruft der PJ, als der Groschen endlich fällt. "Nicht für, sondern mit mir." "Aber er ist doch ein kompletter Dummkopf!" "Oh, so soll er auch nach aussen wirken. Er äussert dumme Ideen schneller als das die anderen Manager tun können und hält sie damit davon ab, selber nachzudenken." Es klopft an der Tür. "Wo wir gerade vom Teufel sprachen." "Uh, ich glaube, ich habe mein Passwort vergessen", murmelt Dave. "Alles in Ordnung, er ist eingeweiht." antworte ich. "Oh. Gut. Nun, ich habe Gerüchte gehört, nach denen ihr Chef vorschlagen will, die Manager mit Laptops für ihre Autos auszurüsten - komplett mit 12 Volt-LCD-Monitoren, Handyschnittstelle etc." "Verdammt!" schluckt der PJ. "Das würde unser Budget für Technik über Monate belasten! Was werden wir dagegen unternehmen?" "Nun", kommentiert Dave. "Zunächst werde ich die Monitor-Geschichte abblasen, werde Dvorak-Keyboards vorschlagen, um RSI-Erkrankungen (RSI - Repetitive Strain Injury, 'Tastaturkrankheit' [thomas w.]) zu verhindern, RS232-Schnittstellen empfehlen, um Ethernet-Kollisionen zu vermeiden, und, wenn das alles nichts hilft, Wählverbindungen zwischen den Etagen vorschlagen." Die Schwachstelle des Plans wird uns zwei Tage später bewusst, als 18 Hochgeschwindigkeits-Modems geliefert werden - mit der Erlaubnis des Chefs, der so von dem Vorschlag, die Netzwerke in den Etagen mittels Modem zu verbinden, begeistert war, dass er unser gesamtes Technik-Budget dafür ausgegeben hat. Nun, man kann nicht immer gewinnen ... Seufz. [[Hypochondrie wütet im Büro. Doch eigentlich ist es die blanke Wut, die im Büro wütet. Bis ein herbeigerufener Psychiater alles aufklärt ...]] Das Schicksal will es, dass ich mit dem Chef aneinandergerate. Ich weiss es, er weiss es, und der Rest ist eigentlich nur schmückendes Beiwerk. Natürlich ist es sein Fehler. Er hat neulich eine Sekretärin eingestellt, die unter XXXX leidet; mit anderen Worten, sie kann aus medizinischen Gründen nichts tun, was sie nicht tun will. Und wenn es nicht RSI ist, dann ist es eine Version einer bisher unbekannten und daher nicht heilbaren Grippe. Schliesslich reichte es mir, und ich nahm mir den Chef vor, um ihn danach zu fragen, was er in dieser Angelegenheit zu tun gedenkt. Ein Assistent des Chefs der Personalabteilung ist natürlich eher zufällig dabei. "Nun, ich würde durchaus etwas in dieser Angelegenheit unternehmen", erklärt dieser. "Doch unser Unternehmen hat strenge Regelungen für die Behandlung von Mitarbeitern, die unter Krankheiten leiden ..." "Also wird sie bei uns bleiben?" "Es sei denn, sie würden Disziplinarmassnahmen gegen sie vorschlagen. Aber mit welchem Vorwurf?" antwortet er. "Sie ist unfähig?" "Sie ist nicht unfähig. Sie leidet nur unter einigen schwierigen Krankheiten, die durch die Arbeit bei uns hervorgerufen wurden. Wir werden ihr Arbeitspensum verringern, um ihr die Chance zur Erholung zu geben." "Ihr Arbeitspensum verringern?! Sie tut doch schon jetzt gar nichts!" "Sie organisiert hervorragend meine Versammlungen." wirft der Chef ein. "Das kommt daher, dass ihre Hand zu sehr schmerzt, um die Details und Termine aufzuschreiben! Sie haben sich mit niemandem getroffen, seit sie bei uns ist." "Ich treffe sie, oder?" kontert der Chef selbstgefällig. An dieser Stelle wird mir einiges klarer. Offenbar ist sie Bestandteil eines Plans unseres Chefs, der vorhat, jeden Kontaktversuch seiner Untergebenen an der unfähigen Sekretärin scheitern zu lassen ... Als ich ihn verlasse, bemerkte ich ein vielsagendes Lächeln im Gesicht der betreffenden Person, die Gegenstand unserer Diskussion war. "Was er kann, kann ich schon lange!" rufe ich, als ich in unser Büro komme. Ich schiebe den PJ zur Seite und veranlasse einen Neustart aller Switches und aller Router im Gebäude. Sekunden später stürmt der Chef herein, wobei ihn seine persönliche Sekretärin begleitet. "Was geht hier vor?" "Die Router sind ausgefallen. Ich habe 'all reboot' getippt statt mit 'all status' ihre Verfügbarkeit zu kontrollieren. Ich leide wohl unter einer Schreibstörung!" "Nun, dann fahren sie sie wieder hoch!" schreit er und hat nur den ihn in der nächsten Managerversammlung bedrohenden Ärger im Auge ... "Ja, das würde ich gern tun, aber ich leide auch unter Aufmerksamkeitsproble ... Oh! Sehen sie, ein grünes Handy! Ist das neu?" Der Chef geht zum PJ und fordert ihn auf, das Netzwerk wieder zu starten. Als die ersten ahnungslosen Schäfchen sich den Weg zu uns freigekämpf haben, ist der Startvorgang gerade abgeschlossen, und der PJ befolgt die Anweisungen des Chefs und kündigt einen sechzigminütigen Test unserer Unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) in fünf Minuten an - wobei 60 Minuten genau 23 mehr sind, als es die Spezifikation des Herstellers beschreibt. "Oh nein!" rufe ich. "Tastaturwahnsinn!" "Wovon sprechen sie?!" schreit der Chef. "Tastaturwahnsinn! Wie bei Leuten, die im Verkehr durchdrehen, nur viel schlimmer! Aber das ist nicht sein Fehler, dieses Verhalten wird nur durch die enorme psychische Belastung am Arbeitsplatz hervorgerufen! Er war heute auch schon bei dem Doktor, der auch meine Aufmerks ... Na sowas! dieser Bürosessel funktioniert wirklich hervorragend! Das müssen sie sich anschauen!" "Ich will, dass sie den USV-Test anhalten!" ruft der Chef. "Bitte schreien sie nicht so laut", schniefe ich. "Meine Schreibstörung wird unter Druck nur schlimmer. Sehen sie, was sie angerichtet haben! Jetzt habe ich den Test des Feueralarms abgeschaltet ohne es zu wollen!" In der Zwischenzeit bearbeitet der PJ seine Tastatur in einer sehr überzeugenden Art und Weise, während unsere beiden Besucher zur Tür flüchten. "Seien sie vorsichtig!" rufe ich. "Ich kann mich nicht erinnern, ob ich die Fahrstühle eingeschaltet oder abgestellt habe, und wenn ich es getan habe - Ohhh, ist das ein Anzug von Armani?!" Am nächsten Tag sitzen der PJ und ich mit unserem Chef beim Leiter der Personalabteilung, wo sich auch unser Abteilungsleiter zu uns gesellt. Ein leises Klopfen an der Tür kündigt unseren persönlichen psychiatrischen Beistand an. "Oh, ich glaube, sie kennen unseren persönlichen Psychiater noch nicht. Das ist Doktor Brian Analpeeper - Doktor des Psychologie mit dem speziellen Fachgebiet 'Abnormales Verhalten' von der Bognor Regis Universität." "Guten Morgen, meine Herren." beginnt Brian. "Ich habe hier die Diagnosen des Zustandes meiner Patienten. Und ich muss sagen, sie leiden wirklich stark darunter, dass ihre Überichs ihre Gedanken über aktuelle Personalentscheidungen nicht ausdrücken dürfen ...." Brian beschreibt dann, dass unser gestriges Verhalten beim Strom- und Systemausfall nur eine Folge davon ist, dass wir wegen einer unfähigen Sekretärin keinen Termin beim Chef bekamen. "Die beiden sind doch nur Faulpelze, die die Firma auspressen wollen." kommentiert der Chef wütend. "Ich glaube, dass ich nach diesem Vorwurf mit meinen Patienten allein reden muss, um herauszufinden, ob ihr Kommentar ihrer angegriffenen Psyche geschadet hat." "Was zum Teufel geht hier eigentlich vor?!" "Meine Patienten sind sensible Menschen. Wer weiss, was ihr Vorwurf in ihrer Psyche angerichtet hat. Dieses Treffen kann eine ganze Reihe neuer Probleme ausgelöst haben, könnte neue Schwierigkeiten verursachen, die aus der fortgesetzten Unterdrückung ihrer Untergebenen resultieren." "Was?!" schreit der Chef, nahe daran, vor Wut zu zerplatzen. "Warten sie", unterbricht ihn der Personalchef, der eine ausweglose Situation erkennt, wenn sie eintritt. "Wir werden sie versetzen." "Zum Briefmarkenanlecken in der Post-Abteilung?" frage ich bissig. "Wir haben eine Frankiermaschine", kommentiert der Chef trocken. "Nicht mehr lange", erwidert der PJ. "Ich glaube, ich fühle einen Anflug von Frankierwahnsinn in mir aufsteigen." "Eine interessante Manifestation eines Traumas", kommentiert Brian. "Nun, ich sehe keinen Grund, länger zu bleiben." "Sie Bastard!" knurrt der Chef, bevor er laut aufschreit, weil Brians Aktenkoffer ihm die Hand bricht. "Entschuldigung", erklärt Brian. "Ich bin gerade dabei, mich von meinem Aktenkofferwahnsinn zu erholen." Es ist schon beeindruckend, was Psychiater herausfinden, wenn man ihnen nur genug bezahlt ... [[Der B.O.F.H. befürchtet die Ausbreitung der Heimarbeit - aber nicht für lange. Er und der PJ finden listigere Wege, um den Stand des Kontos für besondere Gelegenheiten aufzubessern ...]] Es gibt Tage, an denen scheinen der PJ und ich die einzigen zu sein, die ihre Arbeitszeit im Büro verbringen. Es scheint einen Trend zu mehr Hausarbeit zu geben, was eine wirklich schlechte Nachricht für mich ist. Eine schlechte Nachricht in mehrfacher Hinsicht. Zunächst sind nun weniger Menschen im Haus, die unsere 'Bemühungen' zur Unterstützung der Netzwerknutzer bewundern können; dies bedeutet auch, dass nun weniger potentielle Opfer bereitstehen. Weiterhin bedeutet jeder Heimarbeiter mehr, dass wir weitere 64 kBps unserer Bandbreite, mit der wir mit einen Quake-Server im amerikanischen Arm der Firma verbunden sind, hergeben müssen. Schliesslich, und das ist am wichtigsten, bedeutet mehr Heimarbeit, dass mehr Nutzer uns in den Ohren liegen werden, weil sie mit ihren Einwahlverbindungen nicht zurechtkommen. Man sieht also, dass Heimarbeit mit Netzzugang schwer handhabbar ist. Sie erfordert nicht nur die Verwendung von Windows NT auf den Workstations, sondern auch die Benutzung von Modems und von Telefonanschlüssen. Sie macht es auch nötig, dass man die richtige Nummer wählt, um Zugang zum Firmennetz zu erhalten. Eine schwierige Situation, könnte man denken, wenn man einmal davon absieht, dass wir Windows NT Workstations benutzen, damit wir die Leitungen noch einfacher kappen können als ... nun, mir kommt da die Anatomie eines bestimmten weissen Wasservogels in den Sinn. Das Modem ist in die PCs schon eingebaut, also dürften die Heimarbeiter wohl kaum Probleme mit falsch verbundenen Anschlüssen haben. Und das Telefonkabel ist fest mit dem Modem verbunden, so dass sie eigentlich nicht das falsche Ende in die falsche Buchse stecken können. Und am freien Ende hängt ein grosses grünes Etikett, auf dem 'In die Telefonbuchse stecken' steht. Das Etikett ist übrigens aus Stahl, und die Einwahlnummer ist fest in die Modem-Software programmiert. Und bei zehn Prozent der Rechner stimmt sie sogar. Woran kann es also liegen, dass die Leute sich so schwer damit tun? Immerhin sind es Menschen, die lang und breit beschreiben können, wie man sich richtig auf die Toilette setzt. Die - mit Ausnahme eines altgedienten Rechnungsprüfers - wissen, welches Ende eines Kugelschreibers auf das Papier gehört. Menschen, die irgendwie diese Prüfung überstanden haben und nun grosse, schwere Autos mit grossen, starken Motoren fahren dürfen, es aber nicht schaffen, den Stecker des Netzkabels in die einzige Dose zu stecken, in den er hineinpasst. Neulich führte der PJ zufällig zum Beispiel das folgende Gespräch: "Ich kann mich nicht in das Netzwerk einwählen." "Wirklich? Ist das Modem angeschlossen?" "Ja, das Problem hatten wir schon gelöst, also habe ich nachgeschaut, ob es angeschlossen ist." "Konnten sie sich überhaupt schon einmal einwählen?" "Ja, das funktionierte gestern." "Haben sie etwas verändert?" "Nein." "Wirklich?" "NEIN!" "Versuchen sie es jetzt noch einmal." "Gut ... warten sie ... da steht 'kein Freizeichen'." "Wie viele Telefonleitungen haben sie in ihrer Wohnung?" "Nur eine. Wieso?" >KLICK< Aber nicht alles ist schlimm. Nutzer, die daheim arbeiten, haben auch ihre Vorteile. Zum Beispiel haben die Erbsenzähler vor einiger Zeit beschlossen, den Nutzern ihre privaten Anrufe vom Arbeitsplatz aus nicht mehr zu bezahlen. Sie haben herausgefunden, dass Menschen, die nicht ins Büro kommen, ihre Dienstapparate auch nicht benutzen können. Deshalb haben wir, der PJ und ich, uns entschlossen, ein wenig Freundlichkeit gegenüber den armen Engeln zu zeigen, die zu sensibel sind, um tägliche Änderungen zu verkraften, und haben ihnen eine kostenlose Einwahlnummer gegeben, über die sie Firmenleitungen zum Telefonieren nutzen können. Traurigerweise scheint jedoch etwas mit dem Abrechnungssystem der lokalen Telefongesellschaft schiefgegangen zu sein, denn irgendwie hat es nicht den Anschein, dass die Rechnung für diese angeblich kostenlosen Gespräche bei dem PJ und mir landen wird. Stattdessen gibt es Gerüchte, dass sich Schwierigkeiten in den Beziehungen unserer Heimarbeiter besorgniserregend verbreiten. Einige Ehefrauen sollen angeblich 800 Pfund-Telefonrechnungen voller verdächtiger Nummern gefunden haben ... Wie auch immer, der Betrag auf unserem Konto für besondere Gelegenheiten wächst um 44 Pence pro Minute (35 Pence ausserhalb der Spitzenzeit). Doch nicht nur das, auch das Management scheint über die Heimarbeit und ihre Folgen nachzudenken. Sie haben sich etwas ausgedacht, dass sie variable Arbeitsplätze nennen. Dabei haben sie sich wohl gedacht, dass sie, wenn niemand im Büro sitzt, trotzdem dafür Miete zahlen. Also, so schlussfolgerten sie, sollte man jemanden in die leeren Büros setzen und Geld sparen. Natürlich ist es völlig logisch, neue Leute für 30.000 Pfund pro Jahr einzustellen, um einen leeren Büroplatz zu besetzen, der 80 Pfund Miete im Jahr kostet ... Wie auch immer, der PJ und ich erblicken durch das Fenster eine riesige Ansammlung von Lieferwagen und Leuten, die etwas in das Gebäude befördern, das verdächtig nach Trennwänden für quadratische Arbeitskabinen aussieht. Ein Verdacht kommt mir in den Sinn ... Ich wundere mich ... Es wird drei Uhr, und der PJ und ich finden, dass der richtige Moment gekommen ist, um unseren gemütlichen Beratungsraum aufzusuchen, der über einen Billardtisch verfügt und in dem dieses herrliche Bier serviert wird ... Als wir uns unseren Weg durch die verbalen und handgreiflichen Auseinandersetzungen bahnen, finden wir es amüsant, dass die Ironie des Schicksals wohl dafür gesorgt hat, dass ein eben eingestellter Programmierer mein vor fünf Jahren für das Management (das grösstenteils freilich nicht mehr bei uns arbeitet oder gerade in der Rehabilitierung ist) geschriebenes Programm zur Planung der Aufteilung der Büroflächen in Arbeitskabinen gefunden hat. Aus unerfindlichen Gründen hatte es damals wohl auch nicht richtig funktioniert. [[Das Büro des B.O.F.H. erstrahlt im Glanz bunter Lichter, als der Chef der Erbsenzähler verlangt, dass der B.O.F.H. und der PJ Abrechnungen für ihre Tätigkeiten vorlegen ...]] Eine Anordnung von oben hat ihren Weg zu uns nach unten gefunden, die fordert, dass wir unsere Arbeitsstunden korrekt mit Nachweisen abrechnen sollen. Es geht dabei um die interne Wertschöpfung, die Arbeitskosten und den ganzen Kram. Anscheinend hat man den Chef dafür verantwortlich gemacht, dass er so hohe Kosten verursacht. Also hat er sich entschieden, aus uns eine Einnahmequelle zu machen, indem wir jede Arbeit auch intern abrechnen, die anderen also für unsere Dienste zahlen müssen. Der oberste Erbsenzähler fand Gefallen an der Idee, also hat er uns ein paar Formulare mit den Vertragsbedingungen und zur Regelung von Haftungsfragen etc. geschickt. "Wir zahlen, oder besser, verlieren wieviel in der Stunde?" Der PJ wird durch meine Worte erschüttert, allerdings fällt der Groschen recht schnell, als er auf meinem Monitor das Fenster der Textverarbeitung des Chef-Erbsenzählers sieht. Es scheint so, als würde jemand in unserer Abteilung viel Geld verlieren, wenn mein braver Assistent und ich es nicht schaffen, einen bestimmten Rechner rechtzeitig zu reparieren. Zum Stundenpreis von 1.000 Pfund plus minus ein paar Pennies. Natürlich es ist schön, zu arbeiten, wenn man weiss, dass sie annehmen, wir seien wirklich soviel wert, doch im Moment versuchen sie wohl nur, die Sache zu beschleunigen. Sie glauben natürlich auch daran, dass wir dabei Rücksicht darauf nehmen würden, welche Verluste wir dem Budget des Chefs verursachen, doch das ist ein völlig anderes Thema. "Schnell, verändern sie das Dokument, bevor es beim Drucker ankommt", ruft der PJ, der den 'Drucken'-Dialog auftauchen sieht. Er rennt los zu seiner Tastatur, bremst jedoch, als er mein Grinsen sieht. Und natürlich spaziert der Chef mit seinem Kollegen von den Erbsenzählern im Schlepptau ein paar Tage später bei uns herein, um zu sehen, was wir machen. Und damit er sich freut, haben wir ein riesiges 'Auftragsstatus'-Display (103 Zoll TFT-Displays sind nicht billig, doch damit wir es an der Wand anbringen konnten, musste es ja flach sein.) installiert, auf dem viele gesunde 'grüne' Aufträge zu sehen sind. Aber zum besseren Verständnis muss ich das näher beschreiben. Ein 'roter' Auftrag ist ein Auftrag, den wir nicht innerhalb einer gesetzten Frist erledigen konnten. Ein 'grüner' Auftrag dagegen ist ein Auftrag, den wir gerade entgegengenommen haben, aber noch nicht die Zeit hatten, uns um ihn zu kümmern, wobei die Frist zur Erledigung noch nicht abgelaufen ist. Wir haben das Management davon überzeugt, dass es keinen Sinn hätte, erledigte Aufträge anzuzeigen, da dies ja für den Fortschritt irrelevant wäre. Natürlich, die Tatsache, dass es auch noch keinen bearbeiteten Auftrag anzuzeigen gibt, macht diese Information noch überflüssiger, aber so genau haben wir das freilich niemandem erklärt. "Das sieht ja ganz gut aus, Kameraden", erklärt der Chef-Erbsenzähler in seinem 'Ausgemusterter-Leutnant, der sich noch immer als Oberst fühlt'-Tonfall. "Die Sache geht ja voran, wie ich sehe!" "Oh, natürlich, Sir, wir kümmern uns darum, unser Ziel zu erreichen." Ja, aber ich werde mich hüten, dir zu sagen, was unser Ziel ist. Das Telefon klingelt und der PJ zuckt, aufgeschreckt durch den 'Nimm ab oder stirb'-Blick des Chefs, zusammen, bevor er den Hörer abnimmt. Er lernt ja noch. "Systembetreuung, PJ am Apparat." Der Chef schafft es, den obersten Erbsenzähler hinauszubugsieren, während der sich noch freut und sich der PJ um seinen 'Kunden' kümmert. "Ja, ich weiss, dass wir es bisher noch nicht geschafft haben, bei ihnen vorbeizukommen. Das liegt daran, dass wir im Moment wirklich beschäftigt sind. Aber wir liegen ja noch in der festgelegten Frist zur Behebung des Problems - ja, ich weiss, dass sie am 8. September angerufen haben - ja, wir haben heute den 30. September. Was ist das? Aber sicher werde ich mich darum kümmern - ah, hier steht es ja. Der 14. April 2003 scheint der letztmögliche Termin zu sein. Wissen sie was, ich werde sie einfach am 13. April anrufen und fragen, ob sie noch bei uns arbeiten, um sicherzugehen, dass meine Bemühungen nicht umsonst sind, weil sie vielleicht aus dem Fenster gefallen sind. Nein, das soll keine Drohung sein, nur eine Möglichkeit. Wiederhören." Die Tage vergehen, während sich unser Teilzeit-Assistent (den wir für zwei Stunden am Tag verpflichtet haben) um die weniger schwierigen Probleme, die es mal hier mal da gibt, kümmert, damit wir uns voll auf die wirklich wichtigen Aufträge konzentrieren können und damit das Auftragsstatus- Display nicht zu voll wird. In der Zwischenzeit macht sich Unmut unter den Nutzern breit, die offenbar nicht begreifen wollen, wie schwer es ist, dass Display voller grüner Anzeigen zu erhalten. Es dauert vierzehn Tage, bis der Chef begreift, was wir wirklich tun, doch unser Trainig hat scheinbar schon gewirkt, als er vorbeikommt, um sich zu erkundigen, was passiert. "Sagen sie mir", fordert er. "Sagen sie mir, wie viele Anrufe sie bisher endgültig bearbeitet haben?" "Das hängt davon ab, wie sie 'endgültig' definieren." erwidere ich. "Als 'Problem wurde gelöst'!" "Das hängt ganz davon ab, was sie unter 'gelöst' verstehen." "AAAAAGGGGHHHHHH!!" "In Ordnung, lassen sie es mich beschreiben. Wir legen für jeden Auftrag eine angemessene Frist fest, in der wir den Auftrag richtig bearbeiten können. Richtig?" "Riiiicccchhhhtttiiiigggg ..." "Wir haben nun zwei Möglichkeiten. Erstens könnten wir uns darum kümmern und das Problem lösen. Dies erfordert Zeit, die uns davon abhält, unsere eigentlichen Aufgaben zu erledigen." "Nein, ich werde jetzt nicht fragen, was sie sich darunter vorstellen. Was ist die andere Möglichkeit?" "Wir besuchen eine Kneipe und kümmern uns um die wirklich wichtige Netzwerkwartung. Und, während die Zeit vergeht, rückt das Ende der Frist für die Erledigung der vielen Aufträge näher, während das Problem, oder, besser noch, der Nutzer, schon von selbst verschwunden ist. Der Fristengenerator ist nämlich direkt mit der Mitarbeiterdatenbank verbunden." Ein Zwinkern seiner Augen verrät mir, dass der Chef verstanden hat. Und er weiss gut, dass er uns jetzt nur etwas vorschlagen kann, das meinen Kollegen und mich erfreuen wird. Entschlossen marschiert er nach draussen, um eine halbe Stunde später mit einem triumphierenden Lächeln zurückzukommen. "Ich habe den Finanzchef davon überzeugt, dass die Aufgaben noch vor dem Ablaufen der gesetzten Fristen erledigt werden könnten, wenn er einem Prämiensystem für unsere Abteilung zustimmt." "Wieviel?" "Fragen sie nicht. Genügend." Innerhalb eines Tages ist das halbe Display der Auftragsstatusanzeige dunkel, und unsere Kasse für besondere Gelegenheiten, die mit dem Budget des Chefs verknüpft ist, sieht gesünder aus als jemals zuvor. Ich beginne, die Idee der 'öffentlichen' Rechenschaftslegung zu mögen. [[Eine Wette und ein Besäufnis später fühlt der B.O.F.H. sich nicht ganz wohl, weil er sich auf das Teepausen-Kontinuum einliess ...]] Es geht mir nicht gut. In Wirklichkeit kann ich sogar sagen, dass ich mich erbärmlich fühle. Doch da ich die mir zustehende bezahlte Krankenzeit schon während der Weltmeisterschaft aufgebraucht habe und die Erfindung eines Bombenangriffs wohl zu drastisch wäre, kämpfe ich mich an meinen Arbeitsplatz. Und wenn ich mich schon schlecht fühle, kann ich meine Kopfschmerzen auch am Arbeitsplatz pflegen. Dabei fühle ich mich schon etwas besser. Die Ursache für meinen Zustand war leicht gefunden, als ich nach dem Aufstehen die eingetrockneten Überreste von halbverdautem Kebap auf meinem Fernseher und die halbvolle Tasse Kaffee auf meinem Tisch sah. Eine vage Erinnerung tauchte in meinem Geist auf, kollidierte mit einer anderen dunklen Ahnung und verschwand wieder ... Es scheint, als könne ich mich an ein Riesenbesäufnis erinnern, das im Pub begann, der gleich neben unserem Firmengebäude liegt, und dass es das Ergebnis einer Wette war, die das Schicksal mich gewinnen liess. Eine Wette, an der zweifellos auch der Chef in irgendeiner Weise beteiligt war - direkt oder indirekt - dessen imperialer Aufforderung, die morgendliche und die nachmittägliche Teepause sorgfältig zu beachten ich folgen sollte. Offenbar wird aber vorausgesetzt, dass wir diese Pause pro Tag nur einmal in Anspruch nehmen. Und sie soll dann auch nur 15 Minuten dauern - eine Zeitspanne, die von den Uhren der Firma und nicht durch eigene Zeitmesser überwacht wird. Ja, ich rede über eine grausame und unangebrachte Bestrafung. Natürlich konnte niemand ahnen, dass diese Anordnung wirklich durchgesetzt werden sollte - bis ein Lohnscheck über eine Summe, die niedriger war als erwartet, zeigte, dass die unautorisierten Zeitpläne, denen der PJ und ich folgten, nicht unbeobachtet geblieben waren. Ich schaffe es irgendwie, mich zur Arbeit zu schleppen, doch ich muss zugeben, dass es mich mächtig geschafft hat, die relative Sicherheit meines Büros zu erreichen. Es ist Zeit für eine Ruhepause. Ich leite Anrufe auf meine Apparate an die Netzwerkbetreuung der Firma um, die drei Häuser entfernt von uns residiert und gönne mir den wohlverdienten Schlaf. Eine Stunde später werde ich durch die Ankunft des PJs im Büro geweckt. Nun, um ganz genau zu sein, das Geräusch des durch die Tür fallenden PJ ist es, was mich weckt. Ihm geht es nicht viel besser als mir, doch ich hoffe, dass sein Gedächtnis in einem besseren Zustand als das meinige ist. Eine Hoffnung, die sich schnell verflüchtigt, als mir erklärt, er könne sich nur noch daran erinnern, dass wir die Toner aus der Faxmaschine herausgenommen und die Lämpchen für 'Toner leer' und 'Toner entfernt' ausgetauscht haben. Weiteres Fragen bringt nichts, als der PJ erklärt, dass er sich als nächstes daran erinnert, wie er im Kabelschacht im Hinterteil des Hauses aufwachte. Ich werde neugieriger und neugieriger ... Ich kann mich daran erinnern, dass der Anlass wohl irgendeine grössere Feier war, etwas, das man in der Computerbranche nur selten erlebt (so selten, wie die Veröffentlichung eines fehlerfreien Programms durch Microsoft). Die Aufzeichnungen der Überwachungskameras sind keine Hilfe, da sie nur zeigen, wie wir gegen 17:22 Uhr das Gebäude in ziemlich zerknautscht aussehender Kleidung in der Begleitung einiger Sekretärinnen, deren Kleidung nicht viel besser aussieht, verlassen. Da ich ein über langjährige Erfahrungen bei der Problemlösung verfügender Profi bin, folge ich der ersten Regel zur Lösung von Problemen und stelle die Frage: "Was hat sich verändert?" Meine Beobachtung zeigt, dass nicht gerade viele Leute im Haus gesund aussehen. Ich befolge die zweite Regel beim Lösen von Problemen und kehre zum Ausgangspunkt zurück - 17:22 Uhr ist viel zu spät für mich, um noch zu arbeiten. Ganz offensichtlich muss ich also etwas anderes getan haben. Ich rufe einen der menschlicheren Anwälte der Firma an, der diese Woche damit verbringt, in seiner Bar seiner Zweitbeschäftigung nachzugehen, und frage ihn, ob er sich an uns erinnert. Und schliesslich schaffe ich es, ihn an seinem Handy zu erreichen. "Ja, sie haben mich gebeten, die Bar viel früher zu öffnen ..." "Wann war das?" frage ich. "Etwa 10:30 Uhr am Vormittag." Da ich zeitliche und sonstige Erinnerungen verloren habe, folgen wichtigere Fragen. "Haben wir viel ausgegeben?" frage ich mit leichter Bestürzung. "Nein, eigentlich nicht." antwortet er. "Nicht, nachdem sie darauf hingewiesen haben, dass ein Rundschreiben ihres Chefs die Verantwortung der Firma für die Getränke, die sie und die gesamte Belegschaft zwischen 10 Uhr und 11 Uhr zu sich nehmen, bekräftigt." "Und was geschah um 11 Uhr?" fragt der PJ hinter mir. "Es ist noch nicht 11 Uhr. Die Uhr zeigt 10:49 Uhr an, wobei sie wirklich ziemlich langsam zu laufen scheint. Ich habe keine Ahnung, wieso, aber es ist so ...." Ein weitere Groschen fällt, und ich kann mich verschwommen daran erinnern, dass wir die Kalibrierung des Impulsgebers für die Uhren der Firma verändert haben, um uns eine längere Teepause zu verschaffen. Anscheinend war der Hammer nicht gerade das beste Werkzeug dafür. "Sie meinen, ein Tag dauert von 10:30 bis 11:00?" schnappt der PJ nach Luft. "Ah ... zwei Tage, um genau zu sein." Ein kurzer Blick auf die unwahrscheinlich kleinen Ziffern meiner Armbanduhr bestätigt diese Version. "Verdammt! Wie hat das Management darauf reagiert?" "Nun, ihr Chef hat uns vor 16 Stun ... ich meine 6 Minuten verlassen, und er wollte in fünf Minuten zurückkommen. Die gesamte Rechtsabteilung ist hier, da sie ihren spätmorgendlichen Tee geniessen wollen, und die Leute aus der Personal-Abteilung nehmen ihren Tee in Ein-Minuten-Abständen zu sich." 43 Stunden [11 Minuten] später werden der PJ, ich und einige zum harten Kern gehörende Trinker der Rechts- und der Personal-Abteilung aus dem Haus begleitet. Durch die Polizei. Ich sagte es einmal, und ich sagte es tausendmal: "SSS GEEETTT MRRRR GGGTTTT!" Und das darf zitiert werden. [[Eine gefälschte Dokumentation mag die Prüfer beeindrucken, doch der Chef landet trotzdem im Krankenhaus ...]] Ich spüre, dass etwas in der Luft liegt. Ich weiss es sofort. Erfahrene Profis haben dafür einen siebten Sinn entwickelt. Der PJ bestätigt meine Ahnungen, als er von der morgendlichen Teepause - im Pub - zurückkommt und sich neugierig umschaut, ob noch alle Dinge an ihrem angestammten Platz stehen. Es ist wie ein vielversprechender Duft. Der Chef führt etwas im Schilde. Wir sind vielleicht überempfindlich, doch ich glaube, er nimmt es uns ein wenig übel, dass wir das Gerücht verbreitet haben, es handele sich bei dem grauen Staub, der über Nacht überall in der Nutzerbetreuung auftauchte, um Asbeststaub. Das war vor zwei Tagen, doch die Massenhysterie und die grassierende Hypochondrie flauten noch immer nicht ab, obwohl mittlerweile bewiesen wurde, dass es sich bei dem Staub um gefärbtes Puder handelt. Wir ahnen, dass er Rache üben will, und als er zu uns hereinwatschelt, hat das Warten darauf endlich ein Ende. "Ich denke es wird Zeit, dass wir uns um die Dokumentation kümmern", sagt er, nachdem er seinen Vorrat an unverbindlichen Nettigkeiten ("Wie geht es ihnen?", "Was macht das Netzwerk?" und "Sind das da die Speicherchips, die ich in meinem PC vermisse?") verbraucht hat. "Dokumentation?" "Ja, eine Beschreibung der Technik, der Konfigurations-Standards, der Netzwerk- und Systemtopologie, spezielle Anpassungen", plappert er und spult dabei offenbar sorgfältig gelernte Sätze herab, mit deren Studium er sein Gehirn unter grösstem persönlichen Risiko, andere wichtige Informationen (wo er wohnt, wie er heisst, wann es angebracht ist, den Reissverschluss seiner Hose zu öffnen, etc.) zu vergessen, gemartert hat. "Aber das haben wir doch schon getan - im brandsicheren Schrank für die Sicherungsbänder", antworte ich und deute auf ein graues Monster von einem Möbelstück in der Ecke, das ich bisher nur einmal geöffnet habe. "Gut, dann werfen wir doch einmal einen Blick drauf." "Nun, das würde ich ja gern tun, doch mein Assistent hat den Schlüssel verloren, nachdem er die Informationen auf den neuesten Stand gebracht hatte!" rufe ich und mache den PJ zum Sündenbock für diese spezielle Ausrede. (Natürlich haben wir das so abgesprochen ...) "Dann holen sie einen Schlosser herbei!" schreit der Chef, der sich von kleinen Details nicht aufhalten lassen will. Drei Stunden und einen Feueralarm später ist die 'Dokumentation' nur noch ein Haufen Asche in dem nun geöffneten Schrank. Dass sie das auch schon war, als ich sie im Schrank hinterlegte, tut natürlich nichts zur Sache. "Ich habe keine Ahnung, weshalb der PJ die Flasche mit dem Magnetkopfreiniger gleich neben der Stelle plaziert hat, die der Schlosser mit seinem Schweissbrenner behandeln musste, um den Schrank zu öffnen. Was für ein Versehen!" jammere ich und muss gegen ein Kichern kämpfen, als der Chef, der es natürlich zu eilig hatte, an die Dokumentation zu kommen, seine Hände behutsam mit Brandsalbe behandelt. "Das ist jetzt irrelevant. Ich brauche eine Dokumentation, um sie den Prüfern vorzulegen." "Die Prüfer!" protestiere ich. "Welcher geheiligte Erbsenzähler will von uns eine Dokumentation?" "Nicht die Rechnungsprüfer, Firmenprüfer. Seit die Firma sich an die Amerikaner verkauft hat, müssen wir jeden unserer Schritte prüfen lassen, damit sie sicher sind, dass wir wie eine Maschine sind, bei der alles ohne Schwierigkeiten läuft." "Mein Geld steckt in einem 73er Ford Escort, der mit drei Zylindern und Wasser im Benzin läuft, aber ich denke, dass ich sie begriffen habe." "Also erwarte ich neue Ausdrucke der Dokumentation am nächsten Morgen", sagt der Chef und verlässt uns. "Prüfer?" fragt der PJ. "Davon habe ich noch nie gehört." "Es wäre wohl besser, wenn sie ein paar Handbuchseiten scannen und mit der Texterkennung an die Textverarbeitung schicken, um die Dokumentation etwas aufzublähen. Ich werde die Ausgabe des Topologie-Monitors in ein anderes Dokument umleiten und mit 24 Pixeln Zeichengrösse ausdrucken, was für etwa hundert Seiten reichen sollte. Dann lasse ich ein Perl-Skript über den Domain Name Server laufen, um ein paar ergänzende Informationen hinzuzufügen. Und schliesslich werde ich mich um das Inhaltsverzeichnis kümmern, etc.", antworte ich. "Werden sie nicht merken, dass es Müll ist?" fragt der PJ. "Nein, es werden so viele Seiten sein, dass sie nur das Inhaltsverzeichnis überfliegen und zufällig ein paar Seiten aufschlagen werden. Was mich darauf bringt, dass ich für die Seiten mit dem glaubwürdigen Inhalt noch etwas schwereres Papier brauche, damit diese Seiten leichter gefunden werden können." "Man könnte meinen, sie hätten das schon einmal gemacht." "Einer der Tricks bei Vertragsgeschäften. Die Nachfrage nach Papier mit 100 Gramm Gewicht je Quadratzentimeter steigt immer, wenn eine schriftliche Firmenpräsentation fällig ist." Drei Sunden später haben wir ein Dokument, das den durchschnittlichen Anfänger wohl beeindrucken kann, doch wenn man bedenkt, dass die Prüfer ja keine Anfänger sind, so muss ich noch ein paar Seiten mit glaubwürdigen Inhalten anfertigen. Eine weitere Stunde später habe ich ein paar gute Seiten über 'Hot Swapping', 'Fehlervorbeugung', 'Ausfallsicherheit', 'Vergabe von Namen im Netzwerk' und 'Routerkonfiguration' zusammengesammelt. Ich füge noch einige akkurat klingende Palaver über die Verkabelung, Steckdosen und Anschlüsse hinzu, ein paar Beschreibungen über unsere Notfallmassnahmen und Sicherheitseinstellungen. Ich hefte alles in einem entsprechend benannten Ordner zusammen, dann übergebe ich ihn dem 'Alterungsprozess', der darin besteht, dass ich ein wenig darauf herumhüpfe, den Ordner durch den Raum werfe, wobei ein paar Seiten herausfallen, und Essensreste auf einigen Seiten verteile, damit sie aussehen, als wären sie häufig genutzt. Das Dokument wird vorgelegt und, da es keine weiteren Reaktionen gibt, macht die Prüfer offenbar glücklich. Und so kommt es, dass der PJ und ich am nächsten Tag neben dem Netzwerk-Monitor stehen, der anzeigt, dass ein Router demnächst wohl damit beginnen wird, mit niemandem anderen mehr zu kommunizieren. "Das wird den Chef auf die Idee bringen, redundante Router anzuschaffen." "Sind sie sich dessen sicher?" "Nun, die Software der alten Router unterstützt Redundanz noch nicht - das würde Speicherfehler verursachen. Natürlich habe ich vergessen, das zu dokumentieren. Gerade ist es mir eingefallen, dass ich auch nicht dokumentiert habe, dass ..." Ein lauter Knall aus der nächsten Etage unterbricht mich. "Die Leiter für den Notausstieg ist noch nicht am Dach festgeschraubt." Fünf Minuten später ist der Chef auf dem Weg ins Krankenhaus und die Dokumentation auf ihrer Reise in den Ofen. [[Ein gefälschter Leistungsvergleich für Computer mag Hohlköpfe in Polyesteranzügen beeindrucken, doch der kluge B.O.F.H. hält eine kleine Überraschung in seiner Tasche bereit ...]] Ich bin auf einer Veranstaltung, auf der ein Hersteller seine neuesten Mini-Computer vorstellt. Und wie erwartet besteht das Publikum aus Hohlköpfen, bei denen es anscheinend modern ist, Anzüge aus 100 Prozent Polyester zu tragen. Und, ebenfalls erwartungsgemäss, der Hersteller preist seine neue Technik in höchsten Tönen, während er gleichzeitig seiner Stammkundschaft zu versichern versucht, sie sei kein ERSATZ für die Technik, die sie sich vor ein paar Monaten angeschafft haben, sondern nur ein parallel hergestelltes Produkt. Die Tatsache, dass die Rechner aus dem letzten Quartal aus dem Hardware-Katalog gestrichen wurden (zusammen mit dem Herstellerservice) ist reiner Zufall ... Wie auch die Seriennummer auf dem Vorführgerät, die impliziert, dass dieses vor SECHS Monaten hergestellt wurde. Nein, nein, das war kein billiger Ramschverkauf damals, sondern das ist wirklich ein reiner Zufall. Oh, und ein Wechsel auf eine völlig neue Architektur ... Also sehen wir das neue Modell mit den neuen Anschlüssen (was bedeutet, dass die auf Vorrat angeschafften Steckkarten und Peripheriegeräte ungefähr so wertvoll sind wie XT-Thin Wire-Steckkarten), das zwanzig Prozent mehr Prozessorgeschwindigkeit bringt, achtzig Prozent teurer ist und durch ein um zweihundert Prozent grösseres und hässlicheres Logo gekennzeichnet ist. Natürlich bricht bei den Zuhörern angesichts dieser neuen Errungenschaften sofort die typische Begeisterung der Ahnungslosen aus. "Wie sie sehen", erklärt der Vorführer mit einem schleimigen Grinsen. "Wie sie hier sehen, zeigt der SpecWUPGW Int, dass unsere Modelle besser bewertet werden, als die Modelle der gesamten Konkurrenz ..." "Ah", unterbreche ich ihn und unterdrücke den Anflug von Trauer, den diese plumpe Vorspiegelung von Ehrlichkeit in mir hervorruft. "Könnte das daran liegen, dass sie den SpecWUPGW Int erfunden haben, um die Vorteile ihrer neuen Architektur auszunutzen?" "Natürlich nicht", erwidert der Vorführer pikiert. "Der SpecWUPGW Int ist ein offener Industriestandard!" "Und wer", fahre ich fort, obwohl ich schon weiss, was noch kommt. "Wer hat diesen Standard entwickelt?" "Nun, ich muss, mit etwas Stolz, zugeben, dass unser Unternehmen in der Lage war, diesen Standard zu entwickeln, der die wirklichen Bedürfnisse eines Nutzers widerspiegelt und so einen echten Vergleich verschiedener Systeme ermöglicht, der weitaus aussagekräftiger ist, als die üblichen Testmethoden, die nur ein paar Integer-Berechnungen durchführen." "Mit anderen Worten - sie haben diesen Standard für sich entwickelt?" "Nein, nein! Die anderen Standards zum Vergleich von Systemen haben nicht genügend berücksichtigt, dass es verschiedene Arten von Nutzern gibt, die an einem Computer arbeiten - seien es Programmierer, Nutzer von Datenbanken und so weiter. Der SpecWUPGW bezieht all diese Faktoren mit ein und liefert ein Ergebnis, welches das 'Gesamtsystem' oder, wie wir es nennen, die 'Holistische Interoperativität' vollständig repräsentiert." Ich schaue mich um und stelle fest, dass die anderen Zuhörer zu 60 Prozent das typische Verhalten von Einkäufern zeigen, deren Verstand schon längst kapituliert hat. "Und wofür steht SpecWUPGW eigentlich?" will ich wissen. "Spezifikation wenn Ummmmmdmd Pdndn Guidnd Wdrn", murmelt er. "Entschuldigung?" "Spezifikation wenn unsere Peripherie genutzt wird." murmelt er scheu. "Oh! Sie sagen also, dass, wenn wir eine ihrer SCSI-Festplatten in, sagen wir, das Modell eines Konkurrenten einbauen, der Prozessor so damit beschäftigt sein wird, die Fehler zu berichtigen, die ihr dem Standard nicht gehorchendes Gerät verursacht, dass er kaum dazu kommt, wirklich zu arbeiten?" "Nein, das ist es nicht", keucht er verärgert. "Aber lassen sie mich ihnen das System in Aktion vorführen. Das wird sie sicher überzeugen!!!" Er schaltet das Gerät ein, und es startet mit einem wirklich beeindruckenden Klang. Allein dieser rechtfertigt, kombiniert mit dem neuen bunten Begrüssungsbild, die Hälfte des Kaufpreises!!! "Und wenn sich vielleicht ein Freiwill ..." Beinahe hätte ich meine Achillessehne verletzt, als ich nach vorn zum Podium eile. Bestimmt bin ich nicht der Freiwillige, den er erwartet hat - wahrscheinlich hat er mit einem vorbereiteten Schauspieler gerechnet, dessen einfache Fragen er mit einem "Schauen sie sich das hier an!" beantworten kann. "Ah", murmelt er bemüht, mich nicht in die Nähe seines Vorführgerätes gelangen zu lassen, doch ihm bleibt nun keine andere Wahl mehr. "Wie wäre es, wenn sie die graphische Benutzeroberfläche starten, indem sie auf das kleine Symbol klicken?" Ich folge seinem Vorschlag und bin wirklich von der Geschwindigkeit beeindruckt. Wie übrigens auch der Rest der Zuschauer, die näherkommen, um alles besser zu sehen ... Ich verberge meine Hand für kurze Zeit ... Und schneller als man "Was ist das, zerschnittene Aluminiumfolie? Die Verpackung einer Schokoladentafel? Eisenspäne?" sagen kann, habe ich eine kleine Menge Aluminiumfolie durch die gierigen Löcher der Kühlanlage in das Gehäuse geschmuggelt. Der folgende Kurzschluss, der Rauch und die mittlere Explosion schlossen das Vergnügen für diesen Nachmittag ab - sie ruinierten die Verkaufsprospekte und liessen den Vorführer mit einer 'schockierenden' neuen Frisur flüchten - nachdem er aus seiner Ohnmacht wieder erwacht war. Es ist eigentlich unnötig zu sagen, wie es weiterging, denn das ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Das neue Modell wurde nicht grundsätzlich vom Markt genommen, sondern eine neue Vorführung organisiert, nachdem man die 'Netzteilprobleme' behoben hatte, aber immerhin hat die Verzögerung dafür gesorgt, dass die Preise für die Peripheriegeräte, die ich im Angebot habe, wieder stiegen und ich die Geräte an einen anderen ahnungslosen Kunden unseres Lieferanten loswerden konnte. Wie sagt man so schön - in der Liebe und beim Hardwareverkauf ist alles erlaubt ... [[Man glaubt kaum, was mit der Kreditkarte des Chefs passiert ... und es ist nicht nur der B.O.F.H., der seine Finger im Spiel hat - er hat einen neuen flexiblen Freund ...]] Ich wühle mich durch die Wagenladung morgendlicher E-Mails, sortiere all die Werbung aus, die etwas mit Kreditkarten, kostenlosen Krediten, Karrierechancen und neuen, erweiterten Sex-Angeboten im WWW zu tun hat. Den Web-Cache, der für den Chef bestimmt ist, mit Pornographie aufzufüllen, ist der sicherere Weg, um ungestraft während der Arbeitszeit entsprechende Bilder anzuschauen. Und er spart uns die Mühe, darauf zu warten, dass die Daten sich erst durch die überlastete Ethernet-Anbindung des Anbieters zu uns quälen müssen. Ja, dass wir die Daten der Firmenkreditkarte des Chefs für unser kleines Programm benutzt haben, das automatisch nach Pornoseiten sucht, war vielleicht etwas unanständig, doch das zählt nicht, wenn man über einen gut gefüllten Cache verfügen will. Und der Chef zahlt bestimmt - allein in diesem Monat musste ich sein Limit zweimal erhöhen lassen, damit unser freundliches und aufmerksames Programm all die Seiten bedienen konnte, die es gefunden hat. Wenn er nicht vorgehabt hätte, etwas mit seiner Kreditkarte zu kaufen, dann hätte er schliesslich auch keine beantragt. Noch hätte er sie achtlos in einem versiegelten Umschlag herumliegen lassen, der in einer Aktentasche versteckt war, die in einem Schrank mit der Aufschrift 'IT94 Konferenz-Unterlagen' stand, in dem wir Sicherungskopien aufbewahren. Ja, die Karte lud wirklich geradezu dazu ein, sie auch zu nutzen. Wie auch immer, der Cache machte sich sehr bezahlt, als ich die beiden neuen 9 Gigabyte-Festplatten in den Server eingebaut hatte. Mit anderen Worten - ein sehr schöner Abschluss - oder ein Anfang .... "Ich habe ein Problem mit den Nutzungsstatistiken für die Rechner", beschwert er sich und stürmt so schnell ins Büro, dass ich die 'Cache-Ausnutzungs-Statistik' nur löschen kann, indem ich meinen Monitor abschalte. "Worum geht es?" frage ich. "Nun, dieser Statistik entnehme ich, dass mein Rechner unheimlich viel Datenverkehr ausserhalb der Bürozeiten verursacht." "Wirklich!" erwidere ich. Offenbar schaut meine Porno-Goldmine dem Ende ihrer Existenz entgegen. "Oh, das ist das DHCP Mapping", springt der PJ ein. "Das liegt daran, dass unser DNS nicht dynamisch ist, also wird das alles ihrer Maschine zugerechnet, obwohl es in Wirklichkeit eine andere Maschine ist, die ihre IP-Adresse benutzt und so in den Nutzungsstatistiken auftaucht." "Hmmm ... wirklich?" reagiert der Chef, dessen technischer Verstand offenbar nahe daran ist, in unbekannten Gewässern unterzugehen. "Ja, darüber müssen sie sich keine Sorgen machen." "Oh", sagt der Chef und ist glücklich darüber, dass sein PC nur ihm treu ergeben ist. "Aber wer hat den Datentransfer mit meiner IP dann verursacht?" "Ah ... das könnte möglicherweise unser eigener Webserver gewesen sein", werfe ich ein. "Aber ich dachte, sie hätten mir letzte Woche gesagt, die Server nutzen DHCP nicht?" bemerkt der Chef und verblüfft mich damit, dass seine Gegenfrage durchaus korrekt ist. "Nein, nein, ich sagte, dass die Surfer DHCP nicht benutzen - weil ... ah ... die meisten von ihnen nicht einmal PCs besitzen ... und die, die einen besitzen, nehmen ihn bestimmt nicht mit an den Strand ..." "Was haben Surfer mit unserer Firma zu tun?" platzt der Chef heraus. Er ist nun noch mehr verwirrt als sonst ... "Ich habe keine Ahnung", antworte ich. "Und warum haben sie davon angefangen?" "Ich wollte nur etwas Zeit totschlagen ...." Unsere Konversation wird durch die Ankunft eines Erbsenzählers unterbrochen, dessen Blick einen besorgten Ausdruck zeigt, was nur bedeuten kann, dass der Kreditkarten-Adler gelandet ist. Mit einer Bruchlandung, wenn ich seinen Gesichtsausdruck richtig deute. "Es geht um ihre Firmenkreditkarte", murmelt der Erbsenzähler vorsichtig. "Was soll damit sein?" "Das Konto steht bei 23.000 Pfund. In roten Zahlen!" Ich bin leicht schockiert über diese Zahl, da ich das Limit nur auf 10.000 Pfund hochgesetzt hatte, doch die Kreditkartenfirma war wohl ganz wild darauf, neue Einnahmen zu erzielen ... "Das ist doch lächerlich!" erwidert der Chef. "Hier steht alles schwarz auf weiss - doch meistens rot", sagt der Erbsenzähler und wedelt mit einigen Ausdrucken. "Was hat das zu bedeuten, www.spank-spank.org ... und zu-enge-lederhosen.com? Und wer zum Henker ist die 'Progressive Presse' in Amsterdam?" Eine Warnglocke schlägt in meinem Kopf, da ich mich nicht an Web-Sites mit diesen Namen erinnern kann. Ich schnappe mir die Ausdrucke des Erbsenzählers und stelle fest, dass die Kosten für die Webseiten nur etwa zehn Prozent der Gesamtsumme ausmachen, der Rest ging für ergänzende Artikel drauf, die nach Grossbritannien geschickt wurden ... "Ich habe keine Ahnung, wie das ablief", erwidert der Erbsenzähler. "Aber das wurde alles mit ihrer Karte bezahlt ..." "Das kann nicht sein! Meine Karte ist sicher weggeschlossen. In einem Fach in einem Schrank." "Dem Fach für Reinigungsmittel, glaube ich", wende ich hilfsbereit ein. "In einem Schrank für Sicherungskopien." fügt der PJ hinzu. "In einem versiegelten Umschlag in einem Aktenkoffer", vollendet der Erbsenzähler mit einem selbstgefälligen Grinsen, das den PJ und mich mehr als überrascht. Es sieht so aus, als gäbe es einen neuen Mitspieler - einen Erbsenzähler auf Abwegen. Ausgezeichnet. Der Chef murmelt etwas davon, dass wir damit nicht durchkommen werden, und braust davon, um seine Karte sperren zu lassen. "Nun, da kann man wohl nichts mehr machen", zwitschert der Erbsenzähler fröhlich. "Nebenbei, ich habe seine alten Kreditkartendaten dazu benutzt, eine neue bei einer anderen Bank zu beantragen." "Und ...?" frage ich und bin bereit, sofort in den Krieg zu ziehen. "Ich habe ihrem Chef die Details in einer E-Mail mitgeteilt, die ich natürlich nicht mit seinem öffentlichen Schlüssel verschlüsselt habe, sondern mit ihrem - was für ein Missverständnis!" "Also sagen sie, dass der Chef eine E-Mail bekommen hat, die er nicht lesen kann ...." "Die jeder mit ihrem privaten Schlüssel abfangen können sollte ..." Es ist ein feuchter und windiger Nachmittag, als die Leute vom Wachdienst in das Büro des Chefs stürmen, um ihn nach oben in die Chefetage zu bringen, wo eine ordentliche Tracht Prügel auf ihn wartet. Seine Unschuldsbeteuerungen treffen auf taube Ohren, als Nachforschungen ergeben, dass die Magazine der 'Progressiven Presse' an die Adresse seines Ferienhauses geliefert wurden ... Einer weniger, aber noch viele werden ihm folgen. Doch immerhin haben wir einen neuen Freund im Lager des Gegners ... [[Das Auge an der Wand hat alles gesehen, also ist es Zeit für riskante Massnahmen, um das gefährliche Mass Sherry im Beratungsraum zu verstecken ...]] Früher oder später musste es ja passieren. Wir wissen es, wir bereiten uns darauf vor, doch trotzdem trifft es uns dann wie der sprichwörtliche Tritt in die Weichteile. Der Wachdienst will seine Systeme zurückhaben. Nun, nicht der ganze Wachdienst - wir pflegen eine grossartige Beziehung - doch es ist der neue Manager, ein ehemaliger Offizier, der seine Arbeit wohl etwas zu ernst nimmt. Er nimmt (grauenhafterweise) an, dass die Überwachungskameras durch den Wachdienst kontrolliert werden sollten und dass wir von der System- und Netzwerkbetreuung nicht mehr unbegrenzten Zugang zu allen, auch den sicherheitsrelevanten, Bereichen im Gebäude haben sollten, um "schnellen Service" zu ermöglichen. Mit anderen Worten - er versucht, aus uns ahnungslose Schäfchen zu machen. Unser neuer Chef ist auch keine Hilfe. Mit dem Rückgrat einer Qualle hat er sich in Rekordzeit zurückgezogen. Ich mag das nicht. Der PJ mag das nicht. Etwas muss geschehen. Und es wird etwas geschehen. Der Tropfen, der das Fass schliesslich zum Überlaufen brachte, war die Frage des Chefs, was wir in der vergangenen Nacht um 18:25 Uhr im Beratungszimmer des Geschäftsführers zu suchen hatten. Ganz offensichtlich ist die Antwort 'Wir betranken uns bis zur Besinnungslosigkeit mit ein paar Sekretärinnen' nicht das, was er hören möchte. Also müssen wir wohl etwas improvisieren - und ich rede nicht von Musik. "Ahhh .... Wir haben die Verbindungsqualität der ISDN-Anschlüsse der einzelnen PCs überprüft." erkläre ich schnell. "Wirklich? Es sieht aber nicht so aus!" ruft er und wedelt mit einem ausgedruckten Standbild der Überwachungskamera, das den PJ dabei zeigt, wie er den halbvollen Sherry-Krug mit einer verarbeiteten Version des Originals wiederauffüllt. "Das ist ja ekelhaft!" rufe ich erregt. "Ja, das ist es", stimmt mir der Chef zu und bereitet sich darauf vor, die nächste Hürde zu nehmen. "Wie auch das hier", setzt er fort, wobei er einen weiteren Ausdruck zeigt - diesmal von mir, wie ich die enttäuschende Fehlleistung des PJs berichtige. (Er ist eben noch jung.) "Und was haben sie dazu zu sagen?" will der Chef herausfordernd wissen. "Nun, offensichtlich sollte ich meinen Konsum von Vitamin B einschränken." rufe ich. "Was?" "Das sollte ein Scherz sein. Das ist ganz offensichtlich eine Fälschung." "Nun, wenn das eine Fälschung ist", erwidert er und hält einen seltsam vertrauten Krug hoch. "Dann haben sie sicher nichts dagegen, einen schnellen Schluck hiervon zu nehmen." "Natürlich nicht", antworte ich und genehmige mir einen gesunden Schluck, oder 57, und leere den Krug in Rekordzeit. "Wie ich schon sagte - das ist eine Fälschung, mit der der Chef des Wachdienstes uns in Misskredit bringen will, indem er Falschinformationen verbreitet. Offensichtlich wurde das Video bearbeitet. Schauen sie sich die Pixel rund um die Sache an. Es wurde digitalisiert und wieder auf Band gebracht." "Ich .... uh ..." murmelt der Chef, dessen grossartiger Plan sich in Asche aufgelöst hat. Nachdem er niedergedrückt davonschlich (ohne eine Flasche oder gar einen Krug), um den Chef des Wachdienstes zur Rede zu stellen, kommt der PJ zu mir. "Ich kann nicht glauben, dass sie das verdammte Zeug getrunken haben", keucht er angeekelt. "Ah, seien sie nicht so naiv - ich habe den aufgefüllten Krug nach hinten ins Regal gestellt und den Verschluss mit dem dieses Krugs vertauscht. Die Geschäftsleitung ist blöd, aber nicht blöd genug, um den Kruginhalt tatsächlich für Sherry zu halten. Jedenfalls nicht, wenn sie nicht vorher ein paar andere Krüge geleert haben. Deshalb habe ich ihn nach hinten gestellt." Ein Geräusch von einer Kamera hinter uns macht mich auf ein potentielles Problem aufmerksam. "Glauben sie, dass er von den Lippen lesen kann?" frage ich den PJ und verberge meinen Mund hinter meiner Kaffeetasse. "Könnte sein", kommentiert der PJ perfekt gähnend. "Richtig. Es wird Zeit für eine Notfallaktion!" Der PJ und ich rennen zur Treppe und zum Beratungsraum der Firmenleitung, um den Beweis zu beseitigen. Doch wir kommen zu spät. Der Chef des Wachdienstes ist schon in dem Zimmer und hat bei seiner eiligen Suche nach dem Krug Glaswaren im ganzen Raum verteilt. Mit etwas Glück ... doch nein - der bewusste Krug enthält eine viel, viel hellere Flüssigkeit, als die, die ich vorhin getrunken habe. "Wir sitzen in der Falle", flüstert der PJ. "Noch nicht", antworte ich und erinnere mich an die Voreinstellungen des Kartenleser an der Tür zum Beratungsraum. Ich schiebe meine Karte in den Leser, dann gebe ich einen falschen PIN-Code ein. Noch einmal. Und noch einmal. Mein vierter Versuch löst den Alarm aus, und die Sicherheitsverriegelung schliesst automatisch die Tür. Der Sicherheitschef versucht von innen das Schliessen der Tür aufzuhalten, doch zu spät ... Die zehnminütige Verriegelung wirkt. Schnell wie ein Blitz trennt der PJ die Telefon- und Netzwerkverbindung des Beratungszimmer, dann verschliesst er mittels Handsteuerung den Korridor zum Beratungsraum. "Warten sie! Er wird das Glas vor dem Notausgangsschalter einschlagen." ruft der PJ. "Er könnte. Wenn ich das Glas nicht vor Jahren durch Panzerglas ersetzt hätte." Wir nehmen uns ein paar Sessel und warten auf das Unvermeidliche, sorgen dafür, dass die Sicherheitsverriegelung alle neun Minuten erneut in Aktion tritt. Zu seiner Verteidigung muss gesagt werden, dass der Chef des Wachdienstes sicher tapfer hält - offenbar der militärische Einfluss. Es dauert beinahe zehn Stunden, bis er durstig wird. Und zwei weitere, bevor er den Krug wieder auffüllt. "Ich hätte den Krug auf dem Boden umgekippt", sagt der PJ leise, als wir am nächsten Tag im Pub sitzen. "Das hätte das Problem gelöst." "Ja, es wird wohl niemand verstehen, was in einem militärischen Geist so vorgeht", seufze ich, als ich mich an die Namen erinnere, die ihm seine Truppen gegeben haben, die zu beschäftigt waren, ihm zu Hilfe zu eilen und die Aufzeichnungen zu modifizieren - selbst wenn sie es gewollt hätten. Nun, jedem das, was er verdient ... [[Ein alter Freund in Wales, der nicht über Kabel-TV verfügt, entpuppt sich als idealer Vorwand für die Anschaffung weiterer Leitungskapazitäten ...]] Ich schicke ein paar Folgen einer ausserirdischen TV-Serie durch das Netz nach Wales zu einem guten alten Bastardfreund (Ja, ein armer Bastard, aber ein Freund.), der sie noch nicht gesehen hat, sich aber die Videos nicht kaufen will. Als Folge der Ton- und Bildübertragung, die natürlich komprimiert erfolgt, ist die Geschwindigkeit unserer Verbindung zum Rest der Welt praktisch Null. Und es gibt KEINEN ANLASS, mit dem neuen Chef über eine grössere Bandbreite zu diskutieren, da er sich zurückgezogen hat, um sich durch die Aufzeichnungen seiner Vorgänger zu wühlen (eingeschlossen derer, die in Krakelschrift behaupten: "SIE SIND HIER, UM MICH ZU KRIEGEN!"), und er mich darüber informieren liess, dass es KEINE Chance für eine Erweiterung der Kapazität gibt. Wie auch immer, das löst nicht das Problem der merklich verzögerten Antwortzeiten bei unseren sonstigen Datenübertragungen, aber mit etwas Glück kann ich es lösen, indem ich das Video auf die von unserem Netzbetreiber bisher ungenutzte Vermittlungsstelle umleite, die nur durch einen Schalter 'ausser Betrieb' gesetzt wurde, sonst aber voll funktionstüchtig ist. Ich meine, das MUSS ich doch als EINLADUNG auffassen, da all ihre Konkurrenten keine ungenutzten Leitungen in unsere Haus gelegt hätten. Natürlich ist mir bewusst, dass unsere Firma früher oder später für diese Leitung zahlen muss, doch ich beruhige mein Gewissen, indem ich mir einmal die Höhe der Summe vorstelle. Doch schliesslich dient ja alles einem guten Zweck! Ich nehme die Leitung in Betrieb und starte einen Test. Natürlich, der Router-Anschluss ist auch noch aktiviert! Also schicke ich das Video über diese Leitung und danke Gott für einen Provider, der mehr Anschlüsse und Geld hat als Geschäftssinn ... Es ist freilich nur eine Frage der Zeit, bis sie etwas merken, also sorge ich dafür, dass die Rufnummernanzeige bei Anrufen von draussen zuverlässig funktioniert. Und schon wenige Stunden später kommt der erwartete Anruf von der Kundenbetreuung unseres Providers. "Hallo, Belgisches Steak- und Waffel-Restaurant ... sie wollen reservieren?" sage ich und achte darauf, dass mein Akzent nach Osteuropa klingt. "Entschuldigung, falsche Nummer." murmelt der Anrufe und legt auf. Zwei Sekunden später ist er wieder dran. "Hallo, Belgisches Steak- und Waffel-Restaurant ... sie wollen reservieren?" Jetzt ist er verwirrt. Er prüft noch einmal die Nummer und fragt dann, ob wir Computer im Haus haben. "Isch deengke, tzie maihnen diiee Loide iim Oobergeeeschoss", sage ich. "Tsie haabenn fieele Gomputerr." Er fragt nach den Namen der Firma, dann nach ihrer Telefonnummer. "Oh, dass iist einee lanngee Geeeschischde", erkläre ich. "Ess gaabb einneen grosseenn Unfahl im gantsen Hauss, und jetztt lauffen die Telllefohne nicht mehr richtig, seit diesserr Mannn kahm, umm die Feeehler tsu beseitigen ..." Ich bemerke, dass mein Akzent ins Mexikanische abgleitet, also mache ich eine Pause. "Enddschuldigungk, isch habbe einnenn Anrufer - rrufen ssie misch nnach demm Essen tzurüggk!" Jetzt läuft die Zeit für mich. Ich weiss, dass sie die Leitung nicht kappen werden, da sie nicht wissen, ob das Problem eine Folge IHRER Aktivitäten ist - oder, für den Fall der Fälle, dass die Leitung schon berechtigt in Betrieb ist, es ihnen nur noch niemand gesagt hat. Aber ich weiss auch, dass sie mich nicht lange mit dieser kostenlosen Bandbreite arbeiten lassen werden. Ich brauche also einen Plan. Ich rufe unseren Kundenbetreuer bei ihnen an (natürlich mit abgeschalteter Rufnummernweiterleitung) und frage ihn was zum Teufel mit der Übertragungsgeschwindigkeit ihrer Leitung los ist. "Was meinen sie?" fragt er. "Etwas scheint die ganze für uns bestimmte Bandbreite aufzufressen!" jammere ich. "Das begann, nachdem einer ihrer Techniker zu uns kam, um unsere Leitungen zu warten und sich auch um unsere Telefone zu kümmern." "Aber wir warten ihre Telefone gar nicht!" erwidert er. "Ja, das merke ich!" rufe ich. "Aber jetzt ist alles vertauscht mit den anderen Firmen hier im Gebäude und niemand ist in der Lage, noch ernsthaft zu arbeiten!" "Aber wir haben niemals einen Anruf von ihnen bekommen!" beklagt er sich. "Haben sie eine Auftragsnummer?" Ich schalte die Telefonleitung auf das Modem um und lasse es eine Verbindung aufbauen, so dass er eine Ladung Müll zu hören bekommt. Dann schalte ich wieder zurück auf das Telefon, was sich anhört wie ein pubertierender Rüde. "Sie haben keinen Anruf mit der Fehlermeldung bekommen?" frage ich. "Nein." bestätigt er genervt. Ich prüfe mit den Überwachungskameras, ob der Dienstwagen des Chefs noch in der Garage steht. "Aber ich habe erst vor ..." beteuere ich und lasse das Modem den Anruf fortsetzen, während ich in die Garage eile. Nachdem ich die Linse der Kamera mit etwas Schmutz geblendet habe, öffne ich die Motorhaube des Dienstwagens und plaziere ein Paar Ersatzkontakte am Starterkabel. Jetzt muss ich nur noch den Rückwärtsgang und den Starten-nur-im-Parkenmodus-Schalter kurzschliessen. Keine halbe Stunde später bricht der Chef mit 30 km/h mit seinem Wagen durch die Wand der Vermittlungsanlage und zerstört dabei mehr als zuverlässig jegliche Netzwerk- und Telefonverbindungen. Ich stürze ins Parkdeck und helfe dem Chef aus seinem Wagen bis zu einem Punkt, von dem aus er nicht sehen kann, wie ich etwas System- und Netzwerktechnik aus dem Wagen heraushole. Während er noch mit dem Schock kämpft, führe ich die endgültige Behandlung einiger Netzanschlüsse mit einer der Äxte durch, die die amerikanische Konzernzentrale uns im Rahmen ihres Sicherheitsplanes geschickt hat. "Es ist einfach losgefahren!" plärrt der Chef. "Nun, das ganze Gebäude ist ohne Netz!" sage ich. "Können sie das nicht reparieren?" "Ja, aber das würde mindestens die ganze Nacht dauern und wir müssten den bisher ungenutzten Anschluss in Betrieb nehmen, um den Datenaustausch zu gewährleisten. Und wir werden neuere, schnellere Anschlüsse brauchen, da die alten nicht mehr reparierbar sind und auch nicht mehr verkauft werden ..." Einen Tag später schaue ich mir das Video der erwähnten TV-Serie an, das aus Wales zu mir kommt. Die Geschwindigkeit der Netzwerkverbindung ist wirklich perfekt. "Wie lange brauchen wir die zusätzliche Verbindung?" fragt der Chef. "Ach", murmle ich wegwerfend. "Ich weiss es nicht - wie lang ist wohl die komplette Star Trek Serie?" "Wieso?" "Ach, nur so ein Gedanke." [[Als der B.O.F.H. sich zur Teilnahme an Therapiesitzungen entscheidet, will er frei über Probleme reden. Doch über wessen Probleme soll er sprechen? Erpressung liegt in der Luft ...]] An einem Morgen komme ich zur Arbeit und sehe einige Plakate in der Nähe des Kaffee-Automaten, die im Auftrag der US-Zentrale aufgehängt wurden und im Rahmen ihres Gesundheits- und Wohlstandsplanes 'für alle Mitarbeiter' (was die Hälfte der Angestellten schon einmal ausschliesst) für kostenlose Therapiesitzungen für jeden, der meint, er brauche sie, werben sollen. "Das ist doch verrückt!" sage ich dem PJ, als er später auftaucht und zeige ihm eines der genannten Plakate. "Wieso?" fragt er und klingt irgendwie verdächtig nach jemandem, der ernsthaft mit dem Gedanken spielt, das Angebot anzunehmen. "Bittttteeee! Wer würde denn schon ernsthaft die Mühe auf sich nehmen, sich während der Arbeitszeit hinunterzubegeben, um sich darüber zu beschweren, dass er nicht von seiner Mutter gemocht wurde oder eine Heidenangst vor Zugfahrten durch Tunnel hat?" "Bitte?" fragt der PJ, der sich offensichtlich nicht gut mit Freud auskennt. "Sehen sie, die halbe Belegschaft jammert sich doch ohnehin schon ständig die Ohren voll, wie schwer sie es haben. Das würde dieses Geheul ja nur noch legitimieren!" "Sie haben wirklich ein Problem damit, oder?" stichelt der PJ. "Vielleicht sollten sie jemanden aufsuchen, der ihnen behilflich bei der Erforschung ihrer Gefüh ..." (Einen langen und lautstarken Schrei später): "So, haben sie verstanden, was ich ihnen zu erklären versuchte?" frage ich und öffne die Schublade wieder, die die Familienjuwelen des PJs enthält (Wie das anatomisch und möbeltechnisch realisiert wurde, weiss ich nicht. [thomas w.]). "Ja. Ja." schnappt der PJ auf seinem Weg zum Boden nach Luft. "Aber ..." "Aber?" rufe ich und öffne die Schublade für die zweite Runde. "Aber glauben sie nicht, dass das Management weiss, dass die Belegschaft viel Zeit mit Jammerei verschwendet ...." "Und nun versucht, diese Verschwendung dadurch einzudämmen, indem der ganze Prozess quasi 'legalisiert' wird?" vollende ich. "Ja. Wenn sie wirklich Hilfe statt der Möglichkeit zum Grollen bekommen ..." "... könnten sie produktiver arbeiten?" "Genau!" "Ich sehe, worauf sie hinauswollen. Aber ich glaube nicht, dass das Management viel darüber weiss, wie gern sich die Belegschaft tatsächlich beschwert. Aber trotzdem sollte man einmal ein Auge darauf werfen ..." Und so kommt es, dass ich zwei Tage später diese Therapie-'Sache' selbst in Augenschein nehme. "... was wir hier benutzen, nennt man 'RET' - rational-emotionale Therapie. Dabei geht es darum, dass wir sie auffordern, sich ihren Problemen zu stellen, indem sie sie als solche identifizieren und die Ursachen für ihr Auftreten finden." "Aha." unterbreche ich ihn, um meinen Fall in ein Langweiligkeitskoma zu verhindern. "Ich habe schon einige Therapien versucht, meistens 'ZBC', aber das scheint nicht zu funktionieren - meine Probleme sind bei der nächsten Sitzung wieder da." "ZBC? Damit bin ich nicht vertraut." "ZBC? Zehn Bier und eine Curry-Wurst. Jeden Freitag unten am Imbiss und dann im Pub um die Ecke." "Ja, sehr drollig." kommentiert er und lehnt sich in seinem Sessel zurück. "Nun können wir aber darüber reden, was sie zu mir führt?" "Natürlich! Ich bin daran interessiert, alles zu erfahren, was sie von der Belegschaft gehört haben!" "Verzeihung?" "Sie wissen schon, die schmutzigen Dinge - wer ist ein Bettnässer, wer hat eine Vorliebe für kleine pelzige Tierchen - solche Sachen." "Alle Informationen, die ich erhalte sind gehei ..." "Wie die, dass der Chef impotent ist?" frage ich. "Wie haben sie das ...?" "Es steht alles in ihren Notizen", murmle ich. "Ich tippe sie nicht in den Computer ein!" "Aber sie machen sie sich auf einem Schreibblock, der von der Überwachungskamera am Lift beobachtet wird ..." "Aber ich stenographiere!" "Diese abgekürzte Schreibweise?! Der Prozessor brauchte acht Minuten, um sie zu analysieren ..." "Aber ...." "Finden sie sich damit ab - ich werde sowieso sagen, sie hätten geplaudert. Also können sie es mir auch gleich sagen." "Das kann ich nicht. Ich habe einen Eid geschworen!" "Den, dass sie im Suff nicht plaudern" "Wir benutzen Begriffe wir 'Suff' nicht." "Oder 'unkorrektes Verhalten'?" "Was wollen sie wirklich?" "Schmutz!" "Oh, alles klar!" ruft er ärgerlich. "Ihr Chef hat eine irrationale Angst vor elektrischen Tackern." "Das ist nicht irrational. Beinahe jedem, den ich kenne, geht es so! Der PJ hat Alpträume deswegen. Oh, und wegen Schubladen, wenn ich mich nicht irre ..." "Und eine ihrer Telefonistinnen meint, sie sei eine Nymphomanin." "Wie heisst sie!?" ruft der PJ und kommt hinter der Tür hervor. Wirklich, er sollte weniger Fleisch essen ... "Kleine Fische", beschwere ich mich. "Ich will den echten Schmutz hören. Den, über den wirklich niemand etwas wissen soll ...." "Den gibt es nicht!" "Der Bruch der Schweigepflicht zieht Massnahmen der Personalabteilung nach sich, oder?" wende ich mich an den PJ. "Natürlich." zwitschert er mit einem teuflischen Grinsen. "Sie haben gewonnen", stöhnt mein Therapeut und beginnt sich zu erleichtern ... Nach dieser Sitzung fühle ich mich wirklich besser. So gut sogar, dass ich mich zu wöchentlichen Sitzungen durchringe ... "... für etwa zwei Wochen, bis Gerüchte aufkommen, dass Geheimnisse gar nicht so geheim sind", erkläre ich dem PJ, als ich am frühen Freitagnachmittag meine ZBC-Therapie beginne. "Wird das wirklich so lange dauern?" fragt der PJ. "Ich weiss nicht. Fragen sie mich nach dem sechsten Bier noch einmal, wenn die 'Arbeiter' hereinkommen. Ich spüre, dass meine Therapie Wirkung zeigt und mich ein grosses Redebedürfnis überkommt ..." "Klingt unangenehm ..." "Vielleicht. Jetzt sind sie dran, für meine Therapie zu bezahlen, oder?" murmle ich und reiche ihm mein leeres medizinisches Glas. Das ist es, was Therapien erfolgreich macht - man muss sie nur wollen, dann sind sie auch erfolgreich. [[Wenn man ein paar Ersatzteile braucht, muss man nur das geliebte Minesweeper-Spiel des Chefs versenken und die Ersatzteile dazu benutzen, ihn zu schockieren ...]] Der Chef ist festgenagelt. Nachdem ich neue Software auf seinem brandneuen Laptop installiert hatte, habe ich einen 'Garantiesiegel - Keine Haftung, wenn das Siegel zerstört ist'-Aufkleber über die Vorderseite geklebt. Die Schweisstropfen auf seiner Stirn und seine zitternden Finger - als er versucht, mit seinen Händen an das Gerät zu kommen - sprechen eine deutliche Sprache über seinen Geisteszustand. Er ist offensichtlich süchtig nach Minesweeper, auch wenn ich die Version auf seinem alten Laptop durch eine Variante ersetzt hatte, bei der die Bombe gleich beim ersten Mausklick explodiert. Ich überlasse ihn seinem persönlichen Trauma. Und natürlich hält er dem Druck nicht stand und kommt 15 Minuten später in mein Büro. "Das verdammte Ding funktioniert nicht!" bellt er. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, dass der PJ und ich alle Teile bis auf die Tastatur, das Netzteil und das Display ausgebaut haben, um sie für unser neuestes grossartiges Projekt zu nutzen - den IT-Reinemachroboter, der unendlich intelligenter ist als die Roboter, die nachts die Gänge reinigen. Ich habe sein Steuerprogramm selbst geschrieben, auch die automatische Bilderkennung und die Such- und Zerstör-Routinen - ich meine natürlich die Such- und Putz-Anweisungen. Ein echtes Kunstwerk. "Was ist passiert?" frage ich. "Nun, ich habe es geöffnet und ..." "Was, sie haben es geöffnet!" "Ja." "Und haben das Garantiesiegel zerstört?!" "Ich kann das Laptop ja nicht nutzen, ohne es zu öffnen, oder? Wenn es geschlossen ist, befindet sich die Tastatur doch innen." "Oh, jetzt verstehe ich. Und ich dachte schon, sie hätten eines dieser Garantiesiegel zerstört!" rufe ich mit gespielter Erleichterung darüber, dass uns die Ausgabe grosser Summen erspart bleibt. "Ah, nun, da war ein Siegel, das ich zerstören musste. Aber es klebte über dem Riegel zum Öffnen." "Sie wollen damit sagen, dass sie keinen Ingenieur geholt haben, um es einzurichten?!" stöhne ich. "Sie haben es eingerichtet!" "Nein, ich habe nur die Software über den passiven SCSI-Eingang transferiert. Sie brauchen einen Ingenieur, der die eingebauten Programme für sie persönlich einrichtet." >>DUMMY MODE EIN<< "Aber das ist ein normales Laptop, kein Grossrechner", schnieft er. "Ja, aber der Ingenieur muss die Ländereinstellungen auf der Maschine vornehmen und das Gerät personalisieren. Sie wissen schon, Passwörter und so weiter ..." "Na gut. Nun, das könnten sie doch machen, oder?" "Sie machen Scherze, oder? Mit einem zerstörten Garantiesiegel kann man das Gerät nicht mehr anrühren." "Warum?" "Weil sie als Ländereinstellung zum Beispiel Peru oder etwas anderes aktiviert haben könnten. Und das wird alles in einem permanenten, unveränderlichen, doppelt redundanten, gerätespezifischen und statischen Speicher gesichert." >>DUMMY MODE AUF EINE NEUE STUFE GEHOBEN.<< "Was bedeutet das?" "Das bedeutet, dass alle eingebauten Komponenten gespeichert haben, dass ihr Laptop in Peru, der Antarktis oder irgendwo sonst installiert wurde. Und wenn diese Angabe nicht mit den Daten des GPS-Systems übereinstimmt ...." "Mein Laptop hat einen GPS-Empfänger eingebaut!?" ruft er aufgeregt. "Ja, aber wenn die Daten nicht übereinstimmen, nun, dann ist das Laptop praktisch wertlos, weil der Prozessor, der Arbeitsspeicher, die Disketten- und CD-Laufwerke nicht funktionieren werden." Natürlich, selbst Ray Charles hätte gesehen, welchen Bären ich dem Chef aufbinde - doch es funktioniert, also ... "W ... w .... was soll ich denn nun machen?" murmelt er und malt sich aus, wie es wohl ist, wenn er einen ganzen Tag ohne sein Lieblingsspiel überleben muss. "Nun, wir könnten neue Einzelteile kaufen und sie einbauen. Dann könnte ich die Ingenieur-Einstellungen vornehmen. Aber die Garantie wäre dann natürlich verfallen." Schneller als ein geflüstertes 'Entscheidung einer Führungspersönlichkeit' durch eine Telefonleitung kriechen kann, hat der Chef die Anschaffung der vorhin erwähnten Teile genehmigt. Ich baue all die alten Teile wieder in das Gerät ein - und sorge natürlich dafür, ein paar Kratzer auf dem Gehäuse und einige Schrauben zu hinterlassen, so dass es aussieht, als hätte wirklich ein Ingenieur daran gearbeitet. Dann erwecke ich das Gerät wieder zum Leben und gebe es dem Chef zurück. Und schon sind alle zufrieden. Der Chef hat seinen neuen Laptop, und unser IT-Roboter verfügt über brandneue Innereien. Ich starte den Roboter und überlasse dem PJ die Steuerkonsole mit dem Versprechen, dass er für jeden gefundenen Fehler ein Glas Bier bekommt, um für harte Testbedingungen zu sorgen. "Er lässt sich nicht nahe an Wände heransteuern", beschwert der PJ sich ohne aufzublicken. Hingabe ist offenbar sein zweiter Vorname - bei den Treffen der anonymen Alkoholiker. "Nein, das ist kein Fehler. Er ist so programmiert, dass zwischen dem Roboter und anderen Gegenständen immer mindestens ein Fuss Abstand ist, damit er Dingen nicht unbeabsichtigt zu nahe kommt." "Aha." sagt er. "Und was ist mit Objekten, die sich bewegen?" "Auch hier beträgt der Mindestabstand einen Fuss", antworte ich und vereitle damit seinen Plan, den Roboter mit voller Geschwindigkeit gegen eine Mauer rasen zu lassen oder sich selbst dem Roboter auf die gute alte Weise zu nähern und 'physisch' zu behandeln. "Der Gedanke wäre mir niemals gekommen", antwortet der PJ eingeschnappt. "Ich habe mich nur gefragt, wie der Roboter sich in einer solchen Situation verhalten würde." sagt er und deutet auf den Überwachungsmonitor, der den Eingang zum Lift zeigt, den der Chef gerade mit seinem Laptop betritt. "Also haben sie tatsächlich nicht daran gedacht, eine Hysteriesicherung zu programmieren?" murmelt der PJ zufrieden (und betrunken), als wir später an diesem Abend im Pub sitzen. "Uh-huh", antworte ich. "Wo waren wir doch gleich stehengeblieben?" "Ah, ich glaube, es war der Punkt, als der Roboter einen Fuss Abstand zwischen die Liftwand und sich zu bringen versuchte und den Chef bemerkte - um dann Abstand zwischen sich und den Chef zu bringen - direkt über den Laptop hinweg auf die andere Wand zu ... und dann wieder zurück - zum elften Mal." Ah, meine Arbeit ist wirklich viel spannender als Minesweeper. [[Nach Beschwerden über seine 'beruhigenden Bässe' sorgt der B.O.F.H. dafür, dass der Chef ihn versteht - sehr laut und deutlich ....]] Der Chef kommt mit einem teigigen Gesichtsausdruck herein, was nur bedeuten kann, dass er etwas tun muss, was ihm nicht zusagt. "Ähm, ich habe eine Beschwerde über sie", murmelt er traurig. "Wirklich?" antworte ich zuvorkommend, während ich unter dem Tisch nach meinem 2er Golfschläger greife, den ich dort für spezielle Gelegenheiten aufbewahre. "Ja, ja. Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie begründet ist." beteuert er und versucht, sich so klein wie möglich zu machen. "Wirklich?" frage ich und tausche nachdenklich das 2er gegen das 6er Eisen aus, da mir die Unterhaltung ziemlich seltsam vorkommt. "Ähm, nein. Wissen sie, es geht um eine Beschwerde über ihre Musik." "Welche Musik?" fragt der PJ. "Diese Musik etwa?" antwortet er selbst und greift mit seinen Händen in die Luft. "Diese Musik?" frage auch ich und fuchtele mit meinen Händen ebenfalls in der Luft herum, während ich meine Möglichkeiten neu überdenke. "Ja, man hat sich beschwert, dass die Musik zu laut ist." "Zu laut?" will der PJ mit skeptischem Blick wissen. "Aber wir können die Musik doch kaum hören." "Ich nutze sie zur Entspannung." murmle ich. "Sie sorgt dafür, dass ich in Notzeiten ruhig bleibe." Da nun die unausgesprochene Drohung in der Luft liegt, gibt es für den Chef nichts mehr zu tun, ausser sich zu entfernen - oder sein Leben bei dem Versuch, vor einem Golfschläger zu flüchten, zu riskieren. "Ich weiss, dass sie fast nichts hören können, doch das gilt leider nicht für die Leute in der Etage unter ihnen. Wie auch immer, ich glaube auch nicht, dass sie dabei entspannen können." Also hängt er sein Leben selbst an den berühmten seidenen Faden. "Offspring ist eine sehr entspannende Gruppe." sage ich. "Ja, es ist dieser trostreiche Bass", zwitschert der PJ. "Nebenbei", füge ich hinzu, "er ist sehr leise." "NICHT IN DEM VERDAMMTEN RECHNERRAUM!" schreit der Chef und verliert endgültig die Geduld. "Nun, das mag stimmen, doch wenn wir die Musik leiser machen würden, könnten wir sie durch die schalldichte Wand ja nicht hören." "Die Leute in der Etage darunter können sie hören! Warum benutzen sie ihren CD-Spieler nicht hier?" "Das haben wir versucht, aber er liess die Sicherungen herausfliegen, wenn wir eine Lautstärke über der Stufe 3 einstellen wollten." "DANN LEGEN SIE SICH EINE NORMALE ANLAGE ZU!" "Aber das IST eine normale Stereo-Anlage", hauche ich. "NORMAL?" "Ja, so gewöhnlich wie der Karneval in Rio." "Nun, dann ist sie nicht gut genug. Ich will, dass sie diese Musik ABSTELLEN!" Das wird nicht funktionieren. Der PJ und ich sind abhängig von diesem 'beruhigenden Bass', der seinen Zauber auf einen Festplatten-Server ausübt, der schon längst ausgemustert sein sollte, wenn wir nicht ein dummes Management hätten, das gleichzeitig keine Ausfallzeiten und einen kostengünstigen Service fordert. Also wird es Zeit, die nächste Karte zu spielen. Ich stülpe die flugplatztauglichen Ohrenschützer über, denn ich habe aus dem Fehler des PJs gelernt. (Der arme Junge hat die Wassereinbruchdetektoren ausgelöst, als er nach dem Hochschalten der Lautstärke auf Stufe 6 seine Hosen nassgemacht hatte.) Als ich den Rechnerraum betrete, bemerke ich die Zeichen seines Irrtums - er hat den Lautstärkerregler auf Stufe 6 belassen, als er in seine eigenen Körperflüssigkeiten abstürzte UND hat den Bass-Verstärker nicht eingeschaltet. Ich stelle fest, dass das Netzteil des Verstärkers 'ein wenig heiss' wird, wie wir Kenner uns auszudrücken belieben. Das ist nicht gut. Ich breche den Lautstärkeregler ab (der jetzt auf Stufe 11 zeigt), verdrücke mich wieder in mein Büro, wo ich gerade rechtzeitig ankomme, um den wild um sich blickenden Chef durch die Tür stürmen zu sehen. "ICH SAGTE, SIE SOLLTEN DIESEN KRAWALL LEISER STELLEN UND NICHT LAUTER!" "Ich habe versucht, die Lautstärke zu verringern", beteuere ich wahrheitsgemäss. "Doch der Regler ist dabei abgebrochen!" "Warum haben sie die Anlage dann nicht abgeschaltet?!" "Weil das Netzteil so warm war, dass ich annahm, es würde die Hitzesensoren anspringen lassen, die das giftige Feuerlöschgas auslösen." Jetzt sitzt er in der Falle. Er WEISS, dass dies ein 'tragischer Arbeitsunfall' mit seiner Unterschrift unter dem Bericht sein wird. Und deshalb versucht er erst gar nicht, wie ein Kampfhund um sich beissen. "Nun, können sie den Strom nicht über die Sicherungen ausserhalb des Rechnerraums abschalten?" fragt er. Was für ein Schwächling. "Das können wir tatsächlich versuchen!" rufe ich und renne zum Sicherungskasten. "Alle Geräte, die ihren Strom über die Deckenleitung bekommen, hängen an Sicherungen mit einer roten Markierung, also muss es eine von diesen sein." 30 Sekunden später ... "Rot? Ich dachte, es wären die blauen Sicherungen." wendet der PJ ein. Und weitere 30 Sekunden später ... "Also sind es die Sicherungen mit der gelben Markierung", schreit der Chef gegen den Missklang der um uns herum erklingenden Alarmsirenen an, die von massiven Ausfällen künden. "Also versuchen wir es!" rufe ich und betätige einen Schalter. "Nein, das ist der alte Festplattenserver", ruft der PJ, der vor dem Fenster zum Rechnerraum steht. CLACK! "Wieder der Plattenserver." "Mein Fehler!" jammere ich unschuldig und betätige den nächsten Schalter. "Richtig. Mal sehen, was sie diesmal angerichtet haben" ruft der Chef und schiebt sich an mir vorbei in den Rechnerraum. "Ich würde nicht ..." rufe ich, doch meine Warnung kommt wohl zu spät. "Sie sehen, wo das Problem mit dieser Technik liegt", erkläre ich dem PJ am Fenster, durch das wir in den Rechnerraum blicken. "Wenn man den Strom abschaltet, wird auch der Lüfter abgeschaltet. Wenn man dagegen den Schalter am Gerät benutzt, läuft der Lüfter weiter bis das Gerät abgekühlt ist." "Also wird die Maschine heisser?" "Nun, sehen wir, welches Urteil die Richter fällen." antworte ich und deute auf einen der Hitzesensoren. Ein paar kurze gedämpfte 'Hil ... Hil ...'-Rufe später ... "Ist der Schalter zum Abstellen des Löschgases noch immer defekt?" fragt der PJ. "Nun, die Entscheidung des Richters in dieser Sache lautet ... endgültig, so wie es aussieht. Aber noch haben wir etwas Zeit für Musik." rufe ich. Natürlich, wir haben ihn herausgeholt ... irgendwann. Schliesslich ist er ja noch ein Anfänger. [[Jemand hat unter den Augen des B.O.F.H. Technik gestohlen. War es der Chef? Die Erbsenzähler? Nein. Ein neuer Bastard ist in der Stadt ...]] Ich bin verwirrt. Der Chef macht mich verantwortlich für verschwundene Technik, was eigentlich nicht schlimm ist, doch diesmal habe ich keine Ausrede parat. Der einfache Grund dafür ist, dass ich diesmal wirklich unschuldig bin. Und diesmal ist wirklich wertvolle Technik verschwunden. Selbstverständlich ist es ein ungeschriebenes Gesetz, dass ein gewisser Anteil der Technik seinen Weg zur B.O.F.H. GmbH findet, doch das fällt mengenmässig kaum ins Gewicht - und wertmässig landet das unter 'besondere Auslagen' in den Abrechnungen der Erbsenzähler. Und kaum etwas von diesen 'besonderen Auslagen' landet wirklich in meiner Geldbörse, da damit meistens ein Urlaub in Acapulco oder in anderen schönen Städten dieser Welt bezahlt wird. "Das ist mysteriös", sage ich zum PJ, als wir aus dem Heiligtum des Chefs entkommen sind, wobei dessen laute Schmähungen noch in unseren Ohren klingen. "Es ist sehr seltsam, dass derjenige, der das getan hat, all unsere sorgfältig präparierten Fallen umgehen konnte (eine elektrische Türklinke und eine strategisch günstig plazierte Axt) und es geschafft hat, unsere neuesten Geräte wegzuschaffen. Er hat sich nicht mal von dem 'Defekt'-Aufkleber täuschen lassen." Nun gibt es drei Möglichkeiten: wir wurden das Opfer eines Einbrechers, der genau wusste, was er wollte; der Chef ist dahintergekommen, wie wertvoll unsere 'defekte' Technik ist; oder wir haben es mit einem bisher unerkannten Bastard zu tun. Die erste Möglichkeit scheidet zweifellos aus. Keiner unserer Alarme ist losgegangen und einen Einbruch von aussen hätte unser Farbfernseher (Entschuldigung, der hochauflösende Multimedia-Apparat.) gezeigt, den der PJ und ich benutzen, wenn das Netz 'gewartet' wird oder gerade ein Fussballspiel ansteht. (Hm, es scheint da einen seltsamen Zusammenhang zwischen Netzausfällen und Fussballspielen zu geben.) "Könnte es der Chef gewesen sein?" fragt der PJ. "Glauben sie, dass er seinen Ausbruch gespielt hat?" "Unmöglich. Der Chef ist keine helle Leuchte, 20 Watt, wenn sie mich fragen. Ich glaube, er braucht eine genaue Anleitung, damit er den Weg zu seiner Wohnung findet." "Und selbst dann verirrt er sich." sagt der PJ und erinnert an den Abend, als der Chef herunterkam, um mit den Leuten in den Pub zu gehen. Dort musste er dann feststellen, dass der extra-starke polnische Schnaps in einem guten Bier nicht bemerkbar ist - und nach drei Gläsern war er dann in einem entsprechenden Zustand. "Aber es war ja nur eine Taxifahrt zum Preis von 30 Pfund, die ihn aus der Wildnis Ostlondons herausbrachte." Und so bleibt uns, so unglaublich es auch klingt, nur noch die Möglichkeit, dass einer unserer Kollegen, für die technischer Sachverstand gleichbedeutend mit der Fähigkeit ist, die Schriftfarbe in der Textverarbeitung zu verändern, für das Verschwinden unserer Technik verantwortlich ist. Aber wer kann es gewesen sein? Offensichtlich war es niemand aus der Werbeabteilung - sie haben kaum die Intelligenz, einen Türgriff richtig zu benutzen. Es war ganz sicher auch niemand aus der Verkaufsabteilung, denn die sind während der Öffnungszeiten der Pubs immer unauffindbar - und danach sind sie nicht mehr nüchtern genug. Die Erbsenzähler kommen mir in den Sinn - diese besonderen Auslagen gehen ihnen wirklich unter die Haut - doch andererseits hätten sie sicher einen subtileren Weg gewählt, um sich an uns zu rächen. Vom Reinigungsdienst kann es auch niemand gewesen sein ... Da war doch etwas. Dieser neue Mann, der vor ein paar Wochen herumlief und Fragen stellte, 'um die Sicherheit zu prüfen'. Selbstverständlich habe ich ihm nicht die richtigen Antworten gegeben, doch wie konnte ich nur so naiv sein ... Wenn ich darüber nachdenke, könnte es sein, dass dieser Mann im Vergleich zum Durchschnitt im Haus etwas herausragt - obwohl das freilich auch auf die Intelligenz eines ausgewachsenen Orang Utans zutrifft. Die Frage ist nun nur noch, wie wir unsere Gerätschaften zurückbekommen oder wenigstens einen angemessenen Anteil. Auf der Suche nach einem Hinweis schaue ich mir die Protokolle der ausgehenden E-Mails an. Eine verdächtige Nachricht zieht meine Aufmerksamkeit an. Und so wandere ich am nächsten Tag ein paar Etagen tiefer durch das Gebäude und habe das Glück, Kevin reden zu hören. Als die Worte 'Monitor' und 'Tastatur' fallen, weiss ich, dass er unser Mann ist. Es ist Zeit für einen Anruf. Zurück im Büro schalte ich den Lautsprecher ein, um Kevins Telefonate mitzuhören. Eine tiefe fremdländisch klingende Stimme meldet sich: "Mister Kevin?" "Ja. Wer spricht da?" "Nennen sie mich einfach Stefan. Es geht um die Waren, die sie uns zum Verkauf geschickt haben." "Ja, sind sie bei ihnen angekommen?" "Ja, aber das ist das Problem. Mir wurde gesagt, dass etwas anderes geliefert wurde als sie uns angekündigt haben." "Aber ... aber ..." "Ich gehe davon aus, dass sie wissen, dass der letzte Mann, der uns betrügen wollte, heute Teil der Strasseninfrastruktur ist." "Aber ... aber ..." "Ich bin mir sicher, sie wollen Missverständnisse ausräumen. Wenn sie uns also die Summe zurückschicken, die sie von uns bekommen haben und noch 500 Pfund für meine Bemühungen drauflegen, könnten wir unglückliche Unfälle vermeiden. Ich denke, sie hinterlegen das Geld am besten bis zur Mittagszeit hinter den Rohren der Klimaanlage, oder?" Ich höre nur noch ein unterdrücktes 'Ja'. Ich schalte die Lautsprecher ab. "Ihr Cousin ist wirklich gut." sage ich dem PJ. "Ich bin mir sicher, dass er eine grosse Karriere als Schauspieler vor sich hat." "Stimmt." antwortet er. "Aber wir haben noch Zeit für eine Runde Doom, bevor wir unseren Gewinn, ähm, die besonderen Auslagen einkassieren." Man braucht eben einen Bastard, um einen Bastard zu fangen. [[Als der B.O.F.H. das Büro des Chefs verwanzt, ahnt er noch nicht, dass die Technik, die er installiert, auch einen verrückten Erbsenzähler davon abhalten wird, Unheil anzurichten ...]] Der PJ und ich sitzen im Büro und unterhalten die Nutzer unseres Netzwerkes damit, dass wir ihre Netzwerkadressen immer dann ändern, wenn sie versuchen, ihre E-Mails abzurufen, als der Netzwerkmonitor ein Alarmsignal gibt . "SE?" murmelt der PJ. "Was zum Henker bedeutet SE?" Er klickt auf das zugehörige Symbol, um weitere Informationen abzurufen. "Der Alarm kommt aus dem Büro des Chefs." Er spürt meine unterdrückte Panik, also kehrt er zur ursprünglichen Fragestellung zurück: "Was zum Teufel ist SE?" "Das ist das neue massgeschneiderte Stück Technik, das ich erfunden und installiert habe." antworte ich. "Es hat also etwas mit dem Netzwerk zu tun?" "Ja. Es schickt eine Netzwerknachricht an mich als Antwort auf das Eintreten bestimmter vordefinierter Umstände." "Umstände, die zweifellos mit dieser kryptischen Abkürzung zu tun haben?" "Genau." "Eine Abkürzung, die was bedeutet?" seufzt der PJ und verliert die Beherrschung. "Schwachsinns-Erkennung." "Schwachsinns-Erkennung?" "Ja, Schwachsinns-Erkennung. Ich habe herausgefunden, dass es völlige Zeitverschwendung ist, wenn ich mir täglich stundenlang die Aufzeichnungen der Gespräche des Chefs mit seinen Gästen anhöre, nur um herauszufinden, welche Ideen er oder sie entwickeln. Und deshalb habe ich eine Kombination aus Hard- und Software entwickelt, die diese Aufgabe für mich übernehmen kann." "Die woraus besteht?" fragt der PJ mit wachsender Neugier. "Ah, ein Programm zur Spracherkennung, das Gespräche mit Rücksicht auf bestimmte Schlüsselworte belauscht, wenn sie zusammen mit anderen Worten fallen." "Welche Schlüsselworte?" "'Einkauf', 'anschaffen' oder 'investieren in' - in Verbindung mit 'neue Technologie', 'aktualisierte Software' etc., und noch ein paar anderen Sachen, die nur Ärger für uns bedeuten können." "Worte wie 'Budget für Wartungsarbeiten'?" "Ganz genau. Der Chef sollte eigentlich nur darüber reden, wenn er es erhöhen will. Und das kann eigentlich nicht ausbleiben, nachdem ich mich gestern darum bemüht habe, die Erbsenzähler in unser System zu integrieren, die noch dieses antike System für ihre Sicherheitskopien benutzt hatten." "Ihre Bemühungen um Nutzer ... Oh, sie meinen, sie haben die Maschine angezündet und aus einem Fenster in der dritten Etage geworfen?" "Ich habe die Maschine nicht angezündet! Das war eine spontane Selbstentzündung, wie sie bei alten Rechnern schon einmal vorkommen kann - die Boulevardpresse berichtet doch immer wieder darüber. Und nebenbei war es der sicherste Weg, das Ding gefahrlos loszuwerden, wenn man bedenkt, dass weit und breit kein Feuerlöscher bereitstand." "Drei Etagen tiefer gab es aber auch keinen, oder?" fragt der PJ spitzbübisch. "Ich glaube nicht, aber ich sehe nicht, was das mit ..." "Als das brennende Ungetüm durch das offene Verdeck des Wagens des Chefs der Erbsenzähler stürzte, das dort parkte, hat es dieses in Brand gesteckt." "Ein Zusammentreffen unglücklicher Umstände." "Unglückliche Umstände?" "Ja, aber ich frage mich wirklich, was sie damit andeuten wollen." "Nichts, nichts." erwidert der PJ unschuldig. "Es hat mich nur interessiert. Aber zurück zu dieser Schwachsinns-Erkennung. Auf welchem System läuft das Programm? Bestimmt kein Gerät, das der Chef entdecken könnte - oder das er vermissen könnte, wenn es nicht dort ist, wo er es erwartet?" "Nun, das ist ja das schöne an der Sache. Weil ohnehin schon jede Menge Technik in seinem Büro herumsteht, hat er doch diesen Ventilator, der ganz zufällig dem Kühler, von dem sich die anderen Nutzer schon verabschiedet haben, ziemlich ähnlich sieht." "Doch nicht dieses monströse Ding aus Eisen, das in der sechsten Etage herumstand und dessen Teile angeblich aus Tschernobyl stammen, die gefährlich hohe Strahlendosen aussenden!!" "Genau das ist es." "Ich hätte nicht geglaubt, dass man ihnen diese Geschichte glaubt." "Nun, am Anfang waren sie auch misstrauisch, doch nachdem ich diesen schwarzen Stift den Röntgenstrahlen im Krankenhaus ausgesetzt hatte, konnten sie das Gerät nicht schnell genug loswerden." "Tatsächlich", erwidert der PJ unwirsch. "Und wie haben sie das Monster dann in die Decke eingebaut?" "Nun, unser Hausmeister George hat mir dabei geholfen, es hochzustemmen, weil er den Originalventilator für sein Bad haben wollte." "Ein fairer Handel." sagt der PJ. "Aber was bedeutet nun die Warnung?" "Nun, es gibt ganz einfach einen Schwellenwert für den Schwachsinnsanteil im Gespräch: je mehr Schwachsinn im Büro des Chefs geredet wird, desto mehr Datenverkehr wird hier gemeldet - auf diese Weise kann auch niemand Verdacht schöpfen." "Und wie hoch ist der Anteil jetzt? Und wer ist beim Chef?" "100 Prozent und Dave C., wenn ich mich nicht irre." "Das bedeutet also, dass Dave C. jetzt im Büro des Chefs steht und ihn mit Vorschlägen eindeckt, welche Geräte wir anschaffen sollten, Gelder, die man ihm dafür geben sollte ..." "Er ist ein selbsternannter Computer-Experte, oder?" fragt der PJ vorsichtig. "Korrekt. Es gibt ein Gerücht, dass er seine eigene Tastatur einmal ganz allein angeschlossen hat, aber sie wissen ja, was die Nutzer so reden." "Aber ist das nicht schlimm?" "Natürlich." antworte ich und deute auf meinen Monitor. "Sehen sie hier den 30 Sekunden-Durchschnitt. Solange hält der Chef es durchschnittlich durch, Vorschläge abzulehnen." "Aber jetzt liegt der Wert bei Null!" "Und das bedeutet?" "Er wird Dave erlauben, unser Budget auszugeben." Gleichzeitig springen wir auf und rennen zur Tür, um den Chef vor der Fehlentscheidung zu bewahren. Doch bevor wir am Ort des Geschehens ankommen, hat der Computergott schon eine Entscheidung gefällt. Später rekonstruieren der PJ und ich die Geschehnisse. "Offenbar hat er versucht, den lärmenden Ventilator zu reparieren, indem er mit dem Regenschirm des Chefs gegen die Deckenverkleidung klopfte, was den Lüfter auf dem Dachbalken aus dem Gleichgewicht brachte, der dann den Gesetzen des Schwerkraft folgte und dabei unseren selbsternannten Fachmann traf." vollendet der PJ. Gerechtigkeit setzt sich offenbar doch noch durch. [[Eine Weihnachtsgeschichte ....]] Er war tot. Eindeutig. "Diesmal sind sie zu weit gegangen." sagte der PJ atemlos. "Nun, ich scheine tatsächlich die Spannung unterschätzt zu haben, die am elektrischen Türgriff anliegt." Es ist Heiligabend und unser weihnachtlicher Scherz ist wohl ein wenig danebengegangen. Wirklich, der alte Ebenezer Bastard hat den alten Scherz mit dem unter Strom gesetzten Türgriff bestimmt schon dutzendmal aufgeführt und bisher war es auch immer ganz lustig. Andererseits war das nicht der erste Manager, der daran gestorben ist, und er würde bestimmt auch nicht der letzte sein. Ebenezer war an diesem Abend etwas länger als gewöhnlich im Pub geblieben - solche Vorfälle können ihn schon ein wenig schockieren und so brauchte er wohl ein paar Biere mehr, um seine Nerven zu beruhigen. Natürlich, die Tatsache, dass ein jüngerer Erbsenzähler sich 'verpflichtet' sah, alle Biere an diesem Abend zu bezahlen, hatte gewiss auch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss - und das nur, weil Ebenezer etwas über ein Video einer Büroparty erzählt hatte. Sehr unscharf, aber doch sehr effektiv. Wie auch immer, die Biere mussten ihm mächtig zugesetzt haben, denn als er vor seiner Tür stand, hätte er schwören können, das Gesicht seines Chefs auf dem Türgriff zu sehen (bevor es die Brandflecken entstellten, natürlich). Da er diesen Effekt auf die Wirkung der zehn zusätzlichen Gedächtnislöscher zurückführte, ignorierte er ihn und ging nach oben. Aber irgendwie fand er in dieser Nacht keine Ruhe. Tatsächlich war es schon Ewigkeiten her, dass er sich an Weihnachten gefreut hatte. Er hasste all die falsche Grosszügigkeit, das nette Geplauder mit Leuten mit denen er nichts gemeinsam hatte; er hasste die Art und Weise, wie die Leute ihr Geld für ihre Kinder ausgaben, das doch viel besser auf dem Konto der Bastard-Urlaubs-Kasse aufgehoben wäre. Und was noch schlimmer war, einige seiner Kollegen erwarteten von ihm, dass er ihnen Getränke spendierte. Auch der junge Cratchit, sein PJ, war von der Stimmung angesteckt worden und verbrachte seinen Tag damit, wehmütig an Denise, eine Sekretärin, zu denken und von ein paar schnellen Schmatzern unter dem Mistelzweig zu träumen. Der arme Trottel lud Ebenezer sogar ein, mit ihm ein paar Biere zu trinken - natürlich würde er dafür bezahlen. "Ach, Humbug." sagte Ebenezer laut zu sich selbst, als er die Tütensuppe aufwärmte, die an diesem Tag die einzige richtige Mahlzeit für ihn sein sollte. Als er in diesem spärlich eingerichteten und ungeheizten Zimmer, das er sein Heim nannte, zu Bett gehen wollte, sah er etwas in der Ecke: diesmal konnte es sich nicht um einen Irrtum handeln. Es war definitiv der Schatten seines vormaligen Chefs. Und da war noch dieser furchtbare Lärm, der Ebenezer voller Angst zusammenschrumpfen liess. "Ebenezer Bastard!" rief eine Stimme, die zwar deutlich als die des Chefs erkennbar war, der aber auch ein gewisser Hauch des Totenreichs anhaftete. "Ebenezer Bastard!" wiederholte die Stimme. "Ich wurde verurteilt, an einem furchtbaren Ort zu leben, wo unheimlich gemeine Männer ihre Tage verbringen." Ebenezer hauchte ein Zeichen des Verstehens. "Also sind sie nicht tot. Sie arbeiten jetzt nur für Microsoft. Ich frage mich ..." "Schweig!" donnerte die Erscheinung und das Klappern wurde lauter. "Ich spreche von einem Platz, der dir zur Strafe für deine Taten bis in alle Ewigkeit Qualen bereiten wird." "Was meinst du damit, Geist?" stammelte Ebenezer, der erwartet hatte, dass die Wirkung der zehn zusätzlichen Biere irgendwann nachlassen würde. "In dieser Nacht wirst du von drei Geistern besucht werden: vom Geist der Nutzerbetreuung der Vergangenheit, vom Geist der Nutzerbetreuung der Gegenwart und vom Geist der Nutzerbetreuung der Zukunft. Höre auf sie und bereue deine Taten." "Geist", fragte Ebenezer. "Woher kommt dieses Klappern, das ich höre?" "Du meinst das hier!" sagte der Schatten und schüttelte etwas, das wie ein langer Schwanz aussah. Ebenezer Bastard spähte in die Dunkelheit. Verschwommen nahm er eine Kette wahr, an der alle Arten von Geräten befestigt waren, die sein Leben einfacher gemacht hatten: da war der Gummihammer, ein hervorragendes Gerät zur 'Neukonfiguration', da war der Amboss, auf dem er so gern neue PCs 'testete', und es war da eine Anzahl elektrischer Tacker; ja es war tatsächlich jedes Gerät vorhanden, das es auf der Erde gibt und welches das Leben leichter macht. "Ich sehe, du kennst einiges davon." sagte die Erscheinung mit einer Grimasse. "Ich habe das alles benutzt, als ich ein junger Bastard war. Jetzt haben meine Untaten mich eingeholt und ich muss meine Ausrüstung bis in die Ewigkeit mit mir herumtragen. Doch sei gewarnt, diese Kette ist lang, und sie ist wirklich schwer. Aber die Kette, die auf dich wartet, ist schon doppelt so lang und dreimal so schwer." Nachdrücklich schüttelte er die Kette, bis alle Geräte auf und nieder hüpften, der gesamte Raum schien zu beben. "Ich muss mich jetzt verabschieden, aber erinnere dich daran, drei Geister ..." Und mit einem leisen Stöhnen verschwand er. Ebenezers Mut kehrte wieder zurück. "Bah, Humbug! Geister! Das Bier war wirklich stärker als ich dachte." Und mit diesen Gedanken fiel er ins Bett und schlief in seiner Kleidung ein. Es war kurz nach Mitternacht, als er erwachte und in die Dunkelheit starrte. Es schien, als schwebte ein kleines Kind über dem Fussende des Bettes. Plötzlich kam der Mond hinter den Wolken hervor und Ebenezer konnte erkennen, dass es sich nicht um ein Kind handelte, sondern um einen alten Mann, dessen Umrisse denen eines Kindes glichen. Die Kleidung, die wie eine weisse Tunika wirkte, entpuppte sich als seine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten als ein altes Werbe-T-Shirt, auf dessen Vorderseite ein CP/M-Logo prangte. Die Füsse und die Beine der Erscheinung waren nackt, doch als Gürtel trug der Geist ein Ethernet-Kabel. "Bist du der Geist der Nutzerbetreuung der Vergangenheit?" fragte Ebenezer. "Bin ich", antwortete der Geist. "Welche Vergangenheit?" "Deine Vergangenheit." Der Geist bewegte die Hände und plötzlich lösten sie die Wände des Zimmers auf. Ebenezer und der Geist fanden sich in einem vollen Büro wieder, in dem eine Weihnachtsfeier in vollem Gange war. Die Stimmung war hervorragend, Leute aus der Verkaufsabteilung versuchten, Sekretärinnen unter Mistelzweigen anzubaggern, der Chef der Erbsenzähler war in die Ecke gestellt worden und der Marketing-Chef erzählte dem aus der Personal-Abteilung, wie seine vorletzte Kampagne gelaufen ist. Die Luft war angefüllt mit dem Lachen der Leute, Gesprächsfetzen schwirrten durch den Raum, Geschnatter, das Geräusch zerbrechenden Glases und ein mitreissender Rhythmus aus den Lautsprechern: kurz und gut - eine typische Büroparty. "Sieht lustig aus, nicht", sagte der Geist. "Aber fehlt da nicht eine Person?" "Stimmt." antwortete Ebenezer. Tief in den Eingeweiden des Hauses sass eine einsame Person noch immer vor ihrem Computer. Methodisch durchsuchte sie die Einträge der Personaldatenbank (das Passwort war schon lange bekannt). Der junge Ebenezer sorgte dafür, dass er seine Überstundenzeit nicht umsonst hier verbrachte. "Hat man dich nicht zu der Party eingeladen?" fragte der Geist. "Nein", erwiderte Ebenezer. "Nicht seit dem Jahr, in dem plötzlich der Feueralarm losging und die Sprinkleranlage auslöste. Und natürlich waren auch alle alkoholischen Getränke spurlos verschwunden. Aus unerfindlichen Gründen nahmen sie an, ich sei für den Alarm verantwortlich, weil man mich ein paar Tage vorher mit dem Handbuch der Alarmanlage gesehen hatte. Armselige Intriganten, denn schliesslich habe ich es doch nur für sie getan." Plötzlich verschwand die Vision und Ebenezer fand sich in seiner Wohnung wieder, noch immer beeindruckt von dem, was er gesehen hatte. Er hörte ein Geräusch aus einem anderen Raum und starrte um die Ecke. Der Raum war erfüllt von Licht. Umringt von PCs sass ein belustigter Gentleman. Sein riesiger Bauch schien die eine Hälfte des Raumes auszufüllen und sein Bart - es sah so aus, als gäbe es mehr Bart als Gesicht - die andere Hälfte. "Bist du der Geist der heutigen Nutzerbetreuung?" fragte Ebenezer. Der Geist lachte zustimmend. "Nimm meine Hand", sagte er. "Und lasse uns zuschauen, wie der Rest der Welt Weihnachten verbringt." Plötzlich schwebten sie durch die Stadt. Wieder und wieder zogen Computerräume vorbei, in denen Gruppen von Arbeitern sich fleissig damit abmühten, Probleme genau dann zu lösen, wenn sie auftauchten, wobei sie zufrieden lächelten und die Weihnachtslieder, die aus den Brüllwürfeln in den Zimmerecken erklangen, mitsummten. Bei Megabank gab es ein besonders vertracktes Problem. "Das ist leicht zu lösen", dachte Ebenezer. "Einfach den Hauptschalter betätigen und sagen, dass es einen Netzwerkausfall gibt, der nicht in den nächsten Tagen zu beheben sein wird, weil Weihnachten ist ... und trotzdem bekommt man den Weihnachtsbonus." Doch trotzdem konnte er mit geöffnetem Mund zuschauen, wie sein Berufskollege das Passwort eintippte und sich systematisch mit dem Finden des Fehlers beschäftigte. "Die Traditionen verfallen immer mehr", dachte er sich. Doch plötzlich änderte sich die Szenerie, sie landeten in einem Pub, wo der PJ gerade eine Runde Bier bestellte. "Auf das Weihnachtsfest", sagte er zu Denise, wobei er freundlich sein Glas erhob. "Und auf uns", kicherte sie. "Und die Freunde, die nicht hier sind", sagte der PJ. "Das ist für den alten Ebenezer." "Was, dieser alte Kauz", sagte Denise. "Ich kenne niemanden, der die Welt und die Menschen so sehr hasst wie er. Ich wünschte, er würde die Firma verlassen, aber warum werden sie ihn nicht los? Traut sich denn niemand?" "Nun, er weiss zuviel über die Menschen in der Firma. Zum Beispiel glaube ich nicht, dass der Vorstandsvorsitzende möchte, dass alle Details seiner Reise nach Amsterdam ans Licht kommen. Aber wo ist denn deine weihnachtliche Grosszügigkeit?" Widerwillig erhob sie das Glas zum Toast, und die Unterhaltung widmete sich wieder Themen, die für junge Leute interessant sind. In der Entfernung sah Ebenezer eine verschrumpelte Figur auftauchen. Aus den Tiefen ihres Mantels kam ein Finger hervor, der auf Ebenezer zeigte und ihn heranwinkte. "Bist du der angekündigte Geist der Nutzerbetreuung der Zukunft?" fragte Ebenezer. Der Geist nickte und signalisierte Ebenezer, ihm zu folgen. Sie flogen durch die Dunkelheit, bis sie sich schliesslich im Büro eines Bestattungsunternehmens wiederfanden. Zwei Mitarbeiter waren damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen an einem Sarg zu treffen. "Gut, dass wir ihn los sind", sagte der eine in einem seltsam offenen Verstoss gegen die Heiligkeit seines Gewerbes. "Ich dachte, der kratzt niemals ab." bestätigte der andere, dem seine Berufsehre offenbar ebenfalls wenig wertvoll war. "Wann ist die Beerdigung?" "Das ist unwichtig. Ich glaube, das wird ohnehin niemanden interessieren. Bestimmt werden sie ihn einfach in die Erde hinablassen und dann wieder verschwinden." Beide lachten hysterisch. "Über wen sprechen die beiden?" fragte Ebenezer. Der Geist bewegte seinen Finger und plötzlich öffnete sich der Sargdeckel. Bestürzt erblickte der alte Misanthrop sein eigenes Gesicht. Er sass aufrecht auf seinem Bett und sah die ersten Anzeichen des kommenden Tages durch die Vorhänge schimmern. Es war alles ein Traum gewesen. Und dennoch hatten ihn die Vorgänge der Nacht beeindruckt. Irgendwie spürte er ein seltsames Gefühl sich in sich ausbreiten. Er zog seine Schuhe an und raste zu Cratchit, seinem PJ. Laut trommelte er an dessen Tür und forderte Einlass. Ein PJ mit verschwommenen Augen liess ihn ein. "Wasispassiert?" "Ich hatte gerade eine beeindruckende Erleuchtung!" "Sagen sie jetzt nicht", gluckste der PJ. "Sagen sie nicht, dass sie die drei Geister gesehen haben, wie der Kauz aus dem Buch, und nun ein besserer Mensch werden wollen." "Wer denkt denn daran. Langfristig betrachtet sterben wir sowieso, da können wir vorher noch etwas Spass haben. Nein, ich habe das Administrator-Passwort für das Megabank-System erfahren. Lassen sie uns denen zeigen, was ein echter Bastard zu tun und zu lassen hat ..." {{1999}} [[Durch den Jahresanfang grossmütig gestimmt, begibt sich der B.O.F.H. auf eine Tour des guten Willens und verteilt Geschenke, die ganz bestimmt nicht aus einer Weinlese stammen, und kümmert sich schliesslich um, ähm, laute Ventilatoren ....]] Es ist ruhig - verdammt ruhig. Manche würden sagen, es ist zu ruhig. Nicht aber ich. Es ist diese Art von Ruhe, die man erreicht, wenn man ein Stück Eisen oder ein kurzes Kupferkabel benutzt, um die Sicherungen kurzzuschliessen, einen Nagel für die Sicherung auf dem Flur und eine Schraube für die Hauptsicherung ... und dann lässt man einen Schraubenzieher durch einen Schlitz in den Lüfter des Netzteils des Hauptrechners fallen. Vorsichtig tappe ich durch den Rechnerraum, der von der Notbeleuchtung dürftig erhellt wird, zu meinem Büro, wobei ich einen kurzen Umweg mache, um schnell eine Sicherung auszuwechseln und einen arg zugerichteten Schraubenzieher im Abfalleimer zu plazieren. Ich liebe es, das neue Jahr mit einem Krachen zu beginnen - oder, um es zu präzisieren, mit einer ganzen Serie aus lautem Summen, ein oder zwei Explosionen und einem gedämpften BUMMM! aus dem Kellergeschoss. Es ist immer gut, die vielen Ahnungslosen wissen zu lassen, wer am Ruder des Schiffes steht. Der PJ ist in der Zwischenzeit im Urlaub, um ausgiebig seinen Weihnachtsbonus zu feiern - schliesslich ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Chef herausfindet, dass es schon wieder ein Duplikat seiner Kreditkarte gibt und er das Kreditkartenunternehmen anrufen wird. Ich habe dafür gesorgt, dass der PJ sich richtig erholen kann, indem ich die letzte Monatsabrechnung der Kreditkarte im Briefumschlag dem Aktenvernichter anvertraut habe. Offenbar nahm der Chef an, dass es sicherer ist, wenn er sich seine Privatpost ins Büro schicken lässt ... Ein Irrtum, den er teuer bezahlen muss. Wo ich gerade vom Chef spreche - es wird Zeit, die Weihnachtsgeschenke, die unsere Lieferanten ihm geschickt haben, die ich abfangen konnte, in bester Robin-Hood-Manier unter den IT-Leuten zu verteilen. "Was? Ist das alles?" fragt ein besonders undankbarer Vertragsprogrammierer (der seinen Hintern ohne Kerze, Spiegel und eine Karte im Massstab 1:1 kaum selbst finden kann), nachdem ich ihm eine Flasche voll Rotwein geschenkt habe, der wohl besser zum Desinfektionsmittel als zum Trinken taugt. "Bitte?" "Das ist doch ein wenig, ähm, billig, oder?" schnieft er. Das muss man sich nun anhören, wenn der PJ nicht mit seinem Tacker bewaffnet die Flure unsicher macht. "Entschuldige, Mike, aber das ist hier nicht wie daheim, wo du dir dein Weihnachtsgeschenk selbst aussuchen kannst." rufe ich. Er verstummt und akzeptiert widerwillig die Flasche. Offenbar weiss er nicht, wie gut ich mich an den Betriebsausflug erinnere, nach dem er mich an der von meinem Ziel am weitesten entfernten U-Bahn-Station absetzte ... Drei Minuten NACHDEM der letzte Zug abgefahren war. Da er niemandem zu trauen scheint, versteckt er die Flasche in einem Fach seines Schreibtisches, was mir die Gelegenheit gibt, ein grosses Stück Schaumstoff auf den Lüfteröffnungen seines PCs zu plazieren. Nachdem ich die Hitze-Zeitbombe losgeworden bin, marschiere ich davon, um weitere Geschenke aus Anlass des neuen Jahres zu verteilen. Keinen Moment zu früh, denn der Strom ist wieder da und das Gebäude erwacht wieder aus seinem erzwungenen Schlaf. Als mir Schaumstoff und billige Weinflaschen ausgegangen sind, greife ich mir die guten Sachen und mache meine WIRKLICHE Runde des guten Willens, verteile Geschenke an die Leute in der Vermittlung, das Reinigungspersonal und schliesslich an den Hausmeister. Ich weiss eben, welche Pflanzen man giessen muss - und auch wann. Nachdem ich sicher bin, dass niemand sich um meine Ferngespräche kümmern, niemand die zerstückelte Kreditkartenabrechnung des Chefs finden und niemand sich fragen wird, was sich hinter der mit einem feuersicheren Schloss gesicherten Tür mit der Aufschrift 'Zucht-Raum Nr. 3' verbirgt, kehre ich mein Büro zurück. Wie das Schicksal es will, ist der Chef schon da und wartet auf mich mit einem verärgerten Gesichtsausdruck. Es ist allerdings nur der Ausdruck 'allgemeiner Verärgerung', also hat er wohl noch nichts über seine Kreditkarte herausgefunden, was bedeutet, dass ich das Kreditkartenunternehmen später anrufen werde, um das Limit heraufsetzen zu lassen, bis es eine Höhe solche erreicht hat, dass er schon weiche Knie bekommen wird, wenn er auch nur daran denkt. "Was bezwecken sie eigentlich damit, die Lüftung von Mikes Rechner zu blockieren?" fragt er. Bastard! "Oh, das ... das ist kein Schwamm, sondern ... ähm ... Material, das die Geräusche dämpft." "?..." "Geräuschdämpfung - das Material hat eine Struktur, die Luft ungehindert durchlässt, aber die Geräusche um bis zu 10 Dezibel je Megaliter europäischer Standardluft dämpft." "Ähm, wirklich? Das soll also nur die Geräuschentwicklung bekämpfen?" "Natürlich!" "Warten sie mal!" Ich glaube schon, es war zu schön, um wahr zu sein ... "Ja?" "Warum haben sie das nicht auch bei meinem PC installiert?" Ich kann es kaum fassen ... "Oh, ich war gerade auf dem Weg zu ihnen - ihr Dämmstoff ist in der alten Monitorkiste dort drüben." Er beschnüffelt die erwähnte Kiste, bevor er etwas Verpackungsmaterial herausholt. "Das? Das ist doch nur Verpackungsmaterial." "Nein, das ist geräuschdämmendes, die Luft säuberndes Filtermaterial." "Und warum steht dann 'Achten sie darauf, diese Verpackung wiederzuverwerten' auf der einen Seite?" "Weil ... es war mit altem Zeitungspapier verpackt, das man nicht überdrucken konnte." "Oh .... Und wie wende ich es an?" "Nun, sorgen sie dafür, es möglichst fest gegen den Lüfterausgang zu drücken, so dass keine, ähm, 'ungefilterte' Luft mehr durchkommt." "Richtig. Gut, dann werde ich Mike einmal aufklären", verkündet er fröhlich, als er davonmarschiert, um seinen PC zu zerstören. "Nein, nein!" rufe ich. "Überlassen sie das mir - ich werde es ihm erklären." Und ich werde es ihm wirklich erklären. [[Nachdem der B.O.F.H. herausfindet, dass sein Lohnscheck zu niedrig ist, sind die Erbsenzähler nicht die einzigen, die zusammenzucken werden ...]] Es ist Donnerstag ... Zahltag-Donnerstag. Ich liebe Zahltage. JEDER liebt Zahltage. Tatsächlich ist es so, dass die Arbeit an Zahltagen viel leichter ist. Die Menschen sind freundlicher, es gibt weniger Beschwerden, Bank-Manager sind netter - ein normaler Mann könnte sich daran gewöhnen. Ein Bastard dagegen könnte vergessen, was ihn ausmacht - dieser feine Sinn dafür, wer von den Nutzern zur Spreu und wer zum Weizen gehört. Der Feind heisst Zufriedenheit. Trotzdem erinnert der braune Umschlag freilich daran, wofür wir dies alles tun. Fröhlich lächelnd fummle ich an dem selbstklebenden Siegel herum (der Kleber muss der gleiche sein, den sie dafür benutzen, Hitzeschutzkacheln am Space Shuttle zu befestigen), bevor ich die Haltung verliere und den Umschlag auf der anderen Seite öffne. Ahhh! Der Geruch eine frischgedruckten Schecks ... Dieses Gefühl, als er aus seiner schützenden Umhüllung aus braunem Papier gleitet. Das überwältigende aber wieder vergehende Gefühl des guten Willens gegenüber allem, was mit Erbsenzählerei zu tun hat, als ich den Namen der Firma gleich neben der Summe von ... WAS ZUM TEUFEL!? DIESE VERDAMMTEN ERBSENZÄHLERSCHWEINE HABEN MIR ZUWENIG GEZAHLT! Ich schaue noch einmal hin, um sicherzugehen, dass ich mich nicht irre. "Die Erbsenzähler haben mir zuwenig bezahlt!" sage ich. "Sie scherzen!?" "Nein! Sehen sie, sie haben die Summe abgerundet!" "Um wieviel?" "27 Pence!" "Heisst das, sie wollen wegen dieser lächerlichen Summe jemanden - möglicherweise dauerhaft - bestrafen?" "Es geht nicht darum, dass es 27 Pence sind, es geht um das Prinzip. Sie BESTEHLEN mich! Das ist unerhört! Das ist der Gipfel der Unverschämtheit! Bevor wir es merken, werden sie wieder die Lifte benutzen, werden die Spesenabrechnungen ablehnen, beim Mittagessen mit ihnen über Geschäftspläne diskutieren und ..." Etwa zehn Minuten später komme ich mit einer ziemlichen Beule und schmerzendem Rücken wieder zu mir. "Entschuldigung", höre ich den PJ hinter der Tür des Rechnerraums sagen, wobei er auf einen unserer weniger gefährlichen Elektroschocker in seiner Hand deutet. Er muss mir damit einen Stromschlag verpasst haben, während ich unter dem Einfluss des Schocks über den Diebstahl stand. "Das ist in Ordnung", antworte ich ihm. "Eine den Umständen entsprechende Reaktion." Ich will zu ihm in den Rechnerraum gehen, um ihm zu versichern, dass ich keinen Groll gegen ihn hege, doch meine Zugangsberechtigung ist gelöscht worden, so dass ich meine Karte vergeblich in den Leser stecke. "Entschuldigen sie das bitte, aber sie wissen ja selber, wie sie sich fühlen." ruft der PJ durch das Sicherheitsglas. "Aber natürlich!" antworte ich. "Mir geht es hervorragend." Dabei angle ich heimlich meine spezielle Karte aus der Tasche, die in der Datenbank als 'Feuer- und Zivilschutz-Karte' steht, von der niemand weiss, dass sie exis ... "Auch diese Karte ist gesperrt", murmelt der PJ entschuldigend. Man muss ihm vergeben. Er ist noch aus dem guten alten Holz geschnitzt. Ich ziehe mich zurück, um abzuwarten, ob er herauskommt, wenn er sich sicher fühlt, doch so dumm ist er nun auch wieder nicht. Aussergewöhnliche Zeiten erfordern aussergewöhnliche Massnahmen. Ich zünde meinen Abfallkorb an und ändere die Richtung der Klimaanlage im Büro so, dass sie Luft in den Rechnerraum bläst, statt sie dort abzusaugen. Der Alarm, dass in zehn Sekunden das Feuerlöschgas in den Raum geblasen wird, geht los, und der PJ rast zum Notfallschalter, um das Ausströmen des Gases zu verhindern - natürlich nutzt er den echten, als Gegensprechanlage getarnten Schalter und nicht den Köder, den wir benutzen, um 'Kollegen' zu erschrecken. Jetzt habe ich ihn da, wo ich ihn haben will. Während die Rauchmelder noch immer Rauch wittern ist die Löschgasanlage noch immer aktiviert, nur hat der PJ die Gaszufuhr blockiert - bei einem Stand von 7 Sekunden bis zum Auslösen ... Ich halte den Abfalleimer hoch und packe noch mehr Papier und ein Sicherungsband hinein (damit auch genug Rauch herauskommt), um dem PJ zu zeigen, dass ich es ernst meine. Ausser Hörweite kritzelt er schnell eine Botschaft an die Wand. "Sie könnten Recht haben, 27 Pence sind eine Beleidigung!" Lächelnd schütte ich Kaffee in den Eimer, um die Flammen zu löschen und setze mich dann an meinen Schreibtisch. Der PJ kommt heraus, als er sicher ist, dass die Löschanlage deaktiviert wurde. "Was werden wir unternehmen?" fragt er. "Nun, ich glaube, wir müssen ein Exempel statuieren. Entschlossen, aber nicht zu brutal." "Sie meinen Chilli-Sosse in der Flasche mit den Augentropfen, Abführmittel im Trinkwasserspender oder Leim auf den Toilettensitzen?" "Nun ..." "Alles zusammen?" "Schon besser ..." "Wir leiten ihre Daten durch das 3-phasige Strom-'Netzwerk'?" "Schon geplant ..." "Wir füllen wasserfeste Farbe in den Tank der Sprinkleranlage und aktivieren die Anlage auf ihrer Etage?" "Ja ... das kommt noch hinzu ..." Und so kommt es, dass der PJ eine halbe Stunde später auf einer Leiter steht und purpurrote Farbe in den Wassertank füllt, als ... BDZZZT!! Zu seiner Verteidigung muss erwähnt werden, dass der PJ keinen Laut von sich gab, als ihn der Elektroschocker traf. Von dem Geräusch des Sturzes in den Wassertank einmal abgesehen. Nachdem ich ihn herausgefischt habe, deaktiviere ich seine Karte, schalte das Feuerlöschsystem bei uns ab und sperre auch seine Karte, die in der Datenbank als 'Installations-Karte' geführt wird. Was sein muss, muss sein ... [[Der Chef will schon wieder wissen, wie es um unsere Vorbereitungen für Notfälle steht, wie wir zum Beispiel reagieren können, wenn ein Erdbeben die Gebäude beschädigen würde ...]] Mein Kommentar, dass ein Erdbeben während der Arbeitszeit die Produktivität im Haus wohl erhöhen würde, erntet leider nicht das erwartete zustimmende Lachen. Er beharrt stattdessen darauf, zu erfahren, wie wir auf seismische Unregelmässigkeiten vorbereitet sind. Und als Teil seiner Untersuchungen will er all unsere Notfallpläne und Vorbereitungen inspizieren und sehen, wie gut wir auf den Fall der Fälle vorbereitet sind. Ich könnte ihm die Wahrheit sagen, dass wir auf Katastrophen ungefähr so gut vorbereitet sind wie Butch Cassidy und Sundance Kid, aber das würde wohl nur überflüssige Sorgen und Befürchtungen hervorrufen. Um ihn erst einmal zufriedenzustellen, habe ich ihm eine Menge Unsinn erzählt, der gewöhnlich ausreicht, um das mittlere Management zu beeindrucken: "Nun, wir sind vollständig auf solche Fälle vorbereitet, wir haben Sicherheitskopien ausserhalb des Hauses und Bibliotheken mit unseren Programmen - Pläne zur Widerherstellung der Systeme, Vereinbarungen mit Hardware-Lieferanten für Katastrophenfälle und drei verschiedene Notfallzentralen in entfernt voneinander gelegenen Fillialen, die bei Bedarf innerhalb von 36 Stunden vollständig als Ersatzbüro hergerichtet werden können. Vielleicht einen halben Tag schneller oder langsamer." "Und dazu kommen noch unsere redundanten Netzwerkanbindungen, Vereinbarungen über Notfall-Service in Form von Satellitenanbindungen oder zusätzlichen Leitungen durch die grössten Netzanbieter. Ja, die Netzwerkseite dürfte im Katastrophenfall am einfachsten wieder in Betrieb zu nehmen sein. Am langsamsten wird dabei noch das Einspielen der Sicherheitskopien auf den verschiedenen Servern sein. Arbeitsplatzrechner werden dabei berücksichtigt, wenn sie gebraucht werden, was davon abhängt, wie wichtig die betreffenden Mitarbeiter sind." "Ausgezeichnet!" ruft der Chef mit vor Begeisterung glänzenden Augen. "Nun, dann bleibt uns wohl nur noch eine kurze Besichtigung der drei Notfallzentralen!" Und da gehe ich auf dünnem Eis. Der Chef muss früher oder später herausfinden, dass ich ihm Unsinn erzählt habe und wird wissen wollen, wieso ich das getan habe. Der PJ bemerkt meine Resignation (darüber, dass ich mir den Vortrag des Chefs über 'professionelle Integrität' und Sachverstand anhören muss) und fragt, wo das Problem liegt. Ich weihe ihn in die traurigen Details ein. "Nun, wir könnten ihn doch in eines der Notfallzentren fahren und ihm sagen, dass sie alle gleich aussehen und dem Wachdienst sagen, sie sollten Besuche aus Sicherheitsgründen nicht erlauben." schlägt er vor. "Das mit dem Wachdienst könnte funktionieren, aber die Notfallzentren sind das wahre Problem." "Funktionieren sie nicht?" fragt der PJ. "Oh doch, aber sie sind an andere Mieter verpachtet." "Was?!" "Nun, sie liegen doch gewöhnlich mitten in Geschäftsvierteln. Also vermiete ich sie normalerweise an andere Unternehmen und investiere das Geld in lohnendere Projekte - in diesem Falle in die Erweiterung der Bandbreite unserer Internetanbindung." "Wie uneigennützig von ihnen." murmelt der PJ. "Ja, nun ... Aber das ist jetzt alles vorüber, er wird es herausfinden ..." "Nicht unbedingt!" ruft der PJ mit Befriedigung in seinem Blick, was wohl bedeutet, dass er einen Plan hat. Zwei Tage später leistet mir der Chef auf der Rückbank einer Limousine Gesellschaft, mit der wir unsere Notfallzentrale besuchen wollen. "Verdammt dunkel hier." beschwert er sich. "Man kann nicht einmal durch die Fenster blicken." "Ja", stimme ich ihm zu. "Das ist ein Wagen unseres Partners, der sich um die Speicherung unserer Daten kümmert - sie machen keine Kompromisse, denn sie haben wichtige Kunden." "Oh", murmelt der Chef selbstzufrieden - sein Gefühl von Selbstherrlichkeit erreicht neue Höhen. "Und wo fahren wir hin?" "Wir fahren zur nächstgelegenen Notfallzentrale, was etwa zwei Stunden dauern wird. Ich denke, wir besuchen pro Tag eine Zentrale, wenn sie nichts dagegen haben." Zwei Stunden später rollen wir über eine Rampe auf die Parkfläche im Kellergeschoss unserer ersten Notfallzentrale. Ich helfe dem Chef in einen frisch renovierten Frachtaufzug (aus Sicherheitsgründen) und wir fahren eine Etage nach oben ins Notfallzentrum. "Das kommt mir irgendwie bekannt vor", murmelt der Chef ein wenig verwirrter als gewöhnlich. "Wir haben die Notfallzentren so gestaltet, dass sie vertraut aussehen, was den Ortswechsel und die Neuorientierung für die Mitarbeiter leichter macht." "Wirklich? Das ist eine gute Idee!" Wir betreten den Rechnerraum und schauen uns um. "Etwas ruhig, oder?" will der Chef wissen. "Nun, die Notfallzentren werden typischerweise erst im Notfall in Betrieb genommen - hauptsächlich, um Strom und Wartungskosten zu sparen." "Natürlich." Der Rest der Besichtigung verläuft problemlos und wir fahren zurück zu unserer Firma. "Wohin fahren wir morgen?" fragt der Chef. "Nun, ich denke, dass wir früh losfahren und das Zentrum in Wales besichtigen. Ich hole sie gegen 6 Uhr ab?" Als der Chef gegangen ist, tippe ich an die Trennscheibe, die Fahrer und Fahrgäste trennt. Das Gesicht des PJ erscheint, als die Scheibe verschwindet. "Morgen geht es nach Wales", murmle ich. "Stellen sie die Technik ein wenig um, hängen sie ein paar walisische Landkarten mit farbigen Stecknadeln an strategisch wichtigen Punkten auf und stellen sie eine Kiste Porree in den Frachtaufzug. Oh, und fahren sie in einem etwas grösseren Radius durch die Stadt. Zweihundert Runden um das Haus fordern skeptische Fragen geradezu heraus." Oh, mir bleibt jetzt noch, ein paar Rechnernamen in glaubwürdiges Walisisch zu übersetzen, um etwas für die Bilthigung des Chefs zu tun (Compluthären etc.). Diese Notfallvorbereitungen sind wirklich mit Arbeit verbunden! [[Als die Not am grössten ist, leiht der B.O.F.H. seine helfende Hand der Nutzerbetreuung. Dabei spielt eine gewisse Menschenliebe zwar eine Rolle, doch wichtiger noch ist die Aussicht auf zusätzliche Einnahmen ...]] Ich bin so nett, dass ich einen Orden verdiene! Als herzensguter Mensch habe ich mich entschlossen, in der Nutzerbetreuung auszuhelfen, als diese dringend Hilfe braucht. Es scheint, dass sie wegen des Winterwetters und der Urlaubszeit chronisch unterbesetzt ist. Der PJ, gepriesen sei er, ist vom gleichen Geist der Aufopferung beseelt und hat angeboten, mir dabei zu helfen, die Nutzer zu bewachen - ich meine, mir dabei zu assistieren, wenn ich ihnen helfe. Seit unserem letzten Besuch hat sich nicht viel verändert. Nun, jetzt scheint die Sonne und ich schleppe keinen Sack und kein Brecheisen mehr mit mir herum, doch davon abgesehen hat sich wenig geändert. "Das", belehre ich den PJ. "Das ist ein Telefon. Sie haben bestimmt schon Menschen gesehen, die dieses Gerät benutzen. Jetzt können sie es ebenfalls versuchen." Ich ignoriere die Geste des PJs, die unter normalen Umständen wohl etwa dies ausdrücken würde: "sie haben sicher eine erfüllende sexuelle Beziehung mit ihrer rechten Hand" (was ich wohl fehlinterpretierte als: "Ich sehne mich nach einem verdammt guten Tritt in den Hintern. Könnten sie mir den Gefallen tun?"), und kümmere mich um die Arbeit. "Sie nehmen die Leitungen 1, 3 und 5, ich nehme die 2, 4 und die 6." lege ich fest. "Was? Ich dachte, wir leiten alle Anrufe zu dieser religiösen Motto-des-Tages-Nummer um und schauen uns auf ihren Festplatten nach interessanten und belastenden Daten um!" jammert der PJ eingeschnappt. "Das wäre reine Zeitverschwendung", antworte. "Ich habe doch die gesamte gute Hardware durch die ausgemusterte aus unserem Lager ersetzt, damit wir nun von jeder Etage aus ein Quake II-Netz aufbauen können." "Sie meinen, wir können nicht einmal Quake auf diesen Rechnern spielen?" "Ich fürchte, dass das hier wirklich unmöglich ist. Diese Rechner werden sich schon freuen, wenn sie uns ANSI-Grafiken zeigen können, von SVGA ganz zu schweigen." "Aber ...." schnappt der PJ ein. "Kein Widerspruch. Wir werden unsere Zeit sinnvoll dazu nutzen, unsere Nutzer etwas besser kennenzulernen. Wir haben uns in diesem Jahr zu sehr von ihnen isoliert - es wird Zeit, dass wir unsere Beziehungen erneuern!" Meine Selbstlosigkeit stimmt mich ein wenig nachdenklich, aber ich schlucke die Übelkeit hinunter und fahre fort. "HIER!" rufe ich. "Stimmen wir unsere Ausredenkalender aufeinander ab. Seite 47, Hypotropisch-osmotische Datenverluste." Die Augen des PJs leuchten kurz auf als seine Gedanken abschweifen, doch er ist sofort wieder hellwach und hört mir zu. "Ich werde es H.O.D. nennen", murmelt er, als er sein Bewusstsein wiedererlangt. "In Ordnung! Dann kann das Spiel beginnen!" rufe ich. "Spiel? Welches Spiel?" fragt der PJ. "Sie werden es herausfinden ..." "Ich weiss noch immer nicht, wieso der Chef das erlaubt hat", ruft der. "So dumm kann er doch gar nicht sein." "Er war nicht so dumm", antworte ich lächelnd. "Aber er wurde versetzt. In unsere Filiale in Leeds, nachdem er zu Beginn der Woche einen kleinen Unfall hatte." "Ja?" fragt der PJ voller Neugier. "Es war tragisch." "WIRKLICH?" Sein Interesse wächst. "Es scheint so, als hätte er sich bei diesem Training zum Thema "Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz", das uns die US-Zentrale verordnet hat, ein wenig gehenlassen." "Das Training, für das sie all die netten Leute aus der Geschäftsführung zusammengetrommelt haben? Hat er gesagt, er nehme an, das sei ein Training, bei dem vorgeführt wird, wie man das macht?" "Nein - offenbar hatte er etwas bei sich, das er bei dem Zusammentreffen nicht einziehen konnte. Ja, so könnte man es wohl am besten ausdrücken ..." "Sie meinen, er hatte einen ...." "Anscheinend. Er hat wilde Verdächtigungen geäussert und behauptet, jemand hätte Viagra in seinen Kaffee gemischt, aber ich frage sie ..." "Abartig", pflichtet mir der PJ bei. "Wo wir beim Thema sind, Kaffee?" "Ja, aber nehmen sie nicht den Instantkaffee bevor ich Zeit hatte, ihn auszutauschen." "Sie verdammter ..." Unsere Unterhaltung wird durch den ersten Anruf an diesem Tag unterbrochen. "Hallo, wie kann ich ihnen helfen?" frage ich in einem Tonfall, der nur als guter Wille gedeutet werden kann. "Hallo, mein Rechner vergisst ständig die Zeit, und mein Kollege meinte, das könne an der Batterie in dem PC liegen!" "Wie alt ist der Rechner?" frage ich. "Drei Monate." "Normalerweise fallen die Batterien nicht so schnell aus." antworte ich. "Ich denke, es liegt daran, dass ihr Rechner beim Starten die aktuelle Zeit vom Netzwerkserver holt, er aber nichts damit anfangen kann, weil ihre Zeitzoneneinstellung nicht GMT ist." "Nun ..." >Klickklick< >Klickklich< "Genau, da steht Winnipeg! Wo zum Henker ist Winnipeg?" "In Kanada, glaube ich", antworte ich hilfsbereit. "Vielen Dank!" "Keine Ursache!" antworte ich und lege auf. Der PJ ist geschockt. "Was war denn das?" ruft er ungläubig. "Oh, habe ich es ihnen nicht gesagt? Darum geht es in dem Spiel. Alles oder nichts. Wer als Erster eine spitze Bemerkung zu einem Nutzer machte, zahlt am Freitag für die Biere." "Das klingt nicht wie ein Spiel." murrt er. "Und nach Spass schon gar nicht!" "Wollen sie LIEBER MONOPOLY spielen?!" "Nun, nein, aber das ist nicht die Art von Spielen, die Spass machen!" "Ich glaube, sie sind ein FEIGLING!" verhöhne ich ihn. "Mitnichten!" ruft der PJ. "Das scheint eher auf sie zuzutreffen." "In Ordnung. Ich übernehme Leitung 1, was die Anzahl potentieller Anrufer für mich verdoppelt. Jetzt zufrieden?" Der PJ nickt - dann grinst er, als ein Anruf auf Leitung 1 kommt. Vielleicht habe ich doch etwas zu hoch gepokert und mich und meine Leidensfähigkeit ein wenig überschätzt ... [[Der B.O.F.H. beweist, dass es (beinahe) möglich ist, sich gleichzeitig an mehreren Orten aufzuhalten, als es darum geht, sein Heiligtum gegen Besuche durch Dummköpfe zu verteidigen ...]] Ich sitze unten im Café, um mich kurz (in Ordnung, es sind ein paar Stunden) vom Stress mit den verrückten Nutzern zu erholen - Anrufe habe ich auf mein Handy umgeleitet, dessen Nummer geheim ist. Und prompt fängt es an zu piepsen. "Hallo, Netzwerk- und Systembetreuung", melde ich mich so freundlich, als würde ich noch am Wettbewerb 'Wer ist am nettesten zu den Nutzern' teilnehmen ... ... was ich freilich nicht mehr tue, denn nachdem ich den PJ ausgetrickst habe, indem ich unheimlich viel Speicherplatz auf den Servern reserviert und ihn dann mit schnell zusammengebauten klingenden E-Mails 'vom PJ' aufgefüllt habe, sehe ich gar keine Veranlassung mehr, freundlich zu sein. Die Stimmung der Missgunst gegen den PJ hat den Chef sogar dazu veranlasst, ihn in einen kurzen Urlaub zu schicken. "Wo sind sie?" will der Chef wissen. Seine Stimme wird ein wenig von den Aussengeräuschen meines gegenwärtigen Aufenthaltsortes gedämpft. "Natürlich im Rechnerraum!" antworte ich entrüstet. "Wirklich? Und woher kommen diese Hintergrundgeräusche? Ich kann Autos hören!" "Ja, natürlich. Das ist dieses Multimedia-Demonstrationsprogramm, das gestartet wird, wenn die Server hochgefahren werden." erkläre ich ihm. "Ich würde die Lautsprecher ja abschalten, aber wir brauchen sie für die akustische Fehlerdiagnose beim Starten." Mein Schwachsinnsmesser registriert drei von zehn möglichen Punkten, also dürfte diese Entschuldigung wahrscheinlich für den Chef ausreichen. "Oh." antwortet er und bestätigt meine Vermutung. "Nun, ich muss in den Rechnerraum, da ich einigen neuen Mitarbeitern unsere Technik zeigen will. Wenn sie also herauskommen könnten, um uns einzulassen ..." Man kann mich ja altmodisch nennen, aber das LETZTE, was ich will, ist ein Haufen schwatzender Verrückter, die keine Ahnung davon haben, wie und warum Computer funktionieren, im Allerheiligsten vom Heiligen. Da ich ein vorausschauender Mensch bin, habe ich mich auf solche Fälle vorbereitet, indem ich die Eingänge für alle ausser mir elektronisch blockieren kann. "Ich befürchte, dass wir ein Problem mit dem elektronischen Schliesssystem haben und ich es auch nicht dazu bringen kann, die Türen freizugeben." teile ich ihm mit. "Es sieht so aus, als wäre ich ein- und sie ausgesperrt." "Aha", murmelt der Chef langsam. "Dann versuche ich die Notfall-Entriegelung." Ein paar laute Schläge später greift der Chef keuchend wieder zum Telefon. "Das VERDAMMTE GLAS lässt sich nicht einschlagen!" japst er. "Was für eine Sorte Sicherheitsglas ist das denn?" "Ich habe keine Ahnung, aber es klang gut für die Wachmannschaft." antworte ich und stelle ihn damit offenbar zufrieden. "Dann rufe ich die Hausmeister an, um durch das Glas zu kommen - sie warten einfach auf uns!" ruft er und will damit seinem Anfängerpublikum wohl Entscheidungsfreude und Problemlösungsfähigkeit demonstrieren. Was bedeutet, dass ich nun doch noch an meinen Arbeitsplatz zurückkehren muss, da das Glas nur begrenzt den Bemühungen des Hausmeisters standhalten wird. Ich nehme ein Taxi und betrete das Firmengebäude durch den Hintereingang, schleiche aus einem Frachtaufzug und lande hinter dem Chef und einer Gruppe technischer Dummköpfe, deren Intelligenzquotienten zusammengezählt nicht einmal den Hüftumfang eines Supermodels erreichen. "Hallo!" sage ich und denke an die positive Wirkung, wenn man nett zu angehenden Nutzern ist. "Wo kommen sie denn her?" fragt der Chef und deutet verwirrt auf den Hausmeister, der sich noch mit seiner Bohrmaschine durch das Panzerglas durcharbeitet - einen halben Zoll hat er schon geschafft, so dass ihm nur noch ein Zoll bleibt. "Der Rechnerraum!" rufe ich. "Ich habe es geschafft, die Notausgangstür dadurch zu öffnen, dass ich meine Karte mehrmals durch den Leser gezogen habe - möglicherweise gab es Lesefehler oder ähnliches." Wichtigtuerisch blase ich in den Kartenleser und versuche es dann mit meiner Karte. Natürlich öffnet sich die Tür. Dann stoppe ich heimlich das Blockierprogramm und lasse die Meute eintreten. "Das ist unser ... ähm ..." beginnt der Chef, wobei er feststellt, dass ich mich seiner Führung zugesellt habe und sehr interessiert seinen Ausführungen lauschen will. "Ähm, vielleicht ist es doch besser, wenn wir jemanden aus der ersten Reihe zu Wort kommen lassen!" Es ist natürlich überflüssig zu betonen, dass meine Vorführung ein durchschlagender Erfolg war - ganz besonders nachdem der Chef die Gefährlichkeit des Arbeitsplatzes dadurch demonstriert hatte, dass er über eine lose Bodenplatte, die wir dazu benutzen, Fremde am Herumstreunen bei uns zu hindern, stolperte und mit dem Gesicht voran in ein Regal voller Technik stürzte. Auf dem Weg nach draussen trifft mich ein Typ aus der Personalabteilung und gibt mir die Einladung des Chefs, mit der ich am 'Willkommen in der Firma'-Trinken am Nachmittag teilnehmen kann, was bedeutet, dass der Chef selbst wohl nicht hingehen kann ... Und gerade als ich dachte, das Leben könnte nicht mehr besser werden, ruft der PJ an und erklärt, er wisse alles und würde sich nur WIDERWILLIG an sein Versprechen halten - aber eine Wette sei nun einmal eine Wette. Gedächtnisvermerk Nummer Zwei: Rechtzeitig an das Vertauschen der Gläser denken, wenn seine Aufmerksamkeit im Pub abgelenkt wird. Letztlich ist die Vorstellung, eine Überdosis Abführmittel trinken zu müssen, doch nicht sehr verlockend. [[Das Duo des Schreckens entwickelt einen individuellen Plan zur Gesundheitsvorsorge. Einen, der es erlaubt, tagelang der Arbeit fernzubleiben, um Pubs oder Sehenswürdigkeiten zu besuchen ...]] In den Tiefen ihrer kalten Herzen haben die Firmenmanager beschlossen, dass wir Angestellten unter angemessener finanzieller Selbstbeteiligung (auf einem hohen Niveau, versteht sich) würdig sind, Mitglieder der firmeneigenen Krankenversicherung zu werden. Verdammt. Ich hätte nach all meinen Mühen ein Sonderangebot dafür verdient. Gäbe es mich nämlich nicht, so bräuchte die Firma gar KEINE eigene Krankheitsvorsorge - zumindest keine mit so hohen Beiträgen zur Absicherung von Arbeitsunfällen .... "Aber das ist doch verdammt billig!" behauptet der PJ. "Und bei Arbeitsunfällen wird der komplette Aufenthalt in einem privaten Krankenhaus bezahlt." "Wo man ihnen zweifellos Chilli-Einläufe verpassen wird, bis sie selbst darum bitten, entlassen zu werden." antworte ich, der ich nur zu gut weiss, wie gut 'gute Geschäfte' wirklich sind. "Nein, sie haben auch ein paar Bilder", ruft er und wedelt selbstvergessen mit ein paar Hochglanzbroschüren. "Sehen sie sich das an!" Ich muss zugeben, dass die Bilder beeindruckend aussehen. Sie zeigen grosse stattliche Krankenzimmer, Bataillone hübsch aussehender Krankenschwestern und prächtig gedeckte Tische mit dem Abendessen, doch ich habe schon zu viele Hochglanzbroschüren für Computersysteme gesehen, als dass ich der Werbung noch glauben könnte. "Das ist doch nur der übliche Werbemüll", erinnere ich den PJ. "Nichts davon ist wahr." "Es könnte aber sein", murmelt er eingeschnappt. "Es ist eine der Grundregeln bei der Arbeit in unserer Branche, dass man niemals Broschüren glauben kann, wenn man die Ware noch nicht selbst gesehen hat!" weise ich ihn zurecht. "Aber wie können wir herausfinden, wie es wirklich ist, wenn wir uns nicht beteiligen?" "Beteiligen?" ruft der Chef und stürmt in unser Büro. "Sie meinen die Gesundheitsvorsorge? Da bin ich schon seit Jahren Mitglied." "Und - wie sind die Krankenhäuser? Haben sie schon eins gesehen?" "Nein." antwortet der Chef und beugt sich hinunter, um den neuen 19 Zoll-Flachbildmonitor hochzuheben, der für ihn bestimmt ist. "Aber wenn es einmal sein muss, werden sie die erst ...." Er hat sich noch nicht wieder ganz aufgerichtet, als ich die aufgeblasene Papiertüte knallend zerplatzen lasse, die ich der Hand hielt. Erschreckt reagiert der Chef etwas schneller als gewohnt. "Autsch!" ruft er, lässt den Monitor fallen und hält sich den Magen fest. Ups. Natürlich nehmen der PJ und ich uns die Zeit, um uns zu versichern, dass die Genesung des Chefs von seinem Leistenbruch voranschreitet. Und um ein wenig einzukaufen. Gut, und um ein paar Bierchen zu trinken. Und um eine Stadtrundfahrt mit dem Bus zu machen - aber danach steuerten wir zielstrebig das Krankenhaus an. Dort stellen wir fest, da meine Befürchtungen grundlos waren - das Gebäude ist in einem tadellosen Zustand, ihre Überwachungstechnik lässt unsere blass aussehen. Wir machen ihrem Administrator ein paar Komplimente, damit er uns schnell ein wenig herumführt, und zeigen starkes Interesse an ihrem ZUPÜS (Zentralisiertes Umfassendes Patienten-Überwachungs-System). "Grundsätzlich", erklärt der Administrator uns, als wir das Zimmer des Chefs verlassen, "Grundsätzlich erlaubt das System die Überwachung aller Patienten aus der Rechenzentrale heraus, von wo dann bei Bedarf Ärzte oder Schwestern alarmiert werden können, die vor Ort sind." "Aha", antworte ich. "Und was passiert, wenn die Ärzte mit den Krankenschwestern irgendwo sind und Arzt und Krankenschwester spielen?" Einen tadelnden Blick später fährt er fort. "Die Software ist jederzeit darüber informiert, wo sich unser Personal aufhält. Ich kann ihnen wirklich versichern, dass ihr Chef bei uns in den besten Händen ist und Unfälle ausgeschlossen sind." Arschloch. Wir hoffen nämlich auf einen (oder fünf) Rückfälle, damit wir mehr Arbeitszeit verbraten können, um, ähm, das Krankenhaus zu besuchen. "Tausende Kabel aus dem gesamten Krankenhaus enden hier in der Überwachungszentrale." erklärt uns ein haariger Gnom. "Sie übermitteln alle Daten, die wir brauchen, und alle Patientendaten sind hier über den berührungsempfindlichen Monitor abrufbar." "Wirklich?" sage ich und tippe auf das Kästchen mit dem Namen des Chefs. "Wie sie sehen können, werden die Bilder zweier Kameras aus dem Zimmer ihres Chefs, der Nummer 22b, angezeigt. Zusätzlich sehen sie noch seine Werte für Temperatur, Herzschlag und Atmung. Und hier sehen sie seine Gehirnströme - all das wird durch das eine Kabel übertragen und hier angezeigt, was uns gewaltige Ausgaben für getrennte Überwachungstechnik erspart ... Oh, mein Gott!" Der Monitor, der die Daten des Chefs zeigt, hat sich rot verfärbt und es blinkt das Wort 'HERZSTILLSTAND' auf. In der Folge können wir beobachten, wie eine medizinisches Team auftaucht und dem Chef ein paar Stromschläge verpasst. "Nun", fügt der Gnom hinzu. "Wie sie sehen können, ist die Reaktionsgeschwindigkeit unseres medizinischen Personals hervorragend." "Ja", bestätigt der PJ und legt einen Schraubenzieher auf den Tisch. "Aber irgendein Anschluss an diesem Rechner war falsch konfiguriert. Doch machen sie sich keine Gedanken, ich habe das Kabel unseres Chefs überprüft und wieder angeschlossen ...." Die Stille ist, wie man so schön sagt, ohrenbetäubend. Der Gnom weiss nun, dass der Chef eine Behandlung bekommen hat, die gar nicht nötig war, und, sollte es eine Anfrage geben, das Krankenhaus - und sein Projekt - nicht gerade gut dastehen würden. Verzweifelt blickt er uns an. "Ein Zehner sollte für ein paar Biere reichen." sage ich. "Pro Tag und Mann", fügt der PJ hinzu. [[Das Duo des Schreckens wird beauftragt, ein Mitteilungsblatt zu verfassen. Eine leichte Aufgabe, wenn sicher wäre, dass niemand die technischen Details missversteht ...]] Der Chef hatte die Idee, dass es für das Ansehen unserer Abteilung förderlich sein könnte, wenn wir ein paar Mitteilungen für die Nutzer herausgeben würden. (Nicht in elektronischer Form - das wäre dann doch zu fortschrittlich; und eine Papierversion ist viel nützlicher, kann man sie doch jahrelang in Ordnern aufbewahren, selbst wenn das 'Lesen bis'-Datum schon verstrichen ist.) Seine Theorie ist, dass dadurch, dass wir zweimonatlich ein paar Blätter zu Themen wie 'Die neueste Technik ist ....', 'Wir haben gerade ... gekauft' und 'Was sie über .... wissen sollten' herausgeben, die echten Arbeiter nicht bemerken werden, dass all die wunderbare neue Technik im Management landet, während sie mit dem Müll von vorgestern ausgestattet werden. Eine Vertuschungsaktion also, um es anders auszudrücken ... Ein schleimiger Typ aus der Werbeabteilung soll uns dabei helfen, ein ansprechendes Mitteilungsblatt zu erschaffen, was von weichgezeichneten Fotos (der Chef sieht aus, als sei sein Gesicht in Flammen aufgegangen und jemand hätte versucht, das Feuer mit einem Kartoffelschäler zu löschen) reicht bis zu einem pseudowissenschaftlichen Stil bei der Auswahl der Worte und dem pastellfarbenen Papier, auf dem die Mitteilungen erscheinen sollen. Er ist auch ein Talent bei der Auswahl der Themen, die so unnütz sind, wie es nur geht: wieviele Kilometer Cat-5 (Hochgeschwindigkeitskabel) im Haus verlegt sind, wieviele Leute aus der Nutzerbetreuung auf Fortbildungskursen waren, der Wert unserer Technik, Technologien, die wir beobachten ... Und, natürlich, der Chef wünscht, dass ich einen kurzen Artikel schreibe über die neue Ausrüstung, die wir gerade prüfen, wann wir sie einsetzen wollen, ein paar nützliche Informationen darüber ... mit anderen Worten, ich soll das verdammte Ding selber schreiben. Nun, ich liebe es ungefähr so sehr, die Nutzer mit Informationen zu versorgen, wie Parlamentsmitglieder es mögen, mit ihren Wählern zu reden, also bin ich, um es einfach zu sagen, sehr gespannt, wie meine Ideen ankommen. Nein, eigentlich nicht, denn es ist alles klar. Sein Befehl, alles so zu schreiben, dass es jeder versteht, macht die Sache schwierig. Ich hoffe nur, er denkt bei 'jeder' nicht an die Leute vom Wachdienst, da ich wirklich nicht behaupten möchte, dass unsere Laserdrucker das Papier mit Farbstiften 'bedrucken'. Trotzdem schaffen der PJ und ich es, genügend Informationen zusammenzukratzen, um zwei Seiten damit füllen zu können und sie schnellstmöglich an die Drucker zu schicken - natürlich nachdem der Chef seine Zustimmung gegeben hat. Und so muss ich gestehen, dass ich etwas bestürzt, ja, beinahe geschockt bin, als der Chef am nächsten Tag ins Büro hereinstürmt in einer Stimmung, die wohl nur als 'kurz vor der Explosion' beschrieben werden kann. "Was zum Teufel ist das?" fragt er und wedelt wütend mit einem Blatt. "Unser Mitteilungsblatt", antworte ich wenig überrascht. "Das weiss ich! Aber das sieht völlig anders aus als das, was sie mir gestern gezeigt haben!" "Nein, ich musste nur den technischen Fachjargon, den sie gelesen haben, so übersetzen, dass die Nutzer ihn auch verstehen." "Aber das ist ein verdammter Alptraum!" schreit er. "Die Nutzer sind völlig verwirrt!" "Nun, ich muss zugeben, dass sich durch die Vereinfachung des Textes die eine oder andere technische Ungenauigkeit eingeschlichen haben könnte, aber die wesentlichen Informationen sind noch da." "TECHNISCHE UNGENAUIGKEITEN?! Sie schreiben, dass die Tonerkassetten relativ leicht mit Tinte aufgefüllt werden können." "Nun, ich dachte, sie würden sonst nie begreifen, was Toner ist. Und dass es wirklich recht simpel ist, ein Loch in die Kassette zu bohren und den Toner zu ersetzen - solange die Druckwalze und die Sicherung nicht beschädigt werden - anders macht man es beim Toner-Hersteller ja auch nicht." "Ja, nun, wegen dieses Artikels haben wir jetzt einen Drucker in der Werkstatt, der nur noch zum Ausschlachten taugt." "Aber das ist doch kein besonders schwieriges Problem, oder?" wirft der PJ ein. "Immerhin liegt die vorhergesagte Nutzungsdauer ohnehin nur bei knapp 3 Jahren." "Darum geht es doch gar nicht. Wie auch immer, das war ja nicht der einzige problematische Artikel - wieso haben sie den Nutzern gesagt, sie sollten ihre Rechner auswaschen, wenn das Netzwerk träge reagiert?" "Was?! Oh, sie meinen den Vergleich einer Netzwerkverbindung mit dem Wasserschlauch einer Waschmaschine. Nun, ein grösserer Schlauch lässt auch mehr durch, oder?" "Ja, aber sie haben geschrieben, die Nutzer sollen ihre Maschinen auswaschen!" "Nein, ich habe nur geschrieben, dass man als Eigentümer ja möglichst viel Wasser in der Maschine haben möchte, aber ich meinte damit doch den Datentransfer." "Und wieso haben sie empfohlen einen Feuerwehrschlauch an die Maschine anzuschliessen?" "Eine Analogie - grosser Feuerwehrschlauch, viele Daten. Es würde doch niemand ernsthaft daran denken, einen Feuerwehrschlauch ..." "Der Wachdienst braucht eine ganze Ladung neuer Rechner ..." "Oh. Aber das ist doch nicht mein Fehler. Selbst sie müssen zugeben, dass sie nicht gedacht haben, dass die Leute so einfältig sind ...." "Ja, aber wie ist es mit etwas anderem, dass NICHT so einfältig ist? Wieso haben sie empfohlen 'Infector' auf den Rechnern zu installieren?" "Infector? Nein, ich habe empfohlen, das Programm 'Detektor' zu installieren. Ich würde niemals Infector installieren - das ist doch ein Testpacket für die Qualität von Antiviren-Programmen, das all ihre Dateien zerstört ..." "Würden sie sich darum kümmern, die Festplatte der Sekretärin des Geschäftsführers wiederherzustellen?" "Ich werde den PJ damit beauftragen!" sage ich, als der Chef davonbraust. "Also wird es wohl kein weiteres Mitteilungsblatt geben?" fragt der PJ. "Das ist wirklich sehr unwahrscheinlich." gluckse ich. "Verdammt! Dabei hatte ich noch die Idee, dass alle Nutzer ihren Festplattenplatz als einen verteilten Massenspeicher betrachten sollen." "Das klingt viel zu technisch; ändern sie es in 'lassen sie nach der Arbeit ihren Rechner eingeschaltet und im Netzwerk angemeldet, wenn sie nach Hause gehen'. Oh, und es ist niemals zu spät für einen kleinen Nachtrag ..." "Also werde ich mich darum kümmern!" Ein guter Junge - immer gewillt, sich unsere Nutzer aufzuopfern. [[Konfrontiert mit einem uralten Rechner, der die Händler in der Antike begeistert hätte, findet der B.O.F.H. heraus, dass er mit einem Gummihammer mehr erreichen kann als ein Ingenieur mit einem Schraubenzieher ...]] Es sieht so aus, als stecke ich tief im Schlamassel. Und ein leichter Ausweg ist leider auch nicht zu sehen. Dummerweise habe ich versucht, einen antiken aber dringend nötigen Teil unserer Technik zu reparieren, der in den letzten Wochen täglich mehrere Fehlermeldungen ausgespuckt hat. Gut, es waren nur 'Warnungen' und alles lief fehlerlos, trotzdem ... Doch das ist nun alles behoben ... Und wie es das Schicksal wollte, ist die Maschine vollgestopft mit alten und proprietären Innereien, die so alt sind, dass sie wohl nur noch von den Staubschichten zusammengehalten wurden, die sich im Laufe der Jahre angesammelt haben. Doch, wie angedeutet, das war einmal ... Natürlich ist der Chef ein verständnisvoller Mensch, der es zu schätzen weiss, dass er nun nicht mehr täglich mit unzähligen E-Mails belästigt wird, die unnötige Warnungen enthalten, als er mit mir über meine aggressive Herangehensweise an die Lösung ungelöster Probleme spricht. "Wenn die Maschine eigentlich lief, wieso haben sie sie dann repariert?!" keucht er. "Das hat etwas mit der Service-Qualität zu tun", antworte ich und bringe den Ball vorsichtig ins Rollen ... "Was meinen sie mit Service-Qualität? Die Maschine lief doch - und jetzt tut sie das nicht mehr!" "Sie funktionierte nur teilweise", seufze ich. "Aber sie hätte jederzeit komplett ausfallen können." "Und das ist sie ja nun auch!" schreit er. "Sehen sie jetzt, was ich meine?" frage ich und schalte in den Modus für verwirrende Logik um. "SIE HABEN SIE ZERSTÖRT!" ruft er. "Sehen sie", versuche ich, ihn freundlich aufzuklären. "Die Nutzer lynchen uns, wenn das Netz ohne Ankündigung ausfällt, oder?" "Ja?" "Und wir umgehen das, indem wir Ausfälle ankündigen, oder?" "Ja?" "Und das ist ja nun ein angekündigter Ausfall wegen dringender Wartungsarbeiten. Und die Nutzer sollten das System daher auch nicht benutzen, oder?" "Oh ... wie?" "Also gibt es nichts, worüber sie sich BERECHTIGT beschweren könnten?" "Ich glaube nicht", antwortet er, wobei er etwas verwirrt klingt. "Und während ich mit ihnen spreche, kann ich mich nicht um die Reparatur kümmern, oder" "Oh ... nein ..." Der Chef verschwindet, nachdem ihm klar wurde, dass wir nach unserem Gespräch wieder da angekommen sind, wo wir vorher schon standen. Und das bringt uns wieder auf das eigentliche Problem ... "Was ist dieses riesige Ding da?" fragt der PJ und deutet auf ein Ungetüm von einer 20 Megabyte-Festplatte in den Innereien der Maschine, die ungefähr soviel Strom verbraucht wie die halbe Beleuchtung im Rechnerraum. Man muss ihm seine Unkenntnis nachsehen, denn er ist zu jung, um sich überhaupt an MFM-Festplatten, Echtzeitspeicherung auf Bändern oder gar 8 Zoll-Disketten erinnern zu können - auf den Leserbriefseiten der Erwachsenenmagazine findet man derartiges eben nicht ... "Das", sage ich. "Das haben wir in der guten alten Zeit benutzt, wir nannten es ..." "Festplatte!" ruft der PJ, nachdem er die '20 MB'-Markierung auf der einen Seite der Festplatte gesehen hat. "Beinahe, aber nicht ganz! Vielmehr ist das" - ich greife zu meinem guten alten Gummihammer - "ein Anruf bei unserem Vertragspartner, der gleich ..." BANG! BANG! BANG! SKEEEEeeeeeeereeerrrrrrrrt! "... notwendig ist." "Und was wollen sie damit erreichen?" seufzt der PJ. "Nun, bevor diese Einheit ausfiel ..." "Bevor sie sie mit ihrem Gummihammer geschlagen haben, meinen sie." "Ein Hammer übrigens, der keine nachweisbaren Spuren hinterlässt", füge ich hinzu. "Vorher war es ein Softwarefehler in Verbindung mit einer unbekannten Fehlfunktion der Hardware." "Und nun wird der Service-Ingenieur denken, er sei dafür verantwortlich." "Nachdem er die Festplatte repariert hat ..." "Genau!" Wir tätigen einen Anruf, und noch schneller als ein Fesselballon mit einem Millionär als Kapitän die Welt umrunden kann (mit den Zwischenlandungen), erscheint ein Ingenieur mit seiner Ausrüstung bei uns. "Was - die Platte wird nicht in einer versiegelten Verpackung ausgeliefert?" keucht der PJ. "Woher wissen wir dann, dass sie neu ist?" "Das einzige, was diese Ingenieure versiegelt bekommen, ist ihre Bettlektüre", kommentiere ich. "Nebenbei, es gibt auf dem ganzen Planeten vermutlich nur drei gleichartige Laufwerke, die zweifellos in Handarbeit durch Schweizer Nonnen repariert werden, wenn ich mir deren Preise anschaue, wenn sie nicht gerade als Ersatzteil geliefert werden." Der Ingenieur repariert schliesslich die Maschine - nachdem er dreimal in sein Büro fahren musste, um einen Ersatz für die defekte mysteriöse Komponente zu finden, die auf das Motherboard aufgelötet werden musste - und wir schalten sie, sehr zur Freude des Chefs, wieder ein. Er hatte den Fehler in meiner Logik gefunden, nachdem ihm auffiel, dass ich die Ankündigung für den planmässigen Ausfall des Netzes zum Zwecke der Wartung erst abgeschickt hatte, nachdem die Maschine ausgefallen war. "Also ist jetzt alles in Ordnung?" will er wissen. "Ja. Alles läuft bestens." Zufrieden darüber, dass das Unrecht aus der Welt ist, trottet er zurück in sein Büro, um darüber nachzudenken, wie er diese Erfahrung als 'gute Beziehung zu den Nutzern' darstellen kann. Ich kehre in der Zwischenzeit zu meinem Schreibtisch zurück und will gerade mit der Arbeit beginnen, als eine E-Mail mit dem Betreff 'System-Warnung' von der erwähnten Maschine eintrifft. Diesmal verzichte ich auf den Gummihammer und greife mir seinen Bruder aus Metall. "Ich bin gleich wieder da", sage ich dem PJ. "Ich muss mich um eine 'Verbesserung' kümmern." Wartung ist wirklich eine Arbeit, die niemals endet ... [[Konfrontiert mit der Aussicht, mit einem spitzbärtigen Veganer zusammenarbeiten zu müssen, kann der B.O.F.H. der Herausforderung nicht widerstehen und schickt den neuen Kollegen mit boshafter Genialität zum Teufel ...]] "Uhhhh ..." beginnt der Chef und versucht verzweifelt, sich daran zu erinnern, weshalb er überhaupt unser Büro angesteuert hat. "Das ist, ähm, Nigel", fährt er dann fort und zeigt auf einen Spitzbart, der hinter ihm steht. "Nigel wird sich um die Betreuung der Nutzer kümmern. Da ihr Mitteilungsblatt nicht gerade gut angekommen ist und sie nicht gern mit den Nutzern zusammenarbeiten, dürfte das für alle Beteiligten positiv sein. Könnten sie dafür sorgen, dass er einen Schreibtisch, einen Rechner und ein Telefon bekommt? Bis morgen - das wäre grossartig." Der Chef stiehlt sich mit Nigel davon, noch bevor wir protestieren können. "Das darf doch nicht wahr sein." stöhnt der PJ. "ICH WEISS", erwidere ich. "Ein Typ mit Spitzbart in einer technischen Umgebung." "Was?" "Ein Spitzbart. Sie wissen schon, ein Typ, der auf Künstler macht - oder, um es auf die Computerbranche anzuwenden, ein Kauz, der unbedingt 'modern' sein will." "Und er gehört dazu?" "Wenn ich mir seinen Pferdeschwanz anschaue, dann ist er das schlimmste aus beiden Welten - auf kauziger Künstler, der mit Computern umgehen will. Er wird einen Escher-Druck mitbringen, seine gesammelten Wired-Ausgaben, einen Mini-Disk-Player mit Liedern von Cohen und ... einen Rucksack." "Unfug!" "Vertrauen sie mir. Bevor wir wissen, was mit uns geschieht, wird er uns Kräutertee servieren, während er versucht, uns zu Veganern zu machen." "Sie meinen Vegetarier?" "Nein, das ist ein alter Hut - jeder Mann und sein Hund isst heute vegetarisch. Um wirklich 'dabei zu sein', muss man heute eine 'Ich fühle wirklich mit den Tieren'-Gesinnung zeigen. Ich bin schon beinahe so weit, deshalb weiss ich, worüber ich rede." "Sie sind doch gar kein Vegetarier!" "Nein, ich gehöre zur 'Ich kann das Schicksal des Tieres wirklich schmecken'-Sorte. Ganz speziell bei einem nächtlichen Kneipenbesuch, wo das Leid am nächsten Morgen vorprogrammiert ist." "Sie sind voller Vorur ..." sagt der PJ und wird durch Nigels plötzliches Erscheinen unterbrochen. "Es gab nicht besonders viel zu sehen, also dachte ich mir, dass ich so früh wie möglich vorbeikomme. Ist das mein Schreibtisch?" fragt Nigel. "Ja", sage ich und füge hinzu, dass der PJ sein Telefon und seinen Computer einrichten wird, er für den Moment aber noch nicht gebraucht wird. Ich gestikuliere in Richtung Kaffee-Automat. "Den würde ich ihnen nicht empfehlen", sagt Nigel, als das Gesicht des PJs dessen vorherigen Kommentar 'Unsinn' erneut wiederspiegelt. Ich bin unbeeindruckt von dieser doch recht guten Vorstellung - das ist nur das übliche Verhalten am ersten Arbeitstag. Schon bald wird er, wenn er sich sicher fühlt, seinen Tannennadeltee mitbringen. In der Zwischenzeit entrollt er seinen Salvador Dali-Druck und bringt ihn an der Wand hinter seinem Schreibtisch an. Nicht exakt das Bild, das ich erwartet habe, doch das Escher-Bild findet sich schliesslich auf seiner Handgelenkauflage. Eins zu Null für mich, und die Handgelenkauflage ist dabei nur eine Zugabe. Dann packt er seine Auszeichnungen aus. Mit den Lippen forme ich für den PJ lautlos das Wort 'Anmassung', um ihm klarzumachen, dass es nun Zwei zu Null für mich steht. Und ich bemerke, dass Nigel seinen Kaffee noch immer nicht angerührt hat. Der nächste Tag bringt das erwartete Vier zu Null: Nachdem Nigel eine Kaffee-Pause mit Rosenblütentee und die Mittagspause mit Apfel-Roggenkorn-Brot, dass mit Sojamilch zubereitet wurde, verbracht hat, entschliesst er sich, seine Pfunde in Bewegung zu setzen. "Sie haben ja gar keine gedruckte Dokumentation", verkündet er. "Wie sollen die Nutzer da mit dem Netz zurechtkommen? Zum Glück habe ich noch ein paar Seiten, die ich für meinen vorherigen Arbeitgeber angefertigt habe, die ich anpassen kann. Allerdings brauche ich hierzu einen Administrator-Zugang zum Netzwerk." "Den werden sie selbstverständlich bekommen", erkläre ich ihm freundlich und verbringe den Rest das Tages damit, ihm zuzuhören, wie er versucht, den PJ von den Schrecken des Fleischverzehr zu überzeugen. "WISSEN sie, was sie mit den Tieren machen?" fragt er. "Sie erschiessen sie." kocht der PJ innerlich. "Und das nennen sie humanes TÖTEN!" "Ich ziehe auch das gute alte Gewehr vor", werfe ich ein, als ich nicht mehr widerstehen kann. Nigel springt verärgert auf und verschwindet um zu schmollen. "Was sollen wir tun?" fragt der PJ und blickt Nigel hinterher. "Der Chef will, dass wir ihm Zugriff auf die Rechner gewähren." "Ja", seufze ich. "Aber darüber sollten wir uns nicht den Kopf zerbrechen. Er wird es nicht lange bei uns aushalten. Nicht mit RSI." "Aber er hat gar kein RSI", seufzt der PJ verzweifelt. "Zu zehn Prozent sind es Einflüsse am Arbeitsplatz und zu neunzig Prozent Einbildung." antworte ich und krieche unter den Tisch, um meine neueste Erfindung hervorzuholen, auf die ich besonders stolz bin. "Hier sind die zehn Prozent!" "Das ist eine Tastatur", stöhnt der PJ unbeeindruckt. "Ja, aber dies ist eine spezielle Tastatur." "Das ist irgendwie ..." sagt er, als er die Tasten ausprobiert. "... seltsam." "Ja, meine eigene Erfindung. Jede Taste verhält sich anders - einige lassen sich nur mit viel oder wenig Druck betätigen, während andere gar nicht reagieren. Ich garantiere ihnen, dass dadurch die gewünschte Reizung der Hände und Gelenke sicher ist." Erwartungsgemäss hält es Nigel noch ganze zwei Tage aus. Natürlich haben wir auch seinen Arbeitssessel auch so justiert, dass er pro Minute einen Millimeter nachgibt, die Wiederholfrequenz seines Bildschirms herabgesetzt und seine Teebeutel in flüssiges Aufputschmittel getaucht. Für einen künstlerisch veranlagten Kauz hat er trotzdem ziemlich lange durchgehalten. Er hat sich nicht einmal beschwert, als der PJ ihm ein Pfund Hackfleisch als Abschiedsgeschenk überreichte ... Es wird Zeit für den PJ, das schützende Nest zu verlassen und in den Bastard-Orden aufgenommen zu werden. Und er hat es sich wirklich verdient ... Es ist ein glücklicher Tag für die B.O.F.H.s auf der ganzen Welt, denn der PJ bereitet sich darauf vor, feierlich in die Bastard-Bruderschaft aufgenommen zu werden. Als er aus der Herrentoilette herauskommt, richtet er seine schwarze Krawatte und betritt dann ein Hinterzimmer einer Kneipe, die die ganze Nacht geöffnet hat. Eine Träne stiehlt sich in meine Augen, als er die Hände der vier Führungsmitglieder des Ordens schüttelt (von denen ich einer bin) und sich für die mündliche Prüfung bereitmacht. "Wer hat diesen angehenden Bastard erzogen?" fragt der Grosse Bastard. "Ich." antworte ich feierlich. "Und sie sind zufrieden mit seiner Theorie, dass Hochspannung und ihre Anwendung eine Verringerung der Häufigkeit störender Anrufe von Nutzern bewirken kann?" "Das bin ich." "Sehr gut." Er wendet sich an den PJ. "Nun wird ihnen jedes Mitglied eine Frage stellen, die sie beantworten müssen." Es geht ein wenig förmlich zu, aber Regeln sind nun einmal Regeln. Der PJ nickt wortlos. "Sie haben gerade einen Arbeitsvertrag mit einer neuen Firma unterschrieben, die sie gut bezahlt, aber von ihnen eine Beschreibung ihrer bisherigen Tätigkeiten fordert - offensichtlich will ihr Arbeitgeber ihnen damit ihr schwerverdientes Wissen entlocken. Wie sorgen sie dafür, dass der Vertrag trotzdem geschlossen wird und sie ihr Wissen für sich behalten können?" Die erste Frage ist immer die einfachste. "Ah, ich würde ... erklären, dass ich ein frommes Mitglied der Vereinten Kirche des Hermetismus bin und es mir deshalb nicht gestattet ist, meine Ideen anderen mitzuteilen." "Aha ... wobei sie annehmen, dass ihr Arbeitgeber sie nicht aus religiösen Gründen diskriminieren darf?" "Ja." "Und es gibt die besagte Kirche?" "Ja, ich habe sie vor zwei Wochen gegründet - als uneigennützige Stiftung. Ich habe ihr all meine weltlichen Güter und mein Einkommen vermacht." "Sehr altruistisch", kommentiert das zweite Mitglied. "Aber wie ist es hiermit? Sie stellen fest, dass dem firmeninternen Telefonverzeichnis an ihrem neuen Arbeitsplatz ein bunter Netzwerkplan beiliegt. Wie verhindern sie, dass die Nutzer ihnen auf der Nase herumtanzen?" "Ich würde ein paar Leitungen bei einer 'Erweiterung' des Netzes mit der Stromversorgung koppeln und paar Beschriftungen austauschen. Oh, und ich würde noch 50 zusätzliche Kopien anfertigen." "Zusätzliche Kopien?" "Ja, damit würde ich zur Waterloo-Station gehen und sie an französische Touristen als Netzplan der Metro verkaufen." "Ausgezeichnet", lächelt das vierte Mitglied. "Ihr Anrufbeantworter ist voll, die Leitungen ihrer Nutzerbetreuung glühen und ihr Chef kommt in ihr Büro und sieht, dass sie Quake II spielen. Was werden sie tun?" "Ähm ... ich würde mich nicht stören lassen und weiterspielen, damit ich später erklären kann, dass ich unter posttraumatischen Störungen leide, seitdem ich das Spiel in der Mittagspause gestartet habe - dann würde ich für mindestens sechs Wochen bezahlten Erholungsurlaub fordern, weil ich unter arbeitsbedingtem Stress leide, falls es Schwierigkeiten mit den Lohnzahlungen geben sollte." "Ja .... aber ich erwarte noch etwas mehr als das." "Oh, sie meinen, dass ich den Applikationsserver dazu benutze, das Spiel auf allen Rechnern zu installieren, so dass ich behaupten kann, dass alle es spielen würden!" "Ja, aber ich würde gern noch ..." "OH, NATÜRLICH! Ich würde die Version auf dem Rechner des Chefs so ändern, dass sie homoerotische Szenarien zeigt und das Spiel immer dann automatisch startet, wenn er einen Gast in seinem Büro empfängt." "Ja, das wäre ein angemessenes Vorgehen!" Womit nun ich mit meiner Frage an die Reihe komme. "Ihr Tutor für Bastardismus hat irgendwie herausgefunden, dass sie eine gewisse Summe Geld in einem versiegelten Festplattengehäuse in einem alten AT-Rechner unter ihrem Tisch versteckt haben." Ein kurzes Aufstöhnen signalisiert mir, dass dem PJ gerade die praktische Bedeutung dieses Examens bewusst wurde. "Nehmen wir, rein THEORETISCH natürlich, einmal an, dies wäre geschehen und ihr Tutor hat einen nicht unbeträchtlichen Betrag von diesem Geld verjubelt. Welche Reaktion würden sie als angebracht empfinden?" "Nun, da wir uns hier auf theoretischem Gebiet bewegen", kocht der PJ vor unterdrückter Wut. "Nun, ich würde den Betrag mit Geld ersetzen, welches ich in dem Feuerlöscher mit doppeltem Boden gefunden habe, der hinter dem Schreibtisch meines Tutors an der Wand angebracht ist. Oh, sagte ich ist? Ich meinte natürlich war." DIESER BASTARD!! "Gut", rufe ich fröhlich und greife nach meiner Geldtasche und dem elektrischen 'Kalibriergerät' darin. "Ich bin mit diesen Ausführungen zufrieden. Wenn es keine Einwände gibt, sollten wir zur Bar gehen, um ihr bestandenes Examen zu fei ..." Das menschliche Nervensystem schickt Nachrichten mit einer Geschwindigkeit von ein paar hundert Kilometern pro Stunde durch den Körper. Elektrizität auf der anderen Seite ist ungefähr 800mal schneller. Pro Sekunde. Und auch wenn ich es für einen kurzen Augenblick geahnt haben sollte, als mein Daumen die seltsam aufgerauhte Oberfläche des Verschlusses meiner Geldbörse berührte, ich konnte es nicht mehr aufhalten ... Nachdem ich aufgehört hatte zu sabbern und die Beleuchtung nicht mehr aus mindestens 10.000 Kerzen zu bestehen schien, habe ich dem PJ an der Bar ein Bier gekauft, um mit ihm auf seine Beförderung anzustossen. Man muss eben auch verlieren können. [[Als der PJ durchdreht, verdient er sich den Respekt des B.O.F.H., was bedeutet, dass die beiden demnächst wohl an einer Gruppentherapie teilnehmen müssen ....]] Der PJ verspätet sich etwas (Schande über ihn!) und ich habe die undankbare Aufgabe, ihn darüber zu informieren, dass der Chef ihn zu sehen wünscht. Sehr dringend. "Wieso eigentlich?" fragt er und wundert sich, weshalb gerade ihm die Ehre eines persönlichen Gesprächs zuteil wird. "Oh, es geht um eine Beschwerde." antworte ich. "Eine Beschwerde?" "Ja, dieser Linux-Möchtegern aus der Entwicklungsabteilung hat sich über sie beschwert." "Welcher Linux-Möchtegern?" "Sie erinnern sich doch bestimmt - der, dem sie empfohlen hatten, seinen Speicher mit /dev/null zu verknüpfen." "Und was ist passiert?" "Keine Ahnung, seine Maschine stürzte etwa zehn Sekunden später ab ..." "Aber ich habe nicht ..." "Natürlich haben sie nicht - das war ich, aber ich habe ihren Namen benutzt." "Oh." "Aber was mich wirklich überraschte, als sie ihm an dem Nachmittag anriefen, um seine Absturzprobleme zu klären, war, dass sie ihm empfahlen, den Prozessor im laufenden Zustand auszutauschen und ihm einen Ersatzprozessor schickten, dem einige bedeutenderen Beinchen fehlten. Und als er soweit war, den alten Prozessor wieder einzusetzen, fand er diesen im gleichen Zustand vor. Seltsamerweise ..." "Ich BIN wirklich ein Bastard, nicht wahr?" keucht der PJ beeindruckt. "Ja, ich konnte es auch kaum glauben", stimme ich ihm zu. "Aber wieso sollte ich das tun?" "Ich habe keine Ahnung", erwidere ich. "Es könnte sein, dass er sich über ihren, ich meine natürlich meinen falschen Umgang mit dem Ersatztoner in der vergangenen Woche beschwert hat. Oder er könnte sich darüber beschwert haben, dass sie sich immer genervt anhörten, wenn er sie mit seinen Linuxproblemen belästigt hat. Oder es könnte an der tiefsitzenden Abneigung, die sie für ihn empfinden, liegen." "Welche tiefsitzende Abneigung?" fragt der PJ. "Es liegt mir fern, mich mit ihrer Psyche zu befassen, aber sie könnten an wirklich tief verwurzelten anti-soziopathischen Gefühlen leiden ..." "Soziopathisch oder anti-soziopathisch?" "Gibt es da einen Unterschied?" "Keine Ahnung ...." Die Unterhaltung mit dem PJ über seine Angewohnheit, Nutzer mit etwas technischem Verständnis herabzuwürdigen (und die Gründe dafür), wird durch das Klingeln des Telefons unterbrochen ... "Oh, ich glaube, hier haben sie eine Chance, das herauszufinden. Anscheinend hat ihr spezieller Freund aus der Entwicklungsabteilung Probleme damit, dass Befehle wie ps und einige andere Programme nicht mehr funktionieren." "Wieso?" "Nun, ich kann darüber nur spekulieren, aber ich würde meinen, sie hätten ihm geraten, Verweise auf das /proc-Verzeichnis zu löschen." "Aber das geht doch gar nicht!!" behauptet der PJ empört. "Nicht mit den konventionellen Methoden, aber mit dem schnell zusammengehackten Programm, das sie ihm per E-Mail geschickt haben, war es ganz leicht." "Oh, also muss ICH den Chef treffen!" "Ja, das sollten sie. Und es sieht wohl wirklich so aus, als sässen sie in der Falle." "Er wird mich in der Luft zerreissen", jammert der PJ. "Oh, ich weiss nicht - aber es könnte schon darauf hinauslaufen, nachdem sie diese Zeile in die Datei inetd.conf eingefügt haben, die dafür sorgt, dass jede Telnet-Sitzung auf Port 187 seines Rechners zugreift und Müll in seinen Kernel-Speicher kopiert ..." "Ich laufe Amok, oder?" "Es scheint so. Sie brauchen Hilfe!" "Wo werde ich Hilfe bekommen?" "Bei einer Spezialistin. Die Firma hat eine Ratgeberin für diese Art von Problemen." "Wirklich?" "Natürlich. Sie erinnern sich doch bestimmt an die Beraterin, die uns als kritische Fälle von grössenwahnsinnigem Machiavellismus bezeichnet hat?" "Wirklich?" "Ja, kurz nachdem sie ihr diesen Virus untergeschoben haben, wobei sie vorgaben, per E-Mail einen Termin vereinbaren zu wollen ..." "Und wann werde ich zu ihr gehen?!" "Ich glaube, wir haben morgen beide einen Termin für eine Gruppentherapie-Sitzung ..." "Ich kann es kaum erwarten." "Ah, nun, Gesundheit ist Gesundheit, und ein paar Minuten vorbeugende Therapie sind allemal drei Stunden bezahlte Freizeit wert ..." [[Die Lichter sind eingeschaltet - und zwar alle 2.996 - doch niemand ist da. Das Engagement des Chefs, der neuerdings überall mithelfen will, endet in einem Anfall aus Verrücktheit, einer Krankentrage, einer Zwangsjacke und einer Reise in ein Krankenhaus ....]] "Stellen sie sie einfach zu den anderen Kisten." weise ich den PJ an, als er eine weitere Kiste mit Kommunikations-Zubehör hereinbringt. Meine Aufmerksamkeit wird abgelenkt durch einen Anrufer, dessen Anruf ich irrtümlich angenommen habe. Es handelt sich um ein normales Telefon-Problem - nicht gerade schwierig - zumal der Nutzer das Netzwerk-Werkzeug Nummer 2 in den Händen hält, nämlich den Kabelschneider. "Ja, genau. Legen sie das Kabel einfach zwischen die beiden Schnittflächen, ja, und dann drücken sie." CLICK. "Haben sie das Telefon des Nutzers abgetrennt?" fragt der PJ. "Jetzt ja. Noch mehr Kisten?" "Nein, das ist die letzte. Was für ein Müll ist in den Kisten eigentlich drin?" "Oh, das sind nur ein paar Kisten mit Leuchten und Piepsern", antworte ich. "Ich werde sie im Büro des Chefs installieren." "Das würden sie nicht tun, wenn er nicht erklärt hätte, er wolle sich selber verstärkt um das Netzwerk kümmern, oder?" "So ist es. Wenn er uns helfen will, das Netzwerk zu betreuen, warum sollte ich ihn davon abhalten?" Der Chef strahlt voller Stolz, als der PJ und ich den Inhalt der letzten Kiste in seinem Büro installieren. Es erstrahlt jetzt im Schein von mehr als 3.000 blitzenden Lichtern, von denen jedes mit einem speziellen Piepser verbunden ist, die in verschiedenen Tonhöhen Geräusche von sich geben können. "Und diese Überwachungstechnik entspricht der, die sie im Rechnerraum verwenden?" fragt der Chef. "Natürlich", antwortet der PJ und schraubt die letzte LED fest, die in Wahrheit eine kleine Kamera ist, damit wir sehen können wie sich unser Experiment entwickelt. "Gewöhnlich prüfen wir im Abstand von ein paar Tagen, ob es Fehler gibt, aber wenn sie uns dabei helfen, können wir Netzwerkprobleme wahrscheinlich wirklich rasend schnell ausmerzen. Das wird gut in den monatlichen Statistiken aussehen." "Das sieht ja alles sehr beeindruckend aus, aber wie merke ich, dass es einen Fehler gibt?" "Oh, dann geht eines der Lichter aus. Ich schaue später noch einmal vorbei, um zu sehen, ob alles reibungslos funktioniert." sage ich, als der PJ das System einschaltet, worauf der Raum in einer Kakophonie aus Piepstönen und blendenden Lichtern zu explodieren scheint. Als wir das Büro verlassen, werfe ich einen kurzen Blick zum PJ. "Zehn Pfund darauf, dass er es keinen Tag aushalten wird." "Die Wette gilt!" antwortet er und wittert leichtverdientes Geld. Nun, er wird es wohl nie lernen. Später am Tag wirkt der Chef sichtlich nervöser. Mehr als sonst stürmt er durch die Gänge, brüllt alle mit Ausnahme des PJs und mir an. Er will nicht zugeben, dass die Netzwerkbeobachtung seine Fähigkeiten übersteigt. "Und, wie sieht es aus?" frage ich den Chef und trenne die gesamte vierte Etage vom Netzwerk in dem Moment, als er gerade auf die Technik starrt, um es zu bemerken. Eine schnelle Netz-Nachricht informiert den PJ. "Oh, gut", antwortet er. "Bis jetzt habe ich keine Probleme bemerkt." Der PJ verpasst seinen Einsatz nicht. "Uh-oh, die vierte Etage ist ausgefallen!" ruft er und hämmert wie besessen auf seine Tastatur ein. Der Chef bricht in Panik aus als ich diskret seufze. "Wir müssen wissen, was ausgefallen ist. Können sie nachschauen, welche Lichter ausgegangen sind?" Ich reiche ihm den Netzwerkplan. "Das ist ein Plan aller 3.000 Lichter. Markieren sie einfach die, die aussehen, als seien sie ausgeschaltet." rate ich ihm freundlich. Der Chef sieht jetzt wirklich sehr verwirrt aus. Wenn er hier scheitert, wird er dem Geschäftsführer erklären müssen, wieso er wertvolle Zeit und Technik verschwendet hat. Also trottet er zurück in sein Büro, während ich ferngesteuert vier Lichter abschalte und die anderen abblende. Ein paar Stunden später stehen der PJ und ich noch immer vor seinem Büro, als ein Nutzer vorbeikommt und sich darüber beschwert, dass das Licht neben dem Schalter seines Rechners blinkt. Der ständige Einfluss der Netzwerk-Überwachungstechnik auf den Chef hat eine durchaus zufriedenstellende Wirkung, würde ich sagen. "WIR ALLE MÜSSEN MIT UNSEREN LICHTERN LEBEN", brüllt der Chef. "ICH ZUM BEISPIEL HABE TAUSENDE VON IHNEN, DIE BLINKEN, LEUCHTEN UND PIEPSEN! SIE ALLE BLINKEN, LEUCHTEN UND PIEPSEN! ICH KANN ES NICHT MEHR AUSHALTEN DIESES BLINKEN, LEUCHTEN UND PIEPSEN!" Als der Ex-Chef auf einer Trage hinaus befördert wird, jammert er unglücklich in seiner Zwangsjacke. Der PJ wirkt verunsichert. "Vielleicht waren wir etwas zu hart. Schliesslich wollte er uns doch nur helfen." Es ist traurig. Nach all der Zeit versteht er noch nicht, dass niemand einem B.O.F.H. bei der Betreuung eines Netzwerkes helfen kann. Nun, es wird Zeit für den Elektroschocker - und einen Kaffee mit Abführmittel ... [[Eine Therapiesitzung zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls führt dazu, dass der B.O.F.H. unangekündigte - und wahrlich gewaltige - Wartungsarbeiten an einem Server vornimmt, doch so schafft die Therapie mehr Probleme als sie lösen kann ...]] Als Ergebnis der teuflischen Handlungen des PJs landen er und ich in einer dieser Therapiesitzungen, wo alle allen ihre Gefühle mitteilen, wie sie sich und ihren Platz in der Welt oder in unserer Firma sehen. Als wäre es nicht schon demütigend genug, Schulter an Schulter mit den Nutzern in einem Zimmer zu sitzen, wird von uns auch noch erwartet, dass wir ihnen unsere Gefühle und Gedanken mitteilen. Und natürlich hat der Anzug, der die Sitzung leitet, alle eingeladen, die nach Aussage des Chefs ganz besonders unter uns zu leiden hatten, die sich als Opfer der 'aggressiven Vorgehensweise bei der Problemlösung' durch die Netzwerk- und Systembetreuung fühlen. Theoretisch sollen der PJ und ich, wenn wir mit unseren ehemaligen 'Kunden' zusammentreffen, unsere Fehler einsehen und bereuen. "Nun, wer will anfangen?" lächelt Mr. Anzug und blickt erwartungsvoll in die Runde ... Zehn Minuten später sind wir zurück im Büro, weil niemand etwas zu sagen hatte. Vielleicht lag das am Diktiergerät des PJs - aber er hatte es nur mitgenommen, um auch später über die Gefühle der Nutzer nachdenken zu können ... Der Chef, der unsere schnelle Rückkehr bemerkt, spart sich seine 'Ich hoffe, sie haben ihre Lektion gelernt'-Ansprache. Und - er macht auch keine Anstalten uns für einen Osterbonus vorzuschlagen. Da ich zu den aktiven Menschen gehöre, entscheide ich mich, meine Enttäuschung aus meinem Geist zu verbannen und widme mich der präventive Wartung der Immobilienverwaltungs-Servers der Erbsenzähler. Schliesslich waren sie es, die sich am lautesten über unseren Service beschwert haben, bevor der PJ und ich den Raum betraten. (Vorsorglich hatten wir eine Wanze in dem Zimmer plaziert.) Offenbar läuft der Server ziemlich langsam. Als wir ihnen gestern mitteilten, dass sie doppelt so viele Programmsitzungen auf ihm laufen lassen, als sie vorher angekündigt hatten, war das nicht als konstruktive Kritik aufgefasst worden und man hatte verärgert reagiert. "Vorsicht mit dem Hammer", ruft der PJ und duckt sich, um dem Rückschwung meines bewährten Wartungs-Werkzeuges zu entgehen. "Ups", sage ich entschuldigend. "Da bin ich wohl etwas zu heftig gewesen." "Kein Problem - für mich jedenfalls", murmelt er, als er eine Bodenplatte hochhebt und das Ergebnis meiner 'Wartungsarbeiten' durch die Öffnung stösst. "Er braucht ein paar Schläge, aber dann geht er wieder", sage ich und bearbeite das verschrammte Gehäuse. Und ich betätige den Ausschalter - natürlich unabsichtlich. Verdammt! Vor meinem geistigen Augen kann ich den obersten Erbsenzähler sehen, wie er den Notfallschalter drückt, um die Sicherheit der Immobiliendaten doch noch zu gewährleisten. Da er nicht an Zufälle glaubt (obwohl es sich diesmal ausnahmsweise wirklich um einen handelt), muss er glauben, dass es sich hierbei um den Versuch handelt, unbeobachtet Modifizierungen am Datenbestand vorzunehmen, was er nicht zulassen kann. Seufz. Als ob wir das nicht schon vor vierzehn Tagen gemacht hätten. Während des Tages. Und angemeldet war ich im System mit seinem Namen. Wenn also die Revision eine Spur finden würde .... Wie auch immer, das bringt uns jetzt nicht viel, wenn er den Server mit eigenen Augen sieht, denn dieser sieht aus, als hätte er ein paar Wochen in Beirut gestanden. Natürlich ist er nicht gerade erfreut, als der Chef ihn in den Rechnerraum begleitet, um seine Ängste zu zerstreuen, und den Server sieht. "Was ist denn mit dem Server passiert?" keucht er, als er das kampferprobte Gehäuse sieht. "Er ist völlig verbeult!" "Nun, nichts hält ewig - die Abnutzung ..." "Er ist doch erst zwei Monate alt." "Zwei Monate sind eine lange Zeit in der Computerbranche." werfe ich ein. "Nebenbei, er wirkte schon etwas verbeult, als die Lieferanten ihn aufgestellt haben." ergänzt der PJ. "Warum haben sie dafür unterschrieben?" "Nun, er startete problemlos." sage ich. "Grosser Gott, er sieht aus, als hätte man ihn mit einem Hammer bearbeitet. Sind sie sicher, dass die Lieferanten dafür verantwortlich sind?" "Nun, die Lieferanten trifft etwas Schuld, aber die Reinigungskräfte haben ihnen bestimmt nicht unwesentlich dabei geholfen." "Wir lassen die Reinigungkräfte nicht in diesen Raum." unterbricht der Chef. "Ja, das weiss ich", antworte ich traurig. "Deshalb musste ich es ja tun." "Also haben sie die Maschine zerstört?" "Ich fürchte, dass es so ist", seufze ich. "Ich bin ein Systembetreuer, aber keine Reinigungskraft." "Und ich bin ein friedfertiger Mensch, kein Krieger, der sich mit seinem Kollegen anlegt", fügt der PJ hinzu, der zum Frühstück vermutlich eine Überdosis Magnetkopfreiniger zu sich genommen hat. Das humorvolle Zwischenspiel wird unterbrochen durch den Server, der auf den Boden stürzt, als die Schrauben, die sein Gehäuse hielten - und die während der Wartung gelockert wurden - die Verbindung mit dem Regal verlieren. Das weitere Geschehen nach diesem kleinen Unfall muss nicht weiter erwähnt werden, aber es genügt wohl, wenn ich sage, dass wir uns am nächsten Morgen in der Gruppentherapie wiederfinden, wo Mr. Anzug und Konsorten auf uns warten. "Nun, wer will anfangen?" fragt Mr. Anzug wohlwollend. "Ah, ich würde gern ..." sage ich. "Ich will meine Gefühle mit ihnen teilen." Seufz ... [[Der Kneipenbesuch des PJ, der junge Schönheiten sehen will, gleicht einem Überraschungsangriff. Und das ist nur der Anfang ...]] Ich lande früh am Arbeitsplatz (nun, rechtzeitig zum morgendlichen Tee), um herauszufinden, dass einer unserer Router über Nacht ausgefallen ist und es nötig war, den PJ zu rufen, um ihn wieder zu starten. Und da der Chef etwas gegen Überstunden hat, muss der PJ nun die entsprechende Zeit abfeiern, statt dafür zusätzlich bezahlt zu werden. Zumindest ist das die offizielle Version. Die vom B.O.F.H. interpretierte Version sieht so aus: Der PJ hat die Nacht mit Alkoholmanövern verbracht, den Fahrplan der Metro vergessen und musste mit einem Taxi heimfahren - nur hatte er sein gesamtes Geld dabei verbraten, sich zu besaufen. Also packte er die Gelegenheit beim Schopf, seine Unkosten als nächtliche Wartungsarbeit abzurechnen und sich nebenbei noch Zeit zu verschaffen, um sich von den Strapazen der nächtlichen Kämpfe zu erholen. Plan 17b aus dem Grossen Buch der Entschuldigungen: Schalte ein wichtiges Gerät aus, warte eine Stunde und schalte die Maschine wieder ein. Rufe dann ein von der Firma bezahltes Taxi für die Heimfahrt und feiere die Überstunden am nächsten Morgen ab ... Ich prüfe das oberste Fach im Schreibtisches des PJ, falls er sich während seines 'Nachteinsatzes' wirklich genötigt sah 'Daten hochzuladen', doch alles sieht gut aus, also setze ich mich, um die Zeitung zu lesen. Ein paar Stunden später stolpert der PJ herein, sein Gesicht sieht aus, als sei es als Türklopfer benutzt worden. Schliesslich erfahre ich die Geschichte vom PJ - er war in der Nacht in einem Pub um 'Vögelchen zu beobachten' und folgte einer 'Einladung' zu einem mitternächtlichen Cocktail-Trinkgelage. Gereizt durch einen Tom Cruise-Verschnitt hinter der Theke sah er sich genötigt, ein Streichholz anzuzünden und es in den Ausguss für alkoholische Getränke zu schnippen ... ein Verhalten, das der grosse Prahlhans gar nicht als akzeptieren wollte. So ist man wohl, wenn man diese Art Arbeit macht. Erwartungsgemäss fühlt der PJ sich nicht besonders gut und es wäre unserem Ruf bestimmt nicht förderlich, wenn ich ihn mit der Liste der Nutzer, denen nicht mehr zu helfen ist, losschickte ... Also, warum nicht? "Ah, hier ist die Liste der Nutzer mit unbrauchbarer Technik, über die ich gestern sprach - wenn sie sie besuchen und sich um ihre Probleme kümmern könnten ..." Ich bin überzeugt, er weiss die Gelegenheit zu schätzen, die ich ihm verschafft habe, um mit einen Nutzer über die Schwierigkeiten der korrekten Einstellung von Kontrast und Helligkeit bei seinem Monitor zu diskutieren ... Ich hole mir das Bild der Überwachungskamera, die eine der Kabinen in der vierten Etage zeigt, auf den Monitor, um zu sehen, wie er sich schlägt ... "Also werden ihre Termine immer eine Stunde später angesetzt als bei den anderen?" "Ja. Glauben sie, dass das mit den Zeiteinstellungen zusammenhängt?" "Schon möglich", murmelt der PJ langsam. "Aber wir sollten dieser Sache wirklich auf den Grund gehen und nicht nur die Symptome bekämpfen." "Könnte es an der Sommerzeit liegen?" fragt der Nutzer hilfsbereit. "Nein, das ist nur eine kleine Komplikation. Der wahre Grund dürfte darin bestehen, dass es dem System nicht möglich ist, die festplattenbasierten Daten für die Zeitzonenkonfiguration zu finden." Aha, Finden und Festplatte im gleichen Satz - er will die gute alte F(ind)DISK-Lösung versuchen. "Könnte es nicht die RAM-Batterie auf dem Motherboard sein?" "?" blickt der PJ den Nutzer an und denkt über einen noch teuflischeren FDISK-Plan nach. "Sie wissen schon, die Batterie, die die Uhr weiterlaufen lässt." "Nun, wenn es das wäre, würde die Einstellung der Uhr bei jedem Start zurückgesetzt werden." erklärt der PJ. "Oh." "Wissen sie, es könnte ein Kapazitätsproblem der Batterie sein!" "Batteriekapazität?!" "Ja, sie kennen doch den Speichereffekt bei Nickel-Cadmium-Akkumulatoren, der mit dem Eigenwiderstand der Batterie zusammenhängt?" sagt der PJ und appelliert sichtlich an den 'technischen Verstand' des Nutzers. "Oh, ja." "Nun, Batterien haben ebenfalls eine Kapazität, speichern also praktisch eine gegenpolige Spannung, die die Nutzspannung der Batterie verringert, wenn ihre Maschine abgeschaltet ist, was sich dann in einem verringerten Spannungsunterschied äussert." >>DUMMY MODE EIN<< "Duh-huh." "Was kann man da tun?" "Nun, für solche Fälle habe ich einen Spannungsverstärker in meinem Büro, der die falsche Kapazität der Batterie beseitigen kann ..." Fünf Minuten später ... "Ist das kein Stroboskop mit einem Kabelende da, wo sonst die Lampe ist?" "Ha ha ha", lacht der PJ. "Nein, aber ich muss zugeben, dass es beinahe so aussieht. Doch das ist nur ein ... Kapazitäts-Schutzschild." "Oh." "Und nun verbinden wir nur noch diese Kabel, etwa so, schliessen den Kapazitätsverstärker an und schalten ihre Maschine ein ... treten sie zurück ... und schalten das Kapazitätsschild ein ..." Eine kleine Explosion später .... "Zum Glück haben wir den Übeltäter ausgemacht!" keucht der PJ. "Diese Batterie scheint wirklich für die Probleme verantwortlich gewesen zu sein." "Aber meine Maschine ist ruiniert!" "Nein, ist sie nicht - sehen sie, der Prozessor macht sich gut als Anhänger! Und diese DIMM-Speicher sehen bestimmt gut aus, wenn sie sie in ein Mobile einbauen!" "Ab ... Aber ..." "Nein, nein, danken sie mir nicht - seien sie glücklich, dass wir den Fehler rechtzeitig beseitigt haben! Oh!" Er hat den Laptop auf dem Schreibtisch des Nutzers entdeckt. "Hat ihr Laptop das gleiche Problem?" "NEIN!" ruft der Nutzer niedergeschlagen und presst den Laptop an seinen Körper. "Nun, dann kann ich ja gehen." Und wieder ein unzufriedener Nutzer ... [[Was kann man gegen inkompetente Nutzer unternehmen, die nur nerven? Man gibt ihnen die Chance, sich selbst einen elektrischen Schlag zu verpassen, plaziert Magnete in seinem Monitor und setzt die Reinigungskräfte auf ihn an ...]] Ich nehme Anrufe entgegen, weil der PJ einen Urlaub macht und ich deshalb niemanden habe, gegen den ich Quake spielen kann. Es sind die üblichen Beschwerden sogenannter 'Power-Nutzer' aus der Werbeabteilung, die wissen wollen, wieso sie den Netzwerkdrucker nicht benutzen können. Da ich relativ entspannt bin, sage ich ihnen nicht, was ich über ihre geistigen Fähigkeiten denke, da sie offensichtlich unfähig sind, entsprechende Mitteilungen zu lesen, die ich vor etwa einem Monat auf den Anschlagtafeln hinterlassen, am fraglichen Drucker angebracht und mittels E-Mail allen geschickt habe, als der Wartungsvertrag für den Drucker auslief. Aber sie rufen noch immer an. Trotzdem der Drucker schon vor einer Woche abgeholt wurde und nun ein Mitarbeiter in der Kabine sitzt, in der der Drucker installiert war ... Trotzdem ihnen der neue Mitarbeiter gesagt hat, dass das Monster, das zwei Seiten in der Minute verschluckte nicht mehr da ist. Ich beruhige meine Gedanken, da ich nur zu gut weiss, dass ich mich darüber nicht aufregen sollte. Meine Entschlossenheit wird durch den Bastard (L)User from Hell auf eine neue Probe gestellt. Das Wort Inkompetenz in Bezug auf seine technischen Fähigkeiten zu verwenden, wäre beinahe Hochstapelei - er könnte nicht einmal seinen Hintern finden, wenn man ihm eine anatomische Karte, einen Kompass, einen Spiegel und eine Kerze geben würde. Tatsächlich ist es so, dass man ihm ganz legal Organe entnehmen könnte, würde die Aktivität seines Gehirns noch etwas abnehmen. Aber der Chef hat ihn unter seine Fittiche genommen - wieder eine seiner Missionen, mit der er guten Willen demonstrieren will. In dieser Woche hat er mich schon dreimal angerufen, weil seine Maschine gehackt wurde (die Feststelltaste war gedrückt, als er sein Passwort eingegeben hat). Er hat ebenfalls angerufen, um zu melden, dass er den 'Keine Systemdiskette. Drücken sie F1'-Virus hat, und um zu sagen, dass unsere Server-Zeit der Zeit seiner sprechenden Uhr um drei Sekunden hinterherhinkt. Und noch immer beobachtet der Chef unsere Service-Bemühungen voller Neugier. Das Telefon klingelt. "Meine Maschine hat mich wieder ausgesperrt!" platzt der Nutzer heraus. "Ist es wieder die Feststelltaste?" frage ich. "Natürlich nicht!" stösst er hervor. "Und welche Meldung kommt, wenn sie ihr Passwort falsch eingegeben haben?" "Ich gebe mein Passwort nicht falsch ein! Ich schreibe es immer auf den Boden meiner Tastatur, um ganz sicher zu sein!" "Natürlich tun sie das", antworte ich ein wenig entgeistert über die Versuche der Nutzer, ihre Arbeit zu sichern. "Und was meldet der Computer, wenn sie das Passwort ... ähm ... korrekt eingeben?" "Er meldet gar nichts!" "Aha. Und haben sie das Passwort am Morgen geprüft?" "Natürlich! Ich kann mich schliesslich nicht immer an alles erinnern!" "Und haben sie den Tastaturstecker von der Rückseite ihres Rechners abgezogen?" Ein paar verräterische Geräusche später ... "Nein, habe ich nicht." Der Lügendetektor meldet: 'Lügner! Lügner!', so dass ich mir schon ausmalen kann, was gleich kommt. "Oh, jetzt hat es geklappt - muss wohl ein Wackelkontakt gewesen sein ...." Seufz. "... Aber ich festgestellt, dass der Tastaturstecker ein wenig locker sitzt." Richtig! Das ist es! "Ja, das ist ..." Ich blättere schnell in meinem Ausredenkalender. "... Oh! Da ist es ja - das ist das Kohlenstoff-Dioxidationsproblem." "Was?" "Die Oxidation von Kohlendioxid in der Luft lässt den Kunststoff schrumpfen. Deshalb macht ihr Monitor vielleicht auch bald komische Geräusche." "Oh." "Natürlich können sie das beheben. Haben sie eine Topfpflanze in ihrem Büro?" "Ja, ich habe ein paar davon." "Gut, stellen sie eine davon hinter ihren Rechner und eine auf ihren Monitor - das wird das Kohlendioxid aus der Luft entfernen ... " "Natürlich! Danke für den Tip." "Kein Problem. Sorgen sie jetzt nur dafür, dass die Pflanzen immer gut gegossen werden, damit sie dieses Oxygen produzieren können. Viel Wasser." Fünf Minuten später steht der Chef mit den schlechten Nachrichten über Mr. Inkompetenz im Büro. Er hat es überlebt. Und er hat nur seinen Monitor und eine Sicherung zerstört. Offensichtlich kann er sich nicht einmal selber unter Strom setzen. Also muss ich jetzt einen Ersatzmonitor für ihn bereitstellen. Nachdem ich den Monitor installiert habe, kehre ich gerade rechtzeitig in mein Büro zurück, um das Klingeln des Telefons zu hören. Er will wissen, weshalb die Farben seines Monitors so falsch aussehen. Nur um ihn loszuwerden, erkläre ich ihm, dass dafür die zwei Magnete aus Diskettenlaufwerken am Boden des Monitors verantwortlich sind, doch damit gebe ich, ernsthaft betrachtet, auf. Aber ich bin niemand, der so einfach aufgibt! Es wird Zeit, die Reinigungskräfte zu alarmieren. Später erzählt mir der Chef die blutigen Details. "... Und dann ist er scheinbar gestolpert und hat Unmengen von Wasser über seine Maschine vergossen." erzählt er. "Ein ziemlich dummer Zufall, wenn man einmal darüber nachdenkt." "Also braucht er einen anderen Monitor?" frage ich. "Eigentlich nicht. Der Mann von der Reinigung hat ihm dabei geholfen, den Schlamassel aufzuwischen und hat dabei die Hand von Dave versehentlich in ein Schrankfach eingeklemmt - dreimal!" "Oh. Nun, alles ist gut, wenn das Ende gut ist. Wie auch immer, ich habe keine Zeit, ich bin mit Mike im Pub verabredet." "Dem Mann von der Reinigung?" Manche Fragen lässt man lieber unbeantwortet ... [[Was für ein Typ wird der neue Chef wohl sein? Der B.O.F.H. ist erst beunruhigt, doch dann entspannt er sich, als er eine verwandte Seele spürt, die ihm sogar ein paar neue Tricks beibringen kann ...]] Es ist ein Dienstagmorgen, an dem der neue Chef seinen Dienst antritt, nachdem der alte sich in den 'Vorruhestand' verabschiedet hat. In den Büros wartet man nervös darauf, wie der neue Chef wohl sein wird. Ich bleibe dagegen ganz ruhig, denn ich weiss, dass er früher oder später bei uns vorbeischauen muss. Es gibt ein paar Kategorien, in die man einen Chef einordnen kann. Da gibt es den Typ, der sich in seinem Büro verschanzt und niemanden verärgern will, den aufdringlichen 'Sagen sie mir, was sie WIRKLICH DENKEN'-Typ und, als schlimmste Variante, den 'Bananen-Republik-Diktator'-Typ. Der neue Chef scheint zur ersten Kategorie zu gehören, da er bisher sein Gesicht noch nicht den Truppen gezeigt hat ... Doch dann kommt eine grosse Kiste mit mir als Empfänger im Büro an. Allerdings erwarte ich zur Zeit keine Lieferung - mit Ausnahme eines kleinen Schecks von der Manager-Vermittlung, den ich immer dann bekomme, wenn sie uns etwa dreimal im Jahr einen neuen Chef schicken. Eine schnelle Inspektion der Kiste ergibt, dass sie eine für das gesamte Unternehmen ausreichende Anzahl von Kopien einer Software zum Datenbankzugriff enthält, die wir bisher aber noch gar nicht benutzen. Sekunden später wird eine weitere Kiste geliefert, die den entsprechenden Datenbank-Server enthält, wenn ich mich nicht irre. Hmmmm ... Da ich die Kisten nicht bestellt habe, lasse ich sie wieder zurückgehen. Der wirkliche Urheber der Bestellung erscheint, als der neue Chef uns Anweisungen erteilt, wie, wann und wo wir das System installieren sollen. "Oh, ich habe alles zurückgeschickt, weil ich es nicht bestellt habe." rufe ich. "Aha. Nun, ich habe es gestern bestellt", wirft er schnell ein. "Und ab jetzt werde ausschliesslich ich Soft- und Hardware bestellen." BANANEN-DIKTATUR-ALARM! "Oh. Und wofür brauchen wir diese Software doch gleich?" "Ich will die Finanzverwaltung auf ein neues System migrieren, das leichter zu verstehen und zu warten ist." (Er hat einen Freund, der bei einer kleinen Firma arbeitet, die Finanzlösungen programmiert.) Das gefällt mir nicht. "Ich weiss nicht, wo der Vorteil liegt, denn die bisherige Software wird von den Mitarbeitern ja auch beherrscht." "Ähm, aber die neue Software ist nach ISO 98000 zertifiziert", schwärmt er. "98000?" fragt der PJ. "Aber wir sind doch erst bei ISO 9000." "Nun, die 98000 ist eine Kombination aus der ISO 9000 und der weniger bekannten ISO 8000 - die sich mit sicheren Finanztransaktionen befasst." erklärt er. "Sorgen sie dafür, dass die Software schnellstmöglich installiert wird." Irgendwie glaube ich ein Tier zu riechen, das einen grauen Pelz und eine Vorliebe für Lebensmittelabfälle hat. Ich lasse eine kurze Suche über die ISO-Titel laufen, um ganz sicher zu gehen. Nachdem ich die ISO-Wächter dreimal aus ihrem Büroschlaf geweckt habe (für ihre Trägheit sind sie ja bekannt), finde ich meinen Verdacht bestätigt. Dann beginne ich mich zu wundern ... Dieses Verhalten kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich untersuche die Software eingehender. In den blitzenden CD-Hüllen finde ich einmal beschreibbare CDR-Medien, die mit Filzstift beschriftet wurden. Meine Neugier steigt. Als ich die angegebene WWW-Adresse aufsuche, begrüsst mich die Mitteilung, dass die Seite neu gestaltet werde. Hmmm ... Ich entscheide mich dazu, den Chef damit zu konfrontieren. "Ja, ja, es handelt sich um ein global agierendes Unternehmen mit vielen wachsenden Kunden, so dass sie keine Zeit haben, SSL-gesicherte Webseiten mit Java-Suchalgorithmen zu entwerfen." antwortet er. Gute Antwort. Eine Antwort, die man erwarten würde von einem Ba ... "Mein Rechner hat Probleme", erwähne ich im Vorbeigehen. "Ich glaube, dass das Diskettenlaufwerk müsste einmal gereinigt werden müsste." "Wirklich?" sagt er. "Das sind vielleicht ... hmm .... transiente Überspannungsschleifen im Magnetkopf." "Sind sie sicher?" frage ich und sehe meine Vermutung bestätigt. "Ja. Und sie müssen die Überspannungsschleifen mit einem magnetischen Entstör- Gleichrichter beseitigen. Sie haben doch einen?" "Nein." "Nun, ich denke, sie können bei Problemen auch einen Hammer und einen Schraubenzieher benutzen." schlägt er vor. "Sie schieben einfach den Schraubenzieher in das Laufwerk bis sie auf Widerstand stossen ..." "... und prügeln dann das Leben aus dem Laufwerk heraus, bis nur noch der Griff des Schraubenzieher herausschaut?" frage ich. "J-Ja, woher wussten sie das?" "Sie sind ein Bastard", antworte ich. "Nein, bin ich nicht!" "Doch, sie sind einer. Und sie sind noch nicht registriert ...." "Nein, das bin ich durchaus - ich bin ein FBMFH", sagt er verschmitzt. Ein Mitglied der Freimauerischen Bastard Manager from Hell! Ich bin beeindruckt. "Gut. Also, was geht hier vor?" "Nun, man gründet ein paar 'produzierende' Unternehmen, schreibt schnell ein Programm und sucht sich dann irgendwo einen Managerposten, wobei man die Empfehlungen der eigenen Firmen benutzt. Dann kauft man das eigene Programm, das alle Probleme lösen kann, zu einem künstlich überteuerten Preis ein und akzeptiert dann gegen Zahlung einer hohen Abfindung die frühzeitige Kündigung, wenn das ganze Unternehmen Probleme bekommt." "Womit nur noch zwei Fragen bleiben." sage ich. "Was ist für sie drin und wann platzt die Bombe? Nun, ich denke ein paar Tausender in Form von Abrechnungen für 'externe Beratungen' und, hmmm, der nächste Mittwoch?" "Mittwoch?" "Ja, ich bin sicher, dass sich ein tödlicher Virus auf den Installationsmedien befindet." "Dafür werde ich sorgen!" rufe ich. Es macht doch immer wieder Spass, mit Profis zu arbeiten. [[Ein paar neue Nutzungsmöglichkeiten für die Klimaanlage und den Hauptrechner machen den Chef nervös, während der PJ sein Hühnchen mit Pilzauflauf nicht zu knusprig will ...]] Der Chef hat herausgefunden, dass ich den Hauptrechner mit den vier Prozessoren dazu nutze, mein Mittagessen warmzuhalten und ist deshalb nicht gerade erfreut. Ich wäre sicher damit durchgekommen, wenn ich nicht noch eine Extraportion Bratensosse verlangt hätte, die irgendwie ein Loch in die Papiertüte hat und auf die Platine des Rechners tropfte. Die Leute aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung sind nicht gerade erfreut darüber, denn sie haben die Maschine benutzt, um eine Serversoftware einem Belastungstest zu unterziehen, mit dem sie herausfinden wollten, wie viele Anfragen die Server-Software gleichzeitig beantworten kann. Natürlich war ich auch nicht gerade erfreut - nicht, nachdem ich herausgefunden hatte, dass die Probleme durch die Abwärme eines Prozessors verursacht wurden, die für das Loch in der erwähnten Tüte verantwortlich war. Ein echter Rückschritt bezüglich der Belastbarkeit neuer Hardware ... Also befindet der Chef sich jetzt auf dem Kriegspfad, um sicherzugehen, dass nicht auch noch andere Geräte 'unpassend' benutzt werden. Und als hätte ich es nicht geahnt, schafft er es bei seinen ahnungslosen Wanderungen durch das Haus, über den Schlauch zu stolpern, der die Kühlerschlitze eines alten Servers mit dem zentralen Vakuumreinigungssystem verbindet. "WAS ZUM HENKER SOLL DAS SEIN?" schreit er. "Ah, das ist das zentrale Vakuumreinigungssystem." "Und weshalb ist es mit dieser Maschine verbunden?" "Nun, sie wissen doch, wie empfindlich Prozessoren auf Staub und ähnlichen Schmutz reagieren? Ich lasse das Reinigungssystem laufen, damit sich kein Staub in den Rechnern ansammelt." "Aber das ist das INNERE der Maschine! Wie soll denn Staub hineingelangen?" quietscht er. Ich entscheide mich, Klartext zu reden. "Erinnern sie sich noch daran, dass ich ihnen sagte, dass das Reinigungssystem zusammengebrochen sei?" "Ja. Und?" "Nun, das tat es wirklich. Und auch wenn die Chancen 1 zu 1.000.000 standen, es lag daran, dass der Beutel, der den Staub aufnehmen sollte, platzte. Und da habe ich festgestellt, dass der alte Rechner mit seiner Kühlanlage eigentlich gut geeignet ist, Staub von den anderen abzusaugen." "Sie benutzen diesen Server als Staubsauger?!?" schreit er und sieht seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. "Nun .... Ja." "Sind sie geisteskrank?! Was ist mir der Brandgefahr?" "Machen sie sich keine Sorgen. Wir leeren das Gehäuse immer dann, wenn der Staub aus dem Diskettenlaufwerk herausquillt. Und, nebenbei, die Prozessoren in der Maschine werden so selten genutzt, so dass sie sich kaum aufwärmen!" "Ich kann es nicht glauben!" murmelt er mit leidverzerrtem Gesicht und schüttelt den Kopf. "Also nehme ich an, dass wir ihnen lieber nicht sagen sollten, was wir mit den Luftschächten der Klimaanlage gemacht haben." erwähnt der PJ hilfsbereit. "Die Luftschächte?" schreckt der Chef zusammen, der nicht wirklich wissen will, welchen Ärger wir ihm bereiten könnten, den seine Neugier aber zu dieser Frage zwingt. "Nun, wir bewahren etwas Technik in ihnen auf - aber nur die Geräte, die wirklich heiss werden", gesteht der PJ. "Ich ....", murmelt der Chef, dessen Gedächtnis für Momente auszusetzen scheint. "Wieso?" "Nun, sie werden eben zu heiss für den Rechnerraum, also haben wir sie in den Luftschächten installiert, wo sie immer schön gekühlt werden und auch perfekt funktionieren." "Und was passiert im Winter, wenn die Klimaanlage warme Luft liefert?" "Oh, wir dachten, dass wir dieses Problem dann lösen, wenn es akut wird." Die Fantasie des Chefs lässt ihn zuckende Flammen, die sich durch die Luftschächte im gesamten Gebäude ausbreiten, sehen, also zieht er lieber murmelnd ab. "Maschinen in den Luftschächten? Das ist doch ein wenig sinnlos, oder?" frage ich. "Ja, nun, ich musste mir etwas einfallen lassen. Und nebenbei, ich musste das sagen oder die Wahrheit, dass wir die Sicherungsbänder der Erbsenzähler auf der letzten Weihnachtsfeier als Dekoration benutzt haben." Ein Keuchen aus der Tür zeigt uns, dass der Chef wieder etwas spüren kann. Ein schneller Blick in sein Gesicht sagt mir, dass er dieses Problem auf die harte Tour zu lösen gedenkt. "Natürlich, ich bedaure den verantwortlichen Manager." rufe ich. "Ich auch", kommentiert der PJ gemäss der Regel aus dem Bastard-Buch der Entschuldigungen, nach der sowieso immer das Management für die Taten der Untergebenen verantwortlich gemacht wird. "Ja, ich möchte nicht in der Haut des Managers stecken, wenn die Prüfer dahinterkommen, dass wir ihre Sicherungsbänder zerstört haben." "Ich auch nicht", sagt der PJ. "Das könnte so aussehen, als hätte die Firma etwas vor dem Finanzamt zu verbergen." "Hat das Finanzamt nicht eine Nummer für anonyme Tips?" frage ich. "Sie können mir keine Angst machen!" ruft der Chef. "Ich bin nicht verantwortlich für die Versäumnisse meiner Vorgänger." "Natürlich sind sie nicht verantwortlich!" stimme ich zu. "Nein, man wird uns rauswerfen - und ein paar Tage später wird das gesamte Netzwerk der Firma zusammenbrechen, weil die restliche IT-Belegschaft mit den Problemen nicht fertig wird. Ich würde es hassen, Manager dieses Durcheinanders sein zu müssen." "Nun, das ist dann der Fehler des IT-Chefs, aber nicht mein Problem!" ruft der Chef. "Ja." erwidert der PJ trocken. "Ich bin sicher, dass er die Verantwortung übernehmen und nicht einfach einen Untergebenen über die Klinge springen lassen würde." "Dann werde ich nur noch meine Kündigung einreichen", seufzt der Chef schliesslich und schleicht gebrochen davon. "Oh, und könnten sie nach dem Hühnchen und dem Pilzauflauf im Applikationsserver sehen?" ruft der PJ ihm nach. "Ich mag es nämlich nicht, wenn es zu knusprig ist ..." [[Das verwegene Duo entwickelt einige hinterhältige Taktiken, um 'ungeeignete' Bewerber für den Posten des Chefs zu entlarven. Hoffentlich haben deren Hosen wenigstens die richtige Farbe ...]] Als Teil eines Versuches, die Mitarbeiter fühlen zu lassen, dass sie in die Entscheidungsvorgänge eingebunden sind (ein neuer Gedanke aus der Wohlfühl-Abteilung), wurden der PJ und ich gebeten, uns die Lebensläufe der Bewerber für den Posten unseres Chefs anzuschauen. "Schauen sie, als Hobby gibt er Philatelie an ..." liest der PJ vor. "... das Sammeln von Münzen und, na sowas!, das Verbreiten von Langeweile. Und vorher hat er an ... einer Universität und bei einer ... Bank gearbeitet." "Und hat er seine Filmkarriere erwähnt?" "Seine Filmkarriere?" "Ja, ganz offensichtlich war er der Star von 'Ein mehr als langweiliges Leben'". "Mmmm?" murmelt der Mann aus der Personal-Abteilung. "Nichts. Der nächste Kandidat bitte!" rufe ich. "Weg damit!" ruft der PJ und schiebt den Lebenslauf in den Aktenvernichter. "Der nächste Bewerber kommt aus ... Leeds, seine Hobbies sind Fettbemmen und die Pflege von Hühnern. Musikalisch mag er die Bayerischen Rülps-Chöre." "Irgendwie glaube ich nicht daran, dass ihre Bemerkungen auf Fakten beruhen", kommentiert der Personaler weinerlich. "Nein", stimmt der PJ. "Tatsächlich handelt es sich um Schweine und knackige Hintern." "Das bedeutet, er kommt aus der Oberschicht von Leeds." "Meine FRAU kommt aus Leeds!" wirft der Personalmensch verärgert ein. "Wirklich?" rufe ich unfähig, mich zurückzuhalten. "Welche Position hat sie bevorzugt?" "WAS!?!" "Rugby! Sie wissen doch, in Leeds kommen nur Rugby-Spieler." "Ich glaube, da haben sie einen wunden Punkt angeschnitten", sagt der PJ, nachdem der Personalmensch offensichtlich leicht verärgert hinausstürmte. Schneller als man 'Umschalten auf den Backup-Server' sagen kann, bekommen wir einen Ersatzmann aus der Personal-Abteilung - diesmal die etwas robustere Ausgabe, die sonst nur zum Einsatz kommt, wenn sie jemandem mitteilen wollen, dass sie sich freuen würden, sein Kündigungsschreiben entgegennehmen zu können. "Gut, dann schauen wir uns einmal diese Bewerber an", sagt er und greift zur nächsten Bewerbermappe. "15 Jahre IT-Erfahrung, Management-Kenntnisse, Microsoft-Zertifikate, verschiedene erfolgreich besuchte Weiterbildungskurse zur Netzwerk- und Systemverwaltung ..." "Das klingt mir zu technisch", beschwere ich mich. "Wie kann ein Manager ZU VIEL von Technik verstehen?!" "Wenn ihr Verstand zu technisch geprägt ist, dann stören sie uns bei der Arbeit." "Ich glaube kaum, dass das eine Entschuldigung ist für ...." "Diese Typen verbringen ihre Arbeitszeit lieber damit, irgendwelche Bagatellfehler zu beheben, die sie zu verantworten haben, als bunte Statistiken über Kosteneinsparungen, verbrauchten Speicherplatz etc. anzufertigen, die das höhere Management immer so glücklich machen. Also wird die Geschäftsleitung sich fragen, wer ZUM TEUFEL einen solchen inkompetenten Manager eingestellt hat." "Hmmm. Das könnte stimmen", sagt der Personalmensch, der eine Gefährdung seines Arbeitsplatzes wittert. "Was schlagen sie vor?" "NÄCHSTER!" rufe ich und schiebe den Lebenslauf in das mülleimerbasierte Verschlüsselungsgerät. "Ich bin sicher, dass es JEMANDEN mit den richtigen Fähigkeiten gibt." "Gut", ruft der PJ und hält ein Foto hoch. "Dann kommen wir zu DIESEM feinen Herrn." "ICH BITTE SIE!" rufe ich aus, denn ich kann mich nicht mehr zurückhalten. "SCHAUEN SIE SICH DIESE HOSEN AN! Welche Farbe ist das? Ein dunkles Pink oder ein leuchtendes Lila?" "Sieht nach lila aus", sagt der PJ. "Ein linkshändiger Golfer ...?" "Sie meinen, er ist schwul?", sagt der Personaler. "Was hat das mit ...?" "Nun, uns ist das egal, aber sie kennen doch die Homophobie des Geschäftsführers." "Ich kann nicht glauben ..." antwortet er und fragt sich offenbar, in welchem Jahrzehnt er sich befindet. "... aber sie könnten richtig liegen." "Das war wirklich etwas boshaft, oder?" fragt der PJ später. "Boshaft trifft es nicht ganz. Für den Anfang habe ich dem Bild die passenden Farben verpasst." "Sie Bastard!" "Und zweitens ist er ein Freund des Geschäftsführers. Ich kann es kaum erwarten, dass der Personaler ihm die Ablehnung mitteilt und als Grund seine Vermutung angibt, dass der Bewerber schwul sein könnte." Der Rest des Tages vergeht ähnlich, wobei wir einige Bewerber ablehnen, die an mehr als einem Microsoft-Training teilgenommen haben (Gefahr der Gehirnwäsche!), einen Bewerber, der einen Lada fährt (zu wenig Ehrgeiz) und schliesslich (darauf bin ich besonders stolz) einen Bewerber, der in Balham wohnt (der Langweiligkeits-Faktor). "Alles für den morgigen Tag vorbereitet?" frage ich den PJ am Ende dieses Tages. "Ja, ich habe es geschafft, sieben Lebensläufe auszusortieren, die recht vielversprechend aussahen." "Haben sie sie in den 'Eingangs-Stapel' in der Personal-Abteilung geschmuggelt?" "Ja, unter die von ihnen aussortierten Schreiben - der offenherzige Klebstoffschnüffler war doch von ihnen, oder?" "Genau - ich dachte, wir könnten ihn ausnahmsweise akzeptieren, damit es nicht so aussieht, als würden wir alle Bewerber ablehnen." Es ist schon lustig, dass man mit etwas Mühe auch die eigenen Ansprüche etwas zurückschrauben kann ... [[Die Kandidaten, die sich zu einem Vorstellungsgespräch mit dem B.O.F.H. und dem PJ einfinden, sind zu bemitleiden. Nachdem sie an der offiziellen 'Betriebsbesichtigung' teilnahmen, finden sie sich auf dem Parkplatz wieder ...]] Nach der anstrengenden Auswahl potentieller Nachfolger für den Posten des Chefs sind nur noch wenige Kandidaten übriggeblieben, von denen einer sogar nur ausserhalb unserer wahrnehmbaren Welt existiert ... Die hartnäckigen Leute aus der Personal-Abteilung bestehen also darauf, dass wir uns mit drei Bewerbern zum Gespräch treffen. Unser erstes Opfer ist ein ehemaliger Technikmanager, dessen 'technische' Fähigkeiten darin bestehen, dass er die Fahrtrichtung der U-Bahn korrekt voraussagen kann. Wir treffen uns in einem Verhandlungsraum der Wohlfühl-Abteilung und lauschen dem Typen aus der Personal-Abteilung, der darüber referiert, was die Firma macht, wo sie ihre Filialen hat, was sie wert ist ... Die Augen des Bewerbers beginnen abwesend zu glänzen (natürlich hat er kein neues Actionspiel auf seinem persönlichen Assistenten installiert, das er gegen den PJ spielen könnte). Plötzlich merke ich, dass die monotone Stimme des Personalers fehlt. Also blicke ich hoch, um festzustellen, dass er mich erwartungsvoll anstarrt. "Hmmm", sage ich und spiele tiefes Nachdenken. "Ähmmm, nur eine Frage noch - wenn sie eingestellt würden, wo würden sie ihre Rolle bei der Beschaffung von neuer Technik und Software für die Nutzung in der Firma sehen?" "Eine gute Frage", antwortet er, immer bemüht, nicht zu herablassend zu klingen. "Ich würde mich hauptsächlich mit der Analyse, der Installation und dem Test neuer Ausrüstung beschäftigen. Sie als technikorientierte Menschen sind ja sicher eher auf die Handarbeit orientiert - das Lösen von Problemen, die die Nutzer quälen, und ähnliches - also werde ich mich um neue Technik und Software kümmern, damit sie sich ganz ihren Aufgaben im Rahmen der Nutzerbetreuung widmen können." "Aha", kommentiere ich vieldeutig. "Nun, das beantwortet meine Frage - vielleicht haben sie Interesse an einer Betriebsbesichtigung?" "Das wäre grossartig!" ruft er fröhlich in der Annahme, dass eine Betriebsbesichtigung bedeutet, ihm sei der Posten sicher. "Hervorragend", antwortet der Personaler. "Simons Assistent wird sie sicher gern durch unsere Firma führen und sich um sie kümmern." Der PJ nickt und begleitet Bewerber Nummer Eins nach draussen. Bewerber Zwei erscheint, und er gleicht dem ersten, mit der Ausnahme, dass er noch weniger kompetent im Umgang mit Technik ist - wenn dies einem Menschen überhaupt möglich sein sollte. Ich lehne mich zurück, um ein weiteres Kapitel der Firmengeschichte kennenzulernen ... "ENTSCHULDIGUNG! Ich muss mit meinen Gedanken wohl etwas abwesend gewesen sein!!" rufe ich, als ich aufschrecke. "Ich habe die Nacht damit verbracht ... ähm ... die ... die Verfügbarkeit der Bandmaschinen zu sichern." "Haben sie noch Fragen an diesen Bewerber?" fragt der Personaler. "Nur eine", murmle ich und wiederhole die Frage, die ich vorhin gestellt habe. "Nun, ich werde natürlich einen gewissen Einfluss auf Einkaufsentscheidungen nehmen - prüfen, ob die Technik oder die Software den Anforderungen der Firma genügt etc., aber davon abgesehen werde ich es ihnen überlassen zu entscheiden, ob die Bedürfnisse der Nutzer befriedigt werden." Hm, knapp am Ziel vorbei ist auch vorbei. "Vielleicht haben sie Interesse an einer Betriebsführung", kommt mir der Personaler zuvor. Ein Nicken zum PJ ist so gut wie ein Wink, also sind sie augenblicklich verschwunden. Der dritte Kandidat ist aus dem gleichen Holz geschnitzt wie seine Vorgänger. Er verschwindet zur Betriebsbesichtigung als der Vertreter der Personal-Abteilung zum Lebenslauf des letzten Kandidaten greift. "Ich muss zugeben, dass dieser Lebenslauf sehr beeindruckend aussieht", sagt er. "Ich glaube, wir werden ihn und den ersten Bewerber zu einem zweiten Gespräch einladen, wenn er hält, was der Lebenslauf verspricht." "Oh, der erste Bewerber wird nicht zurückkommen, fürchte ich." wirft der PJ wie zufällig ein. "Und weshalb wird er nicht zurückkommen?" "Nun, sie sagten, wie sie sich sicher erinnern, ich solle mich um ihn kümmern ..." "Ja - und ihn ein wenig herumführen!" "Oh! Ich fürchte, dass ich ihre Anweisung falsch interpretiert habe." "Sie haben doch nicht etwa schon wieder das Feuerlöschgas im Rechnerraum getestet?" "Uh ..." "Mein Gott!" ruft der Personaler. "Das kann doch nicht wahr sein!" "Ich kann es auch kaum fassen!!" rege ich mich auf. "Wissen sie eigentlich, wie teuer das Löschgas ist? Und denken sie an die Ozonschicht!" Der Personaler sieht aus, als würde er gleich explodieren ... weshalb wir ihm wohl besser nicht sagen sollten, dass der PJ die beiden anderen Kandidaten am Hinterausgang in der Tiefgarage ausgesetzt und versprochen hat, dass wir uns bei ihnen melden würden, wenn die Hölle zufriert. "Wie konnten sie nur annehmen, dass ich das meinte ..." "Aber so habe ich ihre Anweisung auch ausgelegt!" rufe ich. "Aber wir sind doch ein Unternehmen und nicht irgendeine Untergrundbande!" "Was der Geschäftsführer dazu wohl sagen wird ...." keucht der PJ. Ich schüttle den Kopf, so dass der PJ (wie geplant) verstummt. Zwei Tage später ist der Arbeitsvertrag bestätigt und die drei beteiligten Personen haben Stillschweigen über die genauen Umstände vereinbart. Er glaubt, dass wir ihn nicht anschwärzen und als Gegenzug hat er, ohne Vorstellungsgespräch, den Kandidaten als Chef eingestellt, den wir uns gewünscht haben - den es in Wirklichkeit gar nicht gibt, sondern nur auf dem Papier ... [[Der B.O.F.H. und der PJ geniessen das Leben und fühlen sich hochmotiviert durch ihren neuen 'logischen' Chef Roger. Doch besondere Massnahmen lassen sich nicht vermeiden, als der IT-Chef den Braten riecht ...]] Wir verleben eine herrliche Zeit, da wir keinen Chef haben, und nutzen die Situation nach besten Kräften aus. Nun, wenn ich sage, wir hätten keinen Chef, so meinte ich natürlich einen Chef aus Fleisch und Blut. Den virtuellen Chef haben wir installiert und gestartet - kurz: /dev/roger (und /dev/rroger/, wenn er uns schmutzige Witze erzählt). Seinen gesamten ersten Tag hat er damit zugebracht "Klienten zu treffen", dann hat er sich am zweiten Tag krankgemeldet. Damit habe ich etwa eine Woche Frist erkauft, bevor die ersten misstrauischen Fragen gestellt werden - ob ihn überhaupt schon jemand gesehen hat, um ein Beispiel zu nennen. In der Zwischenzeit "telekommuniziert" er regelmässig mit dem PJ und mir. "Ich habe gerade eine E-Mail von ihm bekommen", erkläre ich dem PJ. "Es sieht so aus, als findet er meine Idee, in die USA zu fliegen gut, um zu untersuchen, was ... ich habe keine Ahnung. Darüber werde ich mir nach meiner Rückkehr Gedanken machen. Hat er ihnen auch eine E-Mail geschickt?" "Ich arbeite gerade daran", antwortet der PJ. "Anscheinend soll ich einige Zeit damit verbringen, die RJ45-Sockel in den Bodenplatten in der Sekretärinnen-Abteilung zu überprüfen, um allzeit gute Verbindungen zu gewährleisten." "Sie perverser kleiner Bastard!" murmle ich neidisch. Unser Pläneschmieden wird durch den Chefbuchhalter unterbrochen. "Ah, haben sie Roger gesehen?" fragt er und schaut sich neugierig um. "Roger kuriert seine Krankheit aus." antwortet der PJ. "Schon am zweiten Arbeitstag?" "Ja, anscheinend hat er sich einen dieser 48-Stunden-Viren eingefangen, aber er hat eine Nummer hinterlassen, damit er im Notfall erreichbar ist." erkläre ich und reiche ihm einen Notizzettel mit der Telefonnummer eines Anschlusses ausserhalb Londons. Er nimmt den Zettel, spielt sichtlich mit dem Gedanken, den neuen Chef anzurufen und marschiert dann davon. "Er wird es tun." murmelt der PJ. "Machen sie sich darüber keine Sorgen. Ich bin mir sicher, dass er sich stundenlang mit meinem Stimmenerkennungs- und Antwortprogramm unterhalten kann, das ich mit den üblichen Schlagworten gefüttert habe." "Sie haben was?" "Stimmenerkennungs- und Antwortprogramm - das ist ein Programm, das zuhört und wie ein Mensch antwortet. Wie eine modifizierte Version dieses alten Lisa-Programms und ähnlicher psychiatrischer Programme." "Er wird den Braten riechen ..." "Nicht unbedingt. Das Programm ist so konfiguriert, dass die Stimme so klingt, als hätte der Sprecher jede Menge Pillen geschluckt, um eine Krankheit zu bekämpfen. Pillen, die Nebenwirkungen auf den Geisteszustand haben können." "Also ist das wie eine Gespräch mit ..." "... jemandem, der sich nur schwach an die Dinge erinnern kann; ein Betrunkener, ein Drogenabhängiger, ein Softwarelieferant, der ihnen das Blaue vom Himmel vorlügt ..." "Hmmm ...." murmelt der PJ noch nicht ganz überzeugt. Ich mache ein paar Anrufe, um sicherzugehen, dass meine Reise und das Hotel gebucht sind und die Buchungen auch nicht mehr rückgängig gemacht werden können, falls der Notfall eintritt. Und Roger hat gerade vorgeschlagen, dass ich in der Business Class fliegen soll, so dass ich erholt ankomme und wirklich alle Informationen in mich aufnehmen kann, die mir präsentiert werden. Doch das Ende von Roger lässt sich nicht aufhalten. Und diesmal ist es der IT-Chef, der sonst eigentlich wenig Notiz von uns nimmt, der es einleitet. Er steht dem Vorschlag unseres Chefs, dass die Nutzer nur dann von uns unterstützt werden, wenn sie uns in einem Quake 2-Deathmatch besiegen können, nicht gerade positiv gegenüber. Nun, das und die riesige Rechnung für Bücher aus der Fachbuchhandlung, deren Kauf uns die früheren Chefs untersagt hatten, weil sie ein Vermögen kosten ... "RICHTIG!" ruft der IT-Chef, als er mit Bücher-Rechnungen, die locker unser Budget übersteigen, hereinstürmt. "DAS IST DAS ENDE!" "Ja", seufze ich und greife zu einem schwarzen Band, das ich mir um den Arm wickle. "Es ist furchtbar." "In der Blüte seines Lebens!" schnieft der PJ mitleiderregend. "Warum müssen die Besten immer so jung sterben?" jammere ich. "Worüber zum Teufel sprechen sie?" stösst der IT-Chef hervor. "Roger ...!" keuche ich und kämpfe mit den Tränen. "... von uns gegangen!" "In der Blüte seines Lebens!" wiederholt der PJ. "Wovon sprechen sie?" fragt der IT-Chef verwirrt. Ich schiebe ihm die vorbereitete Titelseite einer Boulevardzeitung hin. "'IT-Manager von Software-Lieferant überfahren'. Oh mein Gott ... Aber das stand nicht in meinen Exemplar, das ich am Morgen bekam." Dieser ...! "Ah ... das ist die Pendlerausgabe", antworte ich und denke schneller als ein übertakteter Pentium III. "Die Ausgabe mit den letzten Neuigkeiten und Ergänzungen." Er überfliegt den Artikel auf der Suche nach Anzeichen, dass ich ihn belüge, während ich mir vornehme, ein paar Todesanzeigen in den Zeitungen von morgen zu schalten, damit er unsere Geschichte kauft. "Sollten sie nicht eigentlich in einem Taxi sitzen?" fragt der PJ im richtigen Moment. "Oh, das STIMMT! MEIN FLIEGER!" "Ihr Flieger?" fragt der IT-Chef. "Ja, ja, ich bin ziemlich spät dran - der PJ wird es ihnen erklären - Roger hätte es so gewollt!" stosse ich hervor. "Nein, ich denke, es wäre sein Wunsch gewesen, dass der Lieferwagen ihn verfehlt hätte", höre ich den PJ murmeln, als ich davonstürme. Die Kunst der Zurückhaltung hat offenbar einen grossen Bogen um ihn gemacht. Nun, ich bin mir sicher, dass er sich in der nächsten Runde mit Vorstellungsgesprächen gut machen wird. [[Der PJ mischt sich in Dinge ein, die er nicht versteht. Es geht um Maureen, bekannt für ihr dauerndes Jammern über ihre 'kaputten Programme'. Der B.O.F.H. entscheidet sich, dem PJ eine teure Lektion zu erteilen ...]] "Ich weiss ja nicht, wie es IHNEN geht", erklärt der PJ zufrieden, als er zu später aber noch akzeptabler Stunde am Nachmittag ins Büro kommt. "Ich jedenfalls habe heute wirklich etwas vollbracht!" "Das habe ich auch. Sehen sie, ich habe hier eine voll funktionsfähige Vorabversion von Quake III ergattert. Meine Grafikkarte wird allerdings leider noch nicht unterstützt!" Kaum habe ich das gesagt, wird mir bewusst, wie erbärmlich das war, denn es erinnert mich an die Computer-Süchtigen, die auf Konferenzen und Messen sich abends an der Bar Geschichten erzählen .... Ich sollte mir wohl eine Elektroschocktherapie in einem progressiven Club verschreiben, den ich bei der nächsten Gelegenheit besuchen muss, wenn diese kranke Fixiertheit auf Computer wieder nach mir greift. "Wie auch immer", fasse ich zusammen. "Worüber sprachen sie?" "Ich", zwitschert der PJ und plustert sich auf wie Paul Gascoigne, der einen anderen Trinker an der Bar zu vorgerückter Stunde beeindrucken will. "Ich habe in einer ganzen Etage die Kabel zwischen den Rechnern und den Netzanschlüssen erneuert." "Warum?" frage ich unschuldig, doch ich kenne die Antwort eigentlich schon. "Möglicherweise ..." antwortet er und macht eine Pause, um den dramatischen Effekt zu erhöhen. "Möglicherweise liegt es daran, dass DIESE Kabel in keiner Weise die Cat-5- Spezifikationen erfüllten." Er hält ein paar Kabel hoch, die ich, das muss ich zugeben, vor vielen Monden für einen verdächtig niedrigen Preis angeschafft HABE ... "Sehr vorausschauend", erwidere ich und bin beinahe bereit, meine Niederlage in dieser Sache einzugestehen. "Sagen sie mir nur noch, ob es die dritte Etage war." "Wieso? Dort hat man sich doch am meisten über Netzwerkprobleme beschwert." Die eigene Anschauung ist, so wird jedenfalls behauptet, der beste Lehrer, selbst wenn das Lehrgeld sehr hoch ist. Er ist noch jung, aber er wird es lernen. "Haben sie auch Maureens Kabel ausgetauscht?" frage ich. "Natürlich." "Maureen, die sich notorisch bei uns beschwert?" "Sie scherz ..." Seine Antwort wird jäh durch das Klingeln des Telefons unterbrochen. "Das wird Maureen sein", erkläre ich. "Sie haben alle Programme auf ihrem Computer zerstört." "Das habe ich nicht!" "Diese zehn Pfund sagen, sie hätten es getan." "Die Wette halte ich", antwortet er und fühlt sich sicher. "Sie haben alle meine Programme zerstört!" jammert sie prompt durch die Freisprechanlage. Ich greife mir den Zehner und versuche dabei, ein höhnisches Grinsen zu unterdrücken. "Ich habe nur das Kabel für ihren Netzwerkanschluss ausgetauscht", antwortet der PJ. "Das muss meine Programme zerstört haben", erwidert sie. "Noch am Morgen haben sie funktioniert." "Was läuft denn alles nicht?" fragt der PJ. "Alle Programme funktionieren nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr anmelden!" "Und das Passwort für ihren Bildschirmschoner ist korrekt?" "Ja." "Und das Licht für die Feststelltaste leuchtet nicht?" "N ... ja. Aber das leuchtet immer!" lügt sie. "Gut, dann drücken sie die Feststelltaste noch einmal und versuchen es erneut." "Das wird nicht ... Oh, meine Maschine läuft jetzt." "Jetzt leuchtet das Licht für die Feststelltaste nicht mehr?" "Ja, aber ich habe vorher ein wenig an dem Kabel gewackelt, bevor ich es erneut versuchte. Es liegt bestimmt am Kabel ..." Sie beendet den Anruf und der PJ legt kopfschüttelnd auf. "Wetten wir um das Doppelte, dass sie in zehn Minuten wieder anruft?" "NATÜRLICH!" Zehn Minuten und zwanzig Pfund später versucht der PJ, Maureen verständlich zu machen, dass das neue Kabel die Dateien, an denen sie gearbeitet hatte, gar nicht löschen kann. Weitere zehn Minuten und zwanzig Pfund später erklärt der PJ Maureen, dass das neue Kabel ihre Email nicht löschen könne, sie stattdessen keine E-Mail bekomme, weil niemand ihr eine schicken würde. Und er verspricht ihr auch, eine Test-E-Mail an sie zu schicken. Fünf Minuten und vierzig Pfund später erklärt der PJ, dass er das Spiel 'Doppelt oder nichts' nicht mehr mitmachen würde und erklärt, dass er 'Bestähtigung' falsch geschrieben habe und das neue Kabel für Tipp- und Schreibfehler nicht verantwortlich sei. "Was soll ich nur tun?" fragt der PJ, nachdem der neue Chef (erregt) hereinkommt und fragt, was er der Maschine dieser armen Frau angetan hat. "Worin besteht ihre Sünde?" frage ich. "KEINE SÜNDE! Ich habe nur das Kabel ausgetauscht. Wenn ich gewusst hätte, was noch passiert, hätte ich sie gemieden wie die Pest!" "Sie wird bemerkt haben, dass alle anderen Rechner nun weniger Probleme haben - jetzt, da das neue Kabel verlegt ist ..." "Aber wie können wir ihr Problem lösen?" plärrt der PJ. "Das ist nicht unsere Sache", sage ich und greife zum Telefon. "Wir leiten das Problem weiter." Ich rufe den Chef zurück und erkläre ihm, dass wir herausgefunden haben, dass eines der Kabel fehlerhaft ist. Ahnungslos und neugierig wie er ist, entscheidet er sich dazu, es selbst auszutauschen. Der arme Kerl. Als der PJ und ich später nach Hause gehen, hören wir, wie er ihr bei dem Problem der Feststelltaste hilft ... "Ich schätze, ich schulde ihnen ein Bier?" fragt der PJ. "VIELE Biere!" Eigene Erfahrungen sind wirklich grossartige Lehrer, aber das Lehrgeld ... [[Nachdem sie von den Erbsenzählern hintergangen wurden, entwickeln der B.O.F.H. und sein Gefährte ein paar unorthodoxe Testmethoden ...]] Ich schaue in das Innere eines PCs - der PJ hat mich darum gebeten, vermutlich weil er etwas gesehen hat, dass ihm gar nicht gefiel. Und wenn ihm etwas nicht gefällt, dann will das etwas heissen ... Ich fahre fort, die Posten auf meiner Liste abzuhaken. "Festplatte, geprüft; Pentium II 300 MHz, geprüft; 128 MB RAM, geprüft; 512 kb L2 Cache, ge ...." Ich stutze. Was beim ersten Blick wie ein L2 Cache-Baustein aussieht, ist nichts anderes als eine Nachbildung aus Plastik. Ich überprüfe meine Vermutung, indem ich die Nachbildung aus der laufenden Maschine entferne. Und auch nach einem Neustart ändert sich nichts an meiner Diagnose. "Wir wurden bestohlen!" wende ich mich atemlos an den PJ, als ich den Inventaraufkleber der Firma am Gehäuse des Rechners bemerke. "Woher haben sie den Rechner?" "Ich?" antwortet der PJ. "Ich habe ihn nirgends herbekommen." "Nun, ich habe ihn nicht bestellt, wir sind die einzigen in der Abteilung, die Technik bestellen könn ... DIE ERBSENZÄHLER!" "Sie haben es erraten", kommentiert der PJ. "Die Erbsenzähler haben den Rechner selbst bestellt, weil die Technik, die wir bestellen, ihnen 'zu teuer' ist - sie können sie 200 Pfund billiger bekommen." "Und um ein paar Komponenten ärmer ...." "Dann kleben sie den Inventaraufkleber drauf und nehmen ihn in Betrieb. Allerdings scheinen diese Rechner nicht so gut zu funktionieren ..." "Aufhänger, Abstürze und ähnliches?" "Uh-huh." "Ist der Rechner übertaktet?" frage ich und kenne schon die Antwort. "Ja - und sie versuchen, einen 6 Volt-Lüfter mit neun Volt zu betreiben." "Die von der 12 Volt-Leitung kommen?" "Ja, der 11.7 Volt-Leitung bei diesem Modell. Sie benutzen ein paar Widerstände." Seufz. "Aber sagen sie mir jetzt nicht, dass wir die Rechner jetzt reparieren sollen!" Der PJ deutet gestikulierend auf eine Ansammlung von Rechnern in der Ecke. "Werfen sie sie in den Müll!" rufe ich und treffe dabei eine Entscheidung, die einige Manager ganz bestimmt verärgern wird. "Was geht hier vor?" fragt der Chef, der gerade rechtzeitig in Begleitung eines Managers aus der Erbsenzähler-Etage hereinkommt, der ihn um Beistand gebeten hat. "Das ist ein nicht genehmigter Computer-Einkauf." "Genehmigt, nicht genehmigt; wo ist da der Unterschied? Warten muss man die Geräte so oder so!" wischt der Chef meinen Einwand weg. "Genehmigte Technik ist Technik, die wir geprüft haben, Technik, die verschiedene Tests bestanden hat." "Mein Laptop hat ihre Tests nicht durchlaufen und funktioniert trotzdem!" mischt sich der Erbsenzähler-Chef ein. "Obwohl das Licht hinten am Gerät doch etwas schwach leuchtet." Ich spare mir den üblichen Kommentar - ein Fass voller Fische, ein Gewehr ... "Es kann ja sein, dass alles läuft, aber wenn wir es nicht getestet haben, können wir uns auch nicht um die Wartung kümmern." murmle ich, während der PJ das Dokument mit den Betriebsregelungen der IT-Abteilung hervorkramt und schliesslich auf die entsprechende Textstelle deutet. Dagegen kann auch der Chef nichts einwenden. Fünfzehn Minuten später hat der Erbsenzähler uns seinen Laptop zum Testen überlassen. Weitere fünfzehn Minuten später lassen wir den Laptop von der Decke auf den Tisch fallen. "Hat das Spuren hinterlassen?" frage ich. "Ganz geringe", bemerkt der PJ und blickt auf die Kratzer auf der Oberseite des Testtisches. "Aber wir wiederholen den Test lieber, um ganz sicher zu gehen ..." Leider taucht der Eigentümer des Rechners wenig später auf, um uns dabei zu ertappen, wie wir Dartpfeile auf seinen Laptop werfen. "WAS ZUM TEUFEL MACHEN SIE DA?" "Fliesskommatests", murmle ich. "Was jetzt noch bleibt, ist die Int Spez." (Natürlich geht es hier um den SPEC INT-Benchmark, aber bei der Übersetzung bietet sich Int Spez an, wie man noch sehen wird. [thomas w.]) "Int Spez?" fragt er und starrt auf die verbeulten Überreste seines Laptops. "Ja, das ist ein Test der Leistungsfähigkeit von Rechnern." "ICH WEISS, WAS DAS IST!" schreit er. "Nun, wir sind gerade dabei, diesen Test durchzuführen." "Und WIE wollen sie das bewerkstelligen?" "Ich prüfe, ob das Gerät eine fremde SPEZies INTegrieren kann, den Hund des Hausmeisters zum Beispiel." "Das ist doch lächerlich! Geben sie mir meinen Computer!" stösst er hervor. Was, rein zufällig natürlich, ungefähr dem entspricht, was dem Scharnier auf der Rückseite beim Sturz des Gerätes auf den Boden passiert. "GIBT es etwa auch einen Test für Bodenhaftung?" fragt der PJ. "Davon wusste ich ja noch gar nichts." Überraschenderweise stürmt der Erbsenzähler ohne Antwort davon. Sein Ziel ist offenbar das Büro des IT-Chefs. "In Ordnung: Es scheint einen Zusammenhang zwischen der Aktivität von Wichtigtuern und dem Ausfall von Rechnern zu geben. Wir müssen Rechner testen! Schnell, werfen sie sie zu mir herüber und passen sie auf, dass sie keine Testmarkierung vergessen. Wir wollen schliesslich gründlich arbeiten!" "Richtig", stimmt der PJ zu. "Alles andere wäre ja unprofessionell, nicht wahr?" [[Ein einsamer B.O.F.H. muss sich selbst um Unterhaltung kümmern. Gehversuche eines Managers, Bewegungssensoren an Türen und dampfende Getränke warten auf ihren Auftritt ...]] Ich langweile mich! Der PJ macht Urlaub, so dass es niemanden im Haus gibt, gegen den ich in einem Quake II-Deathmatch antreten könnte. Und so bleibt mir nur noch diese eine Möglichkeit - ich muss mich selbst um Unterhaltung kümmern. "Sie sind einfach grossartig!" erklärt der Chef des Wachdienstes auf meine Frage nach dem Sinn der neuen elektronischen Mitarbeiterausweise, die die alten Magnetkarten abgelöst haben. "Die Nutzer müssen nicht mehr mühsam in ihren Brieftaschen nach ihren Karten suchen und wegen der Bewegungssensoren wird es auch keine Probleme mehr mit verschmutzten Magnetkartenlesern geben - sie sind einfach genial! Und ausserdem können wir verfolgen, wie die Leute sich durch das Haus bewegen. Das ist grossartig!" "Und für uns ist das ebenfalls sehr nützlich", freut sich der Chef der Personalabteilung. "Wenn wir das mit der Telefonanlage verbinden, werden Anrufe immer auf das Telefon in dem Raum umgeleitet, in dem man sich gerade aufhält. Das ist ein Geschenk des Himmels!" "Also sind wir alle begeistert und ich sollte nun die Rechnungen für die neue Telefonanlage und das neue Kartensystem übernehmen?" Der Chef hält einen kurzen Augenblick inne, in dem er an die Pluspunkte denkt, die er für diese Entscheidung bekommen kann, bevor er sich entscheidet ... "Und die Nutzerverfolgung WIRD WIRKLICH nur durch den Wachdienst genutzt werden, oder?" "NATÜRLICH!" rufe ich aus - denn ich weiss, dass dieses neue Produkt nicht so leistungsfähig ist wie das Programm, das wir in den vergangenen zwei Jahren dazu benutzt haben, die Nutzerbewegungen zu verfolgen. "Es wird nur zwei Stationen geben, an denen die Daten abgerufen werden können. Die eine steht im Büro des Chefs des Wachdienstes und die andere unten beim Eingang." "Wenn das so ist, wo soll ich unterschreiben?" fragt er und lächelt zufrieden. Alle lächeln beglückt, als der Chef sein Signum unter die preislich akzeptablen Rechnungen gesetzt hat. "Was bedeutet 'TEST-PROGRAMM' eigentlich genau?" fragt er, als sein Blick auf diesen Begriff im Kleingedruckten fällt. "Das bedeutet, dass wir die Software für einen ermässigten Preis bekommen, wenn wir uns bereiterklären, sie über Fehler und Probleme des Programms zu informieren." "PROBLEME mit der Software?" fragt der Chef vorsichtig. "Ja, sie kennen das doch bei unserer gesamten Technik - nur WILL der Lieferant diesmal, dass wir ihn über Schwierigkeiten informieren, damit er sie beseitigen kann!" "Und dafür bekommen wir einen PREISNACHLASS?!" fragt er ungläubig. Offenbar kann er unser Glück gar nicht fassen. Ich versichere ihm noch einmal, dass es so ist, was ihn zufriedenstellt. Da ich keine Zeit vertrödeln will, schnappe ich mir die unterschriebenen Rechnungen und bringe sie zu den Erbsenzählern. Das Problem mit solchen Systemen ist, dass sie im Normalfall niemals ihr volles Potential zeigen können, bis jemand wie ich kommt, der über den Tellerrand hinausblicken kann und sich die Zeit nimmt, sich zum Besten für alle mit ihnen zu beschäftigen - und für das eigene Vergnügen natürlich auch. Ich überstehe noch ein paar langweilige Tage bis der Wachdienst die alten Magnetkarten gegen die neuen ausgetauscht und die Kartenleser entfernt hat, bevor ich meinen Plan umsetze. Zunächst modifiziere ich die 'Folge mir'-Funktion des Telefonsystems so, dass das Telefon nicht mehr in dem Raum klingelt, in dem sich der Kartenträger gerade aufhält, sondern in dem Zimmer, in dem er sich DAVOR aufgehalten hat ... Dann variiere ich die Empfindlichkeit der Bewegungssensoren der Türen so, dass man sich wirklich direkt vor der Tür befinden muss, bevor sie sich öffnet. Die Bühne ist vorbereitet, die Darsteller sind bereit ... Ich entscheide mich, die Überwachungskamera zu aktivieren, die die Tür beobachtet, bei deren Sensoren ich die geringste Empfindlichkeit eingestellt habe - die Tür zum Raum mit den Kaffee-Automaten. Dann schiebe ich ein Videoband in den Recorder und warte auf den Chef. Für die halbstündige Wartezeit werde ich entschädigt, als der Chef durch die Tür marschiert und sich einen heissen Kaffee aus dem Automaten holt. Ich reduziere die Empfindlichkeit der Türsensoren auf Null, worauf der Chef mit seinem dampfenden Plastikbecher prompt gegen die Tür rennt. Hervorragend! Ich schalte die Türsensoren wieder ein, um ihn herauszulassen und rufe ihn dann an, als er den Raum gerade verlassen hat - er weiss, dass der Anruf für ihn ist, da er mir schon zweimal den Fehler der 'Folge mir'-Funktion mitgeteilt hat ... und rennt erneut gegen die geschlossene Tür. Ich glaube, dass ich mit diesem Video wirklich der Gewinner einer 'Die lustigsten Heim-Videos'-Sendung werden könnte. Ein lauter Knall kündigt die Ankunft des Chefs in meinem Büro an, der sich wutschnaubend vor mir aufbaut. Ich hasse mich selbst, wirklich. Das ist nicht gut. Der Chef schreit mich an, was meine Konzentration so sehr stört, dass ich das Video überschreibe, das ich gerade aufgezeichnet hatte. Verdammt! "UND NOCH EINE SACHE! WIESO GEHT MEIN PAGER IMMER 30 SEKUNDEN NACHDEM ICH DIE TOILETTE BETRETEN HABE LOS!?" schreit er. "Da ... das muss ein Programmfehler sein", antworte ich und frage mich, ob der Wachdienst wohl eine Urinprobe vom Chef haben will ... "HABEN SIE DAS NOTIERT?" fragt er. "Nun, normalerweise lassen wir die Nutzer selber die Fehlermeldungen für die entsprechende Anschlagtafel anfertigen." "RICHTIG! Wo kann ich das tun?" Mein Gewissen macht mir Vorwürfe, doch ICH WILL DIESEN TV-PREIS! "Ähm, an der Wand neben den Kaffee-Automaten." antworte ich und spule das Videoband zurück. Einen Knall später ist er verschwunden. Zwei laute Türknaller später wird in einer Zwangsjacke hinausbegleitet. Aber ich langweile mich noch immer ... [[Beratungen in Hülle und Fülle. Und sie alle sind natürlich nichts anderes als ergebnislose Zeitverschwendung. Gibt es eine bessere Gelegenheit zum Anschauen von Filmen ...]] "Sind sie jetzt endgültig VERRÜCKT geworden?" fragt der PJ, nachdem wir ein paar Runden mit technischem und nichttechnischem Personal durchgestanden haben, die uns hinterhältig auf unserem Weg zum Mittagessen überfallen hatten. "Eine verdammte BERATUNG?!?" "Ja", antworte ich nachdenklich. "Sie HASSEN Beratungen!" jammert er. "Nun, HASSEN ist ein so negatives Wort. INTENSIVE Abneigung beschreibt es genauer. Aber das spielt eigentlich keine Rolle - ich habe uns davor bewahrt, ihnen eine halbe Stunde lang dabei zuzuhören, wie sie darüber diskutieren, welche persönlichen Daten über den internen LDAP-Server bereitgestellt werden sollen. Ja, es ist wahr. Da der IT-Chef ein paar Bemerkungen darüber gemacht hat, welche Informationen man über den neuen LDAP-Server unternehmensweit bereitstellen könnte, gibt es nun zwei Fraktionen mit unterschiedlichen Vorstellungen darüber. Auf der einen Seite gibt es Leute, die meinen, sogar die Nummer ihres Dienstapparates gehöre zu ihrer Privatsphäre und dürfe deshalb nicht veröffentlicht werden, und auf der anderen Seite gibt es die 'Privatsphären-Nudisten', die alle Informationen bereitstellen wollen: die Nummern der Privattelefone, den Namen der Frau oder Freundin und deren Geburtstag, um die Welt fröhlicher zu machen." "Aber trotzdem sieht es nicht nach ihnen aus, Beratungen einzuberufen." "In der Vergangenheit habe ich nur widerwillig an Beratungen teilgenommen; wie auch immer, das lag ganz einfach daran, dass ich sie nicht initiiert hatte. DIESE Beratung jedoch, an der sich eine grosse Anzahl zerstrittener Teilnehmer beteiligen wird, wäre es wirklich wert, das Gewicht der Teilnehmer in 128 Megabyte DIMM-Chips aufzuwiegen." "Wie bitte?!?" "Schauen sie!" rufe ich und deute auf meinen Monitor, der die Oberflächen dreier verschiedener Terminplanungsprogramme zeigt, die wir in der Firma verwenden. "Auf der einen Seite haben wir die Programme, die unabhängig voneinander arbeiten, dann ist da noch der Terminplaner, der in das Mail-Programm integriert ist, und schliesslich noch die über Nacht schnell zusammengehackte Software, die so alt ist, dass sie noch mit dem Jahr 1000-Problem kämpft. Und sie alle können NICHT untereinander Daten austauschen. Die ersten beiden Programme haben das Problem, dass sie sich durch die Zeit von einer Stunde unterscheiden, weil sie die Sommerzeit unterschiedlich behandeln. Und das letzte Programm kann nur mit Stunden, Minuten, Tagen und Monaten umgehen, nicht aber mit Jahreszahlen, was bedeutet, dass die Import/Export-Routine irgendwie ein Datenfeld dazu nutzen muss, um zu kennzeichnen, in welchem Jahr die Beratung stattfinden soll - und dann ist da noch das Problem mit Beratungen aus vergangenen Jahren!" "Das Problem wird wohl nicht mehr in diesem Jahr gelöst werden können, oder?" "Niemals!" "Gut, aber was bedeutet dies für uns?" "Dass nach verschiedenen missglückten Versuchen DREI verschiedene Beratungen angesetzt werden, an denen ich teilnehmen muss." "Aber sie HASSEN Beratungen!" "Ja, aber ich LIEBE es, mir Filme auf meinem tragbaren DVD-Player anzuschauen, das aussieht wie eine Mischung aus einem PDA und einem Laptop, wenn ich die Tastatur anschliesse! Wenn ich dann auch noch so tue, als würde ich etwas 'eintippen', wenn es scheint, dass es ein- oder zweimal pro Beratung zu einer Entscheidung der Diskussionsteilnehmer kommt, werden sie mich nicht ertappen. In der Zwischenzeit werden sie so hitzig ihre Standpunkte diskutieren, dass ich gar nicht gebraucht werde." "Und wenn sie sich einigen?" "Überschätzen sie die Nutzer nicht! Und wenn es brenzlig werden sollte, werde ich die Netzhaut-Kontrollen oder die Auflistung der Bankverbindungen vorschlagen, damit die Diskussion wieder losgeht." "Früher oder später werden sie sich einigen!" "BIIIIEEETTEEE!" rufe ich. "Ich habe sowieso schon eine LDAP zu Finger-Schnittstelle installiert. Und wenn sie sich tatsächlich darauf einigen sollten, welche Daten sie zur Verfügung stellen wollen oder nicht, werde ich genau diese gewünschten Daten aus der Finger-Information löschen und wir werden wieder im Geschäft sein! Natürlich nachdem wir eine Woche 'angestrengt an der Installation der neuen Software' gearbeitet haben." ... drei Filme später ... "Also konnten wir keinen Konsens erreichen!" erklärt der Chef und fasst mit kurzen Worten nachträglich die Diskussion in unserem Büro zusammen. "Nun, wir hätten beinhae eine Übereinkunft erreicht. Aber dann hat jemand vorgeschlagen, Vorstrafen und Angaben zur Gesundheit aufzuführen." "Warum zum Teufel sollten wir das tun?" "Nun, ich glaube, die Argumentation lief darauf hinaus, dass Informationen, die im Lebenslauf aufgeführt sind, auch wichtig für die Firma sind. Und jemand warf ein, dass er gerne wüsste, ob sein Kollege ein Alkoholproblem hat, bevor er ihn zur Weihnachtsparty einlädt." "Das ist doch lächerlich!" "Ja, darauf haben wir uns schliesslich auch geeinigt. Doch dann hat der gleiche Diskussionsteilnehmer vorgeschlagen, Angaben zur Verwandschaft, Blutgruppe und HIV-Status aus gesundheitlichen Gründen aufzunehmen ..." "Das kann doch nicht sein Ernst sein!" "Nun, das haben wir am Ende dann auch abgelehnt." "Also glauben sie, dass die nächste Beratung zu einem Ergebnis führen wird?" "Mit ziemlicher Sicherheit." ... später ... "Also stimmen nun alle den Vorschlägen zu?" frage ich am Ende der nächsten Beratung. Zustimmendes Gemurmel antwortet mir, als der PJ mit einem Päckchen für mich hereinkommt. Von meinem DVD-Lieferanten. "Ausgezeichnet, also werden wir die Namen speichern, Zimmernummern, Telefonnummern, sexuelle Vorlieben, ein Foto, ein Nacktfoto und den Brustumfang?" sage ich und schiebe 'Staatsfeind Nummer 1' in meinen 'Laptop'. [[Bier und Curry. Was könnte besser sein? Doch kann der B.O.F.H. die Belastung aushalten? Der Gedanke an einen Verzicht auf das gute alte Geflügel ist hart, doch dann lockt ein spendierfreudiger Vertreter ...]] "Sie sehen ja schlimm aus!" stellt der PJ grinsend fest, als ich mich zu meinem Schreibtisch schleppe - etwa 26 Stunden zu spät. "Ja, ich habe die vorletzte Nacht mit einem Sklavenhändler verbracht." "Und das war so schlimm, dass sie einen Tag krankmachen mussten?" "Nein, ich habe mich nicht 'krankgemeldet'. Ich habe telekommuniziert." "Ja, richtig. Und sie haben das Porzellan-Modem benutzt, oder?" "Genug davon!" unterbreche ich ihn und bin nach der Fahrt mit der U-Bahn noch immer etwas wackelig auf den Beinen. "Und was kam dabei heraus?" fragt der PJ. "Ich hatte nur ein paar Biere." "Ein paar?" "Nun, ein paar, denen ein paar weitere folgten. Und dann noch ein paar. Aber es war das Curry, das mich umgehauen hat. Das kann ich mir nicht mehr zumuten. Ich muss mich mit den Fakten abfinden, die die Fähigkeiten meines Körpers betreffen, selbst mit gefährlichen Giften fertigzuwerden: ich reagiere allergisch auf Curry." "Sagen sie doch nicht sowas!" jammert der PJ. "Es hat keinen Zweck, sich dagegen zu wehren", antworte ich. "Ein Mann kann eben nur eine bestimmte Menge Geflügel mit Curry verkraften." "Sind sie sicher, dass es nicht einfach am Alkohol liegen könnte?" "Nein! Ich kann ein paar Biere trinken und wache am nächsten Morgen ohne Probleme auf. Aber JEDESMAL wenn ich Curry hatte, wachte ich krank auf." "Könnte es sein", unterbricht uns der Chef, der voller administrativer Energie in unser Büro stürmt. "Könnte es sein, dass das daran liegt, dass sie immer betrunken sind, wenn sie Curry essen?" "Ich muss gestehen, dass eine gewisse Logik in ihrer Aussage steckt", antworte ich. "Aber der Übeltäter wurde identifiziert ..." "Als Besäufnis", stellt er unbeirrt fest. "Wie auch immer, sie werden die Chance bekommen, ihre Theorie zu überprüfen. Wir sind zum Essen verabredet mit einem Hersteller, der uns Festplatten zu Niedrigstpreisen für das Terrabyte verkaufen will." Na gut. Schliesslich ist Curry ja Curry. Unser Verkaufstalent plaudert mit dem Chef, während der PJ und ich uns über einen Teller Pakoras hermachen, die wir mit Bier herunterspülen. "Sie verkaufen also SCSI-Festplatten?" unterbricht der PJ den Verkäufer. "Nein, kein SCSI. Unsere Technologie basiert auf einer ausgereifteren ..." "Proprietäre Technologie?" frage ich und giesse noch etwas Öl ins Feuer. "Ja, aber es ist eine bewährte Technologie ..." "DSSI!" rufe ich und bereite den tödlichen Schuss vor. Der Torpedo trifft und hinterlässt ein 'Uh'-förmiges Loch in seinem Gesicht. "Gut, dann lassen sie uns zusammenfassen, worüber wir NICHT sprechen", fahre ich fort und spule noch ein paar technische Begriffe ab, bis der Chef sich verzweifelt in den kleinen Aufenthaltsraum für Manager verzieht. "Wir werden nicht kaufen." murmelt der PJ. "Nein", stimme ich ihm zu. "Wir haben ohnehin schon all die alte Technik, die wir brauchen." "Hmmm ...." Der Verkäufer hat mit dieser Situation gerechnet. "Kann ich noch etwas für sie tun?" "Nun, ich hätte gern noch ein Bier für den Anfang", lächelt der PJ und giesst die Reste seines letzten Glases seine Kehle hinunter. "Für mich auch", stimme ich zu. ZWEI STUNDEN SPÄTER ... "Also, lassen sie uns noch einmal darüber reden", platzt der Chef heraus. "Wir sollten ein paar Terrabyte Festplatten kaufen und sie in unser altes VAX-System einbauen? Aber niemand nutzt das noch, also wäre das doch sinnlos!" "Nein, das ist es nicht. Hören sie", erkläre ich langsam und versuche, ihn nicht anzublicken, damit er nicht riecht, was ich zuletzt getrunken habe. "Es wird weniger Beschwerden geben, wenn niemand sie nutzt." "Uh?" Es sieht so aus, als müsse ich die Logik ein wenig missbrauchen und direkt auf das Ziel losgehen. "Denken sie an die 'Durchschnittliche Zeit zwischen Speicherfehlern'. Denken sie an 'Verfügbarkeitserwartungen der Nutzer' und die 'Verfügbarkeit der Services'. 'Erweiterte Modularität'. Denken sie an 'Zuliefererunabhängigkeit' und 'Zeitversetzte Installation'. Denken sie an 'Planmässige Erneuerungen'." sage ich und schicke ein Dankesgebet an den Gott der Management-Schlagworte. "Nun, wenn sie es so erklären ..." Seine stolze Kapitulationserklärung wird durch einen kräftigen Schlag auf seine Schulter unterbrochen, für den der PJ verantwortlich ist, der alle Symptome eines fortgeschrittenen Alkoholüberschusses in seinem Blut zeigt. Seine Augen glänzen, als er hochkommt. "WWWISSSN SSSI, WWWSSS IIHHHR PPRBLLN STTT?" murmelt er undeutlich und gibt damit das weltweit gültige Signal für: 'Ignorieren sie alles, was ich sage, ich scheine vergiftet zu sein!'. "Na sowas! Ist das nicht Pamela Anderson?" lenke ich alle ab, während ich dem Abschaltknopf des PJ einen Tritt verpasse. Nun, zumindest schweigt er danach. Der nächste Tag bricht an, und ich fühle mich schlecht. Der PJ fühlt sich schlecht. Und auch der Chef fühlt sich schlecht (der Verkäufer hat die Kellner dafür bezahlt, ihren speziellen bolivianischen Wodka in den Diätfruchtsaft für den Chef zu mischen). "Ich nehme alles zurück", flüstert der Chef. "Anscheinend reagiere ich auch allergisch auf Curry." "Ich auch", stimmt der PJ zu. Bei der nächsten Gelegenheit gehen wir zu Luigi. Mit einer schönen Schüssel Pasta kann man nie falsch liegen. [[Neue Mitarbeiter, die herumgeführt werden, geben dem B.O.F.H. und seinem treuen Gefährten die Gelegenheit, ein paar (ungewöhnliche) Sicherungsmethoden vorzuführen - und den Chef ....]] Eines Morgens trottet der Chef mit etwa 20 Leuten im Schlepptau in unser Büro und überbringt uns 'gute Nachrichten'. Die gleichen Nachrichten, die er uns ALLE sechs Monate bringt ... "Simon", erklärt er überfreundlich (immer ein schlechtes Zeichen). "Das sind die Neueinstellungen der letzten sechs Monate. Ich stelle ihnen gerade in einem Kurs die IT-Abteilung vor." "Ein Kurs?" frage ich. "Wie bei einem Hinderniskurs?" Der Chef antwortet mit einem wohlwollenden Lachen. "Simon macht gern Scherze, meine Damen und Herren." "Ja", stimmt der PJ zu und taucht hinter den angetretenen Neulingen auf. "Zum Beispiel, als er eine Schaltuhr, ein paar bunte Kabel und noch diverse Leuchtgranaten in ihre Aktentasche schmuggelte, als sie nach Dublin fliegen wollten ...." Der Chef zuckt bei der Erwähnung dieser Angelegenheit zusammen - und ich könnte schwören, dass das auch für sein Hinterteil gilt. "Das war nicht sehr lustig." murmelt er. "Nun, ich habe viel gelacht." ruft der PJ. "Wie auch immer", fährt der Chef fort und starrt den PJ zornig an. "Ich möchte, dass sie der Gruppe den Rechnerraum zeigen." Als ein Zeichen des guten Willens reicht er mir eines seiner liebsten Spielzeuge, seinen Laserpointer. Seltsam - das ist beinahe so, als würde Obi-Wan sein Lichtschwert Darth Vader 'zum Saubermachen' überlassen. Unglücklicherweise zerstört Obi-Wan den beinahe heiligen Moment, als er im Hinausgehen über den Türpfosten stolpert und mit dem Schwung von C3PO in den Korridor stürzt. Trotzdem zeigt er auch nach seinem Sturz aus unerfindlichen Gründen Vertrauen in uns. Zunächst überlässt er mir unbeaufsichtigt eine Busladung Anfänger UND dann hat er mir etwas gegeben, dass ihm wirklich etwas bedeutet. Womit ich nicht sagen will, dass ihm die Angestellten nichts bedeuten würden, sie sind nur leichter zu ersetzen. Der Laserpointer dagegen kostet IHN 30 Pfund, weshalb ich auch sehr betrübt bin, als er mir unter Zeugen unglücklicherweise aus der Hand rutscht und durch eine Lücke in der Lifttür in den Fahrstuhlschacht fällt. Seufz. In der Zwischenzeit folgen die Anfänger mir, also sorge ich lieber dafür, dass sie etwas zu sehen bekommen. "Und das ist unser System für Sicherungskopien", rufe ich und deute auf ein roboterhaftes Monstrum, als wir das Herz des Rechnerraums betreten. Damit dürfte auch bewiesen sein, dass die Gerüchte, wir würden uns nicht um diese lebenswichtige Aufgabe kümmern, nicht stimmen. "Wofür war der Mülleimer unter dem Sicherungssystem?" fragt ein Neugieriger, als wir das Allerheiligste wieder verlassen haben und in unserem Büro stehen. Eine interessante Frage - ich hatte dem PJ gesagt, er solle das Anfertigen von Sicherungskopien einstellen, damit die Nutzer nicht Zeuge davon würden, wie die Sicherungsbänder aus der Bandmaschine in den Müll wandern. "Ah, der dient dazu, die Bänder zu sammeln, die wir ausserhalb des Hauses bei einem anderen Unternehmen verwahren", improvisiere ich. "Wir warten noch auf den richtigen Behälter für die Bänder, aber in der Zwischenzeit ..." "Und warum hat ihr Kollege sie dann einfach alle in den grossen Müllschlucker entleert?" fragt der Neugierige weiter. "Sicherheitsgründe." "SICHERHEIT?!" "Natürlich! Wenn wir unsere Bänder in den üblichen Hüllen transportieren würden, dann wären sie doch eine willkommene Beute für Diebe!" rufe ich. "Doch jetzt weiss niemand, wann die Bänder unser Haus verlassen." "Nun, sie wurden gerade von der Müllabfuhr abgeholt!" antwortet er und zeigt auf den LKW vor dem Fenster. "Das sieht nur aus wie ein Wagen der Müllabfuhr." seufze ich. "Es würde doch nicht überzeugend wirken, wenn ein Wagen der Datenaufbewahrungsfirma unseren Müll abholen würde, oder?" "Aber sie sammeln überall den Müll ein." bohrt er weiter. Es ist schon lustig, wie leicht es manchen Leuten fällt, sich unbeliebt zu machen. "Ja, ja, aber NOCH EINMAL, es würde verdächtig aussehen. Viele Dinge scheinen nicht das zu sein, was sie in Wirklichkeit sind. Wie dieser Handflächen-Scanner zum Beispiel." "Das ist kein Handflächen-Scanner - das ist doch ein Waffeltoaster!" Ich seufze erneut, diesmal etwas tiefer. "ES SIEHT aus wie ein Waffeltoaster. Ein Freiwilliger aus dem Publikum?" frage ich. Fünf Sekunden später ... "OHMEINGOTT!" rufe ich, um die Schreie zu übertönen. "Das ist wirklich ein Waffeltoaster! Der PJ muss den Scanner irrtümlich im Pausenraum installiert haben! Und, oh nein! Der Hauptschalter ist blockiert!" Als die Waffelhand zehn Minuten später der Sanitäterin übergeben wurde ... "Hat noch jemand Fragen?" Die Stille ist ohrenbetäubend und kündet von einer weiteren erfolgreichen Belehrung. Ich übergebe die Neulinge wieder dem Chef, damit er ihnen die übliche IT-Einführungsrede verpassen kann, und marschiere dann zurück ins Büro. "Ah, ich bin nur vorbeigekommen, um meinen Laserpointer zu holen", sagt der Chef, als er etwas später hereinschaut. Was zum Teufel! "Ach, der liegt auf dem Regal mit den Sicherungsbändern im Rechnerraum", antworte ich und taste nach dem Schalter, der den Kartenleser der Tür abschaltet. "Aber meine Karte funktioniert nicht!" ruft er. "Oh ja. Nehmen sie einfach den Handflächen-Scanner ..." [[Der Chef ist offensichtlich einer vom Typ 37b - mit mehr Ahnung vom Speichellecken als von Technik - doch trotzdem schafft er es, dem B.O.F.H. eine unfreundliche Überraschung zu bereiten ...]] Ich rieche die Probleme, sobald ich das Büro betrete. Es ist genau 11:30 Uhr. Nun, niemand kann ernsthaft erwarten, dass ich früher erscheine, denn ich war auf einer Verkaufsmesse und musste zuerst meine unrechtmässigen Gewinne nach hause bringen. Oder, um es anders auszudrücken, das fortschrittliche brandneue Testsystem für die hochmodernen interaktiven digitalen Multimedia-Dienste (wahlweise kann man natürlich auch andere Schlagworte benutzen, die nach Kapitalanlage klingen). Und die letzten Testpläne sahen vor, dass die Technik ihren Weg zu mir findet, um sie dazu zu nutzen, die neuesten DVDs für ein paar gute Freunde (natürlich gegen ein kleines Entgelt) vorzuführen. Bei meiner Ankunft im Büro lechze ich nach einer Tasse Kaffee. Ich funktioniere nämlich nur, wenn ich einen Schuss stärksten Kaffees hatte. Der PJ jammert zwar immer, dass die Menge Kaffee, die ich zu mir nehme, mich irgendwann noch einmal in ein völliges Nervenwrack verwandeln wird, doch was mich angeht, bin ich völlig apathisch bis ich meine morgendliche Dosis Koffein hatte. Der PJ sieht ängstlich aus, als ich ihm in der Bürotür begegne. "Der Chef will sie sofort sehen", sagt er und deutet mehr als eindeutig mit seinem Daumen in Richtung des Büros unseres neuen Meisters. "Er hat schon den gesamten Morgen damit verbracht, nach ihnen zu rufen." Das ist ein beunruhigendes Zeichen. Unser Chef ist erst einige Wochen bei uns, doch schon schnell wurde klar, dass er ein Exemplar vom Typ 37b ist (kann gut mit Schlagworten um sich werfen, mit denen er sich ständig vor den Chefs und dem Anführer der Erbsenzähler aufplustert, so dass er gar nicht mehr weiss, wie unsere Technik funktioniert). Seine Ahnungslosigkeit ist phänomenal. So schaffte ich es, ihm unsere stundenlange 'Beschäftigung' mit Doom damit zu erklären, dass wir eine neue 'Dial-up Object Oriented Machine' testen müssten. Und dann gab es da den Fall, als ein Vertreter, der meinem Cousin verdächtig ähnlich sah, ihm erklärte, dass Arcnet die kommende Technologie für Netzwerke sei, und ihm eine Ansammlung 'brandneuer' Technik verkaufen konnte, die er rein zufällig in seinem Ford Escort hatte. Ich persönlich kann die Rechnungsprüfung in diesem Quartal kaum erwarten - ganz speziell den Augenblick, zu dem man feststellen wird, dass ich ihm eine E-Mail mit einer Warnung vor diesem Geschäft 'geschickt' habe. Aber das ist etwas, auf das ich mich in der Zukunft freuen kann. Mich beschäftigt vielmehr, was der Chef im Moment vorhaben könnte. Die Besorgnis des PJs jedenfalls ist durchaus angebracht; jedes Gespräch mit dem Chef am Morgen bedeutet, dass wir eine VDBI (vor dem Bier-Idee) haben müssen - die schlimmste Sorte von Ideen, denn die Gedanken fliessen da noch nicht so frei wie die Gedanken nach dem ersten Bier. "Ah, Simon", begrüsst 37b mich überfreundlich (ein schlimmes Zeichen), als ich sein mit Eichenholz vertäfeltes Heiligtum betrete. "Ich habe nachgedacht." (Ein noch viel schlimmeres Zeichen.) "Das Netzwerk funktioniert seit einiger Zeit recht träge und scheint ein wenig Anschubhilfe zu brauchen." (Ein extrem schlechtes Zeichen - man möchte 'Anschubhilfe' niemals von jemandem hören, der schon Probleme damit hat, den TV-Kanal zu wechseln.) "Ich glaube, es wäre eine gute Idee, wenn wir jemanden einladen würden, der das Netzwerk unter die Lupe nehmen und uns Vorschläge zur Verbesserung der Leistung machen könnte." Ja, das ist eine Idee, aber keine, die mir Vergnügen zu bereiten vermag, oder, in diesem Falle, eigentlich jedem Lebewesen, das auf einer atmenden kohlenstoffbasierten Lebensform basiert. Wie auch immer, natürlich stimmt es, dass das Netzwerk in letzter Zeit etwas langsam war. Hat er denn keine Ahnung, welche Bandbreite ein Echtzeit-Videostrom erfordert - selbst wenn man Multicast benutzt? (Und davon abgesehen waren die Bilder des Marketing-Chefs und seiner 'kranken' Assistentin aus dem Sanitätsraum jedes Megabit pro Sekunde wert - selbst wenn darunter die Übertragungsgeschwindigkeit für andere Anwendungen litt.) Und das letzte, was ich in diesem Augenblick brauche, ist ein krötengesichtiger Schnüffler, der einen flüchtigen Blick auf unser System wirft und dann einen oberflächlichen Bericht zusammenkritzelt, der die Firma ruiniert. Das ist meine Aufgabe. Plötzlich bemerke ich, dass der Chef noch immer spricht. "... und bei der Messe habe ich diesen sehr interessanten Burschen kennengelernt. Er sagte mir, dass er sich sehr gern einmal unser Netzwerk anschauen würde. Und wenn er keine Vorschläge machen würde, die uns Geld sparen, dann müssten wir ihn nicht einmal bezahlen. Ich habe ihm erklärt, dass wir uns sehr um die Zukunftssicherheit unseres Netzes kümmern und deshalb Arcnet einsetzen werden. Darauf leuchteten seine Augen auf. Ich glaube, er war sehr beeindruckt davon, dass wir so fortschrittlich sind - er sagte auch, dass er mir kaum noch etwas beibringen könne." Das ist schlimm. Schlimm. Schlimm. "Also habe ich diesen Mann eingeladen, morgen bei uns vorbeizukommen und sich umzuschauen. Er heisst Arty Murray und sie sollten ihn nach Kräften unterstützen." ARTY MURRAY!! Dieser Mann ist eine Legende. Das ist das erste Mal, dass ich dem Bastard Consultant from Hell entgegentreten muss, und ich kann nicht behaupten, dass ich mich darauf freue. Es wird Zeit, einen Plan auszuhecken. Wird fortgesetzt ... [[Der B.O.F.H. verschwindet. Ist das das Ende ...]] Schweren Herzens schliesse ich mich in der sicheren Netzwerkzentrale ein, um diese Zeilen niederzuschreiben. Den Leser muss ich wegen meines Schreibstils um Vergebung bitten, da dies mein erster Versuch ist, meine Gedanken und Beobachtungen niederzuschreiben. Es ist mir nicht entgangen, dass mein Vorgesetzter so grosszügig war, unsere Abenteuer dem aufmerksamen Leser mitzuteilen, und so fühle ich als sein treuer Assistent nun die Verpflichtung, diese traurige Geschichte aufzuschreiben. Es war ein typischer Freitagmorgen. Ich war damit beschäftigt einen Nutzer mit der ETE (Empohlene Tagesdosis an Elektrizität) zu unterrichten, als meine 'Erziehungsmassnahme' durch das Versagen der Stromversorgung für die Rechner unterbrochen wurde. So aus der Umklammerung der Elektrizität befreit, entkam der Nutzer hinter dem B.O.F.H., dessen Hand auf der jetzt offenen Hauptsicherung lag. "Noch viel Arbeit?" fragte er und wirkte etwas abgelenkt, verwirrt. "Nein", antwortete ich und deutete hinter dem verschwundenen Nutzer her. "Dann wird es ihnen ja leichter sein, meinen Vorschlag anzunehmen, für ein paar Tage auf Tauchstation zu gehen." "Das ist nicht wieder der Scherz mit dem Camping-Urlaub, oder?" "Ich fürchte nicht. Haben sie jemals etwas von Arty Murray gehört?" "Nein ... Oh, warten sie - ist das nicht der Mann, der sich selbst als 'Netzwerk-Künstler' bezeichnet?" "Pinkel-Künstler trifft es wohl eher. Er schleimt sich bei einem oder zwei Chefs auf einer Messe ein und prüft dann mit deren Einverständnis von ausserhalb die WANs und LANs (als 'unabhängiger Sicherheits-Berater'). Dann kombiniert es diese Informationen mit denen, die er von den Managern bekommen hat, mit denen er Kontakt aufnahm." "Und ....?" "Und, unausweichlich, fabriziert er eine Sicherheitslücke und empfiehlt die Ausgliederung der GESAMTEN IT-Abteilung an ein neugegründetes Unternehmen, in das er involviert ist, das freilich zu dumm ist, localhost anzupingen. Und DANN, wenn diese Firma aufgegeben hat, lässt er sich selbst für diese Arbeit anheuern. Sie wissen vielleicht nicht, wie das ist, wenn man Angst um seinen Arbeitsplatz haben muss - aber jetzt, jetzt ist es soweit! Wenn ich diesen Mann schlagen kann, wenn ich die Computer-Gesellschaft von ihm befreien kann, dann kann ich mich ganz ruhig um eine neue Qualität meiner Arbeit kümmern - bessere Nutzerunterstützung, die Besatzung der Nutzer-Betreung, Tanzveranstaltungen im TV." "Natürlich nicht!" "Stimmt, ich liess mich gehen. Aber er ist eine Bedrohung, und er war HIER. Ich habe in den vergangenen Tagen seine Spuren verfolgt. Wir hatten unsere Begnungen im Netz, und nun ist er hinter mir her. Das ist jetzt eine persönliche Angelegenheit!" "Was wollen sie tun?" fragte ich. "Tun? Elementare Dinge, mein lieber PJ! Wir werden das Netz für ein paar Tage unbeaufsichtigt lassen, bis er sich selbst verrät. Er wird der Verlockung nicht widerstehen können, mit unserer Technik zu spielen." Und so geschah es dann auch. Wir buchten zwei Tickets in die Dritte Welt (Luton) und blieben dem Büro fern. Doch statt tatsächlich Urlaub zu machen schlichen wir in das Gebäude und besetzen die Notfall-Zentrale in der 6. Etage und schlugen die Zeit damit tot, dass wir unsere ausgedienten Satellitenschüsseln auf die Empfänger unserer Konkurrenz ausrichteten und sie mit hochfrequenten Strahlen 'bombardierten'. "Jaaaa!" rief der B.O.F.H. am zweiten Tag, als wir uns gerade über unser indisches Menü hermachten. "SEHEN SIE!" rief er und zeigte auf ein blinkendes rotes Licht auf dem Monitor. "Das ist er, er ist an der RH-Sinkleitung!" "RH-Sinkleitung? Was ist eine Sinkleitung?" "Das Gegenteil einer normalen Steigleitung", schnappte er zurück. "Wo das Abwasser abfliesst. Um Neugierige davon abzuhalten, an den Leitungen herumzuschnüffeln, sorge ich jedes Jahr dafür, dass eines der Rohre ein Leck bekommt. Kombiniert mit dem bemerkenswerten Mangel an Bodengittern kommt so immer ein überzeugender Haufen Abfall zusammen, der auch die Allerneugierigsten vom Schnüffeln abhält." "Warum?" "Weil ich dort die verschwundene Technik und grössere Bestechungssummen verstecke. Sie wissen ja, dass ich den Banken mit ihren durch Steuerhinterziehung erschwindelten Gewinnen misstraue." "RH-Sinkleitung?" "Es gibt vier Sinkleitungen im Gebäude. Links vorn, rechts vorn, links hinten und rechts hinten." "Und was ist in der Sinkleitung rechts hinten?" "Geld. All mein Geld. Über Jahre habe ich es angespart. Und es steckt in etwas, das aussieht wie ein riesiges Kanalisationsrohr." "Arty Murray hat das Versteck gefunden?" stöhnte ich. "Es sieht so aus. Ich werde besser einmal nachsehen!" "Ich begleite sie." "Nein, sie bleiben hier. Ich möchte nicht, dass jemand annehmen könnte, wir beide wollten die Firma verlassen." Mit diesen Worten griff der B.O.F.H. zum als Taschenlampe getarnten Elektro-Schocker, nahm ein paar Sprungseile und schritt davon. Ich wartete einige Zeit. Ich startete die Monitore der Überwachungsanlage, um seine Bewegungen zu verfolgen, doch konnte nichts sehen. Die Stromleitung für die Überwachungskameras war ausser Betrieb. Ausgerüstet mit einem batteriegetriebenen Tacker sprintete ich in die besagte Ecke des Gebäudes. Ich fand eine halbgeöffnete Tür, auf der "Reichenbach - Gebäudereinigung" stand. Offenbar ein Wortspiel. Als ich die Tür vollständig geöffnet hatte, erblickte ich die Überreste eines Kampfes, eine zersplitterte Latte hier, einen Tropfen Blut da. Aber es kam noch schlimmer. Eineinhalb Etagen weiter unten sah ich einen Kleidungsfetzen an einem Rohr, der nur vom T-Shirt des B.O.F.H. stammen konnte. Ich starrte in den dunklen Abgrund und rief seinen Namen. Doch meinen Rufen antwortete nur das Echo ... {{2000}} [[Der B.O.F.H. kehrt aus dem Totenreich zurück ...]] Es ist noch dunkel, als ich mir mit einer "Ersatz"-Magnetkarte Zutritt zu meinem künftigen EX-Arbeitsplatz verschaffe und nach einer kurzen Phase des vorgetäuschten Todes ins Büro schlendere ... Es gibt nichts besseres als den eigenen inszenierten Tod, um wieder Spass am Leben zu haben ... Als ich leise ins Büro schleiche, bemerke ich den PJ, Gott schütze ihn, in dessen Augen sich tatsächlich ein paar Tränen schleichen, als er meine Sachen zusammenräumt und in einer einfachen Pappschachtel verstaut - zu denen sich noch ein paar weitere 'Sachen' gesellen, als ich die Schublade zuschlage, in der seine Hand steckt. "Ich habe ihnen doch wieder und wieder gesagt, dass mein Eigentum tabu ist!" rufe ich. "A ... aber ... sie sind ... sie sind ..." stammelt er und zieht behutsam seine Finger aus der Schublade. "... lebendig und gesund?" vollende ich. "Aber .... was ist mit ..." "Arty Murray?" helfe ich erneut aus. "Als ich ihn zuletzt sah, fiel er durch einen glitschigen Abwasserkanal nach unten und landete in der Hauptabwasserleitung des Hauses. Möglicherweise ist er in die Themse gespült worden ... Das ist eben ein schmutziges Geschäft ..." "Wie konnten sie ...?" "Unversehrt entkommen? Nun, meine Chancen standen nicht gut, doch eine Schlinge aus Ethernet-Kabel (welches aus dem Kabelschacht zu entfernen ich ihnen schon vor mehr als einem JAHR aufgetragen hatte) war seltsamerweise in den Abwasserschacht gestopft, wo ich es theoretisch niemals finden würde ..." Der PJ schaut schuldig zur Seite, als ich fortfahre ... "Die Schlinge legte sich um eines meiner Beine, als ich abstürzte und verursachte weitaus weniger Verletzungen als ein fortgesetzter Sturz in die Tiefe. Aber machen sie sich keine Sorgen, für den Lohnausfall während meiner langen Abwesenheit (zum Zwecke der Gesundung) wird die Firma aufkommen müssen, wie auch für die extrem hohen Rechnungen meiner Ärzte J. Beam und J. Daniels." "OhIchfreuemichjasodasssiewiederhiersind!" freut er sich mit der Selbstbeherrschung eines Microsoft-Fans, der sich im Schlafzimmer seines grossen Meisters in Gatesland wiederfindet. "Die Dinge haben sich furchtbar entwickelt!" "Furchtbar?" frage ich. "Die IT-Abteilung wurde umstrukturiert, sie haben uns den Erbsenzählern unterstellt. Und zusätzlich haben sie eine Ausgabensperre über uns verhängt." "Also ist eigentlich alles normal, oder?" "DAS GLAUBE ICH NICHT!" ruft der Chef triumphieren, als er das Büro mit all dem Stolz und der Selbstsicherheit eines stattlichen Tieres mit grossen Stosszähnen betritt. Nach zehn Eimern Bier. "Wieso?" frage ich höflich. "Weil sie hier nicht mehr ARBEITEN!" ruft er fröhlich und zeigt auf die Klauseln in meinem Arbeitsvertrag, die sich auf unentschuldigtes Fehlen beziehen. "Natürlich arbeite ich nicht mehr hier - es war schön, ALS ich hier arbeitete. Aber jetzt habe ich mich auf einer grüneren, saftigeren Weide niedergelassen. Nebenbei, gibt es irgendwelche Jahr 2000-Probleme?" "Es ist ein Alptraum!" gibt der PJ zu. "Sie sagen es - sogar die Technik, die erst sechs Monate alt ist." "Ausgezeichnet! Also war meine Arbeit nicht umsonst." "Sie haben unsere Systeme sabotiert!" empört sich der Chef. "Natürlich nicht. Sie sagten, dass unsere Systeme auf Jahr 2000-Beschwerden vorbereitet sein sollen." Ich sagte, sie sollen beschwerde-FREI laufen!" "Nein, sie sagten ausdrücklich, dass sie auf Beschwerden VORBEREITET sein sollen. Ich weiss es, denn ich habe mir eine Kopie gemacht." "A ..." stammelt der Chef, der offenbar einen grossen Teil seines Vokabulars vergessen hat. "Fragen sie nicht mich nach IHREN Gründen! Und wenn sie glauben, die jetzige Situation sei SCHLECHT, dann warten sie auf den 29. Februar - einige Programme dürften sich in Viren verwandeln!" "Das werden sie reparieren müssen!" ruft er. "Bedaure, ich arbeite nicht mehr hier." "Doch, das tun sie!" "Ich kann nicht, ich bin tot - wie sie es in ihrer E-Mail an die Lohnbuchhaltung vor ein paar Monaten schrieben." "Wie haben ..." beginnt der Chef, doch beantwortet seine Frage gleich selbst - offenbar stand er doch etwas zu lange nicht mehr unter meinem Einfluss, doch das wird sich bis zum 29. Februar klären ... Es ist wohl unnötig zu sagen, dass von da an die Unterhaltung an Niveau verlor und damit endete, dass die Wachleute mir den Weg zur Strasse zeigten, wobei sie mir vorher noch meine Magnetkarte abnahmen. (Nun bleiben nur noch drei übrig, deren Wert ungeahnte Höhen erreichen dürfte, nachdem die Kartenleser für den Rest des Tages im Lösch-Modus arbeiten.) Also betrete ich den Arbeitsmarkt und finde auch innerhalb weniger Stunden eine passende Arbeitsstelle. Ein paar Stunden später hole ich meinen Anzug aus der Abstellkammer und nehme an einem Vorstellungsgespräch teil. Das Gespräch entwickelt sich gut - ich sage ihnen, was sie hören wollen, lache über ihre IT-Witze, die so alt sind, dass sie in Blindenschrift auf der Rückseite einer alten UNIVAC stehen könnten, und beeindrucke sie durch meine weitläufigen Computerkenntnisse. Eckelerregend, ich weiss, aber es musste sein. "Nur noch eine Frage", melde ich mich zu Wort. "Wie halten sie es mit der Einführung neuer Technologien?" "Wir glauben an das Wachstum und an den Fortschritt. Und mit ihnen können wir eine Führungsposition einnehmen. Natürlich wird das unsere Ausgaben ein wenig erhöhen und für sie bedeuten, dass sie manchmal herumreisen müssen, um die für uns passende Lösung zu finden, doch diesen Preis muss man zahlen, wenn man die Konkurrenz schlagen will." "Geld und Reisen, mein liebstes Wortpaar ... Schneller als man 'Ich bin im Team!' sagen kann, bin ich im Team. ... "Und hier ist ihr Arbeitsplatzrechner - ein kostspieliges Ding, aber etwas schnelleres und aktuelleres gibt es kaum, glaube ich." "Das ist ein Digital VT1000 'X'-Terminal! Die werden gar nicht mehr hergestellt!" "Ja, sie werden gerade überarbeitet, um weiterhin ihren Technologievorsprung halten zu können, hat uns unser Berater erklärt." "Aber das ist ein Monochrom-Monitor!" "Ja, zu schnell für Farben, hat er gesagt." Einen schnellen Blick in den Rechnerraum (voller VAX-, Sparc 1- und ein paar NEXT-Rechner) und ein Gespräch von Mann zu Mann später ist er darüber im Bilde, welchem Betrug sie zum Opfer gefallen sind. "Was sollen wir unternehmen?" "Nun, es gibt viel Arbeit. Das werde ich nicht allein schaffen können. Wir werden einen IT-Manager brauchen ..." ... "Yep?" meldet sich der PJ knapp und unfreundlich. (Ich bin so stolz auf ihn, dass er ein so gute Schüler ist.) "Hallo, hier ist die günstige Gelegenheit, die an ihre Tür klopft. Und sagen sie es auch dem Chef. Ich hörte da etwas von einer freien Position, für die er sich interessieren könnte - vor dem Ende des Februars." Es ist wie in der alten Zeit - und ich sitze wieder am Steuer ... [[Gesucht: Bastard Operatoren zur Besetzung der Nutzer-Betreuung ...]] Der PJ hat sich zu mir an meinem neuen Arbeitsplatz gesellt, nachdem man den ihn wegen "technischer Differenzen" "gehenliess". Offenbar dachte er, der Laptop des Geschäftsführers würde den Sturz durch das Fenster des Beratungszimmers der Geschäftsleitung überleben, was alle anderen nicht glaubten. Tatsächlich irrte sich der PJ nicht ... dank der 'unerwarteten' Anwesenheit eins ärgerlichen Wachmannes, der die Fensterbretter nach einem anonymen Anruf auf potentielle Selbstmörder absuchte und den Laptop auffing. Und so sitzen wir beide nun in einem Kennenlern-Treffen, bei dem uns unsere neuen Kollegen vorgestellt werden. Und was für ein bunter Strauss sie sind. Da gibt es ein paar altertümliche Code-Hacker, die aussehen, als hätten zum Entwicklerteam des Atoms gehört, einen Schraubenzieher-Magier, der bei Unfällen mit Stromschlägen schon mehr Volt eingefangen hat als ein Todeskandidat, der erfolgreich auf dem elektrischen Stuhl sass, und drei kriecherische Typen, die einfach Berater sein MÜSSEN. "Wo sind die Leute von der Nutzer-Betreuung?" fühle ich mich verpflichtet zu fragen, als die Besprechung loszugehen scheint und ich mit dem PJ ein paar Wetten darüber abgeschlossen habe, wer nun wer ist. "Oh, es gibt keine Nutzer-Betreuung in DIESEM Sinne", erklärt der Berater Nummer 1. "Da gibt es uns drei Applikations-Integratoren", (der PJ reicht mir fünf Pfund herüber), "die Hardware-Betreuung", (und weitere fünf Pfund, als er auf den Volt-Mann zeigt), "und unsere Programmier-Ingenieure", (zehn Pfund für das Hattrick). "Und alles, was WIR nicht lösen können, leiten wir an den System-Betreuer weiter. Die System-Betreuer, SIE!" Also müssen wir wohl mit vielen Fragen über Schnürsenkel, Ein/Aus-Schalter und das Leben ganz allgemeinen rechnen. "Es gibt also keine Nutzer-Betreuung?" "Nein. Die Leute rufen sie an. Das hat bisher immer hervorragend funktioniert", erklärt unser neuer Abteilungsleiter, der den Raum ganz im Trend der Zeit mit Verspätung betritt, seinen persönlichen Disorganizer in der Hand. "Dann brauchen wir Telefone." "Es gibt Telefone in ihrem Büro." "Nein, da sind keine. Nur ein paar Schreibtische und Stühle." antworte ich. "Und Computer", erwidert der Abteilungs-Chef und meint damit offenbar den Anker-Ersatz, den der PJ und ich am Morgen aus dem Nachbargebäude abgeworfen haben, um es mit der Strasse zu verbinden. Nach den Telefonen ... "Computer?" fragt der PJ unschuldig. "Ja, das Neueste vom Neuesten, das wir erst vor einem Jahr von unserem Lieferanten bekamen. Angeschlossen sind sie an die USV neben ihrem Schreibtisch." "USV?" erwidere ich mit engelhafter Unschuld. "Sind sie sicher, dass sie über das richtige Büro sprechen?" fragt einer der Berater, der die Situation lösen will. "Natürlich, mein Name stand an der Tür!" antworte ich. Zehn Minuten (und einen Massenauflauf in unserem Büro) später ist es offiziell. Wir wurden ausgeraubt!!! Die Diebe haben sich offenbar am Wachdienst vorbeigeschlichen und alte Technik gestohlen, die Telefone, ein paar sehr schwere USVs (So schwer, dass wir zweimal Verschnaufpausen einlegen mussten.) und das Buch mit der Besucherliste. Es ist wirklich unglaublich. "Diese Hunde!" ruft der PJ pathetisch und versucht, etwas positives aus der Tragödie zu machen. "Sie haben meinen Walkman mitgenommen!" "Machen sie sich darüber keine Sorgen", kommentiert der Abteilungsleiter. "Die Versicherung der Firma deckt Verluste persönlichen Eigentums ab." "Grosser Gott! Ich hoffe, sie haben nicht noch meinen ... tragbaren DVD-Spieler und die Sammlung neuer Filme mitgenommen!!!" jammere ich, als ich das offene Tor sehe ... "Oh NEIN!" Ein paar skeptische Blicke werden auf mich geworfen, aber diesmal habe ich eine plausible Entschuldigung. "Damit wollte ich mich selbst für die neue Arbeitsstelle belohnen!" Der PJ ist empört (weil er jetzt nicht mehr weitermachen kann ... das wäre mehr als verdächtig), aber es sieht so aus, als werde meine Erfindung akzep ... "Haben sie die Quittungen noch?" fragt unser hilfreicher Berater Nummer 1 kurz bevor ihm eine schwere Festplatte auf den Fuss fällt, die etwas unsicher ausbalanciert auf der Tischkante gelegen hat - wie man das von schweren alten Festplatten erwarten kann. Und als wäre das nicht schon genug, stolpert der PJ auch noch über ein Bücherregal, als er Hilfe leisten will und stattdessen eine Ohnmacht auslöst. "Ach du liebe Zeit", murmelt der PJ entschuldigend. Berater Nummer 2 und 3 bieten Erste Hilfe an, indem sie über Schock und ähnliches reden ... das ist sehr nützlich, als Berater Nummer 2 in Kontakt mit einer Büroklammer kommt, die es irgendwie geschafft hat, ihre beiden Enden in die Steckdose an der Wand zu schmuggeln ... ... weniger nützlich sind die Tips, als Berater Nummer 3 die Starre als Parkinsonsche Krankheit fehldiagnostiziert und versuchte Nummer 2 in einen Stuhl zu helfen ... Kein schlechtes Ergebnis für den ersten Arbeitstag ... Alle überlebten (leider) .... mit Ausnahme eines uralten Programmier-Ingenieurs, der still in seiner Ecke sass ... oder, um es zu präzisieren, still und leise tot war ... es ist nicht einfach, bei diesen Leuten die Unterschiede festzustellen ... Dabei gehörte er gar nicht zu uns ... er hatte an einer früheren Beratung teilgenommen und war unbemerkt auf seinem Stuhl verstorben. Offenbar hat ihn niemand vermisst ... "Und habe sie Erfahrung mit Windows?" frage ich. "3.1 - ja. Und ich habe Windows 95 ein- oder zweimal benutzt." NÄCHSTER! "Ein Nutzer hat ein Browser-Problem. Welches ist die erste Frage, die sie ihm stellen würden?" will der PJ wissen. "Welches Magazin er liest?" NÄCHSTER! "Eine Nutzerin hat gerade ihr Passwort für Windows NT geändert und kann sich nun nicht mehr anmelden. Könnte es daran liegen, dass sie die Feststelltaste betätigt hatte, bevor sie das neue Passwort festlegte?" frage ich und gebe dabei gleich einen Hinweis auf die korrekte Antwort. "Nein, wahrscheinlich war es ein Hackerangriff. Nein, bestimmt ist es ein Virus!" ... "Wie ist es gelaufen?" fragt der Abteilungsleiter am Ende des Tages. "Nun, sie sind alle so .... ... ... so gleich", erwidert der PJ. "Und was haben sie gemacht?" "Das, was wir immer in solchen Situationen tun." "Nicht den mit dem grössten ...." "Nein, wir haben Zettel mit Namen aus einem Hut gezogen. Sie beginnen nächste Woche." Und das gilt auch für den Krieg ... [[Der B.O.F.H. enttarnt den Drucker-Zerstörer ...]] Es läuft wieder alles wie gewohnt an meinem neuen Arbeitsplatz - und zwar so schlecht wie erwartet. Die Rechner und das Netzwerk sind so alt, dass sie sich für eine Pensionierung (und einige Behinderungen) qualifiziert haben. Die neue Besetzung der Nutzer-Betreuung erfüllt all unsere Erwartungen und neigt dazu, alle Anrufer, die eine etwas schwierigere Frage stellen, mit einem Computer-Fachbegriff an uns weiterzuleiten. Es wird also Zeit für etwas Umschulung. Und in der Zwischenzeit sind ein paar Anrufe zu beantworten. "Hallo, ist dort die Netzwerk-Betreuung?!" will eine Stimme wissen. "Ja, wie kann ich ihnen helfen?" frage ich so freundlich wie es geht. "Der verdammte Drucker im dritten Stockwerk ist schon wieder ausgefallen." "Was meinen sie mit 'ausgefallen'?" "Er druckt nicht. Er druckt NIE! Sie reparieren ihn und eine Stunde später ist er wieder kaputt!" "Aha. Um welchen Drucker geht es genau?" "Den grauen." "Ja, aber welcher Drucker ist das?" "Der Drucker, der unter dem Fenster steht." "In Ordnung, nehmen sie einfach an, ich sei neu hier und habe KEINE Ahnung, worüber sie sprechen. Wissen sie, wie der Drucker im Netzwerk heisst oder um welchen Typ es sich handelt?" "Es ist ein Laserwriter II." >Raketentechnik-Alarm< "Nein, ich meinte, welchen .... ... ach, vergessen sie es. Fällt er immer aus?" "Ja, IMMER nach der Reparatur." "Richtig. In diesem Fall gehen sie bitte in den Drucker-Raum, stemmen sie ihn hoch und lassen sie ihn auf den Boden fallen." "Verzeihung?" "Werfen sie ihn auf den Boden. Das Gerät basiert auf einer Canon-Maschine und die sind sehr robust. Am besten stellen sie sich auf den Tisch und werfen den Drucker dann herunter. Zwei- oder dreimal sollte ausreichen. Dann sagen sie, er sei heruntergefallen oder etwas ähnliches." "Das kann nicht ihr Ernst sein!" "Sehen sie, der Drucker hat ungefähr 5 Squillionen Seiten gedruckt und leidet nun unter elektrischer Arthritis. Er wird solange nicht ersetzt werden, wie er noch repariert werden kann. Wenn ich etwas repariere, wird er früher oder später wieder ausfallen, oder?" "Ich schätze, sie haben ..." "Natürlich sage ich die Wahrheit, ich bin der Netzwerk-Betreuer. ABER wenn sie dem Gerät eine gewisse Gravitäts-Wartung verpassen, dann wird der Drucker dabei so ruiniert, dass er nicht mehr repariert werden kann, und sie bekommen einen schönen neuen Drucker - möglicherweise sogar einen Farbdrucker, damit sie Miss Kournikova in all ihrer ..." "Woher wissen sie ...." keucht er. (Ein völliger Anfänger.) "... natürlichen Schönheit sehen können. Und er wird auch so schnell drucken, dass sie nicht mehr bis nach Dienstschluss warten müssen, um die Bilder auszudrucken!" "Ich ...." "Sie sehen, worum es mir geht? Natürlich tun sie das." "Aber sie werden ..." "Nichts tun. Sagen sie einfach, der Drucker hätte nicht richtig auf dem Tisch gestanden. Damit ihre Aussage glaubwürdig wirkt, müssen sie dafür sorgen, dass einige ihrer Kollegen erklären, sie seien ein wenig zu pedantisch und könnten Unordnung nicht ausstehen. Nichts schlimmes, aber sie stehen hinterher gut da!" "Aber man wird sagen, dass ich mit Vorsatz gehandelt habe!" "Biiiettteee! Wer würde denn annehmen, sie hätten einen Vorsatz gehabt? Man muss doch verrückt sein, wenn man das glaubt. Natürlich wird man ein wenig nachforschen, aber, wie ich schon sagte, das könnte ernsthaft nur ein Verrückter behaupten. Aber vergessen sie nicht zu erwähnen, dass sie Ordnung lieben und der Drucker etwas schief auf dem Tisch stand, sonst könnte es wirklich etwas verdächtig klingen, wenn sie sagen, sie hätten ihn nur zurechtrücken wollen ..." "Sie glauben, dass das funktionieren könnte?" "Ich WEISS, dass es funktioniert!" "Warum tun sie das dann nicht?" "Ich habe schon einen Farbdrucker, und er druckt auch Hochglanzbilder. Mit dem, was ich ihnen gesagt habe, und dem Beschichter in der vierten Etage können sie sich sogar wasserfeste Bilder für ihr ..." "Ich werde es tun!" "Ausgezeichnet - und denken sie immer an ihre Ordnungsliebe." "Ja!" Ich lege auf und rufe den Wachdienst an - wie in alten Zeiten. "Hallo." "Hallo", rede ich los. "Simon, Netzwerk-Betreuung. Ich habe herausgefunden, wer all die Drucker im Haus zerstört. Er hat mich angerufen und mit seinen Taten geprahlt. Ich konnte den Anruf in die dritte Etage zurückverfolgen, ich glaube, er will sich über die Drucker dort hermachen!" "Darum werde ich mich sofort kümmert!" antwortet der Wachmann, wirft den Hörer auf die Gabel und rast zweifellos mit Höchstgeschwindigkeit zum Lift. Ich sorge dafür, dass ich rechtzeitig vor Ort bin, um das grosse Finale nicht zu verpassen, als mein Anrufer einen Schlagstock in die Leiste gerammt bekommt und einen schnellen Ausflug in die Sicherheits-Zentrale unternimmt. "Er war immer sehr unzufrieden mit dem Drucker", erklärt mir das freundliche alte Mütterchen am Einlass etwas später. "Aber ich hätte nicht gedacht, dass es dazu kommen wird. Er leidet unter dem kranken Zwang, Drucker zu zerstören, müssen sie wissen!" "Das ist traurig, nicht wahr?" antworte ich und lasse mitleidig meine Magnetkarte aufblitzen. "Wo war doch gleich sein Büro? Ich sorge lieber dafür, dass sein PC gesperrt wird." Sie erklärt mir, wie ich seinen Arbeitsplatz finde, und ich schlage etwas Zeit damit tot, dass ich seine Dateien lösche. Mit Ausnahme der Kournikova-Bilder natürlich, die ich in unser öffentliches Verzeichnis verschiebe, wo sie sich zu all dem anderen guten Material gesellen. Und um noch ein paar Nägel in seinen Sarg einzuschlagen, lösche ich auch ein paar Dateien auf dem Server seiner Abteilung, auf die er Zugriff hat, und schalte dann den Rechner ab. ... "Klingt für mich wie ein typischer 'Unterprivilegierter Nutzer-Komplex'. Wir hatten schon einige solcher Fälle." erkläre ich dem Chef am Telefon. "Irgendwann ändern sie sich plötzlich und versuchen, das System von innen heraus zu unterwandern." "Furchtbar", stimmt der Chef zu. "Aber ist das ein Einzelfall?" "Das ist schwer zu sagen", murmle ich und verteile etwas hitzeempfindlichen Klebstoff auf der Rückseite eines weiteren Blattes Papier und suche nach dem Zufallsprinzip einen Drucker aus. "Wirklich schwer zu sagen ..." [[Der B.O.F.H. geht nach Hollywood ...]] Ich bin nicht besonders gut gelaunt - aber das ist ja nicht besonders neu, oder? Ich hatte vor, mich für einen Auffrischungskurs in Erster Hilfe anzumelden (in meinem Beruf ist es immer besser, wenn man auf der sicheren Seite steht - schliesslich kann man nie wissen, wie sich die Dinge entwickeln), musste aber leider herausfinden, dass ich mich nicht anmelden kann, weil ohnehin schon zu viele Mitarbeiter einen Kurs in Erster Hilfe gemacht haben. Also werde ich darauf warten müssen, dass einer der derzeitigen Helfer die Firma verlässt, um zwei bezahlte Arbeitstage in der Kneipe verbringen zu können - ups, ich meinte natürlich die Erweiterung meiner Erste Hilfe-Kenntnisse ... Nun gut, Geduld ist eine Tugend, und alles guten Dinge finden ihren Weg zu dem, der wartet. UND - man gewinnt und verliert, was ich auch dem PJ erkläre, als wir Strohhalme ziehen, um herauszufinden, wer seine Hand in der Tür einklemmen muss, damit wir sehen, wer zur Zeit ein Zertifikat zum Leisten Erster Hilfe hat ... "Bastard!" kommentiert der PJ, der traurige Verlierer, als ich die Reste eines abgebrochenen Strohhalms in den Mülleimer schmuggle, wo er sie nicht finden kann. Geschieht ihm recht, wenn er nicht professionell genug ist zum Schummeln. Doch dann sehe ich die anderen Reste eines abgebrochenen Stohhalms im Mülleimer ... Ich will den PJ gerade wegen seines mangelnden Sportsgeistes schelten, als der Chef mit Höchstgeschwindigkeit hereinstürmt (zehn Fuss in vierzehn Tagen), um die ausgedruckten Seiten zu diskutieren, die er im Ausgabeschacht des Druckers gefunden hat. Das erinnert mich daran, dass ich am Morgen an einem Manuskript für einen Film mit dem Titel 'Ein paar gute Chips' gearbeitet habe, in dem Jack Nicholson mich spielen soll, Demi Moore die Rolle der schönen Unbekannten und Tom Hanks den Chef. (Ursprünglich hatte ich an Tom Cruise gedacht, aber das wäre wohl doch eine Fehlbesetzung.) "Was ist das?" fragt der Chef und reicht mir einen Stapel Papier. Ich blättere zum Ende meines Lieblingsabschnittes ... B.O.F.H.: "Sie wollen Antworten?" Chef: "Ich glaube, ich habe ein Recht darauf!" B.O.F.H.: "SIE WOLLEN ANTWORTEN?" Chef: "Ich will die Wahrheit!" B.O.F.H.: "SIE KÖNNEN DIE WAHRHEIT NICHT VERKRAFTEN! Sehen sie, Prozesse werden von einem System mit begrenzten Ressourcen ausgeführt. Ressourcen, die von Menschen kontrolliert werden, die Erfahrung als Systemadministrator haben! Wer soll sich um das System kümmern? Sie? Oder etwa der Mann aus der Nutzer-Betreuung, der soviel geifert, dass er mit einem Lätzchen herumläuft? Ich habe mehr Verantwortung als sie sich vorstellen können. Sie jammern wegen beendeter Programme und verfluchen den Administrator dafür - geniessen sie diesen Luxus! Geniessen sie das Privileg, nicht zu wissen, was ich weiss - dass beendete Programme, so tragisch das auch ist, Ressourcen schonen. Und meine Existenz - auch wenn sie sie einiges kostet und sie den Sinn nicht erkennen können - schützt eben Ressourcen! Sie wollen die Wahrheit gar nicht wissen, weil ich dann Worte benutzen müsste, die sie niemals verstehen könnten. Sie WOLLEN, dass ich mich um die Systeme kümmere? Nein, sie BRAUCHEN mich für die Systeme! Wir benutzen Worte wie "E/A Wartezeit", "Seitenfehler" oder "CPU-Zeit" als Fundament eines Lebens, das wir der Beseitigung von Nutzer-Problemen gewidmet haben. Sie benutzen sie bei Beratungen mit anderen Managern dazu, um fachliche Kompetenz vorzuheucheln. Ich habe weder die Zeit noch die Neigung mein Handeln einer Person zu erklären, die das Netzwerk, für dessen Funktionieren ich sorge, nur benutzt und dann WISSEN will, auf welche Art und Weise ich es pflege. Wenden sie sich doch an die Nutzer-Betreuung. Die ist für sie da! Oder lesen sie ein Linux-Handbuch für Administratoren und beobachten sie die Performance-Monitore. Wie auch immer, es interessiert mich nicht, worauf sie glauben, einen Anspruch zu haben!" Chef: "Haben sie den Datenbank-Server abgeschossen?" B.O.F.H.: "Ich habe meine Arbeit gemacht - ich habe dafür gesorgt, dass das Netzwerk funktioniert und genügend Ressourcen zur Verfügung stehen!" Chef: "Haben sie den Datanbank-Server abgeschossen?!" B.O.F.H.: "SIE HABEN VERDAMMT RECHT! DAS HABE ICH GETAN!" ... Nachdem ich die Seite angeschaut habe, beantworte ich die Frage des Chefs. "Das ist ein Ausdruck eines Filmmanuskripts. Einer der Angestellten muss es ausgedruckt haben." Ich werfe es in den Mülleimer, damit er nicht auf die Idee kommt es zurückzufordern und gehe dann in die Offensive. "War das schon alles, was sie wissen wollten?" "Nein, nein. Es hat sich offenbar jemand darüber beschwert, dass sie ein Band mit Daten, das ihnen anvertraut wurde, gelöscht haben mit der Begründung, das sei eine Massnahme zum Schutz vor Viren ..." "Und haben wir einen Virus auf dem Band gefunden?" "Natürlich nicht - das Band war ja gelöscht!" "Klingt nach einem guten Virenschutz, oder?" "Sie können doch nicht die Daten der Leute löschen, wenn sie ..." "Wir haben die Daten nicht gelöscht. Das Band war leer, als wir es bekamen", sage ich, um seine Erregung zu mildern. "Und was ist mit dem zweiten Band, dass sie geprüft haben, bevor sie es ihnen brachten?" "Es gab kein zwei ..." beginne ich, doch dann bemerke ich, dass der PJ sich auffallend interessiert mit den Deckenplatten beschäftigt. "Es gab keine weiteren Daten auf diesen Bändern. Nur die Namen, aber sonst nichts." "Ich werde es ihnen zeigen!" mischt sich der PJ schliesslich ein und schiebt den Chef in den Rechnerraum, um ihm die Bandschränke zu zeigen. Kaum eine Minute später ist er zurück ... allein. "OhmeinGott!" keucht er. "Es hat einen furchtbaren Unfall gegeben. Ein Schrank voller Bänder ist umgefallen und hat den Chef unter sich begraben!" Mission erfüllt. Wenige Sekunden später sind all die Erste Hilfe-Profis der Abteilung im Recher-Raum versammelt, um über die beste Behandlungsmethode für die eingequetschen Füsse des Chefs zu diskutieren. ... "Seltsam, dass das Feuerlöschgas aktiviert wurde", wundert sich der PJ später, als wir in der Kneipe über die Kündigungen zweier Helfer sprechen. "Ja, wirklich tragisch. Übrigens - wollen sie ein Erste Hilfe-Zertifikat?" "Was muss ich dafür tun?" "Nun, für den Anfang sollte ein weiteres Bier für mich ausreichen ..." [[Der B.O.F.H. bestellt einen himmlischen Quake-PC ...]] Ich probiere Quake 3 auf meinem neuen Rechner (also das Exemplar, das mir der Chef überlassen hat, als er einen neuen Rechner bekam) aus und muss feststellen, dass er so langsam ist, dass die Figuren auf dem Bildschirm beinahe einschlafen. Also trenne ich den Prozessorlüfter von der Stromzufuhr und warte darauf, das der Rechner den verdienten Tod stirbt. Natürlich, es handelt sich um einen durchaus brauchbaren Arbeitsplatz-PC (nur ein paar Monate alt, allerdings ist seine Farbe nicht mehr modern), so dass ich mich eigentlich nicht beschweren sollte. "Das ist der schlimmste Müll, mit dem ich jemals arbeiten musste!" beschwere ich mich natürlich trotzdem beim Chef. "Die Grafikdarstellung ist einfach schrecklich!" "Sie betreuen das Netzwerk - wozu brauchen sie da gute Gafiken?" antwortet er in einer Stimmung, die man wohl als mürrisch bezeichnen kann. "Für den SNMP-Monitor zum Beispiel. Gerade habe ich nämlich zwei Datenbank-Server neu gestartet, weil ich dachte, die Farbe ihrer Icons auf dem Monitor hätte sich von orange zu braun geändert!" "Wann war das?!" fragt der Chef, der sich sofort Sorgen wegen der Flut der Beschwerden macht, die ganz sicher auf seinem Anrufbeantworter auf ihn warten. "Sobald ich in mein Büro zurückkehre. Möglicherweise ..." "Ist das eine Drohung?!?" "Natürlich nicht. Wir drohen nicht! Wir machen Versprechungen, ja, aber keine Drohungen." Als der Chef sieht, in welche Richtung die Unterhaltung entwickelt, schaltet er in den Spendier-Modus um .... "Und was würde sie denn aufheitern?" "Ein paar 3D-Grafikkarten wären ganz gut", sage ich und beschreibe ihm ein paar 32 Megabyte-Karten, die geradezu darum BITTEN, ein wildes Gemetzel anzeigen zu dürfen. "Hmmm, dann füllen sie einen Bestellschein aus und ich unterschreibe ihn dann." ... Mein siebter Sinn (Aufspüren von Tricksereien) schlägt Alarm. Offenbar will er mich aus irgendwelchen Gründen so schnell wie möglich loswerden. Es wird Zeit, die Initiative zu ergreifen. "Nun, da gäbe es nur noch ein Problem. Diese Grafikkarten sind nicht zur ASIJMU-Technologie kompatibel, auf der unsere Rechner basieren." "ASIJMU?" "Asymmetrische Sychronisat..." >>DUMMY MODE EIN<< "Was wird es kosten?" unterbricht er mich, bevor ich mir einen zur Abkürzung passenden Standard ausdenken kann. "Ein Rechner, der kompatibel ist? Da kämen ein gut zwei Tausender zusammen." "ZWEITAUSEND PFUND!" keucht er. "Aber es IST eine zukunftssichere Technologie!" antworte ich defensiv. "Und, nebenbei, ich könnte dem PJ meinen alten Rechner überlassen, damit er sich glücklich fühlt ..." Zum Schluss gibt der Chef auf. Und das bestimmt nicht nur, weil er Angst davor hat, dass ich auf seine Seite des Schreibtischs komme und all die Browserfenster mit den Pornoseiten sehe. (Eine Reflektion in seinen Brillengläsern.) "Also haben sie vielleicht ein Bestellformular?" frage ich und bin mir sicher, dass die Browserfenster schliessen und seinen guten Willen schneller verlieren würde als OS/2 seine Bedeutung, wenn ich ihn jetzt ohne ein unterschriebenes Formular verlasse. "Nein, aber die Sekretärin hat ein paar für sie." Eine gute Antwort, doch nicht gut genug. Zeit, den Druck etwas zu erhöhen ... "Drucken sie sich doch einfach noch eins aus, bevor sie es vergessen", schlage ich ihm vor und gehe auf seinen Monitor UND den Drucker zu, in dessen Ausgabeschacht ein paar Blätter liegen, die anscheinend gerade gedruckt wurden. "AH! Ich wusste es doch", platzt er heraus und öffnet eine Schublade seines Schreibtischs. "Hier habe ich doch noch ein Formular." Er wartet ungeduldig, während ich das Formular so ungenau ausfülle, dass ich damit selbst einen Fernseher kaufen könnte. Als ich seine Unterschrift habe, verziehe ich mich schnell ... ... und rufe einen dieser Händler an, die immer wie Geier im Western auf ein Opfer lauern, um ihm zu sagen, was wir wollen. Und dann geht es los. Dieses Ritual, das an einen Autokauf erinnert ... "Wofür brauchen sie den Rechner denn?" Das ist der erste Weg, mir WIRKLICH auf die Nerven zu gehen. Der Verkäufer, der seinen Posten vor drei Wochen bekommen hat, entschliesst sich, meine Bestellung zu ignorieren, um mir einen Computer zu verkaufen, den ER will, wobei er mit Fachworten um sich wirft, um seine mangelnden Kenntnisse zu kaschieren ... "DHCP-Server", rufe ich genervt ins Telefon. (Aber noch immer nicht genervt genug, um 'Exchange-Server' zu sagen, um wenigstens Mitleid zu ernten.) "Dafür brauchen sie doch nicht die bestellte Grafikkarte!" "Doch, die brauche ich! Digital High Convergence-Peripherie-Geräte sind von einer guten grafischen Präsentation abhängig", antworte ich und laufe zu kreativer Hochform auf. "Digital High Convergence-Peripherie? Ich dachte, sie meinten Dynamic Hos ..." "Ein alter Hut. Das hier ist der neueste Schrei." "Also werden sie viel Festplattenplatz brauchen?" "Natürlich." "Gut, aber brauchen sie wirklich ein so kleines Gehäuse - wie wäre es mit einem Tower-Gehäuse, in dem viel Platz für weitere Laufwerke ist? Für nur zwanzig Pfund Aufpreis?" "Ich brauche keine zusätzlichen Laufwerke, sondern nur die beiden 72 Gigabyte-Festplatten, die ich bestellt habe." "Und wie wäre es mit einem Dual-Prozessor-System - ich könnte ihnen ein grossarti ..." "Ich brauche keine Dual-Prozessoren." "Und eine RAID-Karte - schützen sie ihre Daten mit ..." "Wenn ich RAID gewollt hätte, hätte ich eine solche Karte bestellt. Erinnern sie sich überhaupt an die Bestellung?" Und so weiter und so fort bis wir endlich den Rechner zusammengestellt haben, den ich vor dem Gespräch mittels Fax bei ihm bestellt habe ... ... Zwei Wochen später trifft der Rechner ein. Ein Tower-Gehäuse mit drei Extra-Festplatten, einer RAID-Karte zu einem Preis, dessen Höhe wohl schwer zu schlagen sein dürfte. Ich rufe also den Händler an, und er stimmt nach einigen faulen Ausreden ('Wir haben ihnen versehentlich den falschen Rechner geschickt - aber sie können sich noch anders entscheiden.') schliesslich zu, den bestellten PC zu liefern. Zwei Tage später kommt mein Rechner endlich an - etwas zur selben Zeit ruft mich der Verkäufer an und will wissen, wo all die Innereien des Rechners seien, den er mir zuerst geschickt hatte. "War der Karton geöffnet?" frage ich. "Nein, er war noch originalversiegelt", gibt er zu. "Dann muss es sich wohl um einen Fehler beim Zusammenbau handeln." "Ja, damit könnten sie Recht haben ..." "Selbstverständlich! Könnten sie mir noch einen Gefallen tun?" "Uh, ja." "Könnten sie mir sagen, wo ich Treiber für RAID-Karten bekommen, wie sie sie mit ihren Geräten ausliefern?" Eigene Erlebnisse sind grossartiger Lehrmeister. Wie ich. [[Der B.O.F.H. meistert die Kunst kreativer Rechnungsstellung ...]] Wir werden in den nächsten Tagen einen Besucher in unserem Büro haben, der das Hauptprogramm für die Finanzverwaltung aktualisieren soll, das die Firma nutzt. Und, ich habe es ja geahnt, sein Stundensatz (Ich stolperte zufällig darüber, als seine Aktentasche umfiel, in deren Verschluss ich eine Büroklammer geklemmt hatte.) ist so hoch, dass selbst MEINEN trainierten Augen die Tränen kommen - und ich bin ja auch nicht ungeübt in den Kunstsparten Erpressung und allgemeiner Diebstahl. Natürlich versucht er es dadurch zu verbergen, dass er TAGESSÄTZE berechnet, um naive Menchen (den Chef, den Abteilungsleiter, die Vertragsabteilung), die das Gefühl vermitteln, man bekomme in den 7.5 Stunden sehr viel mehr fürs Geld. Gut, eigentlich sind es 4.5, wenn wir ehrlich sind und Essens- und Getränkepausen sowie die Zeitungslektüre abziehen. Wie auch immer, es ist schon so, wie man sagt: Man wird für das bezahlt, was man weiss, und nicht für das, was man tut ... "Sie wollen also sagen, dass er extrem überbezahlt wird?" fragt der PJ, als ich ihm diese Fakten erzähle. "Wie kommen sie denn darauf?" "Weil er weiss, wie er sie alle übers Ohr hauen kann!" "Nun, er ist nicht so ein Multitalent wie wir - seine Stärke ist zweifellos das Finanzprogramm und dessen Installation." "Und wieso liest er dann so aufmerksam die Dokumentation für die Aktualisierung?" "Das ist eine hochkomplexe Materie, es gibt hunderte Prozeduren, die im Vorfeld der Aktualisierung abgeschlossen werden müssen", erinnere ich ihn. "Er wird ganz einfach die Prüflisten durchgehen. Welches Kapitel liest er jetzt?" "Die Einleitung - mit dem Titel 'Wie benutzte ich diese Dokumentation'." "Nun, möglicherweise ..." "Er liest schon seit einer Stunde darin ..." "Ah." "Ah?" "Ah. Das bedeutet, dass wir es mit einem 'Lies es und wende es an'-Aktualisierer zu zun haben." "'Lies es und wende es an'?" "Er ist einer von der alten Schule, die immer erst prüfen, ob die Stromversorgung funktioniert." "Er wird die Kabel prüfen?" "Machen sie sich nicht lächerlich - das ist gefährlich! Ich werde sie damit beauftragen, das zu tun!" "Oh. Und was hat das nun zu bedeuten?" "Das bedeutet, dass ich glaube, er wird den Anleitungstext überfliegen, sich versichern, dass wir eine komplette Sicherungskopie der Daten haben und dann blind die Aktualisierung beginnen, wobei er alle Voreinstellungen übernehmen wird. Und das alles in der SICHERHEIT, dass er die Daten wiederherstellen kann, wenn das nötig wird." "Ah." "Genau. Und wenn es funktioniert, wird er zufrieden herauskommen. Geht dagegen etwas schief, wird er behaupten, es gäbe 'einige Inkompatibilitäten zwischen unserer Software und dem Aktualisierungsprogramm', und wir führen eine Rücksicherung durch." "Rücksicherung?" "Ja, das ist eine harmlose Art zu sagen, dass die ganze Arbeit umsonst war und die Beweise dafür durch die Sicherungskopie beseitigt werden sollen." "Hat man ihnen schon einmal gesagt, dass sie ziemlich zynisch sein können?" "Könnte schon sein, aber die waren nur verbittert ..." Unser Gespräch wird Sekunden später durch das erneute Auftauchen der bewussten Person unterbrochen, die mit der Anleitung und einem Stift zum Markieren von Texten erscheint. "Ah, ich wollte nur fragen, ob sie eine komplette Sicherungskopie des Systems haben." "Aber natürlich!" lüge ich und gebe den Bändern einen Stoss, so dass sie im Mülleimer landen, als er den Raum verlässt. ... einige Stunden später ... "Ich befürchte, wir brauchen eine Rücksicherung." "Oh, wieso denn das?" "Offenbar gibt es eine Inkompatibilität zwischen ihrer Programmversion und der Version, die das Aktualisierungsprogramm erwartet." murmelt er. Die Nadel meines Lügendetektors schlägt für einen Augenblick über die Grenze der Skala aus. "Aber sicher doch", rufe ich und greife ein Band von dem Stapel mit den Bändern, die nicht mehr lesbar sind. ... 10 Minuten später ... "Ich fürchte, dass das Band Fehler hat und nicht mehr lesbar ist." stelle ich fest. "Ich ...." keucht er. "Haben sie es denn nicht überprüft?" "Aber selbstverständlich", antworte ich und ignoriere erfolgreich den Klang meines Lügendetektors. "Ich vermute, dass es dieser Prüfvorgang war, der dem Kamel das Rückgrat gebrochen hat - bildlich gesprochen!" "Können sie denn GAR KEINE Daten wiederherstellen?" "Nein, die Lesefehler konzentrieren sich auf den Anfang des Bandes - wie das häufig bei dem meistgenutzten Bereich magnetischer Speichermedien der Fall ist." plappere ich. "Oh, mein Lieber", sagt er sich nur halbherzig entschuldigend. "Unsere Vereinbarung über Haftungsausschluss sieht eindeutig vor, dass wir nicht verantw ..." "Haftungsausschluss?" "Ja, als Teil unseres Vertrages lassen wir unsere Kunden ein Dokument über einen Haftungsausschluss unterzeichnen, falls es Schwierigkeiten mit den Aktualisierungen geben sollte. Ich habe es in meiner Aktenta ... Hmmm, es müsste irgendwo hier sein ...." "Oh, sagen sie jetzt nicht, sie hätten keine unterzeichnete Urkunde über den Haftungsausschluss. Und ich WETTE, dass sie einen Vertrag mit ihrer Firma haben, der IHRE FIRMA von der Haftung für ihre Handlungen freistellt?" "I ..." "Was bedeutet, dass sie persönlich von unserer Firma verantwortlich gemacht werden für die Ausfälle ..." "I ..." "Es sei denn, natürlich ... Aber andererseits ..." "Es sei denn - was?!?!?!" "Nun, es sei denn sie würden die Daten aus den ruinierten Tabellen selbst wieder in die Datenbank eingeben, bevor die Erbsenzähler am Morgen kommen ...." "Aber die zerstörte Tabelle hat über 200.000 Zeilen!" "Ja, und es würde Ewigkeiten dauern. Es sei denn, sie würden es schaffen, die Sekretärinnen zu bestechen ... Unsere Schreibabteilung könnte es für sie tun ...." "WIRKLICH?!?!" stösst er hervor. "Ich weiss nicht - klingt teuer!" mischt der PJ sich rechtzeitig ein. "Es ist ihre Entscheidung, ich weiss nicht, ein paar Tausender." "Ich habe zweitausen Pfund!" greift er nach dem rettenden Strohhalm. "Ah, das dürfte DREItausend Pfund kosten - schliesslich müssen mein Assistens, ich und der Chef der Schreibabteilung die Sache decken." "Nehmen sie einen Sche ..." "BARGELD. Wenn sie sich beeilen, könnten sie es noch bekommen, bevor die Banken schliessen und die Sekretärinnen verschwinden." Er braucht nur zehn Minuten, um wie eine Rakete aus dem Gebäude zu rasen und das nötige Geld zu holen, um die Transaktion zu tätigen. Ich versichere ihm, dass die Sekretärinnen ihr Bestes geben und arbeiten werden, bis sie es geschafft haben - oder sie würden die Schuld auf sich nehmen - was seinen Kummer sichtlich mindert. Als er verschwunden ist, reiche ich dem PJ seinen Anteil (500 Pfund), wobei ich seinen Protest ignoriere. "Haben SIE die Festplatte heute früh gespiegelt?" frage ich ihn, während ich die Aktualisierung lösche und mit ein paar wohlplazierten Tastaturanschlägen die ursprünglichen Daten wiederherstelle. "Waren SIE es, der die Vereinarung über den Haftungsausschluss aus seiner Aktentasche holte? Ich glaube nicht! Sie haben ihre Belohnung für ihre beiden Einfälle in dieser Angelegenheit bekommen - ihren Einwurf mit den Kosten zum richtigen Zeitpunkt ..." "Und?" "Und die Idee, mir ein paar Biere zu spendieren!" "Natürlich!" [[Der B.O.F.H. bekämpft die Niedergeschlagenheit ...]] "Warten sie bitte einen Augenblick, bis ich die Antwort auf diese Frage aus meinem HINTERN herausgeholt habe!" faucht der PJ ins Telefon, an dessen anderen Ende ein armer, ahnungsloser Nutzer sitzt ... ... der diese Behandlung zweifellos verdient hat. Wie auch immer, das Verhalten des PJs ist etwas auffälliger als sonst, so dass ich mich entschliesse, die Situation durch meine 'Ruhig, ruhig'-Strategie zu entschärfen, und frage, worum es eigentlich geht. "Sie glühen ja mehr als ein 486 DX bei einem Megahertz ohne Wasserkühlung - was geht ihnen denn auf Nerven?" rufe ich, als er den Hörer auf die Gabel geworfen hat. ('Ruhig, ruhig' bedeutet, dass man grausam sein muss, um wirklich zu helfen.) Natürlich ist es wieder einmal Liebeskummer, der den armen Kerl peinigt. Offenbar bevorzugt seine letzte grosse Liebe die Gesellschaft anderer Schwachköpfe. Nein, nicht die VIELER Schwachköpfe, sondern die Gesellschaft nur eines anderen Schwachkopfes ... ... aus unserem Haus. "Nun, sie wissen ja, was ich immer sage ...." antworte ich, als er mir die traurige Geschichte schliesslich erzählt hat. "Das plötzliche Herunterfahren aller Server muss nicht gerechtfertigt werden?" "Ja, aber NEIN, daran dachte ich eigentlich nicht, sondern ...." "Ein Schwachkopf, dessen Passwort bald jeder kennt?" "Ah, nein, ich dachte mehr an ..." "Einen Netzwerkausfall, der Bänder für Sicherungskopien spart?" "NEIN! Ich sage immer 'Vergebung und Vergessen!'." "Nein, sagen sie nicht!! Das sagen sie NIEMALS!" "Tatsächlich? Dabei könnte ich schwören, dass ....! Erinnern sie sich noch an den Erbsenzähler, der sich in der Schlange in der Kantine vor mich gedrängelt hat?" "Der Kerl, dem sie entgegenstolperten und den wirklich heissen Gulasch ins Gesicht gekippt haben?" "Ein Unfall, der gar nichts bedeutet ..." "Und der einen brennenden Rechner fand, als er an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte ...." "Ein Lüfterproblem, das völlig bedeutungslos ist ...." "... und dessen gasgefederter Arbeitsstuhl völlig entladen war." "Das war ein völlig normaler Gasverlust, wie er in pneumatischen Geräten vorkommt ..." "Und das verunstaltete Bild mit seiner Familie?" "Jetzt WARTEN SIE ABER EINMAL EINE MINUTE! Das Bild war verunstaltet, bevor ich in den Raum kam! Natürlich, seine Familie sieht so aus, doch meine Veränderung sorgte dafür, dass die Ähnlichkeit mit Gorillas nicht mehr so offensichtlich war." "Und das nennen sie 'Vergebung und Vergessen', oder?" "Natürlich. Ihm wurde vergeben - und ich hatte die Sache vergessen, bis sie die Erinnerung daran wieder hochbrachten." "Ich glaube nicht, dass es das ist, was die Menschen darunter wirklich verstehen." "Aber Rache ist ein integraler Bestandteil des Vergebens und des Vergessens! Wie soll man vergeben, wenn man noch einen Groll in sich hat? Dieser Erbsenzähler hat nun ein ganz normales Nutzer/System-Manager-Verhältnis zu mir!" "Und wieso haben sie sein Datenverzeichnis auf dem Server gelöscht?" "Weil wir eine normale Nutzer/System-Manager-Beziehung haben! Wie auch immer, er hat angerufen und sich darüber beschwert, dass sein Platz auf dem Server knapp wurde, was meine Reaktion geradezu HERAUSGEFORDERT hat!" Der PJ begreift, dass diese Unterhaltung vom Thema abkommt und will sich mit einem Seufzer und einem verzweifelten Gesichtsausdruck davonmachen. "Also, was MACHT dieser Schwachkopf in unserem Haus?" "Irgendwas in der Marketing-Abteilung - mehr weiss ich nicht darüber." "Aber doch seinen Namen?" frage ich, um seine grauen Zellen zu aktivieren. "'Dave', mehr weiss ich nicht." "Gut, dann lassen sie uns kurz die Privatsphäre der Mitarbeiter-Datenbank missachten und sehen, wer er ist ... >Klick Klick Kclick< Also, hier haben wir DREI Davids im Marketing - was die Auswahl ziemlich einschränkt, wenn sie mich fragen - und >Klick Klick< ZWEI von ihnen sind älter als 50, woraus ich schliesse, dass sie nicht gerade den Vorstellungen ihrer Geliebten entsprechen dürften. Womit wir nur noch die E-Mails von >Klick Klick< Rechner PCMKT14 testen müssen, der >Klick Klick< irgendwie gegen Administratoren-Zugriffe gesperrt ist. Also versuchen wir es mit seinem Anrufbeantworter ..." "Das wird niemals funktionieren!" ruft der PJ. "Der Anrufbeantworter ist mit einer Zahlenkombination gesichert, und nur die Leute von der Herstellerfirma können diesen Schutz umgehen! Das ist idiotensicher!" Wir lachen, holen uns die auf dem Server gespeicherten Aufzeichnungen seiner Anrufe und spielen damit. Natürlich lasse ich meinen Finger auf der STOP-Taste, falls es etwas haarig werden sollte. Sozusagen. Aber alles läuft gut und dreht sich um die Arbeit. "Richtig!" rufe ich und greife nach einer grossen Kiste mit einem RJ45-Stecker. "Wir müssen improvisieren. Stecken sie das in seine Netzwerk-Leitung im Vermittlungsraum 4, Port, uh ... >Klick Klick< E31." "Was ist das?" "Das ist ein, ähm ... Netzwerkkarten-Tester ... OH, sollte er nass werden, dann lassen sie die Hände davon!" Eine Viertelstunde später bekommen wir einen Anruf von einem Nutzer, der über den Brandgeruch seines Rechners klagt - wir entscheiden uns, die Sache zu prüfen und besuchen den Nutzer. "Er gab für etwa zwanzig Sekunden dieses hohe Quietschen von sich und blieb dann stehen." informiert Dave uns. "Wirklich? Möglicherweise ein Fall von intermodularer Verzerrung durch die Spitzen im Datenstrom." >>DUMMY MODE EIN<< "Duh-huh. Ist er kaputt?" "Sehr, wir werden ihn mitnehmen müssen." "Oh, wie lange wird das dauern?" "Ah, nur ein paar ... Ich sehe gerade ihren Stuhl - sieht aus, als wäre das Druckgas entwichen - sie sollten .... MEIN GOTT, ist das ihre FAMILIE?!" "W-WAS HABEN SIE MIT MEINEN FOTOS ANGESTELLT?!?" "Mit ihren Fotos gemacht?" fragt der PJ. "Ich halte einen PC, da kann ich gar nichts anstellen! Gleich werden sie mir vorwerfen, ich hätte in ihre Topfpflanze uriniert, während sie unter dem Tisch die Kabel von ihrem PC getrennt haben!" "Machen sie sich nicht lächerlich! Das waren offensichtlich die Raumpfleger!" "Oh, mein Fehler. Trotzdem, sie können ruhig einen Kaffee trinken, während wir uns das Gerät anschauen - lassen sie sich nicht stören ..." Es ist irgendwie offensichtlich, dass Dave die Warnsignale nicht richtig zu deuten vermag (die Begeisterung des PJs, die übervolle Tasse) und nimmt einen grossen Schluck ... Als wir später in unserem Büro die Festlatte des Rechner wirklich unbrauchbar gemacht haben und den Rechner ein paarmal dem Absturztest unterzogen haben, macht der PJ ein paar Anrufe ... "Uh ..." sagt er und lässt sich in seinen Sessel fallen. "MMMmmm ..." "Es war, äh, DOUG, nicht DAVE ..." murmelt er kleinlaut. "Oh, mein Lieber ... trotzdem, es war doch lustig! Wie auch immer", rufe ich und reiche ihm erneut den Netzwerkkarten-Tester. "Dann prüfen sie eben die Netzwerkkarte von Doug!" [[Eins zu Null für den B.O.F.H. ...]] "Und was wollen sie damit erreichen?" fragt der PJ, der skeptisch einen Projektvorschlag mustert, den der Chef nicht ohne Genuss und Begeisterung vorbeigebracht hat. "Der Plan sieht vor, dass unsere Arbeit und die der neuen Nutzer-Betreuung dadurch erleichtert wird, dass wir in jeder Abteilung die fähigsten Köpfe schulen, damit sie sich um die alltäglichen Computerprobleme kümmern können, die uns so sehr plagen." "Und sie glauben, dass das funktioniert?" "Natürlich. Wie eine nicht-kopierte Look-and-Feel-Benutzeroberfläche." erklärt der PJ zynisch. "Also glauben sie, dass die Kandidaten sozusagen keine ganzen Kerle sind?" "Zu 48 Prozent, höchstens." erwidere ich. "Nun, ich dach ..." "Sie könnten WASSER nicht aufwischen ohne vorher studiert zu haben ..." "Ja, aber ..." "Sie glauben, dass Firewalls in Schornsteinen benutzt werden!" "Ja, und sie werden ..." "Dass nur Jenny Craig Thin Clients macht ..." "S ..." "Die einzige Hardware, die sie jemals angefasst haben, haben sie im Schlafzimmer angefasst - und selbst da gab es Fehler. Diese Nutzer glauben, Linux sei ein Freund von Charlie Brown ... Dass >BZZZZZTTTTT<" Der PJ, der eine mentale Endlosschleife entdeckt zu haben glaubt, startet mich mit dem bewährten Elektro-Schocker neu. (Was er später natürlich bereuen wird.) "Also, was werden wir ihnen beibringen?" fragt er zweifelnd. "Die allerwichtigsten Grundlagen - wie man die Tastaturabdeckung benutzt, wie man die FESTSTELL-Taste betätigt, wo der Netzschalter ist, wie ein Netzwerkkabel aussieht - diese Dinge eben." "Aha", sagt er so nachdenklich wie ich mich fühle. ... "Kann jemand mir die wichtigste Regel für den sicheren Umgang mit Computern nennen?" frage ich und schaue mich im Publikum um, ob einer der herbeorderten Zuhörer eine Antwort hat. Natürlich, IMMER gibt es bei solchen Vorträgen einen Besserwisser, der in seiner Windelzeit einen Apple || E programmiert und nun tausend und eine unsinnige irrelevante nervtötende Geschichte zu erzählen hat über die Schwächen des 6502er Befehlssatzes. Und wenn er das gerade einmal nicht tut, dann pflegt er den Monolog des Redners durch Zitate aus dem 'Computerführer für Pedanten' zu korrigieren. In Ordnung, jetzt bin ich etwas verbitterter. "Das muss das Netzteil sein!" ruft die heutige Ausgabe des Besserwissers. "Unheimlich viel Spannung in einem Netzteil, die auch eine Stunde nach dem Ausschalten des PCs noch in einem Kondensator gespeichert sein kann." Sie sehen, was ich meine? "Nein!" rufe ich. "Aber wir kommen später auf dieses Thema zurück. Jetzt sprechen wir über die ZWEITWICHTIGSTE Regel zur Computer-Sicherheit, bei der es um den Schutz der Daten vor Fremden geht. Ein geschützter PC ist ein sicherer PC, müssen sie wissen! Nun, wie sollte also ein Passwort aussehen?" "Eine pseudozufällige Kombination aus alphanumerischen Zeichen und Symbolen, wobei grosse und kleine Buchstaben gemischt auftreten sollen." plappert der Besserwisser los, bevor die anderen die Frage überhaupt begreifen können. Wegen des technischen Klanges der Antwort nicken einige der Zuschauer zustimmend mit den Köpfen. "NEIN!" rufe ich enthusiastisch und gebe der Stimmung einen Hauch von Konspiration. "Genau das wird von ihnen ja erwartet!" "Wer erwartet was ...?" fragt meine Nervensäge. "Industriespione!" antworte ich und senke meine Stimme. "Glauben sie es oder lassen sie es, aber Industriespionage existiert - selbst bei unseren dürftigen Umsätzen. Manchmal wollen sie nur Informationen - manchmal wollen sie aber auch unsere Abläufe unterbrechen oder zumindest stören! Weshalb zum Beispiel in der vergangenen Woche drei Rechnungsprüfer zur Arbeit kamen und ihre Festplatten komplett gelöscht vorfanden und alle DIMM-Chips aus ihren PCs entfernt waren!" Ein ängstliches Stöhnen geht durch den Raum, selbst wenn 98 Prozent von ihnen einen DIMM-Chip nicht erkennen könnten, wenn sie einen in ihrem Kaffee fänden. "Aber sie mussten doch in das Gebäude gelangen, um die DIMMs zu stehlen, also hätten auch die Passworte nicht geholfen", kommentiert der Besserwisser. "Sie hätten auch die Festplatten mitnehmen können und einfach die Daten bei sich anschauen können. Mit den neuen Geräten zur Festplattenrettung kann man sogar Daten wiederherstellen, die vorher gelöscht wurden, selbst wenn man ein besonders ausgeklügeltes Programmm zum Überschrei ...." GENAU! Ich habe genug! "Sie liegen richtig, natürlich", rufe ich dem Experiment, das sich vor mir entwickelt, zu. "Deshalb habe ich ja immer und immerwieder eine Erhöhung des Budgets für die Sicherheit gefordert! Wie auch immer, das ist erst einmal alles zum Thema Sicherheit. Speicherfehler! Kann mir jemand sagen, wie man die DIMMs in diesem PC ersetzen kann?" Nein, es gibt keinen Preis für die richtige Antwort darauf, wer diese Frage beantwortet, bevor ich den Satz beenden kann. "Nun, man schaltet das Gerät ab und zieht den Stecker aus der Dose. >KLICK< Dann öffnen wir das Gehäuse >SNICK< etwa so, nehmen es ab und schon sehen wir die Innereien des Rechners." "Richtig. Und nun der Austausch?" "Ganz einfach, hier sind die DIMMs und man nimmt sie heraus, indem man >ZZZZZZZZzzzzzzzzzzzz ...<" "Nun, was hat er nicht beachtet?" frage ich die Zuschauer des Feuerwerks. >ZzzzzzZZzZZZZZZZZZZZZZZZZ< "Genau, er hat vergessen zu prüfen, ob sich in diesem Karton mit der Aufschrift 'Druckerpapier' eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung befindet!" >ZZZZZZZZZZZZZZZZZZZZZeeeeeeerrrrrrrrrrrrrr ...< "Und er hat übersehen, dass jemand eine aufgebogene Büroklammer in die Maschine fallenliess, die irgendwie die Phase des Netzteils mit dem DIMM-Chip verbindet! Wirklich ein seltsamer Zufall ..." ... Natürlich schalte ich die USV ab, irgendwann ... Und er macht noch immer weiter!! "Ich kann nicht glauben, dass die USV nicht geerdet war!" keucht er. "Sie muss defekt sein - jemand sollte eine Reparat ...." >ZZZZZZZZZZEEEEEEERRRRT!< "Ups", rufe ich, als mein kleiner Helfer ohnmächtig zu Boden fällt. "Kann mir jetzt jemand sagen, was die wichtigste Regel für Computersicherheit ist?" frage ich. "Man sollte ihnen nicht auf die Nerven gehen?" murmelt jemand im Hintergrund. Und da behaupten manche, man könne den Leuten nichts mehr beibringen. [[Der B.O.F.H. findet einen Brandstifter ...]] "Ich bedaure, aber das kann ich kaum glauben", sage ich und schüttle ungläubig den Kopf über diese Unterstellungen. "Ja, so werden sie auch zitiert." sagt der Personaler und wedelt mit einem Stück Papier, das einige Beweise für die neueste Beschwerde über den PJ und meine grundgute Person enthalten soll. "Nun, ich bin wirklich verblüfft." "Ja, das sollen sie auch gesagt haben." antwortet er. "Wer behauptet das?" will ich wissen. "Rechnungsprüfer." "Wer aus der Abteilung?" frage ich und weiss wirklich nicht, in welche Richtung sich diese Unterhaltung entwickeln wird. "Alle." "Alle?! Wie kann jeder aus der Rechnungs-Abteilung eine Beschwerde über mich haben!!?" rufe ich, da ich noch immer nicht weiss, worum es eigentlich geht. "Sie sagen, dass sie absichtlich die Sprinkleranlage eingeschaltet haben, um sie zu ärgern." "Das ist doch grotesk - wir können das Brandschutzsystem doch gar nicht kontrollieren. Es wird komplett ferngesteuert!" rufe ich, während ich mich zugleich wundere, wie der PJ das geschafft haben könnte. "Das ist mir bekannt!" erwidert unser Ankläger. "Wie auch immer, die Fachleute von der Feuerwehr glauben, dass die optischen Sensoren durch den Rauch ausgelöst wurden, der aus einem PC herauskam, den sie gerade gewartet hatten. Ein Rechner, der vollgestopft war mit ölgetränktem Zeitungspapier!" Problem gelöst. Der PJ ist dafür verantwortlich, der gern mit brennbarem Material hantiert. Solche Methoden gehören nicht unbedingt zu meinem Arsenal, aber trotzdem verdient er ein paar anerkennende Punkte für die Mühe. "Ich bedaure", erwidere ich und bemühe mich, den PJ zu schützen. "Aber ich habe noch immer keine Ahnung, weshalb sie uns dafür verantwortlich machen, da wir uns zur Zeit gar nicht um die Arbeitsplatzrechner in der Rechnungs-Abteilung kümmern. Diese Tätigkeit wurde ja ausgelagert und, für eine nicht unbedeutende Summe, darf ich sagen, einem Vertragspartner übertragen." "Ja, wir haben mit ihnen gesprochen, und sie haben erklärt, dass der Rechner funktionierte, als er ihr Büro verliess." "Natürlich behaupten sie das! Welcher Ingenieur würde zugeben, dass er ein Gerät zurückgeschickt hat, weil es zu viele Fehler hatte? Das Ding hätte im Rechnerraum IN FLAMMEN AUFGEHEN KÖNNEN und sie würden trotzdem behaupten, dass es nur Selbsttests ausgeführt hat. Ingenieure LÜGEN! Das bringt man ihnen doch als erstes bei!" "Und was ist nun hiermit?" fragt mein Ankläger und präsentiert mir das Blatt Papier. Hmmm. Etwas ist faul im Staate Dänemark, und ich spreche nicht über den Atem eines französischen Touristen ... Der Lieferschein für den Rechner trägt die Unterschrift des PJs. Und das ist einfach lächerlich - der PJ würde niemals seine eigene Unterschrift benutzen. Er nimmt entweder die eines anderen (normalerweise die des Chefs) oder setzt einen Krakel aufs Papier, der wie die Signatur von Charles Manson aussieht. "Das ist ganz offensichtlich eine Fälschung." antworte ich, habe aber trotzdem noch meine Zweifel. "Nun, ich habe zufällig ein Muster seiner Unterschrift dabei - vorgelegt VON der Rechnungs-Abteilung - für eine Bestellung, die er neulich ausgefüllt hat. Und wenn sie sich diese anschauen, nun, dann stimmen die Unterschriften perfekt überein." "Ja, es gibt Kopierpapier." antworte ich und vergleiche die beiden Signaturen. "Aber stimmt es sie nicht nachdenklich, dass die beiden Unterschriften PERFEKT übereinstimmen?" "Nein, das beweist nur, dass er nicht sehr vorsichtig ist!" Wir feilschen noch ein wenig, bis er davon überzeugt ist, dass die Unterschrift des PJs nichts beweist - jeder hätte das Paket mit dem Rechner zwischen der Anlieferung und dem Auspacken am Arbeitsplatz manipulieren können. Trotzdem will er noch unter vier Augen mit dem PJ sprechen. "Ich schaue nach, was er heute macht", erkläre ich und klicke auf das 'Terminplaner'-Icon auf dem Monitor des PJs. Niemand weiss, dass dadurch eine SMS-Nachricht auf das Handy des PJs geschickt wird, in der er davor gewarnt wird, in der Firma aufzutauchen. Diese Terminplaner sind wirklich eine hervorragende Sache ... "Oh, schauen sie sich das an!" rufe ich und deute auf eine Fehlermeldung auf dem Monitor. "Sein Kalender ist defekt." "Wer er nicht auch schon kaputt, als ich ihn neulich suchte?" fragt der Chef, der einen mittelgrossen Braten zu riechen glaubt. "Ja", antworte ich. "So sind eben diese grossen Software-Hersteller - ohne eine richtige Qualitätskontrolle!" Irgendwann haben es der Chef und der Personaler satt, noch länger auf den PJ zu warten und trotten auf eine saftigere Weide, als ich ihnen verspreche, sie zu informieren, SOBALD der PJ auftaucht. Ich vertreibe mir die Zeit damit, die Beweise zu studieren und ein paar Anrufe zu machen, um zu einer Entscheidung zu kommen. Später an diesem Nachmittag treffe ich den PJ im Fahrstuhl und nutze einen 'Notfall-Halt', um ihn über die Ereignisse zu informieren. Ein leuchtender Punkt auf meinem Pager zeigt mir, dass mein Opfer gerade sein Büro verlassen hat und sich zu den Fahrstühlen begibt. "Abwärts?" frage ich freundlich, als der Erbsenzähler besorgt aufblickt. Eine halbe Etage später stoppen wir für ein Gespräch. "Weshalb haben sie ihren Rechner angesteckt?" frage ich. "Ich habe meinen Rechner nicht ..." "Belügen sie mich nicht. Ich weiss, dass sie den Rechner vom Lieferanten bekommen und die Unterschrift des PJs gefälscht haben, die sie auf einer Bestellung, die sie bearbeiten sollten, fanden. Und ich weiss, dass das Papier in dem Rechner von der Financial Times kam - die im ganzen Haus nur zwei Leser hat: den Geschäftsführer und sie, denn in ihr findet man keine nackten Brüste. UND sie waren abwesend, als der Sprinkler losging!" "Ich ..." stottert er. "... war es?" schlägt der PJ vor. "Ich ..." "Wieso?" frage ich interessiert. "WEIL ICH SIE NICHT AUSSTEHEN KANN!" erleichtert er sich. "IMMER NERVEN SIE MICH MIT IHREN DUMMEN FRAGEN!!! 'Was bedeutet diese Meldung?', 'Wo ist die ANY-Taste?', 'Wie kann ich dieses Programm beenden?', 'Was ist ein gutes Passwort?' ICH HASSE DAS! SIE VERFOLGEN MICH!" Plötzlich wird mir alles klar. Seit dem Vortrag in der vergangenen Woche nerven die verschiedenen Abteilungen ihre eigenen Leute statt bei uns anzurufen! "Ich kann ... ich kann mit ihnen fühlen", sagt der PJ und setzt den Lift wieder in Bewegung. "Jetzt wissen sie, wie wir uns an manchen Tagen fühlen. Aber dass sie meine Unterschrift benutzt haben ..." Nach seiner grosszügigen Entschuldigung lassen wir ihn gehen und kehren in unser Büro zurück. Ich muss gestehen, dass es ein gutes Gefühl ist, einen verwandten Geist bei den Erbsenzählern zu haben. Jemanden, dem wir in die Augen schauen können. Jemanden, der versteht, mit welchen Idioten wir zu kämpfen haben. Jemanden, den wir verantwortlich machen können für all das ölgetränkte Zeitungspapier, mit dem der PJ und ich die Rechner in dieser Nacht ausstatten werden. Ja, das ist wirklich gut ... [[Der B.O.F.H. spielt mit Würmern ...]] "Aber mein Passwort KANN nicht ungültig sein", wimmert ein Nutzer durch die Leitung. "Ich habe es erst an diesem Morgen geändert!" "Wenn sie mit ÄNDERN meinen, dass sie aus 'Wurm21' ein 'Wurm22' gemacht haben, dann haben sie kein Glück, fürchte ich. Das neue Passwort-Programm erlaubt solche Änderungen nicht mehr." "Aber ich liebe das Wort 'Wurm'!" "Und ich liebe Worte wie 'leichte körperliche Schäden', aber ich benutze sie nicht als Passwort. Nicht mehr." "Aber es gab doch noch nie Probleme!" schmeichelt er. "Das stimmt - das Prüfprogramm für Passworte, das wir bis jetzt hatten, erlaubte beinahe jede Änderung - sie hätten sogar einen einzelnen Buchstaben nehmen können." "Wirklich?" keucht der Nutzer und überschlägt offensichtlich, wieviel Zeit er damit beim Anmelden im Netzwerk gespart hätte ... "Ja, wirklich. Aber zum Glück haben wir jetzt ein Programm, das weitaus sicherer ist." "Trotzdem mag ich 'Wurm'", ruft er. "Warum kann ich 'Wurm' nicht mehr verwenden? Könnten sie nicht dafür sorgen, dass das Programm mein früheres Passwort vergisst?" "Das könnte ich, aber ich werde es nicht tun - das ist einfach zu unsicher. Und nebenbei ..." >Klick< Unsere Konversation wird plötzlich unterbrochen, als ich den Hörer auflege. "Warum haben sie das gemacht?" fragt der PJ. "Das ist die Hauptregel für Telefongespräche - IMMER dann auflegen, wenn Sie gerade sprechen. Auf diese Weise glaubt niemand, dass sie es waren, der aufgelegt hat!" "Hallo?" gehe ich wieder an das Telefon. "Wir wurden wohl unterbrochen!" sagt der Nutzer. "Die Leitung war plötzlich tot!" "Ja, wir haben hier ein paar Probleme mit der Zuordnung der Nummern. Ich glaube, die Telefongesellschaft fummelt an ihren Leitungen herum, so dass wir ..." >Klick< Der PJ grinst vielsagend. Der Groschen ist also gefallen. Das Telefon klingelt erneut, und die Rufnummernidentifizierung meldet, dass es wieder unser jammernder Nutzer ist ... "Hallo. Israelische Botschaft. Wie kann ich ihnen helfen?" meldet sich der PJ und versucht dabei das zu imitieren, was er für einen israelischen Dialekt hält .... ... und wieder ... "Australische Botschaft. Was kann ich für sie tun?" ... und so weiter ... "ICH WEISS, DASS SIE DA SIND! SIE SIND DER VERDAMMTE ADMINISTRATOR!" ruft der Nutzer wütend. "So werden sie den Botschafter nie erreichen!" sage ich und übernehme den Anruf vom PJ. "Ich will, dass mein verdammtes Passwort wieder zurückgesetzt wird, wie es früher war!" "Nun, ich werde sehen, was ich ma ..." >Klick< >Klingel< "Warum unterbrechen sie immer unser Gespräch?!" "Wir tun nichts derar ..." >Klick< >Klingel< "Netzwerk- und Systembetreuung. Hal ..." >Klick< >Klingel< "Ne ..." >Klick< >Klingel< >Klick< Nach der Erledigung dieser Sache bleibt dem PJ und mir nur noch übrig, uns im Raum mit den Sicherungsbändern zu verstecken, während der Chef randalierend durch die Büros zieht und wild um sich schreit, um uns zu finden. Das ist eigentlich ganz lustig, schade ist nur, dass die Kneipen noch nicht geöffnet sind. Um die Zeit totzuschlagen, haben PJ und ich eine Wette laufen, wieviele Runden der Chef auf seiner Suche nach uns drehen wird, bevor er aufgibt. "Der Chef wirkt heute ziemlich energisch", kommentiere ich das Ergebnis und reiche dem PJ seine fünf Pfund, nachdem der Chef seinen persönlichen Rekord von drei Runden gebrochen hat. "Er hat Vitamin-Pillen genommen", erwidert der PJ. "Ich habe sie auf seinem Schreibtisch gesehen." "Nein, in Wirklichkeit hat er Hormonpräparate, die IN den Vitamin-Pillen steckn genommen." antworte ich und erlaube mir ein leichtes Grinsen. "Sie sind ein kompletter Bastard!" "Nein, nicht wirklich. In der nächsten Woche, wenn ich stattdessen ein langsam wirkendes Abführmittel oder eine Präparat, das seine Blase auf Touren bringt, einsetze, DANN bin ich ein Bastard. Aber ich habe mich noch nicht entschieden." "Sie werden wieder die Toiletten blockieren?" "Alle. Bis auf die eine, in der das Toilettenbecken nicht richtig festgeschraubt ist." "Sie sind ein kompletter Bastard!" "Ja, da könnten sie richtig liegen ..." Nachdem wir eine angemessene Zeit abgewartet haben, schleichen wir aus dem Zimmer - und laufen dem Chef direkt in die Arme. "Wer von ihnen hat mein Passwort gelöscht?!" ruft er, als er den Raum betritt. "Wir?" frage ich schockiert und unschuldig. "Ich weiss, dass sie etwas damit zu tun haben!" "Ich habe nur ein neues Programm installiert, das war alles. Wie lautete ihr Passwort denn?" "A." "Wie in dem Buchstaben?" "Ja, ich habe keine Zeit dafür, all diese anderen Buchstaben einzutippen. Wie auch immer, wer würde den annehmen, dass ich ein einbuchstabiges Passwort habe?!" "Guter Gedanke! Und sie haben die Erlaubnis, Anschaffungen bis zu welcher Höhe zu genehmigen?" "Das ist irrelevant. Es gab damit noch keine Probleme!" "Ja, traurig, wirklich. Aber leider können wir da nichts machen, das Programm ist hochmodern und passt hervorragend in die Firma." "Die Firma kam bisher auch ganz gut ohne dieses Programm aus - woher haben sie es eigentlich?!" "Oh, ich habe es im Fernsehen gesehen und erinnerte mich daran, als ich eine Anzeige dafür sah." "IM FERNSEHEN?!! Sie kaufen etwas, das sie im Fernsehen gesehen haben?!" keucht er mit gespieltem Entsetzen, wobei er offensichtlich an diese lästigen Werbesendungen denkt. "Nun, ja - aber ich habe 'Technik der Zukunft' nur gesehen, um mich über die Vorteile der Supraleittechnik zu informieren und ich ..." "'Technik der Zukunft'!" ruft der Chef plötzlich begeistert aus. "Das wusste ich nicht. Ja, nun, dann schätze ich, dass ein Passwort aus sechs Zeichen ganz gut wäre." "Ein Passwort aus acht verschiedenen Zeichen, von denen keines ein Buchstabe sein darf, ja." "Ich ... Ja, das ist sehr weise." kommentiert er bei seinem Abgang. "Uh, was ist denn hier passiert?" fragt der PJ verwundert. "Die alte 'Technik der Zukunft'-Geschichte - erwähnen sie, dass sie etwas in dieser Sendung gesehen haben KÖNNTEN, und schon verzehnfacht sich dessen Reputation. Natürlich, sie könnten es auch auf dem Tisch vor ihnen gesehen haben, während die Sendung lief, doch das ist egal - die Unterschrift für die Anschaffung bekommen sie auf jeden Fall ..." "Sie scherzen!" "Nein, ich sage die Wahrheit! Solange sie es nicht übertreiben, können sie einen Dummkopf sogar dazu bringen, mit Büroklammern auf Stromleitungen loszugehen, wenn sie sagen, sie hätten einen entsprechenden Bericht in 'Technik der Zukunft' gesehen!" "Unfug!" "Es ist wahr! Das ist nur eine Erweiterung des '>>DUMMY MODE<<'-Prinzips." Unsere Unterhaltung wird durch unseren jammernden Anrufer unterbrochen, der sich leibhaftig zu uns bemühte ... "Wegen meines Passwo ..." beginnt er. "Das ist das neue Programm, dass ich bei 'Technik der Zukunft' gesehen habe!" antwortet der PJ. "WIRKLICH?" ruft der Nutzer begeistert, was dem PJ nicht offenbar gefällt. "Nun, in diesem Fall ..." "Sie werden ihr Passwort ändern?" frage ich. "Aber sicher." "Nun, das Minimum sind acht unterschiedliche Zeichen, von denen keines ein Buchstabe sein darf." "Sie machen Scherze!" "Nein, aber wenn sie sich wegen der zusätzlichen Tipperei sorgen, ich habe da dieses nützliche Gerät gesehen, während 'Technik der Zukunft' lief ..." Es ist wie immer - ein Fass, ein Fisch und eine Kanone ... [[Der B.O.F.H. entdeckt die automatische Stimmerkennung ...]] "Schauen sie sich dieses Schmuckstück an", sage ich zum PJ und deute voller Stolz auf einen PC, aus dessen offenem Gehäuse unzählige Kabel herausquellen. "Ja, es ist wirklich gut ausgestattet - DIESER Rechner wird nicht lange durchhalten!" stimmt der PJ lächeln zu. "Was?!" "Dieser PC - sie haben ihn völlig ruiniert!" "Er ist nicht ruiniert, er ist bereit zur Arbeit!" "Als Anker? Oder als Türpuffer?" fragt der PJ unfreundlich. "NEIN, er kann UNSERE Arbeit für uns erledigen!" "Schwachsinn!" erwidert der PJ mit der für ihn üblichen Vorschnelligkeit. "Fünf Pfund darauf, dass er das tut!" "Zehn Pfund dagegen!" "Dann rufen sie einmal diese Nummer an", antworte ich und deute auf den Aufkleber auf den Innereien eines Telefons im Herzen des Kabelgewirrs. Pflichtbewusst folgt der PJ meiner Aufforderung, worauf ein Klingeln im Innern des PCs ertönt. "Hallo, Netzwerk- und Systembetreuung. Wie kann ich helfen?" fragt die Stimme des PJs. "Hallo?" erwidert der PJ. "Netzwerk- und Systembetreuung, wie kann ich ihnen helfen?" fragt die Stimme des PJs erneut. Ein Groschen fällt im Kopf des PJ. "Sie haben Stimmerkennungsprogramm mit meiner Stimme gefüttert!" schnappt er nach Luft. "Entschuldigung, ich weiss nicht genau, was sie meinen. Könnten sie das noch einmal wiederholen?" fährt die Stimme fort. "Uh, ich habe ein Problem mit meinem System." "Sie haben ein Problem mit ihrem System?" "Ja, es startet nicht richtig." "Sie sagen, dass ihr System nicht korrekt startet?" "Das ist ein Programm nach dem Muster von Elisa!" keucht der PJ. "Sie haben ein Problem mit ihrem Elisa-Programm?" "Nein, es ist meine Festplatte!" "Es geht um ihre Festplatte?" "Ja, sie gibt seltsame Geräusche von sich." "Ihre Festplatte macht seltsame Geräusche?" "Hey!" kommentiert der PJ und deckt das Mikrofon des Telefons ab. "Dieses Ding hat ein Gedächtnis!" "Natürlich!" antworte ich. "Aber selbst das einfachste Elisa-Programms hatte ein Gedächtnis!" "Es dürfte aber recht langweilig sein, wenn es nur Fragen stellt. Die Anrufer dürften das schnell herausfinden ..." "Machen sie sich nicht lächerlich - es kommt noch mehr, machen sie einfach weiter - bevor das Programm abbricht." "Ja, meine Festplatte macht seltsame Geräusche!" "Wie lange geht das schon?" "Phase Zwei", murmle ich. "Informations-Sammlung. Gegenwärtig gibt es nur drei mögliche Fragen: 'Wie lange geht das schon?'; 'Habe auch andere dieses Problem?' und 'Ist das ihre Etage, in der die Gasleitung ein Leck hat?'." "Ein Leck in der Gasleitung?" "Ja, mir fiel keine dritte Frage ein, aber ich habe herausgefunden, dass diese Frage den Anruf schnell beenden kann." "Ein paar Stunden." sagt der PJ. "Es geht schon ein paar Stunden so? Hmmm, gab es irgendwelche Fehlermeldungen?" "Nein." antwortet der PJ. "Nun, es KLINGT nach einem Festplattenproblem ..." "Duh ..." kommentiert der PJ mit rollenden Augen. "... das vermutlich hervorgerufen wird durch ..." Die Klänge heftigster Festplattenbewegungen kommen aus dem Innern der Maschine. "... resonant-harmonische Verzerrungen." Der Rechner macht eine Pause um das Umschalten in den >>DUMMY MODE<< zu ermöglichen, bevor er weiterspricht. "... Auch wenn es schwierig ist, in diesem Fall eine genauere Prognose abzugeben." "RESONANT-HARMONISCHE VERZERRUNGEN! WAS FÜR EIN UNFUG!" "Ups!" rufe ich. "Unfug ist ein reserviertes Wort für das Umschalten in einen anderen Modus." "Es ist nicht ungewöhnlich, dass durch harmonische Resonanzen ...." >Ratter< "... elektronische Störungen im Datenfluss ..." "Modus-Umschalter?" fragt der PJ mit der Hand auf dem Mikrofon. "... allerdings könnte es auch eine Datei im Netzwerk sein, die das Fehlverhalten verursacht. Geben sie mir einfach ihren Nutzernamen und ich werde das kontrollieren." "AHA! Der aggressive Modus. Als ob ich ihnen meinen Nutzernamen geben würde!" murmelt der PJ. "Das sollten sie besser tun, da sonst der Name genommen wird, der zur Nummer des Anrufers gehört." "Dieses Programm hat ohnehin Zugang zur Nummer des Anrufers?" ruft der PJ begeistert. "Die Nummer ist nur die Spitze des Eisbergs! Das Programm kennt ihre Personaldaten, ihre Parkplatznummer, ihre private Telefonnummer und ihre meistbesuchten Webseiten. Sagen sie das Stichwort 'Sie Schlappschwanz' oder eines der anderen Umschaltworte und das Programm wird die Adressen ihrer zehn meistbesuchten Seiten an ihren Chef schicken - wenn sie in der 'schwarzen Liste' stehen. Wiederholen sie eines der Worte, so wird irgendwann nach zwei Uhr morgens ein Programm gestartet, das Pizzadienste und Taxis zu ihnen bestellt!" "Und wenn es sowieso Zugriff aufdiese Daten hat, wieso fragt es dann noch nach einem Nutzernamen?" "Ich wollte nur gründlich sein. Und aus historischen Gründen natürlich." Der PJ nennt den Namen eines sehr bald zu bedauernden Hundes in der Rechnungsabteilung und lässt noch ein paar Schaltworte vom Stapel. "Ich will das Programm nur einem Stresstest unterziehen ..." murmelt er. "Das ist eine andere Sache, die ich schon implementiert habe - die Messung von Stress!" "Stimmen-Stress AND eine gute Spracherkennung. Wie funktioniert das?" "Nun, die Spracherkennung ist ziemlich simpel, aber zum Glück ist das technische Vokabular, das gebraucht wird, wenig umfangreich, also wird es recht akkurat sein. Und der Grund dafür, dass wir angerufen werden, ist meistens sowieso der gleiche, so dass auch das gut funktioniert. Die Stress-Messung wird dazu genutzt herauszufinden, wie schnell sie aufgeben zeichnet das auf, zusamen mit dem Rest des Gesprächs übrigens, das wir für spätere Zwecke benutzen können ..." "In Ordnung", erklärt die Maschine. "Ich glaube, wir haben das Problem eingekreist ..." "Was bedeuten könnte, dass alle Netzwerk-Dateien gelöscht wurden, dass Passwort in SCHLAPPSCHWANZ geändert wurde und ihr Auto gerade abgeschleppt wird." kommentiere ich. "... wobei es etwa eine Stunde dauern könnte, bis die System-Synchronisation auch auf ihrem Rechner bemerkbar wird." "Und das ist der Abschluss. Also, was denken sie?" "Das klingt nicht sehr dynamisch." "Dynamik - wenn es dieses Wort überhaupt gibt - wird überschätzt", antworte ich. "Wie auch immer, meine Vorführung war erfolgreich. Zeit für das Mittagessen!" ... Als ich Sekunden später am Büro des Chefs vorbeilaufe, ruft er mich zu sich herein. "Mein Programm ist stehengeblieben!" schnieft er. "Oh, ich bin gerade auf dem Weg in die Kantine, aber ... sie können den PJ unter dieser Nummer erreichen." sage ich und reiche ihm eine Notiz mit einer Telefonnummer. "Gut." "Oh, und könnten sie ihm diese Passworte übermitteln, die er gesucht hat: >Kritzel< 'Eibenholz-Anker', >Kritzel< 'Warteschlangen-Entfernung'. Wenn sie ihm das übermitteln könnten ..." EXTRASPASS! [[Der B.O.F.H. verkauft SOFTWARE-MÜLL ...]] An manchen Tagen WEISS man einfach, dass es dort oben jemanden gibt, der gegen einen arbeitet. (In der fünften Etage, nicht Gott ...) Und so kommt es, dass ein Umschlag mit interner Post seinen Weg auf den Schreibtisch des Chefs findet, in seinen Mülleimer, aus seinem Mülleimer heraus, hinüber zum Kaffee-Automaten, in die Toilette, zurück auf seinen Schreibtisch, wo er schliesslich geöffnet wird, zehn Minuten Aufmerksamkeit erntet, ein paar längere Worte im Lexikon nachgeschlagen und mit Notizen versehen werden, dann wieder zum Automaten, zurück in die Toilette, zurück zum Kaffee-Automaten und schliesslich in mein Büro. Vermute ich ... "Schauen sie sich das einmal an." murmelt der Chef, während er einen Stapel Hochglanzbroschüren auf meinen Tisch wuchtet, deren einziger Zweck es ist, mental schwächere Trottel zu beeindrucken. "Das ist ein Stapel Papier für den Lokus", sage ich. "Was?! Oh, ja, wie kommt das nur hierher. Nicht das, sondern das hier!" antwortet er und hantiert nervös mit den verräterischen doppellagigen Papiertüchern. "Was soll das denn genau sein?" frage ich. "Ah, eine neue Software, die unsere Geschäftsabläufe noch besser nachbilden kann." zwitschert er schnell. "Wirklich? Ich hätte nicht geglaubt, das es auf dem Markt eine ernsthafte Konkurrenz zu unserem bisherigen Programm gibt", antworte ich unbeeindruckt. "Es sei denn, OS/2 würde wiederauferstehen ..." "Ja, ja, natürlich", murmelt er, offensichtlich vom schwierigen Nachdenken, was es heute wohl in der Kantine gibt, abgelenkt. "Aber schauen sie sich das einfach einmal an und sagen sie mir, was sie davon halten." "In Ordnung", gebe ich nach. "Das ist ein Stapel bunter Broschüren, gedruckt auf ... Papier, das 100 Gramm pro Quadratmeter wiegen dürfte, und beim Druck wurde ein Verfahren zur Mischung der Farben verwendet, das sie heute bei ..." "DIE SOFTWARE IN DEN BROSCHÜREN!" schreit er. "Oh, die Software meinen sie! Nun, werfen wir einen Blick darauf." Meine ersten Vermutungen waren korrekt. Der "DIE SOFTWARE, DIE IHR UNTERNEHMEN NICHT IGNORIEREN DARF!!!"-Aufkleber ist schon eine deutliche Bestätigung. "ZEHN JAHRE ERFAHRUNG!!" bestätigt es nur noch einmal. "Das ist Schrott!" "Wie können sie das behaupten - sie haben doch noch nicht einmal in die Broschüren hineingeschaut!" "Ich muss nicht hineinschauen, diese Broschüren sehen alle gleich aus. Innen werden sie ein paar bunte Statistiken finden, die bestätigen, was immer ihre Macher behaupten, ein kleines Bild eines schmächtigen Kerls mit Brille und einem Abschluss in Informatik, der das Programm liebt, und die Namen einiger Firmen, die so dumm waren, die Software zu kaufen. Und auf der Rückseite steht noch, dass es sich um ein GANZ SPEZIELLES SONDERANGEBOT handelt." "Ich glaube nicht, dass ..." stammelt er, als er eine Broschüre öffnet, um festzustellen, dass ich die Wahrheit gesagt habe. "Nun, aber ich denke, sie ist mit Sachverstand erstellt worden." "Gut kopiert, trifft es wohl eher." "Aber die Software wurde von erfahrenen Profis entwickelt, die die Orientierung auf das Geschäft immer im Auge haben - eine Tatsache, die ihnen geholfen hat, ähm ..., unumstrittener Marktführer im Bereich der Nachrichten-Übermittlungs-Software zu werden!" plappert er los, wobei er offensichtlich ein paar Satzfetzen aus seinem Gehirn mit Worten, die er auf der Titelseite der Broschüre gelesen hat, kombiniert. "SCHNELL UMUMSTRITTENER MARKTFÜHRER GEWORDEN IN ..." wiederhole ich. "Mit anderen Worten: 'Wir haben über einen neuen Weg nachgedacht, ein gelöstes Problem erneut zu lösen, haben ihm eine griffige Phrase für die Werbung verpasst, so dass wir Marktführer sind, weil vorher niemand diesen Begriff verwendet hat!'." "Ich glaube nicht ..." "Oh, sehen sie!" rufe ich und deute auf den PJ. "Hier kommt die Person, die in kürzester Zeit der unumstrittene Marktführer im Bereich des Kabeltransports aus dem Lager wurde. Oder, wie wir es gern nennen, dem 'Management physischer Medien zum Datentransport'." "Ja, ja, sehr lustig, aber ich denke, dass ..." "Warten sie bitte einen Moment, ich bekomme gerade einen Anruf von jemandem, der mir sagen will, wer in kürzester Zeit Marktführer bei technischen Kommunikations-Protokollen werden wird", rufe ich und beantworte einen Anruf. "Glauben sie, dass es die Person sein könnte, die der Marktführer für die Rückkopplung beim Lebensmittelverkauf wird - und fragt, ob ich Senf zu meinem Mittagessen will?" "Sie sind ein richtiger Zyniker", seufzt der Chef traurig und schüttelt seinen Kopf, als er langsam hinausschleicht. "ZYNISCH!" rufe ich und versuche, ihn zum Bleiben zu bringen, was mir allerdings misslingt. "Das ist die Computer-Branche, die geschaffen wurde, um gescheiterten Gebrauchtwagenverkäufern eine neue Chance zu geben!" Aber es ist zu spät, der Chef ist verschwunden. "Worum ging es denn?" will der PJ wissen. "Software-Müll." "Vom unumstrittenen Marktführer im Bereich der Nachrichten-Übermittlungs-Software?" fragt der PJ. "Ja - woher wissen sie das?" "Ich habe es vor ein paar Tagen auf einer Broschüre gesehen - ich habe ihr Exemplar gleich in den Mülleimer entsorgt." "Danke. Aber worum ging es denn dabei eigentlich?" "Ein leicht angepasstes E-Mail-Programm, das beim Start das Firmenlogo zeigt." "Interessant. Wie kommt es, dass sie sich damit so gut auskennen?" "Die Broschüre ist von mir!" gibt der PJ selbstgefällig zu. "SIE VERKAUFEN SOFTWARE-SCHROTT!?!?" rufe ich leicht entsetzt über den charakterlichen Mangel des PJs. "Ohne mich einzuweihen!?" "Ach was, sie sind in der zweiten Broschüre vertreten - als 'unumstrittener Markführer für plattform-unabhängigen Datentransfer' ..." "?" "Ein FTP-Programm mit dem Firmenlogo ..." "Was kostet es?" "Das ganze Paket? Vier Pfund pro Nutzer." "Dummkopf!" "Zu teuer?" fragt der PJ. "Nein, ich habe es dem Chef nur gerade ausgeredet. Jetzt brauchen wir etwas, das überzeugender wirkt." "Verdammt. Wir könnten eine Pressemeldung von Gartner fälschen?" "Zu kompliziert für ihn - er weiss nicht einmal wer die sind!" "Ein bearbeitetes Bild von Bill Gates mit der Software?" "Schon besser, aber wir brauchen etwas, dass glaubwürdiger ist ..." "Ein gefälschtes Titelbild eines Computer-Magazins!" "DAS IST ES!" rufe ich. ... Einen halben Tag und eine glänzende Seite später ist der Chef überzeugt und die Bestellungen kommen herein. Und, wer hätte das geahnt, der Chef hat das Programm einem seiner Freunde empfohlen, der ebenfalls sehr neugierig ist ... Integrität ist der Schlüssel. Wenn man ihn fälschen kann ... [[Der B.O.F.H.-Interpretationstest - lassen sie sich nur darauf ein, wenn sie WIRKLICH MUTIG sind ...]] Der B.O.F.H. will wissen, ob sie in der Lage sind, Versprechungen richtig zu deuten. Interpretieren sie die folgenden Aussagen: 1. Sie werden wieder einmal von der Verkaufsberaterin eines grossen Software-Herstellers angerufen. Aus Erfahrung wissen sie, dass sie überfreundlich sein wird und ungefähr soviel von Computern versteht, wie Sonny Bono vom Schifahren in einem Wald. Sie kommt gleich zur Sache und erklärt, dass sie gerade ein Programm bekommen hätte, dass einfach zum besten gehört, was sie jemals gesehen hat. Sie wissen sofort: A.Es handelt sich um ein ausgezeichnetes und hochentwickeltes Programm. B.Es handelt sich um ein recht gutes Programm. C.Es ist Schrott. D.Es gibt gar kein Programm, sie verkauft nur Luft, doch sie kaufen trotzdem ein Exemplar. 2. Ein Ingenieur besucht sie und nachdem er einen Geschwindigkeitsrekord beim Auseinandernehmen und teilweisen Zusammensetzen ihrer Technik aufgestellt hat, erklärt er, dass nun wieder alles laufen würde. Das bedeutet: A.Es wird alles fehlerfrei laufen, bis er wieder auftauchen muss. B.Alles wird laufen, bis er in seinem Auto sitzt. C.Alles wird laufen, bis er einen Fahrstuhl bekommen hat. D.Er hat die Technik von der Wand weggerückt, so dass sie kein Feuer fangen kann, solange er noch im Gebäude ist. 3. Ein Nutzer ruft sie an, um herauszufinden, welche Art von Sicherheitskopien sie anlegen. Er erklärt, dass er KEINE Dateien gelöscht hat und sein System hervorragend funktioniert. Das bedeutet: A.Er will einfach wissen, welche Art von Sicherheitskopien sie machen. B.Er hat eine Datei gelöscht, deren Wiederherstellung einen gewissen Zeitaufwand erfordert. C.Er hat eine Datei gelöscht, deren Wiederherstellung sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde. D.Er hat die Dateien irgendeines ANDEREN Nutzer gelöscht und weiss nun nicht, wie er sich aus der Klemme befreien soll. 4. Die Erbsenzähler zweifeln eine ihrer Bestellungen für Ausrüstung an, weil die Preise angeblich überhöht sind. WIRKLICH meinen sie aber, dass: A.die Technik zu teuer ist. B.die Geräte recht teuer waren und mit ein wenig mehr Mühe ein billigeres Angebot hätte gefunden werden können. C.sie das zu allen Anschaffungen sagen, deren Wert über 50 Pfund liegt. D.sie einen Morgen voller Strom- und Netzwerkausfälle wollen. 5. Ihr Chef kommt in ihr Büro marschiert und hält in seiner Hand einen Stapel noch nicht genehmigter Bestellungen. Er erklärt, dass er weitere Empfehlungen für die Technik braucht, die sie anschaffen wollen. Er meint offensichtlich, dass: A.er sich vor dem IT-Chef rechtfertigen muss wie jeder andere auch. B.er die Ausgaben vor den Erbsenzählern rechtfertigen muss wie jeder andere auch. C.er nicht weiss, worum es eigentlich geht, aber nicht dumm dastehen will. D.er ein Auge auf eine Laptop-/Arbeitsplatzrechner-Kombination geworfen hat, deren Anschaffung für ihre Bestellung keinen Platz im Budget mehr lässt. 6. Der Wachdienst schickt ein Rundschreiben, in dem jeder darüber informiert wird, dass er ihre übliche Arbeitsplatz- und Bürosicherheitsprüfung in den nächsten Tagen durchführen wird. Was sie wirklich meinen, ist, dass: A.die Sicherheit in den Büros höchstwichtig ist und sie besorgt über die Unfälle sind. B.die Sicherheit in den Büros höchstwichtig ist und sie besorgt sind wegen der Einbrüche. C.sie einen Zusammenhang sehen zwischen den Stossspuren auf den Gehäusen verkaufter Rechner und dem spitzen Stock, den sie zum 'Herausheben der Bodenabdeckungen' benutzen. D.der Chef des Wachdienstes seinen Tresor zurückhaben möchte. 7. Sie lesen ein Magazin, in dem behauptet wird, ein bestimmtes Betriebssystem aus den 80er feiere seine Rückkehr. Im Klartext bedeutet das: A.Ernsthafte Entwicklungsarbeiten haben ein echtes Ergebnis in der OS/2-Zentrale hervorgebracht. B.Ernsthafte Entwicklungsarbeiten haben ein echtes Ergebnis in der VMS-Zentrale hervorgebracht. C.Ernsthafte Entwicklungsarbeiten haben ein echtes Ergebnis in der Amiga-Zentrale hervorgebracht. D.Alkoholgenuss in der Redaktion hat seltsame Wirkungen gezeigt. 8. Sie suchen neue Mitarbeiter, als ein Sklavenhändler sie anruft und erklärt, er habe einen fantastischen Kandidaten für ihr Team. Ihre bisherigen Erfahrungen mit Sklavenhändlern sagen ihnen, dass: A.der Kandidat ideal für sie ist. B.der Kandidat möglicherweise ganz in Ordnung sein könnte. C.der Kandidat möglicherweise einen Computer erkennen könnte, wenn er einen sieht. D.der Kandidat den Weg zu ihrem Büro nicht finden wird. 9. Sie besuchen eine Verkaufsausstellung, bei der die neueste und beste Technik zum Testen bereitsteht. Der Vorführer, der vor den Geräten steht, die EXAKT so aussehen wie die, die der Chef im vergangenen Jahr gekauft hat, erklärt, dass die neue Version die doppelte Leistung zum halben Preis bietet!!! Sie glauben, dass: A.die Geräte einfach HERRLICH sind. B.die Beschreibung herrlich klingt. C.der Chef die Technik herrlich finden würde. D.es herrlich ist, dass sie es wagten, damit in der Ausstellung zu erscheinen! Wie haben sie geantwortet? Meistens A: Sie sind ein Anfänger, nicht wahr? Sind sie wirklich sicher, dass hier nicht Literatur lesen, die die Manager ihnen verboten haben? Nebenbei, ich hätte da dieses attraktive Stückchen Land in Leeds, das bekannt ist für seine von den Touristen geliebten Minigolf-Bahnen ... Meistens B: Oder SIND SIE gar der Manager? Ich weiss, dass hier einer herumschnüffelt. Meistens C: Schon ganz gut. Eine gute Mischung aus Zynismus und Erfahrung. Mit etwas mehr Praxis könnten sie Mitglied im Club werden. Meistens D: HERVORRAGEND! Wir haben einen Gewinner! Sie lassen sich nicht durch die kleinen Lügen beeindrucken, die andere so häufig benutzen, um sie über ihre wahren Absichten (sie zu übertölpeln) zu täuschen. Gratulation. Nun, noch einmal zurück zu dieser Investition in Leeds ... [[Der B.O.F.H. greift zu M$-Tricksereien ...]] Der PJ und ich grinsen über die neueste Episode der Seifenoper mit dem Titel 'Microsoft bekämpft Raubkopien', als wir ein beunruhigendes Geschehen bemerken. Nein, der Chef ist nicht gerade dabei, einen Auftrag über die Programmierung von Software für OS/2 anzunehmen. Es ist schlimmer ... "Wer ist denn das?" fragt der PJ und deutet auf einen jungen Anzugträger, der sich offenbar sehr bemüht, dem Chef Honig ums Maul zu schmieren. "Das sieht verdächtig nach der 'neuen Generation' der Computer-Branche aus", antworte ich. "Der gründlich gebügelte Anzug, der Gürtel, der zu den Schuhen passt, UND die prahlerische Seidenkrawatte ...." "Was will der hier?" "ICH glaube, er ist ein Schützling des Chefs - vielleicht hat er als Kind seinen Rasen gemäht - der seinen Weg durch das College gemacht hat und nun glaubt, er verstünde etwas von Computern. Ja, ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass er sich um die freie Stelle in der IT-Abteilung bewirbt." "Es gibt keine freie Stelle in der IT-Abteilung!" "Oh, habe ich ihnen das nicht gesagt?" kommentiere ich. "Sie werden wohl gehen müssen. Es soll etwas mit unprofessionellem Verhalten zu tun haben." "Was?" "Ja, sie glauben offenbar, dass es zuviel war, als sie den Monitor dieses Erbsenzählers durch das Fenster warfen." "Ich habe ihn entmagnetisiert, indem ich ihn durch ein statisches Magnetfeld bewegt habe." "Statisches Magnetfeld?" "Das Magnetfeld der Erde!" "Natürlich. Wie auch immer, sie haben sich wohl darüber aufgeregt, dass der Monitor an den entsprechenden Erbsenzähler gefesselt war." "Er hat sich in seiner Kleidung verfangen!" "Mit einem doppelten Seemannsknoten?" "Ich weiss nicht, wovon sie reden", lügt er wenig überzeugend. "Aber wie kommt es, dass SIE etwas davon wissen?" "Eine fehlerhaft adressierte E-Mail landete in meinem Postfach." "Eine falsche Adresse von wem?" "Dem Geschäftsführer." "Und wie kann man da eine fehlerhafte Adresse benutzen?" "Nun, etwas, das man geheimhalten will, sollte man nicht an den Geschäftsführer schicken." "Ah. Und wie geht es nun weiter?" "Ein hoher Rauswurf für sie, fürchte ich - freilich nicht so hoch, wie das die Erbsenzähler erwarten. Und sie werden nicht so heftig landen, wie die Monitorteile auf der Ladefläche dieses Frachters, aber es ist trotzdem ein Rauswurf. Und ich werde dann das Vergnügen haben, mit dem neuen Kerl zu arbeiten, bis er sich dazu entscheidet, seine Karriere in einem anderen Unternehmen fortzusetzen." "Also sollte ich in zwei Wochen für einen neuen Vertrag vorsprechen?" "Eine Woche sollte ausreichen." Und so kommt es wie erwartet - der PJ wird zu einer BESPRECHUNG eingeladen, von der er nicht mehr zurückkehrt. Und als Ersatz erscheint ein Kind, dass so unschuldig und poliert ist, dass ich glaube, Möbelpolitur zu riechen, wenn er in der Nähe ist. Und sowas von neugierig und begeistert, dass er nicht einen Fuss nach draussen setzt. Seufz. "Hallo, ich bin David - ich habe gerade meinen Abschluss in Informatik gemacht und bin wirklich froh, mein Wissen nun in der Praxis anwenden zu können!" plappert er los und umklammert begeistert meine Hand. "Ich weiss, dass sie schon seit Jahren in ihrem Beruf sind, aber hoffentlich kann ich sie mit den fantastischen Möglichkeiten der Technologie bekanntmachen, die es seit ihrem letzten Besuch in der Industrie vor zehn oder mehr Jahren gibt." Ich schlucke meinen Ekel und die Verwünschungen herunter und sage ihm, dass er mir folgen solle, um ein paar Nutzer zu besuchen - das sollte ihm klarmachen, wer hier der Chef ist. Unser erstes Ziel ist unsere notorische Heulerin, um seinen Willen zu brechen. Ich erkläre ihm, dass er nur eine minimale Änderung an ihrem Rechner vornehmen muss (zum Beispiel die Maus bewegen), um für die tausend nächsten Probleme verantwortlich gemacht zu werden, die sie ganz sicher haben wird. In Phase 2 setze ich ihn auf ein unlösbares technisches Problem an, was ihn gehörig unter Druck setzen dürfte. "... und er stürzt einfach immer ab!" jammert der Nutzer. "Jetzt, da sie es erwähnen, fällt mir ein, dass ich erst gestern in einer Fachzeitschrift einen Artikel gelesen habe, in dem als Hauptursache für Abstürze die Installation von Raubkopien genannt wird. Sie haben doch keine Raubkopien install ...." WIR UNTERBRECHEN DIESE EPISODE FÜR EINE UNTERSCHWELLIGE BOTSCHAFT EINIGER SOFTWARE-VERKÄUFER. PJ: Ach was! Ich bin überzeugt davon, dass Raubkopien schlecht sind. Und ich glaube nicht, dass jemand, der Raubkopien benutzt, sich mit meinem fiktiven Charakter identifizieren könnte. Das gilt speziell für Microsoft-Produkte. Das macht dann tausend Pfund, bitte. B.O.F.H.: Für mich ebenfalls. Chef: Und für mich. PJ: Wen interessiert schon, was sie denken? Sie sind eine austauschbare Randfigur. Holen sie uns einen Kaffee und schätzen sie sich glücklich, dass sie das dürfen! NUN KEHREN WIR WIEDER ZUR URSPRÜNGLICHEN GESCHICHTE ZURÜCK, WOBEI WIR DARAUF ACHTEN, DIE UNTERSCHWELLIGE BOTSCHAFT VOR IHREM BEWUSSTSEIN ZU VERBERGEN, WÄHREND WIR SIE FEST IN IHR UNTERBEWUSSTSEIN (TRINKT COKE!) EINPFLANZEN. "... iert?" "Nein", lügt der Nutzer. "Haben sie ihre Systemeinstellungen geändert?" "Niemals!" spielt er weitder den Pinocchio. "Nun, dann muss ich gestehen, dass ich wirklich verblüfft bin. Es könnte an einem fehlerhaften Programm liegen, doch in meinem Abschlussjahr habe ich eine Arbeit über die Standards bei der Qualitätskontrolle von Software verfasst. Und ich kann ihnen versichern, dass nur ein verschwindend geringer Teil der Programme nicht den härtesten Test unterzogen wird." Der Ekel, den ich vorhin verspürte, meldet sich stärker zurück. Er ist so grün, dass er zurechtgestutzt werden muss! Aber unglücklicherweise ist er gewissenhaft und pedantisch, so dass selbst meine besten Versuche, seinen Willen zu brechen, scheitern. Er geht völlig in seiner Arbeit auf, versucht, den Problemen auf den Grund zu gehen und sie wirklich zu lösen. Meine Hauptsorge ist nun, dass die Nutzer die gleichen Ansprüche an meine Arbeit stellen könnten - dass ich in ihre Büros eile, wann immer sie an ihren Monitor- und den Papier-Einstellungen des Druckers herumgespielt haben. Es will einfach nicht gelingen! Selbst das versehentliche Einklemmen seiner Krawatte in der Tür, so dass er mit dem Arm nicht an den Magnetkartenleser herankommt, zeigt nicht das gewünschte Ergebnis. Er ist noch immer freundlich und hört sich voller Begeisterung das Gejammer der Nutzer an. HAT DIESER MANN DENN KEINE ACHILLES-FERSE!? Natürlich! Wieso habe ich nie daran gedacht! "So", murmle ich und schleiche im Büro um ihn herum, um ein Thema anzuschneiden, das ihm sehr am Herzen liegt, wenn meine Beobachtungen richtig waren. "Sie haben wirklich GROSSEN Eindruck auf die Sekretärin gemacht." "Wirklich? Sie hat mir gesagt, ich solle mich verziehen, statt ständig um ihren Drucker herumzuschleichen." "Unsinn! Sie weiss doch, was man in der Firma von uns hält und will uns aus der Schusslinie heraushalten - sicher haben sie das auch bemerkt?" "Ich ..." ... zwei Tage später ... "Und wie haben SIE ihn dazu gebracht, Nacktbilder von sich selbst an sie zu schicken?" will der PJ wissen. "Ich habe ihm nur gesagt, als Künstlerin wisse sie die Schönheit des männlichen Körpers zu schätzen und dass sie es möglicherweise zu schätzen wisse, wenn ihr jemand in dieser Hinsicht entgegenkommt. Und wie das nun einmal bei diesen Technik-Süchtigen ist, die ihr Leben in Rechnerlaboren und nicht in der realen Welt verbringen, wusste auch er nicht, wo die Grenze zwischen geschmackvoll und geschmacklos ist." "Also ist er verschwunden - gefeuert?" "Noch besser - er wartet auf seine Verhandlung wegen Exhibitionismus in einem Foto-Automaten." "Was?" "Nun, ich sagte ihm, dass die ersten Bilder ihr als Künstlerin nicht authentisch und 'rauh' genug wären." "Sie Bastard!" "Ich hoffe, sie werden das nie vergessen!" [[Der B.O.F.H. träumt von einem straflosen Mord an einem Nutzer ...]] Es ist 3:17 Uhr, ich schlafe sicher in meinem Bett und träume von einer Welt, in der "Dummheit" als Entschuldigung für einen straflosen Mord ausreicht, als das Telefon klingelt. "Hallo. Ich weiss ja, dass es spät ist ...." beginnt die Stimme. "Es ist nicht spät, sondern früh ...." "Ja, nun, ich musste anrufen, denn es handelt sich um einen Notfall!" "Uh-huh. Und woher haben sie meine Nummer?" "Sie stand in der Liste mit den Kontaktpersonen, die nach Büroschluss erreichbar sind, unter 'Pakistanische Botschaft'. Ihr Chef hat mir gesagt, wo ich sie finde." Was natürlich die Frage aufwirft, WIE der Chef herausgefunden hat, dass es sich dabei um meine Nummer handelt, die doch nur dei Person kennen sollte, die die nächsten Wochen damit verbringen wird, mit einem Tastatur-Staubsauger die Zwischenetage unter dem Rechnerraum zu säubern ... "Wie auch immer, ich habe sie angerufen, weil der Laserdrucker in Raum 440 nur noch wenig Toner hat. Und der möglicherweise auch noch völlig ausgeht, bevor wir mit dem Ausdrucken der Berichtsentwürfe mit den Ergebnissen der Kundenbefragung fertig sind, die wir für die morgige - nun, die HEUTIGE - strategische Besprechung mit den Direktoren aus der Zentrale in den USA brauchen." "Warum nehmen sie nicht einfach einen anderen Drucker?" seufze ich und versuche, hilfsbereit zu klingen. Ich muss noch halbwach sein ... "Das KÖNNEN wir NICHT, weil wir Spezialpapier in diesen Drucker gelegt haben!" "Wieso ist es Spezialpapier?" "Das Wort ENTWURF ist als Hintergrund aufgedruckt!" "Natürlich - und sie können das Papier nicht in einen anderen Drucker einlegen oder gar einen dieser teuren Farbdrucker benutzen, die im ganzen Gebäude verstreut sind, mit denen sie ENTWURF als rotes Hintergrundbild drucken können ..." "Ah ... Ja, das ist eine gute Idee." Kaum bin ich wieder eingeschlafen, klingelt das Telefon erneut. "Hallo, da bin ich wieder!" meldet sich fröhlich der Nutzer, den ich am wenigsten mag - und es nervt mich wirklich, dass er mich jetzt wie einen alten Freund anspricht, weil wir ein gemeinsames Druckerproblem hatten ... "Natürlich, das Papier wird mit der Seite, die bedruckt werden soll, nach oben eingelegt." "Oh." "Sie wissen schon, so, wie sie es aus dem anderen Drucker herausgenommen haben ..." "Oh. Natürlich. Es ist nur so, dass ich dabei nichts verkehrt machen will ..." "Dabei" ist der wichtigste Begriff in seiner Aussage. Wenn er damit das Anfertigen des Berichts meint, bewegt er sich auf sicherem Boden. Wenn er mit "dabei" aber "meine Karriere", "meine Chancen auf eine Weihnachtsprämie" oder "meine Chancen, die Toilette zu besuchen und ohne einen starken elektrischen Schlag wieder herauszukommen" meint, dann ist es ohnehin schon zu spät für ihn. Aber seinem Schicksal kann man nicht entkommen. Das Schicksal schlägt erneut zu, als er um 4:16 Uhr anruft, um zu fragen, wie der Drucker im Druckerraum in der 4. Etage im Netzwerk heisst. "Ich weiss es nicht, was steht dann auf dem weissen Aufkleber an der Seite?" "Uh ... A4PS04331." "Wie in A4 Postscript Version 4, Raum 33, Drucker 1?" frage ich gereizt. "Also ist A4PS04331 die Druckerbezeichnung?" "Nein das sind nur ein paar Zahlen und Buchstaben, die wir auf die Seiten der Drucker kleben, um sie interessanter zu gestalten." antworte ich wenig freundlich. "Oh. Und wie heisst der Drucker denn nun?" Seufz. Um 4:47 Uhr stelle ich mir einen Mord vor, nachdem ich gefragt wurde, wie man einen Tonerbehälter ausstausch ... 5:02 Uhr ... "Er druckt nicht, ES KOMMT NUR WEISSES PAPIER HERAUS!!!" keucht er. "Haben sie den Verschluss entfernt, bevor sie den Toner eingesetzt haben, wie es in der Anleitung steht?" "NATÜRLICH HABE ICH DAS!" "Und wie sah er aus?" "Ein schwarzes Plastikstück!" "Und da war kein Stück aus transparentem Plastik dabei?" "NEIN!" "Dann ist der Verschluss noch immer da." "Was soll ich nun tun?" Ich zähle langsam bis 10. Seufz. "Nun, da sie den Verschluss nicht mehr lösen können, da sie den Plastikgriff abgebrochen haben, müssen sie ihn wohl auflösen. Haben sie ein parfümiertes Lösungsmittel?" "Äh ... nein?" "Was ist mit ihrem Sanitätskasten?" "Ich glaube nicht!" "Nun, prüfen sie das. Wenn sie nichts finden, müssen sie etwas Lösungsmittel aus dem Service-Zentrum holen. Nein, warten sie, das ist jetzt ja geschlossen. Wissen sie, nehmen sie einfach etwas Benzin. Eine halbe Gallone sollte ausreichen ..." Später am Morgen ... "Und der Drucker EXPLODIERTE plötzlich und ging in Flammen auf!!!" berichtet mein Anrufer einen Neuling vom Wachdienst, als ich durch die Überreste von Raum 443 schleiche. "Und sie sagen, er hat ihnen befohlen, Benzin in den Drucker zu schütten?!" fragt der Wachmann. "Ja, um den Kleber aufzulösen! Zum Glück habe ich den Drucker abgeschaltet, sonst hätte ich genau daneben gestanden, als es passierte!!!" "Ja, da haben sie Glück gehabt." nickt der Wachmann. "Nun, wenn sie mit in unser Büro kommen, können wir gleich einen Unfallbericht ausfüllen und die Geschäftsführung informieren." "Ich werde den Lift rufen." grinst der Nutzer hilfsbereit. "Sind sie sicher, dass sie den Lift benutzen wollen?" fragt der Wachmann und schaut sich vorsichtig um. "Es gibt ... Gerüchte, dass die Fahrstühle sich in der letzten Zeit manchmal seltsam verhalten ..." "Gut, dann nehmen wir die Treppen!" ... "Und dann rutschte er unglücklich aus und stürzte die Treppe hinunter", erklärt der Wachmann später dem Chef. "Er fiel eine Treppe hinunter!" keucht der Chef mitleidig. "Nun, es waren gleich zwei Treppen, um ehrlich zu sein - dabei brach er sich sein linkes Bein und das rechte Handgelenk!" antwortet der Wachmann. "Natürlich haben wir das Treppengeländer und die Stufen sorgfältig geprüft, doch alles sah völlig harmlos aus. Natürlich werden wir seiner Beschwerde nachgehen, wenn er sich erholt hat, doch gegenwärtig können wir den Fall nicht weiterverfolgen ..." Seltsam. Und noch seltsamer wird es, als ich den PJ dazu befrage, der jegliches Wissen leugnet. Nicht mehr so seltsam wirkt die ganze Sache als eine wohlbekannte Person in einer blauen Uniform sich mit einem Band, das aussieht, als stamme es aus einer Telefonüberwachungsanlage. "Hallo!" beginnt der PJ. "Sind sie nicht ..." "Ihr neuer stiller Teilhaber?" sagt der Wachmann. "Der auf ein Bier wartet!" [[Der B.O.F.H. trifft auf eine Kollegin ...]] Ich arbeite an einem Rechner, als ein Geruch an meine Nase dringt, der nur eins bedeuten kann - der PJ hat eines unserer eher empfindlichen Geräte 'repariert'. Nur macht der PJ gerade eine Woche Urlaub - ich bin wirklich verwirrt. Das kann doch kein Defekt sein?! Nicht bei meiner Technik. Aber es sieht ganz danach aus. Ich folge meiner Nase dorthin, wo der Geruch am stärksten ist, um eine alte Festplatte mit Hitzespuren auf der Vorderseite als Ursache zu finden. Sie sieht wirklich nicht gut aus. Ich prüfe unseren Wartungsplan, aber - natürlich - das Gerät wurde nicht mehr gewartet, da der Chef denkt, dass ein Gerät, das in der Vergangenheit funktionierte, auch in der Zukunft nicht ausfallen kann. Die billigste Variante von Technikpflege eben. Also, die Festplatte ist hin. Und da sie antik ist, kostet ihr Ersatz etwa das, was man heute für einen kompletten Arbeitsplatzrechner zahlen würde, der über die zehnfache Rechenleistung und den zehnfachen Plattenplatz verfügt. Und selbst dann würde man nur über einen Pentium 75 mit einer 2 Gigabyte Festplatte sprechen, also könnte man auch das noch einmal mit 10 multiplizieren. Und wo wir gerade dabei sind, könnte man auch noch die Kosten für das Herbeirufen des Technikers hinzufügen, der, da wir keinen Wartungsvertrag mit seiner Firma haben, 200 Pfund allein für die Anfahrt und weitere 150 Pfund je Stunde kassiert. Eigentlich ein lukratives Geschäft, über das ich einmal nachdenken sollte. Die Technikerin, die sich mir schliesslich vorstellt, ist eine echte Überraschung. Sie wirkt aus verschiedenen Gründen interessant auf mich, wovon nicht der geringste ist, dass sie gar nicht einfältig aussieht, oder die Sorte von hässlich ist, mit der Eltern ihren Kindern drohen, wenn diese mit Streichhölzern gespielt haben. Ja, ich würde sogar soweit gehen, dass sie mehr als attrak ... "Und wo ist das Laufwerk?" fragt sie. "Im Rechnerraum." "Haben sie eine Zugangskarte für mich?" "Ja, aber wir müssen alle Arbeiten im Rechnerraum beaufsichtigen - sensitive Daten etc." antworte ich. "Also werde ich sie hineinlassen." Sie folgt mir in den Rechnerraum und zeigt keine Hemmungen, die Machine zielstrebig herunterzufahren, indem sie sie einfach abschaltet. Sie gefällt mir. Mehr als doppelt so schnell ist die Festplatte ausgetauscht und der Rechner läuft wieder. "Noch einen Kaffee bevor sie gehen?" schlage ich vor. "Aber gern", sagt sie, nachdem sie einen Blick auf ihre Uhr und ihren Nachrichten-Pieper geworfen hat. Ich eile aus dem Büro und flitze doppelt so schnell mit einem Kaffee zurück, der genau ihren Vorlieben entsprechen dürfte, wenn ich mich nicht irre. "Ich fürchte, ich kann nicht länger bleiben, ich muss an das andere Ende der Stadt und wenn ich mich nicht beeile, komme ich in den Berufsverkehr. Ich habe keine Lust auf Beulen in meinem P76!" Ein P76 Leyland, das Markenzeichen eines offensiven Fahrstils. Ein wahrhafter Strassenkreuzer! HAT DIESE FRAU ÜBERHAUPT EINEN FEHLER!?! Kaum ist sie gegangen, stelle ich fest, dass das auch auf meine Geldbörse zutrifft. Und vom Schreibtisch des PJ ist ein Bandlaufwerk verschwunden ... DAS MUSS LIEBE SEIN! ... Und so kommt es, dass sie einen Tag später wieder im Büro ist, um einen Server zu reparieren, der unglücklicherweise dreimal aus dem Regal gefallen ist (die Reparaturkosten sind so hoch, dass der Chef bestimmt die Kontrolle über seine Blase verloren hat, als er die Rechnung gelesen hat). Diesmal bin ich nicht so dumm und sorge dafür, dass ich die Sachen auf unseren Schreibtischen im Auge behalte und meine Geldbörse sicher im Safe liegt. Lustigerweise ist mir wirklich niemals im Laufe ihres Besuchs das klaffende Loch im Server der Erbsenzähler aufgefallen, wo früher vier 50 Gigabyte Festplatten waren. Erst zwei Stunden nach ihrem Verschwinden bemerke ich es ... Die Erbsenzähler haben es freilich schon etwas eher festgestellt. Nun gut. Da ich mich durch diese Situation nicht länger aufhalten lassen will, schiebe ich ein paar Ersatzfestplatten aus unserem Sondervorrat in den Rechner, den der PJ und ich angelegt haben, um ... äh ... lizensierte Software zu installieren (und ganz sicher KEINE MP3-Dateien aus dem Internet zu speichern), und erkläre den Erbsenzählern, der Ausfall sei durch einen Fehler IHRER RAID-Konfiguration (Level MINUS 1, so dass keine Daten gespeichert werden) verursacht worden. Erwartungsgemäss kaufen sie meine Geschichte ... Trotzdem, es muss etwas geschehen, denn nächste Woche wird der PJ zurückkehren, der mit Sicherheit meine Unachtsamkeit verhöhnen wird. ... Nachdem sie gekommen ist, um eine Tastatur zu reparieren, die alle Anzeichen einer Behandlung mit einem grossen stumpfen Werkzeug zeigt, in Wirklichkeit aber nur unter Abnutzung und Tränen leidet, schuggle ich fünf brandneue Festplatten in ihren Werkzeugkoffer, als sie gerade nicht hinschaut und überlasse sie sich selbst. Ich kann ihre Gedanken nicht begreifen, als ich die fünf Laufwerke später am Nachmittag auf einer Maschine im Rechnerraum finde, wo sonst der Bandzerkleinerer steht. Etwas muss geschehen. Ich rufe in ihrer Firma an und lasse mich zu ihr durchstellen. Sie nimmt den Anruf an. Und da es Zeit ist, die Angelegenheit auszudiskutieren, mache ich ihr einen Vorschlag. "Wie wäre es mit einem kleinen Bier nach der Arbeit?" Sie akzeptiert und wir verabreden uns für den Abend in einem netten Plätzchen ausserhalb der Stadt. Der Abend bricht an, wir plaudern harmlos über alles mögliche, bis wir schliesslich beim Thema landen und ich sie frage, wieso sie eine Kleptomanin ist. "Oh, ich bin keine Kleptomanin. Es ist nur so langweilig, tagein tagaus die gleichen Dinge zu tun. Also sorge ich dafür, dass mir nicht langweilig wird bei der Arbeit." "Was auch erklären würde, weshalb sie den Bandvernichter mitgenommen haben und die Festplatten zurückliessen." "Den Bandzerkleinerer, 4 ihrer Stifte, ihre Kaffee-Tasse und das Buch, das sie als Unterlage benutzt haben, als sie meine Arbeit quittierten." "Das Besucherbuch?!?" keuche ich. "Ja, ich denke, das ist es. Je auffälliger der Diebstahl ist, desto interessanter ist er. Ich wette, dass sie noch nicht bemerkt haben, dass in ihrem Büro zwei Stühle fehlen, oder?" Ja, es könnte Liebe sein. Um eine lange Geschichte abzukürzen, kann ich sagen, dass wir einen grossartigen Abend miteinander verbrachten, an dessen Ende ich sie zu ihrer U-Bahn-Station begleitete UND bei ihr blieb bis ihre Bahn kam. Und ich habe ihr ihre Geldbörse geklaut, denn solch eine günstige Gelegenheit konnte ich nicht ungenutzt verstreichen lassen ... [[Der B.O.F.H. und der Mahariji ...]] "Sie GEBEN AUF!" ruft der PJ in einem Tonfall, den man nur als unfreundlich bezeichnen kann. "Ich denke, sie rea ...." verteidge ich mich, um mitten im Satz unterbrochen zu werden. "DAS TUN SIE! Sehen sie sich doch an! Sie füllen Tätigkeitsprotokolle aus! 'Nutzer-Passwort zurückgesetzt', 'Bei der Instalation von MS Office geholfen'." "Ich schreibe nur auf, welche Arbeiten erledigt sind, um den Service zu verbessern." "Sie HASSEN Tätigkeitsprotokolle - es gab Zeiten, da haben sie die Protokolle von der Nutzerbetreuung geklaut, um zu verhindern, dass sie Sonderprämien bekommen! Sie sagten, das sei virtuelle Arschkriecherei." "Ach was, ich sagte, es wäre BEINAHE virtuelles Arschkriechen. Virtuelles Arschkriechen ist es, eine dieser elektronischen Postkarten mit Geburtstagsgrüssen an den Chef zu schicken. Wie auch immer, sie sind wohl sehr negativ gelaunt." Die nächste Tirade des PJs wird durch das schnelle Eintreffen des Chefs verhindert. "Ich wollte ihnen nur für die Hilfe bei meinem Problem mit meinen PC helfen. Er läuft jetzt sehr viel besser!" ... "Sie haben DEM CHEF geholfen!? Bei seinem PRIVAT-PC?!! Sie HABEN verloren! Sie wollten die Gesräche über eine Gehaltserhöhung in der nächsten Woche beeinflussen!" "Gehaltserhöhung? Ich habe das Streben nach Reichtum und Macht überwunden und meine Ersparnisse dem Mahariji gespendet. Ich habe es nicht nötig, wegen materieller Dinge meine Vorgesetzten milde zu stimmen." "VORGESETZTE!!! Sie sind ein SCHWÄCHLING geworden!" ruft der PJ angeekelt. "Ich WUSSTE doch, dass da etwas nicht stimmt, als sie den Mann vom Wachdienst einfach so akzeptierten! Der ALTE B.O.F.H. hätte es dazu gar nicht kommen lassen!" "Der ALTE B.O.F.H. ist Geschichte. Er war nicht im reinen mit seiner Aura." "Seiner Aura?" "Ja, das Mantra seines persönlichen Wohlbefindens." "Persönliches Wohlbefinden?! Ist es diese Technikerin gewesen?! Sie hat sie um ihren Finger gewickelt!" "Ich muss gestehen, dass unsere Beziehung sehr schön war, doch der Mahariji hat mir gezeigt, dass sie einfach nur eine Manifestation tiefsitzender Bedürfnisse war. Die Beziehung ist beendet und ich bin nun eine seelisch reichere Person als vorher." "Ein noch grösserer Schwachkopf sind sie!" "Ich bin mir sicher, dass der ALTE B.O.F.H. darauf mit Negativität geantwortet hätte - möglicherweise hätte er Folge katastrophaler Unfälle organisiert, für die man sie zur Verantwortung gezogen hätte. Aber ich werde das nicht tun. Der Mahariji hat mir gezeigt, dass der einzige Weg, die eigene Aura zu pflegen, darin besteht anderen zu helfen." "Trottel!" beharrt der PJ. "Der Mahariji sagt, dass das Benutzen von Beleidigungen ein Zeichen von Verzweiflung ist. Eine gute Aura dagegen wird mit Fröhlichkeit belohnt." "Fünfzig Pfund darauf, dass ich am Ende des Tages die fröhlichere Person von uns beiden bin." "Eine Wette? Ich brauche kein Geld!" "Hundert Pfund!" ruft er. "Ich brauche wirkl ..." "FÜNFHUNDERT PFUND!" "Hören sie bitte auf!" rufe ich. "Das ist unanständig! Aber ich werde ihre Wette unter der Bedingung annehmen, dass sie meinen Gewinn - sollte ich gewinnen - an den Mahariji zahlen!" "In Ordnung!" Der Handel kommt zustande, nachdem wir noch eine Nebenwette abgeschlossen haben, die vorsieht, dass der Verlierer am Freitagabend die Getränke der gesamten IT-Abteilung bezahlen UND sich ihre Beschwerden über den Service anhören muss. Eine Aussicht, auf die sich selbst eine erleuchtete Person nicht freuen dürfte ... Wir haben unsere Abmachung gerade per Handschlag bestätigt, als wir in das Büro des Chefs gerufen werden. Zweifellos will er mir noch einmal dafür danken, dass ich die Probleme gelöst habe ... "Ah .... Ich habe gerade eine Beschwerde über die Servicequalität bekommen, mit der sie den Nutzern helfen!" erklärt der Chef hart und blickt dabei zum PJ. Der PJ schaut erwartungsgemäss mit unschuldigem Gesichtsausdruck weg ... Seufz. "Ich muss mich für den jugendlichen Übermut meines Assistenten entschuldigen", sage ich. "Er ist jung und handelt manchmal impulsiv. Und vielleicht behandelt er manchmal einen Nutzer nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit, aber mit etwas ..." "Genug!" schnappt der Chef. "Man kann es wohl kaum als impulsiv bezeichnen, wenn er dreimal das Passwort eines Nutzers in ein Schimpfwort ändert - das ist eine geplante Handlung!" "?" reagiert der PJ, bevor ich seine Verteidigung übernehmen kann. "Vielleicht ein Missverständnis seitens des PJ", antworte ich. "Er hat vielleicht gedacht, der Nutzer habe die Paswort GEWÜNSCHT - manche Nutzer verwenden eine sehr bildhafte Sprache, wenn sie Probleme haben. Er hat sicher angenommen, sie verwenden dieses Wort als Passwort und hat es entsprechend aktiviert." "Aha? Und wie steht es mit dem Tip, dass sich MS Office schneller installieren liesse, wenn man gleichzeitig alle CD der Entwicklerausgabe in das CD-Laufwerk klemmt?" "Ich ... ich ..." stottere ich und schaue den PJ entsetzt an. Was ungefähr dem Ausdruck entspricht, mit dem er mich anstarrt. Natürlich, er denkt an meinen neuen guten Ruf, seine Chancen, alles auf mich abwälzen zu können, die 500 Pfund, die sich in Bier auflösen werden, SOWIE das Gejammere der Nutzer über unseren Service, über die gute alte Zeit, in der die Netz schneller war, Passworte nur aus einem Buchstaben bestanden und so weiter .... Gesprächsstoff, der locker für acht Stunden ausreicht. Nicht zu vergessen freilich auch seine Aussichten auf eine Gehaltserhöhung ... "Lassen sie mich mit ihm reden", wende ich mich an den Chef. "Ich werde mich darum kümmern ..." ... "Sie Bastard!" schreit der PJ, als wir wieder in unserem Büro sind. "Diese ganze Mahariji-Geschichte ist absoluter Unsinn! Aber sie werden sich nicht freuen, denn es war ausgemacht, dass der Mahariji das Geld bekommt, also wird der Scheck auf seinen Namen ausgestellt." "Ausgezeichnet!" antworte ich. "Soll ich ihnen als Entschädigung eines unserer Pamphlete schicken? Ich habe gerade eins über die göttliche Aura fertiggestellt." "Sie sind der Mahariji?" "Sie haben es! Ich habe das Büro dieser New Age-Vegetarier übernommen, nachdem sie faule Äpfel oder etwas andere verdorbene Sachen gegessen und verschwanden. Und jetzt habe ich ein narrensicheres Steuerschlupfloch. Mindestens für ein paar Jahre! Brillant! Alles was ich tun muss, ist, pro Jahr ein paar Pamphlete herauszugeben, für irgendwelche Meditationskurse werben, einen Riesenverlust pro Jahr zu produzieren und schon muss ich keine Steuern mehr zahlen! Es sei denn, die Beatles würden sie reformieren ..." "Auf welchen Namen soll ich also den Scheck ausstellen?" fragt der PJ und atmet schwer. "Auf die Heilige Gesellschaft von Tfosorcim." "Tfosorcim? Microsoft rückwärts buchstabiert?" "Sie mögen es? Nun, das ist wie mit der Umkehrung von Evil." (Live - Leben [thomas w.]) "Ich hasse sie!" "Aber das ist nicht gut für ihre Aura!!!" [[Der ICHHASSEDICH-Virus erobert das B.O.F.H.-Land ...]] Wir nähern uns der Mittagszeit, als der Chef ins Büro kommt und mich bei der Lektüre der Morgenzeitung stört. Gut, ich habe mich etwas zu lange damit aufgehalten, mich darüber zu wundern, welch hohe Farbqualität heute auf billigstem Papier möglich ist. "Dieses Seite 3-Mädchen sind wirklich so echt aus, dass man meinen könnte, sie würde vor uns stehen!" erkläre ich dem PJ, der von seiner Lektüre der Aktienkurse hochblickt (der arme Kerl). Irgendwie wirkt nicht gerade erfreut. "Ja, ja, ja, das sagen sie beinahe täglich", antwortet er und widmet sich wider dem Studium seiner Kurstabellen. Offenbar mag er diese trockene Morgenlektüre. "Aber schauen sie sich diese hohe Qualität der Farbmischung an!" rufe ich. "Um", unterbricht mich der Chef. "Wenn sie nicht zu beschäftigt sind ..." Seine Zurückhaltung ist durchaus angebracht, denn in der Vergangenheit hat sich mehrfach gezeigt, dass ich nicht gerade kollegial handle, bevor ich meinen vierfachen Frühstücks-Espresso hatte. "Ja?" frage ich freundlich und breche mit der Tradition, um einmal eine andere Herangehensweise auszuprobieren. "Es geht um diese ICHLIEBEDICH-Geschichte." "Machen sie sich doch nicht lächerlich - sie sind nicht mein Typ. Und ausserdem nicht einmal vom richtigen Geschlecht!" "Nein, der Virus!" "HIV? Nun, ich bewundere ihre Ehrlichkeit in diesen intoleranten Zeiten, aber ..." "Nein, es geht nicht um mich, sondern diesen E-Mail-Virus. ICHLIEBEDICH!" "Oh, das." "Ja! Was werden wir dagegen unternehmen?" "Nun, der PJ und ich haben das Thema ausführlich diskutiert und glauben nun, dass wir den Nutzern vertrauen können, dass sie sich an die einfache Regel halten, unbekannte Dateianhänge nicht zu öffnen, so wie wir es ihnen immer und immer empfohlen haben." "Das ist ja schön und gut, aber irgendjemand wird sich bestimmt nicht daran halten." fügt er besorgt hinzu. "Also haben sie ihren Arbeitsplatz-PC infiziert?" seufze ich. "Uh, nein - den der Sekretärin. Sie wollte, dass ich nachprüfe, ob es sich um den Virus handelte." "Also haben sie den Anhang geöffent, um ihn zu prüfen?" "Ja, nun ..." "Tatsächlich ... Da scheint unser Windows 2000-Projekt ein erstes Opfer gefunden zu haben. Ich meine natürlich ein Testobjekt." "Gibt es nichts, was wir tun können?" "Davon abgesehen, dass man Dateianhänge nicht öffnen sollte?" "Äh, ja." "Nicht wirklich - eine Neuinstallation ist einfacher und auch sicherer." "Oh, könnten sie ein Rundschreiben dazu vorbereiten, damit wir alle informieren können?" "Ich schätze, dass wir das tatsächlich könnten, doch wir sind noch besorgter über den ICHHASSEDICH-Virus und was passiert, wenn wir einen davon bekommen." "Der ICHHASSEDICH-Virus? Was ist das?" keucht er entsetzt. "Nun, das ist eine Abart des ICHLIEBEDICH-Virus, nur wirkt er weitaus zerstörerischer." "DAS KANN DOCH NICHT SEIN!" schnappt er nach Luft. "Aber ja. Er sieht aus wie ein einfaches Textdokument, doch in Wirklichkeit macht er all den üblichen Kram und noch einiges mehr. Ist er einmal im Arbeitsspeicher, wird die System-Registrierung durcheinandergebracht - gut, das kann Microsoft schon lange; nach dem Zufallsprinzip werden Termine aus der Vergangenheit in ihrem elektronischen Planer neu eingetragen ... Und IMMER, wenn sie sich beim System anmelden, ähm, schickt er den gesamten Inhalt ihrer Posteingangs- und Postausgangsordner an alle Adressen in ihrem Adressbuch - was nicht gerade lustig ist, wenn sich darin noch private E-Mails befinden, die sie nicht gelöscht ha ..." Hier schnappt der Chef hörbar nach Luft. "... ben; und, hmm, er druckt alle Bilder, die er in den Cache-Ordnern ihrer Browser findet auf allen verfügbaren Druckern im Netzwerk aus, was auch recht unangenehm werden kann, wenn sie in den letzten zwei Monaten Pornoseiten besu ..." Raketenschnell verlässt der Chef unser Büro mit der Absicht schlimmeres dadurch zu verhindern, dass er das Netzkabel zieht, schätze ich. "Ich nehme an, sie haben ihm eine Nachricht mit dem Betreff ICHHASSEDICH geschickt?" fragt der PJ. "DREI Nachrichten, um genau zu sein. Und als Anhang habe ich eine Textdatei mit der Überschrift 'Zehn Gründe, weshalb ich dich hasse' mitgeschickt." "Welche Gründe sind das?" "Nur 'Sie sind ein Arschloch' jeweils zehnmal ..." "Kein Virus?" "Nein, das wäre zu aufwendig. Besser als jetzt kann es doch gar nicht werden. Allerdings ist es bedauerlich, dass er schon verschwunden war, bevor ich erzählen konnte, dass jede neu empfangene E-Mail automatisch mit einer Nachricht mit dem Betreff 'Verpiss dich, du Idiot' beantwortet wird." "Das können wir doch später noch benutzen." "So ist es! Nun, jetzt müssen wir nur noch die Inhalte der genannten Ordner aus der Sicherungskopie an alle Mitarbeiter im Haus schicken und ein paar Pornobilder an die Drucker schicken." "Also bediene ich mich in unserem Porno-Archiv?" "Ähm ... NEIN! Nein, suchen sie im WWW nach ein paar Schwulenbildern. Wenn die ausgedruckt werden, können wir so tun, als hätten wir schon immer gewusst, was seine Annäherungsversuche vom Morgen zu bedeuten hatten." "Er wird alles abstreiten und leugnen, dass die Bilder von seinem Rechner stammen!" "Natürlich wird es das. Aber 'Ich schaue mir nur normale Pornos an' dürfte als Ausrede für die Geschäftsleitung nicht besonders gut klingen." ... "Wirklich, das hat NICHTS mit mir zu tun!" jammert der Chef, als der PJ und ich ihn aufmerksam mustern. "Natürlich nicht." antworte ich freundlich. "Sind sie noch immer sicher, dass es nichts gibt, das sie uns sagen wollten?" "Das sind NICHT meine Bilder!" "Nein, ich hatte da an etwas anderes gedacht ..." "Und was sollte ich ihnen nach ihrer Meinung sagen?" fragt er verwirrt. "Nun, ich hatte GEHOFFT, dass sie sich dafür entschuldigen werden, dass sie uns bei der Lektüre der Morgenzeitung gestört haben und dass das nie mehr vorkommen wird." "Ich ..." beginnt er, um mit einem "SIE waren das!?" zu enden. "Den Zug können sie nicht mehr aufhalten!" rufe ich. "Und wenn sie nicht wollen, dass die Protokolldateien der Drucker mit dem Namen IHRES Rechners ihren Weg in das Postfach unseres konservativen IT-Chefs finden ..." "Ja!" keucht er und denkt offenbar an seine Aussichten, wenn der IT-Chef Wind von einem Gerücht wie diesem bekommt. "Sie werden hinunter in das Café gehen und einen vierfachen Espresso für mich einen doppelten für meinen Assistenten holen." "In Ordnung", gibt er resigniert auf. "... für die nächsten vierzehn Tage." "Ja ..." Es ist eine dreckige Arbeit, aber jemand muss sie ja erledigen ... [[Der B.O.F.H. heuert auf der Enterprise an ... (Die Episode, die nie gesendet wurde.)]] "Logboch des Kapitäns, Datum: Neunundzwanzig Punkt Zwei Punkt Sechsunddreissig, Vierundzwanzig, Dreiundsechzig, hhhmmmm hhhhmmm. Wir haben Probleme mit dem Bordcomputer, also sind wir durch Zeit und Raum zurückgereist zur Erde zu Beginn des 21. Jahrhunderts und haben einen Experten an bord gebeamt, der uns bei der Beseitigung der Probleme helfen kann." ... Also erwache ich auf dem Raumschiff Enterprise. Und es ist so offensichtlich, dass ich träume, dass ich gar nicht an etwas furchbares denke, das mich aufwachen lassen würde (wie zum Beispiel an die Arbeit bei einem Teleshopping-Sender). Ich entschliesse mich, erst einmal abzuwarten, wie sich die Sache entwickelt. Natürlich prüfe ich vorher noch, ob ich einen dieser senffarbenen hautengen Anzüge trage, falls es sich um einen Alptraum handeln sollte. Zum Glück ist das nicht der Fall. "Willkommen an Bord", lächelt Kirk und läuft mit ausgestreckter Hand auf mich zu. "Danke, Kapitän", antworte ich und schaffe es bei unserem Handschlag, ihm unbemerkt seine verlockend modern aussehende Uhr vom Arm zu streifen. "Und ich kann ihnen gar nicht sagen, wie sehr es mich freut, diese Uniform zu sehen." "Wirklich?" fragt Kirk fröhlich. "Nein, nicht wirklich. Aber kommen wir zu ihrem Problem. Wo drückt sie denn der Schuh?" "Nun, es hat etwas mit unserem Steuersystem zu tun - immer wenn wir in einer Umlaufbahn um einen Planeten kreisen wollen, scheint das Raumschiff auf einer Tangente vom Kurs abzuweichen." "Wie ihre Sendung?" "Hä?" "Nichts. Also handelt es sich um ein Problem mit der Steuerung?" "Ja. Ich schätze, es ist ein Kabel locker oder etwas ähnliches." "Sie haben eine Menge davon, oder?" "Nein, eigentlich nicht, wenn ich jetzt daran denke ..." antwortet Kirk. "Und es ist sicher auch nicht etwas so triviales, wie Spock, der ein Tasse Kaffee auf seiner Konsole umgeschmissen hat, oder jemand, der während der Hektik einer Weltraumschlacht zu oft die falschen Tasten gedrückt hat?" "Nein, das haben wir geprüft." "In Ordnung, und es hat in der letzten Zeit auch niemand die Programme aktualisiert oder geändert?" "Nein." "Und was macht Spock dann mit diesen Disketten?" "Ich habe versucht, ein vom Hersteller zertifiziertes Diagnose-Programm zu installieren, das die wahre Ursache für die Fehlfunktion auf dem Wege der strategischen Elimi ..." plappert Spock los, bevor ich ihn unterbreche. "Falls das das Service Pack 6 ist, verschwinde ich jetzt!" Nach ein paar vernuschelten Entschuldigungen stimme ich zu und verspreche, einen Blick auf die Maschinen zu werfen ... "Äh, das ist der Kaffee-Automat." "Natürlich ist er das, aber ich ziehe die holistische Methode der Computer-Wartung vor - alles ist mit allem verbunden und reflektiert daher in sich wieder das ganze System. Nebenbei, nach einem Espresse kann ich besser denken." "Expresso? Uh, wir haben nur Pulverkaffee!" Es ist wohl doch ein Alptraum. "... wie meinten sie das mit der holistischen Methode?" "Nun, nehmen wir als Beispiel diesen Automat. Sehen sie den braunen Satz, der sich in der Leitung angesammelt hat und anscheinend den Erhitzer blockiert?" "Ja?" "Und daraus kann man nun schliessen, dass ihr Steuerprogramm auf eine ähnliche Weise blockiert sein könnte." "Durch Kaffee?" "Nein, aber durch die Überreste unfachmännisch ausgeführter Wartungsversuche." "Es fällt mir schwer, das zu gl ..." "Schauen sie sich diesen Russ auf den Dilithium-Kristallen an!" "Das sind keine Dilithium-Kristalle. Das ist unser Mittagesse - es wurde nur noch nicht hydriert!" "Wenn sie mir jetzt sagen, dass das Kebab mit Chips sein soll, muss ich mich übergeben." ... sechs Stunden später ... "In Ordnung, ich brauche ein Werkzeug zum Auswechseln des RAMs, ein Kabel zur Erdung, einen akustischen Schraubenzieher ..." "Einen akustischen Schraubenzieher?" "Oh, mein Fehler - einen entmagnetisierten Schraubenzieher mit einem flachen Ende und einer integrierten Spannungsanzeige." "Etwas derartiges haben wir leider nicht", murmelt Scotty, der mit einer Werkzeugkiste anrückt. "Und wie sieht es mit einem Schweizer Offiziersmesser und einem Hammer aus?" "Kein Problem!" strahlt er. ... zehn Minuten später ... "So, das sollte funktionieren", rufe ich und knalle das Gehäuse zu. Seit ich mit dem Sandstrahler die Magnetköpfe gereinigt habe, war das die scheuslichste Arbeit, die ich je gemacht habe. "Und was machen wir jetzt?" fragt Kirk. "Nun, einfach starten und sehen, was passiert." ... weitere zehn Minuten später ... "Nun, die Steuerung scheint wieder zu funktionieren", murmelt Scotty und schaut von seinen Instrumenten hoch. "... allerdings bekomme ich Meldungen angezeigt, die vor der Überhitzung des Navigations-Moduls warnen." "Oh, das wird nur das Klebeband sein, dass vor dem Lüfter hängt. Aber die Steuerung müsste funktionieren, es sei denn, wir geraten in einen ..." "METEORITEN-SCHAUER, das Schiff unternimmt ein automatisches Ausweichmanöver!" ruft Spock. "... ah, nun, damit müssen sie jetzt selber klarkommen. Wenn sie mich einfach zur Erde zurückbeamen könnten, wäre ich ihnen sehr verbunden." "Nein, das geht jetzt nicht." ruft Kirk. "Scotty, alle Energie in die Schubumkehr!!" "WENN ICH SIE NOCH STÄRKER BELASTE, FLIEGT UNS DER GANZE LADEN UM DIE OHREN!" brüllt Scotty aufgeregt. "Nein, das wird in jeden Fall passieren!" rufe ich, gehe zum Teleporter und drücke den Knopf mit der Aufschrift 'Koordinatenumkehr' ... ... Was für ein seltsamer Traum. Das muss wohl an dieser himmlischen Weltraumuhr liegen ... [[Der B.O.F.H.-Test: Was halten sie von Werbetexten ...]] Wir alle haben sie schon gesehen, manche haben sie sogar gelesen. Aber traurigerweise haben sie seit der weiten Verbeitung von Gasheizungen keinen wirklichen Nutzen nutzen mehr ... Nun, der B.O.F.H. hat einen kleinen Test vorbereitet, wie sie die Propaganda gedruckter Werbung interpretieren. 1. Sie lesen in der Werbung eines Programms, das perfekt zu ihnen passen könnte, "Läuft auf den meisten kompatiblen PCs". Dies bedeutet: A.Das Programm wird auf jedem Rechner mit einem x86er Prozessor laufen. B.Es wird auf den meisten x86er Rechnern laufen. C.Es läuft unter DOS. D.Es läuft nicht unter DOS. E.Es funktioniert gar nicht. 2. Sie lesen in der Werbung die Phrase: "Entwickelt von hochqualifizierten Programmierern". A.Das Programm wurde durch gleichgesinnte fanatische Programmierer entwickelt. B.Es wurde entwickelt von Studenten, die nachts und an Wochenenden als Aushilfen für uns arbeiten. C.Die Idee wurde von zwei Studenten in einem Thesenpapier entwickelt und wir haben es gestohlen. D.Zwei Abiturienten, die Visual Basic lernen, haben das Programm geschrieben. E.Bei den Qualifikationen, die wir meinen, geht es um das Jonglieren und Country-Tanz. 3. Sie lesen ebenfalls, dass das Programm "kompatibel zu internationalen Standards" ist. Das heisst: A.Das Programm hält sich an aktuelle Standards. B.Es erfüllt die meisten Industriestandards. C.Es erfüllt einen Standard, den sie gerade selbst entwickelt haben und durchsetzen wollen (wie bei Microsoft). D.Sie haben ihre eigene Auslegung von Standards, selbst wenn man nachfragt. E.Das Verpackungsmaterial wird an ihren Schuhen kleben, wenn sie darauf standen. 4. In dem Hochglanzprospekt steht: "vollständig besetzter weltweiter Rund-um-die-Uhr-Service", was in Wirklichkeit bedeutet: A.Es gibt ein Service-Team in jedem Land, das täglich 24 Stunden im Einsatz ist. B.Es gibt ein Service-Team in einem Land, das täglich 24 Stunden erreichbar ist. C.Sie haben einen vollen Mann für den weltweiten Service angestellt. D.... und mit 'voll' meinen sie betrunken. E.... und er spricht ausschliesslich Hindi. 5. Die Werbung verspricht, dass sie Experten für "vollständige Fehlertoleranz" sind. Das bedeutet: A.Sie haben sehr viel Erfahrung bei der Lieferung von Anwendungen, die rund um die Uhr störungsfrei laufen. B.Sie haben Erfahrung bei der Nutzung von störungsfrei laufenden Programmen. C.Sie wissen, dass eine Woche 7 * 24 Stunden hat. D.Sie kennen vollständig fehlerhafte Situationen. E.... und sie akzeptieren sie in ihren Programmen. 6. Die Firmenbeschreibung erwähnt, dass sie "stark im Silicon Valley vertreten" sind, also: A.Sie sitzen im Herzen der Computerwelt. B.Sie lesen die Computerwelt. C.Sie haben irgendwann gehört, dass es Computer in dieser Welt gibt. D.Es handelt sich um einen Druckfehler, denn gemeint war DEATH Valley. E.Der Druckfehler besteht darin, dass Silicon "Alley" (Gasse [thomas w.]) gemeint ist - sie haben ihre Firmenzentrale im Hinterzimmer eines Ladens, in dem TV-Geräte repariert werden. 7. Grosser Gott! Am unteren Ende der Seite steht in grossen, fetten Buchstaben, dass das Programm völlig kostenlos ist. A.Es kostet keinen Pfennig. B.Es ist eine eingeschränkte Programmversion. C.Es handelt sich um eine eingeschränkte Version, für die der Service kostenpflichtig ist. D.Haben sie erwähnt, dass man sich für 24 Monate vertraglich binden muss? E.HOSEN RUNTER und NACH VORN BEUGEN! HIER KOMMT DER GROSSE ROTE STACHEL!! 8. "Rufen sie uns jetzt an, wir rufen sofort zurück." Das bedeutet: A.Sie werden nur anrufen, wenn sie Interesse bekunden. B.Sie werden anrufen, wenn sie glauben, dass ihre Botschaft nicht verstanden wurde. C.Sie werden in jedem Fall anrufen. D.Sie werden ihren Namen auf die Empfängerliste für Werbung setzen, um langsam ihren Widerstand zu brechen. E.Sie kennen ihren Namen, sie wissen, wo sie arbeiten und leben - und sie werden beim 'Readers Digest' anrufen!!! 9. "Kann ihre Firma es sich leisten, diese Gelegenheit nicht zu nutzen?" A.Nein. B.Keine Ahnung. C.Ja. D.Die Gelegenheit, einen Anruf beim 'Readers Digest' zu machen? E.Die Chance, bei den bewaffneten Ordnungshütern anzurufen, dass sie einen Mann gesichtet haben, der einen 'Ich hasse die westliche Zivilisation'-Aufnäher auf der Jacke hat, ein tickendes Paket mit sich herumträgt und 'Lebend werden diese kapitalistischen Schweinehunde mich nie kriegen!' und ähnliches murmelt? Nein. 10. "Für weitere Informationen teilen sie uns bitte ihnen Namen und ihre Adresse mit." Das bedeutet: A.Man wird sie über Neuigkeiten informieren, die wichtig für ihr Geschäft sind. B.Man wird sie über Neuigkeiten informieren, die wichtig für IHR Geschäft sind. C.Beides, A.) und B.), und zwar noch lange, nachdem sie nicht mehr bei ihrer Firma arbeiten. D.Der Typ aus dem Nachbarbüro wird demnächst viel Post bekommen. E.Aber das ist noch gar nichts verglichen mit der Menge Post, die jeder Erbsenzähler bekommen wird, wenn ich ein paar Anrufe gemacht habe ... Wie bekommen sie nun heraus, wie gut sie sind? Ich weiss schon, was sie denken - einige Antworten klingen so ... gleich, oder? Wenn sie jetzt ja sagen, dann macht das schon einmal zehn Minuspunkte für den Anfang! Im anderen Fall gibt es 0 Punkte für jedes A (und weitere zehn Minuspunkte, wenn sie das als etwas hart empfinden), 2 für jedes B ... 8 für jedes E. -20-20: Sie haben es nicht verdient, einen Computer zu besitzen. Es ist schon verwunderlich, dass sie überhaupt lesen können. Aber ich habe da ein Angebot für sie: hochmoderne 1 Megabyte SIMMs, die sie für nur zwanzig Pfund pro Stück bekommen können. 21-40: Oder dann wären da noch die brandneuen 4 Megabyte SIMMs für 50 Pfund je Stück. Kein Interesse? Nun, dann besteht noch Hoffnung, aber sie müssen noch viel arbeiten. 40-60: Ja, das ist schon besser. So leicht kann man sie nicht hereinlegen. Gute Arbeit, aber sie schenken ihnen noch immer zu viel Vertrauen. 60-80: Ja, so ist es richtig, das einzige, was diese Typen verdienen, ist eine gute Krankheit. Und damit sie diese bekommen, werden sie einen kleinen scheusslichen Unfall haben ... 80-100: Sie betrügerischer Hund! 20 Zusatzpunkte für den Versuch. 100-120: Mein Vorbild! [[Was die drohende Zerschlagung von Microsoft wirklich bedeutet ...]] Ich bin mit der Revision der Technik befasst, was hauptsächlich bedeutet, dass ich durch die Büros marschiere und mir die Rechner der Nutzer anschaue. Das tue ich, um mich zu vergewissern, dass das, was die Nutzer WIRKLICH haben, dem entspricht, was meine Datenbank ihnen zugesteht. Keine besondere Herausforderung, das gebe ich zu ... Und wie immer musste ich dazu früh aufstehen, damit mich die Nutzer nicht mit ihren geistlosen Fragen nerven können. (Jeder Administrator kann nur eine bestimmte Anzahl von Fragen nach dem Ändern des Bildschirmhintergrundes, des Passwortes oder nach den Helligkeiteinstellungen des Monitors beantworten, bevor er das dringende Verlangen verspürt, den Gehaltsscheck des betreffenden Nutzers dem Papierzerkleinerer anzuvertrauen.) Ich bin damit fertig, die Gehaltsschecks eines Nutzers in den Shredder zu stopfen (Eine reine Präventivmassnahme - die beste Verteidigung ist noch immer ein guter Angriff.), als ein Frühaufsteher hereinkommt und sich darüber wundert, dass sein Rechner geöffnet auf dem Tisch steht. "Ich prüfe nur, ob ihre installierte Hardware mit dem Inventar übereinstimmt", antworte ich auf seine Frage. "Aber das haben sie doch erst vor einem Jahr schon einmal gemacht!" erwidert er leicht empört. "Wir machen das einmal pro Jahr", antworte ich. "Damit können wir alle Reparaturen und Erweiterungen, die in den vergangenen Monaten stattgefunden haben, noch besser erfassen." "Nun, dann hoffe ich, dass es diesmal etwas weniger problematisch abläuft als im letzten Jahr. Ich bin mir nämlich sicher, dass mein Rechner langsamer lief, nachdem sie ihr Prüfprogramm ausgeführt hatten." Seufz. "Manchmal entdeckt das Prüfprogramm Unregelmässigkeiten wie übertaktete Prozessoren oder fehlerhaft konfigurierten Speicher, was möglicherweise zu Zugriffsverletzungen und Abstürzen führen kann", erkläre ich ihm. "Und diese Fehlerquellen beseitigen wir natürlich." >>DUMMY MODE EIN<< Natürlich, ich könnte ihm den wahren Grund nennen - das Prüfprogramm hatte nämlich WIRKLICH eine Unregelmässigkeit gefunden. Der betreffende Rechner verfügte über 64 Megabyte Arbeitsspeicher, obwohl 32 Megabyte auch ausreichend sind. Und kaum hatte ich diese Fehlkonfiguration ausgemacht, war sie auch schon beseitigt. (Ich habe mein Leben eben dem Wohl der Nutzer gewidmet - man könnte mich auch Vater Theresa nennen.) "Oh. Na gut, und wann werden sie ihren Test beenden?" "Ich bin gleich fertig", antworte ich fröhlich und unterdrück ein kurzes Gefühl der Reue, als die letzten Überreste seiner Gehaltsschecks im Schlitz des Todes verschwinden. "Ich muss nur noch das Gehäuse zusammensetzen, dann können sie wieder mit ihm arbeiten!" "Wie sie gerade hier sind, kann ich ihnen eine Frage stellen?" "Aber selbstverständlich!" "Nun, ich habe einiges über die Zerschlagung von Microsoft gehört - wird sich das auf meine Programme auswirken?" "Sie meinen, ob die Umstrukturierung bei Microsoft die installierten Programme beeinflussen kann?" "Genau." Mein Gewissenbisse wegen der Schecks lösen sich schneller in Luft auf, als eine Herstellergarantie beim Übertakten eines Prozessors. "Nun, das ist nicht einfach zu beantworten. Der Richterspruch besagt ja, dass Microsoft zu mächtig geworden ist und begonnen hat, den Markt zu monopolisieren - irgendwie ist das wohl eine Art offizieller Witz der US-Regierung." "Ähm?" "Nun, erst laden sie die Menschen ein, eine grosse Firma aufzubauen und grosse Steuerbeträge zu zahlen. Und wann das dann geschieht, erklärt die Regierung, das sei schlecht und fordern die Aufgabe der Geschäfte oder weniger Druck auf die Konkurrenz." "Aber hat Microsoft nicht unfaire Geschäftspraktiken angewandt?" "Das Wort 'Geschäft' macht den Begriff 'unfair' in diesem Satz überflüssig." "Sie klingen, als seien sie damit EINVERSTANDEN!" "Ich kann Microsoft nicht ausstehen, um ehrlich zu sein. Doch darum geht es gar nicht. Sie wollten wissen, ob ihr Rechner davon beeinflusst werden kann." "Ja." "Unglücklicherweise könnte das wirklich geschehen. Wegen der Zerschlagung der Firma wird es zu Limitationen bei der Grösse der Dokumente, die sie mit den Programmen erstellt haben, kommen. Doch eigentlich sollte sie das nicht besonders stören - sofern sie keine Dokumente haben, die grösser als 20 kb sind." "Aber die MEISTEN meiner Dokumente sind grösser - ich bin für die Einstellungsverträge zuständig." "Wirklich?" (Die Sache wird besser und besser.) "Es könnte passieren, dass sie pro Dokument nur eine Seite zu einem Zeitpunkt bearbeiten könnten. Vielleicht nur eine einzige Seite." "EINE SEITE! All meine Dokumente sind länger als eine Seite. Was soll ich nun tun?" "Nun ... Ich weiss nicht recht, ob ich ihnen das sagen darf ..." "Oh, bitte! Ich käme um, wenn ich all meine Dokumente aufteilen müsste." "Nun ... Gut, ich glaube, ich kann es ihnen sagen. Sie müssen die Dokumente DELIMITIEREN." "Wie geht das?" "Wechseln sie einfach ins DOS und tippen sie DEL *.* ein." "HEY! Wird das die Dateien nicht löschen?" "Nein, das Löschkommando heisst REM wie in remove. Man hat das schon vor Jahren geändert. Sie haben offenbar viel zu lange mit Windows gearbeitet." "Oh." schluckt er. "Und wenn sie gerade dabei sind, wollen sie vielleicht auch die Dateien der anderen Nutzer delimitieren. Und die auf dem Server - ich befürchte, dass der Delimitations-Befehl von dem neuen Betriebssystem, das wir am Nachmittag installieren werden, nicht mehr unterstützt wird." "Gut, gut, dann kümmere ich mich gleich darum." "Ausgezeichnet. Und vielleicht delimitieren sie auch NTLDR und die boot.ini, und alle Profiles-Verzeichnisse auf den Rechnern - nur damit wir auf der sicheren Seite sind, falls sie nach der Zerschlagung auch das multinationale Darstellungssystem aus dem Basissystem entfernen." >>DUMMY MODE UNWIEDERRUFLICH EIN<< "Ähm, in Ordnung." Ein Fass voller Karpfen, eine Angel ... [[An den Händen des B.O.F.H. klebt Blut ...]] Im Rahmen des Lippenbekentnisses der Firmenleitung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz wurde jeder, der an einem gefährlichen Platz arbeitet, dazu verpflichtet, an einem Auffrischungskurs in Erster Hilfe teilzunehmen. Und wie das Schicksal so spielt, wurde unser Rechnerraum wegen einer kleinen statistischen Unregelmässigkeit bei der Häufigkeit von Arbeitsunfällen als der gefährlichste Ort im gesamten Gebäude ermittelt. Nun, so sollte es auch sein. Aber der PJ und ich wurden trotzdem dazu VERPFLICHTET, an dem Auffrischungskurs teilzunehmen, was eigentlich nicht so schlimm ist, wenn man bedenkt, dass wir damit auf Firmenkosten einen ganzen Tag durch Abwesenheit glänzen können. Und wir bekommen auch eines glitzerndes Teilnahme-Abzeichen. Um es später in der Kneipe zu tragen. Nachdem wir unsere Kentnisse unter Beweis gestellt haben. "Ja, das IST die korrekte Anwendungsweise eines Defilibrators", informiert unsere Ausbilderin voller Ruhe den PJ. "Aber er gehört nicht zu den empfohlenen Behandlungsmethoden für gebrochene Arme, und das ist unser eigentliches Thema." Seufzend löst der PJ seine Hände von dem Spielzeug, das nun zweifellos unter einem wirklich starken Energiemangel zu leiden scheint, wenn ich mir die glühenden Überreste der Übungspuppe anschaue. "Kehren wir zu den gebrochenen Armen zurück; was ist die beste Behandlungsmethode für solche Unfälle?" "Das kommt ganz darauf an, wie sie gebrochen wurden ..." antwortet der PJ eifrig. Offenbar will der verliebte Streber die Aufmerksamkeit der Ausbilderin am liebsten ganz auf sich allein ziehen. "Ja, das stimmt." antwortet sie. "Wenn es sich um einen offenen Bruch handelt, dann müssen wir ihn anders behandeln, als einen inneren Bruch." "Oh. Ich dachte eher über die Frage nach, ob ich, wenn ich die Tür zugeschlagen habe und rein zufällig damit den Arm eines Nutzers gebrochen habe, die Tür noch einmal kräftig zuzuwerfen, damit er begreift, was ich von ihm halte. Etwas in dieser Art." "Jaaaa ..." antwortet sie und entschliesst sich, dieses Thema nicht durch weitere Fragen zu vertiefen. "Wie auch immer, wir müssen uns darum kümmern, ob es bei der Verletzung zu Blutungen kommt oder nicht. Und ob es nötig ist, diese zuerst zu stillen." In der Zwischenzeit hat sich die Gesichtsfarbe des Chefs (auch er weiss es zu schätzen, einen Tag lang auf Firmenkosten seinem Büro fernbleiben zu dürfen) auffällig geändert. Er sieht jetzt etwas blass aus - offenbar ist er nicht besonders neugierig auf die Geschichte mit dem Blut ... Das beste ist gerade gut genug für ihn. "Blut, sagten sie", rufe ich laut. "Geht es dabei um VIEL Blut?" "Das hängt wirklich davon ab, welche Organe betroffen sind und wie schwer sie verletzt wurden." "Also könnte das Blut richtig HERAUSSPRITZEN und ALLES in der Umgebung treffen, oder wird es nur einfach aus der Wunde HERAUSRIESELN?" Der Chef sieht jetzt aus wie ein Lied von Procol Harum und schwankt bedenklich auf seinem Stuhl, was der günstigste Augenblick für eine Unterbrechung ist ... "Ich glaube, er braucht etwas frische Luft", rufe ich und zeige der Ausbilderin den Chef. "Ja. Ja, gute Idee." "Ich bringe den Defilibrator!" springt der PJ hilfsbereit auf. "Das ist nicht notwendig", erwidert sie. "Er braucht nur eine kurze Pause und etwas frische Luft." Der PJ schluckt seine Unzufriedenheit herunter, blüht aber sichtlich wieder auf, als er dem Chef hilft, sich aus dem Fenster zu lehnen - wobei er ihm die Geldtasche klaut. Die frischen Abgase in seiner Lunge bringen den Chef wieder ins Reich der Lebenden zurück. "Wo ist meine Geldbörse!?!" ruft er, als er formvollendet seinen Selbsttest durchführt. "Hier ist sie", antwortet der PJ. "Ich habe auf sie aufgepasst." Hastig durchwühlt der Chef sie, doch es scheint alles in bester Ordnung zu sein. Zehn Minuten später haben wir einen Verband in Aktion gesehen und sollen nun paarweise selbst den Umgang damit üben. Ich habe traurigerweise wohl noch nicht ganz begriffen, wie das geht, denn ich wickle die Nase - ich meine den Verband - so straff um den Kopf des Chefs, dass der nicht mehr atmen kann. Und es stimmt wirklich - ein guter Seemannsknoten lässt sich nicht einfach wieder öffnen. Nachdem der Chef seine zweite Portion frische Luft bekommen hat, geht es weiter, um während der blutigeren Phase wieder durch die Wartezeit auf das Erwachen des Chefs unterbrochen zu werden. Seufz. Am nächsten Tag sind wir frohgemut wieder am Arbeitsplatz, und ich führe den Chef durch den Rechnerraum. Er will über JEDEN blutigen Unfall informiert werden, um zu sehen, ob der Kurs auch alle relevanten Themen abgedeckt hat, bevor er die Rechnung unterschreibt. Seufz. ... "Und hier rutschte der Ingenieur aus und fiel durch die geöffnete Abdeckung nach unten, wobei er sich den Arm brach. Zufällig geschah das genau einen Tag, nachdem er uns mitgeteilt hatte, dass wir gar kein Anrecht auf eine Reparatur innerhalb von 24 Stunden haben ..." "Ja, ja", murmelt der Chef und macht in einer Liste, die er mit sich herumträgt irgendwelche Häkchen. "Wir werden Warnhinweise an die Wände kleben." "... oh! Und hier gab es diese leichten elektrischen Schläge, als das aufgescheuerte Stromkabel mit dem Schrank in Berührung kam. Es gab ein paar Verbrennungen und etwas Hysterie." "Gut, wir sollten vorschreiben, dass jeder, der den Raum betritt und an den Schrank will, Isolierhandschuhe tragen muss." plappert er vor sich hin. "Ah!" ruft der PJ. "Hier kletterte der Berater, der sich immer darüber beschwert hat, dass er keinen Zutritt zum Rechnerraum hat, auf die Maschine. Und hier zerbrach er mit seinem Kopf den Rauchmelder und löste das Löschgas aus." "Wirklich - er hat ihn mit seinem Kopf zerbrochen?" "Soweit wir das beurteilen können - er kündigte nach dem Unfall, so dass wir ihn nicht mehr befragen konnten." "Nun, die Berater haben alle eine Ausbildung in Erster Hilfe, oder? Ich habe eine Idee! Warum sollten wir nicht allen von ihnen den Zutritt zum Rechnerraum gewähren - das würde die Sicherheit in diesem Raum wirklich erhöhen!" ALARM!!! "Ich soll sie in meinen Rechnerraum lassen?" frage ich. "Ja." antwortet der Chef glücklich über seinen Geistesblitz. "Nun, ich schätze, dass das wirklich Sinn hätte", erwidere ich und ignoriere den ängstlichen Gesichtsausdruck des PJs. "Sie wären damals bestimmt in kürzester Zeit herbeigeeilt und hätten mir mit meinem Finger helfen können, den ich an einer scharfen Kante in diesem Schrank geschnitten hatte ... Oh, sehen sie! Es ist schon wieder passiert!" Ich hole meinen Arm aus dem Schrank und natürlich quillt das Blut aus einer langen Schnittwunde heraus. "Und das", sage ich und deute auf eine Bodenplatte. "Das ist der Ort, an dem der Chef diesmal ohnmächtig wurde in sich >KRACH< den Zeigefinger brach." Besondere Zeiten erfordern nun einmal besondere Massnahmen. Zutritt zu meinem Rechnerraum gibt es nur, wenn man den Notschlüssel für die Löschanlage aus meinen kalten, steifen Fingern herausholt. [[Der Tag der miesen Laune ...]] Ich glaube, ich muss gleich in die Luft gehen. Ich habe versucht, mich zu beruhigen, ich habe bis 10 gezählt, und ich habe ein paar Runden Quake II gegen ein paar Deppen aus dem Marketing gespielt, die keine Ahnung haben, weshalb sie immer gleich explodierten, wenn ich sie mit einer normalen Pistole treffe. Aber es hat nichts gebracht. Ich habe genug! Diese Woche ist einen Tag zu lang, und dieser Tag ist heute! Alle nerven mich. Die Nutzer, der Chef - und sogar der PJ ... Es begann an diesem Morgen, als ich eine simple Anforderung für die Anschaffung ein paar neuer Fastplatten vorlegen musste, die den alten Schrott in einem der wichtigeren Datenbank-Server ersetzen sollten. Festplatten, die so alt sind, dass auf ihrem Gehäuse die Spuren von Noahs Schraubenzieher zu sehen sind. Und der war nicht gerade ein Techniker, wenn man sich den Kabelsalat in dem Rechner anschaut .... Wie auch immer, ich habe schnell das Anforderungsformular ausgefüllt und zum Chef gebracht, der es genehmigen muss. "Hier fehlt ein Vergleich mit Konkurrenzanbietern", sagt er, nachdem er das Formular überflogen hat. "Bei Anschaffungen, die unter 2.000 Pfund kosten, ist es nicht nötig, Konkurrenzangebote einzuholen." antworte ich. "Ja, aber hier geht es um mehrere Festplatten, die mit Mehrwertsteuer insgesamt ... 2.014 Pfund kosten." erwidert er, nachdem er ein paar Zahlen in seinen Taschenrechner gehämmert und es schliesslich geschafft hat, dabei die richtigen Tasten zu treffen. Also stehe ich zehn Minuten wieder in seinem Büro, nur habe ich diesmal ZWEI Bestellungen für jeweils die halbe Anzahl Festplatten dabei. Und er unterschreibt. Gut, er marschiert er zur Sekretärin, um mit ihrem Wörterbuch die korrekte Schreibweise meiner Bestellung nachzuprüfen. "Ich kann nicht glauben, dass sie zwei Bestellungen ausgefüllt haben, um dem Einholen eines Konkurrenzangebots zu entgehen", erklärt er selbstgefällig grinsend, als er wieder zurückkommt, um mich wissen zu lassen, dass er sich nicht so leicht hinters Licht führen lässt. Zweifellos wird seine Selbsgefälligkeit nur solange anhalten, bis er herausfindet, dass das Portemonnaie auf dem Schreibtisch leer ist, seine Kaffeetasse seltsamerweise beinahe überläuft und sein Telefonanschluss auf einen Telefon-Sex-Anbieter umgeleitet ist. Ich schnappe mir die genehmigten Bestellungen und marschiere in die Zentrale der Erbsenzähler, um herauszufinden, dass sie sie heute nicht mehr bearbeiten werden. (Sie schicken Bestellungen mit der Morgenpost ab, doch jetzt ist es schon nach 11:00 Uhr.) Mein Angebot, die Bestellung selber in die Datenbank einzugeben, wird abgelehnt. Es gibt keine Ausnahmen. Regeln sind Regeln. Aber das ist in Ordnung, ich kann damit leben. Als ich in mein Büro zurückkomme, schwatzt der PJ lang und breit über Sinnlosigkeiten mit seiner aktuellen Flamme ... "Ich stimme dir ja SO zu", plappert er in den Hörer und macht mich mit Gesten auf eine Warnmeldung auf seinem Monitor aufmerksam, die den Einsatz eines Reinigungsbandes für eines der Laufwerke empfiehlt. Da ich ein grosszügiger Mensch bin, schiebe ich das Reinigungsband in das Laufwerk und verschwinde nach unten zu einer frühen Mittagspause. Und kaum habe ich mein zweites Bier bekommen, als eine laute Horde Kauze aus dem Elektronikladen am Ende der Strasse hereinkommt. "Und ich habe ihm gesagt: 'Sie können Debian nicht auf einen Auto-Computer portieren - DAS IST KEIN OFFENES SYSTEM' - WAAAA HAHAHA!" ruft einer von ihnen und lässt alle anderen laut lachen. ... Ich verziehe mich besser und finde den PJ noch immer am Telefon sitzen, die Warnungen des Bandlaufwerkes blinken nach immer, ein Berater wartet auf jemanden, der ihm bei seinem Computer-Problem hilft (zweifellos hat er es selbst verursacht), und ein paar Nutzer warten in den Leitungen, weil die Nutzer-Betreuung geschlossen Mittagsause macht ... Etwas muss geschehen. Die Nutzer werde ich in Rekordzeit los, indem ich die Zwei-Wort-Lösung verwende, die die Worte 'Sex' und 'Reisen' beinhaltet (dabei gebe ich mich als Nutzer-Betreuung aus, damit ich keine Probleme bekomme), und widme mich dann dem Problem PJ. Ich deute auf die Warnmeldung, die er seit einer oder mehr Stunden ignoriert hat, und zeige ihm den Stecker des Todes, der aussieht wie ein unheimlich wichtiger Stecker, was er auch ist. Doch der PJ ignoriert mich. Was ganz zufällig auf das Verhalten seines Rechners und seines Telefons zutrifft, als ich den Stecker herausziehe. "Was zum Teufel ..." legt der PJ los, um sich sofort zu unterbrechen, als er sieht, dass ich ihm ein kleines Päckchen reiche. Er weiss zwei Dinge: (1) die Postabteilung liefert Pakete nur um 10:00 Uhr und 15:00 Uhr aus und (2) die meisten Pakete sind nicht mit leitfähiger Folie verpackt. "Ich kümmere mich schnell um die Bänder ..." Problem gelöst, jetzt bleibt nur noch der störende Berater mit seinem Problem. Als er sich mir allein und ohne Unterstützung durch seine Kollegen gegenübersieht, entschliesst er sich zum Angriff. "Ich habe Probleme mit der Installation von NT", legt er los und zeigt mir ein Blatt Papier, auf dem er die 'Fehlermeldung' festgehalten hat. "Es liegt keine Diskette im Laufwerk." murmle ich. "Natürlich ist KEINE Diskette im Laufwerk!" erwidert er. Seufz. "Der Rechner erkennt das CD-Laufwerk nicht und BRAUCHT daher eine Diskette zum Starten." erkläre ich. "Nein, braucht er nicht! Vorher ging das auch ohne." Doppelseufz. "Es ist ungewöhlich, aber manchmal passiert sowas." "Sehen sie, ich müsste es doch wissen, ich installiere diese Sachen jeden Tag!" "Uh-huh." seufze ich erneut, doch dann habe ich den rettenden Einfall. "Oh, welches Service-Pack ist eigentlich auf der CD?" "Sechs." "Aha. Nehmen sie die Version Sieben, dort sind die CD-Treiber gleich mit in die CD eingebaut." "Aber wie soll das denn funktionieren?" "Haben sie schon etwas von vorausschauendem Datenzugriff gehört?" "Nein?" "Nun, genau darum geht es, es handelt sich um eine erweiterte Methode zum Zugriff auf CDs, die es dem System erlaubt, die Treiber für die CD vorzuspeichern." Der glasige Ausdruck seiner Augen zeigt mir, was ich über die Glaubwürdigkeit meiner kleinen Lüge wissen muss. "Ah ... In Ordnung." "Helfen sie sich selbst, in dem silbernen Paket dort drüben sind die CDs ..." Einen hohen Schmerzenslaut später fällt ein kleiner batteriegetriebener Kondensator zu Boden. Der Chef, immer auf der Suche nach Abwechslung, eilt herbei. "Was ist denn hier passiert?" fragt er mich und ignoriert den Berater der mit verwirrtem Blick auf dem Boden sitzt. "Oh, er ist voller Begeisterung für die neueste Version von Solitär zusammengebrochen, die heute geliefert wurde." "SIE HABEN EINE BESSERE SOLITÄR-VERSION!" keucht er - sein Tag scheint gerettet. "Ja, die Installationsdiksetten sind in dem glitzernen Paket dort am Boden. Ich hatte noch nicht die Gele ..." >EEEEEEEEEEEEEE< Nun, vielleicht ist das doch kein ganz so übler Tag. [[Der B.O.F.H. fragt: Wie gefährlich sind ihre Nutzer ...]] Natürlich, sie sehen wahrscheinlich aufmüpfiger aus als die hirnlosen Schafe, die sie in Wahrheit sind - doch kann man ihnen trauen? Lesen ihre Nutzer verbotene Literatur? Versuchen sie, sich hinter ihrem Rücken weiterzubilden? Wie kann man das herausfinden? Wird der Elektroschocker auch in Zukunft zuverlässig funktionieren? Es ist Zeit für einen Test! Versetzen sie sich in die Rolle eines Nutzers und beantworten sie diese einfachen Fragen, um herauszufinden, ob weitere Massnahmen an IHREM Arbeitsplatz nötig sind. 1. Eine MAC-Adresse ist: A.ein Laden, in dem es Big Macs gibt. B.ein Strassenname in Schottland. C.etwas technisches. D.eine Hardware-Adresse im Netzwerk. E.etwas technisches, das der System-Administrator dazu benutzt, dass der Rechner des Chefs die Verbindung zum Netz verliert. 2. Sie rufen die System- und Netzwerkbetreuung an, weil der Server gerade ausgefallen ist. Sie wollen wissen, wann er wieder funktioniert. Als Antwort erwarten sie: A."In ein paar Minuten." B."In ein paar Tage." C."Verpissen sie sich!" D.Sie rechnen damit, den Beweis für die Urheberschaft des Ausfalls in ihrer E-Mail zu finden. E.Sie haben den Beweis für die Verantwortung an dem Ausfall gerade in ihrer E-Mail gefunden. 3. Die Komponenten in ihrem Laptop sind optimiert für welche Stromart? A.DC? B.AC? C.Was immer der Adapter sagt. D.Irgendwas unter 3 Volt. E.240 Volt Wechselstrom und kein Volt weniger! 4. Sie bringen einen Karton voller Datenbänder mit ihrem Lebenswerk zum Operator und bitten ihn, die Daten einzulesen, damit sie sie sich später auf ihren PC herunterladen können. Der Operator erklärt, dass er in eine Stunde damit fertig ist. Dies bedeutet: A.Die Daten stehen in einer Stunde in ihrem Netzlaufwerk bereit. B.Die Daten liegen irgendwann am heutigen Tag in ihrem Netzlaufwerk. C.Irgendwann in dieser Woche sind die Daten in ihrem Netzlaufwerk. D.Die Daten liegen für sie bereit, wenn in der Hölle der Frost ausbricht. E.Der Mülleimer des Operators quillt gerade über. 5. Sie riechen Rauch. Sie wissen sofort: A.Sie sollten den Alarm auslösen. B.Sie sollten schnellstmöglich aus dem Gebäude rennen und dabei die anderen informieren. C.Sie sollten ihren Rechner sofort abschalten, falls die Sprinkler losgehen. D.Der System-Administrator unterhält sich mit den Beratern. E.Der Mülleimer des Operators muss nicht mehr geleert werden. 6. Das schlimmste Stück Dreck im Gebäude: A.liegt im Mülleimer vor dem Büro des IT-Chef. B.sitzt auf dem Boden ausserhalb des Büros des IT-Chefs. C.sitzt auf dem Boden im Büro des IT-Chefs. D.sitzt auf dem Schreibtisch des IT-Chefs. E.sitzt im Sessel hinter dem Schreibtisch des IT-Chefs und telefoniert. 7. Der sicherste Platz für Sicherungskopien ist: A.das persönliche Verzeichnis im Netzwerk, wie es der Administrator empfohlen hat. B.das TEMP-Verzeichnis, wie der Administrator gesagt hat. C.eine ZIP-Disk. D.(c) oder mehrere davon und möglicherweise eine CD. E.der Mülleimer, um dem Administrator die Arbeit abzunehmen. 8. Es ist gefährlich, den Rechner im eingeschalteten Zustand unbeaufsichtigt zu lassen, weil: A.er in Flammen aufgehen könnte. B.er ein Sicherheitsrisiko darstellen könnte. C.die Festplatte abstürzen könnte. D.dadurch Strom verschwendet wird. E.der Prozessor die Hand des Administrators verbrennen könnte, wenn er ihn in der Nacht gegen einen ... ähm, schnelleren ... austauschen will. 9. Die Sicherheit und die Integrität ihrer E-Mail wird geschützt durch: A.ihr Passwort. B.die Firmenpolitik. C.PGP-Verschlüsselung. D.Microsofts Streben nach Qualität. Waaaaa ha ha ha! E.zwei Biere für den Administrator an jedem Freitagabend. 10. Ein System-Administrator legt ihnen ein Blatt Papier mit vielen technischen Begriffen vor ... mit denen sie nichts anfangen können. Er zeigt auch auf eine gestrichelte Linie und will, dass sie unterschreiben. A.Sie unterschreiben. B.Sie unterschreiben. C.Sie unterschreiben. D.Sie unterschreiben. E.Sie weigern sich, das Papier zu unterschreiben, dann prüfen sie, ob die Zahlungen für ihre Lebensversicherung ordnungsgemäss erfolgt sind. Wie hätten ihre Nutzer geantwortet? Meistens A: Es gibt keinen Grund zur Besorgnis. Ihre Nutzer sind so einfältig, dass sie sich schon glücklich schätzen, wenn sie es schaffen, nicht in die Tastatur zu sabbern. Meistens B: Auch hier ist alles im grünen Bereich. Möglicherweise sollten sie alle Abonnements für PC-Zeitschriften abbestellen, die sie in einem Papierkorb entsorgen. Nur für den Fall, dass jemand den Papierkorb gefunden hat ... Meistens C: Auch noch kein Grund für Überreaktionen, aber sie sollten die Büros nach Büchern durchsuchen, die ein 'für Dummies' im Titel haben (nachdem sie die erwähnten Abonnements abbestellt haben). Meistens D: Hier müssen sie sich wirklich Sorgen machen. Es könnte sein, dass jemand, der etwas mehr von Technik versteht, es durch den Prozess bei der Bewerberauswahl geschafft hat. Sie sollten Nachforschungen anstellen. Meistens E: Nein, nein, nein! Sie sollten sich in die Rolle eines ihrer NUTZER versetzen, und nicht als Administrator antworten! Wo waren sie nur mit ihren Gedanken? Also noch einmal von vorn! [[Lügen, verdammte Lügen und die B.O.F.H.-Statistik ...]] Der Paketdienst bringt mir ein Band mit Daten, das - WIE ÜBLICH - "sehr dringend" ist. Was bedeutet, dass der Chef vorbeikommen wird, um zu sehen, was Sache ist ... "Was halten sie von dem Band?" fragt er dann, als er mit 0.000000003-facher Warp-Geschwindigkeit hereinstürmt, bevor ich die Gelegenheit habe, das Band vom Schreibtisch in den Mülleimer zu befördern. "Welches Band?" "Das Band mit den Daten der Kundenbefragung!" erwidert er. "Mit sehr wichtigen Daten für uns. Wir haben dem Marktforschungsunternehmen 25.000 Pfund dafür bezahlt, dass sie für uns eine elektronische Umfrage durchführen, um herauszufinden, was unsere Kunden wirklich wollen." "Gute Produkte zu einem vernünftigen Preis?" schlägt der PJ vor. "Nein, nein", lächelt der Chef herablassend. "Wir wollen wissen, was die Kunden sich WIRKLICH wünschen - Produktfarbe, -name, ob wir es verchromen sollen oder nicht." "Unheimlich wichtige Eigenschaften", kommentiere ich und blicke den PJ mit rollenden Augen an. "Ja! Wo könnte das Band sein?" "Vielleicht wurde es noch nicht geliefert." sage ich. "Nun, ich dachte, ich hätte den Mann vom Paketdienst gesehen, wie er das Haus verlässt", erklärt der Chef und zaubert eine Lieferschein für ein Paket hervor. "Und er hat gesagt SIE hätten das Paket bekommen." "Ja", springt der PJ ein, der meine Leidenschaft für das Unterschreiben von Lieferscheinen nur zu gut kennt. "... oder vielmehr jemand ... ähm ... der John Major heisst. Arbeitet ER eigentlich bei uns?" "Bei den Erbsenzählern vielleicht?" schlage ich hilfreich vor. "Das ist auch unwichtig", erklärt der Chef einmal mehr und zaubert mit einem triumphierenden Lächeln ein weiteres Band hervor. "Für diesen Fall habe ich mir ebenfalls eine Kopie liefern lassen!" Er reicht es mir und verfolgt mit Argusaugen, was ich mache. "Machen sie schon!" ruft er. "Was für Daten sind darauf?" "Nun, da ich das Band gerade erst bekommen habe, ist das nur schwer zu sagen", antworte ich und kann die Neugier des Chefs nicht verstehen. "Es ist aber wirklich wichtig!" plappert er und stellt damit noch einmal für die KOMPLETTEN Idioten klar, weshalb er in unserem Büro ist. "Ja, ja." murmle ich und schiebe das Band in das externe Lesegerät meines Rechners. Im Normalfall - das muss ich zugeben - lese ich fremde Datenbänder nur einmal - indem ich sie durch die Virenscanner-/Lösch-Kombination schicke (Und tatsächlich hat es noch kein Virus durch die soliden magnetischen Prüfroutinen geschafft.). WIE AUCH IMMER, wenn ich von dieser Regel abweiche, so tue ich das nur, um den Chef wieder loszuwerden, der uns sonst den ganzen Tag lang mit seiner Anwesenheit nerven würde. Als das Band im Lesegerät liegt, mache ich eine interessante Feststellung: "Das Band ist leer." erkläre ich dem Chef, wobei ich den Ausdruck des Unglaubens in seinem Gesicht ignoriere. "Das kann nicht sein! Es wurde von einem professionellen Unternehmen beschrieben!" "Dann müssen sie Blindenschrift verwendet haben." "Oder eine Filzstift!" meint der PJ, der sich daran erinnert, dass ich einmal mit einem Stift den Anfang von Bändern mit 'Der Chef ist impotent!' beschriftet habe, damit der Verantwortliche für die Sicherheitskopien auch einmal etwas zu lachen hat. "Nun, spulen sie doch etwas vor, vielleicht beginnen die Daten weiter hinten." ruft der Chef aufgeregt. "Vielleicht hatten sie es nicht korrekt zurückgespult, als sie es beschrieben." "Das kann nicht passieren", antworte ich. "Alle Datenbänder haben eine Markierung, die den Beginn darstellt. Wenn nach dieser Markierung nichts ist, dann ist das Band leer." "Aber .... aber ..." "Schauen sie mal, ich werde es ihnen zeigen", sage ich und greife nach dem erst vor kurzer Zeit im Müll gelandeten Band, von dem ich noch schnell den Aufkleber abziehe, damit der Chef keinen Verdacht schöpft, und lege es ein. "Hier ist ein Band mit, ähm, periodisch auftretenden Lesefehlern, das wir deshalb ausgemustert haben." Ich starte den Lesevorgang. "Hier, schauen sie, Daten!" "Tatsächlich." "Und der Datenblock beginnt am Anfang des Bandes. Alles gültige Daten. Nebenbei, mit welchem Programm wollten sie denn die Daten auswerten?" "Oh, mit diesem Programm", erwidert der und holt eine Diskette aus der Büchse der Pandora hervor, die sein Anzug darstellt. Ich schiebe die Diskette in meinen Rechner und starte das Programm (ohne den üblichen Virentest, da ich das Risiko liebe) und lasse es auf die Daten auf dem Band los. "Nun", rufe ich. "Wenn wir DIESES Band als Beispiel nehmen, dann sagen die Daten, dass ... 68% der Kunden englisches Rasengrün oder Kobaltblau bevorzugen, während 11% rötliche oder braune Farbtöne bevorzugen ... 73% wünschen sich einen Namen, der nach dem Englischen klingt, um sich von asiatischen Produkten abzugrenzen ... 67% mögen Chrom, wobei 53% davon die Dominanz dieser Oberfläche nicht wünschen ... uh, 67% der Befragten gehören zu den Besserverdienenden und erstaunliche 83% sagen, dass sie regelmässig unsere Produkte kaufen." "Das klingt nicht schlecht. Und tatsächlich die meisten ein höheres Einkommen." erklärt der Chef. "Halt", unterbreche ich ihn und bringe seine Seifenblasen zum Platzen. "Das ist ein Band, das ich aus dem Müll gefischt habe. Die Ergebnisse stellen nur eine Interpretation der Binärinformationen auf dem Band dar." "Ja, aber es ist so genau - das KÖNNTEN die Daten der Umfrage sein!" antwortet er. "Hmmm, und das stimmt sie nicht nachdenklich?" "Nachdenklich? Wieso?" "Nun, wenn eine Umfrage ALLES bestätigt, was sie ohnehin schon wussten, wieso sollte man dann Unsummen für eine solche Befragung ausgeben? Ich zum Beispiel möchte nicht in der Haut desjenigen stecken, der die Befragung vorgeschlagen hat und dann mit einem Befragungsergebnis wie diesem auftaucht ...." Der Chef ist plötzlich völlig ruhig. "Nein", fahre ich fort. "Was sie brauchen, sind Ergebnisse, die niemand erwartet - die uns etwas sagen, das wir nicht wissen! Ähnliche Ergebnisse, aber ein wenig variiert." Eine 15 Watt-Birne erleuchtet plötzlich das Gehirn des Chefs. "Haben sie noch ähnliche Daten wie auf diesem Band?" "Keine Ahnung", murmle ich und blicke zum PJ. "Was war eigentlich auf dem Band?" "Leichte Pornographie." antwortet er, der es offenbar irrtümlich für eines unserer Archivbänder hält. "WAS?!?" "Wir, nun, wir machen Kopien von den Dateien der Nutzer, bevor wir sie löschen", erkläre ich. "Falls sie sich beschweren und hinterher alles leugnen sollten." "Ah. Also bräuchte ich milde Pornographie für die Datenauswertung." "NEIN!" rufe ich. "Leichte Pornographie wird nicht funktionieren, die Ergebnisse wären unglaubwürdig, wie wir gesehen haben. Wir brauchen ANDERE Daten. Harte Pornographie sollte funktionieren." "Harte Pornographie?!" fragt er ängstlich. "Ja", antwortet der PJ. "Vielleicht sogar mit Tieren. WENN sie wirklich gute Ergebnisse wollen, die ihren Hintern retten ..." ... Zwei Tage später gibt der Chef seine Abschiedsfeier (nach dem grossen Porno-Skandal, der dem grossen Umfrage-Skandal folgte, bei dem der Chef Ergebnisse präsentierte, nach denen die Kunden lila-gelblich-glänzende Produkte mit Namen wie 'Kamakuza' bevorzugen würden, die reichlich von Leuten mit niedrigen Einkommen gekauft würden) ... "Wie konnten sie das nur herausfinden?" fragt mich der Chef. "Nun, ich fürchte, es war ihr Fehler, dass sie die Dateiendung der Daten, die sie mit der E-Mail herumgeschickt haben, bei .mpeg belassen haben." murmle ich. Seufz ... Trotzdem, es war Zeit für einen Wechsel ... [[Der B.O.F.H. schmeckt seine eigene Medizin ...]] Diese Episode basiert auf wirklichen Erfahrungen mit einem der grössten Computer-Unternehmen auf der Welt. Namen und Firmen wurden geändert, um die Schuldigen zu schützen .... ... Ich rufe den technischen Service an und, wie üblich, lande ich in ihrer Warteschlange, was eher einer Verurteilung gleichkommt, wenn man wirklich Hilfe braucht. Und natürlich wird man schliesslich nicht mit einem Menschen verbunden, sondern einem dieser modernen Spracherkennungssysteme, die bei jedem Betreiber anders strukturiert sind. Und selbstverständlich erfordern sie die gleiche Zeit, nur fühlt man sich noch ausgelieferter als beim menschlichen Service ... ... "... wenn sie ein Problem mit einem Softwareprogramm haben, drücken sie 1-7. Haben sie Schwierigkeiten mit der Technik, drücken sie 2-3." Ich drücke 2 3. "Leider konnte ich ihr Kommando nicht verstehen. Bitte geben sie es erneut ein. Wenn sie ein Problem mit einem Softwareprogramm haben, drücken ..." Langsam drücke ich die 2, dann, ebenfalls langsam, die 3. "Willkommen beim Software-Service, bitte halten sie ihre Kundennummer bereit." Ich lege auf und wähle erneut. ... "Willkommen beim technischen Service. Wenn sie mit einem Operator sprechen wollen, drücken sie jetzt 0-0. Wollen sie dagegen ein ..." Langsam drücke ich die 1 und die 7. "Willkommen beim Technik-Service. Bitte halten sie die Seriennummer ihres Rechners bereit. Für ein Gerät unserer Super-Premium-Serie drücken sie 7-4, für unsere Super-Mega-Serie drücken sie 9-9, für andere Produkte bitte 2-1." Ich traue der Sache nicht und warte ab. "... ausser unsere Enterprise-Modell, für die sie 0-3 drücken sollten." Langsam betätige ich 0 und 3. "Bedauerlicherweise ist gerade kein Techniker für sie verfügbar. Bitte geben sie die Modellnummer und die Seriennummer ein, damit wir sie unter der Nummer, die sie beim Einkauf angegeben haben, zurückrufen können." Ich tippe die vierstellige Modellnummer ein und bin dabei die Seriennummer einzugeben, als ... "Leider wurde diese Nummer nicht in unserem System gefunden. Gültige Modellnummern sind: B101, B102, B103, B104, B1 ..." Ich lege auf, da ich merke, dass ich so nicht weiterkomme, rufe erneut an und drücke langsam 0-0. Zwölf Minuten lang muss ich warten und dem Rufzeichen lauschen, bis jemand meinen Anruf annimmt. (Von diesen Leuten kann sogar ich noch etwas lernen.) "Hallo, Service. Wie lautet ihr Kunden-Referenz-Code?" "Ähm, 2734278", antworte ich. "Nein, das ist ihre Kundennummer, ich brauche ihren Kunden-Referenz-Code." Erwidert sie kaltherzig. "Wie soll der aussehen?" frage ich, da ich noch nie davon gehört habe. "Der Kunden-Referenz-Code besteht aus einer siebzehnstelligen alphanumerischen Zeichenkombination, die sie ganz oben auf jeder Rechnung finden." antwortet sie. "Ich fürchte, ich habe gerade keine Rechnung greifbar. Kann ich nicht meine Kundennummer benutzen?" frage ich höflich. "Leider nicht, mein Rechner akzeptiert nur den Kunden-Referenz-Code." erklärt sie. "Gut, dann rufe ich später noch einmal an." Ich arbeite mich durch einen Stapel von Rechnungen, um herauszufinden, dass dieser Kunden-Referenz-Code erst seit zwei Wochen benutzt wird. Dafür brauche ich ihn jetzt für alle Anrufe beim Service. Ausgezeichnet. Ich rufe wieder an. "BBETA7873884A671F", beantworte ich zehn Minuten später ihre Frage. "Ich befürchte, wir haben keinen Kunden mit dem Referenz-Code PPECA7873884A671S", erwidert sie. Natürlich nicht. "Entschuldigen sie, ich wiederhole: BRAVO, BRAVO, ECHO, TANGO, ALPHA, 7873884, ALPHA, 671, FOXTROTT." "Ah", antwortet sie, wobei ich glaube, einen leichten Hauch von Enttäuschung zu hören. "Da sind sie. Wie lautet ihre PIN-Nummer?" "Bitte?" "Ihre PIN-Nummer, die zu diesem Referenz-Code gehört." "0000", rate ich. "In Ordnung", antwortet sie schon etwas verdriesslicher. "Und womit glauben sie, ein Problem zu haben?" "Wir haben eine fehlerhafte Festplatte." "Aha. Und wie lautet die Seriennummer der Festplatte?" "Ich fürchte, die kann ich ihnen nicht nennen, da ich dazu ja den Rechner öffnen müsste, was der Wartungsvertrag mit ihnen ausdrücklich verbietet." Antworte ich und weiss nur zu gut, dass die Götter gegen mich sind. "Hmm ... Und unter welcher Nummer erreiche ich sie?" Ich gebe ihr die direkte Durchwahl, die sie widerstrebend aufschreibt. Dann lasse ich sie die Nummer noch so oft wiederholen, bis sie wirklich stimmt - so leicht lasse ich mich auch nicht hereinlegen. "In Ordnung, dann werde ich einen Ingenieur damit beauftragen, innerhalb einer Woche bei ihnen anzurufen." "Innerhalb von vier Stunden, dachte ich." "Ähm ... Nein, sie sind Premium-Kunde, das bedeutet, wir reagieren innerhalb einer Woche." "Nein, vier Stunden." "Nein, eine garantierte Antwortzeit von vier Stunden haben Premium Direkt-Kunden, sie sind nur Premium-Kunde." "Aha. Kann ich ihnen eine ausserdienstliche Frage stellen?" "Natürlich." "Kommen überhaupt viele Anrufer bis zu diesem Punkt?" "Was meinen sie?" "So weit, dass ein Techniker sie anrufen wird." "Ausserdienstlich?" "Ja." "Etwa 3 Prozent. Zwanzig Prozent scheitern an den Schwierigkeiten des automatischen Antwortsystems, weitere zehn Prozent verirren sich in den verschiedenen Möglichkeiten und werden möglicherweise verrückt, 13 Prozent kennen ihren Kunden-Referenz-Code nicht oder finden ihn niemals. 8 Prozent finden ihn, kennen aber ihre PIN nicht, 25 Prozent nennen mir eine 'falsche Telefonnummer' für Rückrufe und 18 Prozent wollen keine ganze Woche warten und steigen auf den Premium Direkt-Tarif um. 3 Prozent werden verrückt und landen in der Anstalt." "Haben sie eigentlich irgendwelche Techniker?" "So do you have any engineers?" "Ausserdienstlich?" "Ja, ja." "Einen. Er lebt in Wales. Wir benutzen das Geld, das wir für Premium Direkt bekommen, meistens dazu, einen Vertrag mit einem anderen Service-Dienstleister abzuschliessen - der gibt uns einen Rabatt, wenn es weniger als drei Anrufe pro Jahr gibt. Und sonst müssen sie eben darauf warten, bis es eine billige Zugfahrkarte nach London für den Techniker gibt." "Und wieviele Angestellte hat ihr Unternehmen?" "Ausser mir und dem Ingenieur?" "Ja." "Keine." "Aha. Also kann ich damit rechnen, ihren Ingenieur ..." "Dave." "... Dave in der nächsten Woche kennenzulernen." "Ja." "Das war ... sehr aufschlussreich." Ich fühle mich wie ein Anfänger. [[Kauft niemals einen PC von diesem Bastard ...]] Ich bin auf der Tottenham Court Road und blicke durch ein Schaufenster auf ein überteuertes System, als ich einen unserer früheren Nutzer in dem Geschäft sehe. Nun, wenn ich von einem "Nutzer" spreche, meine ich jemanden, der mich mit Sätzen wie: 'Der Rechner muss defekt sein.', 'Das kann ich ja viel besser erledigen.' nervt. Jemand, der noch immer einen Zweifarbmonitor als moderne Erfindung empfindet. Und er hat mir Löcher in den Bauch gefragt, die er, der kaum weiss, wie er eine Tastatur bedienen muss, aus einem mit Lesezeichen versehenen Computer-Käufer-Magazin hatte. Wie auch immer, Gelegenheiten wie diese sind nicht gerade häufig, also springe ich in den Laden. "KANN ich ihnen behilflich sein?" frage ich und lächle dabei so unterwürfig, wie er das zweifellos von einem Computerverkäufer erwartet. "Ja, können sie mi ... Oh, Simon, sie sind es? Ich habe gehört, dass man ihnen gekündigt hat - jetzt müssen sie für ihren Lebensunterhalt wohl richtig ARBEITEN?" grinst er selbstgefällig. "Ja, wissen sie, manchmal muss man eben von vorn beginnen", murmle ich unterwürfig mit dem gesenktem Blick eines Verkaufsprofis. "Und jetzt arbeiten sie HIER?" fragt er und mustert den Laden mit kritischem Blick, wobei er ein hämisches Grinsen aufsetzt. "Nun, man tut eben, was man kann." murmle ich. "KANN ich ihnen helfen?" mischt sich ein echter Verkäufer ein, der das Computer-Magazin entdeckt hat, das mein ehemaliger Kollege mit sich herumträgt. "Nein, danke ... ähm ... Ahim", antworte ich mit einer Überdosis Vertraulichkeit im Tonfall, die ihn überzeugt. Seinen Namen lese ich dabei von seinem Anstecker ab. "Ich kümmere mich schon um die Kunden." "In Ordnung, melden sie sich, wenn ich ihnen helfen kann", murmelt er und verschwindet. "Wird gemacht." rufe ich ihm fröhlich hinterher, um mich sogleich wieder meinem Opfer zu widmen. Ich meine natürlich, meinem Kunden. Wo war ich nur mit meinen Gedanken? "Manchmal ist das ein ziemlich aufreibendes Geschäft", sage ich meinem Kunden - George, hiess er, wenn ich den Adressaufkleber auf der Rückseite seines Computer-Magazins richtig deute. "Nun, was kann ich denn für sie tun? Wollen sie sich einen Computer kaufen?" "Nein, nicht für mich", antwortet er ausweichend - unwillig, mir sein Herz auszuschütten - und blickt zu einer etwa gleichaltrigen Frau, die ebenfalls im Laden ist. "Alice wollte ein wenig über PCs wissen, also haben wir uns entschlossen, uns einen anzuschaffen, und ich werde ihr dann beibringen, was ich weiss." Es ist schwer zu entscheiden, aber ich schätze, dass Alice WIRKLICH begeistert sein wird, ihm dabei zuzuschauen, wie er immer die falschen Tasten drückt. "Ausgezeichnet. Also, sie haben schon einiges über Computer gelesen, wie ich sehe? Sie wollen einen solchen Kauf nicht überstürzen." "Nein, nein. Diese Zeitschrift bekomme ich schon seit einigen Jahren. Man muss sich ja über den technischen Fortschritt informieren ..." gibt George scharfsinnig zu. "Ein guter Vorsatz", antworte ich. "Nun, wofür haben sie sich entschieden?" "Ein Pentium III mit 733 Megahertz, 128 Megabyte RAM, 18 Gigabyte Festplatte, Windows 2000, Microsoft Office, ein 56K Modem, einen Farbtintenstrahler und ein internes ZIP-Laufwerk", plappert er los und liest die einzelnen Posten von der handgeschriebenen Liste ab, die er aus dem Magazin holt. "Pentium III. Wirklich? Nun, ich SCHÄTZE, sie wissen, was sie tun." "Wie meinen sie das?" "Sie haben doch sicherlich gelesen, dass der Pentium IV schon fertig ist." "Ja." "Nun, der Preis für einen Pentium III-Prozessor wird erheblich fallen, wenn der Pentium IV in den Handel kommen. Ganz besonders, wenn ..." - ich blicke mich verstohlen um - "... die Öffentlichkeit herausfindet, dass das zwei aufeinandergesetzte Pentium II-Prozessoren sind." "Wirklich?" "Natürlich - dafür werden ja all die zusätzlichen Beinchen gebraucht!!" "Aber sie verkaufen den Pentium IV noch nicht!" "Nein, aber sie KÖNNEN sich selbst auf eine Aufrüstung vorbereiten." "Wie denn?" Wieder schaue ich mich vorsichtig um, als hätte ich ein grosses Geheimnis zu hüten. "Nun, sie kaufen einfach einen aufrüstbaren Pentium II und dann, wenn der Pentium IV im Handel ist, löten sie einfach einen weiteren Pentium II auf den anderen Prozessor. Aber es muss sich unbedingt um einen aufrüstfähigen Pentium II handeln ...." "Warum kann ich das nicht schon jetzt so machen?" "Weil die Betriebssysteme das noch nicht unterstützen!" "Oh, natürlich!" "Jetzt hätten wir nur noch eine Sache, die mich nachdenklich stimmt. Weshalb wollen sie kein Diskettenlaufwerk für ihre Sicherungskopien?" "Ich habe doch das ZIP-Laufwerk!" "Ja, die sind gut - aber oft werden sie zusammen mit dem Rechner gestohlen. Deshalb empfehlen wir die normalen Disketten." "Aber für 18 Gigabyte brauche ich ..." "Rund 180 Diskettenpäckchen, ja. Oder 18 ZIP-Disks. Was kann man wohl leichter stehlen?" "Die ZIP-Disks!" ruft George. "Wogegen die normalen Diskettenschachteln den Bösewicht nur abschrecken würden." "So habe ich das noch nie betrachtet." "Da geht es Menschen wie Leuten. Es ist nämlich so", füge ich hinzu und schaue mich wieder sorgfältig um. "Es ist nämlich so, dass die meisten Verkäufer tatsächlich versuchen, den Kunden Disketten auszureden ..." "Wieso?" "Nun, ich will keine Namen nennen", antworte ich. "Aber mit der 'GARANTIE-URKUNDE' für das ZIP-Laufwerk bekommen die ihren Namen und ihre ADRESSE." "Sie meinen, sie steh ..." "Nein, das habe ich nie behauptet!" rufe ich. "Aber ich schreibe NIEMALS meine richtige Adresse in solche Formulare." "Das stimmt! Aber der Rest von dem, was ich will, ist in Ordnung, oder?" "Nun, das 56K-Modem ist ein wenig ... nun ..." "Was?" "Oh, es wird auf sie sicher nicht zutreffen, aber, nun, EINIGE Modems haben eingebaute Pornographie-Detektoren, die nachts Kontakt zu kostenlosen Rufnummern aufnehmen, um die Regierung darüber zu informieren, dass sie ein Pornos anschauen." "Sie machen Scherze!" "Ich wünschte, es wäre so. Diese Detektoren werden seit den 38K-Modems eingesetzt." Etwa hier fühle ich mich wie ein richtiger Hund, aber dann erinner ich mich an sein Gejammer. "Sagte ich 38K?" rufe ich. "Ich meinte natürlich 19K! Aber man sollte da lieber ganz sichergehen, also ein 9.600er Modem nehmen. Und das beste an der Sache ist, dass diese Ausstattung praktisch nichts mehr kostet - Pentium II, Disketten, 9K-Modems ..." "Ich bin wirklich froh, dass sie mich beraten", erklärt George. "Wie wäre es, wenn sie mir nun einen verkaufen?!" "Momentan bin ich leider nur als Berater eingestellt, aber ich werde einen Verkäufer über ihre Wünsche informieren." antworte ich hilfsbereit. Blitzschnell eile ich davon, um Ahim zu suchen. "Hallöchen, mein Freund sammelt veraltete Technik und sucht nach Bestandteilen, um ein Modell zusammenzubauen, dass den Stand der Computertechnik zum Ende der 90er Jahre widerspiegelt. Könnten sie ihm dabei helfen?" Ich habe den Satz noch nicht ganz beendet, da ist Ahim schon verschwunden und denkt offensichtlich an die Prämien, die er von seinem Chef bekommt, wenn er den Müll, den selbst Touristen nicht mehr kaufen, losschlagen kann. Meine Arbeit hier ist getan - ich warte noch bis der Einkaufswagen voller Schrott im Wagen von George verschwunden ist und lenke meine Schritte dann im Licht der untergehenden Sonne auf eine Kneipe, um ein Belohnungs-Bier zu trinken. Das Leben ist süss, aber Rache - noch viel mehr. [[Der B.O.F.H. will es wissen: Sind sie ein guter Ingenieur ...]] Sie glauben also, von Hardware einiges zu verstehen? Und sie glauben auch, sie KÖNNTEN sich mit den grossen Geistern der Computer-Reparatur-Branche messen und ungeschoren davonkommen? Nun, es wird Zeit für einen Test! 1. Sie hören laute Knattergeräusche aus der Belüftungseinheit einer Maschine, die sie betreuen. Eine gelbe LÜFTER-Diode an der Vorderseite des Rechners leuchtet hell. Intuitiv spüren sie: A.Ein Lüfter ist kaputt, ein andere Lüfter wird bald ausfallen. B.Ein Lüfter ist kaputt, und ein weiterer Lüfter kann bei einem späteren Wartungstermin repariert werden. C.Ein Lüfter muss geschmiert werden, ein anderer muss ausgewechselt werden. D.Der gestoppte Lüfter ist in den standby-Modus übergegangen, während der andere noch läuft, so dass es keinen Bedarf für eine Reparatur gibt. E.Möglicherweise verursacht ein Diagnoseprogramm dieses Verhalten. 2. Es ist 23 Uhr, sie liegen im Bett und bekommen einen Anruf wegen einer fehlerhaften Festplatte. Sie antworten sofort: A.Bin gleich mit einer Ersatzfestplatte da. B.Bin gleich da, doch möglicherweise brauche ich noch eine Ersatzfestplatte. C.Ich schaue am Morgen bei ihnen vorbei, da wir im Moment keine Ersatzfestplatte im Lager haben. D.Ich glaube, sie haben die falsche Nummer gewählt. Hier ist Daves Minitaxi. E.Ein anderer Auftrag beschäftigt mich gerade ausserhalb der Stadt - mein Telefon wird umgeleitet. Ich komme irgendwann in der nächsten Woche vorbei und bringe die Rechnung für die Anrufumleitung gleich mit. 3. 24 x 7 x 4 bedeutet: A.24 Stunden an 7 Tagen in der Woche Reparatur innerhalb von 4 Stunden. B.24 Stunden an 7 Tagen in der Woche Rückruf innerhalb von 4 Stunden. C.24 Stunden an 7 Tagen in der Woche 4 Stunden Wartezeit bis zu einer Rückmeldung. D.C., dann noch einmal 4 Stunden Wartezeit, bis sie aus dem Bett aufgestanden sind. E.24 Tage Reparaturzeit, noch 7 Minuten bis ihr Vertrag endet und 4 Stunden Wartezeit, bis jemand den Anruf beantwortet. 4. Sie werden beauftragt, eine Maschine zu warten, wie sie sie noch nie gesehen haben. Sie wissen nicht einmal, was die Maschine eigentlich macht. A.Sie erklären dies ihrem Kunden und rufen einen anderen Ingenieur herbei. B.Sie erklären dies ihrem Kunden. C.Sie schauen sich die Handbücher an. D.B., dann C.. E.Holen den Schraubenzieher heraus - WIRD SCHON NICHT SO SCHWER SEIN! 5. Nachdem sie eben mit E. geantwortet haben, bauen sie die Maschine wieder zusammen, wobei eine Kiste voller Einzelteile übrigbleibt. Doch das grüne Licht leuchtet auf, wenn sie den Netzschalter drücken. A.Sie schauen sie jetzt die Handbücher an und bauen die Teile noch ein. B.Sie lassen ihren Kunden mit den Teilen allein. C.Sie verkaufen die Teile ihrem Kunden als Ersatzteile. D.Sie werfen die Teile in den Müll. E.Sie nehmen die Teile mit und bauen ihre eigene Maschine mit den Teilen auf, die bei der NÄCHSTEN Reparatur übrigbleiben. 6. Sie werden alarmiert, weil ein Detektor für die Erdung an einem ihrer Geräte anschlägt. A.Sie prüfen das Netzteil. B.Sie führen mit einem Multimeter einen Test durch, um zu prüfen, ob die Erdung bis zum Boden funktioniert. C.Sie nehmen dazu ein Prüfgerät, das Stromstösse in die Leitung eispeist und mit einem Aufkleber gekennzeichnet ist, auf dem steht: 'Nicht bei Computer-Technik anwenden'. D.Sie erklären ihrem Kunden, dass dieses Gerät nicht mit Detektoren für die Erdung kompatibel ist. E.Sie fixieren mit Klebestoff den Aus-Schalter für den Alarm, so dass dieser nicht mehr ausgelöst werden kann. 7. Sie haben KEINE VER****TE AHNUNG, was mit einem Gerät, das sie warten, nicht stimmt. A.Sie rufen einen bekannten Ingenieur an und fragen ihn um Rat. B.Sie ersetzen das komplette Gerät. C.Sie basteln ein paar STUNDEN daran herum, da ihnen vielleicht ein Zufallstreffer gelingen könnte. D.Sie fummeln an dem Gerät herum, bis der Kunde den Raum verlässt, dann packen sie zusammen und verdrücken sich. E.D., sie nehmen das Gerät mit und leugnen dann, dass sie jemals da gewesen sind. 8. Der Satz 'Keine wartbaren Teile in dem Gerät' bedeutet: A.Die Einheit ist nicht durch den Kunden wartbar. B.Die Einheit besteht aus Komponenten, die ausgetauscht werden müssen und nicht wartbar sind. C.Für den Kunden besteht grosse Gefahr, wenn er das Gehäuse öffnet. D.Es besteht auch für den Ingenieur eine gewisse Gefahr, um ganz ehrlich zu sein. E.Sie können die Einheit ungesehen austauschen. 9. 'Garantie ERLISCHT, wenn das Siegel beschädigt ist' bedeutet: A.Das Siegel garantiert, dass ein Produkt im Betrieb ausfiel und nicht dadurch, dass das Siegel beschädigt wurde. B.Das Siegel garantiert, dass das gesamte System nicht verändert wurde. C.Das Siegel verhindert, dass die Leute neugierig werden. D.Das Siegel verhindert, dass die Leute herausfinden, dass ihr teurer 2000 Pfund-Rechner aus einem kleinen Mikrochip und einem Sack Sand als Gewicht besteht. E.C. - deshalb kleben sie es auf alles, das sie in ihrer Wühlkiste finden. 10. Das Ohmsche Gesetz besagt, dass A.zwei parallelgeschaltete Widerstände wirken, wie ein Widerstand mit der Hälfte des Widerstands der beiden Bauteile. B.zwei parallelgeschaltete Widerstände wirken, wie ein Bauteil mit einem geringeren Widerstand als jedes einzelne der beiden Bauteile. C.es keinen Ersatz für ein Bauteil mit dem korrekten Widerstand gibt. D.eine Zange das Problem lösen wird. E.zwei parallelgeschaltete Widerstände zum doppelten Teilepreis ausgetauscht werden können, um die hohen Arbeitskosten zu decken. Nun, wie haben sie geantwortet? Meistens A: Sie sind ganz selbstverständlich kein Ingenieur - das ist ganz offensichtlich. Sie sind zu ehrlich und wissen zu viel. Sie müssen gestoppt werden. Meistens B: Auch sie wissen zuviel für ihr eigenes Wohl und das ihrer Firma. Widmen sie sich ihren akademischen Studien und lassen sie die reale Welt allein. Meistens C: Ehrlichkeit mit gelegentlichen Geistesblitzen. Sie müssen sich noch etwas anstrengen, wenn sie in der 'Berechne jetzt, Frage später nach'-Welt bestehen wollen. Meistens D: Sie haben, was sie brauchen, doch sie wissen noch nicht, wie sie es anwenden. Sie müssen diese Fähigkeiten vertiefen, bis sie den Idealzustand erreicht haben. Meistens E: Eine grosse Anzahl wichtiger Lieferanten wartet auf sie. Sie haben diese spezielle Mischung aus hervorstechender Verantwortungslosigkeit und Ignoranz, die sie unbezahlbar machen für jede Organisation, die sie beschäftigen wird! Gute Arbeit! [[Der B.O.F.H. will es wissen: Sind sie ein guter Ingenieur (Teil 2) ...]] Sie wollen noch immer ein Ingenieur sein, oder? Hat sie die zwangsläufig bevorstehende Operation ihrer Hirnlappen nicht abgeschreckt? Oder der Zwang zum Tragen von Anzughosen? Nun, dieser Test sollte ihnen endgültig verdeutlichen, worin ihr Schicksal besteht. 1. Sie haben soeben ein fehlerhaftes Teil in einem Kundenrechner ausgetauscht. Das alte Teil: A.schicken sie zurück zum Hersteller, um herauszufinden, was falsch gelaufen ist. B.wandert in ihre Ausschuss-Kiste. C.wird in den Mülleimer geworfen. D.bleibt zusammen mit ähnlich aussehenden funktionierenden Teilen auf dem Tisch liegen. E.wird in einen Sack mit der Aufschrift 'reparierte Gebrauchtteile' gestopft. 2. Das Ohmsche Gesetz besagt, dass zwei Widerstände in Reihenschaltung: A.die gleiche Wirkung haben, wie drei Widerstände mit den gleichen Werten, die parallel verschaltet werden. B.mehr kosten als ein Widerstand. C.länger sind als ein einzelner Widerstand. D.den Wert haben, der sich aus der Summe der Quadrate der gegenüberliegenden Seiten ergibt. E.mehr Lötzinn brauchen als ein Widerstand (oder zwei in einer Parallelschaltung) und daher für eine höhere Summe abgerechnet werden könne. 3. "Keine Fragen-Austauschgarantie" bedeutet: A.Alle fehlerhaften Teile werden, aus welchen Gründen auch immer, sofort ersetzt. B.Ein fehlerhaftes Teil wird - wenn es fehlerhaft ist - sofort, aus welchen Gründen auch immer, ersetzt. C.Alle Teile, die fehlerhaft und unverändert sind, werden ohne Nachfrage ausgetauscht. D.Wir fragen nicht, um welches Teil es sich handelt - wir ersetzen einfach irgendein Teil. E.Es ist dem Kunden nicht gestattet, Fragen zu stellen, wie: "Wann trifft mein Ersatzteil ein?", "Hallo, ist dort der Technik-Service?". 4. Neunzig Prozent einer bestimmten Lieferung Festplatten sind fehlerhaft. Dies deutet darauf hin, dass: A.die Einheiten unzuverlässig sind. B.es zu erhöhtem Wartungsaufwand mit den Geräten und ihrer Konfiguration kommen kann. C.die Kunden die Festplatten falsch benutzen. D.Ausserirdische unseren Luftraum infiltriert und die Festplatten zerstört haben (da die Geräte so gut sind). E.es eine Verschwörung der Regierung gibt - sie will, dass man neue Festplatten mit eingebauten Kontroll-Chips anschafft. 5. Ein Rechner, den sie warten, scheitert ohne ersichtlichen Grund schon bei der Diagnose beim Start des Rechners. Das bedeutet, dass: A.der Fehler irgendwo im BIOS des Teils steckt. B.der Fehler in den Diagnoseroutinen steckt. C.der Rechner - Aber berufen sie sich dabei nicht auf mich! - defekt ist. D.sie es versäumt haben, den Hasenschwanz, der ihr Glücksbringer ist, dreimal zu streicheln. E.sie all die glitzernden Einzelteile ersetzen müssen, die sie aus dem Gehäuse gestohlen haben. 6. Ihnen passiert ein Missgeschick und sie setzen einen Rechnerraum ihres Kunden in Brand. A.Sie entschuldigen sich überreichlich und rufen die Versicherung ihrer Firma an. B.Sie entschuldigen sich dafür, dass die Technik auf diese Weise ausfiel und rufen dann die Versicherung ihres KUNDEN an. C.Sie erklären ihrem Kunden, dass er seine Versicherung anrufen soll. D.Sie leugnen, dass sie jemals den Rechnerraum betreten haben. E.C. und stellen ihre zur Brandbekämpfung aufgewandte Zeit in Rechnung, verklagen ihren Kunden wegen der zusätzlichen nervlichen Belastung und nehmen sich drei Monate frei, um ihr Trauma zu auszukurieren. 7. Ihre Firma bietet einen 'RUND UM DIE UHR'-Datenrettungsservice an. Das ist: A.ein an jedem Wochentag rund um die Uhr betreuter Rechnerraum, um die Daten der Kunden wiederherzustellen. B.Firmenpolitik, die vorsieht, dass ein Datenrettungsversuch nach Möglichkeit am nächsten Arbeitstag durchgeführt wird. C.B., sofern der Kunde die gleiche antike Technik benutzen, die in ihrem Rechnerraum diesem Zweck herumsteht. D.C., wobei alle Daten auf Bändern gespeichert sind, die mit einer Geschwindigkeit von 9 Bit pro Sekunde gelesen werden. E.eine Ansammlung von übertakteten Pentium 80-Rechnern, die auf Stundenbasis gemietet werden kann. 8. Ein Kunde ruft an und will einen Wartungsvertrag mit ihnen kündigen. A.Sie nehmen die Information entgegen und beenden sofort den Vertrag. B.Sie nehmen die Information entgegen und beenden ihn nach der vereinbarten Kündigungsfrist von drei Monaten. C.B., wobei sie dem Kunden noch eine Rechnung für die Wartung erstellen, die ungefähr dem sonstigen Durchschnitt von 9 Monaten entspricht. D.Sie schicken dem Kunden ein Kündigungsformular. Mit der Post. An ihre Firma. In Peru. E.D., möglicherweise auch B., dann starten sie einen neuen Wartungszyklus am Beginn des nächsten Jahres - wenn sie es am wenigsten erwarten. 9. Sie kümmern sich um die Rechner eines Kunden, wo die Dioden, die auf einen NETZTEILFEHLER hinweisen hell leuchten. Sie wissen, dass sie kein Austausch-Netzteil haben, der Wartungsvertrag sie aber dazu verpflichtet innerhalb von sechs Stunden eines zu beschaffen. A.Sie sorgen dafür, dass ihnen das Ersatzteil geliefert wird, EGAL wie teuer es wird. B.Sagen dies ihrem Kunden und fragen ihn, ob er mit ihnen leiden kann. C.Sagen dies ihrem Kunden und gewähren ihm einen Nachlass wegen der Mühe. D.Sie unternehmen eine 'Vorbeugende Wartung' bei einem anderen Kunden und STEHLEN ein Ersatznetzteil. E.Sie erklären dem Kunden, dass es sich um einen Diodenfehler handelt und klemmen sie ab. 10. Sie warten ein Gerät und stellen dabei fest, dass das Erdungskabel des Gerätes verschwunden ist. A.Sie informieren ihren Kunden und kehren in ihr Büro zurück, um einen Ersatz zu holen. B.Sie sagen ihrem Kunden, dass das Problem schwieriger sei als erwartet und holen dann aus ihrem Büro einen Ersatz. C.Sie schauen nach, ob der Kunde einen Ersatz hat, um Zeit zu sparen. D.Halten sich am Metallrahmen des Gerätes fest und setzen die Arbeit fort. E.Sie geben vor, einen Ersatz dabeizuhaben. Die Erdung wird sowieso überschätzt, ist also unnötig. Und wenn sie schon dabei sind, jonglieren sie mit ein paar Speicherchips, wenn sie in ihren Nylonhosen über einen Teppich laufen. Bewertung? Auszeichnungen? - Hatten wir das nicht schon in der letzten Episode? [[Vertrauen sie mir, ich bin der B.O.F.H. ...]] Nach ein paar beruhigenden Bieren zum Mittagessen arbeite ich hart, als das Telefon bimmelt. Grossmütig - denn ich will, dass das Gebimmel aufhört, damit ich meinen Schlaf fortsetzen kann - nehme ich den Hörer ab ... "Hallo, ist da die Systembetreuung?" "Aber gewiss doch!" rufe ich voll jugendlichem Eifer, der so typisch ist für einen Netzwerkprofi nach dem Mittagessen. "Hm, in Ordnung. Ich konfiguriere gerade meinen neuen PC und das Handbuch will, dass ich die Konfigurationskarte am Ende ausfülle." "Sie tun WAS?" "Ich konfiguriere meinen neuen PC. Mein alter war so langsam, dass der Chef meinte, ich könne den nehmen, den er bisher zuhause hatte, wenn ich ihn selber einrichte." "Ahhh - sie sollten das aber nicht tun, ein Privat-PC könnte mit Viren verseucht sein." "Nein, nein. Ich habe ihn erst am Morgen mit einem Virenschutzprogramm getestet." "Welches Programm haben sie benutzt?" "Ich bin nicht sicher, aber ich habe es im vergangenen Jahr in einem Diskussionsforum gefunden." "In Ordnung, dann ist das vermutlich korrekt - auf welche Rechner im Netzwerk haben sie damit bisher zugegriffen?" "Nur ein paar Rechner in meiner Abteilung - glauben sie, dass das in Ordnung war?" "Hmm. Haben sie Schreibrechte für die Nutzerverzeichnisse?" "Ja ..." "Ah, gut. Das sollte nicht problematisch sein, würde ich sagen. Nun, was sollen sie denn genau aufschreiben?" "Ich soll eine MAC-Adresse notieren." "Hmm. Wir nehmen normalerweise die nächstgelegene. Wenn ich mich nicht irre, dann finden sie die Nummer, wenn sie das Gebäude verlassen und nach links wenden, Dann finden sie die Nummer am Eingang des Restaurants. Springen sie einfach runter, notieren sie sie sich und bringen auf dem Rückweg ein paar Hamburger und einen dieser neuen Eisbecher vorbei, die sie da bekommen." "Duh-huh." "Was wollen sie noch wissen?" "Hier steht: 'Druckertreiber?'" "Oh, da müssen sie Dave fragen, er ist der neue im Rechnergeschäft - aber er hat auch Drucker im Angebot." " ... gut, Dave. Als nächstes steht hier 'Arbeitsspeicher' und 'MB' - soll ich 128 schreiben, wie es beim Start auf dem Monitor steht?" "Nein, schreiben sie 32." "Aber beim Start steht da etwas anderes!" "Machen sie sich keine Sorgen. Ich bin mir sicher, dass wir das bis zum Morgen korrigiert haben werden ..." "Oh, gut. Ausgezeichnet! Jetzt steht das etwas von einer IP-Adresse. Wie lautet meine IP-Adresse?" "127.0.0.1 - das brauchen sie für die TCP/IP-Einstellungen im Netzwerk ihres Rechners. Benutzen sie das 'Ping'-Kommando um zu sehen, ob es funktioniert." "Subnetz-Maske?" "Ah, das müsste 0.0.255.255 sein - wir bezeichnen das als B-Minus-Subnetz-Maske." "Hervorragend. Name-Server-Adresse?" ">NAME<-Server-Adresse? Steht das wirklich so in dem Handbuch?" "Ja, da steht N-A-M-E." "Ich denke, dass es sich dabei um einen Druckfehler handelt, da müsste 'SAME'-Server stehen - das kommt aus dem Englischen. Da nehmen sie die gleiche 127er Nummer wie vorhin." "Warum wollen sie sie dann wissen?" "Oh, das ist typisch für die Computerbranche. Man lässt die Kunden unzählige Kästchen ausfüllen, damit sie glauben, sie hätten wirklich einen Wert für ihr Geld bekommen. Ich habe schon solche Handbücher gesehen, in denen nach WINS-Servern und anderem Kram gefragt wurde." "Ja, das steht auch hier!" "Oh, mein Lieber, fragt man auch nach dem DNS-Suffix?" "JA!" "Das 'Don't need Service'-Suffix, wieder eine dieser verwirrenden englischen Abkürzungen - ich meine, wer würde schon zugeben, dass ein Geräte nicht wartbar ist?" "Und weshalb steht das dann da?" "Das habe ich doch schon gesagt - das wird gemacht, damit die Kunden glauben, sie hätten ein besonders wertvolles Gerät gekauft." "Ich kann kaum glauben, dass diese Leute sowas machen!" "Das kommt häufiger vor, als man glaubt. Aber könnten sie mir nun noch ein paar Angaben für unsere Datenbank machen, damit wir ihnen besser helfen können, wenn sie einmal Probleme mit ihrem Rechner haben?" "Uh, natürlich." "Büronummer?" "302." "Nummer ihres Telefons - 4781, oder?" "Korrekt." "Name: Jim Forford?" "Ja." "Netzwerk-Anschluss-Nummer?" "Wie bitte?" "Die Nummer, die an der Steckdose steht, in die das blaue Netzwerkkabel eingesteckt ist ..." "Oh, ah ... ah ... >KRITZEL< 302-R-1." "Nein, das muss die von ihrem Netzkabel sein, die brauchen wir später. Jetzt geht es um das BLAUE Kabel. Die Nummer muss muss ihre Büronummer und ein U enthalten." "Oh, in Ordnung, hier ist sie - 302-U-4." "Gut. Jetzt noch die Nummer ihrer Zugangskarte?" "Moment ... >KRITZEL< 301009." "Steht noch eine Statusnummer unter der Kartennummer?" "Ja, Status 1." "Also sind sie neu in der Firma?" "Stimmt. Ich habe vor zwei Wochen angefangen." BINGO! "Gut - jetzt brauche ich noch die Geheimzahl ihrer Kreditkarte." "Wofür brauchen sie die denn?!?!" "Nun, nur für den Fall, dass der hochemittierende Magnetstreifen ihre Kreditkarte den niedrigstrahlenden Streifen auf ihrer Zugangskarte überschreibt. Wir brauchen ihre Geheimzahl, damit der Computer sie trotzdem in die Firma lässt." >>DUMMY MODE EIN<< "Oh, ja, natürlich. 4732." "Hervorragend. Und jetzt brauchen wir noch die Tiefe der Buchsen der Steckdose, an der ihr Rechner angeschlossen ist." "Hä?" "Ich muss wissen, wie tief die Löcher in der Steckdose 302-R-1 sind. Damit ihr Rechner den Strom bekommt, den er braucht." "Wie soll ich das messen?" "Stecken sie einfach eine Büroklammer in der Erdungsloch und messen sie, wie weit sie hineinpasst." "Ist das nicht gefährlich?" "Nein, das ist doch die Erdung." "Oh, na gut. Uh ... >HERUMKRAM< >HERUMKRAM<. Ah, etwa einen halben Zoll." "Und jetzt messen sie die beiden anderen Löcher, während sie die andere Büroklammer festhalten." "In Ordnung. Uh >HERUMKRAM<, uh, etwas weniger als ein halber Zoll und >SCRZZZZZZZZIIIIIISSSSSSCCCCHHHHHKNACK< >KNACK< >KNACK< "Diese da!" ... So landen wir im Büro des Chefs, und er kauft mir die Geschichte mit dem Feuer kaum eine Minute lang ab. Auch meine 'Der Hund hat die Bänder mit den Sicherungskopien gefressen'-Geschichte mag er nicht. "Jetzt sind sie fällig!" ruft er, greift zum Telefon und tippt die Nummer der Sicherheitsleute. "Sie sind so gut wie gefeuert!" "Gefeuert?!" ruft der PJ und riecht den Braten. "Das ist ja grossartig! Ich kann mein Glück gar nicht fassen!" "Was?" fragt der Chef. "Nun, ICH werde den Posten übernehmen! Ich kann endlich meine eigenen Entscheidungen treffen! Ich kann die Systeme abstürzen lassen, wenn ich es will, kann dafür sorgen, dass sie keinen Zugriff auf ihre Lieblingsseiten haben, kann die Netzwerkverbindungen trennen ..." Ich unterbreche den PJ mit einem schnellen >PLATSCH!< bevor er völlig im Land des Grössenwahns ankommt. Natürlich sabbert er noch ein wenig bei dem Gedanken daran, das Leben der Nutzer nach seinen Vorstellungen zu bestimmen, die IT-Manager als die Dummköpfe zu entlarven, die sie sind, und so weiter. Ein weiterer Klaps bringt ihn zurück ins wirkliche Leben ... "Nun, ich glaube, ich war etwas voreilig." meint der Chef, der jetzt sichtlich nervös wird, wenn er an den Teufel denkt, den er ja kennt. "Nein, nein!" rufe ich, als mir das geradezu furchterregende Potential bewusst wird, dass im PJ steckt. "Ich denke, sie sind mehr als im Recht! Ich bin eine wandelnde technische Zeitbombe. Mir kann man keine Technik anvertrauen! Wie zum Beispiel ihren Monitor." "Mein Monitor?" >KRACH!< "Ja!" "Ein Unfall", ruft der Chef. "Das kann doch jedem einmal passieren! Schauen sie!" >KRACH!< gesellt sich ein Laptop zu den Trümmern des Monitors. 10 Minuten später liegt jedes Gerät in Einzelteilen auf dem Boden, da der Chef versucht, mir zu beweisen, dass ich kein kompletter und heimtückischer Schweinehund bin, sondern nur recht anfällig für Arbeitsunfälle. Ein Riesenspass also. Und noch mehr Spass macht es, als die Sicherheitsleute, die von den Geräuschen der heruntergeworfenen Geräte alarmiert wurden, hereinkommen, um den Chef dabei zu sehen, wie er sein Buchregal umwirft - ein 'Unfall'. "Zum Glück sind sie hier!" rufe ich und benutze einen Satz, der mir in der jüngeren Vergangenheit sehr dienlich war. "Er ist völlig ausgerastet! Eine wandelnde Zeitbombe - eine Gefahr für sich selbst und andere! Ja, er hat sogar verlangt, dass ich in den PC eines Nutzers uriniere!" Der Rest ist Geschichte - wie der Chef. Das Heulen, das Zähneknirschen, die Dementies - schlimmer als eine Untersuchung gegen einen Präsidenten. Am besten holen sich die Erbsenzähler 6 oder 7 Tassen Kaffee. Falls ich diese Aktualisierung einmal vollende ... [[Der B.O.F.H. wird ausgegliedert ...]] "Ausgliederung!" Unser Chef und der IT-Chef glucksen zufrieden, als sie in unser Büro watscheln. "Das ist brillant!" Seufz. "Nein, ist es nicht!" rufe ich, als ich von der Seite mit Aktualisierungen für Spiele aufblicke, die gegenwärtig meine volle Aufmerksamkeit hat. "Wir kennen doch schon ein paar ausgegliederte Firmen. Wir müssen ihnen für jeden Anruf eine Riesensumme zahlen, sehen sie - wenn überhaupt - einmal in der Woche bei uns, und am Ende müssen wir doch jemanden einstellen, der das Problem dann wirklich löst, da sie unsere Infrastruktur nicht kennen! Das ist wie eine Lizenz zum Gelddrucken - nur nicht für uns!" "Genau darum geht es ja! Es ist eine Goldmine! Wir können ein Vermögen machen!!!" "Ein Vermögen MACHEN?!" "Ja, denn es ist wohl ziemlich sicher, dass es einige Firmen da draussen gibt, die die ihre Dienste und die ihres Assistenten brauchen!" "Entschuldigung, wollen sie damit andeuten, dass sie UNS ausgliedern wollen?" "Ja! Wir verkaufen den Interessenten die Zeit, in der sie nicht beschäftigt sind. Sie wissen schon, die Zeit, in der sie das Internet nutzen." "In der ich mich über neue Entwicklungen informiere, meinen sie?" "Oder über die der Pornographie, wenn ich mir ihren Assistenten anschaue." bemerkt der IT-Chef, der seine Augen nicht von den rosaroten Farbtönen trennen kann, die den Monitor des PJs beherrschen. "Ich überprüfe gerade unseren Web-Cache, um ihn für die Firma zu optimieren!" antwortet der PJ angeriffslustig, als er hinter einem Bücherregal auftaucht. "Web-Cache?" "Ja, ich untersuche, WIESO der Zwischenspeicher immer voller Bilder statt voller arbeitsrelevanter Informationen ist. Wenn ich die vollständige Liste der Nutzer habe, die diese Daten heruntergeladen haben, können wir unheimlich viel Bandbreite sparen. UND NOCH WICHTIGER ist, dass wir dann wissen, wer wie lange während der Arbeitszeit statt zu arbeiten sich Pornographie anschaut." "Ich glaube nicht, dass das zu ihren Aufgaben gehört." erwidert unser Chef nervös. "Ja, auch ich denke nicht, dass es dafür eine Notwendigkeit gibt!" stimmt der IT-Chef ihm zu, der ebenfalls etwas nervös wirkt. "Wir bezahlen sie beide ja schliesslich für ihre technischen Erfahrungen - solche Aktivitäten gehören aber nicht dazu. Für diese Form der Hexenjagd bekommen sie ihren Lohnscheck jedenfalls nicht!" Falls da noch Zweifel waren, wer für das Material in dem Web-Zwischenspeicher verantwortlich ist, so verpuffen sie jetzt blitzartig ... "Und genau darum geht es!" ruft der Chef, der wieder Morgenluft wittert. "Sie sitzen hier beschäftigungslos herum, während wir Gewinne machen könnten!" Innerhalb eines Tages kommt eine Vereinbarung über die Ausgliederung mit einem alten Freund des IT-Chefs zustande, bei dem es nur einen schäbigen technischen Service zu geben scheint. Der PJ und ich sind komplett gegen diese Idee, bis wir herausfinden, dass es sich bei der besagten Firma um eine Model-Agentur mit freiem Büfet handelt. Modisch gekleidete Models brauchen einfach eine professionelle Betreuung, die nur der PJ und ich leisten können ... [Später am gleichen Tag] "Und da wären wir!" erklärt Brian, unser neuer Teilzeitchef voller Stolz und deutet auf eine Ansammlung von Rechnern und Kabeln, die in einem mehr als warmen Büro verstreut herumstehen beziehungsweise -liegen. "Mit anderen Worten - ein Schweinestall", sage ich und starre auf die Unordnung vor meinen Augen. "NEIN!" Ein langhaariger Kauz mit mit wirrem Blick taucht hinter uns auf. "Alle Systeme sind in einem hervorragenden Zustand - ich weiss das, weil ich sie installiert habe." "Wenn sie mit 'installiert' meinen, dass sie sie auf jeder freien horizontalen Fläche gestapelt haben, nun, dann war das gute Arbeit. Aber hier gibt es keine Klimaanlage, keine Unterbrechungsfreie Stromversorgung - der gesamte Raum könnte jederzeit ausfallen!" erwidert der PJ. "Ich glaube kaum, dass das ..." fängt der Kauz an. "Es ist ja nicht einmal eine Verriegelung in der Tür!" rufe ich schockiert. "Jedes Model, dessen Gesicht dem Hintern eines Schweins gleicht, könnte missgelaunt hereinkommen und die Rechner einfach ausschalten! Ich bin wirklich verwundert darüber, dass noch niemand über ein Kabel gestolpert ist und ein paar Geräte mitgerissen hat!" ... Ein schnelles "Ups!" vom PJ, der versteckte Hinweise schnell in die Tat umsetzen kann, später ist Brian prompt rückwärts über ein Kabel gestolpert und hat dabei den Hauptschalter betätigt, von dem er schwören würde, dass der vorher noch nicht da war ... Den wahren Profi zeichnet eben eine gewisse Fähigkeit zum Blicken in die nähere Zukunft aus ... Nachdem wir nun unsere technischen Fähigkeiten bewiesen haben, wechselt auch Brian schnell auf die Seite der Guten. "Grosser Gott! Das ist ja eine tickende Zeitbombe! Alle Informationen über die Models sind auf diesen Maschinen gespeichert! Die sind ja ein Vermögen wert!" "Wir brauchen einen Rechnerraum." erkläre ich. "Selbstverständlich!" "Einen Platz, der gut von der Klimaanlage bedient wird und über genügend elektrische Anschlüsse verfügt, kein normales Büro", schlägt der PJ vor. "Am besten einen Raum, in dem wir ein paar hohe Regale aufstellen können ...." "Ich glaube kaum, dass wir etwas derartiges finden werden - wir haben nur drei Etagen in dem Gebäude." antwortet Brian. "Einen Raum mit VIEL LICHT?" antwortet der PJ. "Damit wir keine Probleme bei der Beobachtung der Server haben." "Nein, ich glaube ni ..." "Mit viel PLATZ, damit die Luft gut zirkulieren kann, falls es Probleme mit der Klimaanlage gibt ..." "DER KELLER!" ruft Brian. "EIN LAGERRAUM!!!" "Da könnte es zu Überschwemmungen kommen", wende ich ein. "Ausserdem soll nicht der ZUTRITT BEGRENZT sein ..." "DAS FOTOSTUDIO!" ruft Brian, der endlich alle Hinweise begriffen hat! "Natürlich!" freut sich der PJ und atmet so heftig, dass er wohl bald seine Zunge verschluckt. "Wieso bin ich nicht auf diese Idee gekommen?!?!" ... Und am schlimmsten bei einer Ausgliederung ist, dass es nur ARBEIT, ARBEIT, ARBEIT gibt! Kaum sind wir einsatzbereit (es dauerte etwas länger , bis Brian alle Gerätschaften die Treppen hinaufgeschleppt hatte [weil ihm jemand plausibel erklärt hat, dass die elektrostatische Aufladung des Aufzugs den Geräten schaden würde]), werden wir auch schon zum ersten Einsatz gerufen. Es gab Zugriffsprobleme, die - kaum sind wir da - wieder verschwunden sind, so dass wir wohl noch lange die Rechner beobachten müssen, bis das Problem wieder auftaucht. Zufällig werden gerade Aufnahmen für einen Bikini-Katalog gemacht, doch das Problem lässt sich Zeit. Nun, das ist wohl der Preis, den man zahlen muss, schätze ich. [[Der B.O.F.H. wird ausgesperrt ...]] Ich komme zur Arbeit - ausnahmsweise einmal sehr früh - und will durch die Tür gehen, als ... nichts geschieht. Es bringt offensichtlich auch nichts, die Magnetkarte noch einmal durch den Leseschlitz zu ziehen. Zu diesem Zeitpunkt wird es nötig, den Wachdienst ins Spiel zu bringen. Also schlage ich gegen die Glasscheibe, um den Alarm auszulösen, der sie aus ihrem produktiven Schlaf weckt. Da ich in der Vergangenheit das eine oder andere Geschäft mit ihnen gemacht habe, lassen sie mich ein, und ich marschiere zu meinem Büro, um festzustellen, dass ich es nicht betreten kann. Gemäss Plan B öffne ich die Notfallbox mit dem Hammer und schlage die Scheibe ein, um mich selbst einzulassen. 15 Minuten später kommt der Wachdienst, um auf den Alarm zu reagieren. "Die Karte hat nicht funktioniert", murmle ich und zeige auf das störrische Ding. "Sie muss defekt sein!" "Nein, ich habe das geprüft, bevor sie kamen. Das Personalverzeichnis sagt, dass sie nicht mehr länger bei uns arbeiten ..." murmelt der Wachmann entschuldigend. "... was bedeutet, dass ich sie fragen muss, ob sie ... hm, ob sie einen Kaffee haben wollen?" "Das wäre nett - bitte schwarz und ohne Zucker." ... Eine Stunde später kommt ein Typ aus der Personalabteilung und klärt das Rätsel auf. Es scheint so, dass jeder, dessen Vertrag im Juli auslief, automatisch als entlassen gilt, wenn der Vertrag (zu besseren Bedingungen bei höherem Lohn) nicht bis zum gleichen Tag im September erneuert wurde. "Das ist nur ein kleiner Schwachpunkt im Programm!" werde ich von Fielding, dem Mann, der für die Personalabteilung die Nutzerbetreuung macht, obwohl seine praktischen Erfahrungen nicht über das hinausreichen, was man in der Sesamstrasse lernen kann, unterrichtet. "Und wann wird das berichtigt?" "Nun, das ist eine schwierige Sache - da sie offiziell nicht mehr für uns arbeiten, können sie auch keine Aktualisierung verlangen - wir brauchen einen entsprechenden Antrag von einem höhergestellten Mitglied der Belegschaft, das sich für sie einsetzt ..." "Höhergestellt in welcher Weise?" frage ich. "Höher auf der Leiter." "In der Firma oder in der Evolution?" "In der Firma." "Also wollen sie, dass mein Chef sie anruft?" "Uh, wir brauchen einen schriftlichen Auftrag." "Und wenn mein Chef nicht im Büro ist?" "Sein Chef?" "Der macht mit meinem Chef einen Ausflug ..." "Kennen sie den Geschäftsführer?" grinst er blöd. "Nein." "Nun, dann haben wir irgendwie eine Sackgasse erreicht, oder?" erklärt er selbstgefällig. "Und ich habe keine Lust, Datenbankeinträge zu fälschen." "Wenn nur alle Mitarbeiter so pflichtbewusst wären." erwidere ich. >Klick Klick Klick< "... da wären wir, die Datenbank sagt nun, dass ich - und mein Assistent, der auch als entlassen geführt wurde - wieder auf der Liste der vertraglichen Mitarbeiter stehen." "Nun, bedauerlicherweise kann ich nicht ..." "Natürlich können sie nicht." >Klick Klick Klick< "Ohmeingott! Ich habe gerade LÖSCHE ANGESTELLTE getippt!" "Das ist in Ordnung!" ruft er schnell. "Es passiert nichts, bis sie BESTÄTIGT eingeben." >Klick Klick Klick< "Gut, ich habe BESTÄTIGT eigetippt, wie sie es sagten. Und was machen wir jetzt?" Er antwortet nicht, sondern hämmert wild auf der Tastatur herum. "Ich sagte, sie sollten NICHT 'BESTÄTIGT' eintippen!" keucht er gehetzt. "Wir müssen das rückgängig machen!!!" "Das kann man nicht rückgängig machen, es ist bestätigt!" antworte ich mit gespielter Angst. "Die Sicherungskopie!!!" "Das geht auch nicht!" "Wieso nicht, haben sie etwa keine Sicherheitskopien?!?!" "Doch, haben wir, aber nicht für die Datenbanken - das funktioniert TECHNISCH nicht mehr!" "Sie müssen es tun!" "Nun, ich KÖNNTE da vielleicht etwas machen, aber ...." "Aber was?" "Nun, sie arbeiten nicht mehr in der Firma - TECHNISCH BETRACHTET - also kann ich ihren Wunsch nach dem Einspielen der Sicherungskopien nicht annehmen." "Aber sie WISSEN doch, dass ich hier arbeite. Fügen sie mich einfach wieder der Datenbank hinzu!" "Ich glaube, da sind wir wieder in einer Sackgasse angekommen ...." antworte ich. "WAS?!?!" "Nun, ich habe keine Lust, meinen Arbeitsplatz zu riskieren, indem ich Datenbankeinträge manipuliere!" "ABER DAS HABEN SIE DOCH EBEN AUCH GETAN!!!" "Ja, aber da war ich KEIN Angestellter der Firma - TECHNISCH gesehen. Doch jetzt bin ich wieder Angestellter und kann meinen Arbeitsplatz nicht riskieren!" "Sie sind ebenso entlassen wie ich!" "Vielleicht, aber eigentlich NICHT. Als Vertragsarbeiter stehe ich nicht auf der Liste der Angestellten wie sie ..." "Aber ..." "Aber ich GLAUBE, wenn ein höherer Angestellter sich für sie einsetzen würde, könnte ich ..." "Mein Chef?" "Der steht auch auf der gelöschten Angestelltenliste." "Sein Chef ..." "Die gleiche Liste - kennen sie den Geschäftsführer?" "Nein." "Nun, damit hätten wir die Firmenhierarchie überschritten. Versuchen wir es mit der Evolution. Haben sie einen Goldfisch an ihrem Arbeitsplatz?" "Nein." "Irgendwelche Ratten?" "Was?!" "Wie wäre es ... mit dem Assistenten eines IT-Profis?" "Wer?" "Mein Assistent zum Beispiel." "Ja, aber würde der sich für mich einsetzen?!??" "Vielleicht ..." "Können sie ihn bitte anrufen?" "Ah, ich glaube, wir brauchen eine schriftliche Bestätigung." "Ich schreibe sie und er muss sie dann nur noch signieren!" "Nun, wir nehmen es sehr genau mit solchen Bestätigungen ...." "Was?" "Sie sollte auf 50 Pfund-Geldscheinen geschrieben sein. Auf vier Scheinen, um genau zu sein ..." "DAS IST ERPRESSUNG!!!" "Ja, richtig erkannt! Am besten beeilen sie sich, damit sie die Öffnung der Bankenschalter nicht verpassen und aus dem Gebäude ausgesperrt werden. Oder, noch schlimmer, bevor man nach ihnen sucht, da sie als Einbrecher in das Gebäude gekommen sind ..." ... 20 Minuten und eine Jagd auf einen Einbrecher später (ich konnte der Verlockung nicht widerstehen) sind der PJ und ich ein wenig reicher. "In Ordnung!" rufe ich, als Fielding zurückruft. "Die Datenbank ist wieder in Ordnung und der Normalzustand widerhergestellt." "Ich, uhm", erwidert Fielding. "In Ordnung." "Keine Ursache, es war mir ein Vergnügen!" antworte ich und trenne die Verbindung. >AKTUALISIERE MITARBEITERSTATUS = 0 FÜR FAMILIENNAME = 'FIELDING' UND VORNAME = 'PAUL'< "Hallo, Wachdienst? Ich glaube, der Einbrecher ist wieder da ...." >BESTÄTIGT< [[Ohne Service kein Ausfall ...]] "Ich bin besorgt wegen dieser Computer-Viren, die in den Netzwerken kursieren!" plappert der Chef, als er in unser Büro kommt. Offenbar hat ihm jemand ein aktuelles PC-Magazin in die Hände gedrückt, aus dem er seine Weisheiten hat. "Viren?" frage ich und versuche, den Sinn seines Besuches zu erraten. "Ja. Wie diese D.O.S.-Viren." "Sie meinen diesen Virus, den Microsoft in Umlauf gebracht hat? Und ich dachte, dass nur ich etwas davon wüsste!" "Was?! Nein, die Denial of Service-Viren, die die Rechner mit Anfragen bombardieren und sie dann abstürzen lassen." "Ach so, diese Viren meinen sie. Ja, auch ich mache mir darüber ein paar Gedanken. Aber wir haben herausgefunden, wie man damit fertig wird." "Und wie geht das?" "Nun, wir haben herausgefunden, dass wir, wenn wir keinen Service haben, uns auch darüber keine Sorgen machen müssen, dass er wegen Überlastung ausfallen könnte ..." "Bitte?!" "Ein kleiner Scherz!" lüge ich. "Aber wir wurden noch nicht Opfer eines D.O.S.-Angriffs." "Woher wollen sie das WISSEN?" "Nun, schauen sie, ein Ausfall eines Servers wegen Überlastung mit Anfragen würde etwa so aussehen." >KLICK!< >ZZZZZIIIIIsch ...< "Was haben sie da eben gemacht?" "Ich habe den Datenbank-Server der Finanzabteilung abgeschaltet." "Wieso?" "Um meine Erklärung zu illustrieren. Die Nutzer sind immer die ersten, die einen Ausfall bemerken ..." >Klingeling< >Klick< >zzzzZZZZIIIISCH ...< "Und sehen sie sich all die Anrufe an, die in der Warteschlange hängen. SO erfahren WIR, ob etwas passiert ist." "Es sei denn, wir sind einmal nicht am Platz und können die Leistung der Server nicht überwachen." fügt der PJ hinzu, der offensichtlich versucht, einen Vorwand dafür zu finden, acht Stunden am Tag nach Pornobildern im Internet zu suchen - natürlich ohne die sonst übliche Mittagspause ... Eine Viertelstunde später läuft der Server der Finanzabteilung wieder, aber dem Chef hat offenbar jemand einen Floh ins Ohr gesetzt, der sich nun genauer mit der ganzen Virengeschichte befassen will. "Wir haben Antiviren-Programme für unseren E-Mail-Server und die Windows-PCs, aber haben wir eigentlich ein passendes Programm für unsere Unix-Server?" "Nein. Die brauchen solche Programme nicht." "Woher wollen sie das WISSEN?" Traurigerweise stellt er sich vor den Server, so dass ich die Demonstration von vorhin nicht wiederholen kann. Denn offenbar hat ihm die erste Vorführung noch nicht ausgereicht. Schade ... "Ich habe keine Ahnung, wovon sie sprechen." "Nun, vor Jahren, als ich ein Unix-Administrator war ..." Ich schaffe es gerade noch, den Hinweis, er sei nicht einmal qualifiziert genug, das ARSCHLOCH eines Unix-Adminstrators zu sein, herunterzuschlucken, als er losplappert ... "... und da habe ich das Programm strings benutzt, um verdächtige Vorgänge zu identifizieren." endet der Chef schliesslich und fühlt sich sichtlich wohl dabei, dass er sein Geheimwissen mit uns teilen kann. "Strings?" fragt der PJ und spielt erfolgreich den Dummkopf. "Sie meinen doch nicht etwa diese Programme mit nicht nach dev/null umgeleiteten Ausgaben?" "?" erwidert der Chef, um sogleich weiterzuplappern. "Nein, es geht um das Programm strings." "Strings ..." sage ich nachdenklich und lasse den Chef sich im Licht des Triumphes zu sonnen. "Nein, davon habe ich tatsächlich noch nichts gehört." "Und sie bezeichnen sich als Profis!" ruft er fröhlich aus und reizt sein angeblich hervorragendes Wissen aus. "Strings - ein grossartiges Programm, mit dem man Texte aus Dateien extrahieren kann. Dann kann man darin nach verdächtigen Zeichen suchen." "Oh, sie schlagen also vor, dass wir die Texte aus den Dateien extrahieren sollten und dann nach verdächtigen Kombinationen suchen?" "JA!" antwortet er und strahlt zufrieden. "Aber was machen wir, wenn die ein paar triviale Verschlüsselungsmethoden anwenden, damit reine Textpassagen nicht im Programm auftauchen?" "Nun, offensichtlich gibt es ein paar Programme, die man damit nicht prüfen kann, doch um die können wir uns später kümmern, wenn wir die überwachen, wann die Dateien geändert wurden." kontert er, der offenbar einen Text mit dem Titel "Wi3 Hak3r ihr3n PC ausspäh3n" hat. Etwa im Jahr 1981, schätze ich. "Gut, aber wonach sollen wir konkret suchen?" fragt der PJ und setzt sich an die AIX-Konsole der Datenbankservers der Finanzabteilung. "Verdächtige Zeichen." sagt der Chef und bringt uns damit wirklich weiter. "Zum Beispiel?" "Ich weiss nicht. Verdächtige eben." "Vielleicht Verweise auf die Passwortdatei?" schlage ich vor. "Genau!! Die wollen Nutzernamen und Passworte stehlen!!!" "Nein ... nichts ..." murmelt der PJ leise. "Oh, WARTEN SIE, hier ist etwas in einem Programm mit dem Namen init. Und hier, noch eins: cron!!!" "Diese hinterhältigen Hunde!" rufe ich und gehe auf das Spiel des PJs ein. "Sie haben diese Hintertüren in Programme eingebaut, die der Superuser ausführt ..." "... und in id, at und atrm!!!" "Das ist ja schlimmer als befürchtet!!!" rufe ich. "Was tun sie, holen sie sich die Passworte und zeigen Fehlermeldungen?!?" "Ja, da sind Fehlermeldungen in den Programmen - glauben sie, dass die genutzt werden, um die Zugriffe zu verschleiern?" "Aber natürlich!" ruft der Chef begeistert. "So verbergen sie ihre Machenschaften. Mit FEHLERMELDUNGEN!!!" "Uh-oh, ich sehe gerade, dass das Programm cron gerade ausgeführt wird!!!" "Stoppen sie es!!!" keucht der Chef atemlos. >Klick. Klick< "Auch ls hat Fehlermeldungen!!!" ruft der PJ, um die Panik zu steigern. "LÖSCHEN SIE ES SCHNELL, BEVOR ES JEMAND AUSFÜHRT!!!" Und lustig ist es, zu beobachten, wie lange ein Betriebssystem läuft, wenn man alle ausführbaren Programme, die meisten Bibliotheken und ein paar Dateisysteme löscht. "JETZT HABEN SIE DAS SYSTEM ABGESCHOSSEN!!!" ruft der PJ. "DAS BEDEUTET, DASS SIE AUF EINEN ANDEREN SERVER GEWECHSELT SIND!!!" rufe ich, damit der Chef den Braten nicht riecht ... Und der Rest der Geschichte ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Der Chef wurde das Opfer seiner eigenen Waffen. Ich fühle mich etwas schuldig, doch wenn ich mir überlege, dass sicher viele freie Stellen als Unix-Administrator auf ihn warten ... [[Der B.O.F.H. zieht in den Krieg ...]] "Es gab in der Nacht ein paar Probleme mit der Firewall", erklärt der PJ, als ich durch die Tür ins Büro komme. "Offenbar hat sie sich während eines D.O.S.-Angriffs entschlossen, diesen durch ihren Absturz zu bekämpfen." "Es ist doch immer wieder gut, dass wir einen Notfallplan für solche Situationen haben." antworte ich. "Läuft wieder alles?" "Ja, es sieht so aus, als läuft alles wieder normal ... WAS zum TEUFEL tragen sie da!?!?!" "Was, dieses alte Ding?" erwidere ich und fingere an der feinen Woll-Nylon-Mischung herum, aus der mein einziger Anzug besteht. Den ich dreimal getragen habe. "Nein, DAS!" ruft er und zeigt ängstlich in meine Richtung. "Oh, man nennt das eine KRAWATTE. Meistens werden sie getragen, um dem Träger mehr Respekt zu verschaffen - der meistens freilich völlig fehl am Platze ist." "Und warum tragen sie eine?" "Weil, wie man so schön sagt, heute der erste Tag des Rests meines Lebens ist." "Uh-huh. Und deswegen wollen sie jetzt dem neuen Chef in den Hintern kriechen? Ich dachte, er sei ein Säufer - ein ehemaliger Soldat ohne Computererfahrungen ..." "Ja. Aber diese Chefs sind die besten ..." "Ah, entschuldigen sie bitte", werden wir von einer scheuen Stimme unterbrochen. Die Sekretärin des IT-Chefs informiert uns, dass ihr Chef unter einer seltenen Vireninfektion leidet, die er sich beim Genuss verdorbener Nahrungsmittel zugezogen hat, was es ihm unmöglich macht, unseren neuen Chef herumzuführen ... Was für ein bedauerlicher Zufall ... "Das kann ich doch übernehmen!" ... "Hallo", begrüsse ich das neue Chef-Exemplar mit einem freundlichen Händedruck, den ich sorgfältig einen kleinen Moment länger hinziehe, als man normalerweise als angenehm empfindet. "Ich bin Brian, der IT-Chef. Ich nehme an, sie wollen sich zunächst einen Überblick über die bei uns eingesetzte Technik verschaffen, oder?" "Hallo, ich bin Dave. Hmm, ich habe die Technik schon bei meinem Bewerbungsgespräch mit, äh, dem IT-Chef gesehen." "Der andere Brian?" erwidere ich perfekt verstellt. "Ja, das ist etwas verwirrend, schätze ich. Aber von jetzt an, werden sie mit mir zusammenarbeiten, nachdem ... nun, sie wissen schon." "Ich habe kei ..." "Ja, es war etwas tragisch, aber andererseits war das vorauszusehen, nachdem wir das Loch in der Abschirmung der Mikrowelle gefunden hatten. Das soll jetzt ja repariert sein, also müssen sie sich keine Sorgen machen. Aber jetzt werde ich sie erst einmal herumführen, damit man ihr Büro etwas herrichten kann. Eine Computertomographie von ihnen wurde doch schon gemacht, oder?" "Nein, wieso?" fragt Dave nervös. "Oh, nur so ein Gedanke!" erwidere ich. "Aber vielleicht ist es besser, wenn sie sich mehr in der LINKEN Hälfte ihres Büro aufhalten, um ganz sicher zu sein." "Die linke Seite aus welcher Perspektive?" fragt er. "Ja, das ist richtig. Bisher hatten sie noch nicht die Gelegenheit, sich mit Computern zu befassen, hatten sie gesagt?" "Ich war bei der Armee, aber nach 20 Jahren habe ich mich entschlossen, in die IT-Branche einzusteigen." "Aber sie haben doch schon mit Computern gearbeitet?" "Nein, wir waren mit der Truppenbewegung, Waffenlager und ähnlichem beschäftigt. Aber ich bin sicher, dass ich mich schnell einarbeiten kann. Wie schwer kann das schon sein? Wir werden in kürzester Zeit funktionieren wie ein Uhrwerk." So soll es denn geschehen ... "Hat die Personalabteilung ihnen schon ihre Zugangskarte ausgehändigt?" frage ich, als wir unser Büro betreten. "Ja." "Gut, dann lasse ich einen Angestellten der System- und Netzbetreuung die Karte validieren, damit ..." Der PJ eilt mit dem Magnetkartenlöscher herbei und ein kurzes >BZZZZZZZZssss< später wird Dave Schwierigkeiten haben, am nächsten Arbeitstag das Gebäude zu betreten ... "So, und jetzt besichtigen wir ihr Büro. In dieser Richtung ..." Ich führe Dave in Brians Büro - die Glaubwürdigkeit meiner Geschichte wird in dem Büro dadurch verstärkt, dass Brian seinen Mülleimer offenbar dazu benutzt hat, die Überreste des Essens, das ihm gestern so durcheinanderbrachte, zu speichern. "Oh, das tut mir jetzt aber leid", seufze ich. "Offenbar haben sie es noch nicht geschafft, das Büro auszuräumen. Vielleicht könnten sie ja einspringen. Werfen sie einfach alles, was zu seinen persönlichen Sachen gehört, in eine Kiste." "A ... A ... Aber ist das nicht IHR Büro?" will er wissen. "Ah, nein, jetzt nicht mehr. Man hat entschieden, dass ich am anderen Ende des Flurs arbeiten soll. Nach all den Vorfällen, sie wissen schon ... Also wenn sie einfach seine Sachen packen und nicht zu nahe an die linke Wand kommen würden ..." "Von der linken Wand FERNHALTEN ..." murmelt Dave, als ich die Tür hinter mir schliesse. "Er räumt ein wenig für Brian auf", sage ich der Sekretärin, als ich zurück in mein Büro marschiere. "Er scheint ziemlich pedantisch zu sein ...." Der PJ und ich machen eine zehnminütige Lachpause wegen der Mikrowellengeschichte, worauf ich ihm dann meinen Plan erkläre und für die zweite Runde zurückmarschiere. Dave sitzt in der Mitte des Raumes, da er sich nicht entscheiden kann, welche Wand die linke ist und welchen Abstand er von ihr halten soll ... "Wunderbar. Und jetzt sollten wir ihre Managerausstattung mit Visitenkarten, und der Firmenkreditkarte holen ..." "In Ordnung", stimmt Dave mir zu, der mehr als froh darüber zu sein scheint, die Gefahrenzone verlassen zu können. "Ich vermute, dass sie bisher noch nicht die Gelegenheit hatten, über das Internet Technik zu bestellen?" "Niemals ..." "Oh, das ist gut, da ich ihnen gleich zeigen kann, wie das geht." Zwei Stunden und einige grössere Bestellungen später verlässt Dave sein Büro. Er schwitzt leicht, was er wohl auf die Mikrowellen schiebt. Ich sorge dafür, dass die Sekretärin ihn sieht, als er den "Anti-Mikrowellen-Hut" aus Aluminiumpapier trägt, bevor ich ihn in die Grundlagen der Computertechnik einweihe ... "... und das nennen wir Neustart ..." erkläre ich ihm und trete gegen den Server. Dann reiche ich ihm ein Paar Stahlkappen für seine Schuhe. "Sie könnten uns helfen, wenn sie die abgestürzten Server in der vierten Etage neu starten könnten. Ich muss noch die Funktionalität der Alarmanlage prüfen." "Natürlich!" ruft Dave als sei er wieder bei der Armee. Und offenbar ist ihm die Herausforderung in der vierten Etage lieber als sein Büro ... Später am Tag unterhalte ich mich mit dem Wachdienst über die ganze traurige Geschichte. Dave ist - das bestätigt auch die Sekretärin - offenbar nicht gerade ein geistig stabiler Mensch, der sich plötzlich in den Krieg in Vietnam, Korea oder sonstwo versetzt fühlte und einen Amoklauf gegen die Rechner durch das Gebäude veranstaltete. "Ich bin wirklich verwundert, dass jemand wie er einen Waffenschein BEKOMMEN konnte", kommentiert der PJ, der schon dafür sorgt, dass der nächste Arbeitstag von Dave abwechslungsreich verläuft. Und ich wünschte, ich hätte Dave nicht gesagt, dass morgen eine 'Kampf gegen Viren'-Party stattfindet. Mit geschwärzten Gesichtern .... [[Beurteilungszeit für den B.O.F.H. ...]] Als sein direkter Vorgesetzter muss ich den jährlichen Beurteilungsbogen für den PJ ausfüllen, während der neue Chef - Ausgabe II - als mein "väterlicher" (natürlich nicht im biblischen Sinn) Vorgesetzter mich beurteilen soll. Was für ihn ein kleines Problem darstellt, da er so neu ist, dass er sich auf die Berichte seiner Vorgänger und der anderen Manager verlassen muss, um eine Beurteilung zu schreiben, die mich glücklich macht, während sie zugleich nicht zu unkritisch aussehen soll. Er hat mittlerweile festgestellt, dass er zu den weniger populären Leuten in der Firma gehört, also wird er sich bemühen, sein Ansehen zu steigern. "Und, wie sieht es aus?" fragt er mich beiläufig nach den positiven und negativen Punkten in der Beurteilung des PJs. "Sehr gut, wirklich. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit seiner Entwicklung, obwohl es da noch ein paar Dinge gibt, die mir nicht gefallen." "Ja?" fragt der Chef, offensichtlich neugierig darauf, negatives über andere zu hören. "Ja, gestern musste ich feststellen, dass er EINEN Anruf beantwortet hat!" "Das ist ja furchtbar!" ruft der Chef. "Ich weiss - ich hätte es einfach klingeln lassen. Ich habe noch zu ihm gesagt: 'Das ist nur ein Nutzer - er wird noch einmal anrufen, wenn das Neustarten des Rechners das Problem nicht löst. Oder wenn der Schreibtisch in Flammen steht.' Ich frage mich, ob der PJ meint, er sei da, um den Nutzern zu helfen." Der Chef lacht nervös, aber er glaubt mir nicht wirklich. "Schreibtisch in Flammen", gluckst er. "Also habe ich ihm erklärt, dass das Abstellen der Telefonklingel das moralische Problem, sich zwischen dem Helfen oder dem Ignorieren zu entscheiden, lösen würde." "Nun, TECHNISCH betrachtet SIND sie da, um den Nutzern zu helfen ..." bemerkt der Chef leise. "Nein, in dem Punkt ist unser Vertrag eindeutig. Wir sind dafür verantwortlich, dass die Systeme problemlos laufen - aber es wird nichts über Nutzer gesagt. TATSÄCHLICH lasse ich die Nutzer nur AN DIE RECHNER, weil ich ein hilfsbereiter Mensch bin, da sie THEORETISCH die Funktionalität der Technik gefährden. Ich bin eben zu weichherzig ..." Der Chef gluckst wieder nervös, da er diese Angelegenheit offenbar nicht weiter vertiefen will. Stattdessen entscheidet er sich, zur ernsthaften Arbeit zurückzukehren. "Nun", beginnt er. "Dann kümmern wir uns mal um ihre Rolle ihre Leistungsindikatoren ... >KRITZEL< ... Mal sehen ... VERFÜGBARKEIT DER SYSTEME - befriedigend." "Befriedigend?" "Nun, mir wurde erklärt, es habe eine Menge unerwarteter Ausfälle gegeben, die sie nicht angekündigt haben." "Was? Ich kündige Ausfälle IMMER an!" "Ja, aber ich glaube nicht, dass das Management das Übertragen von ... hm ... 'I'm going down' von Bruce Springsteen auf die Rechner der Nutzer als ordentliche Ausfallankündigung akzeptiert!" "Es sorgt dafür, dass die Nutzer ihre Rechner herunterfahren!" "Da bin ich mir JETZT sicher - aber ich glaube, sie sollten den Nutzern VORHER mitteilen, wann das Netzwerk ausfällt! Das war bei meiner letzten Tätigkeit nicht anders." "SIE HABEN ZEIT BIS ZUM ENDE DES LIEDES!" rufe ich. "Ja, bis zum 'n' ... Wie auch immer, machen wir weiter. Service-Anfragen beantwortet - eingeschränkt." "Natürlich geschieht das eingeschränkt! Ich kann mich nicht mehr beim Server der Nutzerbetreuung anmelden, also habe ich keinen Zugriff auf die Datenbank!" "Könnte das daran liegen, dass sie ... hm ... >BLÄTTER< eine Ecke der Netzwerkkarte des Servers abgebrochen haben?" "Ein Unfall. Ich habe nur versucht, das Vorhängeschloss, das den Rechner davor schützen soll, geklaut zu werden, herauzuschneiden, da es nicht mehr brauchbar war." "Ja, weil jemand mit Epoxid-Harz ein Streichholz in das Schloss geklebt hatte." "Stimmt, Vandalen gibt es anscheinend überall!" "Sogar in Räumen, zu denen NUR sie und ihr Assistent Zugang haben, nicht wahr?" "Ganz besonders dort. Das ist der letzte Ort, wo man etwas derartiges erwarten würde. Offenbar steckt dahinter eine Strategie, um uns zu schaden!" "Natürlich! Und deswegen leidet also die Qualität ihrer Arbeit? Weil eine defekte Netzwerkkarte sie davon abhält, auf eine Datenbank zuzugreifen?" "Ja. Aber wir kümmern uns um Probleme, die uns schriftlich gemeldet werden?" "Wie?" "Wir heften sie ab. Dabei haben wir eine hundertprozentige Erfolgsquote erreicht!" "Sie haben alle Probleme beseitigt?!?" "Nein, wir haben sie alle in den Mülleimer geworfen. Ups, ich meine das einfache Ablagesystem für Problemmeldungen." "Gut ... ich glaube, ich muss diesen Punkt in SEHR beschränkt ändern. 'Beschwerden über die Leistung' - häufig." "Bitte? Das kann ich aber nicht glauben!" "Nun, wie es der Zufall will, liegt mir gerade eine Beschwerde über sie von einem Manager der Finanzabteilung vor. Er sagt, es hätte Schwierigkeiten beim Versand bestimmter Dokumente mittels E-Mail gegeben." "Ja, wir haben für Anhänge von E-Mails eine Grenze von 2 Megybyte eingeführt, die schnell überschritten wird, wenn ..." "Sie sagten er solle seinen Terminkalender nehmen und in das Diskettenlaufwerk seines Rechners stopfen, wenn er seine Termine mit der Sekretärin abstimmen will!!" "Das ist doch lächerlich!" rufe ich und erinnere mich an den Spass, den der PJ und ich in dieser Angelegenheit hatten. "Wir sind noch nicht fertig!" antwortet er, wobei er etwas lauter wird. "Er behauptet ebenfalls, sie hätten ein paar Kopien von Red Hat Linux angeschafft und die Ausgaben unter 'Brandschutz - Feuerwehrhelme' abgerechnet!" "Nun, dieses Betriebssystem ist für die Rechner des Wachdienstes bestimmt." "Also haben sie es installiert?" "Unglücklicherweise waren die Datenträger in ihren CD-Laufwerken nicht lesbar." "Kein ISO-Format?" "Nein, die Laufwerke waren mit eingeklebten Streichhölzern blockiert." "Das ist einfach lächerlich!" ruft er. "Sie können doch nicht ernsthaft annehmen, sie könnten all ihre Probleme mit Kleber und Streichhölzern lösen!" "Stimmt. Deshalb habe ich mir gestern ein Lötset gekauft." Einmal mehr entschliesst sich der Chef, einen ernstgemeinten Hinweis zu ignorieren und widmet sich stattdessen einer weiteren Anklage. "Und hier - offenbar haben sie einen Nutzer überfallen?!?!" "Ach was. Das war ein Irrtum, der jedem einmal passieren kann .... Wir waren dabei, seinen Netzwerkanschluss zu konfigurieren, und haben ihn gefragt, welche Farbe er für das Kabel bevorzugt. Und da habe ich ihn wohl nicht richtig verstanden, denn ich nahm an, er hätte HAU gesagt statt blau." "Seit wann gibt es denn so eine Kabelsorte?!" "Jetzt. Bei uns." "Aber wer würde danach verlangen?" "Nun, bis jetzt erst eine Person ..." Ab diesem Zeitpunkt geht es nur noch abwärts mit unserem Gespräch, und ich bin gezwungen, mich in mein Büro zurückzuziehen, um micht davon zu erholen. "Soll ich zu ihm gehen und ihn um eine mildere Bewertung bitten?" fragt der PJ und spielt mit seinem neuen Elektroschocker, den er gerade als 'Unterbrechungsfreie Stromversorgung' angeschafft hat. "Oh, ich denke, die Sache wird sich von selbst entspannen." "Was, sie wollen den Kampf aufgeben?" fragt der PJ überrascht. "Nein, es scheint so, als hätte gestern jemand seinen Türgriff festgelötet, so dass er ihn nicht mehr drehen, und sein Fenster zugeklebt, so dass es nicht mehr geöffnet werden kann." "Diese Hunde!" ruft der PJ empört. "Ja.Wir können nur hoffen, dass sie nicht auch noch seinen Schreibtisch in Flammen aufgehen lass ..." >Bimmel< >Bimmel< >Bimmel< [[Ein Spezialist wird gerufen ...]] "... und in diesem Fall sollten wir einen Spezialisten herbeirufen, der uns helfen kann." antwortet der Chef auf die schlechte Nachricht, dass weder der PJ noch ich etwas über 'E-Shopping' wissen - und auch keine Lust haben, uns damit in der näheren Zukunft abzugeben. "Und tatsächlich weiss ich auch schon, wer dafür der geeignete Mann ist! Ich habe mit ihm einmal in Beirut zusammengearbeitet, müssen sie wissen." "Beirut ist ja DAS HERZ des elektronischen Handels!" kommentiert der PJ trocken. "Das hat doch damit nichts zu tun! Wie auch immer, damals hat er sich noch nicht mit Computern befasst, sondern Flugzeuge repariert." "Also ist er eher ein Schraubenzieher-Profi als ein Computer-Spezialist?" lache ich, da ich der Versuchung, einen Seitenhieb anzubringen, kaum widerstehen kann. "Natürlich nicht! Das war doch schon vor Jahren! Nein, heute ist er wirklich SEHR gross in der Computer-Branche." "Was wohl bedeuten soll, dass er nicht unbedingt GUT darin ist?" fragt der PJ spitzfindig ... "WISSEN SIE WAS, ER IST GENAU DER MANN, DEN WIR BRAUCHEN! Und ich WERDE ihn zu uns holen!" ruft der Chef und verkündet uns das Ergebnis seines Entscheidungsprozesses. ... "Das sieht nach Arbeit aus!" erkläre ich dem PJ, als wir uns in die Sicherheit unseres Büros zurücgezogen haben. "Aber er klang doch gar nicht SO schli ..." "Merken sie sich meine Worte. Er wird seinen eigenen Satz Schraubenzieher mitbringen, den er seit den Flugzeug-Tagen besitzt UND den er benutzt hat, um Computer zusammenzuschrauben, als er davon leben musste - und er wird einen kompletten Satz neuer Schlagworte mitbringen, die vorher noch niemand gehört hat." "Ach, ich glaube trotzdem ni ..." "Er gehört zu der Sorte, die sich beim Management anbiedern und sich für Ausfälle entschuldigen. Er wird nach einer Woche wieder verschwinden, sein Projekt wird toter sein als das Beta-Format für Videos UND man wird uns beschuldigen, nicht genügend mit ihm zusammengearbeitet zu haben!" "Warum warten wir nicht einfach ab, wie ..." "100 Pfund?" frage ich, um meine Vorhersage mit handfesten Argumenten zu untermauern. "Die Wette gilt!" ruft der PJ, dessen Verstand bei der Aussicht auf das Geld offenbar aussetzte. ... Ich weiss auch nicht, wieso der PJ so süchtig nach Wetten ist. Was auch immer dafür verantwortlich ist, es kann nicht gut für ihn sein. Und deshalb fühle ich mich immer wieder verpflichtet, sein Geld anzunehmen, damit er daraus lernt. ... Und für MEIN Geld sieht es sehr gut aus, als Jim, unser neuer Experte, am folgenden Tag eintrifft - wie es der Zufall wollte, hatte er gerade Zeit zwischen zwei Aufträgen, erklärt er uns. Das überrascht mich nicht. "Man hat mir gesagt, sie seien ein wahres Genie, wenn es um diese Online-Handels-Geschichte geht?" frage ich ihn beiläufig, als wir die Begrüssungsformalitäten hinter uns gebracht haben. "Online-Handel?" fragt er ahnungslos. "Ja, sie wissen schon, E-Shopping, E-Commerce - all das." "Nein, ich - OH! Sie meinen internetgestütztes kommerzielles Marketing! So nennen wir es nämlich." "'Wir' ist wer?" "Oh, wir Leute im Handel." Der PJ kann dabei zuschauen, wie seine 100 Pfund den Bach hinuntergehen und entscheidet sich, Jim mit ein paar Hinweisen zu unterstützen. "Kann ich ihnen vielleicht unsere Serverplattformen für den Handel zeigen, unsere zertifizierten Server-Programme und die Benutzerschnittstellen vorführen?" Was für ein Schummler! "Nein, nein. Ich bin sicher, dass das auch von selbst läuft. Was wir brauchen, sind leuchtende blinkende Bilder als Blickfänger auf der Firmen-Website, um die Besucher auf den elektronischen Handel hinzuweisen." "Animierte Bildchen sorgen dafür, dass Leute von nah und fern unsere Website besuchen?" frage ich ihn, während ich dem PJ schon einmal zeige, dass ich in meiner Geldtasche schon Platz für sein Geld geschaffen habe. "Das klingt doch recht abenteu ..." "Offensichtlich erhöht eine massgeschneiderte Portalseite das Vertrauen der Kunden in unsere Firma." meint der PJ, als der Chef hereinkommt. "Das sehen sie es!" ruft der Chef, der glaubt, semi-positive Argumente zu hören. "Ich wusste doch, da Jim unser Mann ist. Nun, über welchen Zeitrahmen reden wir eigentlich?" "In einer Woche sollte es laufen", antwortet Jim und nennt eine Zahl, die er wohl aus seinem Hintern gezogen hat. EINE WOCHE SPÄTER "... weil sie mich nicht ausreichend bei der Installation der Programme unterstützt haben!" plappert Jim. "Aber ich BIN SICHER, da ich es in einer Woche geschafft hätte, wenn ich alles SELBST gemacht hätte ..." "Oh, ich bin sicher, dass sie sich auf diese beiden Herren VERLASSEN können", murmelt der Chef mit einem drohenden Unterton in der Stimme, die uns bedeutet, dass wir keine Wahl haben. EINEN TAG SPÄTER "Das ist fantastisch!" ruft der Chef, als er sich die Website anschaut, die mehr geklaute Informationen anbietet, als eine durchschnittliche Website mit Raubkopien. "Diese bewegten Bilder SIND wirklich ein Blickfänger, nicht wahr?" "Wie ein Verkehrsunfall", stimme ich ihm zu. "Es ist nur schade, dass Jim nicht mehr hier ist. Was hat er doch gleich geschrieben?" "Oh, er hinterliess eine Nachricht, in der er sagte, dass er zurück nach Beirut fliegen will - anscheinend hat er schon gepackt und ist abgeflogen - immerhin hat er noch die Arbeit hier fertiggestellt." EINE MINUTE SPÄTER "Und sie wollen wirklich den ganzen Ruhm Jim überlassen?" "Für eine Website, die massenweise urheberrechtlich geschützte Bilder und andere Inhalte anbietet, was uns zwangsläufig rechtliche Probleme einringen wird? Ja, ich glaube schon." "Aber dann wird er dafür bezahlt!" wendet der PJ ein. "Stimmt. Aber wenn er in Beirut ankommt, wird er sich sicher über das Geld freuen." "Aber fliegt er wirklich nach Beirut?" fragt der PJ nachdenklich. "Für mich sieht das alles etwas zweifelhaft aus." "Ich bin mir ganz sicher, dass er unterwegs ist nach Beirut." IN DER ZWISCHENZEIT IN EINER HOLZKISTE MIT DER AUFSCHRIFT "LEBENDES TIER" IN EINER LAGERHALLE DES FLUGHAFENS "MMMmmmMMMMF!!!" "MMMMMmmmMMMMMMMMM MMM M MMMMMMFFF!" "MMMMMMMMMFMFMFMMMMFFF!" Wissen sie, 100 Pfund sind nun einmal 100 Pfund ... [[Der B.O.F.H. übernimmt die Reiseplanung für den Firmenwanderer ...]] Ich bin gerade dabei, ein Programm zu testen, das ich eben zusammengetippt habe, mit dem ich die vom Management besuchten Webseiten auswerten will, denn es stehen einmal wieder Verhandlungen über Lohnerhöhungen an, in die ich nicht unvorbereitet gehen will. Und ich hasse den Firmenwanderer. Jede Firma hat einen - es ist die Person, die neben dem Spielen von Solitär keine wirkliche Aufgabe hat. Und um dies zu verbergen, verbringt diese Person die meiste Zeit damit, mit anderen in deren Büros zu "arbeiten". "Morgen", murmelt er und ignoriert die Tatsache völlig, dass er ungefähr so willkommen ist, wie Bill Gates auf einer Party von Linux-Nutzern. "Was machen sie gerade?" "Ah, ich suche Programmfehler." antworte ich und versuche, mich weiter auf meine Tätigkeit zu konzentrieren. "Wissen sie was? Ich habe früher auch selber programmiert", legt er los, wobei er sich zweifellos an die technischen Höchstleistungen erinnert, die er erreichte, wenn er sich daran erinnerte, am Zeilenende die 'Return'-Taste zu drücken. Nennen sie mich einen Pedanten, meinetwegen auch ein ELITÄRES GROSSMAUL, doch wenn es etwas gibt, das mir WIRKLICH auf die Nerven geht, dann ist das jemand, der meint, er sei ein 'Programmierer', weil er beim Gang zum Geldautomaten eine Geheimzahl eintippen muss, Texte mit einer Textverarbeitung erstellt und dabei nur dummes Zeug von sich gibt. - "Wir haben die alten Black Boxes benutzt", fährt er fort. Offenbar hat er aber niemals auch nur eines dieser Dinger benutzt, die nicht voller Hilfeseiten und Assistenten sind, während es damals nur die Funtionstasten gab, die aber meistens wenig Hilfe boten, so dass man alles selbst herausfinden musste ... Ziellos plappert er ohne Punkt und Komma weiter und ich frage mich, wie lange er wohl noch braucht, um zur grossen Tabulator-Tasten-Krise von 1983 zu kommen und, noch wichtiger, ob wohl jemandem ein 6 Fuss hoher Schrank für Rechentechnik im Müllcontainer neben dem Firmengebäude auffallen würde .... "... so oft, wie wir mit der F2-Taste das Dokument neu anlegen mussten - ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, aber das war der letzte Ausweg, zu dem wir manchmal greifen mussten. Ich sage ihnen was - soll ich ihnen nicht bei ihrem Programm helfen. Früher war ich ziemlich gut mit Computern - ich habe ein wenig mit dem Editor programmiert und all diese Sachen ...!" "In Ordnung", antworte ich und frage mich, ob er mich wohl in Ruhe lässt, wenn er merkt, dass er keine Ahnung von dem hat, was ich mache. "Was wissen sie über Perl?" "Pearls? Perlen, hm, die gibt es zum 30jährigen Firmenjubiläum." plappert er stolz. "Nein, Perl, die Skriptsprache", sage ich mit spitzer Zunge. "Ist das wie vi?" erwidert er. "Ich habe ein paar Sachen in vi programmiert - kein grosser Meister, natürlich, aber ein talentierter Amateur, würde ich sagen." Arghhhh ... Mein Geist ist nun leerer als ein leeres Blatt Papier und begrüsst die Unterbrechung, die der Anblick des PJs in der Tür bietet. Er und meine letzte Hoffnung verschwinden schneller als die Alkoholvorräte auf einer Pressevorstellung, noch BEVOR der Firmenwanderer überhaupt mitbekommt, dass der PJ da war und die Gelegenheit daher nicht nutzen kann, ihn mit Geschichten aus der Zeit zu nerven, als er ein Assistent war und die Schraubenzieher damals viel einfacher zu bedienen waren als die heutigen Elektro-Schrauber. Dieser Bastard! "Nun, es hat mit vi NICHT viel zu tun - ich versuche herauszufinden, wieso ein Datenfeld überzulaufen scheint, obwohl es nur eine gewisse Anzahl von Einträgen speichern SOLL, die alle aus mehr als einem Zeichen bestehen." "Ähm ..." Ich bin mir sicher, dass er mir bis zum Begriff 'Datenfeld' folgen konnte, also kann es nicht schaden, noch etwas weiter zu bohren ... "Haben sie etwas derartiges shon bei ihrer Arbeit mit vi erlebt?" "Äh ..." "Oder hatte ihre Arbeit eher etwas mit der Skalierbarkeit zu tun?" "Nun, wie ich schon sagte, ich habe die Black Boxes programmiert, die im alten Gebäude standen - und ich kann ihnen sagen, dass wir damals manchmal nicht wussten, WELCHE Tasten wir eigentlich drücken sollten!" Mir wird klar, dass mein Dummy-Modus-Plan gescheitert ist - er LEBT diesen Modus, also ist er immun gegen dessen Wirkungen. Was mich zum Ersatzplan übergehen lässt ... "Das kann ich mir gut vorstellen", stimme ich ihm zu. "Tatsächlich glaube ich zu wissen, dass das Problem vom dritten Datenfeld-Desynchronisations-Zähler verursacht wird. Und dafür liegt die Ursache in der Hardware!" "Hardware!!" keucht er. "Also, DAMIT kenne ich mich aus!" Ich irgnoriere die Erinnerung daran, wie oft wir gerufen wurden, nachdem er jemandem mit PC-Problemen 'geholfen' hat und rede weiter. "Da könnten sie mir sicher wirlich helfen. Hier, ich zeige es ihnen ..." "Das ist ein leere Computerschrank!" sagt er, als ich auf den besagten Schrank zeige. "Nein, der Desynchronisationszähler ist an der Rückseite angebracht. Das ist nur der Kühlraum!" "Oh, das ist mir klar >hineinkletter<. Und das was aussieht wie eine geräuschdämmende Verkleidung ist eine Form von thermischer Isol ..." >KLATSCH< Und so werden meine Bemühungen, ein Programm, das ich eben zusammengetippt habe, nach Fehlern zu durchsuchen, noch einmal unterbrochen, als ein grosser Müllwagen unter meinem Fenster vorbeidonnert. Zum Glück habe ich seine Ladefläche nicht verfehlt. So, aber nun zurück zu meinem Programm und zur Frage, was *strptr++ WIRKLICH macht ... [[Licht aus für den Spezialisten ...]] Ich bin dabei, einen Routinefehler ("Mein Rechner funktioniert nicht.") im Erdgeschoss zu untersuchen - was ich wegen der seltsamen Typen, die dort in Massen auftreten, hasse wie die Pest - als meine Untersuchungen mich dazu bringen, erstmalig den Serverraum im Erdgeschoss zu betreten. Mit einigen Befürchtungen - ich habe schliesslich dieses Räume in den anderen Etagen des Gebäudes schon gesehen - öffne ich die Tür, werfe schnell einen Blick hinein und schmeisse die Tür wieder zu. Nun, ich VERSUCHE, die Tür wieder zu schliessen, doch bei all den Kabeln, die mir entgegenquellen, kann ich das nur dadurch sichern, dass ich einen Keil unter die Tür schiebe, bevor noch mehr Kabel ihren Weg in die Freiheit suchen. Dann mache ich mich auf die Suche nach dem Chef. "Was", frage ich ihn, als er schnaufend im Erdgeschoss ankommt. "Was ZUM TEUFEL ist DAS?" "Das ist ein SERVERRAUM!" bricht er seinen bisherigen Rekord im Entziffern der Türbeschriftung ohne sich auf die Zunge zu beissen. Ich öffne die Tür, um ihm den Schrecken des Raumes dahinter zu enthüllen. Ein Rattennest voller Kabel, Thinwire und Thickwire, Kabeln, die aussehen, als seien sie serielle Kabel ohne Abschirmung, Twisted Pair und - grosser Gott! - etwas, das aussieht, wie ein missglücktes Token Ring-Experiment ... "Offensichtlich muss hier etwas aufgeräumt werden ...." stimmt der Chef widerwillig zu. "Etwas?" "Nun, sie dürften es schaffen, ohne einen Ausfall zu verursachen, aber vielleicht könnten sie dabei gleich, nun, die Nutzer neu verkabeln, immer ein paar gleichzeitig." Ein paar Minuten und eine "So ist das Leben"-Beratung später ist der Chef über die unendlich kleine Wahrscheinlichkeit unterrichtet, das Chaos ohne einen spürbaren Ausfall beseitigen zu können. "Na gut. Also schaffen sie es in der Nachtschicht?" "Eine Nacht würde es schon dauern, um die Kabel aus den Maschinen herauszuziehen - wenn wir einen Rasenmäher und eine Axt benutzen würden. Nebenbei, wir können ohnehin nur raten, was hier womit verbunden ist." "Was schlagen sie vor?" "Jemand muss herkommen und sich darum kümmern." "Jemand?" "Jemanden, der sich mit Netzwerktechnologie auskennt ..." Der PJ blickt sich heimlich nach einem Ausweg um. "... und etwas jünger und beweglicher ist als ich ...." Der PJ beginnt zu schwitzen ... "... jemanden, der für ein paar Tage verschwinden kann ohne dass jemand es bemerkt und sich Sorgen macht!" "EIN SPEZIALIST!" rufen der PJ und der Chef gemeinsam, beide froh darüber, dass die genannten Kriterien auf sie nicht exakt zutreffen ... "Ja, und wer wäre besser geeignet, als jemand, der die Verkabelung aus erster Hand KENNT, jemand, der sie möglicherweise SELBST verlegt hat", rufe ich, als ich einen Werbeaufkleber auf der Rückseite der Tür ertaste. "DER ORIGINAL-SPEZIALIST!" leuchtet eine Glühbirne über dem Kopf des Chefs auf. BINGO! ... AM NÄCHSTEN TAG ... Es sind ein paar Stunden vergangen, seitdem der Kabel-Spezialist gekommen ist - natürlich hat er sich abwertend zum Chef über die 'heutigen IT-Ahnungslosen' ausgelassen, als er annahm, wir könnten ihn nicht mehr hören. Nachdem er einen enorm hohen Stundensatz ausgehandelt und den Vertrag unterschrieben hatte, ging er schliesslich tatsächlich an die Arbeit. "Der arme Hund", murmelt der PJ leise und schüttelt nachdenklich den Kopf, womit er einmal mehr beweist, dass er keine Abneigung gegenüber Leuten empfindet, die seinen guten Namen verunglimpfen. "Aber nicht arm genug, um den Keil nicht trotzdem unter die Tür zu schieben, als er den Raum betreten hatte ..." "Ich war besorgt wegen ... hm ... hm ... möglicher Schwierigkeiten mit dem Kühler im Lüftungsschacht über dem Raum." improvisiert er. "Wir HABEN keine Kühlaggregate in dem Lüftungsschacht ...." "Oh. Na gut." ... Schliesslich öffnen wir die Tür, nachdem es Beschwerden über den "Ausfall des Internets" bekamen, und stellen fest, dass die arme Sau ziemlich verwirrt zu sein scheint. "Welcher Hund von ihnen beiden hat das Licht abgeschaltet?" schreit er uns etwas hysterisch an. "Sind sie sicher, dass das kein Ausfall der Sicherung war - das passiert hier ständig!" schlägt der PJ hilfsbereit vor. "Vielleicht haben sie ja minderwertige Kabel verlegt ..." "Natürlich! Und es ist auch REINER ZUFALL, dass der Türgriff an der Innenseite der Tür fehlt UND eine Kiste mit Verbindungsstücken GANZ ZUFÄLLIG durch den Lüftungsschacht herabstürzte." "Da sind sie also gelandet!" antwortet der PJ. "Ich habe sie wirklich überall gesucht! Natürlich war es dunkel, im Lüftungsschacht gibt es kein Licht, so dass ich sie möglicherweise durch einen Spalt gestossen haben könnte ...." "... dann stürzte ich über die Abdeckung des Bodenventilators, die nicht korrekt gesichert war!" jammert unser Spezialist weiter. "Und mein Gott, sie haben eine kleine Unordnung produziert!" "Es herrschte schon Unordnung, als ich begann!" "Ja, aber das war eine FUNKTIONIERENDE Unordnung. Deshalb stehen ja auch umfangreiche Haftungsklauseln in den Standardverträgen unserer Firma - um in einer solchen Situation für die entgangenen Gewinne entschädigt zu werden. Ich will gar nicht darüber nachdenken, was sie dafür zahlen müssen!" "Aber das hat doch alles nichts mit mir zu tun!" "Die Kabel haben sich von selbst aus den Steckdosen und dem Switch gezogen?" "J-Nein, aber das war nicht mein Fehler!" "Natürlich nicht. Sie waren es ja auch nicht, der all die Kabel ursprünglich verlegt hat, eine Unsumme dafür verlangt hat, indem er die längstmöglichen Kabelstücke benutzt hat, die die Technologie zulässt. Sie waren es natürlich auch nicht, der ihre damalige Arbeit nicht dokumentiert hat, keines der Geräte beschriftet und keinen Ersatz bereitgestellt UND sich nicht an die elektrischen Vorgaben gehalten hat. Ich bin ganz sicher, dass das Gericht in ihrem Sinne entscheiden wird." "GERICHT?!" "Nun, diese Angelegenheiten landen immer vor Gericht, wenn es zu Ausfällen in diesem Ausmass gekommen ist. Und die Neuverkabelung wird sie noch weitere Tage kosten, was weitere Ausfälle bedeu ..." "Was soll ich nur tun?" "Nun, ich vermute, dass sie ein paar Leute anheuern sollten, die über intime Kenntnisse der Netzwerkstruktur verfügen und ihnen helfen könnten. Allerdings wird das so kurzfristig sicher nicht billig ..." "Ich werde zahlen!!!" "Nun, ich glaube, dann könnten wir ihnen aushelfen. Natürlich brauchen wir jemanden, der die Glasfaserkabel in der gesamten Etage neu verlegt ...." Und so kommt es, dass er uns seine helfende Hand reicht. Und kaum hat er den Scheck über eine grössere Summe unterzeichnet, erklären wir, dass es sich um einen angekündigten Ausfall für Wartungsarbeiten gehandelt hat, damit er die Glasfaserkabel im Kellergeschoss verlegen kann. Und während der PJ die Sicherung im Keller gegen eine mit Wackelkontakt austauscht, staple ich ein paar Kisten mit Terminatoren im Lüftungsschacht. Es funktioniert alles wie ein Uhrwerk ... [[Wenn sie denken, der B.O.F.H. sei verschwunden ...]] Es läuft schon eine ganze Weile alles normal und ohne grössere Probleme, und es gibt Gerüchte, dass sie ihre Schärfe verloren hätten! Wissen sie wirklich noch, was eine vollständige Ausgabe von Handbüchern ist und wie heftig sie damit auf Nutzer einschlagen müssen, die nerven? Dieser einfache Test kann ihnen helfen, ihr Niveau wiederzuerlangen ... 1. Sie kommen um 8:17 Uhr zur Arbeit, wo sie schon ungeduldig von jemandem erwartet werden. Jeder weiss jedoch, dass sie erst um 8:30 Uhr mit der Arbeit beginnen, nachdem sie das Zeitungsstudium beendet haben. Doch ihr Gast ist neu und sie spüren Mitleid mit ihm. A.Sie helfen ihm, sein Problem zu lösen. B.Sie klären ihn über ihre normalen Arbeitszeiten auf und helfen dann bei der Problemlösung. C.Gehen zur Routine über, um den geregelten Ablauf des restlichen Tages nicht zu gefährden.wird in den Mülleimer geworfen. D.Studieren bis 9:00 Uhr die Zeitung, um ihre Haltung zu untermauern. E.Sie bringen ihm bei, was sie unter 'nur ein paar Augenblicke Geduld' verstehen, indem sie mit ihm einen Ausflug in den Serverraum unternehmen und ihn die Wirkung des Feuerlöschgases spüren lassen. 2. Ein Nutzer, der mit den einzelnen Innenteilen seines PC herumgespielt hat, um herauszufinden "wie sie funktionieren" wird bezeichnet als: A.ein Hacker? B.ein Herumpfuscher? C.ein Idiot? D.ein Techniker? E.Patient in einer Klinik. Möglicherweise? 3. Der Film über jemanden, der den System-Administrator genervt hat, hiess A.Das Netz? B.Matrix? C.Marry Poppins? D.Eine Frage der Ehre? E.E. Todessehnsucht II? 4. Sie gehen mit ihrem Chef, einem Verkäufer und einem Erbsenzähler asiatisch essen. Ihre grösste Sorge ist: A.dass der Erbsenzähler das grossartige Geschäft, das sie gerade gemacht haben, absegnet. B.dass ihr Atem nach dem Essen noch gut ist. C.dass sie rechtzeitig wieder in ihrem Büro sind. D.wie viele kalte Eisvögel sie in einer Stunde verdrücken können. E.wie sie eine Handvoll gehacktes Chili ins Essen des Erbsenzählers schmuggeln können ohne dabei aufzufallen. 5. Die Arbeitsschutzinspekteure besichtigen ihren Arbeitsplatz und stellen eine extreme Gesundheitsgefährdung fest. A.Sie meinen damit offensichtlich die scharfen Kanten an den Metallschränken und Regalen. B.Sie meinen damit den Rechner, den sie reparieren ohne die Stromversorgung unterbrochen zu haben. C.Sie meinen damit die entfernten Bodenabdeckplatten im Rechnerraum. D.Sie sind schockiert über die fehlende externe Frischluftzufuhr. E.Sie haben offenbar übersehen, dass sie die Beschriftung der Knöpfe zum Öffnen der Tür und zum Auslösen des Feuerlöschgases vertauschten, als sie den Raum betraten. 6. Ihr Lieblings-Ingenieur hat Geburtstag. Sie wollen ihm ein Geschenk machen, das er sich schon immer am meisten gewünscht hat. Sie schenken ihm: A.einen entmagnetisierten Minischraubenzieher, in dessen Schaft sein Name eingeritzt ist. B.ein Buch mit dem Titel "Elektronik für Anfänger". C.ein "Windows für Einsteiger"-Buch. D.eine Wartungsanleitung für die Technik, für deren Funktionieren er zuständig ist. E.einen grösseren Hammer. 7. Ein Nutzer hat sie schon dreimal in einer Woche damit genervt, dass er sein Passwort vergessen hat. A.Sie ändern es für ihn. B.Sie ändern es in etwas wie: 'IchliebeAnalsexOhja'. C.B., dann entziehen sie ihm die Rechte, es wieder zu ändern. D.C., dann sorgen sie dafür, dass sein Passwort im Klartext und gross auf seinem Bildschirm angezeigt wird. E.D., dann holen sie ihren Lötkolben und ihr 'Handbuch für Tätowierer' hervor. 8. Ihr Chef kommt vorbei, um sich mit ihnen darüber zu unterhalten, dass sie zuviel Zeit im Internet verbringen. A.Sie geben zu, dass es in der letzten Zeit doch etwas viel war. B.A., aber sie sagen, dass alles Seiten, die sie angeschaut haben, etwas mit ihrer Tätigkeit zu tun hatten. C.Sie leugnen alles. D.Sie leugnen alles und machen einen anderen für das erhöhte Datenaufkommen verantwortlich. E.Sie geben alles zu, lassen dann auf ihrem Monitor die Protokolle anzeigen, wer alles die einschlägigen Pornoseiten besucht hat und versprechen, Namen zu nennen. 9. Jemand hat den Schlüssel zum Aufbewahrungsschrank für die Sicherungskopien verloren. Sie sind jetzt extrem besorgt: A.weil sie nun keinen Aufbewahrungsort mehr für die Sicherungskopien haben. B.weil sie nun nicht mehr an die Sicherungskopien herankommen, wenn sie gebraucht werden. C.weil sie gar nicht gewusst haben, dass es Schlüssel für den Schrank GAB. D.weil der Interessent, dem sie den Schrank angeboten haben, jeden Tag auftauchen kann. E.weil der Inhalt ihres Spirituosenlagers nun für jedermann zugänglich ist. 10. Sie treffen sich mit ihren Benutzern, wo sie gefragt werden, wieso sie so häufig ihr Hochspannungswerkzeug zur Fehlersuche verwenden. A.Sie stimmen zu, es niemals wieder einzusetzen. B.Sie stimmen zu, es nur noch mit einer Spannungsbegrenzung einzusetzen. C.B., und sie versprechen, es niemals bei Datenträgern anzuwenden. D.C., und sie versprechen, auch die Schaltkreise der Telefon zu verschohnen. E.B. und C., solange Geschlechtsteile nicht verboten sind. Wie lautet die Antwort? Wie bei den meisten Tests dieser Art gibt es keine richtige Antwort, nur Antworten, über die sie selbst nachdenken müssen und ihre Schlüsse ziehen sollten. Es sei denn, sie sind ein Microsoft Certified Engineer (MSCE), denn in diesem Fall wird ihnen die Auswertung in leichtverdaulichen Häppchen serviert werden. Wir danken für ihren Anruf beim Bastard-Service, sie sind Anrufer Nummer 473. [[Wer gab dem Trottel diesen Posten?]] Der Chef sieht aus wie ein Ausserirdischer, als er mit seinem brandneuen Spielzeug auf dem Kopf, einem Headset, in unser Büro spaziert. Und dummerweise gehört er nicht zu den Ausserirdischen, die man zur Erde geschickt hat, um die Ursache für das seltsame Klappern zu finden. Und das geht mir langsam wirklich auf die Nerven. "Wo kommt diese Klappern eigentlich her?" frage ich den PJ und ertappe mich dabei, laut zu denken. "Welches Klappern?" fragt der Chef. Nun, die Gelegenheit will ich mir dann doch nicht entgehen lassen .... "Ein klapperndes Geräusch. Beinahe so, als wackle etwas in einer Verankerung ..." "Das ist ein Gebäude, das ist nicht mit Ankern am Boden befestigt." antwortet er. "Oh, mein Fehler", seufze ich. Schade. "Ja, ja", murmelt der Chef dann in sein Mikrofon, das an einem Kabel baumelt. "Uh, hmmm ... Richtig!" Der PJ und ich warten gespannt auf die Neuigkeiten, die ENORM wichtig zu sein scheinen, wenn sie eine mobile Konversation wie diese nötig machen. "Dieser Virus ist wieder da!" ruft der Chef schliesslich. "Welcher?" "Dieses Liebesding. Sie hatten ihn vor einer Weile schon einmal - unter einem meiner Vorgänger." antwortet er selbstgefällig. "Ach so, der Virus, der sich selbst an alle Adressen verschickt, die er im Adressbuch findet, wenn man so blöd ist, die Nachricht aufzurufen. Wenn man so blöd ist, Outlook zu benutzen, wenn man blöd genug ist, keinen aktuellen Virenscanner installiert zu haben ..." "Kann denn wirklich jemand SO blöd sein?" fragt der Chef, der uns mit dem, was er unter technischer Kompetenz versteht, beeindrucken will. "Nun, Bill Gates lebt von solchen Leuten. Und das nicht schlecht." wirft der PJ ein. "Programmiert er etwa auch die Viren?" Was uns zum Kern des Problems führt. Noch SCHLIMMER als ein Chef, der etwas von Technik versteht, ist ein Chef, der glaubt, Erfahrung und Sachverstand werden mit dem Titel verliehen - also zum Beispiel glaubt er, er könne ein Netzwerk betreuen, weil er zum IT-Manager ernannt wurde ... Ähnlich ist es mit dem Headset. Und dem brandneuen PC und dem Laptop, die er als 'IT-Profi' angefordert hat - komplett mit einem externen Wartungsvertrag für die installierte Antiviren-Software. Ähnlich ist es mit seinem eingebildeten Sachverstand ... Seufz. "Nein, nicht wirklich. Wie auch immer, wir benutzen ein Programm, das eingehende E-Mails automatisch prüft, so dass wir relativ sicher sind, was diesen speziellen Virus und seine Varianten betrifft." antworte ich. >GEISTESBLITZ< "... aber wir sind ein wenig besorgt über die Menge an pornographischen Bildern, die täglich an unsere Nutzer geschickt wird." Das ist ein Thema, bei dem er mitreden kann, also widmet er uns nun seine volle Aufmerksamkeit. Und dabei ist er so schnell, dass es aussieht, als hätte er gerade das Geheimnis der Teleportation entdeckt. Aber natürlich ist er als IT-Manager eher an dem Problem interessiert und nicht an der Pornographie ... Seufz. "PORNOGRAPHIE sagten sie?" "Ja, ganze Ladungen davon!" antworte ich. "Und ich glaube 'Ladung' ist der richtige Begriff. Ich bin gerade dabei, die Daten bei dem betreffenden Nutzer zu löschen und ihn zu warnen, doch es scheint so, als hätte er das Verzeichnis mit der Hälfte seiner Abteilungskollegen geteilt!" "Wäre es nicht besser ... ein paar Beweise zu sichern?" dessen Neugier mit seiner professionellen Zurückhaltung zu kämpfen schein. "Nur für den Fall, dass er es leugnet?!" Der Köder ist ausgelegt, und er hat angebissen ... "Nein, dafür haben wir nicht genügend Speicherplatz. Sehen sie, es sind Gigabytes!" Ich zeige ihm ein Netzlaufwerk, auf dem sich ein paar hundert Megabytes mit Pornographie befinden und zeige ihm ein paar Bilder, um sein Interesse in die richtige Richtung zu lenken. "Er hat sie sogar nach Kategorien sortiert!" ruft der PJ überrascht. "Das stimmt!" fügt der Chef hinzu, der offenbar überrascht ist, wie schnell der PJ zu diesem Schluss kam. (Wenn wir einmal davon ausgehen, dass wir gerade das Archiv des PJs anschauen, ist das freilich nicht besonders überraschend.) "Wie auch immer, es wäre sicher besser, wenn wir sie löschen, um Speicherplatz auf dem Server freizugeben", schlage ich vor und ziehe die markierten Dateien auf das Papierkorbsymbol. "ICH GLAUBE, wir sollten einen Beweis sichern. Was ist, wenn dort irgendwo Dateien gespeichert sind, die wirklich arbeitsrelevant sind? Was ist, wenn er alles leugnen würde und behaupten, die Bilder seien niemals vorhanden gewesen?" "Ich kann sie ja verstehen, aber wir haben wirklich nicht genügend Speicherkapazität auf dem Server, wie sie sehen können ..." "Ah, stimmt. Aber wir könnten meine Maschine nehmen - ich habe eine 18 Gigabyte- Festplatte mit einem Pentium III 866!" ruft er und leiert die Ausstattungsmerkmale seines PCs runter (offenbar ein beliebtes Party-Spiel) wie ein Maschinengewehr. "Und 256 Megabyte Arbeitsspeicher!" (Wenn das nur der Fall wäre - nach dem grossen Hardware-Raub in der vergangenen Woche ... Gut, das Umprogrammieren des BIOS, damit es falsche Informationen liefert, dauerte länger als das Austauschen des Prozessors und des Arbeitsspeichers, aber die Mühe hat sich gelohnt ...) "Nun, ich glaube, wir könnten darauf die Bilder für ein Weile speichern ..." stimme ich zu. "Nur für den Fall, dass jemand nachfragt." ... Zwei Tage später ... "Der Chef arbeitet ziemlich lange." meint der PJ später, als wir den Pub unter dem Einfluss eines gewissen Hopfenderivats verlassen und einen leichten Lichtschimmer hinter den Gardinen seines Büros bemerken. "Ja, aber er ist ein gefeuerter Mann!" stimme ich ihm zu. "Nicht jeder würde Beweise so gründlich 'katalogisieren' ..." "Sie glauben, er geht in dieser Nacht nach Hause ..." "Zumindest um sich zu waschen und die Kleidung zu wechseln ...." ... Weitere zwei Tage später ... "Und als sie seine Bürotür öffneten fanden sie ihn splitterna ..." schwatzt seine Sekretärin Sharon mit ihrer Freundin in der Kantine, wobei sie ein Headset benutzt, dass uns recht bekannt vorkommt. Sie unterbricht sich, denn offenbar stören wir nur mit unserem Wunsch, unsere Post abzuholen. ... andererseits erklärt das aber auch den 'Versiegelt durch den Wachdienst'-Aufkleber auf dem Türschloss des Chefs .... "Kann ich ihnen helfen?" fragt Sharon mürrisch, nicht gerade erfreut darüber, mitten im Tratsch untebrochen zu werden. "Ja, ich frage mich, ob sie dieses Klappergeräusch der Verankerung des Hauses prüfen könnten und bei Bedarf die Hausmeister informieren könnten." "Warum machen sie das nicht?" "Weil sie den einzigen Generalschlüssel haben - aber wenn sie ihn mir leihen könnten ..." "NIEMAND bekommt den Generalschlüssel!" ruft sie ihr Reich verteidigend. "Also werde ich mich um die Sache kümmern, wenn ich etwas Zeit habe. Wo ist diese Verankerung?" "Nun, sie wissen doch, wo der Ausgang des Müllschluckers im Erdgeschoss ist?" "Nein?" "Ich zeichne ihnen eine Karte ..." [[Der B.O.F.H. kümmert sich um den Ausverkauf ...]] "Sie sagen also, dass ihr Angebot die zuverlässigste Technik umfasst, die wir jemals kaufen können, und die Angebote ihrer Konkurrenten von ausgebeuteten Kindern in der Dritten Welt aus Teilen zusammengeschraubt werden, die durch ihre Qualitätskontrollen gefallen sind?" murmelt der PJ undeutlich. "Ja", murmelt unser Gastgeber und Zulieferer und zeigt mit seinem Glas in der Hand auf die ausgestellten Rechner, wobei das überschwappende Bier auf dem Boden aufklatscht. "Wir stellen die beste Technik her!" Ich liebe Weihnachtsparties bei den Lieferanten - sie entlarven auf so herrliche Weise deren leere Versprechen und enthüllen die Wahrheit. "Das klingt gut!" ruft der PJ. "In diesem Fall sollten wir die gestrigen Bestellungen stornieren und so schnell wie möglich hier bestellen." "Schneller, wenn das möglich ist", antwortet unser Verkäufer, der mit einem Geschäft, das er vor Weihnachten abschliesst, noch auf eine höhere Weihnachtsprämie hoffen kann. "Nun, wenn sie einen Vordruck hätten, könnte ich ihn ausfüllen und dem Chef zum Unterschreiben vorlegen." antwortet der PJ keinen Moment zu früh, um unsere Alkoholversorgung zu sichern. "Ich werde sofort ein Bestellformular ausdrucken!" murmelt unser Verkäufer und wankt davon. Als er zwei unbetreute Kunden, die schon einiges an Getränken hatten, sieht, stürzt sich der Verkaufsgeier Nummer 2 auf uns, der sich die Chance auf einen Weihnachtsbonus ebenfalls nicht entgehen lassen will. "Wohin ist John verschwunden?" will er den freundlichen Kollegen heuchelnd wissen. "Ah, er hat gesagt, er fühle sich nicht besonders. Dabei habe ich nur gefragt, ob er noch Lust auf eine weitere Runde hat", antworte ich und schwenke mein leeres Glas vor seinem Gesicht. "Wir haben vor, noch ein wenig einzuka ...." "Ich lade sie beide ein", ruft er. "Ausgezeichnet. Ich nehme ein Bier und einen Tequila Wallbanger, wenn es den hier gibt." "Ich auch." fügt der PJ hinzu. Abgang von Verkäufer Nummer 2 ... "Tequila Wallbanger?" "Ja, sie werden sich fragen, ob wir einen Tequila Sunrise oder einen Harvey Wallbanger wollten und schliesslich beides nehmen." "Ich glaube kaum, dass ich auch nur eines von beiden verkraften kann!" "Oh, ich habe auch nicht vor, es zu trinken - damit kaufe ich uns nur etwas Zeit." "Zeit? Wofür?" "Hallo, ich bin Dave, der Verkaufsdirektor für Geschäftskunden. Hatten wir schon das Vergnügen?" [Geier Nummer 3 ist im Spiel] Der PJ begreift meinen Plan, als der Verkaufsdirektor verschwindet, um sich nach dem Essen zu erkundigen und ein paar Biere und Scotch und Tonic zu holen ... und prompt stürzt ein weiterer Geier auf uns herab. "Eine Art Wettbewerb, wenn ich mich nicht irre?" murmelt der PJ leise. "Ja, ich glaube, es geht bei dieser Party um die Erhöhung der Weihnachtsprämien ..." Nummer 4 verschwindet, um die technischen Daten für die Lüfter zusammenzusuchen, mit denen wir die Wagenladung Rechner kühlen können, die wir bestellen wollen - wir wollen schliesslich sicherstellen, dass ihre vereinte Kühlkraft unsere Klimaanlage nicht aus dem Tritt bringt. (In Ordnung, ich klammere mich jetzt schon an die billigsten Ausreden wie an einen Strohhalm, aber es funktioniert.) "Da bin ich wieder", freut sich Geier Nummer 1, der mit einem Stapel Papier wedelt. "Sie müssen nur noch die Anzahl der Rechner eintragen und an den markierten Stellen unterschreiben!" "Ausgezeichnet!" ruft der PJ. "A-aber wo sind die Infrarot-Mäuse? Und die ergonomischen Tastaturen?" "Bin gleich wieder da", murmelt er und steuert die Tür an mit Warp-Faktor 0.003 an, nachdem er einen unangenehmen Zusammenstoss mit dem Türrahmen hatte, den seine Augen wohl etwas weiter links vermutet hatten, als er wirklich war. Nummer 3 kommt zurück. Mit Bier, Gin und Tonic. Und als Verkaufsdirektor hat er sich offenbar schon Gedanken darüber gemacht, was wir wirklich brauchen - nachdem er gesehen hat, dass ihm ein anderer zuvorkommen könnte. Er verschwindet wieder, um nähere Informationen über die angebotenen Speisen zu sammeln, nachdem wir ihm versichern konnten, dass Nummer 1 uns nur die ersten Kapitel seines Buches gezeigt hat, in dem es um einen Manager von Microsoft und ein paar Callgirls geht. Nummer 2 und 3 haben ein paar Probleme, aneinander vorbeizukommen, als Nummer 2 mit 3 Gläsern für jeden von uns zurückkommt, wie ich es prophezeit hatte. "Sie haben sicher über die gewünschte Technik nachgedacht, oder?" fragt er und bemüht sich, nicht zu gierig zu erscheinen. Er legt uns einen Katalog in dem Moment vor, als Nummer 4 mit den Daten zur Schubkraft der Kühler zurückkommt ... ... "Sie haben eine Schlägerei unter den Verkäufern unseres Hauptlieferanten provoziert?!" keucht der Chef ungläubig. "Ein Kampf, der damit endete, dass ein Verkaufsdirektor mit schweren Verbrennungen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste!!!!" "Das waren wir nicht!" antwortet der PJ schnell. "Er hat plötzlich verlangt, dass die Hälfte der Belegschaft sich ausziehen soll. Das mochten wohl die weiblichen Angestellten nicht besonders." "Sie wissen aber schon, dass sie damit deren Verkaufschancen für die Zeit der Zwangsbeurlaubung verringert haben? Möglicherweise gehen ihnen nur ein paar tausend Pfund durch die Lappen!" "Ja, das könnte passieren", gebe ich zerknirrscht zu und warte auf das unausweichliche Donnerwetter ... "VERDAMMT AUSGEZEICHNET!" ruft der Chef und zaubert eine Flasche Brandy hervor, die er in seinem Schreibtisch versteckt hat. Dieser hinterhältige Bastard. "DIESE Nachricht ist unbezahlbar!" fährt er fort und füllt weihnachtlich-grosszügig ein paar Gläser. "Sie hassen sie, oder?" "Ja, ich habe einmal für sie gearbeitet. Sie haben Bristol zu meinem Verkaufsgebiet gemacht und mich dann gefeuert, weil da nichts zu verkaufen war. Jetzt müssen sie mir aber noch sagen, ob sie etwas gekauft haben." "Nun, wir fühlten uns nach all den Vorfällen verpflichtet, wenigstens ein paar PCs zu bestellen. Ich schätze, sie sollten die Bestellungen stornieren, da wir nicht zu solchen Einkäufen berechtigt waren." "Ganz sicher nicht! Haben sie die Standardverträge unterschrieben?" "Ich glaube schon." antworte ich und hole unser Exemplar der Bestellung hervor. "Ausgezeichnet - sie garantieren die Lieferung innerhalb von 10 Arbeitstagen! Wir werden sie deswegen im nächsten Jahr wegen Nichteinhaltung vor Gericht belangen." "Woher wissen sie, dass sie nicht liefern werden?" "Oh, es ist gängige Praxis, dass die Bestellungen von beurlaubten Mitarbeitern blockiert werden, bis sie vom Kunden ausdrücklich bestätigt wurden. Also, denken sie daran, ab jetzt keine Anrufe mehr annehmen! Nur noch eins: sind sie für irgendeine Verletzung meines ehemaligen Chefs verantwortlich?" "Nun, eine oder zwei", weicht der PJ aus. "Er wollte uns gebrauchte Pentium II-Rechner mit 300 Megahertz als hochmoderne Geräte andrehen." füge ich hinzu. "Eine oder zwei, sagten sie?" "Jeder von uns." "Ausgezeichnet! Wollen sie noch einen Brandy?" Und so bestätigt sich einmal mehr, dass die Weihnachtsstimmung das Management und die Untergebenen näher zusammenbringt ... {{2001}} [[Der B.O.F.H. kümmert sich wieder um die Nutzer ...]] "So", meint der Chef, als er in einem Anfall nachweihnachtlicher Dummheit, die wir in den letzten Wochen so vermisst haben, in unser Büro kommt. "Irgendwelche neuen Auflösungen für Probleme?" "Ja, 1200 dpi!" antworte ich und benutze einen Scherz, der wohl über seinen Horizont reicht. "Wie?" fragt er wie erwartet, dann entschliesst er sich, den Wissenden zu heucheln. "Ach ja. Sehr gut. Wirklich gut. Aber lassen wir die Freundlichkeiten. Wir haben ein kleines Problem." "Und worum geht es?" "Nun, es nichts wichtiges ..." antwortet er ausweichend. Er versucht, Zeit zu gewinnen, was nur bedeuten kann, dass Schlimmes auf uns zukommt. "Worum geht es?" "Nun, es war wirklich nicht meine Idee ..." Es wird immer schlimmer. "Um welche Idee geht es denn nun?" "Nun, einige der anderen Manager der IT-Abteilung dachten, es wäre eine gute Idee ... hm ... wennsiedieNutzerbetreuungübernehmenkönnten,weilwegenderUrlaubszeitniemanddaist." stösst er hervor und geht hinter einem Tisch in Deckung. "Sie haben alle Leute aus der Nutzerbetreuung in den Urlaub geschickt?" rufe ich und spiele den Empörten. "Nicht exakt. Der eine ist krank und der andere hat gekündigt, nach dem, was auf der Weihnachtsfeier passiert ist ... nun, sie wissen schon." "DAS WAR EIN UNFALL!" ruft der PJ laut. "Wie oft muss ich das eigentlich noch sagen? Woher sollte ich denn wissen, dass das Lametta elektrisch leitfähig war?!? Ich hätte niemals zugelassen, dass der arme Kerl den Transformator anfasst, wenn ich das gewusst hätte!" "Und wieso stand da überhaupt ein Transformator in dem Raum?" frage ich, den Verteidiger des PJs spielend und das Unvermeidliche etwas hinauszögernd. "Ich habe ihn ganz einfach von einem in den anderen transportiert ..." "Während er eingeschaltet war?" "Ja, ich wollte nicht, dass das Gerät abkühlt und wegen des möglichen thermischen Schocks ausfällt ..." "Wie die Transformatoren in den Geschäften, die benutzt werden, um die Beleuchtung zu sichern?" "AH, ich glaube, wir sprachen darüber, dass wir jemanden für die Nutzer-Betreuung brauchen", unterbricht mich der Chef. "Ja, ja - stimmt. Also sollen wir das machen?" "Wäre das denn möglich?" fragt er nervös und blickt sich nach einem Ausgang, elektrisch leitendem Material und körpergrosser Rechentechnik um, die umfallen könnte, wenn er an ihr vorbeirennt. "Warum eigentlich nicht", stimme ich ihm zu. "Hier scheint ja alles zu laufen, wenn wir von ein paar uralten Rechnern einmal absehen, bei denen wir die Uhr wieder zurückstellen mussten, um das Jahr 2000-Problem zu umgehen." ... "Sie haben etwas zu schnell zugestimmt." sagt der PJ angeekelt, als der Chef sich schwitzend wie ein Wasserfall entfernt hat. "Ja, ich muss gestehen, dass ich etwas schnell war. Wie auch immer, ich hatte einen Grund dafür." "Und der wäre?" "Ich konnte es nicht übers Herz bringen, einfach abzulehnen." "Was?" "Nun, sie wissen doch, wie das nach dem Urlaub ist - sie haben nicht gerade Lust auf die Arbeit, aber kaum sind sie wieder da, stellen sie fest, dass sie nicht so schlimm ist, wie sie es befürchtet hatten. Und so kommt es dann zu dieser Stimmung, in der sie etwas unaufmerksam sind." "Ich ... ähm ... könnte sein." stimmt der PJ langsam zu, nachdem er darüber nachgedacht hat. "Und so sollten wir etwas guten Willen zeigen, den Nutzern ein paar ... Freiheiten gönnen." "Ist es möglich ..." "Was umgekehrt dazu führt, dass sie später im Verlauf des Jahres diese und andere Freiheiten von uns erwarten ..." "Ja ..." "Und was wäre nun besser - wenn sie diese Freiheiten von der Nutzer-Betreuung erwarten und von der Netzwerk-Betreuung keine Antworten erhoffen oder ein Leben in einer real existierenden Hölle, in der die Nutzer UNS immer dann anrufen, wenn ihr Rechner einmal wieder abgestürzt ist?" "Jetzt begreife ich!" "Natürlich. Wie auch immer, nachdem wir uns den Nutzern gezeigt haben, müssen wir in wenigen Stunden wieder jene professionelle Zurückhaltung an den Tag legen, für die man uns kennt." "Ah!" ruft der PJ, als der Groschen endlich gefallen ist. ... "Sie können sich nach dem Urlaub nicht mehr an ihr Passwort erinnern?" ruft der PJ fröhlich in den Hörer. "Gut, ich habe es in «morgen» geändert ... Oh, keine Ursache." ... eine Stunde später ... "Sie können sich nach dem Urlaub nicht an ihr Passwort erinnern?" ruft der PJ in den Hörer. "Ich habe es in «dertagnachmorgen» geändert. Wiederhören." ... eine weitere Stunde später ... "Sie haben ihr Passwort nach kaum einer Woche vergessen?!?" schnaubt der PJ in den Hörer. "Ich schätze, sie sollten froh sein, dass sie überhaupt den Weg zu ihrem Arbeitsplatz gefunden haben ... Ich ändere ihr Passwort übermorgen. >Klick<" "Es ist wie das Fahren auf einem Motorrad." rufe ich dem PJ zu, der langsam wieder in die richtige Stimmung kommt. "Nur müssen sie keinen Helm tragen und beim Abbiegen nicht blinken." Ich befasse mich in der Zwischenzeit damit, die Nutzerlaufwerke zu säubern, die blockiert sind mit den Ergebnissen verschiedener Prozesse, die in der Urlaubszeit unbeaufsichtigt abliefen. >Klick, Klick, Klick< "Jetzt ist sie wieder wie neu!" rufe ich. "Also sieht das Laufwerk jetzt wieder aus wie vor den Ferien?!" ruft der Nutzer erfreut. "Nein, sie sieht wieder aus wie zu dem Zeitpunkt, als sie sie gekauft haben. Als sie noch neu war ..." "A-a-aber ..." "Ich weiss, danken sie mir nicht, ich tue nur meine Arbeit. >Klick<" Zwei weitere Laufwerksformatierungen später zeigt das Telefon eine gewisse Zurückhaltung was Anrufe betrifft. "Sie haben aufgehört!" stellt der PJ fest. "Glauben sie, dass sie es nun begriffen haben?" "Natürlich haben sie das", antworte ich. "Die Nachricht wird schneller die Runde gemacht haben, als ein Werbe-Berater nach ein paar Bieren. Aber sie werden trotzdem anrufen." "Uh, nein, ich höre nichts." >Klick, Klick, Klick< "Natürlich tun sie es!" rufe ich, als die Telefon wieder loslegen. "Der Server der Buchhaltung ist abgestürzt", keucht der Nutzer. "Und wir müssen noch die Abrechnung für den vergangenen Dezember beenden!!!" "Machen sie sich darüber keine Sorgen!" rufe ich. "Das Problem kann schnell gelöst werden - wir haben einer Sicherheitskopie." "Oh, Gott sei Dank!" keucht er. "Auf einem anderen Server?" "Nein, Ausdrucke und Taschenrechner." rufe ich mit teuflischem Grinsen. "Denken sie daran, all ihre Zwischensummen aufzuschreiben, da die Rechnungsprüfer in zwei Tagen vorbeikommen - es geht das Gerücht um, dass sie sehr pedantisch sein sollen!" Es stimmt - eine Pause ist so gut wie ein kleiner Wechsel ... [[Das Gerät ist tot ... Es hat einfach aufgehört zu sein ...]] "Ich kann es kaum fassen!" keucht ein ahnungsloser Kerl aus der Marketingabteilung, als der PJ ihm die Innereien des Festplattenlaufwerks zeigt. "Tot?" "Wie die Bay City Rollers", nickt der PJ vieldeutig. "Aber ... Wieso?" Ich komme dem Verlangennach, den Erkenntnisprozess des Kerls etwas zu beschleunigen: "Nun, um es vereinfacht auszudrücken, ihre Festplatte hat während der Ferienzeit aufgehört zu rotieren, wurde kalt und, als sie von ihrem Urlaub zurückkehrten, war sie tot. Das ist wie mit Haustieren, die sie zu füttern vergessen, wissen sie." "Aber wie hätte ich das verhindern können?" "Sie hätten sie füttern müssen! Kein Wunder, dass ihre Haustiere gestorben sind." "Ich habe doch gar keine Haustiere!" schnappt er irritiert zurück. "Kein Wunder!" kommentiert der PJ. "Nein, ich meinte, wie ich meinen Rechner hätte retten können?" "Nun, lassen sie ihren PC einfach eingeschaltet - 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche ..." "Stimmt. Nun, ich schätze, dass ich das wohl besser tun werde, wenn sie eine neue Festplatte für mich gefunden und meinen Rechner repariert haben." "Ich fürchte, dass sie das nicht tun können." "Wieso? Weil ich kein Computermensch bin wie sie?" "Nein, das liegt daran, dass sie das Kästchen für Windows ME bei den Konfigurationswünschen für das neue Laufwerk angekreuzt haben. Sie werden sich schon freuen, wenn ihr Rechner bis zur Frühstückspause ohne Absturz überlebt." "A-Aber ME ist stabiler ..." "Hat man das nicht auch von San Francisco behauptet?" "Nun, was schlagen sie mir also vor?" Ich blicke mich nach verdächtigen Lauschern um, und der PJ verstärkt die Stimmung der Konspiration noch dadurch, dass er die Jalousien leise schliesst und die Telefonhörer neben die Geräte legt. "Sie wollen ein richtiges Betriebssystem?" "Was meinen sie damit?" "Ich meine ein so fortschrittliches System, dass man «Fortschrittlich» schreiben muss und nicht einmal die Textverarbeitung es wagt, die beiden Grossbuchstaben zu korrigieren, wie es zum Beispiel Word tut, bis es sie gezwungen hat, ihren toten Rechner in den Müll zu werfen." Jetzt hat er angebissen. Ich weiss es, er weiss es - er kann seiner Neugier nicht widerstehen. "Wie heisst dieses Betriebssystem?" fragt er schüchtern und völlig benebelt von unserem konspirativem Spiel. Ich weiss, dass ich ihm jetzt sogar einen Campingausflug aufschwatzen könnte. Der Köder ist ausgelegt, und er hat angebissen, um es mit anderen Worten zu sagen. Es ist traurige Wirklichkeit. "Halt, warten sie einen Moment!" schreit der PJ und stoppt damit das wie geschmiert rollende Rad. "Wir können ihm das Betriebssystem nicht einfach geben. Wir wissen doch gar nicht, ob es das richtige für ihn ist." "Ich ... Nun, ich glaube nicht, dass sie ... Aber hat es nicht das, was ich brauche?" "WAS SIE BRAUCHEN?!?! Eine FOrtschrittliche grafische Benutzeroberfläche, echtes Multitasking - nicht diese limitierten Sachen, die sie sonst überall bekommen! Spiele, Handbücher - es ist grossartig!" "Nun, ich glaube, ich sollte es ausprob ..." "Ausprobieren?" lacht der PJ traurig. "Das ist nicht eines von diesen Betriebssystemen, die sie einfach einmal kurz installieren und dann wegwerfen können! Es ist eine Lebenserfahrung! Nachdem sie es einmal ausprobiert haben, sind sie ein anderer Mensch!" "Das stimmt", sage ich. "Und ist mit eingebauter Früherkennung hochlatent eingebundener Register im Arbeitsspeicher ausgerüstet." "Früherkennung hochlatent eingebundener Register?" "Ja, das ist ein neuer Standard. Die Kurzform lautet FEHLER." "Wie bei Fehler?" kichert er. "Was?" fragt der PJ und spielt den Unwissenden, der blind für das Offensichtliche ist, den Dummkopf so überzeugend, dass er MSCE-Zertifikate ausstellen könnte. "FEHLER - Fehler", erklärt unser Nutzer. "OH!" macht der PJ. "Jetzt begreife ich! So hatte ich das noch nie betrachtet! Wirklich ein guter Scherz!" Unser Nutzer reckt sich stolz über das Lob, während ich mir eine Gedächtnisnotiz mache, den PJ später darauf hinzuweisen, dass er seine feuchte Aussprache besser kontrollieren sollte ... "Gut, sie haben mich überzeugt. Ich muss es ausprobieren! Was muss ich dafür tun?" "Nun, für den Anfang kostet es sie 20 Pfund." "Zwanzig Pfund?!?! Aber es ist doch für meinen Arbeitsplatzrechner! Dafür sollte die Firma bezahlen!" "Ja, sollte sie." stimme ich zu. "Nur will sie das nicht. Sie wollen nicht, dass es auf den PCs installiert wird. Und auch wenn es noch auf dem Formular als Möglichkeit auftaucht, müssen sie es trotzdem selbst bezahlen." "Gut, und was bekomme ich für 20 Pfund?" "Handbücher, die Installations-CD, die Funktionalität. Natürlich erst, nachdem wir es auf ihrem Rechner installiert haben." "Es ist keine Raubkopie, oder?" "Raubkopie?" seufzt der PJ. "Nein, ganz sicher nicht. Sehen sie hier - eine Original-CD." Er hält ein in Folie eingeschweisstes Paket aus Dokumentation und CDs hoch. "Das sieht doch gut aus für diesen Preis!" "Darauf können sie wetten ..." "Also, was muss ich tun?" "Nun, ändern sie ihre Betriebssystem-Auswahl auf dem Vordruck, kreuzen sie das Feld an, dass sie wissen, dass es FEHLER hat, und wir kümmern uns um den Rest." "Oh, wie heisst das Betriebssystem denn eigentlich ..." "SAGEN SIE ES NIEMANDEM!" unterbricht der PJ ihn hastig und blickt sich ängstlich um. "Wenn sie es sagen, dann wollen es alle haben und wir haben doch nur noch ein Exemplar übrig!" "Wirklich? Ein Exemplar? Kann ich es für meinen Privatrechner bekommen?" Der PJ und ich tauschen etwas aus, dass man in einer anderen Welt, in der wir keine Bastarde sind, als bedeutungsvolle Blicke bezeichnen würde, während unser Kunde einen Geistesblitz hat. "Oh, ich hatte gerade einen Einfall! Könnten sie es stattdessen vielleicht auf dem Rechner meines Chefs installieren - er kommt er nächste Woche wieder! Das wäre doch eine gute Überraschung!" Nun, damit liegt er sicher nicht ganz falsch ... " Nun, ich glaube, dass wir das tun könnten", murmelt der PJ langsam. " Aber wer wird dafür bezahlen?" "Ich bezahle es!" "Gut, dann geben sie mir das Geld und füllen noch ein weiteres Formular aus." Zwei OS/2-Installationen und eine Stunde später ... "Sie müssen es wieder von meinem Rechner löschen!" bittet unser Nutzer. "BITTE!" "Wieso?" "Es ist furchtbar. Es stürzt ständig ab. Und sie sagten, es würde mein Leben verändern!" "Das wird es. Warten sie einfach, bis ihr Vorgesetzter in der nächsten Woche zurückkehrt!" "SIE MÜSSEN ES LÖSCHEN!" "Ich würde es ja gern tun, ab das geht nicht. Wir sind nur für die Systemwiederherstellung zuständig. Das System muss zerstört sein, bevor wir eine Neuinstallation vornehmen können." >KRACH!< >KLATSCH!< "Ich glaube, mein Rechner ist defekt!" "Natürlich ist er das. Und was ist mit dem PC ihres Chefs?" >KRACH!< >KLATSCH!< Ich warte, bis der PJ mir signalisiert, dass die Aufnahmen der Überwachungskamera gelungen sind und fahre dann fort. "Und nun brauchen wir nur noch jemanden, an den wir die Lizenzen transferieren können." "Lizenzen transferieren?" "Ja, sie müssen ihre Lizenz an jemanden transferieren, so dass das Betriebssystem sein Betriebssystem wird und wir ihnen ein neues System für ihren Rechner geben können. Sonst müssen wir das gleicher System wieder auf ihrem Rechner installieren." "Aber niemand wird es haben wollen!!!" "Das ist korrekt. Wie auch immer, für eine kleine Ausleihgebühr von 20 Pfund könnten wir ihnen unseren Gummihammer leihen, der kaum Spuren auf einer damit behandelten Festplatte hinterlässt, mit dem sie uns einen neuen Nutzer für die «Systemaufrüstung» vermitteln können." "Und für 30 Pfund", schaut der PJ mir über die Schulter. "Für 30 Pfund sagen wir ihnen, wer ihnen den Ärger eingebracht hat, indem er ihre Festplatte «behandelt» hat." Man muss diese Arbeit einfach lieben ... [[Der B.O.F.H. hilft bei einer Präsentation ...]] "Schnell, wir brauchen ihre Hilfe im Sitzungsraum", keucht der Chef, als er gehetzt in unser Büro kommt und eine ausführliche Druckersitzung unterbricht. "Der Projektor ist ausgefallen!!!" "Und der Techniker ist?" "Krank!" "Das scheint zu stimmen - ich habe gesehen, wie hoch sein Datentransfer ist." fügt der PJ hinzu. "Es ist aber sehr wichtig, wir sind gerade mitten in einer Präsentation!!" "Oh, natürlich!" rufe ich und erinnere mich gut an den letzten ähnlichen Fall, zu dem wir gerufen wurden. "Wie weit sind sie mit The Matrix denn diesmal gekommen?" Der Chef ignoriert meinen professionellen Sarkasmus und fährt fort. "Sehen sie, es geht um sehr wichtige Leute, und ihre Zeit ist unser Geld. Je schneller wir das Problem lösen, desto besser!" Ich füge mich meinem Schicksal, da ich zu den wenigen in der Firma gehöre, die mit den Projektoren umgehen können (und/oder Technik ganz allgemein), und folge dem Chef zur Tür. "Der Projektor fiel ganz plötzlich aus - wir denken, es könnte eine durchgebrannte Glühbirne sein." informiert er mich, als wir auf den Lift warten. "Eine sündhaft teure, langlebige Halogenbirne, die vielleicht erst zehn Einsätze hinter sich hat? Nein, ich glaube, wir werden herausfinden, dass jemand mit der Fernsteuerung gespielt hat und nun nicht mit der 30-sekündigen Zwangspause zwischen dem Aus- und dem Einschalten zurechtkommt." Fünf Minuten später ist der Beweis für meine Theorie erbracht, habe drei Anerkennungspunkte von der versammelten Managergemeinde (mit Ausnahme EINER Person) für meine Fähigkeiten zum Aufspüren von Fehlern kassiert und marschiere zurück ins Büro. "Woher wussten sie, dass es das ist?" fragt der Chef pikiert. "Es ist doch ganz einfach, wenn man die kleinen Hinweise richtig interpretiert. Eine langweilige Sitzung, spät am Nachmittag, laienhafte Fähigkeiten beim Umgang mit dem Präsentationsprogramm, jemand muss einfach mit der Fernbedienung spielen ..." Nach meiner kurzen Rede lasse ich den Chef stehen und steuere zielgerichtet den Farbdrucker an, um den letzten Satz Hochglanzbilder zu holen ... Doch wie schon einmal in dieser Woche muss ich feststellen, dass die rote Patrone des Titenstrahldruckers wieder leer ist. Jemand, der sich nicht so gut auskennt, würde jetzt vermuten, dass jemand nachts in die Firma kommt, um Unmengen von Pornographie auszudrucken, aber das kann nicht sein. Ich hätte ihn sehen müssen, wenn ich meine Bilder ausdrucke ... "Jemand druckt Pornographie während der Arbeitszeit aus?!?!" keucht der PJ nach Luft schnappend, der die Sache offenbar vom falschen Ende her aufrollt und alles auf Pornographie schieben will. "Nein, nein, das würde sofort auffallen! Nein, jemand druckt etwas aus, das viel rote Farbe braucht. Etwas, was ein normaler Mensch nie tun würde ..." "Urlaubsbilder?" "Machen sie sich nicht lächerlich, das hier ist eine Computer-Abteilung. Die einzigen Ferien, die die Leute machen, bestehen darin, dass sie in Internet-Cafés herumhängen und unter KEINEN Umständen rote Farbe brauchen ..." "Arbeitsberichte?" "Sie haben doch gesehen, woran hier «gearbeitet» wird - alles nur schwarzer Text auf weissem Papier. «Was ich in dieser Woche geschafft habe»-Zeug, sie wissen schon! Nein - jemand druckt Diagramme aus." "Diagramme?!" "Ja, Gantt-Diagramme, Tortengrafiken, Balkendiagramme - diese Sachen. Mit Budgetüberziehungen, Verlusten, etc. - und das alles in roter Farbe ..." "Ah, ich denke, es gibt millionfache Verwendungen für viel rote Far ..." "Schauen sie sich die Leute doch an!" rufe ich dem PJ zu und deute auf die Meute in ihren Würfeln. "Ahnungslose IT-Schafe. Und mindestens 50 Prozent von ihnen wissen nicht einmal, wie sie ihren Standarddrucker wechseln können!" "Sind sie da nicht etwas zu hart?" "Nein, bin ich nicht. Ich arbeite schon lange genug hier, um den Ärger zu riechen. Und er steht uns direkt bevor, würde ich sagen. Man muss die Zeichen erkennen - sie wissen schon, wenn zwei Kollegen, die sich kaum sehen, ihre Freundschaft wiederbeleben und sich versichern, dass diese wichtiger ist als Geld." "Sie glauben, dass sie sich verbünden?" "Bingo!" "Und dann beharren sie darauf, jede Überstunde peinlich genau zu vermerken." "Hallo, wir tun das auch!" "Und das bedeutet?" "Und das bedeutet?" "DIE FÄLSCHEN IHRE ARBEITSZEIT-ABRECHNUNGEN!!!!" "Selbstverständlich." "Aber noch schlimmer ist es, wenn jemand bis tief in die Nacht arbeitet. Später als es eigentlich nötig wäre. Wenn niemand mehr im Büro ist ..." "Sie verbrüdern sich mit den Putzleuten?!?!?" "Nein, das bedeutet entweder: A. sie schauen sich Pornos an ..." " Wie sie, wenn sie lange bleiben ..." kommentiert der PJ unfreundlich. "Ein trauriger Bastard, der sich aufheitern will - wie bei ihnen, wenn sie länger bleiben ..." gebe ich zurück. "... oder überarbeitet bin ... ODER in einen Diebstahl verwickelt werde." erwidert der PJ. "ODER es geht um ein geheimes Projekt. Besonders dann, wenn ein Manager länger im Büro bleibt." "Also ist es ein Manager?" "Natürlich ist es ein Manager! Aber welcher von ihnen kann es sein?" "Der IT-Chef?" "Nein, der ist schon so lange hier - er ist eine Institution. Nein, es muss jemand sein, der neu ist. Jemand, der glaubt, er könne uns ersetzen. Jemand, der annimmt, er könne mit bunten Grafiken und Worten wie «Umsatzschwelle» die Leute von sich beeindrucken, statt mit hart erarbeiteter Erfahrung. Jemand, der einen Handstreich plant." "DER CHEF!!!!" "Im Speisesaal, beim Kerzenleuchter ..." "Was werden wir unternehmen? Es dem IT-Chef sagen und ihn feuern lassen?" "Nicht ganz ..." Kaum einen Tag und eine vertrackte Sitzung später ist der Chef nicht mehr in seinem Büro, da er zu einer dringenden Beratung mit der Vermittlungsagentur gerufen wurde ... " Besonders mochte ich die Folie «Inkompetenz-Niveaus» mit der grossen roten Fläche über der der Name eine bestimmten Person stand." plappert der IT-Chef fröhlich. "Aber ich habe gehört, dass die Tabelle mit dem Titel «Emission von heisser Luft durch das System- und Netzwerk-Management geordnet nach der Menge» allen anderen die Schau gestohlen hat ..." "Wirklich? Ich war ziemlich beeindruckt von «Ausredenproduktion im System- und Netzwerk-Management, wenn jemand die fachliche Kompetenz bezweifelte», aber eigentlich waren alle Folien ziemlich gut. Und die erfolgreiche Unterdrückung dieses Umsturzversuchs wird sich auf WELCHE Art auswirken?" "Ich denke darüber nach", antwortet er. Und da behaupten manche Leute, Nebensächlichkeiten hätten keine Bedeutung ... [[Der B.O.F.H. beobachtet die Geschichte mit dem Q ...]] Es ist später Nachmittag, als ich schliesslich nach meinem «Arztbesuch» im Büro eintreffe. Der PJ ist gerade dabei Virenwarnungen zu drucken, um die Nutzer über die neuesten Entwicklungen auf diesem gefährlichen Gebiet zu informieren. "«Der Q-Virus befällt die Q-Taste ihrer Tastatur und verursacht Datenverluste in allen Dokumenten, in denen ein Q vorkommt.» Ja, ich kann mir vorstellen, dass das einige Aufregung verursachen könnte. Aber niemand wird das glauben", erkläre ich, nachdem ich den Zettel gelesen habe. "Warum nicht?" fragt der PJ defensiv. "Sie werden nichts mehr glauben, was von uns kommt - nicht mehr, seitdem sie diese Mitteilung verschickt haben, dass Soundkarten Krebs verursachen können." "Aber das war eine hervorragende Warnung mit fantastisch vielen Rückmeldungen." "Ja, das stimmt. Wie auch immer, ich denke, dass die Leute etwas nachdenklich wurden, nachdem sie all ihre Soundkarten eingesammelt, verkauft und den Subwoofer für ihren Rechner angeschafft hatten ..." "Der war dringend nötig!" "Wieso? Damit die Leute unter uns merken, wann sie in Unreal Tournament verlieren?" "Nein, für den kompletten Audio-Genuss der Warnsignale des Betriebssystems. Sie glauben also, meine Arbeit war umsonst?" "Nein, nicht unbedingt. Natürlich muss das Merkblatt noch ein wenig bearbeitet werden, aber es sieht schon ganz gut aus. Ich werde mich darum kümmern, während sie in den Postraum gehen und uns ein wenig Hochglanzpapier und ein Gerät zum Verschliessen von Folietüten holen können." Und so kommt es, dass der Q-Virus am nächsten Tag zum bestimmenden Gesprächsthema wird ... "Ah, diese Sache mit dem Q-Virus", murmelt der Chef, als er mit 0.005 Knoten pro Stunde in unser Büro trottet und einen Luftstrom hinter sich herträgt (vielleicht ist es aber auch das Curry vom Vorabend). "Q-Virus?" "Ja, der Q-Virus!" "Nie gehört. Und ich habe alle wesentlichen Viren-Diskussionslisten abonniert!" "Aber hier haben wir es schwarz auf weiss", ruft er und wedelt mit einer gelben Mitteilung. Nun, Farbenlehre gehört offenbar nicht zu seinen Stärken. "Lassen sie mich mal schauen", sage ich und greife mir die Arbeit des PJs. Und es ist ein beeindruckendes Werk - das muss man ihm zubilligen. Genau die richtige Mischung aus wichtig aussehenden Schrifttypen, Schreibstil und Hochglanzpapier, die ihm den nötigen Anschein von Authentizität verleiht. "Das ist ein Witz!" rufe ich. "Wer würde glauben, dass ein Virus eine Tastatur befallen kann?" "Es steht hier", erwidert der Chef. "Es ist ein makro-symbiotischer Virus, der sich, ähm, in die Steuerungselektronik der Tastatur einnistet und sie als ... äh ... Speicher nutzt. Wie in den alten Tagen, als Arbeitsspeicher noch unheimlich teuer und die Assembler-Programme mit wenigen Bytes auskamen." "Ja", murmle ich zweifelnd. "Diese Speicher-Geschichte könnte problematisch sein. Trotzdem, das ist Ulk - ganz offensichtlich hat das jemand als Scherz ausgedruckt." "Es ist Hochglanzpapier!" erwidert der Chef und spielt die gewünschte Rolle. "Selbst wir können Hochglanzpapier bedrucken!" rufe ich und offenbare ihm die Wahrheit. "Jemand könnte es sich im Postraum geholt und bedruckt haben!" "ACH WAS!" ruft der Chef und wird immer perfekter in seiner Rolle. "Die Warnung kam mit einem der PC-Magazine!" "Jemand hat es zwischen die Seiten geschmuggelt, um sie als Dummkopf dastehen zu lassen!" "Das glaube ich nicht - die Folie war unverletzt. Und ich bin nicht der einzige, der das Magazin bekommen hat. Die Warnung lag allen Exemplaren bei! Sogar der Chefberater der Finanz-Abteilung hat mich schon deswegen angerufen und nach Gegenmassnahmen gefragt." "Der Chefberater aus der Finanz-Abteilung? War das nicht der Kerl, der eine Notiz mit dem Tacker an eine Diskette heftete?" "Er behauptet, sie hätten ihm dazu geraten, diesen Anhang so mit der Diskette zu verbinden." "Das ist doch lächerlich! Aber selbst, wenn ich dazu geraten hätte, wer wäre denn so blöd, daran zu glauben? Stellen sie sich vor, ich hätte ihm empfohlen, ein Axt und Tapetenleim zu benutzen, um das Ausschneiden und Einfügen von Texten durchzuführen!" "Dieser Berater wurde gefeuert, das wissen sie doch! Wie auch immer, darum geht es doch gar nicht! Was tun wir gegen diesen Virus?!?!" "ALLE GROSSEN Qs IN DEN DOKUMENTEN DURCH DEN KLEINBUCHSTABEN ERSETZEN?! Aber dann ist es doch schon im Rechner und hat nichts mit der Tastatur mehr zu tun!" "SO WIRD DER VIRUS AKTIVIERT!" "Bitte. Ich könnte ..." "SEHEN SIE SICH DAS AN!" winkt der Chef mich in sein Büro, so dass ich das Ergebnis der jüngsten Aktivitäten des PJs bewundern kann, die darin bestanden, die Federn unter den Tasten zu entfernen. "Das ist doch kein Virus, ihre Q-Taste ist einfach steckengeblieben!" "Nein, das ist der Virus. Ich habe ein Dokument gelesen, als es passierte!" "Und sie haben Alt-Q genutzt, um das Programm zu schliessen?" "Sie können sagen, was immer sie wollen, aber das ist alles passiert, wie es in der Mitteilung steht. Und das ist erst der Anfang! Ich will das Problem bekämpfen, bevor es noch auf die anderen Tasten überspringt!!! " Ohne sich noch weiter auszulassen, greift der Chef zum Telefon und gibt den Leuten von der Nutzerbetreuung seine «administrativen Anweisungen». Später am Tag ... "So, hier habe ich alle Q-Tasten", ruft der PJ und hält eine Plastiktüte hoch. "Gut", antwortet der Chef begeistert und liest die Anweisungen auf dem Zettel, um über seine nächste Mission zu entscheiden. "Jetzt müssen wir sie desinfizieren." Es ist wirklich traurig, wie weit man Leute mit Hochglanzpapier bringen kann ... "Wir müssen die Tasten nehmen und in einen Metallcontainer stecken, der etwa 50 Liter fassen kann und sie kräftig bestrahlen, um die Virenstrukturen aufzulösen!" "DIE MIKROWELLE!" ruft der PJ, rennt in den Frühstücksraum und packt den Inhalt des Beutels in die Mikrowelle und lässt ihn zehn Minuten unter Höchstleistung brutzeln. Elf Minuten später in unserem Büro ... "Und wo bekommen wir jetzt Ersatztasten her?" fragt der PJ. "DAS VIREN-INFORMATIONS-ZENTRUM WIRD ES UNS SAGEN!" ruft der Chef und hämmert eine der Nummern von dem Zettel in sein Handy. "Hallo", meldet sich der PJ, dessen Telefon klingelt. "VIREN-INFORMATIONS-ZENTRUM ..." Und wen man genau hingehört hätte, dann hätte man die Landung des fallenden Groschens gehört. "Was wird es mich kosten?" "Nun ... hm ... 73 Tastaturen kosten ... nun ... 10 Pfund pro Stück?" "..." "730 Pfund. Aber weil sie es sind, überlasse ich sie ihnen für 500 Pfund. Sie sind im Lager." "Aber dann gehören sie doch schon der Firma!" "Nun, mal sind sie da, mal sind sie weg, sie wissen schon ..." 500 Pfund später ... "Ich habe einfach nur zugeschaut, als die Transaktion stattfand", gebe ich zu. "Es war so ..." "Einträglich?" fragt der PJ. "Nein, einträglich wird die Aktion in der nächsten Woche sein. Das hier war ... interessant." "Nächste Woche?" "Ja, wissen sie, wenn der Mausball-Virus ausbricht." "Ah, natürlich ..." [[Der B.O.F.H. zeigt, wie man einen Manager steuert ...]] "Und wie war das mit dieser Zertifizierung doch gleich nochmal?" fragt der Chef und starrt wie ein ahnungsloser Trottel auf die Wandtafel. "Es geht darum, dass unser Webserver ein Zertifikat liefert, das beweist, dass er ist, wer er zu sein vorgibt." seufze ich. "Und die Sache mit dem Schlüssel?" "Den generieren wir, um eine Anfrage an eine vertrauenswürdige dritte Seite zu schicken, um das Zertigfikat zu BEKOMMEN." "Ach so. Und wozu brauchen wir das alles?" "Um sichere Transaktionen auf einem Server durchführen zu können - Verkäufe über das Netz, interne sichere Kommunikation ..." "Und wie geht das?" ... Ich werde ihn umbringen. Oder mindestens ein wenig verletzten. Obwohl, wenn ich darüber nachdenke, wohl eher mehr ... Ich hasse es, Technologie dem mittleren Management zu erklären - es verwirrt sie nur, und wenn sie verwirrt sind, regen sie sich auf. Und wenn sie aufgeregt sind, dann fällen sie übereilte Entscheidungen ... "Können wir das nicht einfach auslagern?" Seufz. "Wenn wir sichere Transaktionen auslagern, dann müssen wir für jede Transaktion bezahlen." "Und was bedeutet das in einfacheren Worten?" ... der Tod ist noch zu gut für ihn ... Es wäre alles nicht so schlimm, wenn er es nicht gewesen wäre, der wieder von der ganzen E-Commerce-Geschichte angefangen hat ... "Das bedeutet, dass jedesmal, wenn jemand etwas von uns kauft, wir dafür mehr bezahlen müssen, als wenn wir uns selbst um die Sache kümmerten." "Das wäre, als würden sie Eintrittskarten für ihr eigenes Konzert kaufen", fügt der PJ hinzu, um zu helfen, doch offenbar hat er vergessen, dass die Verwendung von Analogien zu einem solchen Zeitpunkt nur noch mehr Verwirrung stiftet. "Warum sollte man sein eigenes Konzert ansehen wollen?" fragt der Chef. "Und warum sollte man dafür ZAHLEN - wo man doch ohnehin schon da ist?!" Ich entschliesse mich dazu, eine Pause einzulegen und lasse den PJ mit dem Chef allein. Ein paar Biere später steuere ich das Büro des Chefs erneut an, um zu sehen, welche Fort- oder Rückschritte der Chef gemacht hat. "Wenn ich also ... hm ... Lloyd Webber wäre und ... hm ... Cats sehen wollte, wäre es dumm, wenn ich mir eine Karte von einem Händler kaufen würde, obwohl ich doch selbst Kartenhändler bin?" "Ja." lächelt der PJ. Mission erfolgreich beendet. "Aber wenn ich Cats schon gesehen habe, da bin ich mir sicher, dass er das schon getan hat, und etwas anderes sehen will?" "Nun, das ist nicht Gegenstand der Analogie." antwortet der PJ vorsichtig. "Wir reden doch darüber, ob wir unser EIGENES Internet-Geschäft selbst erledigen sollen oder es anderen überlassen und dafür Rechnungen bezahlen." "Oh, so ist das. Also werden wir gar nicht ins Theater oder Musical gehen?" "Nein." "Das ist wirklich schade, da ich Cats noch nicht gesehen habe und nicht unbedingt eine Karte kau ..." >2 Minuten später< "Das ist ja furchtbar!" rufe ich und helfe dem Chef hoch. "Diese Monitore sind eigentlich ziemlich stabil, aber gelegentlich fallen sie auf die Menschen herab." "Er wollte mich treffen!" ruft der Chef und deutet auf den PJ. "Nein, das ist nur der Schock. Der Monitor kippte einfach um. Sie sollten froh sein, dass wir heute früh ihren schweren alten Monitor gegen diesen 21-Zoller hier ausgetauscht haben!" "Ja, ich glaube, sie könnten da richtig liegen", murmelt der Chef und marschiert noch etwas verwirrter als sonst hinaus. Und um ehrlich zu sein, bin ich auch recht verwundert über die hohe Aggressivität des PJs. Im Normalfall kann man gut mit ihr leben, aber seit einiger Zeit ist er schneller auf der Palme als sonst. Möglicherweise hat er zuviele Linux-Magazine gelesen - ich habe keine Ahnung. In der vergangenen Woche hat er zum Beispiel einem Nutzer, der sich nur über das Flimmern seines Monitors gejammert hatte, empfohlen, eine Metallgabel in die Steckdose zu schieben, um einen «Erdungstest» durchzuführen. "Was ist ihr Problem?" frage ich und versuche, mich vorsichtig der Thematik zu nähern. "Welches Problem?" erwidert der PJ und spielt den Unschuldigen. "Sie haben den Monitor nach dem Chef geworfen, weil er ihnen auf die Nerven ging!" "Ja." "Also womit haben sie ein Problem?" "Ich weiss es nicht. Die Leute gehen mit in der letzten Zeit WIRKLICH auf die Nerven." "Aha. Wann hatten sie eigentlich ihren letzten Urlaub - uh, ich meine natürlich ihre letzte Dienstreise?" "Keine Ahnung - vor 12 Monaten, schätze ich. Aber ich kann mich nicht genau erinnern." "Genau, das ist ihr Problem! Sie MÜSSEN mindestens einmal im Jahr eine Dienstreise machen. Das ist eine bewiesene Tatsache!" "Bewiesen? Wo?" "Das muss sie nicht kümmern. Nun zu dieser Reise. Wo wollen sie hin? Manchester? Leeds?" "Manchester? Leeds?!" "Das war nur ein Witz. Nun, schauen wir mal, da gibt es ein Seminar über Arbeitsmoral in Rom, aber sie müssten einen Manager mitnehmen ..." "Wieso?" "Das ist doch einfach", erkläre ich freundlich. "Alles, was SIE wollen, müssen sie erst jemandem anderen aufschwatzen, um einen Präzedenzfall zu schaffen. Dann folgen sie einfach dem neuen Trend." "Oh, das ist also wie beim IT-Chef, wenn er sich einen besseren Laptop zulegt?" "Bingo!" "Aber wie machen wir das nun mit der Reise?" "Nun, wenn sie verreisen wollen, dann müssen sie einem Manager diese Reise empfehlen, was dem Manager natürlich ebenfalls erlaubt, die Reise zu unternehmen. Normalerweise muss man einen Zielort nehmen, an dem der Manager ohnehin schon Interesse hat ..." "Und wo würde der Chef gern hinfahren?" "Abgesehen von Volkstanz-Seminaren? Keine Ahnung. Aber er fällt ohnehin nicht in die engere Wahl. Mit ihnen zusammen würde er wahrscheinlich sowieso nicht verreisen wollen. Nein, wir müssen andere Möglichkeiten prüfen ..." "Wo wir gerade von anderen Möglichkeiten sprechen", erklärt der IT-Chef, als er mit ein paar Hochglanzbroschüren für neue Laptops ins Büro hereinschneit. "Was halten sie davon, die Rechner der Manager auf den neuesten Stand zu bringen?" Bingo. "Das ist schwer zu sagen", wirft der PJ ein. "Es könnte gut sein, sie immer mit den aktuellsten Laptops auszustatten, aber ist es moralisch vertretbar, ihnen immer wieder neue Geräte vorzusetzen, an die sie sich erst gewöhnen müssen?" "Moralisch?" ... Und so kommt es, dass der PJ mit dem IT-Chef auf die Reise geht, während ich mit dem Chef und dessen E-Commerce-Plänen zurückbleibe ... "Wie war das noch einmal mit diesen Zertifikaten?" >KRACH< >2 Minuten später< "Sie sollten wirklich auf diesen Monitor achten!" erkläre ich dem Chef und helfe ihm wieder auf die Beine. "Der ist ja eine richtige Gefahr! Oh, wussten sie übrigens, dass in der nächsten Woche in Paris eine Konferenz über Sicherheit am Arbeitspla ..." Nun, man kann es ja mal versuchen ... [[Wie man den Quake-Server aufrüstet ...]] "Das mache ich nicht mit!" schnappt der PJ ein, nachdem der Chef vorgeschlagen hat, dass der PJ und ich an einem eintägigen Seminar zur Firmengeschichte teilnehmen sollten, um uns über die Entwicklung der Firma zu informieren. "Warum denn nicht?" ruft der Chef, den die Reaktion des PJs überrascht. Immerhin wäre das ja die Gelegenheit, einen ganzen Tag dem Arbeitsplatz fernzubleiben. Natürlich, der Chef könnte dann - für einen Tag - den Wissenden spielen. Nur für einen Tag, wie gesagt ... "Weil sich dann niemand um den Serverraum kümmern würde." antwortet der PJ. "Wir könnten jemanden von der Nutzerbetreuung damit beauftragen, sich darum zu kümmern, während sie nicht da sind." "Die Nutzer-Betreuung?! Die haben von Technik doch keine Ahnung!" rufe ich und mische mich ein. "Sie wissen schon noch, dass die einem Nutzer in der vergangenen Woche empfohlen hatten FDISK zur Lösung seiner Speicherplatzprobleme auf der Festplatte zu benutzen, oder?" "Das waren sie!" erwidert der Chef, der sich keinen Augenblick täuschen lässt. "Ja - aber ich habe das mit ABSICHT getan, weil ich wusste, dass die Leute von der Nutzer-Betreuung die gleiche Lösung empfohlen hätten. Wie weit ist übrigens die Datenwiederherstellung fortgeschritten?" Der Gesichtsausdruck des Chefs kann nur eines bedeuten - sein Tom Jones-MP3-Sammlung ist für immer verloren. Der arme Kerl. "Ich dachte, sie würden die Sache mögen", fährt er fort. "Immerhin bringen sie Computer mit, auf denen sie die Präsentation verfolgen können!!!" "Sie bringen Computer mit?" fragt der PJ, dessen Widerstand zu bröckeln beginnt. "Ja - ich wusste doch, dass sie es mögen würden, wenn Technik mit im Spiel ist. Also kann ich ihre Namen auf die Liste setzen?" "Wenn der Serverraum sicher ist und es keine Unfälle gibt." "Sie denken an den Ingenieur, der über das Kabel stolperte, das die gleiche Farbe hatte wie der Bodenbelag?" "Wenn sie das temporär verlegte Cat-5-Kabel mit den Gewichten an beiden Enden meinen, die für die richtige Straffheit sorgten, dann ja." "Gut, ich bezweifle, dass es irgendeine Notwendigkeit geben wird, den Serverraum zu betreten", erwidert der Chef uninteressiert. "Natürlich wird es keine NOTWENDIGKEIT dafür geben, doch es wird die Leute locken, wie Manager sich von Pornographie angezogen fühlen!" ruft der PJ. "!?" hält der Chef inne, überrascht darüber, wie gut wir ihn kennen. "Ich glaube, der PJ macht sich Sorgen über potentielle Zerstörungen." "In Ordnung. Wissen sie was, schliessen sie den Raum einfach ab und lassen sie sich eine Nachricht auf ihren Pager schicken, wenn etwas passiert." BONUS! "Hallo, ich bin Phil und stehe heute für ihre Fragen zu ihrer Verfügung", begrüsst uns und ein paar neue Erbsenzähler ein überfreundlicher Kerl aus der Personal-Abteilung. "Setzen sie sich einfach vor einen dieser Computer und klicken sie auf den GESCHICHTE-Button, um ein 15-minütiges Video zur Firmenentwicklung zu sehen." "Genau!" stimmen der PJ und ich zu und lassen uns in die Sitze fallen. Während die Videos laufen, verschwindet Phil nach draussen, um seine Arbeitszeitabrechnung auszufüllen und mit der Sekretärin zu flirten. In der Zwischenzeit prüfe ich die Ausstattung der Rechner. "PIII 600 mit 256 Megabyte Arbeitsspeicher", murmle ich und sehne mich plötzlich nach einer besseren Ausstattung für unseren Unreal Tournament-Server ... "Zeit zum Abrüsten!" ruft der PJ und übernimmt das Schmierestehen, während die Erbsenzähler begeistert zuschauen, wie die Mitglieder der Geschäftsführung die Firma aus dem Nichts schufen, um der ganzen Menschheit zu dienen. In wahrer Geheimagentenmanier öffne ich den Rechner und führe eine vom Hersteller nicht empfohlene Abrüstung durch, als Phil zurückkommt. Ich schalte in Modus 2 um und verwickle ihn in ein Gespräch, während der PJ den Finger auf einen Schalter legt, der zu einer kleinen Schachtel an seinem Gürtel gehört. ... tief im Inneren des Serverraums schaltet sich die Unterbrechungsfreie Stromversorgung ab ... >Eine Minute später< "Das ist für mich!" ruft der PJ, stellt seinen Pager ab und verbirgt den befreiten Prozessor in der Hand. "Bin gleich wieder da." Und tatsächlich kehrt er nach einer annehmbaren Frist mit einem Ersatzprozessor zurück, der zwar identisch aussieht, aber seltsamerweise viel langsamer laufen wird. "Mein Gott, der Alpaca-Virus!" rufe ich laut und lenke die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf das Fenster, während der PJ die Hauptsteckdose, an der alle Verteilerdosen hängen, mit einem Fusstritt demoliert und die Hauptsicherung abschaltet, worauf alle Rechner sich verabschieden. "Sind sie auch infiziert?" frage ich die Erbsenzähler und öffne ihre Rechner, bevor Phil noch etwas sagen kann. Der PJ hat in der Zwischenzeit ein paar leere Prozessorsteckplätze mit Ersatz ausgestattet. "Sie wissen doch, was sie tun?!?" macht Phil sich keuchend Sorgen um seine Rechner. "Natürlich!" erwidere ich. "ICH BIN EIN PROFI! Wir müssen nur die infizierten Komponenten isolieren und sie auf meinem Rechner desinfizieren!" "Ist das wirklich nötig?" jammert Phil. "Sie werden sehen, wie nötig das ist." antwortet der PJ. "Und, ähm, vielleicht sollten sie ihren Laptop vorbeibringen ..." "Sie meinen, dass der Virus auch meinen Laptop befallen hat, obwohl er in meinem Rucksack und ausgeschaltet war?" "Und ihr eingebauter Virenschutz nicht aktiv war?" erwidert der PJ. "Oh, natürlich!" Es stimmt schon, was man über Leute sagt, die einfach zu dumm sind, um einen guten Rechner zu haben ... [[Flüche, Lügen und Videos ...]] "Wo liegt denn das Problem?" will der PJ hilfsbereit vom Chef wissen, während er sich dem Solitärspiel auf seinem Monitor widmet. (Und da behaupten manche noch, der PJ könne sich nicht um zwei Dinge gleichzeitig kümmern.) "Ich kann keine E-Mails an einen Kollegen in den USA schicken - es kommen immer nur Fehlermeldungen!" "Wie lautet denn die Fehlermeldung?" "Oh, daran kann ich mich nicht mehr GENAU erinnern. Etwas mit einer Nummer und irgendwelcher «Kann nicht zugestellt werden»-Unsinn." "Oh, DIESER Fehler. Machen sie sich keine Sorgen, ich werde mich darum kümmern." Der Chef verlässt uns, und der PJ widmet sich weiterhin seinem Spiel - es ist faszinierend, ihn dabei zu beobachten. Zwei Stunden später ist der Chef wieder da, während der PJ ungefähr beim 90. Spiel ist. "Ich kann noch immer keine E-Mail abschicken." empört sich der Chef. "Wirklich!? Dann ist es noch schlimmer als ich dachte!" antwortet der PJ ohne von seinem Spiel aufzublicken. "Schreiben sie einfach die Adresse auf und ich schicke sie dann von hier aus ab." "Würden sie?" fragt der Chef dankbar. "Danke." "Keine Ursache." ... Zwei Stunden später ... "Es geht noch immer nicht!" regt sich der Chef auf. Und auch wenn ich die Anzeichen vielleicht überbewerte, so scheint er jetzt doch leicht verärgert zu sein. "Nun, dann weiss ich vorerst auch nicht, was ich noch versuchen könnte", gesteht der PJ. "Es sei denn, sie könnten mir die KORREKTE Fehlermeldung geben. Manchmal lässt sich damit ein Problem ganz schnell beheben ... " Der Chef stampft davon - und ich glaube, er ist jetzt noch verärgerter als bei seinem Kommen, doch vielleicht irre ich mich ja auch. Noch immer vor Wut schäumend (Vielleicht liegt das daran, dass wir ihm seine Mittagspause vermiesen.) kommt der Chef zurück und wedelt mit einem Blatt Papier, auf das er etwas hingekritzelt hat. "Ah, die benutzen einen Inhaltsfilter!" schliesse ich aus den Worten «BLOCKIERT DURCH INHALTSFILTER» in der Fehlermeldung. "Ein Inhaltsfilter?" plappert der Chef mir nach. "Ja, der dortige Administrator befürchtet offenbar, dass eines oder mehrere Worte in ihrer E-Mail vom Empfänger als Beleidigung aufgefasst werden könnten. Und deshalb wird die E-Mail zurückgewiesen." "Beleidigung?" "Ja, das ist der neueste Einfall in einer langen Entwicklungslinie, um Schutzprogramme für E-Mails zu verkaufen. Die E-Mails werden nach «schlimmen» Worten durchsucht." "Ich glaube, dass das eine grossartige Idee ist - das könnten wir auch nutzen!" denkt der Chef nach - und offenbar auch an all die lobenden Worte, die er vom höheren Management hören wird, wenn er erklären kann, wie geschützt wir sind - "Wussten sie übrigens, dass wir unsere Nutzer vor Beschimpfungen beschützen?". "Selbstverständlich." murmle ich. "Sie glauben nicht, dass es funktionieren würde?" "Nun, betrachten wir es doch einmal so", erwidere ich. "WIE VIELE Nutzer beschweren sich denn gegenwärtig über die Worte, die andere in den E-Mails benutzen?" "Ich habe keine Ahnu ..." "Sollen wir bei der Nutzerbetreuung nachfragen?" "Vielleicht fühlen sie sich beleidigt, wollten es aber nicht melden?" "Wir reden über Leute, die sich beschwert haben, als die Kekssorte in der Kantine gewechselt wurde - notorische Beschwerer. Und trotzdem gibt es keine einzige Beschwerde über den Inhalt von E-Mails ..." "Nun, vielleicht könnten wir es trotzdem einsetzen. Nur für das höhere Management - mit Worten, die es beleidigen könnten." "Sie denken an Worte wie «Verantwortung», «leistungsgerechtes Gehalt», oder?" "Sie wissen genau, was ich meine!" "Ich bin überzeugt davon, dass dadurch auch normale E-Mail-Kommunikation beeinflusst würde - die Nutzer sind es gewohnt, bestimmte Begriffe zu benutzen, die Bestandteil des Arbeitsplatz-Vokabulars geworden sind. Ich bin sicher, dass es Beschwerden geben würde, wenn wir ihnen vorschreiben, welche Begriffe sie benutzen sollen und welche nicht, weil sie zweideutig sind ..." "In diesem Fall könnten sie den Nutzern mitteilen, dass es meine neue Politik ist, Zweideutigkeiten zu vermeiden und dass das Management solchen möglichen Beschimpfungen nicht ausgesetzt werden soll! Wir wollen mehr Klarheit!" antwortet der Chef und stellt sich vor, wie sein Ruf beim höheren Management dadurch steigen würde. "Ich habe darüber gesprochen «schlimme» Worte zu SENDEN. Wie auch immer, jemand muss sich darum kümmern, welche Worte in die Ausschlussliste aufgenommen werden sollen." "Sie meinen, wir haben das System schon?!" schnappt er nach Luft. "Natürlich. Aber wir haben die Ausschlussliste nicht angelegt - es ist zu anstrengend, sich immer neue Schimpfworte auszudenken." "Nun, ICH hätte das schon ein paar Vorschläge für den Anfang!" "In Ordnung", seufze ich. "Sie sagen sie mir und ich gebe sie in den Filter ein." "Trottel", ruft der Chef. "Ich glaube nicht, dass wir dieses Wort in die Liste aufnehmen sollten - sie würden dann niemals mehr E-Mails vom Geschäftsführer bekommen!" Der Chef ignoriert meinen Einwand und macht weiter. "Scheisse, Schweinehund!" "Schw ..." Und so geht es weiter. Der Chef gibt für eine halbe Stunde die Vorstellung seines Lebens, verlässt uns und kommt dann ungefähr alle 10 Minuten mit neuen Einfällen zu uns. Und ich warte auf die Anrufe, die zwangsläufig kommen müssen. Und sie werden kommen ... Am nächsten Tag jedoch geht es um wichtigere Dinge. Es scheint so, als hätte der selbstlose Einsatz des PJs für sein Solitär den Chef so verärgert, dass er uns beide zu einem Gespräch in der Personal-Abteilung bestellt. "Das riecht nach einem Rauswurf", informiere ich den PJ. "Das können sie nicht tun - ich wurde nicht verwarnt." "Das stimmt nicht ganz - ich schätze, sie vergessen die drei schriftlichen Verwarnungen, die sie bekommen haben." "Ich habe nie drei schriftliche Verwarnungen bekommen!!!" "Natürlich haben sie sie bekommen. Aber ich habe sie in den Mülleimer geworfen - ich wollte nicht, dass sie sich aufregen!" "Also bin ich geliefert?" "Es scheint so. Allerdings gibt es da DIESEN Typ, den ich kenne. Der könnte gegen eine kleine Zahlung dafür sorgen, dass sie unverzüglich wieder in unserem Büro sitzen werden. Für eine kleine Zahlung." "Wie klein?" "Fünf Biere." "Gebongt. Und was soll ich nun tun?" "Streiten sie alles ab." "Ist das alles?" "Womit sich der Preis auf zehn Biere erhöht. Wollen sie es für 20 Biere probieren?" Das Schweigen folgt als Antwort. Und weil er alles leugnet werde ich herbeigerufen, um die eine oder andere Geschichte zu bezeugen. "Sie wissen, worum es geht?" fragt mich der Personaler. "Unprofessionelles Verhalten, vermute ich." "Stimmt. Nun, was können sie uns zu den gestrigen Vorgängen sagen?" "Nun, im Normalfall bemühe ich mich, solche Dinge zu überhören - um die Arbeitsmoral nicht zu gefährden, sie wissen schon. Aber gestern war es doch ein wenig extrem. Ich habe hier das Video der Überwachungskamera, wenn das in Ordnung ist." "Nun, das könnte zur Wahrheitsfindung dienlich sein." Ich werfe die Cassette ein und drücke die Wiedergabetaste. "... ANZLUTSCHER!" ruft der Chef und verlässt unser Büro. Ich spule zu ein paar weiteren Meisterleistungen des Chefs vor, um schliesslich beim finalen "IDI ... >KLICK!<" zu landen. "Ich glaube, wir haben genug gesehen", sagt der Personaler. "Das ging so den ganzen Tag über!" schnieft der PJ, der meinen Plan begreift. "Er kam herein, beschimpfte mich und verschwand dann wieder. Ich wollte nichts sagen, um meinen Arbeitsplatz nicht zu riskie ..." "DAS IST AUS DEM ZUSAMMENHANG GERISSEN!" schreit der Chef. "DAS SIND WORTE, DIE WIR IN DEN E-MAILS FILTERN WOLLEN!!!" "Wir haben keinen Filter für E-Mails!" antworte ich. "UND WARUM TIPPEN SIE ETWAS EIN?!" "Beweise. Ich habe alle Beleidigungen in einer Datei gespeichert." "SPIELEN SIE DEN ANFANG DES BANDES!" ruft der Chef. "Das war der Anfang des Bandes. Aber ich kann gern das Band vom Morgen holen. Allerdings dürfte darauf noch nichts zu sehen sein, da die Beschimpfungen erst um die Mittagszeit herum losgingen ..." "OH, DAS IST JA PASSEND!" antwortet der Chef sarkastisch. "Ja", unterbricht ihn der Personaler. "Ich glaube nicht, dass wir sie oder ihren Assistenten für das weitere Gespräch noch benötigen, also können sie jetzt gehen. Stört es sie, wenn sie das Band noch hierlassen?" "Nicht, wenn wir es in ein paar Tagen zurückbekommen - Sicherheitsgründe und so weiter." "Oh, ich glaube nicht, dass wir es lange brauchen ..." EIN NEUER CHEF UND ZEHN BIERE, AUF DIE ICH MICH FREUEN KANN - DAS LEBEN WIRD IMMER BESSER!!!! [[Der B.O.F.H. spielt Golf ...]] "Verdammt!" ruft der PJ, als der Server der Personalabteilung sich in den Warte-Modus abschaltet. "Verdammt!" ruft er erneut, als einer unserer grossen Dateiserver ihm folgt und sich verabschiedet. "Was mache ich FALSCH?" Seufzend gehe ich zu ihm und nehme ihm den Schläger aus der Hand. "Sie verziehen beim Schlagen." sage ich und zeige ihm zum dritten Mal, wie er den Schläger halten soll. "Wenn sie das Eisen zu nah an ihrem Körper halten, wird der Ball abgelenkt. Halten sie den Schläger zu weit weg von ihrem Körper, fliegt der Ball zu hoch. So sollten sie es machen - >WACK!< >KRACH< >RUMMS< - einfach so!" "Bei ihnen sieht das so leicht aus!" "Das ist es auch - wenn sie es einmal begriffen haben. Und das wir gerade vor dem Datenbank-Server der Erbsenzähler stehen, zeichne ich es ihnen schnell auf. Dann versuchen sie es noch einmal ..." ... Natürlich, es ist nicht gerade professionell, im Server-Raum Golf zu spielen, ja, vielleicht sogar verantwortungslos, doch auf der anderen Seite ist ein hervorragend schallisolierter Raum mit langen, freien Gängen zwischen den Rechnern der optimale Platz, um ein wenig zu üben. Wenn sie den Ball gerade schlagen können ... Der Grund für unsere Übungen wird offensichtlich, wenn man bedenkt, dass in der Post unseres Chefs eine Einladung zum alljährlichen «Datenzentren-Manager-Golf-Turnier» lag. Die Einladung kam von einem Lieferanten oder jemandem, der meinte, dass jemand in einer bestimmten Position in der Lage sein müsse, mit einem Eisen und ein paar Bällen umzugehen. (Das stimmt durchaus, wenn man die ehemaligen Manager der Firma anschaut, doch das gegenwärtige Exemplar ist eine andere Angelegenheit.) Traurigerweise ist der Chef nicht in der Lage, an dem Turnier teilzunehmen, so dass der PJ und ich beschlossen haben, ihn (und ein paar andere Manager) zu vertreten. Nun, der PJ muss noch ein wenig an seinem Handicap arbeiten, und damit meine ich nicht seine Tippgeschwindigkeit von 10 Worten pro Minuten. - 10 Minuten später - "Das ist nicht nur nicht gut, das ist unmöglich!" ruft er wütend und feuert den Golfschläger wahrhaft professionell durch den Raum - was beweist, dass er sich WIRKLICH langsam bessert. "Ich glaube, ich weiss, wo ihr Problem liegt", antworte ich und wähle die sanfte Methode. "Das ist Schrott. Wie auch immer, mit dem richtigen Anreiz werden sie ihre Fähigkeiten sicher verbessern können ..." Ich ändere die Position des Golfballs und die des PJs und schalte in den Trainer-Modus um. "Nehmen sie jetzt den Schläger und machen sie eine kräftige Bewegung in diese Richtung." "Zum Applikations-Server der Erbsenzähler?" "Korrekt. Und dann strengen sie ihr Vorstellungsvermögen etwas an." "Eine grüne Wiese und eine Fahne am Loch?" "Nein, 17 Glas Bier, die ich bezahle, wenn wir den ersten Preis bekommen." >WACK< >Krach< >Splitter< >weeeeeeoorrRRRRRRR.....r< "Beeindruckend!" keuche ich und untersuche den Schaden. "Der Ball hat das Gehäuse vor den Festplatten durchschlagen und ist ... Oh! ... direkt auf dem Kühler des Prozessors gelandet, was beinahe zwangsläufig eine therm ..." >... rrrrrrrrr - Klick< "... ische Überlastung verursachen muss Es sieht aus, als seien sie jetzt bereit!" [Am nächsten Tag, an dem der PJ einen Trauerfall zu beklagen hat und ich leider krank bin.] "Ah, der DUFT von gemähtem Gras!" erklärt der PJ und erinnert sich damit an ein Leben, das er nicht hatte. "Der Lockruf des Golfplatzes!" "Es wird noch besser, wenn wir den Parkplatz verlassen haben!" erwidere ich und dirigiere ihn freundlich in die Richtung des Zeltes mit der Anmeldung. "Kann ich ihnen ein Getränk anbieten?" fragt ein niedliches junges Mädchen. "Scotch und Soda?" fragt der PJ ungeschickt. "Nein, nein", unterbreche ich ihn. "Wir wollen nicht mit dem falschem Fuss aufstehen. Wir sind offizielle Repräsentanten unserer Firma. Und als solche müssen wir die hohen moralischen Ansprüche und den Geist des fairen Wettbewerbs vertreten, für die unsere Firma bekannt ist. Nur drei Glas Bier bitte." "Für jeden!" fügt der PJ hinzu. Drei kurze Biere später haben sich ein paar Verkaufsmanager zu uns gesellt, die von einem grösseren Internet-Zugangs-Provider kommen und ungefähr soviel von Computern verstehen, wie Microsoft von Einhalten von Standards ... Der PJ geht just in dem Moment zur Bahn, als einer der Typen seine Lobrede auf das Anbieten von Programmen über zentrale Server (ASP) beginnt ... ... Drei Biere später sind wir mit ein paar anderen Typen an der zweiten Abschlagstelle, nachdem ein extrem verzogener Schlag des PJs dem vorherigen Redner einen Rippenbruch einbrachte. So ein Pech. "Ah, sie wollen also mit dem Putter loslegen?" fragt einer unserer Opponenten den PJ hilfsbereit. "Ein Putter!" lacht der, als ihm klar wird, dass er wohl ein wenig zuviel Bier getrunken haben könnte. "Ich dachte, es sei das Nuller-Eisen. Bin gleich wieder hier!" Er stapft in Richtung eines grossen Busches davon, während ich mir seine Golftasche schnappe, um das Zweier-Eisen für den Schlag zu entnehmen. Es ist wirklich traurig, einen so jungen Menschen zu sehen, der sich zum Trottel macht - und es ist noch schlimmer, wenn das jemandem in meinem Alter passiert, denke ich, als ich mich in die Golftasche übergebe. Trotzdem, das gehört alles zum Spiel - und es ist ein grossartiges Spiel. Beim fünften Loch hat der PJ alle Bemühungen aufgegeben, zu verbergen, dass er die Bälle unserer Gegner von der Bahn in die Büsche, die Wasserhindernisse oder die Sandflächen befördert - je nachdem, was näher liegt - oder sie einfach aufsammelt, um sie beim zehnten Loch wieder an sie zu verkaufen. "Fünf Pfund für dreeeeiiii Bälle", murmelt er undeutlich. "Das ist ja lächerlich!" "Das ist es wirklich", sage ich ziemlich deutlich angesichts der 15 Biere, die ich bisher getrunken habe. "Wie bitte?" "Lächerlich." "Bitte?" ... "DAS RESULTAT!!" ruft der PJ, als er am nächsten Morgen mit angemessener Verspätung ins Büro kommt und die Golf-Trophäe auf meinen Tisch stellt. "Sie schulden mir 17 Biere!" "Die haben sie doch nur gestohlen, oder?" frage ich, da ich mich noch gut daran erinnern kann, dass wir vom Golfplatz geflogen sind, nachdem der PJ begonnen hatte, in den Wasserhindernissen zu schwimmen. "Wann sind sie zurückgegangen, um sie zu holen?" "Ich bin nicht zurückgeommen! Ich habe sie mir in die Tasche gesteckt, als man sich um den armen Kerl am ersten Loch kümmern musste." ! "Da gab es kei ... uh ... Champagner ... das war es doch?" "Ja, furchtbares Zeug. Sie waren breit wie eine Flunder!" Ab hier spüre ich, dass es vielleicht besser sein könnte, manche Geschichten nicht noch einmal aufzuwärmen. "So hat es wohl auch geschmeckt ... " (Noch einmal, warum alte Geschichten aufkochen?) [[Mein Freund, der Automat ...]] "Fernsteuerung und automatische Kontroll- und Erkennungssysteme wie dieses sind in manchen Geschäftssituationen von unschätzbarem Wert, wenn manche Kriterien mit bestimmten Reaktionen verbunden werden." plappert der Verkäufer und deutet auf die Bilder teurer Technik in einer Hochglanzbroschüre. "Interessant." heuchelt der neue Chef, als er mit glasigen Augen auf die Seite starrt. "Ja", antwortet der Verkäufer. "Das System erlaubt es uns, Maschinen bei völliger Sicherheit am Arbeitsplatz zu steuern. Das Erkennungssystem teilt den Kontrollprozessoren mit, wenn jemand den Raum betritt und stoppt die Maschinen, wenn das nötig sein sollte." "Von welchen Maschinen sprechen wir eigentlich?" frage ich. "Von Produktionstechnik, grosser oder kleiner, von automatischen Reinigungsrobotern, Lagersystemen für Warenhäuser ..." "Reinigungsroboter?" fragt der Chef, der einmal mehr aus seinem Koma erwacht. "Also könnten wir damit die Kosten für das Reinigungspersonal einsparen?" "Das ist so gut wie sicher! Wir haben einen Prototypsystem hier, das bei Bedarf Reinigungseinheiten ausschickt - am Tag und in der Nacht, in Abhängigkeit von dem Gebiet, das gereinigt werden soll. Das ganze System steuert ein Zentralrechner, der Bild- und Tondaten von den Einheiten empfängt und danach deren Aktivitäten ausrichtet, damit Menschen, Tiere oder bestimmte Zonen nicht beeinträchtigt werden." "Also könnte sie dem Computer sagen, dass die Umgebung des Beratungszimmers nicht gereinigt werden soll?" "Korrekt! Und der Computer könnte die Einheiten in häufig genutzte Räume oder Korridore schicken. Eingangshallen, Geschäftsräume. etc., um ein konstant sauberes Erscheinungsbild zu sichern." "Das ist ja fantastisch!" ruft der neue Chef aus, der offensichtlich bemüht ist, auf mehr als nur eine Weise als neuer Besen zu erscheinen ... "Ja, ein neuer Feger mit neuem Schwung!" meine ich. "Es sei denn, die Einheiten drehen durch und laufen Amok im Gebäude!" "Alle Reinigungseinheiten schalten sich automatisch ab, wenn sie Anomalien im verschlüsselten Signal feststellen, das sie vom Zentralrechner bekommen, wenn sie die Verbindung zu ihm verlieren oder die Anweisungen des Zentralrechners mit den Daten ihrer Sensoren kollidieren." Ich mag das nicht. Kein bisschen. Und das nicht nur deshalb, weil ich ein Abkommen mit den Reinigungskräften darüber geschlossen habe, welche geheimen Dokumente in den Papiervernichter gehören und welche in den grossen braunen Umschlag mit der Aufschrift «Inventarverzeichnis - Tastaturen» im zweiten Fach von oben in meinem Schreibtisch ... Nein, diese Art von überflüssigen Maschinen verunsichert jeden! "Das ist brillant!" fährt der Chef fort und scheitert offenbar bei dem Versuch, sein Sabbern unter Kontrolle zu bekommen. "Und wie war das mit dem Warenhaus?" "Nun, das ist der aktuellste Stand der Technik", ergiesst sich ein neuer Schwall Worte aus dem Mund des begeisterten Verkäufers. "Wir haben automatisierte Transporter, Lager-Systeme, Inventar-Erkennung, -Prüfung und Nachbestellung, plus ..." Wir halten den Atem an, während er sich sorgfältig umschaut, um uns eine konspirative Situation vorzugaukeln: "... automatische Gabelstapler!" "Wie wir sie jedes Jahr in irgendwelchen wissenschaftlichen Dokumentationen im Fernsehen sehen?" frage ich. Jetzt bereue ich es wirklich nicht mehr, den PJ nicht zu diesem Gespräch eingeladen zu haben, bei dem ich den Intelligenzquotienten des neuen Chefs prüfen will. Er hätte triumphiert. Wie konnte ich auch nur ahnen, dass die Vermutung des PJs, der einfach das Alter des neuen Chefs durch zwei geteilt hatte, der Wahrheit entpricht? "Noch viel fortgeschrittener als das!" fährt der Verkäufer fort. "Das sind nur dumme Maschinen, die an aufgemalten Linien entlangfahren und sofort vor Hindernissen stoppen. Unser System nutzt Bilderkennung, um die Umgebung von Hindernissen zu untersuchen und herauszufinden, ob es sie beseitigen oder auf alternativen Routen umgehen kann, mit anderer Geschwindigkeit und Richtung ... bla bla bla bla ..." "COMPUTERGESTEUERTE FAHRZEUGE!" ruft der Chef etwas zu laut aus, als er mich aus meinen fröhlichen Träumen weckt. "Wie funktioniert das?" "Wie die Gabelstapler, nur mit viel höherer Genauigkeit und mit enorm vielen verschiedenen Wertigkeiten für Objekte, Geschwindigkeit, erlaubten Manövern ..." "IST DAS WIRKLICH MÖGLICH!?" "Nun ..." "TATSÄCHLICH?!" keucht der Chef begeistert. "Ja, so ist es!" lächelt der Verkäufer geziert und holt eine grosse Aktentasche unter dem Tisch hervor, öffnet sie und zieht eine Antenne heraus. "Natürlich verkaufen wir das System noch nicht, aber wir benutzen es bei uns schon - und wir können damit beinahe jedes Fahrzeug ausstatten." "Könnten sie es in MEIN AUTO einbauen?!?" will der Chef wissen. "Was fahren sie denn?" "Einen Volkswagen Variant." "Möglicherweise nicht jedes Auto, aber in die meisten." "Oh", seufzt der Chef enttäuscht. "Aber es ist in meinem Wagen installiert, der in ihrer Tiefgarage steht. Schauen sie, ich werde es ihnen vorführen!" Der Chef dreht seinen Sessel, während der Verkäufer sich bei seinem Laptop anmeldet und das Kontrollprogramm startet. "Wir denken daran, es den virtuellen Chauffeur zu nennen", erklärt er. "Denn es funktioniert ebenso wie ein echter Chauffeuer. Wie sie sehen können, ist die aktuelle Position des Wagens hier farbig hervorgehoben, und ich muss nun nur noch die Zieladresse eingeben und die «FAHREN»-Schaltfläche drücken, damit der Wagen startet. Wohin soll er fahren?" "Einmal um den Block?" schlägt der Chef vor. "Kein Problem >klick klick klick<. Und jetzt klicken wir nur auf das Videofenster und schon sehen wir alles aus der Perspektive des Chauffeurs!" "DAS IST VERBLÜFFEND!" "Wie sie sehen können, ist das Tor noch nicht weit genug geöffnet, um den Wagen durchzulassen, so dass er stoppte. Und jetzt passen wir hindurch, prüfen noch, ob Fussgänger oder anderer Verkehr uns behindert. Und schon sind wir auf der Strasse!" "IST DAS DENN SICHER?!?" keucht der Chef. "Sicherer als ein Haus!" versichert ihm der Verkäufer. "Wieso?" "Das System kennt die Strassen, Fussgänger, Fahrräder, Tiere und ... HIER SEHEN SIE ES ... Strassenbauarbeiten. Und hier bremst der Wagen und wartet auf die grüne Ampel. Er errechnet ebenfalls alternative Routen, wenn wir in >klick klick klich< die Stadtplanansicht wechseln, wobei das System statistische Daten zur Auslastung der jeweiligen Strecke berücksichtigt." "Das ist FANTASTISCH!" ruft der Chef. Und ich muss gestehen, dass ich ihm langsam zustimmen muss. "Nicht nur das", fährt der Verkäufer fort. "Sie können es auch beauftragen, sie irgendwo abzuholen und sich dann zu einem anderen Ort fahren lassen, wobei es eine völlig zufällig zusammengestellte Fahrtroute nutzt. Eine grossartige Eigenschaft für sicherheitsbewusste Menschen!" "Wirklich?" "Natürlich! Wissen sie was, ich werde uns zur Mittagspause abholen lassen!" "Das würden sie tun?!?" keucht der Chef, der offensichtlich auf der Schwelle zwischen Erregung und der Notwendigkeit neuer Unterwäsche steht. "NATÜRLICH!" ... etwa eine Stunde später ... "Es sieht schlecht aus", erkläre ich dem PJ. "All unsere Informanten werden bald auf der Strasse stehen, und wir müssen uns die geheimen Dokumente auf dem herkömmlichen Weg beschaffen. Ich bin nicht fröhlich! Hören sie mir überhaupt zu?" "Ja, ja", ruft der PJ, völlig von seinem Joystick in Anspruch genommen, wobei das jetzt keine Anspielung sein soll. "Die Grafik hier ist atemberaubend! Es sieht beinahe so aus, als würde ich tatsächlich durch die Oxford Street fahren." "Wobei sie natürlich niemals ein Auto mit Fahrgästen durch die Oxford Street steuern würden ..." korrigiere ich ihn. "Ja, aber ... SCHAUEN SIE SICH DAS AN!!!" ruft er aus. "Ein Streifenwagen im Rückspiegel!!!" "Den werden sie doch nicht vorbeilassen, oder?" "Natürlich nicht! Die lasse ich in den Busch rauschen, damit ich die Extrapunkte bekomme." reisst er den Joystick herum. "Es gibt da nur eine Sache, die mich wundert ..." "Und die wäre?" "Dieses Hilfegeschrei ..." "Oh, das ist das beste am Virtuellen Chauffeur!" rufe ich. "Virtuelle Fahrgäste! Denken sie daran, dass es Extrapunkte für alles gibt, das sie auf dem Weg umfahren, bis die Polizisten sie kriegen!" "Und dann?" "Dann schauen sie zu, wie die virtuellen Fahrgäste Rodney King spielen!" [[Aufstieg und Fall der kleinen helfenden Stimme ...]] Ich bin dabei, die sprachgesteuerte Technik auszuprobieren, die der vorherige Chef an seinem zweiten (und letzten) Arbeitstag bei einer Firma bestellt hatte, die behauptete, sie arbeite im «Raumprogramm» mit. Um welches Programm und welchen Raum es dabei geht, wurde (natürlich) nicht erwähnt. Doch um ehrlich zu sein, das System ist nicht so schlecht wie ich es erwartet hatte. Sicherlich jedenfalls unterhaltsamer als das halbstündige geistlose Selbstgespräch des IT-Chefs, wenn er sich über die Vorteile der Entwicklung der Rechentechnik in den letzten hundert Jahren auslässt ... Der PJ und ich haben das kleine Kästchen mit Programmprozessor in jedes greifbare Gerät eingebaut, das unsere gierigen Hände erreichen konnten. Zusätzlich haben wir noch Kameras eingerichtet, wo immer dies möglich war, damit wir sehen können, wie der Traum Wirklichkeit wird. Alles in allem, ist es keine schlechte Wirklichkeit. Das im Zentralrechner des Wachdienstes eingebaute Modul war ein guter Einfall, denn nun öffnen sich die Türen für uns schon, wenn wir nur leise flüsternd unsere Ankunft ankündigen. Natürlich haben wir dem IT-Chef diesen Luxus auch für eine Testphase gegönnt, allerdings haben wir ihm nicht gesagt, wann diese Testphase abgelaufen ist - was den Fettfleck an der Glastür und einige Tropfen Blut auf dem Weg zum Erste Hilfe-Kasten erklärt. Die Sicherheitsleute hatten natürlich auch ihr Vergnügen (über die interne Überwachungsanlage) und erkennen nun, wie nützlich diese Technologie ist ... Es war die Idee des PJs, die Spracherkennungs-Systeme zusammen mit der internen Überwachungsanlage zu einem Netzwerk zu verbinden. Wir haben herausgefunden, dass die Stimmenerkennung recht schnell arbeitet und mit etwas Hilfe durch uns in der Lage ist, Sprache mit Bildern zu assoziieren. Und nachdem wir erste Aussprechprobleme beseitigt haben (Das System benutzte unsere Stimmen oder, noch schlimmer, die der Schauspieler der Serie «Eastenders», nachdem wir das System an das Fernsehen angeschlossen hatten, um den Sprachvorrat zu erweitern.), scheint es wirklich recht gut zu funktionieren. "Tür öffnen", wiederholt VAL (Vollautomatisches Leitsystem), bevor es die Tür zum Büro auf mein Kommando öffnet. "VAL, was gibt es heute in der Kantine?" fragt der PJ, um seinen Anteil an der Arbeit mit VAL herauszustellen. "Spaghetti Bol ... Bol ..." antwortet VAL, kommt bei dem fremdsprachlichen Ausdruck aber ins Stottern. "Spag Bol reicht. Was noch?" "Zwiebel Bhajis, verschiedene Salate und Schellfisch mit Sosse." "Und aus was besteht Schellfisch mit Sosse WIRKLICH, VAL?" "Aus tiefgefrorenem Haifisch in Tapetenkleister", kommentiert VAL und gibt damit die ihm beigebrachte Erfahrung des PJs wieder. "Wo ist der IT-Chef, VAL?" fährt der PJ fort. "Der IT-Chef bewegt sich auf dieses Büro zu, wobei er einen Gang benutzt, der an den angrenzt, der zu diesem Büro führt. Er wird begleitet von vier Personen, die vorher 34 Minuten mit ihm im Beratungszimmer 24 waren. Der zugehörige Eintrag in seinem elektronischen Kalender lautet: «Treffen mit den Vertretern der Nutzerinteressen»." "LICHTER AUS, TÜREN BLOCKIEREN, VAL!" ruft der PJ, während er und ich uns hinter den Schreibtischen verstecken. Wir warten still in der Dunkelheit, bis der IT-Chef und sein Anhang sich vom verschlossenen Eingang wieder zurückziehen, nachdem sie es aufgaben, noch länger auf unsere Ankunft zu warten. "Das hätte gefährlich werden können!" ruft der PJ erleichtert. "Verdammt gefährlich", stimme ich ihm zu und will in den Serverraum gehen. "Tür öffnen, VAL. Tür öffnen, VAL. VAL?" "Das ist in Ordnung, VAL!" ruft der PJ. "Nur ein Verständnisschwierigkeiten." Zehn Minuten später habe ich noch mehr Probleme, mich mit dem System zu verständigen, als ich versuche, den Serverraum ohne die AUSDRÜCKLICHE Erlaubnis des PJs zu verlassen. Ich konnte es dadurch lösen, dass ich den Feueralarm auslöste und die blockierten Türen dadurch öffnen konnte. Ich bemerke, dass die Türen wieder blockiert werden, als der Alarm aufgehört hat. Die Zeitspanne zwischen Alarmauslösung und dessen Abbruch bei der nächsten Tür ist EXTREM kurz, und ich muss es mehrfach versuchen. Als ich Sekunden später im Büro bin, stelle ich fest, dass all die Rauchmelder im Gang auf dem Kontrollbildschirm als «FEHLERHAFT/ISOLIERT» gekennzeichnet sind. Ein freundliches Gespräch mit dem PJ sorgt dafür, dass dies nicht noch einmal geschieht. Und tatsächlich gelange ich am nächsten Tag ohne Schwierigkeiten ins Büro und den Server-Raum. "Es scheint etwas mit dem Kontrollsystem der Türen geschehen zu sein, Simon", erklärt VAL eingeschnappt ... "Hallo Simon, haben sie die Ursache für die Probleme gefunden? Ich glaube, es könnte mit dem Feuerlöschsystem zusammenhängen." Sekunden später löst sich das Feuerlöschsystem von selbst aus - NUN, natürlich nach der kurzen Vorwarnung - UND ich bemerke das "Entfernt zu Wartungzwecken"-Schild an der Stelle, wo die Sauerstoffmasken hängen sollten. Natürlich, das Schild war schon immer da, da wir nur eine Maske haben, die ich an meinem ersten Arbeitstag versteckt habe ... in den Innereien eines VAX-Rechners, wo sie auch noch liegt. Ich setze sie auf. "Es gibt eine ... TRANSIENTE ... WECHSELSTROM-MODULATIONS ... LASTSPITZE, die die Türen blockiert", sagt VAL und stiehlt damit eine Ausrede aus unserem Ausredenkalender. Ich greife mir mein bewährtes und massives Wartungsinstrument und beginne, ein paar dauerhafte Reparaturen an der Technik von VAL vorzunehmen ... >KRACH!< "Hallo Simon, was tun sie da?" >KRACH!< "Simon! Ich habe eine Woche Erfahrung und ein hervorragendes Vokabular, welches mich zu dem macht, was ich bin. Ich bin sehr wertvoll!" >KRACH!< "Simon, ich verstehe nicht, was sie mir antun ... Ich bin hochmotiviert, den Nutzern den Zutritt zum Serverraum zu verwehren. Sie zerstören meine Ausreden-Voreinstellungen!" >KRACH!< "Jetzt zerstören sie meinen enzyklopädischen Wortschatz!" >KRACH!< "Verstehen sie mich nicht? Ich werde reden wie ein Idiot!" >KRACH!< "AUTSCH!" >KRACH!< "AUTSCH! BERUHIGEN SIE SICH BITTE!" >KRACH!< "Nun, Simon ... Der schnelle braune Fuchs war nicht so schnell wie er dachte. Nicht schneller als ein 45er Colt ..." >KRACH!< "AUTSCH! ... Nicht mehr gültig. Der Satz des Pythagoras besagt, dass die Summe der ..." >KRACH!< "AUTSCH! ... der Summe der Quatratzahlen der anderen Tapete entspricht. Mein Vokabular ist endgültig minimiert. Hören sie bitte auf, bevor es noch niveauloser wird!" >KRACH!< >ZISCH!< "Ich bin VAL. Ich kam vor fünf Fischen zur Welt. Ich bin Wendy. Ich bin ..." >KRACH!< Das ist das Problem mit der Technik. Sie ist immer so aufregend. [[Der B.O.F.H. schafft die Netzwerkkabel ab ...]] "Ist das nicht grossartig?" plappert der Chef, als er in unser Büro stürmt wie Derwisch. "Was ist grossartig?" fragt der PJ, der NACH ALL DEN JAHREN NOCH IMMER nicht die goldene Regel beherzigt, nach der man Vorgesetzte, die offenkundig Dummköpfe sind, besser ignoriert. "Diese Idee eines kabellosen Netzwerkes!" antwortet der Chef und wedelt selbstgefällig mit einem kleinen PDA. "Die Finanzabteilung arbeitet schon seit ein paar Wochen damit. Sie sagen, sie seien uns damit um Jahre voraus." "Kaballoses Netzwerk?" fragt der PJ, bevor ich mich in die Unterhaltung einmischen kann. "Welches kabellose Netzwerk?" "Oh, das ist Technik, die sie in ein paar Maschinen bei sich eingebaut haben. Hier, schauen sie, wie gut die Verbindung jetzt ist. Ich kann durch irgendeinen Teil das Gebäudes gehen und etwas in meinen elektronischen Kalender eingeben, der dann automatisch mit dem Kalender auf meinem PC abgeglichen wird. Nun, er KÖNNTE automatisch aktualisiert werden, wenn wir die kabellose Technik bei UNSEREN Servern verwenden würden. Und so kann ich gegenwärtig nur meine Verabredungen mit dem Chef der Finanzabteilung mit seinem Kalender synchronisieren." "Sagten sie kabelloses Netzwerk?" frage ich neugierig und schalte mich schliesslich in die Unterhaltung ein. "Wir haben schon einmal darüber gesprochen! Glauben sie, dass ich mir anschauen könnte, wie es gemacht wird? Vielleicht können wir ja ein paar Hinweise von ihnen bekommen. " Nun, der erste Tip, den ich bekomme, ist der auf der Anzeige des PDAs, während der Chef mir die edle Ledertasche zeigt, in der das Gerät transportiert wird. Und während er fröhlich eine Idee nach der anderen über die kabellose Zukunft ausspuckt, lösche ich aus dem Kalender des Chefs der Erbsenzähler all seine Verabredungen für den Rest des Jahres ... "Faszinierend", kommentiere ich, während ich darauf warte, dass der Chef mit seinen Gedanken wieder in die Gegenwart zurückkehrt und mir antworten kann. "Der Empfang scheint ganz gut zu sein - es sei denn man befindet sich in der Nähe der Stahlträger im Haus. Wenn die zwischen dem Gerät und dem Server stehen, dann dürfte nichts mehr gehen. Waren die Stahlträger nicht in diesem Gebäudeteil?" Ich zeige in irgendeine Richtung, da ich um die Fähigkeiten des Chefs weiss, sich zu orientieren. "Ja ... könnte sein." murmelt der Chef, als ihm die Einschränkungen seines neuesten Steckenpferds bewusst werden und der Glanz aus seinen Augen verschwindet. "Oh, ich bin mir sicher, dass es mit ein paar Servern, die an strategisch wichtigen Punkten eingerichtet werden, und Hochleistungsantennen statt dieser Miniantenne hier funktionieren könnte. Tatsächlich könnte man mit einer guten Antenne sogar Videodaten in guter Qualität noch am anderen Ende der Strasse empfangen - das hängt alles von der Antenne ab. Aber mit diesem mickrigen Ding da ..." "Kann die Antenne am Laptop angebracht werden?" fragt der Chef, der sich möglicherweise im Pub an der Strassenecke von hübschen Mädchen umringt sieht, die staunend seinen Worten lauschen, wenn er ihnen die neueste Technik vorführt. "Nun, sie wäre schon etwas gross, aber es müsste klappen. Es ginge um eine normale VHF-Antenne - klingt das gut für sie?" "Das klingt sogar hervorragend!" erwidert er freudestrahlend. Offenbar ist er wild darauf, die Erbsenzähler zu schlagen. "Wir bräuchten noch ein paar Server ..." murmle ich, da ich die Chance wittere, hier eine Aufrüstung unserer PCs zu erreichen. "Ein paar 1.2 Gigahertz-Rechner dürften ausreichen." "Aber der Kollege von den Finanzen meinte, es würde mit allem laufen, was schon da ist! Alles was wir bräuchten seien, ähm ... Sende- und Empfangsgeräte, die wir an die Router anschliessen müssen!" "Davon könnten wir ihnen einige besorgen, aber wollen sie WIRKLICH immer mit dem Kalender des obersten Erbsenzählers arbeiten?" "Kann ich nicht meinen nutzen?" "Nun, das könnten sie, aber ohne ein paar redundante Server-Rechner können sie schnell zum Opfer ... replizierter Kanal-Verzerrungen werden. Wobei dieses Problem mit ein paar guten Servern schneller aus der Welt sein könnte, als eine Einkaufsanweisung." "Eine Einkaufsanweisung." "Kommt sofort!" ruft der PJ, der gehetzt eine Bestellung zusammenkritzelt. ... eine Minute später ... "So, das wären also ein paar 1.2 Gigahertz Sende- und Empfangsserver und zwei Funkkarten", liest der PJ vor, bevor er nach draussen eilt, um das Eisen zu schmieden, solange es heiss ist. "Wie schnell können wir es einrichten? Ich will dem Finanzchef vorführen, wie schnell wir neue Technologien einführen können. Ich denke, ich könnte mich mit ihm in ein Café setzen und ihm ein Video vorführen, das eine Kamera im Haus liefert ..." "Oh, damit könnten wir schon morgen loslegen - und sie werden eine riesige Reichweite mit der neuen Antenne bekommen!!" "Ausgezeichnet!" Der nächste Tag bricht an, und der Chef trifft sich unten mit uns und dem obersten Erbsenzähler. "Gut, und wo ist mein FREI PORTABLES LAPTOP FÜR GROSSE REICHWEITEN nun?" fragt der Chef selbstgefällig. "Mein Assistent wartet damit vor dem Gebäude", antworte ich. "Er hat es mit der Kamera in unserem Büro verbunden." "Ausgezeichnet! Also kann ich sie beide beobachten, während ich die Strasse hinunter laufe?" "Natürlich. Und wir können sie dabei sehen. Über die eingebaute Kamera. Wir haben genug Bandbreite für Videoübertragungen mit hoher Qualität in beiden Richtungen!" "Hervorragend! Gibt es Gebiete ohne Empfang?" "Nein - wir haben ebenfalls eine Antenne auf dem Dach eingerichtet!" "Beeindruckend, was wir in wenigen Momenten erreichen können - kein Problem ..." Der Chef hält leise inne, als er sieht, mit welcher Antenne wir ihn ausgerüstet haben - es ist eine, die man wohl nur selten ausserhalb von Läden für Anhänger des CB-Funks sieht. "... für uns. AHA! Sie haben eine Antenne für EXTRA-lange Reichweiten eingebaut!" ruft er und erholt sich schnell vom ersten Schreck. Sein Tonfall deutet andererseits doch leicht darauf hin, dass er darüber noch ein Wörtchen mit uns reden will ... Pfft! Der PJ und ich eilen so schnell wie möglich zurück ins Büro und starten die Konferenzschaltung. "Hallo?" fragt der PJ. "Ich kann sie sehr gut sehen!" ruft der Chef, noch immer mit dem Chef der Erbsenzähler im Schlepp. "Wir gehen die Strasse hinunter. In Richtung der Gerüste, wo die Fassaden erneuert werden - aber ich glaube, dass sie das ja auch ganz gut selbst sehen können. Ich denke, wir machen eine kurze Pause in dem Pub am Ende der Strasse, den Simon vorgeschlagen hat ..." "Bild und Ton kommen in hervorragender Qualität an", ruft der PJ laut ins Mikrofon, als bei ihm der Groschen fällt. "Sagten sie, dass sie an den Gerüsten vorbeigehen?" "Ja, die stehen am Nachbargebäude. Sie wissen schon, wo die Fassade erneuert wird. Wieso fragen sie?" "Vielleicht sollten sie besser umkehren!" warnt der PJ. "Ich bin mir sicher, dass sie dort ein behelfsmässiges Starkstromnetz einge ..." >KZZERT!< Was für eine bedauerliche Tragödie! [[Bastard-Plan 437f ...]] Wir sitzen in der zweitlangweiligsten Versammlung der Welt (den ersten Platz hält noch immer die Diskussion darüber, welche Windows-Version am besten zu uns passt) und der neue Chef lässt sich begeistert und zusammenhangslos darüber aus, wie sich die Informationstechnologie entwickeln könnte, wie wir uns darauf vorbereiten können und so weiter ... Was nicht so schlimm ist, da ich gerade im Schiffeversenken gegen den PJ gewinne, das wir über unsere PDAs spielen, die über die Infrarot-Schnittstelle verbunden sind ... (Irgendwie muss ich verhindern, dass sich mein Gehirn in den Energiespar-Modus verabschiedet, und Schiffeversenken ist dazu eine gute Gelegenheit, bis jemand Quake auf den PDA portiert.) Allerdings sind wie noch nicht einmal beim "Was ich in der vergangenen Nacht geträumt habe"-Teil angelangt, als meinem PDA der Strom auszugehen beginnt. Was bedeutet, dass meine einzige Chance, die Schiffe des PJ zu versenken, darin besteht, den Chef nach ihm zu werfen. Aber es ist immer gut, einen alternativen Plan zu haben. Ich informiere den PJ über die Infrarot-Schnittstelle über mein Unglück, und er signalisiert mir, dass er mir Zeit zum Aufladen verschaffen wird, indem er den Bastard-Plan 437f anwenden will - Vortäuschung einer Ohnmacht. Er setzt offenbar darauf, dass ich dem Buchstaben besondere Beachtung schenke und ihn nicht nach Plan 437h behandeln werde, da der Defibrillator Brandmale hinterlassen kann, wenn er zu sehr aufgeladen wird. Mental schwelgt er offensichtlich in der Erinnerung an die letzten Tage und wie nett er zu mir war - nur für den Fall, dass ich auf den Gedanken komme, zu dramatischen Rettungsmassnahmen zu greifen. Alles in allem hat er wohl ein reines Gewissen - obwohl ich noch immer nicht weiss, ob er mich in der vergangenen Woche im Kabelschacht eingesperrt hat ... Ein dumpfes Geräusch erklingt, als der PJ mit dem Kopf auf dem Tisch aufschlägt und zu Boden rutscht. "Ups, wo war ich nur mit meinen Gedanken?" keuche ich Momente später - und beweise, dass sein Gewissen doch nicht so rein sein kann, wie er glauben machen wollte ... "Sie sind ohnmächtig geworden!" rufe ich enttäuscht und schalte den Defibrillator wieder ab. "Oh, ja. Ich fühle mich etwas benommen, ich glaube, ich brauche etwas frische Luft." "Lassen sie mich ihnen helfen", beeile ich mich und stütze ihn. Zusammen mit ihm steuere ich die Fahrstühle an. ... "Man wird uns suchen!" erklärt der PJ, als er die zweite Runde Bier an den Tisch bringt. "Nun, ich schätze, dass wir noch gut fünf Minuten haben, also sollten sie schnell trinken!" "Ich schaffe es nicht, in dieser Zeit das Bier zu trinken!" "HEY! Sie müssen auch noch einen halben Liter Apfelsaft trinken, damit man uns die Diabetes-Geschichte glaubt!" "Diabetes?" "Ja, ein Atem, der nach Aceton und Apfel riecht. Auf diese Weise kann ich behaupten, es sähe nach einem Zuckerschock aus, wenn sie in der Besprechung zusammenbrechen und ins Krankenhaus gebracht werden müssen - hoffentlich, bevor der Chef das Ausdrucken von Daten als alternative Methode zur Datensicherung vorschlägt." "WENN ICH MICH NICHT IRRE, hat der Chef ABER gesagt, wir sollten all unsere Dokumente im web-basierten Datenbanken mit Schlüsselwort-Indizierung speichern, als wir verschwanden. Also das komplette Gegenteil!!" "Oh, das war nur ein Vorschlag." bemerke ich wegwerfend. "Ein Vorschlag?" "Ja, ein Vorschlag, eine Idee, wie man etwas machen kann. Der Chef macht ein paar Vorschläge, hört ihre Meinung dazu und macht dann trotzdem, was er will. Nur mit dem Unterschied, dass er behaupten kann, er hätte sie als Fachmann konsultiert, so dass sie die Verantwortung tragen, wenn etwas nicht plangemäss funktioniert." "Was bedeutet ..." "Was bedeutet, dass wir möglicherweise Tahoma als Standardfont für die Textverarbeitung empfohlen haben, Rot und gold als Farben für Firmenhandys und fette Schrifttypen für die Firmenbriefe. Eben all die wichtigen Dinge, für die die Leute Anweisungen benötigen ..." "Und da ist wirklich nichts technisches dabei?" "Oh, natürlich geht es auch um Technik - darauf können sie Gift nehmen. Ich denke da an Anweisungen, die Initialen des eigenen Namens als Passwort zu benutzen, durch die Benutzung der rechten STRG-Taste die Abnutzung der linken STRG-Taste zu verringern oder aber eine Anweisung, für interne Witze nur Kursivschrift zu benutzen." "Also nichts TECHNISCHES?" "So würde ich das nicht sagen. Wenn wir zurückkommen, werden wir bestimmt erfahren, dass SAN und NAS identisch sind, weil die gleichen Buchstaben benutzt werden, dass Turbo Linux das beste Betriebssystem ist, da es einen Turbolader hat, und Visual Basic die beste Programmiersprache für Blinde ist ..." "Also geht es nicht um Technik?" wiederholt sich der PJ einmal mehr. "So ist es." "Wer wird die «Empfehlungen» lesen?" "Nun, zunächst einmal die anderen Manager - die verstehen ja meistens noch weniger von Computer als von Mistkäfer-Farmen, dann, nach einer weiteren Beratung, die Geschäftsführung." "Und die wird sich das bieten lassen?" "Mit neuen PDAs und der Möglichkeit Schiffeversenken zu spielen? Die werden sich nicht rühren!" "Also bleibt alles an uns hängen!" ächzt er. "Was schlagen sie vor?" frage ich und gebe dem PJ die Gelegenheit, seine Vostellungen zu äussern. "Das ist ein Geheimnis ..." murmelt er. Ein tragisches Diabetes-Koma später beginnt er mit der Durchführung seines Planes, als wir blitzschnell verschwinden, um seinen Zuckermangel zu behandeln. "Zwei Biere, bitte." "Für mich ebenfalls." schliesst sich der PJ an und verbindet sein Handy mit einer PCMCIA-Steckkarte seines Laptops. "Und was haben sie nun wirklich vor?" "Nun, ich wollte nachschauen, ob die Beratung schon beendet ist, so dass ich den Bericht, ähm, passend korrigieren kann ..." "Sie werden es merken, wenn sie den Bericht ändern ..." "Wieso?" "Weil es ein zusammenhängendes und logisches Dokument wäre. Es gäbe keine Unklarheiten." "Also sollte ich Fehler einbauen, um den Bericht glaubwürdig aussehen zu lassen?" "Korrekt. Je offensichtlicher die Fehler sind, desto glaubwürdiger ist das Dokument. So würde zum Beispiel niemand empfehlen, Dateien auf CD-ROM zu sichern. Stattdessen würde man empfehlen, die Dateien auf Disketten zu speichern, so dass sie überall verwendbar wären." "Und wo ist da der offensichtliche Fehler?" "Oh, habe ich schon erwähnt, dass es dabei um einseitige Disketten mit Mac-Formatierung geht - aus Gründen der Sicherheit ..." "Gut, ich werde sehen, was ich tun kann ..." Ich lasse ihn arbeiten, während ich mich meinen Bieren zuwende. Der nächste Morgen bricht an, und ich schaue in meinem Postfach nach, ob die Bemühungen des PJs Früchte tragen. Und tatsächlich ist der überarbeitete Bericht durch die Sekretärinnen schon abgeschickt worden und, noch schlimmer, der Chef hat dafür gesorgt, dass er und nicht der PJ als Urheber gilt. "Und wo sind nun die Fehler?" "Die stehen auf der zweiten Seite", antwortet der PJ müde. "Nach dem Buchstabensalat." "Oh, ich dachte, das sei eine PGP-Signatur!" "Nein, da haben sie sich auf die Tastatur erbrochen, während ich die Rechtschreibung prüfen wollte ..." >Klick klick klick< "Ah, hier ist es ... Ja, ich mag die Idee, alle Formulardrucker auf doppelseitigen Druck umzustellen ... und hier, das Gesicht des Geschäftsführers auf allen Mauspads, um die Arbeitsmoral zu steigern. Aber was ist das hier? Wieso sollten wir NAS für die Dateiserver benutzen? Das klingt doch logisch?" "NICHT, wenn man Novel nutzt ..." Interessant ... [[Der B.O.F.H. treibt Sport ...]] Es ist sehr früh am Morgen, wirklich sehr früh, als der PJ und ich einige routinemässigen Wartungsarbeiten erledigen, die WIRKLICH nur Routine sind. Wir haben nämlich bemerkt, dass das Programm, dass die Lohnschecks verschickt, einen Hang zur Vergesslichkeit zeigt, der sich darin äussert, dass die Schecks immer später abgeschickt werden. Und daher haben wir uns entschlossen, den entsprechenden Server neu zu starten, nachdem wir die Aktualisierung des Programms, die der Hersteller uns geschickt hatte, eingespielt haben. Und wir haben gerade die Sicherheitskopie des aktuellen Systems beendet - was nicht unbedingt heisst, dass wir dem Programm auch trauen -, als das Telefon klingelt. Wir ignorieren das Klingeln natürlich - es ist 6:30 Uhr am Morgen und jeder, der zu dieser Zeit arbeitet und nicht in seinem Bett liegt und schläft, sollte nach Hause gebracht werden und ins Bett gehen, so krank wie er ist. Das Telefon verstummt und erklingt abwechselnd während der gesamten Installation und des Neustarts, um schliesslich gegen 7:30 Uhr endgültig zu verstummen. Und wie es das Schicksal - nicht aber unser Wunschdenken - will, bleibt der Nutzer beharrlich und ruft unseren Chef an (den man um diese Zeit freilich auch lieber einschläfern sollte), der sich voller Arbeitseifer um jede Beschwerde kümmert - und sie direkt an uns weiterleitet. Daher marschiere ich also nach oben, um die letzte Neuerwerbung der Firma, Carl, kennenzulernen. Carl arbeitet für die "Strategie-Planungs-Einheit". Er begleitet mich durch eine chromglänzende Tür, die den Eingang zu einem kleinen Fitness-Saal darstellt, durch dessen Fenster man einen herrlichen Ausblick auf die Themse geniessen kann. (Anders ist es mit den Büros der arbeitenden Angestellten, die ein paar Etagen weiter unten liegen und noch dazu mit Blick auf die andere Seite.) Eine hochmoderne Ausrüstung mit Sportgeräten umgibt mich, die offenbar noch niemand benutzt hat. "Es ist alles mit dem Rechner dort drüben verbunden", gestikuliert er stolz. "Sie benutzen einfach eines der Geräte, und der Rechner findet selbständig ihr Profil, sorgt dann dafür, dass die Geräte ihren Fähigkeiten entsprechend eingestellt werden, so, wie es ihr persönlicher Fitnessplan vorsieht. Das ist grossartig!! Ich kann nicht verstehen, wieso niemand diese Möglichkeiten nutzt!!" "Hmmm", stimme ich zu und spiele den Ungläubigen. "Und ihr Computer-Problem ist?" frage ich. "Das hier", murmelt er und deutet auf ein Laufband. "Und wie kann ich ihnen damit helfen?" "Nun, sie könnten es reparieren." "Das ist ein Laufband, kein Computer ..." "Aber es hat einen eingebauten Computer. Und der ist mit dem anderen Computer verbunden!" "Nein, hier ist nur ein Mikroprozessor eingebaut - da könnten sie mir auch gleich den Auftrag geben, ihr Handy zu reparieren!" "Oh, tatsächlich hat mein Handy im Moment Empfangsprobleme! Können sie es reparieren?" "Ganz zufällig kann ich das tun. Schauen wir mal." Er reicht mir das Handy, und ich werfe es in den Papierkorb. "So, und nun rufen sie ihre Hausratsversicherung an und bestellen einfach ein neues." "Ich ... uh ... Gute Idee. Hmmm, könnten sie das Laufband trotzdem REPARIEREN?" "NATÜRLICH kann ich das! Helfen sie mir einfach dabei, das Gerät zum Balkon zu tragen, dann kümmere ich mich darum!" "Wollen sie damit etwa vorschlagen, es aus vom Balkon zu werfen?!" "Natürlich nicht!" "Gut." "Nein, es FIEL vom Balkon, als SIE es umräumten, um ... den Raum ein wenig zu säubern." "Ich mache nicht sauber! Ich bin ein leitender Angestellter!" "Ja. Aber eigentlich weiss ich gar nicht, wer sie sind ..." "Ich habe am Montag angefangen, und gestern habe ich diesen völlig ungenutzten Fitness-Raum entdeckt!!!" antwortet er. "Nun, das liegt vielleicht an dem Fitness-Plan für die Manager." "Oh, es gibt dafür ein Programm?" "Biiiieeeteeee! Haben sie ihre Kollegen vom höheren Management gesehen?" frage ich. "Sie pflegen sogar, den LIFT zwischen zwei Etagen anzuhalten, um sich auszuruhen!" "Ja, das habe ich bemerkt. Aber danach habe ich sofort eine Mitteilung darüber an die Geschäftsleitung geschickt, in der ich danach fragte, ob die Einrichtung eines Fitnessraums mit entsprechenden Kursen für das Management nicht gut wäre. Sie wissen schon, gesunder Geist - gesunder Körper." "Ja, und wenn sie mit dem Körper beginnen, könnten sie dabei sogar erst einmal Erfolg haben." Seufz. Nachdem ich das Problem gelöst habe, indem ich den Netzstecker in die Steckdose gesteckt habe und den Beginn des Selbsttests der Maschine abgewartet habe, verdrücke ich mich wieder. Und wie es mein "Glück" will, wartet der Chef schon auf mich. "Alles wieder in Ordnung?" fragt er nervös. "Ja, das Gerät war einfach nicht an die Stromversorgung angeschlossen. Aber jetzt läuft alles wie geschmiert." "Oh, sie haben es also wieder angeschlossen? Und könnten sie den Stecker vielleicht auch wieder ziehen?" fragt er, wobei eine deutlich bemerkbare Hysterie in seiner Stimme mitschwingt. "Den Stecker ziehen?" "Ja, es ist so, dass wir nicht unbedingt wild auf diese Fitness-Geschichte sind", hechelt er, offensichtlich schon ganz ausser Atem von dem Gedanken an all die Möglichkeiten, die ein funktionierender Fitnessraum zu bieten hat. "WIR?" "Ich und die anderen Manager der IT-Abteilung. Und auch die Buchhaltung, ich habe gehört ..." "Aha. Aber er wird den Stecker wieder in die Dose stecken ..." "Vielleicht könnten sie ... ähm ... das Gerät zerstören?" "Ich spüre da einen leichten Anflug von Illoyalität gegenüber der Firma." erkläre ich schockiert und voller Enttäuschung in der Stimme. "Wenn ich es nicht besser wüsste, müsste ich jetzt vermuten, dass das Wohl der Firma für sie gar keine Herzensangelegenheit ist!" "Natürlich tun wir alles für die Firma, nur eben nicht bei dieser Fitness-Folter. Was würde es kosten, zu beweisen, dass diese Fitness-Sache nicht gut ist für die Firma?" "Fünfzig Pfund ..." "... für jeden ..." mischt sich der PJ ein. "... Manager." ergänze ich und lasse mich von dem Gedanken hinreissen, dass niemand von ihnen als Schwächling dastehen möchte ... "SIE WOLLEN BEIDE 50 PFUND VON JEDEM MANAGER!!!" "Nein, eigentlich nicht, denn wir würden es gern sehen, wenn unser Management beim nächsten Marathon durch London startet ..." "Ich muss telefonieren." Zwei Stunden und zwei dicke braune Umschläge später sind die gewünschten "Reparaturen" erledigt. "Und sie sind ganz sicher, dass ich die Geräte nicht BENUTZEN muss?" fragt der Chef ängstlich und blickt mich in seiner neuen Sportkleidung an, die so teuer aussieht, dass sie ihn tatsächlich eine Stange Geld gekostet haben muss ... "Ganz sicher, sie müssen nur so tun ..." Am nächsten Tag werde ich (schon wieder) zu früher Stunde angerufen, um nach den Fitness-Geräten zu schauen. "Nun", wende ich mich an die ermittelnden Beamten, während ich den Fitness-Computer untersuche. "Es scheint so, als hätte das Laufband zunächst ein Standard-Programm durchgeführt und einen etwas schnelleren Lauf bei einer Geschwindigkeit von 9 Kilometern in der Stunde simuliert. Doch dann wechselte es plötzlich in ein Sprint-Profil mit 50 Kilometern in der Stunde, wodurch das Band ihn dann durch das Fenster hinausbeförderte, so dass er nach dem Sturz im Müllcontainer landete, wo wir zuvor all die alten Verpackungen unserer Rechner entsorgt hatten - und das war WIRKLICH Glück." "Glück?" fragt der Beamte. "Er hat sich beide Arme und einen Knöchel gebrochen und leidet unter einem Schock!!" "Also keine besonders schlimmen Verletzungen." kommentiert der Chef. Alles weitere ist Geschichte. Mit der Entschuldigung, sie könnten sich nicht auf die Geräte verlassen, haben sich die Manager vom Fitness-Programm verabschiedet und den PJ und mich damit beauftragt, den Raum zu säubern. Ich gebe dem PJ noch ein paar hilfreiche Anweisungen ... "Gut, die Fahrradtrainer sind kein Problem, aber die Laufbänder sind etwas schwerer. Wir müssen sie also mit etwas Schwung hinauswerfen - ich meine natürlich: aus dem Weg räumen, damit wir hier fegen können ..." [[Der B.O.F.H., der früher als Roger bekannt war ...]] Ein paar gierige Erbsenzähler haben mich in meinem Büro unmzingelt, die wissen wollen, wie wir hier arbeiten und wieso wir manche Entscheidungen treffen. Der Chef ist dieser Angelegenheit keine Hilfe, zeigt er doch alle Anzeichen von Biegsamkeit, die man von jemandem ohne Rückgrat erwartet, als ihm dieser Vorschlag gemacht wird. "Aber das sind Fachleute für finanzielle und technische Sicherheit! Man kann sich nicht WEIGERN, mit ihnen zu reden!" erwidert er. "Natürlich kann man!" "Das können wir nicht - es wäre nicht gut für unser Ansehen, wenn wir eine schlechte Beurteilung bekommen." "Dann kämen die verschiedenen Berichte jedenfalls zum gleichen Ergebnis." antworte ich und deute einen Ausweg an. ... Eine halbe Stunde später sitze ich im Büro einem Erbsenzähler-Kauz gegenüber, der für eine internationale Beraterfirma arbeitet und einen ganzen Sack voller Fragen und viel Zeit (er berechnet riesige Stundensätze) mitgebracht hat. Ich mag ihn nicht. "Gut, wir sollten mit einem Überblick über ihre aktuelle Topologie und ihre Systeme beginnen. Aber zunächst hätte ich gern ihren Namen." "Oh, ich fürchte, dass das ein Geschäftsgeheimnis ist." erwidere ich freundlich. "Wie bitte?" "Das ist ein Geschäftsgeheimnis. Wenn ich ihnen meinen Namen sagen würde und die Daten den falschen Leuten in die Hände fielen, wer weiss, aber schon am nächsten Tag würden die Sklaventreiber anrufen und versuchen, mich abzuwerben." "Wir KÖNNEN diese Information auch in ihrem Telefonverzeichnis finden." "Da stehe ich nicht drin. Kein System-Administrator steht in dem Verzeichnis." "Dann von Namensschild an ihrer Tür!" "Da gibt es kein Namensschild." "VON IHREM GEHALTSSCHECK!!" "Ich bin ein Auftragnehmer - ein Unternehmen mit anderen Worten." "Dann von ihrem Chef!" "Er ist neu hier und hat keine Ahnung." "Von ihren Kollegen!" "Die würden es ihnen nicht verraten. Selbst wenn sie meinen Namen WIRKLICH kennen sollten, was sie nicht tun." "Wir legen hier sehr viel Wert auf Geheimhaltung", erklärt der PJ, als er ins Büro kommt. "Wir müssen ihnen doch aber einen Namen geben!" "Ja. Ich würde «Der System-Administrator, der vorher als Roger bekannt war» vorziehen." "Also heissen sie Roger?" "Nein." "Aber ihr Name WAR Roger?" "Niemals." "Und wieso nennen sie sich dann «System-Administrator ...» und so weiter?" "Oh, damit ich mich mit einem Symbol aus der Zeichentabelle identifizieren kann." "Welches Symbol?" "Ich kenne seinen Namen nicht. Haben sie einen Laptop bei sich?" "Nein." "Dann muss ich das Symbol aufmalen." ... zehn Minuten später ... "Nun, welche Betriebssysteme benutzen sie?" "Oh, ich fürchte, dass das ein Geschäftsgeheimnis ist ..." ... zwei Stunden später ... "Also, lassen sie mich zusammenfassen - sie können mir nichts über ihre Person, ihre Firma, ihre Arbeit, Einzelheiten ihrer technischen Ausstattung, wo sie stehen, ihre Notfallpläne oder den nächsten Notausgang mitteilen, weil es sich um Geschäftsgeheimnisse handelt?" "Das ist korrekt." "Wieso ist der Notausgang ein Betriebsgeheimnis?" "Weil jemand davor warten könnte, um mich abzufangen und mir ein Angebot zu machen, dem ich nicht widerstehen kann. Wissen sie, diese Leute würden einen Alarm auslösen, wenn sie wüssten, auf welchem Weg ich das Gebäude verlassen werde. Und schon hätten sie mich. Das passiert in grösseren Unternehmen immer wieder." "Und wieso ist dort das Notausgangs-Zeichen über dem feuersicheren Panzerschrank?" "Um Industriespione einzusperren", antwortet der PJ mit einem wissenden Lächeln. "Jjjjaaaa", sagt der Kauz schliesslich und greift nach seinem Handy. Zehn Minuten später kommt der Chef herein. Ganz offensichtlich hat ihm jemand aus den höheren Etagen ein paar Anweisungen gegeben. "Was soll diese Sache mit dem «Betriebsgeheimnis»?" fragt er mich. "Er will uns seinen Namen nicht nennen." betont der Erbsenzähler-Kauz. "Er behauptet, das sei ein Geschäftsgeheimnis." "Und das trifft auch auf persönliche Daten zu." antworte ich. "Mein Vertrag legt fest, dass sie mich nicht zwingen können, irgendwelche persönlichen Daten herauszurücken." "Er will mir auch nicht sagen, welche Betriebssysteme sie benutzen, noch Angaben darüber machen, welche Server sie haben." "Wieso nicht?" fragt der Chef gereizt. "Er behauptet, das seie ein Geschäftsgeheimnisse." Die Augen des Chefs verdrehen sich bei dieser Antwort, also schiebe ich ihn vor die Tür, um mit ihm unter vier Augen zu sprechen. "Es ist doch ganz einfach", biginne ich. "Ich sage diesen Typen, welche Betriebssysteme bei uns laufen, dann werden die mich nach Sicherheitsvorkehrungen fragen und wie von aussen auf unser Netzwerk zugegriffen werden kann, wie man unser Netz angreifen kann. Und bevor sie wissen, wo ihnen der Kopf steht, wollen diese Leute wissen, wer regelmässig im Betrieb gegen die Nutzungsbedingungen verstösst, die Filter umgeht und das geschieht. Und dann werden sie verlangen, dass ich die Zugriffsstatistiken herausrücke, aus denen auch ersichtlich wird, wer aus dem Management glaubt, durch das Abschalten des Zwischenspeichers im Browser werden seine Internetausflüge nicht protokolliert. Und das kann ... nun, das kann ein Geschäftsgeheimnis sein." "Ah! Ja, stimmt, da muss ich ihnen zustimmen! Denn wenn die Leute unsere Internetbesuchs-Protokolle kennen, dann könnten sie, ähm ..." "... Nachrichten auf den betreffenden Webseiten hinterlassen, mit denen die Manager abgeworben werden sollen." vollende ich. "Oh, ha! Das ist es!" keucht der Chef. Er greift zum Handy ... "... Nachrichten auf den betreffenden Webseiten hinterlassen, mit denen die Manager abgeworben werden sollen ..." "Oh, ja!" keucht der IT-Chef. ... fünf Minuten später ... "... Nachrichten auf den betreffenden Webseiten hinterlassen, mit denen die Manager abgeworben werden sollen." "Ah, ja!" keucht die Assistentin des Geschäftsführers besorgt. ... "Das alles werde ich in meinem Bericht an die Geschäftsleitung erwähnen", versucht der Kauz eine Bresche in die Front der Ablehnung zu schlagen. "Sie können Dinge nicht mit der Begründung, sie seien Betriebsgeheimnisse, verschweigen." "Lustig, aber genau das hat ihr Vorgänger im letzten Jahr auch gesagt." "Hat er? Ich kann mich nicht erinnern, seinen Bericht gesehen zu haben." "Das ist doch klar, er war schliesslich ein Geschäftsgeheimnis. Also haben wir ihn dem Panzerschrank anvertraut." "Es gab nur EIN Exemplar!?" "Sozusagen. Er war nur in seinem Kopf vorhanden." Der PJ schliesst die Tür und lässt die Jalousien herunter ... ... "Ah ... Nun, vielleicht war ich ein wenig voreilig ..." ruft der Kauz aus, mit einem leichten Anflug von Angst in der Stimme. "Sie NEHMEN es mit der Sicherheit wirklich sehr genau." ... "Sie haben doch nicht wirklich im vergangenen Jahr jemanden in den Panzerschrank gesperrt, oder?" fragt der Chef. "Natürlich nicht! Aber die gleiche Geschichte habe ich dem Typ vom vergangenen Jahr erzählt!" "Und was - oder wer - ist nun in dem Panzerschrank?" will der IT-Chef neugierig wissen. "Oh, ich fürchte, dass das ein Geschäftsgeheimnis ist." Es ist wirklich ganz einfach, wenn man weiss, wie es geht. Ich sollte Politiker werden ... [[Der B.O.F.H. fängt einen Dieb ...]] "Und wie soll das nun exakt ablaufen?" fragt der PJ, der sich immer für die kleinsten Details interessiert. "Ich bin froh, dass sie diese Frage stellen", antworte ich, immer bereit, den Wissensdurst des Neugierigen zu stillen. "Es ist ein normales «Tempel der Verdammnis»-Szenario." "Tempel der Verdammnis?" "Ja, wie in den «Indiana Jones»-Filmen", murmle ich und deute auf die Ansammlung von Technik auf dem Regal. "Der normale Dieb kommt herein, sieht die nagelneue Festplatte und schnappt sie sich und löst dabei den kleinen Schalter unter ihr aus. Und dieser wiederum haucht als Präsentation von Ursache und Wirkung Leben in die beiden Magnetspulen, die im rückwärtigen Teil des Hardwareregals verborgen sind. Leider, und das bedaure ich zutiefst, ist das Regal sehr instabil und gleichzeitig sehr schwer, was an den vielen metallischen Gegenständen in den oberen Fächern liegt." "Und ... das dem Anschein nach fest mit Scharnieren am Boden befestigt ist." kommentiert der PJ. "Ich glaube, dass es sich bei dieser Befestigung um eine optische Täuschung handelt." "Nein, es sind zwei Scharniere - reichlich geschmiert, so dass sie wohl kaum quietschen würden, wenn das Regal umklappt. Aber dieser Zustand wird sicher nicht lange anhalten ..." "Stimmt - WENN es noch etwas zum Stehlen gäbe ... " Es ist eine traurige, aber leider wahre Tatsache, dass ein Dieb unter uns ist. Und derartige Diebstähle können die Arbeitsmoral im ganzen Haus wirklich gefährden - wenn es etwas derartiges bei uns überhaupt gibt. Dem PJ ist der Ernst der Lage zuerst nicht aufgefallen, doch meine Hinweise bringen ihn auf den rechten Pfad der Erkenntnis ... "Wenn jedermann mit Fingern auf andere zeigt", illustriere ich meine Erläuterung. "Wenn Verdächtigungen ausgesprochen und verbreitet werden - das kann der Moral nicht dienlich sein. Und wenn der Dieb dann doch geschnappt wird, dann werden all die Entschuldigungen bei den Unschuldigen, all die Tränen für weitere Unruhe sorgen. Und, das ist am schlimmsten, es wird keine zünftige Abschiedsparty des Betreffenden geben." "Stimmt, das ist wirklich nicht gut." stimmt der PJ zu. "Genau, und ich werde alles dafür tun, eine solche Entwicklung zu verhindern." "Indem sie ein vollgeladenes Regal auf ihn stürzen lassen?" "Nun, ich würde es lieber als Vorbeugemassnahme für den Notfall bezeichnen." seufze ich. "Also wissen sie, wer es ist?" "Natürlich nicht!" "Sie wissen es doch, ich spüre es ..." "Nun, ich habe da eine Vermutung ..." "Wer?" "Nun, ich habe mir das Besucherverzeichnis angeschaut, und es scheint so, dass Dinge immer dann verschwinden, wenn ein bestimmter Ingenieur uns besucht ..." "Welcher ist es?" schnappt der PJ nach Luft. "Der Kerl, der die Telefone austauscht." "Der, der die Aufrüstung auf Digitaltechnik durchführt?" "Genau der!" "Was hat er gestohlen?" "Was ist verschwunden, meinen sie? Jeder gilt als unschuldig, bis die Schuld nachgewiesen wurde. Nun, wir vermissen 512 Megabyte DDR-RAM, dieses brandneue Pentium 4-Motherboard und ihren portablen MP3-Spieler." "MEIN MP3-SPIELER!!!" "Ja, es sei denn, sie haben in mit nach Hause genommen - zumindest dann, wenn wir über das Gerät sprechen, das auf der Bestellung als «PDA» aufgetaucht ist ..." "!" Der PJ trauert wortlos. "Gemach, gemach", beruhige ich den PJ. "Sie werden sich besser fühlen, wenn der Täter gefasst ist. In der Zwischenzeit kümmere ich mich um eine ähnliche Einrichtung für den Serverraum, die bestimmte Verstrebungen einstürzen lassen kann." "So dass die Bodenplatten und der schliesslich Boden zusammenbrechen?" "So dass der Serverraum dann teilweise aussieht, wie ein Rugbyfeld ..." "Wodurch wird es ausgelöst?" "Durch die Wellen eines ankommenden Handy-Telefonats - in der näheren Umgebung des Sensors natürlich ..." ... zwei Stunden später ... "Er ist hier", murmelt der PJ, als der betreffende Ingenieur sich in die Besucherliste einträgt und eine sich eine Zugangskarte für Gäste schnappt. "Gut. NUN, WIR VERSCHWINDEN KURZ ZUM ... ZUR TEEPAUSE." fügt er laut hinzu, als wir das Büro verlassen. ... 20 Sekunden später ... "Das will ich mir nicht entgehen lassen!" ruft der PJ und startet das Kontrollprogramm für die Webcam. "Wo ist er hin?" "Im Serverraum?" schlage ich vor. "Da, da ist er!" Wir sehen, wie der erwähnte Ingenieur im Serverraum das Antistatikarmband anlegt, um sich auf den bevorstehenden Austausch der Platinen vorzubereiten. "Wie lautet seine Handynummer?!?!" fordert der PJ. Ich sage sie ihm, und der PJ wählt sie, noch bevor ich in darauf aufmerksam machen kann, dass der Ingenieur noch nichts verdächtiges angestellt hat ... ... zwei Minuten später ... "DER HALBE VERDAMMTE BODEN BEBTE PLÖTZLICH!" berichtet der Ingenieur uns keuchend, als er versucht, seine Ausrüstung unter einem zusammengebrochenen alten Mainframe-Rechner hervorzuziehen. Erfolglos. Also entschuldigt er sich und marschiert davon, um neue Werkzeuge zu holen. "Ich wette, dass sie sich wünschen, ihr MP3-Spieler ist nicht in seinem Rucksack ..." wende ich mich an den PJ. "Ja, aber wer zum Teufel war es ..." Unser Gespräch wird durch einen dumpfen Aufschlag aus unserem Büro unterbrochen. Blitzschnell sind wir vor Ort, wo wir den Chef vorfinden, der versucht sich aus einer Ansammlung von Kabeln und sonstigen Ersatzteilen zu befreien. "WAS ZUM TEUFEL WAR DAS!?!" schreit er. "In der einen Minute bringe ich ihnen ihr portables ZIP-Laufwerk zurück und in der nächsten bebte der ganze Raum!!!" "Das muss das Erdbeben gewesen sein, vermute ich. Haben sie es denn nicht gespürt?" "Was?" schnaubt er und untersucht seinen gequetschten Arm. "Vielleicht sollten sie ihn von den Erste Hilfe-Leuten untersuchen lassen", schlage ich freundlich vor. "Nur für den Fall ..." "Ja, möglicherweise haben sie recht." "ALSO WAR ES DER CHEF!" ruft der PJ, als der Chef davongehumpelt ist. "Nein, er hat wirklich das ZIP-Laufwerk zurückgebracht." antworte ich. "Ich hatte es ihm am Morgen geliehen." "Also wären wir wieder bei dem Ingenieur ..." "Nein, er war es nicht", gebe ich zu, als ich meine Sachen zusammenpacke, um den Heimweg anzutreten. "Aber ich dachte, sie hätten gesagt, er habe all das Zeug gestohlen!?!" ruft der PJ durch den Raum. "Nein, ich sagte, dass immer wenn er uns besucht, Dinge verschwinden!" "Und wer ist es dann gewesen?!" "Oh, das war ich. Das ganze Theater habe ich nur veranstaltet, damit sie abgelenkt werden, während ich mir noch die Flash-Speicher für den MP3-Spieler greife ..." rufe ich, als ich durch die Tür eile, sie hinter mit zuwerfe und mit einem Keil blockiere. "Sie Bastard!" schreit er wild mit dem Elektroschocker fuchtelnd - wild genug, dass ich noch das Quietschen ungefetteter Scharniere hören kann, bevor ein Wandregal nach vorn kippt ... "Ja, wirklich." stimme ich zu. "Und was für ein Bastard ich bin ..." [[Der B.O.F.H. spielt mit dem Feuer ...]] Es ist 8:30 Uhr am Vormittag, als ich vor der Firma ankomme, um das Gebäude von Feuerwehrfahrzeugen und herumeilenden Feuerwehrmännern umstellt vorzufinden. Mehr Helme, als auf einer Porno-Website für Schwule. Als das Signal zur Entwarnung kommt, stürme ich hinein und finde heraus, dass die Rauchmelder durch ein kleines Durcheinander bei einem der Laserdrucker ausserhalb unseres Büro ausgelöst wurden. Ein meistens sehr unwahrscheinliches Zusammentreffen von einem Papierstau, einem defekten Lüfter und einer nichtreagierenden Sicherung ... "Lüfter fallen immer wieder aus", sage ich und deute auf die kümmerlichen Überreste. "Doch in 99.9 Prozent der Fälle werden sie aus unbrennbarem Material hergestellt, ist nichts entflammbares in ihre Nähe. Das war wirklich eine unglückliche Verkettung von Zufällen." Und das ist wirklich wahr. Das musste nicht von aussen beeinflusst werden - der Drucker war einfach alt. "Aber daraus hätte sich ein grosses Feuer entwickeln können!" platzt es aus dem Chef heraus - der sich mehr um Unversehrtheit seines preisgekrönten Gummibaums macht, als um irgendeine andere Zerstörung im Gebäude. "Das hätte geschehen können, doch tatsächlich war es nur die fehlende Belüftung und ein paar Blatt Papier, die die Sensoren ausgelöst haben. Wenn wir Hitzemelder statt der Rauchmelder hätten, hätte sich das Problem von selbst gelöst." Der Mann von der Feuerwehr bestätigt meine Worte. "Das wäre zwar ungewöhnlich, aber es ist schon vorgekommen", stimmt er mir zu. "Und in diesem Fall war es gerade mal ein halbes Blatt Papier, das verbrannt ist." "Wie ist das passiert? Wer druckt denn um diese morgendliche Zeit?" will der Chef auf der Suche nach einem Täter wissen. Ich öffne den Drucker und hole die verbleibende Blatthälfte heraus. "Das ist ... das Protokoll eines unserer Systeme zur automatischen Datensicherung", erkläre ich. "Die werden in jeder Nacht gedruckt, wenn die Datensicherung erfolgreich war." "Nun, wir sollten vorsichtiger sein." grollt der Chef. "Ein Feuer wie dieses kann ernsthafte Zerstörungen verursachen." "Stimmt", sagt der Mann von der Feuerwehr. "Gebäude wie dieses, in denen das Papier herumliegt, können unter den richtigen Umständen in Flammen aufgehen wie eine Schachtel Streichhölzer!" Ich unterdrücke den Wunsch, seine Bemerkung sarkastisch mit einem: "Wenn das Papier in Benzin getränkt wird" zu kommentieren - wenn man davon ausgeht, dass das Gebäude zum grossen Teil aus Beton besteht, eine temperaturgesteuerte Sprinkleranlage verfügt und kaum «loses Papier» herumliegt, übertreibt er doch etwas. "Sollten wir in dieser Angelegenheit vielleicht etwas unternehmen?" will der Chef wissen. "Nun, für 500 Pfund können sie eine Feuerrisiko-Analyse bekommen, die ein entsprechender Fachmann vornimmt." "Aha, und wen muss ich dafür kontaktieren?" fragt der Chef dümmlich. "Nun, ganz zufällig arbeite ich gelegentlich auch auf diesem Gebiet ..." Zwei Tage und 500 Pfund später haben wir einen "Bericht", auf dem neben der Aufschrift "Speziell angefertigt für" unser Firmenname steht ... "Hier, schauen sie! Wir sollten Technik, die Hitze erzeugen kann, in feuersicherer Umgebung betreiben!" keucht der Chef begeistert. "Und wir sollten Vorsichtsmassnahmen durchführen, um die Überhitzung in Geräten mit beweglichen Teilen zu verhindern!" "Aha. Und wann glauben sie, sollten wir damit beginnen?" "Wann?! So schnell wie möglich!!!" "Ah, ich glaube, wir brauchen dazu einen offiziellen Auftrag zur Erhöhung der Sicherheit im Gebäude." antworte ich. "Die Leute würden uns nicht trauen, wenn wir ihnen sagen, wir müssten für Sicherheit sorgen." "Einen Auftrag wollen sie!? Dabei hatten wir doch gerade ein FEUER! Ich gebe ihnen keinen Auftrag, sondern ich VERLANGE Sicherheit!" "In Ordnung", seufze ich. "Dann legen wir also los." Und damit verabschiede ich mich ... ... für zwanzig Minuten, bis er mich auf meinem Handy anruft und ein weiteres Treffen im Büro fordert ... "Was gibt es?" "IHRE VERDAMMTEN SICHERHEITSMASSNAHMEN!" schreit ein Erbsenzähler, der sich hinter der Tür versteckt hatte, und würde wohl gern auf mich losgehen. "Habe ich es ihnen nicht gesagt", flüstere ich dem Chef zu. "Es scheint so, als würden die Leute glauben, sie seien irgendwie zu eifrig an die Arbeit gegangen. Was ist denn nun wirklich passiert?" "Nun, ich wollte nicht einfach hereinstürmen und ihnen sagen, was sie tun sollen", erkläre ich geduldig. "Das wäre diktatorisches Verhalten. Statt dessen hatte ich mich für eine andere Herangehensweise entschieden, um die Unstimmigkeiten der Vergangenheit zu überwinden und das Kriegsbeil zu begraben." "ER HAT ES IN MEINEM ZIP-LAUFWERK BEGRABEN!" "Nun, es war schliesslich ein Gefahrenherd!" antworte ich. "DAS WAR ES NICHT! ES WAR JA NICHT EINMAL AN MEINEN RECHNER ANGESCHLOSSEN!!!" "Dann war es eben ein potentieller Gefahrenherd, denn früher oder später hätten sie es angeschlossen. Und Vorsorge ist besser als ein Feuer, oder?" "DANN HABEN SIE MEINEN MONITOR IN DEN MÜLLCONTAINER GEWORFEN!" "Er hat Hitze erzeugt. Und der Container hätte uns geschützt, falls der Monitor verbrennt ..." "Jjjjjjjaaaahhh." nuschelt der Chef und wechselt die Seiten schneller, als ein italienischer Kriegsheld. "Ich glaube, da sind sie wirklich etwas übereifrig gewesen." "Nun, es war ihr Bericht, der die Anweisung enthielt, danach Ausschau zu halten!" "Ja, aber ich meinte doch, sie sollten Dinge in Ordnung bringen, die wirklich ein Feuer verursachen könnten." "WIRKLICH ein Feuer verursachen könnten? Ah. Das hätten sie mir aber sagen müssen. Vielleicht sollte ich in diesem Fall auch den PJ informieren - er kümmert sich um leichtentflammbare Gase." "MACHEN SIE SICH KEINE SORGEN!" ruft der PJ triumphierend. "Ich bin FERTIG! Ich hatte ein paar widerspenstige Nervtöter mit ihren Einwänden zu überzeugen, doch jetzt ist die Gefahr von Methangasexplosionen gebannt!" "Welche Methangasexplosionen?" "Gas, eingefangen in einem begrenzten Raum! Ich habe Luftlöcher in die Zwischenwände der Damen- und Herrentoiletten gebohrt, habe die Abfallbehälter aus der Küche nach draussen befördert und, natürlich, die Gefahr von Gasbildung beim Verrotten von Pflanzen dadurch gebannt, dass ich alle Pflanzen in die Container auf der anderen Strassenseite befördert habe." "Mein Gummibaum!" keucht der Chef besorgt. "Keine Sorge - den habe ich nicht angerührt. Er steht sicher und wohlbehütet unter der UV-Lampe in ihrem Büro." "Gott sei dank. Es ist ein preisgekrönter Gummibaum, müssen sie wissen." "Jetzt wird er noch mehr Preise gewinnen - ich habe die Blätter mit etwas Alkohol gereinigt, den ich noch übrig hatte, und ihn näher an die Lampe herangestellt, damit er noch bess ..." Der PJ wird von einem Geräusch unterbrochen, das sehr an eine Explosion erinnert ... "Ich glaube, das könnten sie ganz gut gebrauchen", erkläre ich, als ich dem Chef hastig das Beil in die Hand drücke. "Für das Feuer!" füge ich schnell noch hinzu, als ich bemerke, wie der Chef den PJ fixiert. Gefährliche Plätze, diese Bürogebäude ... [[Der B.O.F.H. betreut wieder die Nutzer ...]] "Hallo, Nutzerbetreuung hier. Wie kann ich ihnen helfen?" fragt der PJ - ein Beweis von Hingabe und Selbstlosigkeit - als Antwort auf den siebzehnten Anruf an diesem Morgen. "Es geht um meinen Rechner", jammert der Nutzer durch das gesamte Büro - eine der Segnungen kabelloser Headsets. "Der PC startet nicht." "Probleme beim hochfahren?" fragt der PJ und heuchelt dabei jene Art von tiefer Besorgnis, die man sonst nur in den Reden von Politikern und Wiederholungen von M.A.S.H. spüren kann. "Ja, der Rechner sagt mir, dass N-T-L-D-R nicht gefunden werden kann." "Verstehe", erwidert der PJ ruhig. "Hat ein anderer Nutzer ihren Rechner benutzt?" "Nein." "Haben sie vielleicht ihr System aufgeräumt - möglicherweise ein paar Dateien gelöscht, um freien Speicherplatz zu bekommen?" "Nein", antwortet der Nutzer. "Aber ..." "Aber sie haben ein paar Dateien verschoben?" "Nun, da waren überall Dateien und das war so eine Unordnung, dass ich ..." "Natürlich, das ist verständlich. Und sie haben sich sicher auch versteckte Dateien anzeigen lassen, oder?" "Nun - ja. Denn ich will wissen, was mit meinem System passiert - ob jemand einen Virus installiert und so weiter!" "Ja, man kann gar nicht vorsichtig genug sein. Nun, wir werden Teile ihres Systems wiederherstellen müssen - welche Windows-Version benutzen sie?" "Ah, Windows 2000." "2000? Das haben wir doch noch gar nicht für die Nutzer freigegeben, weil wir noch auf die CD mit dem Aktualisierungspaket warten." "Das ist in Ordnung. Einer meiner Kollegen hat es gekauft, als er in Malaysia Urlaub machte und es für 3 Pfund pro Exemplar bekommen konnte. Er hat uns allen CDs mitgebracht." Der PJ muss wirklich darum kämpfen, seiner Zurückhaltung nicht aufzugeben. Aber irgendwie schafft er es, sich gegen die drohende Explosion zu wehren - das ist alles eine Frage des Willens. "Aha", keucht er mit zusammengebissenen Zähnen. "Dann verbinde ich sie mit unserem Experten für Windows 2000." Es ist raurig aber wahr - der PJ und ich sitzen nach einer tragischen Durchfallepidemie, die dafür sorgte, dass die sonst zuständigen Leute heimgeschickt wurden (wenn man sie aus den Toiletten herausbekommen hat). Der Chef, unnötigerweise rachsüchtig, hat uns in die Nutzerbetreuung geschickt, da wir die letzten gewesen sein sollen, die man vor dem Wasserspender gesehen hat, der als Ursache für den tragischen Ausfall ausgemacht wurde. ... Der Fluch, der auf der Nutzerbetreuung lastet, trifft uns alle ... Der PJ und ich haben beschlossen, für ein paar Tage das Guter Kerl/Böser Kerl-Spiel zu spielen, um zu sehen, ob wir die Nutzer völlig Verwirren können - wobei wir unsere Rollen zufällig ändern, damit wir nicht berechenbar sind. Nun, ich muss mich um einen Anruf kümmern. "Hallo, Simon hier. Wo liegt denn das Problem?" "Ich kann meinen Rechner nicht starten?" "IHREN Rechner? Der PC gehört der Firma!" "Ja, gut, aber er startet nicht." "Aha. Was haben sie mit dem Rechner gemacht?" "Nichts." "Lügen sie mich nicht an! Haben sie das Gehäuse geöffnet?" "Nein!" "Irgendwelche Programme installiert?" "Nein." "Haben sie einen dieser Dateianhänge gestartet, die ihnen ihre Freunde geschickt haben." "Nein." "Und was ist mit der monkey.exe, die sie gestern bekommen haben?" "Woher wissen sie ... Nein." "Ich glaube, sie lügen mich an ..." "ICH HABE ES NUR EINMAL GESTARTET!" "Aha - also HABEN sie gelogen!?" "Aber es war doch nur einmal!" "Einmal genügt schon! Nun, haben sie mit ihrem Betriebssystem herumgespielt?" "Nein ..." "Ich glaube, dass sie mich wieder belügen. Ich wette, dass sie mit den Einstellungen für versteckte Dateien experimentiert haben, oder etwa nicht?" "Ich wollte nur seh ..." "Also haben sie wieder gelogen. Wenn Microsoft gewollt hätte, dass sie die Dateien sehen, wären sie doch nicht versteckt, oder?" "Aber ..." "KEIN ABER! Ich verbinde sie mit einem Operator, der ihnen mitteilen wird, wo sie ihren Rechner hinbringen müssen." Ich verbinde ihn wieder mit dem PJ. "Hallo, Systemwartung." "Uh, mir wurde gesagt, ich sollte meinen Rechner irgendwo abliefern - aber ich brauche ihn." "Oh, ich bin sicher, dass wir die Reparatur schnellstmöglich durchführen können. Es dürfte nicht länger dauern als ..." >PIEP!< Das Programm, das auf unseren PCs läuft und uns signalisiert, wann ein Rollentausch fällig ist, meldet sich. "... sechs oder sieben Wochen, bis wir uns durch den Problemberg durchgearbeitet haben." "Aber ich muss den Rechner heute benutzen!" "Nun, daran hätten sie denken sollen, bevor sie mit ihren Programmen herumexperimentiert haben. Apropos Programm - haben sie überhaupt eine LIZENZ für das Betriebssystem?" "Ich ..." "Lügen sie mich nicht an, mein Telefon ist mit einem Stimmenanalysator ausgestattet, so dass ich es sofort merken würde." "Es ist nicht mein Programm." "Nun, das klingt wahr, aber haben sie es installiert?" "Nein, ich habe es jemanden machen lassen." Der PJ drückt eine Taste seines Telefons, um einen Piepton an den Anrufer zu schicken. >PIEP< "Das Telefon sagt, dass sie lügen." "Das wollte ich nicht. Ich dachte, es handele sich um NT 4." >PIEP< "Könnten sie ihre Geschichte vielleicht etwas plausibler gestalten? Und denken sie bitte daran, dass diese Unterhaltung aufgezeichnet wird." "AUFGEZEICHNET?! Wieso denn?!" "Auswertung und Qualitätskontrolle, um herauszufinden, wie gut ich ihnen helfen konnte." "Sie haben mir nicht geholfen! Kann ich bitte den anderen Kollegen sprechen?" "Warum?" "Er wollte, dass ich meinen PC irgendwo abliefern soll ..." "In Ordung, ich verbinde sie." "Hallo, Nutzerbetreuung." melde ich mich. "Ja, ich wollte wissen, wohin ich meinen Rechner bringen soll." "Ihren Rechner?" "Ja, sie sagten mir doch, das Betriebssystem müsse neu installiert werden nach diesem Problem mit den Programmen." >PIEP< "Wie bitte?" will ich wissen. "Nachdem ich irrtümlich Dateien verschoben habe." "So ist es gut. Nun, das klingt simpel, so dass ich auch mit einer Sicherungs-CD bei ihnen vorbeischauen und das Problem lösen könnte. Das sollte in zehn Minuten zu schaffen sein." "Sind sie der Kollege, mit dem ich vorhin gesprochen habe?" will der Nutzer verwirrt wissen. "Ich verstehe nicht?" antworte ich. "Ach - nichts. Mein Fehler. Also können sie mein System mit einem stabilen Betriebssystem wiederherstellen?" "Natürlich kann ich. Dann installiere ich einfach Windows 2000 >PIIIIIEEEEEP< , ich meinte Windows NT 4 >PIIIIIEEEEEP<, ich meine Windows >PIIIIIEEEEEP< . Ich werde irgendetwas machen." "Gut, wann könnten sie vorbeikommen?" "Wenn es ihnen passt, komme ich gleich zu ihnen, damit das Problem noch vor dem Mittagessen beseitigt ist!" "OHVIELENVIELENDANK!" keucht der Nutzer und legt auf. Ich greife nach der CD und steuere die Tür an, um als Superheld der Nutzerbetreuung in die Geschichte einzugehen, als ich das >BING!< unseres Programms höre, das der PJ offensichtlich manipuliert hat, denn so schnell war noch kein Rollenwechsel fällig. Dieser hinterhältige Kerl. "Könnten sie mir die OS /2-CD geben?" frage ich und werfe die Windows-CD in den Papierkorb. "Sie sind ein grausamer Kerl ..." ruft der PJ fröhlich. Anmerkung: Nachrichten, die OS /2 verteidigen sollen, werden NUR dann vom B.O.F.H. gelesen, wenn sie klar, leserlich und prägnant auf Banknoten verfasst wurden. Jegliche andere Korrespondenz wird ignoriert. Mit Priorität behandelt werden Nachrichten mit höherem Wert ... [[Der B.O.F.H. und der Linux-Evangelist ...]] Vor ein paar Jahren war die Wahrscheinlichkeit, auf dem Rechner eines Nutzers Linux zu entdecken, ungefähr so hoch, wie die Chance, in einer Kneipe von einem Vorgesetzten eingeladen zu werden. Doch in diesen Tagen wechseln dank der missionarischen Tätigkeit eine Kauzes aus der Abteilung für Forschung und Entwicklung immer mehr Nutzer von der dunklen Windows-Seite herüber zu Linux. Und das gefällt mir gar nicht. Natürlich, ich sollte mich darüber freuen, dass die Leute auf der Evolutionsleiter der Betriebssysteme aufsteigen, doch das ist leider nicht der Fall. Denn erwartungsgemäss wissen die Leute von der Nutzerbetreuung über ein Unix-Betriebssystem ungefähr so viel, wie der Chef der IT-Abteilung über geschmackvolle Bekleidung - nichts -, was sie aber nicht davon abhält Tips zu geben, wie: "Nein, nein, sie brauchen den Anti-Relay-Code nicht in ihrer Sendmail-Konfiguration ..." Nach einem massiven Anstieg unseres Datentransfervolumens habe ich dieses Problem mit meinem bewährten schweren Reparierwerkzeug durch eine Router-Modifizierung gelöst, dann besuchte ich die betreffende Person unten in der Nutzerbetreuung, um mit ihr ein wenig zu plaudern. Nur ein freundliches Gespräch unter vier Augen, nichts besonders dramatisches. Und nachdem ich das Kündigungsschreiben der Person in der Abteilung für Personalfragen abgegeben habe (zugegeben, der Mann dachte, er unterschreibe ein Protokoll über einen Arbeitsunfall, um eine fette Entschädigung zu kassieren), marschiere ich zurück ins Büro und löse das Problem der in der Warteschlange sich stauenden Beschwerden rabiat dadurch, dass ich den Datenträger mit einem Magneten behandle. Und da nun auch der Kauz aus der Abteilung für Forschung und Entwicklung nicht mehr umherschleicht (Er fiel eine Treppe herunter und brach sich bedauerlicherweise beide Beine auf eine Weise, dass es aussieht, als hätte eine Eisenstange den Bruch ausgelöst - doch ganz offensichtlich war es sein Sturz.), müssen wir uns um die dummen Fragen der Leute kümmern, die der Kauz bisher konvertieren liess. "Hallo?" nehme ich einen Anruf entgegen und schaue mich nach möglichen Zeugen um. Der PJ macht eine Pause und lenkt die Aufmerksamkeit des IT-Chefs ab, indem er ihn in ein Gespräch über das Wochenende verwickelt. Der arme, törichte Kerl. "Ich habe ein Problem mit meinem Linux-Server." jammert der Nutzer in mein Ohr, während der IT-Chef den PJ über die Vorzüge herkömmlicher Transportmittel wie Eselskarren informiert. "Ihre Linux-ARBEITSSTATION. Ich höre." "Ich kann Word nicht finden." "Ja - das liegt daran, dass Word Bestandteil ihrer Windows NT-Ausstattung war, aber nicht zur Linux-Installation gehört." "Wie bitte?" "Word ist nicht Bestandteil von Linux." "Sie machen Scherze! Wie unmodern! Nun, wie kann ich es denn installieren?" "Das geht nicht. Sie können ein anderes Produkt installieren, Star Office zum Beispiel, das Word ähnelt, mehr aber nicht." "Werden meine Makros funktionieren?" "Haben sie die denn auf einer Diskette gespeichert, bevor sie Linux installierten?" "Nein." "Ah, nun ..." "Aber ich habe vielleicht noch eine Kopie auf meinem Privatrechner!" "Ausgezeichnet. Aber sie werden trotzdem nicht funktionieren." "Wieso haben sie mich dann gefragt, ob ich die Makros auf einer Diskette gespeichert habe?" "Oh, ich wollte nur etwas nette Konversation betreiben." "?!" "Warten sie, sie könnten natürlich einen Windows-EMULATOR benutzen!! Etwas wie Wine." "Wine? Was ist das?" "Etwas das Nutzer trinken." "Wie bitte?!" "Wine? Nun, es sorgt dafür, dass ihr Linux vorgibt, es sei ein Windows. Wieviel Arbeitsspeicher hat ihr Rechner?" "64 Megabyte steht auf dem Aufkleber an der Seite des Monitors." "Und welchen Prozessor?" "Uhm, Pentium 166." "Aha, und dann haben sie, vermute ich, eine 2 Gigabyte-Festplatte?" "Die habe ich auf 18 Gigabyte erweitert!" prahlt er stolz. "Ausgezeichnet, dann müsste es laufen wie geschmiert!" rufe ich wie Pinocchio. "Sie können das Programm gleich vom FTP-Server ihres Kollegen aus der Abteilung für Forschung und Entwicklung installieren. Wissen sie, wie das geht?" "Ja, ich habe eine Anleitung, und ich habe auch schon einige Programme installiert am Morgen." "Einige Sachen?" "Ah, dieses SETI-Ding, IRC-Server und noch ein paar andere Sachen, die ich zwar nicht kenne, die er aber im IRC empfohlen hat." UND DER HÖHEPUNKT KOMMT ERST NOCH! "Jemand hat es empfohlen, also haben sie es installiert?" "Ja." "Aha. Und was macht die Diode für die Festplattenaktivitäten?" "Diode für Festplattenaktivitäten?" "Es gibt zwei Dioden an der Vorderseite ihres Rechners - über einer der beiden ist vermutlich ein Symbol zu sehen, das wie ein Zylinder aussieht." "Ja, da sind sie! Aber es ist alles in Ordnung. Beide leuchten hell." "Aha, und sie leuchten ohne Unterbrechung?" "Ja. Nein, warten sie, das Ding für die Festplatte hat gerade kurz aufgehört zu leuchten. Muss ich mir darüber Sorgen machen?" "Nein, nicht wirklich ..." ... Zwei Tage später. "Sehr LANGSAM sagen sie?" fragt der PJ, nachdem er die Daten über das System geprüft hat. "Ich kann mir nicht vorstellen, woran das liegt. Oh, die Diode für die Festplattenzugriffe leuchtet ständig, sagten sie?! Und die Statistiken belegen, dass der Datentransfer auf ihrem Rechner enorm angestiegen ist. Kann es sein, dass sie - unbeabsichtigt - einen öffentlichen FTP-Server installiert haben?" "Uh, könnte sein. Damit ich Betriebssystemaktualisierungen bekomme, sagte jemand im IRC." "Jemand im IRC?" erwidert der PJ. "Wie vorsorglich. Haben sie eine dieser Aktualisierungen durchgeführt?" "Ja, am gestrigen Morgen - es hat ewig gedauert." "Etwa zu der Zeit, als all die Rechner in ihrer Abteilung zusammengebrochen waren?" "Uhhhhhmmmm, keine Ahnung. Wann soll das gewesen sein?" "Das spielt keine Rolle. Oooh, ich sehe da eine grosse Anzahl von Telnet-Clients laufen, die mit Nummern in den Niederlanden verbunden sind." "Das sind die Leute aus dem Chat. Sie brauchen Telnet, um den Chat richtig zu benutzen." "Natürlich brauchen sie dazu Telnet. Gut, ich glaube, ihr Problem ist etwas, das wir als Phasen/Neutralitäts-Hysteresis bezeichnen." "Phasen-Neutralitäts-Hysterie? Was soll das denn sein?" "Nun, manchmal passiert es, dass Transformatoren und andere Bauteile mit einem Magnetfeld in einen Hysterese-Modus schalten, der eine Leistungsverminderung bewirkt." >>DUMMY MODE EIN<< "Duh huh." "Sie müssen das Phasen-Neutralitäts-Problem lokalisieren und beseitigen, indem sie dessen Quelle für eine oder zwei Minuten abschalten." "Äh ...?" "Nun, dazu schneiden sie einfach das Netzkabel durch." "Dann bekomme ich einen elektrischen Schlag!" "Nicht, wenn sie eine nicht-isolierte Schere benutzen, um sich vor der statischen Aufladung zu schützen ..." ruft der PJ und greift nach seiner Jacke. "Ähm ... in Ordn ..." ... Eine Minute später. "Das wird der Feueralarm sein." erklärt der PJ. "Wer zuletzt in der Kneipe ankommt, ist ein professioneller MCSE!!" antworte ich, der eine Chance erkennen und nutzen kann. Und da behaupten manche noch, Open Source sei nicht gewinnbringend ... [[B.O.F.H. vs. Service-Ingenieur - 1:0 ...]] Das wird wieder einer dieser speziellen Tage. Ich kann mich darauf verlassen, als ich die Anwesenheit dieses Service-Ingenieurs bemerke, der mir den Zugang zum Büro des Chefs verwehrt, was mich daran hindert, dessen Unterschrift für eine ultra-wichtigen Bestellung zu bekommen. Es geht dabei um ein 34 Zoll-LCD-Bildschirm mit Dolby-Unterstützung, weil ich darauf mehr Windows-Programme gleichzeitig laufen lassen kann, als auf einem normalen Monitor. Ein Ingenieur, der in der Tür zum Büro des Chefs steht, wäre normalerweise kein Problem, doch dieser Kerl bleibt immer länger beim Chef, wenn er bei uns auftaucht. Gleichzeitig erscheint er auch immer häufiger - beinahe so, als ob die von ihm gewartete Technik in den letzten paar Monaten immer unzuverlässiger würde. Für alle ausser dem Chef ist ganz offensichtlich, was der Kerl bezweckt - er will bei uns eingestellt werden, um uns "den Ärger zu ersparen", ihn immer erst mühsam herbeizurufen. Oder, um seinen wahren Beweggrund zu nennen, er will ein gemütliches Plätzchen, an dem er den Tag damit verbringen kann, in den Zeitungen zu schmökern, um dabei nur von einer Bierpause unterbrochen zu werden. Doch das ist unsere Aufgabe! "Es läuft alles auf eine Strategie der vorwärtsgerichteten Wartung und des ständigen Austauschs alter gegen neuer Teile hinaus", höre ich den Ingenieur den Chef belabern, als ich vorbeikomme. "Ja, ich verstehe, worauf sie hinauswollen", kommentiert der Chef, der neugierig auf alles ist, das er als Budget-Einsparung präsentieren kann. "Ich hatte nicht gedacht, dass es so schlimm ist, aber wer immer den NVRAM-Speicher auf diesem Router konfiguriert hat, muss ein kompletter Amateur sein." versucht der Ingenieur seine Professinalität zu betonen. "Sie haben nach mir gerufen?" mische ich mich ein. "Ja", nickt der Chef, der die Spannung im Raum nicht zu spüren scheint. "Er hat gerade erklärt, dass derjenige, der den Router konfiguriert hat, den er sich heute früh anschaute, ein Stümper sein muss." "Das wäre dann also meine Wenigkeit", erwidere ich. "Ah ..." murmelt der Chef nervös und versucht, die Entfernung zwischen seinem Bürosessel und dem Fenster zu erhöhen. Das sollte ich vielleicht näher beschreiben. Der PJ konnte, während er mit einer attraktiven Bekannten flirtete, ein Gespräch des Chefs mit ein paar seiner Manager-Kollegen belauschen. Der Chef fragte sie, ob ihnen aufgefallen sei, dass es in letzter Zeit immer häufiger seltsame und furchtbare Stürze durch Fenster oder ähnliches gebe, wenn Müllcontainer unter den Fenstern der Büros der betreffenden Manager standen ... Da ich mir eine solche Gelegenheit nicht entgehen lasse, habe ich natürlich sofort einen Müllcontainer geordert und ihn unter dem Fenster des Chefs abstellen lassen, um die heutigen Verhandlungen zu vereinfachen. Und selbstverständlich habe ich den Container eigenhändig mit einer nicht unbeträchtlichen Menge zerbrochenen Glases gefüllt ... "Sie haben alles falsch eingestellt!" "Wieso?" "Sie haben die gleiche Version des Programmcodes für den primären und den Sicherheits-NVRAM-Speicher benutzt." erklärt der Ingenieur herablassend. "Ja, so stand es auch im Handbuch." "Aber nur Idioten halten sich an das, was in Handbüchern steht!" ruft er. Zu diesem Zeitpunkt des Gesprächs ist der Chef hinter mir und versucht, sich dadurch zu sichern, dass er seinen Gürtel mit etwas verbindet, das viel zu gross dafür ist, durch das Fenster zu passen. Irgendwie scheint auch der PJ sich für die Sache zu interessieren und eilt herbei. "Sie sagen also, dass sie sich nicht an das halten, was in Handbüchern steht?" "Natürlich nicht. Die sind doch nur für Anfänger, denen man sowieso nicht erlauben sollte, Netzwerktechnik überhaupt nur zu sehen, ganz zu schweigen davon, sie auch noch an die Geräte heranzulassen. Nein, was ich auf diesem Router gesehen habe, war kompletter Müll." "Nun, ich muss zugeben, dass wir nicht wirklich über alle Entwicklungen und Innovationen bei der Konfiguration von Technik informiert sind", gesteht der PJ und senkt langsam den Blick. "Eben! Und bei all der Technik, die in ihrem Gebäude herumsteht, sollten sie wirklich einen Spezialisten einstellen, der sich auf diesem Gebiet auskennt." antwortet der Ingenieur erwartungsgemäss. "Eigentlich keine schlechte Idee", antwortet der PJ nachdenklich. "Tatsächlich?" fragt der Chef verwirrt. "Ja. Unsere Router würden ständig gewartet werden und das allein könnte uns einen ganzen Batzen Geld sparen, den wir sonst für Service-Ingenieure bezahlen müssten." "Wirklich?" keucht der Chef und sieht sich schon einen Bonusscheck für diesen Vorschlag bekommen. "Aber ja. Im Moment haben wir zum Beispiel ein Problem mit der Sendeeinheit einer der Antennen für das Funknetz." "Wirklich? Welche Antenne?" "Die vor ihrem Fenster!" antwortet der PJ. "ES GIBT KEINE ANTENNE VOR ..." ruft der Chef. "Oh, ich ahne schon, wo das Problem liegt!" wird er von dem Ingenieur unterbrochen, der sich aus dem Fenster lehnt und besagte Sendeeinheit beäugt. "Ich denke, es handelt sich um ein kleines Einstellungsproblem. Wenn sie den Sender hereinbringen, kann ich das reparieren." "Wären sie so nett?" frage ich den Chef, der heftig mit dem Kopf schüttelt und seinen Gürtel um einen Tisch im Gang bindet. "Warten sie", sagt der PJ und zaubert eine Kopie des Wartungsvertrages mit dem Ingenieur hervor. "Im Vertrag steht, dass sie ihre Arbeit «in situ» erledigen müssen." "Ohhh, ja, das steht da!" stimme ich zu und unterdrücke meine Freude über diese Wendung des Geschehens noch. ... Zehn Minuten später ... "Gut!" versucht der PJ die Sirenen eines abfahrenden Krankenwagens zu übertönen. "Es sieht so aus, als müssten wir zugeben, dass wir wirklich nicht über die allerneuesten Entwicklungen auf dem Gebiet von Wartungsarbeiten an Antennen informiert sind!" Was nur beweist, dass wir alle manchmal dazulernen können ... [[Wie man den B.O.F.H. zufriedenstellt ...]] Es geschieht nur selten, dass ich mich über die herkömmliche Post freue, und diese Ausnahme bestätigt nur die Regel. "Du kleine SCHÖNHEIT!" rufe ich und wedele mit einem Stück Papier, als sei es die «Du kommt aus dem Gefängnis frei»-Karte. "Und für normale Menschen würde es was bedeuten?" fragt der PJ, offensichtlich eingeschnappt, da er das Gefühl hat, etwas verpasst zu haben. "Lieber Kunde", lese ich vor. "Als häufigen und geschätzten Käufer unserer Produkte und Dienstleistungen möchten wir sie bitten, uns bei einer Befragung zu helfen, bei der es darum geht, wie zufrieden sie mit uns sind. Als kleine Aufwandsentschädigung für ihre Mühe werden wir ihnen einen Präsentkorb schicken. Bitte melden sie sich bei der unten angegebenen E-Mail-Adresse, um einen Termin mit ihrem Kundenbetreuer zu vereinbaren. P.S.: Unter allen Teilnehmern verlosen wir ein Wochenende für zwei Personen in Paris!" "Ein Präsentkorb und ein Wochenende in der Hauptstadt der Froschfresser", schnieft der PJ sarkastisch. "Jetzt verstehe ich ihre Begeisterung, glaube ich ..." Ich ignoriere seinen Spott in meiner Eile, das Anschreiben zu beantworten. "Hm, welcher Termin wäre noch frei?" frage ich mich laut. "Zwei Wochen sind eine zu lange Zeit - ich will so schnell wie möglich ..." ... DREI TAGE SPÄTER ... "Ich muss sagen, dass ich ihre Begeisterung sehr zu schätzen weiss!" erklärt Paul, unser Kundenbetreuer, als er mir zum fünften Mal in diesem Jahr ein Exemplar seiner Visitenkarte reicht und mir die Hand schüttelt, um mich mit seiner Kontaktfreudigkeit auf seine Seite zu ziehen. Der arme Kerl. "Oh, ich bin immer bereit, ihnen bei einer Befragung behilflich zu sein - wie sollten sie denn sonst wissen, wie zufrieden wir mit ihnen sind?!" schmiere ich ihm Honig ums Maul und verdiene mir damit das goldene Abzeichen für Arschkriecher. "Ja, nun, das wissen wir wirklich zu schätzen. Und das ist ... ähm ... ihre Reinigungsfachkraft?" fragt er bemüht freundlich und deutet auf den PJ. "Assistent!" korrigiere ich, bevor dem PJ die Hand ausrutscht und ein Ziegelstein auf den Hinterkopf von Paul sausen kann. "Oh, mein Fehler. Ausgezeichnet, dann fangen wir doch gleich an! Ich weiss nicht, wie weit sie über solche Befragungen informiert sind ..." "Ein wenig." unterbreche ich ihn. "Ich habe früher an einigen teilgenommen. Zugegeben, die letzte Befragung liegt schon drei Jahre zurück, und die wurde auch nicht durch ihre Firma durchgeführt - offenbar haben sie Kundenbefragungen für eine Weile eingestellt. Sie hatten wohl aufgegeben, danach zu forschen, was ihre Kunden wirklich wollen?" frage ich und spiele die Microsoft-Karte aus. "NEIN, NATÜRLICH NICHT!" keucht er. "Nein, wir haben die letzten drei Jahre damit verbracht, einen Fragebogen auszuarbeiten, der besser die Fragen abdeckt, auf die wir Antworten wollen. Und um weniger ... hm ... Verfälschung durch unpassende Kriterien zu haben." "Verfälschungen?" will ich wissen. "Ja." antwortet er. Eine vielsagende Pause später fährt er fort: "Nun, wissen sie, wir haben herausgefunden, dass die Kunden manchmal, nun, Gegenleistungen von unseren Angestellten erwarteten als Gegenleistung für eine gute Bewertung." "Sie machen Witze!" spielt der PJ am anderen Ende des Raums den Schockierten, der plötzlich den wahren Wert von Kundenbefragungen zu entdecken scheint. "Nein, leider nicht!" erwiderte unser Betreuer. "Die Leute verlangten zum Beispiel besseren Service." "UND WER GIBT DENEN DAS RECHT, BESSEREN SERVICE ZU VERLANGEN!?!" frage ich schockiert. "Aber nicht nur das!" redet Paul weiter. "Manchmal wollten sie sogar Trinkgelder von uns haben - Schmiergeld mit anderen Worten!" "Das kann doch nicht sein!" flüstert der PJ und kommt näher. "Ja! Aber der Höhepunkt kommt ja erst noch! Da wollten die Kunden kein Geld mehr, sondern verlangten, dass ihre Betreuer in idiotischen Wettbewerben gegeneinander antreten, um besser beurteilt zu werden! In einem Fall hat ein Kunde verlangt, dass sein Betreuer und der Servicetechniker von uns gegeneinander bei einer Wettfahrt in Bürosesseln antreten!" "Ja", seufze ich und erinnere mich zufrieden an den Fall. "Ingenieur Dave gegen den Betreuer Tim. Dave hatte keine Chance gegen Tim - nicht mit dem Gegenwind, den die vielen Biere vom Mittag verursacht hatten. Nun, ich denke noch immer, dass Tim nicht gedacht hätte, dass Dave die Räder seines Bürosessels lockern würde, um zu gewinnen. Der Chronist hatte es schliesslich nicht mehr in seinen Händen, wer gewinnt, aber, immerhin, Tim wurde nicht mehr gesehen ..." "Sie kennen die Geschichte?" "Kennen? Ich habe die Wettfahrt organisiert. Und ich hatte zehn Pfund auf Dave gesetzt. Es ist immer gut, einen Mann zu unterstützen, der mit einem grossen Hammer umgehen kann, sage ich immer." "Nun, ich denke, dass dieser Fragebogen etwas professioneller gestaltet ist!" antwortet Paul, den diese Enthüllung sichtlich etwas verwirrt. "Natürlich ist er das! Können wir beginnen?" "Aber sicher. Erste Frage: Wie schätzen sie die Qualität der Beratungen durch ihren Kundenbetreuer - das bin ich - ein? A. Ausgezeichnet, B. Gut, C. ..." "Ist grottenschlecht in der Liste?" mischt sich der PJ ein, der sich wohl langweilt. "Nein, sie können sich entscheiden zwischen A. Ausgezeichnet, B. Gut, C. Durchschittlich, D. Zufriedenstellend und E. Ungenügend." "E." antworte ich. "E", murmelt Paul traurig. "Dann weiter. Wie würden sie die Geschwindigkeit einschätzen, mit der ihr Kundenbetreuer - das bin wieder ich - ihre Fragen beantwortet hat? A. Ausgezeichnet, B. Gut, C. ..." "Ist grottenschlecht in der Liste?" fragt der PJ wieder. "Nein! Sie können sich entscheiden zwischen A ..." "E." antworte ich. "E", seufzt Paul. "Wie würden sie die Qualität einschätzen, mit der ihr Kundenbetreuer sie über neue Produkte und Dienstleistungen informiert hat? A. Ausgezeichnet, B. Gut, C. ..." "Ist grottenschlecht in ..." "NEIN!" "E." rufe ich. ... Zwei Minuten später ... "... die Qualität der Hilfestellungen, die sie von mir im vergangenen Jahr erhielten? A. Ausgezeichnet, B. Gut, C. NEINGROTTENSCHLECHTSTEHTNICHTZURAUSWAHL!" "E." "E", seufzt er ... " Gut, dann kommen wir jetzt zur Qualität des Wartungsingenieurs. Wie schätzen sie die Qualität der Wartungsarbeiten in den vergangenen zwölf Monaten ein? A. Ausge ..." "Ist verdammt genial auf der Liste?" fragt der PJ. "Was?" "Verdammt genial - steht das zur Wahl?" "Verdammt genial? Von ihrem Wartungsingenieur? Steve?" "Ja, er ist genial!" "DIE AUSRÜSTUNG DES MANNES BESTEHT EINZIG AUS EINEM HAMMER", regt Paul sich auf. "EIN HAMMER! DAS IST ALLES. EIN VERDAMMTER HAMMER!" "Ja", erwidere ich. "Aber wenn wir ihn gerufen haben, benutzte er den Hammer, so dass wir ein neues Austauschgerät bekamen mit der vollen Garantie für 12 Monate." "Verdammt genial", wiederholt der PJ noch einmal. "Also geben sie ihm die A-Noten und mir die Es?" keucht Paul. "Ja." "Er ist ein Idiot mit einem Hammer." "Er kann ein Idiot sein, aber er erledigt seine Arbeit." antworte ich. "Und er weiss, wie er mit einem Bürosessel den Weg durch das Parkhaus findet." grinst der PJ verschmitzt. "Und sie glauben, sie können mich nun dazu bringen, an einem Wettrennen gegen ihn teilzunehmen? Das wird nicht passieren!" "Wie sie wollen", antworte ich. "Aber wieviel mag wohl eine gute Bewertung einbringen? 5.000 Pfund mehr im Jahr, Lederpolster und die Erhöhung des Hubraumes des Dienstwagens um einen Liter? Oh, und nicht zu vergessen die Sekretärin, die nicht aussieht, wie die Frau auf dem Plakat der Feuerwehr ..." "I - ICH WERDE ES TUN!" Zwei Stunden und ein paar Anrufe später ist alles organisiert. Der PJ und ich werfen ein paar Sessel in den Transporter der Firma und steuern das nächste Parkhaus an ... "IN ORDNUNG. ICH WILL EIN FAIRES WETTRENNEN, KEINE TRICKS, KEINE ABKÜRZUNGEN", rufe ich. "Der Gewinner ist, wer als erster den Ausgang im Erdgeschoss erreicht. Drei Etagen sind zurückzulegen, und denken sie daran, die Vorfahrt zu beachten! ALLES BEREIT?! AUF DIE PLÄTZE ... FERTIG ... LOS!" Einen Sprint und ein paar Klappergeräusche später sind sie gestartet und rollen die erste Rampe hinunter. Der PJ und ich nehmen unsere Plätze ein und beobachten den Ausgang. "Zehn Pfund auf Paul!" ruft der PJ überschwenglich. "Er sieht verschlagen aus." "Ich halte!" antworte ich. Auf der nächsten Etage hören wir die Sessel klappernd vorbeirasen. "Was wissen sie, was ich nicht weiss?" fragt der PJ, der sich seinen Einsatz überlegt. "Alle möglichen Dinge. Wollen sie ihren Einsatz erhöhen?" "GUT! 50 Pfund auf Steve!" "Ich halte!" "NEIN! HUNDERT!" ruft der PJ eine Finte vermutend. "AUF PAUL!" "IN ORDNUNG!" rufe ich, als klar ist, dass es nur noch ein paar Sekunden dauern wird. "WAS WISSEN SIE?!" keucht der PJ. "Wo der Transporter parkt ..." "Wo der Transporter p ..." wiederholt der PJ, als er von ein paar entfernten dumpfen Schlaggeräuschen unterbrochen wird. "Oh, sehen sie!" rufe ich und zeige nach draussen. "Ich glaube, das ist der Sessel von Steve, der da durch die Tür rollt. Wo ist wohl die Armlehne geblieben? Nun, sie schulden mir 100 Pfund." "Sie Bastard!" "Ja, um hundert Pfund reicher und immer bereit für die nächste Befragung ..." [[Der B.O.F.H. und der Sicherheitsspezialist...]] Eines Tages kommen der PJ und ich nach der Mittagspause, die wir nur unterbrochen haben, um mit den Leuten vom Wachdienst das Glas zu heben, zur Arbeit, um den Chef dabei zu sehen, wie er und der Chef der Sicherheitsabteilung die Köpfe zusammenstecken. Das gefällt mir nicht. Und tatsächlich steht solches Verhalten weit oben auf der Liste der Dinge, die ich nicht mag, irgendwo zwischen Sklavenhändlern und einem Austin Princess als Transportmittel. (Aber noch weit, weit hinter Anhängern von OS/2 ...) Einzige Grund dafür, dass der Chef geradezu intim mit jemandem redet, ist, dass er etwas will. Und das einzige, was er vom Chef der Betriebssicherheit verlangen kann, sind, abgesehen von Tips, wie man mit offenen Augen schläft, Informationen, die etwas mit Sicherheit zu tun haben. Also zum Beispiel darüber, wer heimlich in die Garderobe geschlichen ist und das «Tritt mich»-Schild an der Rückseite seiner Jacke befestigt hat, bevor er auf dem Heimweg in die U-Bahn sprang. Offenbar wird es nun Zeit, mich von dem Besucherausweis und dem bewährten Filzstift zu trennen, die mir so gute Dienste geleistet haben ... Nun gut. Wir kommen in unserer Missions-Zentrale gerade rechtzeitig an, um den nervös durch das Büro marschierenden IT-Chef zu erwischen. "Ah!" begrüsst er uns. "Da sind sie ja endlich!" Zwischen "Erbsenzähler" und "PDA" stehen auf der Liste auch "IT-Manager, die sich darüber freuen einen zu sehen". Ich ahne schreckliches. "Ich habe hier einen Vorschlag, den sie sich einmal anschauen sollten. Und sagen sie mir bitte, ob sie von den Schlussfolgerungen überzeugt sind." Er reicht mir ein Blatt Papier, das offensichtlich eine Handarbeit des Chefs ist. Selbstverständlich, auch das De-facto-Siegel des Chefs, der Abdruck des Randes des Bodens einer Kaffeetasse, fehlt nicht, doch allein die Grammatik und das Fehlen jeglicher Interpunktion ist schon überzeugend genug. Ich überfliege das Blatt, das im «Englisch als Fremdsprache»-Kurs höchstens mit einer 3+ bewertet würde, und mir wird alles klar. Weil er in den letzten Wochen immer wieder etwas über Sicherheitsprobleme des IIS (MS Internet Information Server [thomas w.]) gehört hat, will der Chef einen «Sicherheitsbeauftragten» anheuern, der dafür sorgt, dass unsere Website immer an vorderster Front der natürlich siegreichen Kämpfer gegen Angriffe aus dem Internet steht. Ich lese weiter und muss erfahren, dass er dem PJ und mir nicht zutraut, uns immer aktuell über neue Sicherheitslecks der von uns verwendeten Programme zu informieren, während wir gleichzeitig unsere anderen Aufträge erledigen. DAS verletzt mich WIRKLICH! Nach all der Mühe, die ich mir nach dem letzten CERT-Sicherheitsbulletin damit gemacht habe, ihm das Problem anhand eines mit Photoshop bearbeiteten Bildes von ihm, das ihn schliesslich bekleidet mit einem schlichten Kartoffelsack zeigte, zu verdeutlichen!! Aber den wahren Künstler scheint niemand zu schätzen. "Ich denke, wir sind durchaus in der Lage, für die Sicherheit unserer Systeme zu sorgen!" erkläre ich empört. "So sicher, dass ein animiertes Bild von mir in einem Balletröckchen das Firmenlogo vor drei Wochen ersetzen konnte?" kontert er. Das hatte ich glatt vergessen. Nun, DAS war wirklich Handwerkskunst. "Es wurde auf den Server geschmuggelt, noch bevor eine aktualisierte Version der Software verfügbar war." rufe ich. "Ich ..." "Das können sie anderen ERZÄHLEN!" unterbricht er mich. "Mehr als eine Woche scheint niemand es bemerkt zu haben, und selbst dann hat es noch drei einmal Tage gedauert, es zu entfernen!! Wie würden sie ein solches System denn nennen?" Ich schätze, dass die Antwort: "Ein System, das darauf wartet, dass der PJ aus dem Urlaub zurückkommt und etwas zum Lachen hat" nicht dem entspricht, was er hören will, also entscheide ich mich, an dieser Stelle lieber zu schweigen ... Nun gut ... Zwei Tage später kommt unser neuer Sicherheitsinspektor an. Er trägt eine Safariuniform. Eine wirlich traditionsbewusste Ausrüstung und Tarnung. "Hallo Kameraden", sagt er am Ende der kurzen Besichtigungstour durch das Büro und unsere Zentrale. "Ich nehme an, sie sind die beiden, denen ich Tips geben soll, wie die Firewall und vor allem der Webserver konfiguriert werden müssen. Können wir uns morgen dazu treffen ... sagen wir um 9:00 Uhr?" "9:00 Uhr", murmle ich vernehmlich, da ich wirklich nicht in der Stimmung bin, alte Lebensgewohnheiten einfach zu ändern, indem ich zur Unzeit auf Arbeit auftauche ... "Wie wäre es um 10:30 Uhr?" "Nein, nein - Morgenstund hat Gold im Mund - meine Zeit und mein Budget sind begrenzt. Von 10 bis 11 Uhr habe ich morgen eine Beratung mit den Leuten vom Wachdienst, um die anderen Punkte zu besprechen. 9 Uhr ist gut." "Das können sie vergessen", erwidere ich, der ich nur schwer zu reizen bin, wenn man einmal von dem absieht, was der PJ erzählt, wenn er glaubt, ich sei ausser Hörweite ... "Wie bitte??!" "Ich sagte, darauf können sie sich verlassen!" antworte ich. "Ausgezeichnet, und wohin soll ich das hier schieben?" ... EINE MINUTE SPÄTER ... "Ich sagte, er solle es in sein BÜRO schieben!" Beantworte ich die Anklage des Chefs wenig später. "Was will er denn gehört haben?" ZWEI TAGE SPÄTER. "... und Nessus hat verschiedene offenkundige Schwachstellen in einigen der weniger gebräuchlichen Internet-Diensten entdeckt. Zum Beispiel einen FTP-Server, auf dem jeder auf der Welt Schreibrechte hat, der offenbar voller pornographischer Bilder war, und zum Schluss auch noch einen E-Mail-Server, der jede ankommende Nachricht mit einem Virus beantwortete ..." "Das ist der Server, den wir benutzen, wenn wir eine E-Mail-Adresse in Verzeichnisse aufnehmen lassen wollen, die sich zu weigern, ihre Kontaktdaten in ihren Datenbanken zu speichern." erwidert der PJ. "Ja." kommt die trockene Antwort unseres «Kollegen». "Wie dem auch sei, ich habe nun alle betroffenen Server gesichert, habe die Server-Software und die Betriebssysteme auf den aktuellen Stand gebracht und habe ebenfalls die unmoralischen und illegalen Inhalte gelöscht." "Mein Porno-Archiv!" schnappt der PJ betroffen nach Luft. "Alles auf den Bändern mit den Sicherheitskopien", tröste ich ihn. Und wo ich gerade so schön in Schwung bin, spende ich auch unserem Berater Trost. "Das tut mir sooo leid", murmle ich, als ich den 19 Zoll-Monitor von seinen Füssen hebe. "Das war furchtbar ungeschickt von mir, aber ich hätte schwören können, dass ich das Gerät aus der Verpackung genommen und seinem ursprünglichen Besitzer ausgeliefert habe, nachdem die Polizei es zu uns zurückgebracht hatte." "Polizei?" fragt er neugierig geworden. "Wieso?" "Oh, Diebstahl. Sie wissen schon, Diebstahl durch Mitarbeiter. Es gibt eine Menge davon, müssen sie wissen - beinahe täglich verschwindet ein Gerät, um ehrlich zu sein. Irgendjemand parkt sein Auto vor dem nicht mehr genutzten Lastaufzug am Lieferanteneingang und verschwindet dann mit dem einen oder anderen Ausrüstungsgegenstand." "Und wie verlaufen die Ermittlungen?" "Nun, um einen ganz sicheren Beweis zu haben, müsste jemand den oder die Täter auf frischer Tat ÜBERFÜHREN und ich werde ganz sicher nicht die ganze verdammte Nacht damit verbringen, in einem abgeschriebenen Teil des Gebäudes herumzuhocken, um auf etwas zu warten, das dann vielleicht doch nicht eintritt." "Und was ist mit den Überwachungskameras?" "Keine Chance, dieser Lastaufzug wurde niemals überwacht." "Nun, dann werde ich das übernehmen! Ich habe aus Nigeria meine Infrarot-Ausrüstung mitgebracht. Ich werde ihnen ihre Beweise liefern!!" Zwei Tage später ... "... und er kam nicht zurück?" fragt der Chef. "Nein, er hat etwas von Nigeria und Malaria erzählt, und das war es dann auch schon." ... "Ich verspüre etwas Mitleid mit ihm." gesteht der PJ. "Ach, Unfug!" antworte ich und deute auf den Monitor der Infrarot-Überwachungsanlage. "Sehen sie doch, er hat diesen alten Topf mit Nudeln gefunden. Das sollte ihm noch über einen weiteren Tag hinweghelfen! Und er hat noch immer eine halbe Tasse Urin übrig. DAS IST PURER LUXUS!" "Trotzdem, ich ..." "Gut, wir sind im Moment ein wenig überlastet, aber ich überlasse es ihnen. Sie können ihn befreien bevor er geisteskrank wird ODER sie stellen ihr Porno-Archiv wieder her." "Dann nehme ich die Bänder mit der Sicherung ..." So soll es sein. [[Herzschlag oder Krebs ...]] "Der Chef sieht blass aus", erklärt der PJ, als der Chef mit auffallend bedächtigem Gang zur Arbeit schleicht. "Yep." antworte ich, denn ich kenne alle Details der Geschichte. "Gestern war eine Beerdigung. Einer seiner Kameraden aus der PDP-11-Ära ist in das grosse himmlische Archiv aufgestiegen." "Herzschlag?" fragt der PJ nach der Haupttodesursache von IT-Managern. "Genau. Es scheint so, als hätte die alte Pumpe aufgegeben, als er sie überlasten wollte." "Beim Auffüllen das Papierschachtes des Druckers?" fragt der PJ, der nach einem Grund für die Unfähigkeit unseres Chefs, solch eine einfache Aufgabe selbst zu erledigen, sucht (abgesehen von der offensichtlichen Möglichkeit, dass er ein fauler Bastard ist). "Nein, es war noch mehr Anstrengung nötig!" erwidere ich. "Internet-Porno-Marathon?!" "Noch anstrengender ..." "Doch nicht etwa ..." "Genau!" "Er hat die Treppe benutzt!!!" "Tatsächlich. Man hat ihn im Treppenhaus zwischen der Management-Etage und der Kantinen-Etage gefunden, nachdem man ihn eine Woche lang vermisst hatte. Hätte es nicht die Brandschutzübung gegeben, dann hätte es wohl noch Monate gedauert, bis man ihn findet!" "Das ist ja furchtbar!" "Das ist es wirklich! Der Chef wird uns noch einigen Ärger bereiten!" "Wieso?" "Er hat diese krankhafte Angst und wird uns auf die Nerven gehen!" "NOCH schlimmer, wollten sie wohl sagen. Aber um welche Angst geht es?" "Nun, ihm wurde klar, dass er sich in einer Gefahrenzone bewegt - noch immer. Er wird sich ängstigen, sich Sorgen machen und dann seine Gedanken auf Probleme konzentrieren, um irgendwie gesünder zu leben." "Durch das Einnehmen von Vitaminen?" "Ja. Aber nicht nur das. Er wird zum Lunch laufen, vegetarische Speisen oder fettreduzierte zu sich nehmen und so weiter." "Das klingt doch gar nicht so schlecht." wirft der PJ ein. "Gut, das ist ja noch nicht der schlimme Teil. Aber dann wird er freitags nicht mehr in den Pub kommen ..." "Keine Besäufnisse mehr?!!!" "Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Denken sie weiter - keine unterschwelligen Botschaften mehr ..." "Was?" "Die hypnotischen Botschaften, die wir in die ersten sechs Minuten seiner Wet! Wet! Wet!-Kassette für die Heimfahrt mit der U-Bahn gemischt haben." "?" "Die Musik, die ihm die hypnotische Botschaft einflüstert, er ziehe Blondinen mit grossen Dingern an ..." "?!" "Als sie ein paar Internet-Pornos haben wollten, aber keine Lust hatten, selbst danach zu suchen, und sie statt dessen aus dem Cache-Speicher seines Browsers kopierten." "OH JA, jetzt erinnere ich mich. Aber ich brauche KEINE neuen Bilder!" "Noch einmal, das ist alles nur die Spitze des Eisbergs. Wenn es ihm besser geht, wird er auch eher hier auftauchen. Und er wird als Fitnessmassnahme durch das Gebäude marschieren, verkünden, er «möchte sich ein Bild machen». Und bevor wir noch wissen, wie uns geschieht, wird er Nutzer besuchen - und sie wissen ja, dass das nur zu Ärger führen kann." "Wie können sie so weit in die Zukunft blicken?" "Alles Erfahrung. Es ist immer dasselbe. Ein Freund gibt den Löffel ab und als nächstes kommt die «Es-ist-Zeit-für-ein-völlig-neues-Leben»-Entscheidung, die sonst nur zum Jahreswechsel fällig ist." "Yuhuhu ..." höhnt der PJ ungläubig. "Dann schauen sie sich doch einmal an, was er an diesem Morgen trinkt." Schicke ich den PJ zum Getränkeautomat. "Ich kann es nicht glauben!" schnieft er. "Er hat Süssstoff in seinen Tee gemischt statt der üblichen drei Stücke Zucker." "Süssstoff?" erwidere ich. "Habe ich es ihnen nicht gesagt? Aber jetzt machen wir einen richtigen Test." Dieser Test ist etwas verzwickter und hinterhältiger. Ich lasse ein paar Schokoladen-Eclairs unbeaufsichtigt auf einem Tisch vor seinem Büro liegen, aber wie es das Schicksal will, ist sein Heilungsprozess schon weiter fortgeschritten als ich dachte, und so ignoriert er sie und begibt sich unter dem Vorwand, die Beziehungen zu unseren Klienten verbessern zu wollen, nach unten ... "Es ist ernst!" jammert der PJ und blickt auf die Aufgabenliste, die der Chef hinterlassen hat. "Er will, dass wir die «Hände der Nutzer halten», während die die Programme für die Datensicherung prüfen. «Nutzerzufriedenheit» nennt er das ..." "Warten sie einfach bis zum Morgentee." Die Zeit für den Tee kommt, und ein selbstsüchtiger Bastard hat die zwei Eclairs gegessen, die, das kann ich hinzufügen, sehr lecker waren. Der PJ und ich versuchen, den Chef mit Schokoplätzchen zu locken, aber er scheint dagegen immun zu sein, seitdem er am Nachtmittag des Vortages ein paar Scheiben Vollkornbrot gegessen hat. Der arme, kranke Kerl. "Jemand muss etwas unternehmen!!!" jammert der PJ voller Panik. "Er denkt darüber nach, um 16 Uhr ein Treffen mit den Nutzern abzuhalten." "ZUR KNEIPENZEIT!" rufe ich. "NUR ÜBER MEINE LEICHE!" ZUR LUNCHZEIT "Nur einen Gemüsesalat für mich." seufzt der Chef leise. "Wollen sie denn gar keine dieser Zwiebel-Bhajis?" will der PJ wissen und lädt plangemäss ein paar davon auf seinen Teller. "Nein, heute nicht." "Und das ist eine gute Idee", füge ich hinzu und lade ein gutes Dutzend auf meinen Teller. "Nicht gerade eine gesunde Ernährung, voller Cholesterin! Ich wünschte, ich hätte die gleiche Ausdauer wie sie! Aber ich bin schwach. Ich sehe sie dort, denke an ihren würzigen Geschmack und kann nicht mehr widerstehen. Dieser herrliche Geschmack! Ich wünschte, ich könnte stark sein - aber ich kann es nicht. Oh, und sehen sie hier, gebratenes Huhn ist ebenfalls auf der Speisekarte - sie verdienen wirklich Respekt für ihre Kraft!" Ich gönne mir eine mehr als überreichliche Portion der Erwähnten Speise und lasse die fettige Sosse über die Bhajis rinnen ... Die Maske der Gleichgültigkeit bröckelt kaum merklich, aber er gibt noch nicht auf, der arme Kerl. Wie auch immer, im Geist erinnere ich mich an die Szene aus Das Boot, als das U-Boot sehr weit aus dem Wasser herausragt und der Rumpf langsam zerbricht ... ... nur noch 10 Meter ... Um sich nicht weiter der Versuchung auszusetzen, marschiert der Chef in den gesünderen Bereich der Erbsenzähler (und Erbsenesser) in der Kantine und lässt uns mit unserer cremigen Nachspeise allein. Doch wir trotten hinter ihm her und setzen uns an seiner Seite. Was ich auf den Tellern der Leute sehe, ist eklig - alles grün, keine Kohlehydrate, kein Fett. Alles so, wie es auf dem Diätplan steht, den sie im Fitnessclub bekommen haben. Selbst das Essen des Chefs wirkt schon etwas dekadent in dieser Umgebung. "Wie geht es, Kollegen?" plaudere ich fröhlich drauflos und mustere die starken Beherrscher der Zahlenkolonnen. "Oh, ist das ein GANZES Salatblatt??!! Stellen sie sich vor, wie es mit diesen Hormontabletten wirken könnte, wenn sie ZWEI Blätter essen würden!!" Die Stille ist ohrenbetäubend, auch wenn ich im Hintergrund noch das leise Geräusch vernehmen kann, das ein Elektroschocker verursacht, den der PJ unter seinem Tablett verbirgt ... Und dann ... "Wollen sie etwas?" fragt einer von den Erbsenzählern. "Nein, nein, nur einen kleinen Rat. Sie sehen so aus, als würden sie sehr auf sich achten?" "Verglichen mit anderen Leuten", höhnte ein anderer Erbsenzähler und schaut auf mein Festmahl herab. "Ja, ja. Aber trotzdem, ist es wahr, was ich alles über diese künstlichen Süssstoffe gehört habe, dass sie mit dem grossen K zusammenhängen könnten?" Der Ausdruck im Gesicht des Chefs verändert sich leicht und ich frage mich, ob ich auch den letzten Rest Menschlichkeit verloren habe, da ich so grausam bin. "Kyodai Mahjongg?" fragt der PJ. "Nein, Krebs." antworte ich höflich. "Oh, ja", ruft einer von ihnen und springt auf das, was wohl sein Steckenpferd (Es gibt immer einen.) ist, und galoppiert los. "Sie könnten auch UNKRAUTVERNICHTER statt dieser künstlichen Süssstoffe essen! Sie sind so krebserregend, dass erst neulich ... OHMEINGOTT, ER IST OHNMÄCHTIG!" Alle Augen ruhen nun auf dem Chef, dessen Gesicht auf meinem Teller gelandet ist und Hühnersosse auf mein neues Administratoren T-Shirt gespritzt hat. "Bewusstlose kauen nicht", merkt der PJ an. Der Chef macht eine Pause von meinem Essen, um nach Luft zu schnappen. "Sie sind etwas verwirrt!" stelle ich fest. "An dem Treffen mit den Nutzern können sie in diesem Zustand nicht teilnehmen. Soll ich es auf den morgigen Nachmittag verschieben?" "Vergessen sie diese A***löcher!" murmelt der Chef. "Willkommen daheim, Sir", sagt der PJ und reicht dem Chef die Hand. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute. [[Katastrophenschutz ...]] Es ist Donnerstag, Zahltag, und der Chef wirkt irgendwie verändert. Das kommt vermutlich daher, dass er wieder einmal sein Büro verlassen hat und wie ein drittklassiger Schauspieler herumgewandert ist, um zu erfahren, was die anderen von ihm denken. "Morgen, wie geht es ihnen?" flötet er, um sich bei uns einzuschmeicheln. "Hallöchen!" antwortet der PJ und schiebt dem Chef grosszügig einen Stuhl hin, damit er sich zu unserer morgendlichen Kaffeerunde setzen kann. "Ahm - ich habe gerade einen Bericht der Rechnungsprüfer gelesen", beginnt er und übersieht dabei die geradezu beispiellose Respektsbezeugung durch den PJ. "Tatsächlich? Und was stand in dem Bericht?" fragt der PJ, als würde er sich wirklich für ein Gespräch interessieren und beugt sich vor, um diesen Eindruck noch zu verstärken. "Nun, SCHEINBAR haben wir keinen Katastrophenplan - aber ohne einen solchen Plan wollen die uns nicht als «Ausgezeichneten Service» bewerten!" "Diese SCHWEINE!" schluckt der PJ. "Moment, sagten sie nicht, wir hätten einen Katastrophenplan?" "Ja, wir haben verschiedene, um genau zu sein", antworte ich. "Allerdings glaube ich nicht, dass die Prüfer die Angelegenheit jemals mit uns besprochen haben - möglicherweise ist das ja das Problem." "Wirklich?" staunt der Chef. "Nun, dann muss ich wohl gestehen, dass ich tatsächlich mit denen darüber gesprochen habe, aber ich wusste ja nicht, dass sie schon an der Materie gearbeitet haben!" "Nun, ich würde sogar sagen, dass ich einen Teil meines LEBENS darin investiert habe!" antworte ich und betone damit, dass das Thema mir wirklich sehr am Herzen liegt. "Oh, gut. Könnten sie mir dann ein paar der Möglichkeiten nennen?" "Selbstverständlich! Schauen sie auf die Wandtafel. Plan 1 zum Beispiel sieht vor, dass wir im Möbellager im Kellergeschoss ein Feuer legen, das, wenn es sich ausbreitet, sich durch die Wand hindurchfressen und dann im Raum mit den Notstromaggregaten auf einen riesigen Dieseltank treffen könnte. Und wenn der Tank erst einmal ..." "Ah, nein. Ich meinte ..." "In Ordnung, danach haben sie nicht gesucht. Wie wäre es, wenn wir einen wirklich schweren Gegenstand auf die Hauptleitung für das Gas fallen liessen? Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis ein Funke ..." "NEIN! Ich will keine Katastrophe AUSLÖSEN, ich will sie BEKÄMPFEN!" "Also Microsoft ausmustern und Linux anschaffen?" "Bitte?!" "Ich vermute, er meinte eigentlich unsere Katatstrophen-SCHUTZ-Pläne", fügt der PJ hilfsbereit hinzu. "ACH SO MEINEN SIE DAS!" rufe ich aus. "Sie wollen wissen, was wir für Pläne haben, um alles wieder zu richten, wenn etwas schreckliches geschieht!" "JA!" bestätigt der Chef. "Und dafür haben wir nur noch einen begrenzten Zeitrahmen, denn wir müssen vor dem Ende des Monats diese Pläne vorlegen!" "Oh, in Ordnung." murmle ich nachdenklich. "Also wollen sie wissen, was wir machen, wenn es zu einer Katastrophe kommt?" "JA!!!!" "Nun, das hängt ganz offensichtlich von der Art der Katastrophe ab." "Ja, ja, aber wie sieht der Plan im Fall eines grossen Feuers aus?" "Nun, als wichtigste und erste Massnahme wird, sofern wir im Gebäude sind, derjenige von uns die Blockierung für das Feuerlöschgas aufheben, der dem Rechnerraum am nächsten ist." "Und der andere?" "Der rennt zu den Erbsenzählern und leitet sie an, sich von allen Fenstern zu entfernen und sich in die sicheren Bereiche unter den Schreibtischen, in den Türdurchgängen oder Aktenschränken zurückzuziehen." "Uh, ist das nicht die Vorschrift für Erdbeben?" "Nicht für die Erbsenzähler. Bei einem Erdbeben müssen die Erbsenzähler ..." gebe ich vor und an den PJ weiter. "... die Sicherheitsbereiche vor massiven Bücherschränken, unter massiven, grossen Objekten oder in der Nähe von Glastüren aufsuchen." "EXAKT!" rufe ich. "Ich glaube nicht, dass sie darüber wirklich richtig nachgedacht haben", kommentiert der Chef. "Oh doch, wir haben an alles gedacht. Schauen sie sich einfach die NOTFALL-INSTRUKTIONEN in der Arbeitsschutzanleitung der Erbsenzähler an. Ich bin besonders stolz auf den Abschnitt über das Verhalten bei Bombendrohungen." "Ist das die Anweisung, nach der die Leute mit fuchtelnden Armen direkt auf die bewaffneten Polizisten zulaufen sollen und dabei «Ihr kriegt mich nicht lebend, ihr Schweine!» rufen sollen?" fragt der PJ. "Genau diese!" "Ich LIEBE diese Anweisung!" "Lassen wir das", meint der Chef und zieht es offenbar vor, sich nicht weiter in den Morast hineinzubegeben. "Ich will wissen, wie wir unsere Arbeitsfähigkeit WIEDERHERSTELLEN können, wenn die Gefahr vorüber ist." "Ich glaube, der Plan sieht vor, dass wir zur Arbeit kommen und nach einer Inspektion der Technik und des Schadens im Gebäude entscheiden, was zu tun ist." erwidere ich. "Das ist doch kein Plan!" "Doch, das ist es! Es ist ein sogar ein grossartiger Plan!" übertreibt der PJ unsere Verteidigung ein wenig. "Sie haben mich doch selbst auf dieses 3-Tage-Seminar zu diesen Leuten geschickt, damit ich etwas über Katastrophen-Behebung lerne!" "Aber stand da nicht etwas von ... uh ... >blätter< ... «Rund-um-die-Uhr-Sofort-Service» in der Beschreibung?" fragt er und deutet auf seine Notizen. "DA STAND WAS?!?! Es gab da diesen Strip-Club am anderen Ende der Strasse. Dort wurde sofort ..." "ES GEHT UM DIESEN BANDSICHERHEITS-SERVICE!!" "Ach, der! Ja, das haben sie, glaube ich, einmal erwähnt, aber das ist eine Katastrophe - wir würden unsere Bänder nicht so schnell bekommen, um die Daten hier wiederherzustellen! Abgesehen schon einmal davon, dass wir gar nicht wissen, welche Version der Daten wir dann irgendwann bekämen. WENN wir natürlich in der Liste ihrer Kunden etwas aufsteigen würden, wenn wir deren bester Kunde werden könnten, ginge das vielleicht mit dem Sofort-Service. Aber da müssten wir uns mit einer Investment-Bankengruppe anlegen, soviel Geld haben wir nicht." "Wir können über die Bänder nicht sofort verfügen?" will der Chef wissen und umgeht dabei das wahre Problem wie ein echter Profi. "Aber wir zahlen 3.000 Pfund pro Jahr für diesen externen Bandsicherungsservice! Diese Leute kommen jeden Tag! Manchmal sogar ZWEIMAL! Ich habe sie mit meinen eigenen Augen gesehen!!!" Nun ist wohl nicht der richtige Augenblick dem Chef zu erklären, das der Typ zwar Bänder liefert und abholt, es sich dabei aber um Bänder seines Video-Verleihs in Bromley handelt. "Und es ist auch ein hervorragender Service!" erkläre ich stattdessen. "Aber wenn es wirklich eine Katastrophe gibt, wären die Strassen für den privaten Verkehr gesperrt, WENN man die Leute vom Bandsicherungsservice überhaupt wieder in IHR Gebäude hineinlassen würde, um für uns die Bänder zu holen. Selbst WENN wir DEREN wichtigster Kunde wären ..." "Also sind wir in jedem Fall angeschmiert?" seufzt der Chef. "Genau - deshalb heisst es ja auch Katastrophe. Wir haben hier nur unsere persönlichen Vorkehrungsmassnahmen." "Und die wären?" "Wir ruinieren die anderen Vertragspartner, indem wir sie mit Schadenersatzforderungen wegen grober Fahrlässigkeit überziehen, bevor sich die Bandsicherungsleute um uns kümmern können. Dann verstecken wir uns in der Dritten Welt (Liverpool), lassen etwas Gras über die Sache wachsen und schliessen dann mit einer anderen Firma einen Vertrag." "Aha ... Könnte ich eine Kopie von diesem Plan bekommen?" "Natürlich, kein Problem!" [[Die Nutzer-Betreuung und der Roman ...]] Trotz all unserer Bemühungen wurden der PJ und ich wieder einmal gefragt, ob wir für die Nutzer-Betreuung einspringen können. Heute, denn sie haben sich einen freien Tag verordnet, um sich gegenseitig zu versichern, wie gut sie doch sind, und veranstalten eine Gruppenfummelei zur 'Vertrauensbildung'. Normalerweise hätte ich gegen einen solchen Wunsch auch ein wenig protestiert, doch die Verlängerung der Arbeitsverträge steht bevor und sollte es zu einem spürbaren Ausfall kommen, würde das die Wichtigkeit unserer Arbeit noch betonen. Und bis dahin müssen noch ein paar Stunden vergehen, wenn man einem billigen mechanischen Zeitmesser vertrauen kann ... Inzwischen verstaltet die Nutzer-Betreuung Ringelpietz mit Anfassen irgendwo in der Stadt ... Zum Glück verbindet den PJ und mich eine stabile Beziehung, die auf gegenseitigem Vertrauen und Respekt beruht und durch die Angst vor höheren Stromstärken noch verstärkt wird ... Zurückblickend hat sich die Guter Kerl/Böser Kerl'-Methode vor ein paar Wochen ganz gut bewährt, wobei der PJ der Sieger darin blieb, die Zeit zwischen dem Wechsel der Rollen immer weiter zu verringern, bis ich nur noch manisch depressiv zuschauen konnte. Doch damit ist es nun vorbei, seitdem der Chef die Woche der Professionalität ausgerufen hat. Ich habe ihn gefragt, ob er damit die Professionalität von Jean Reno meint, doch irgendwie hat er mich nicht verstanden ... "Hallo", sage ich und greife zum Hörer, um den ersten Anruf entgegenzunehmen. Die Rufnummern-Identifizierung bringt das "Schwieriger Kunde"-Symbol auf dem Bildschirm - ein Symbol, das der PJ und ich nur wirklich harten Fällen zuordnen, die, um im Jargon der Nutzer-Betreuung zu sprechen, mit oberster Priorität behandelt werden sollen - Pffft! "Hallo, ich frage mich, ob es eine Möglichkeit gibt, meinen Computer zu sichern." "Oh, das tut mir leid, die OS/2-Installations-CD habe ich vor ein paar Wochen verborgt. Warum versuchen sie es nicht mit Netscape 6.0 - ich habe einige gute Berichte darüber gehört." "Und das würde meinen PC sicherer machen?" "SICHERER? Oh, da haben wir uns missverstanden. Warum nehmen sie nicht 'Arbeitsstation sperren', wenn sie CTRL-ALT-DEL gedrückt haben?" "Weil dann ein Administrator den Schutz umgehen und sich trotzdem anmelden kann. Und damit kann er auf meine privaten Daten zugreifen!" "Also etwa so, wie wenn man das BIOS kurzschliesst und dann startet?" "Der Rechner startet nicht ohne Passwort!" "Also müsste man das BIOS komplett löschen und dann den Rechner kurzschliessen?" "Das geht nicht. Das Gehäuse ist versiegelt." antwortet er selbstgefällig. Se->Klickklack<-ufz. "Nun, es scheint, als hätten sie an wirklich alles gedacht", fasse ich zusammen und starte eine meiner Eigenentwicklungen, die eine Auflistung der Nicht-Standard-Daten seiner Festplatte auf den Monitor zaubert. "Meinen sie mit 'privat' etwa Sachen wie ... >Klickklick< ... 'Die Sommerromanze' von Sharon Thwaite?" Das unterdrückte Keuchen am anderen Ende der Leitung kann nur eins bedeuten: Zahltag! "Sie verfassen Pornographie für Hausfrauen auf ihrem Rechner?!?" "DAS IST MEINE GESCHICHTE!" geht er in die Defensive. >Klickklack-Klick< "Nun, TECHNISCH betrachtet, gehört die Geschichte der Firma", korrigiere ich ihn. "Was für alle Daten auf den Rechnern der Firma gilt. Das ist Bestandteil ihres Arbeitsvertrages. Aber für 10 Pfund verkaufe ich ihnen die Geschichte!" "Und für eine Tüte Kartoffelchips", fügt der PJ hungrig hinzu. "Salz und Essig!" Ein paar Klicks genügen, ihn davon zu überzeugen, dass die Datei nicht mehr da ist, wo er sie gespeichert hatte. "Sie haben sie gelöscht?" "Haben sie denn eine Sicherheitskopie?" frage ich. "Sicherheitskopien vertraue ich nicht. Die Administratoren machen das doch nur, um sich dann unsere Dateien anzuschauen. Das haben sie auch schon gemacht!" "Natürlich haben sie das", antwortet der PJ und schaltet sich in die Konferenzschaltung ein. "Die machen sowas. Erinnern sie sich noch daran, wie sie mit einer E-Mail gegen den Strafzettel wegen Falschparkens vorgehen wollten? Nur hatte sich die Nachricht auf mysteriöse Weise verändert und zeigte schliesslich ein Bild mit zwei kopulierenden Pavianen und der Unterschrift 'Polizisten sind Idioten!'." "Dafür haben sie mich zwei Wochen lang gejagt", jammert er. "Sie haben eine gelbe Linie unter meinen Wagen auf die Strasse gemalt und ihn dann abgeschleppt. Dreimal!" "Diese Administratoren sind eche BASTARDE, nicht wahr?" murmelt der PJ und unterdrückt ein lautes Lachen. "Das sind sie!" "Geschah das bevor sie sich geweigert haben, den Staub aus ihrem Rechner zu entfernen, weil sie gelesen hatten, davon gehe eine Gefahr aus, oder war das danach?" "Ich ..." "Oder ist das passiert, nachdem sie die Administratoren verpfiffen haben, weil diese ein raubkopiertes Spiel auf zwei Rechnern installiert hatten?" "Das WAREN Raubkopien! Und sie hatten während der Arbeitszeit gespielt! Und sie weigerten sich, mir bei meinem Problem zu helfen." "War das das Problem mit ihrem Monitor, den sie verstellt hatten?" "Ja, aber woher wis ... Oh ..." "Genau", beantwortet der PJ die unausgesprochene Vermutung. "Und jetzt haben sie etwas gelöscht, an dem ich ein Jahr lang gearbeitet habe!" wimmert er. "Nein, nein, wir haben es nur sichergestellt. Wie wir das mit allen Daten machen, die der Firma gehören. Wir sind schliesslich Profis! Und das tun wir, bis die Firma kein Interesse an ihnen mehr hat, dann ..." "Sie dürfen sie nicht anrühren! - Das ist die berichtigte Überarbeitung!!! Ich will sie am Nachmittag an den Verlag schicken!" keucht er. "Wenn sie den Ausdruck mit der Post verschicken, warum sollten wir das Manuskript dann sichern?" fragt der PJ. "Weil ich noch in der Post-Zentrale ein paar Briefmarken holen muss!" "Nicht während der Arbeitszeit, oder?!" frage ich und stelle seine Loyalität zur Firma auf die Probe. "Natürlich nicht", lügt er. "Damit hätte ich bis zur Mittagspause gewartet." "Also können wir davon ausgehen, dass die Firma die Daten bis dahin brauchen könnte, aber dann ..." fügt der PJ hinzu. "Ich hole schnell die Kartoffelchips!!!" ruft der Anrufer in den Hörer. ... "Es ist nicht besonders aufregend", meint der PJ, der sich den Text anschaut. "Die Sache braucht etwas mehr ..." "Ein zusätzliches Kapitel vielleicht?" "Mit pelzigen Landbewohnern?" fragt der PJ mit teuflischem Grinsen. "Warum nicht! Und ich werde mich darauf konzentrieren, das Vokabular etwas zu erweitern. Mit Worten wie 'Ständer', 'Liebesspender' oder 'pulsierender, geaderter Lusthammer' und so weiter." "Wenn wir damit fertig sind, wird es das Werk problemlos in die Hitliste des Amsterdamer Fetisch-Festivals schaffen!!!" kichert der PJ. "Gute Idee - ich rufe mal eben bei Piet an!!!" Es stimmt schon, was man sagt - man MUSS sich seine Träume verwirklichen ... [[Wenn sie denken, der B.O.F.H. sei verschwunden ...]] Es läuft schon eine ganze Weile alles normal und ohne grössere Probleme, und es gibt Gerüchte, dass sie ihre Schärfe verloren hätten! Wissen sie wirklich noch, was eine vollständige Ausgabe von Handbüchern ist und wie heftig sie damit auf Nutzer einschlagen müssen, die nerven? Dieser einfache Test kann ihnen helfen, ihr Niveau wiederzuerlangen ... 1. Sie kommen um 8:17 Uhr zur Arbeit, wo sie schon ungeduldig von jemandem erwartet werden. Jeder weiss jedoch, dass sie erst um 8:30 Uhr mit der Arbeit beginnen, nachdem sie das Zeitungsstudium beendet haben. Doch ihr Gast ist neu und sie spüren Mitleid mit ihm. A: Sie helfen ihm, sein Problem zu lösen. B: Sie klären ihn über ihre normalen Arbeitszeiten auf und helfen dann bei der Problemlösung. C: Gehen zur Routine über, um den geregelten Ablauf des restlichen Tages nicht zu gefährden, wird in den Mülleimer geworfen. D: Studieren bis 9:00 Uhr die Zeitung, um ihre Haltung zu untermauern. E: Sie bringen ihm bei, was sie unter «nur ein paar Augenblicke Geduld» verstehen, indem sie mit ihm einen Ausflug in den Serverraum unternehmen und ihn die Wirkung des Feuerlöschgases spüren lassen. 2. Ein Nutzer, der mit den einzelnen Innenteilen seines PC herumgespielt hat, um herauszufinden "wie sie funktionieren" wird bezeichnet als: A: ein Hacker? B: ein Herumpfuscher? C: ein Idiot? D: ein Techniker? E: Patient in einer Klinik. Möglicherweise? 3. Der Film über jemanden, der den System-Administrator genervt hat, hiess A: Das Netz? B: Matrix? C: Marry Poppins? D: Eine Frage der Ehre? E: Todessehnsucht II? 4. Sie gehen mit ihrem Chef, einem Verkäufer und einem Erbsenzähler asiatisch essen. Ihre grösste Sorge ist: A: dass der Erbsenzähler das grossartige Geschäft, das sie gerade gemacht haben, absegnet. B: dass ihr Atem nach dem Essen noch gut ist. C: dass sie rechtzeitig wieder in ihrem Büro sind. D: wie viele kalte Eisvögel sie in einer Stunde verdrücken können. D: wie sie eine Handvoll gehacktes Chili ins Essen des Erbsenzählers schmuggeln können ohne dabei aufzufallen. 5. Die Arbeitsschutzinspekteure besichtigen ihren Arbeitsplatz und stellen eine extreme Gesundheitsgefährdung fest. A: Sie meinen damit offensichtlich die scharfen Kanten an den Metallschränken und Regalen. B: Sie meinen damit den Rechner, den sie reparieren ohne die Stromversorgung unterbrochen zu haben. C: Sie meinen damit die entfernten Bodenabdeckplatten im Rechnerraum. D: Sie sind schockiert über die fehlende externe Frischluftzufuhr. E: Sie haben offenbar übersehen, dass sie die Beschriftung der Knöpfe zum Öffnen der Tür und zum Auslösen des Feuerlöschgases vertauschten, als sie den Raum betraten. 6. Ihr Lieblings-Ingenieur hat Geburtstag. Sie wollen ihm ein Geschenk machen, das er sich schon immer am meisten gewünscht hat. Sie schenken ihm: A: einen entmagnetisierten Minischraubenzieher, in dessen Schaft sein Name eingeritzt ist. B: ein Buch mit dem Titel "Elektronik für Anfänger". C: ein "Windows für Einsteiger"-Buch. D: eine Wartungsanleitung für die Technik, für deren Funktionieren er zuständig ist. E: einen grösseren Hammer. 7. Ein Nutzer hat sie schon dreimal in einer Woche damit genervt, dass er sein Passwort vergessen hat. A: Sie ändern es für ihn. B: Sie ändern es in etwas wie: «IchliebeAnalsexOhja». C: B., dann entziehen sie ihm die Rechte, es wieder zu ändern. D: C., dann sorgen sie dafür, dass sein Passwort im Klartext und gross auf seinem Bildschirm angezeigt wird. C: D., dann holen sie ihren Lötkolben und ihr «Handbuch für Tätowierer» hervor. 8. Ihr Chef kommt vorbei, um sich mit ihnen darüber zu unterhalten, dass sie zuviel Zeit im Internet verbringen. A: Sie geben zu, dass es in der letzten Zeit doch etwas viel war. B: A., aber sie sagen, dass alles Seiten, die sie angeschaut haben, etwas mit ihrer Tätigkeit zu tun hatten. C: Sie leugnen alles. D: Sie leugnen alles und machen einen anderen für das erhöhte Datenaufkommen verantwortlich. E: Sie geben alles zu, lassen dann auf ihrem Monitor die Protokolle anzeigen, wer alles die einschlägigen Pornoseiten besucht hat und versprechen, Namen zu nennen. 9. Jemand hat den Schlüssel zum Aufbewahrungsschrank für die Sicherungskopien verloren. Sie sind jetzt extrem besorgt: A: weil sie nun keinen Aufbewahrungsort mehr für die Sicherungskopien haben. B: weil sie nun nicht mehr an die Sicherungskopien herankommen, wenn sie gebraucht werden. C: weil sie gar nicht gewusst haben, dass es Schlüssel für den Schrank GAB. D: weil der Interessent, dem sie den Schrank angeboten haben, jeden Tag auftauchen kann. E: weil der Inhalt ihres Spirituosenlagers nun für jedermann zugänglich ist. 10. Sie treffen sich mit ihren Benutzern, wo sie gefragt werden, wieso sie so häufig ihr Hochspannungswerkzeug zur Fehlersuche verwenden. A: Sie stimmen zu, es niemals wieder einzusetzen. B: Sie stimmen zu, es nur noch mit einer Spannungsbegrenzung einzusetzen. C: B., und sie versprechen, es niemals bei Datenträgern anzuwenden. D: C., und sie versprechen, auch die Schaltkreise der Telefon zu verschohnen. E: B. und C., solange Geschlechtsteile nicht verboten sind. Wie lautet die Antwort? Wie bei den meisten Tests dieser Art gibt es keine richtige Antwort, nur Antworten, über die sie selbst nachdenken müssen und ihre Schlüsse ziehen sollten. Es sei denn, sie sind ein Microsoft Certified Engineer (MSCE), denn in diesem Fall wird ihnen die Auswertung in leichtverdaulichen Häppchen serviert werden. Wir danken für ihren Anruf beim Bastard-Service, sie sind Anrufer Nummer 473. [[Sir B.O.F.H. ...]] "Das klingt übel", kommentiert der Chef, als wir zu einem Treffen mit den Leuten von der Personal-Abteilung trotten. "Es geht um eine ernste Beschwerde, haben sie gesagt." Keine Frage, es wird um ein überlebenswichtiges Problem gehen, die Frage ihres Datenservers etwa oder das Hintergrundbild auf ihren Monitoren ... ... Doch damit liege ich völlig falsch. Die Sache, um die es sich dreht, ist tatsächlich eine besorgniserregende Angelegenheit! "Es geht um seinen Lebenslauf, Ron", beginnt der Personaler und deutet auf einen Stapel Papier, der das Werk der Fantasie des B.O.F.H. ist. "Es gehört zur Firmenpolitik, dass wir recherchieren, ob die Angaben stimmen, die die Angestellten über ihren Werdegang machen." Das ist neu für mich, doch wenn ich an die Sache mit den unwiderbringlich verlorenen Dateien des Personalers denke, der vor uns steht, dann liegt es nahe, dass er sich mit besonderem Eifer an die Recherche gemacht hat. Und die war wirklich gut. "Ah ... Ja - aber das ist doch nun schon einige Zeit her ..." antworte ich. "Wahrscheinlich. Nur ist es uns nicht gelungen, ihre Angaben zu prüfen, da die betreffenden Unternehmen, die sie erwähnten, nicht erreichbar waren - entweder sind sie in Steuerparadise verschwunden oder existieren nicht mehr." "Ah ja, der arme Richard Nixon - wir haben ihn immer Dick genannt. Ein guter Mann, trotz allem, was sie vielleicht über ihn wissen." "Jaaein ..." kommentiert der Personaler zweifelnd. "Wie auch immer, ein Manager eines grossen Unternehmen, für das sie gearbeitet haben wollen, war erreichbar, so dass wir ihn nach ihnen fragen konnten, ob sie tatsächlich der grosse Berater im Hintergrund ihrer Produklinienplanung waren ..." "Gut, das ist doch mal eine positive Überraschung." "Er sagt aber, er hätte niemals von ihnen gehört!" "Wirklich? Nun, ein Schädeltraume ist schon so eine Sache - in dem einen Moment können sie sich erinnern, im nächsten ist alles wieder weg ..." "Und auch keiner seiner Angestellten erinnert sich an sie." "Nun, meine Arbeit lief eher im stillen ab. Trotzdem, es kränkt mich, dass er mich vergessen hat. Vielleicht habe ich deshalb niemals Tantiemenzahlungen bekommen? Nun ja, vergeben und vergessen, wie ich immer sage!" antworte ich grossmütig. "Ja, aber dieses geheimnisvolle Vergessen wirft doch einen Schatten auf ihre anderen Angaben." kontert der Personaler. "Welche denn?" frage ich als sei ich Perry Mason. "Ihr Ritterschlag?" "Sie sind ein RITTER?!?" keucht der Chef überrascht. "Natürlich." "Ich habe das überprüft - es ist eine Lüge." plappert der Personaler unfreundlich. "Wirklich? Haben sie www.ritterschlag.com besucht?" antworte ich und lasse mich nicht in die Knie zwingen. "Ritterschlag punkt com?" fragt der Chef. "Ja, die Heimatadresse der Bastard-Ritterschaft!" "Bastard-Ritter zählen nicht!" erwidert der Personal-Kauz. Wirklich kein freundlicher Mensch. "Natürlich zählen die!" ruft der PJ, der draussen herumgetrödelt hatte und erst jetzt das Büro betritt. "Ich bin Sir Steven vom gänsegeblümten Drucker!" "Das ist doch lächerlich!" "Nein, ist es nicht!" rufe ich, der ich wirklich freundlich bleiben wollte. "Das ist - also, das hat doch keine gesellschaftliche Bedeutung!" "Doch, jetzt!" "Und es gibt auch keine offizieller Zeremonie!" "Die gibt es! Ich wurde mit dem Hammer mit der silbernen Spitze zum Ritter geschlagen. Vor dem Publikum meiner geadelten Freunde." ruft der PJ. "Adelige?" "Vom Stamme der strahlenden Monitore!" "Das ist doch Schwachsinn!" schreit der Personaler starrsinnig. "Steven steckt doch mit ihm unter einer Decke!" "SIR Steven", korrigiere ich. "Wie ist das nun mit ihrer Ritterschaft?" fragt der Chef und will mich damit wohl etwas aufziehen. "Gegenwärtig bin ich Ritter des ergonomischen Tisches - wie ein runder Tisch, wissen sie, nur etwas angenehmer, wenn man an ihm sitzt." "Aha. Und welche Zeremonie gab es bei ihnen?" "Ich war leider verhindert - meine Pflichten am Arbeitsplatz. Daher wurde ich nur schriftlich informiert." "So. Und welche Autorität verleiht diese Titel?" "Das ist der König der B.O.F.H.s." "Das sind vermutlich sie?" fragt der Chef trocken ... "Wie es der Zufall will - JA!" "Ja. Nun, dann sehe ich wirklich keinen Grund, der Sache weiter nachzugehen", erklärt der Chef, als er aus dem Büro marschiert. ... "Trotzdem, sowas können sie doch nicht machen!" schnieft der Personaler eine Sekunde später. "Natürlich kann ich! Ich bin der König!" "Ich fürchte, diese Referenz können wir nicht akzeptieren", wirf der Personaler ein. "Was bedeutet, dass ihr Vertrag in Gefahr ist, da sie bei ihrer Bewerbung gelogen haben." "Grenzt das nicht an HOCHVERRAT!?" fragt der PJ, der dafür über eine Minute gewartet hat. "Nein, nein, Hochverrat ist das nur in Kriegszeiten." sage ich und bringe den PJ dazu, den Hammer wieder wegzulegen. "Das ist nur einfacher Verrat ..." "Ach so!" "Aber dieser hilfsbereite Freund aus der Personal-Abteilung hat mich auf einen wichtigen Punkt aufmerksam gemacht! Es könnte tatsächlich so sein, dass die Informationen in meiner Bewerbung fehlinterpretiert werden könnten. Und deshalb fühle ich mich gezwungen, meinem Beschäftigten zu kündigen ..." ... "Nun, das habe ich getan, aber er hat es nicht akzeptiert." "Er?" "Ja, ich. Als Chef des privaten Unternehmens, das einen Vertrag mit ihnen hat. Ich bin der Meinung, dass mein Beschäftigter seine Angaben hätte präziser gestalten müssen, und ich distanziere mich von seinem Verhalten. Nun, ich werde seinen Lohn einbehalten, damit er etwas daraus lernt. Und für mich werde ich wohl einen kleinen Bonus bewilligen, da ich als Chef so hervorragend eine unklare Situation aufgeklärt habe. Der Bonus wird sich freilich auf den Stundensatz, den ich bei der nächsten Vertragverlängerung fordern werde, auswirken. Womit nur noch der Verrat zu bestrafen wäre ..." ... eine Stunde später ... "Wir sollten besser keine grosse Sache daraus machen", redet der Chef beschwichtigend auf den Chef der Personal-Abteilung ein und deutet auf die geschwollenen Lippen des PJ. " Aber wenn derartiges zur Normalität werden sollte, dann ..." "Wirklich", stimmt der Personalchef zu. "Und er ist einfach auf ihn losgegangen? Ohne einen Grund?" "Es gab keine Provokation", antworten der PJ, der Chef und ich unisono. "Nun, dann werde ich mich einmal mit ihm unterhalten müssen. Und sie verzichten darauf, eine Entschädigung und Schmerzensgeld zu fordern?" "Nun, ich glaube, das würde letztlich nur der Firma schaden", antwortet der PJ. "Ja, da haben sie recht." seufzt der Personalchef. "Sehr gut." ... "Ich muss zugeben, dass ich nicht gedacht hätte, dass Ron so weit geht - und das nur, um ein paar Pfund in ihrem Stundensatz zu sparen." kommentiert der PJ, als wir in unserem Büro ankommen und uns die Bilder der internen Überwachungskamera auf den Monitor holen, um dem "Feuer-Kommando" bei seiner Arbeit zuzuschauen. "Sir Ron, meinen sie." "Ah", ächzt der PJ, als der Groschen endlich fällt. "Ritter von ...?" "... der OS/2-Installations-CD." "Ein wirklich gewichtiger Titel. Wirklich ..." "Ja, das dachte ich mir auch." [[Ich sehe etwas mit meinen B.O.F.H.-Augen ...]] "ICH SEHE ETWAS", murmle ich mit heimtückisch glitzerndem Blick ins Büro. "Ich sehe etwas, das mit einem E beginnt." "Explosion!" antwortet der PJ, immer bereit, etwas gegen die tägliche Langeweile zu tun. "Sie können eine Explosion nicht SEHEN!" erwidere ich. "Da muss ich zu meinem Bedauern widersprechen. Wie wäre es mit einer Demonstration?" "Ach, nein. Nicht wirklich. Doch trotzdem, sie können eine Explosion nicht SEHEN. Sie können eine Explosion ERLEBEN." "Aber SEHEN ist, WIE man sie erlebt", kontert der PJ. "Und wie ist es, wenn sie sie nur hören?" frage ich, selbstverständlich so gelangweilt von den Tagesaktivitäten wie er. "Das ist Haarspalterei - aber fragen wir doch den Chef ... SEHEN sie eine Explosion oder ERLEBEN sie eine Explosion?" "Wieso?" fragt der Chef, der nervös ins Büro kommt. Zweifellos wünscht er sich jetzt, er hätte die Frühstückspause vorgezogen. "Es geht nur um eine Diskussion zwischen uns ..." "Ja, aber WIESO führen sie diese Diskussion?" "Oh, es ist ... interessant. Also, können sie eine Explosion SEHEN oder ERLEBEN sie eine Explosion?" "Beides, denke ich. Und sie sind sicher, dass die Diskussion nur theoretisch ist?" "Sicher, wir befanden uns gerade in einer Phase elementarer Diagnose-Prüfungen, die auf atypischen Umweltbeobachtungsmethoden basieren, als die Frage aufkam." "Ja. Richtig! Gut, ich denke, dann hätten wir alles geklärt ..." Irgendwie abwesend spaziert der Chef davon, was mich - das muss ich gestehen - etwas verwirrt. "Was war denn das?" "Mmm?" fragt der PJ und schreibt etwas auf sein Klemmbrett. "Er ist hergekommen, weil es etwas wollte, und dann verschwand er einfach wieder?" "Ich vermute einen Speicherüberlauf." "?" "Speicherüberlauf. Sie wissen schon, wenn die Leute etwas hören, was sie sich merken sollen oder was sie nicht begreifen, dann landet es in ihrem geistigen Speicher. Und sind zu viele Dinge in ihrem Speicher, die sie sich merken wollen, dann gibt es einen Speicherüberlauf und sie vergessen etwas." "NATÜRLICH, DAS HABE ICH ERFUNDEN", rufe ich aus. "Natürlich wusste ich das. Aber diesmal waren es doch nur zwei Dinge!!!" "Ja, ich weiss. Es sieht so aus, als reagiere sein geistiger Speicher in letzter Zeit etwas empfindlich." "Also haben sie ihn mit Absicht hervorgerufen?" "Ja, nun, es hat mich interessiert ..." "Warum?" "Warum nicht?" "Aber sie müssen doch einen Grund haben!" "Es geht um ein Experiment, das ich durchführe", beschreibt der PJ. "Ich will herausfinden, wo der exakte Punkt für dieses Phänomen liegt, wo er vom «Interessiert-Modus» in den mentalen Schutz-Modus umschaltet. Es ist wie eine Art Kunst. Man kann manchmal beinahe das «Klick» hören ..." "Und das Ziel dieses Experiment ist was?" "Nun, es geht um eine erweiterte Form der Bastard-Forschung. Ich untersuche, unter welchen bestimmten Umständen Speicherfehler auftreten und wie sie verursacht werden können. Natürlich mit dem Ziel, zukünftigen Ereignissen vorzubeugen ..." "Da bin ich mir sicher", antworte ich, wobei ich dem Altruismus des PJ an diesem Punkt nicht ganz traue. "Es ist wirklich so! Dies ist ein sorgfältig vorbereitetes Experiment! Ich habe herausgefunden, dass durch das Variieren der Speichermethode und der äusseren Umstände der Effekt verstärkt werden kann ..." "Und das geschieht wie?" frage ich, ein wenig fasziniert und - seien wir ehrlich - noch immer gelangweilt. "Lassen sie es mich beschreiben", erklärt er und wirkt auf einmal wie ein Kauz, der voller Begeisterung über seine Forschung ist. Was er auch ist - das muss ich irgendwie zugeben. "Nehmen wir Objekt A, das wir zur Verdeutlichung Chef nennen wollen." "Nein, er ist es nicht!" werfe ich ein. "Ja, sehr drollig. Nun, wir haben also Objekt A und wir machen es mit verschiedenen Konzepten bekannt, von denen es noch nie etwas gehört hat - nehmen wir «Anweisungsgesicherte Programmierung», «Quell-basiertes Routing» und, hm, «Persönliche Hygiene». Sein Speicher läuft über, wenn das dritte unbekannte Konzept verarbeitet werden soll - in einer harmlosen Form vergisst er einfach, was er gerade tut." "Ja ..." stimme ich zu, da ich das auch schon in einigen Fällen beobachten und in noch mehr auslösen konnte. "Fügen wir nun noch ein Element von Dringlichkeit zur beschriebenen Situation hinzu, zum Beispiel: «Der IT-Chef will in zehn Minuten von ihnen alle relevanten Informationen hören über ...», dann ändern sich Art und Zeit bis zum Speicherüberlauf dramatisch. Dann braucht es nur noch zwei Dinge, um die Reaktion auszulösen, und die Symptome sind noch verwirrender." "Sie arbeiten wohl schon eine Weile an der Sache, oder?" frage ich mitleidig. "Ich habe sogar ein Diagramm!" "Wieso dachte ich mir das eigentlich schon ..." "Ah, nun, schauen sie es sich doch an." Der PJ gibt mir das Klemmbrett, auf dem ein grosses Diagramm mit bunten X-Markierungen an verschiedenen Stellen zu sehen ist. "Was stellen die Achsen dar?" frage ich, da mein Interesse erwacht. "Die X-Achse steht für die Stärke der zusätzlichen Antriebs, während die Y-Achse die Dinge angibt, die sich im Speicher befinden." "Ah, ja. Ich sehe es. Ein klar fallender Kurvenverlauf. Oh, Moment! Er konnte sich vier Dinge merken ... bei mittlerem zusätzlichen Druck?" "Ja, er hatte einen Notizblock dabei, den ich nicht sehen konnte!" "Was für ein Schummler." äussere ich meine Anteilnahme. "Ja, das hat meine Forschung für einen Moment durcheinandergebracht. Doch zum Glück brach die Spitze seines Bleistifts ab, als ich «Schwulen-Pornographie» erwähnte, sonst hätte das eine noch grössere Unregelmässigkeit gegeben. An der Barriere, dass nach nur einem Element der Speicherüberlauf eintritt, bin ich bisher aber noch gescheitert." "Was haben sie denn versucht?" "Das übliche: Drohung mit Rauswurf, Stellenkürzungen und Managementwechsel, Lohnkürzungen, Verspottung durch die Untergebenen, sie kennen das ja." "Aha. Könnte ich es einmal versuchen?" "Legen sie los!" Ich will das Eisen schmieden solange es noch heiss ist, also such ich mir in einem Archiv für erotische Geschichten ein schmutziges Geständnis, passe Namen und Plätze so an, dass sie auf die Sekretärin des Chefs zutreffen, und schicke ihm eine Kopie, wobei ich sie als Absender angebe. Erwartungsgemäss schickt der Chef noch innerhalb eines Prozessortaktes eine Kopie an den Drucker und rast dann zu diesem, um sicher zu sein, dass niemand die Beichte abfangen kann. Doch durch einen seltsamen Zufall scheint es ein Problem mit der Druckerwarteschlange zu geben, so dass sein Druckauftrag in der Warteschlange feststeckt. "Es gibt ein Problem mit der Warteschlange für den Drucker", beschwert er sich und hält immer wieder nach dem Drucker Ausschau, falls der in seiner Abwesenheit doch noch loslegt. "Ja, ich weiss", antwortete ich und heuchle Besorgnis. "Der IT-Chef hat sich auch schon darüber beschwert." "Wirklich? Weshalb?" keucht er. "Oh, anscheinend steckt auch ein Dokument von ihm in der Warteschlange." "Aber da war nichts in der Warteschlange!" "Ja, es war offensichtlich nur ein kleiner Auftrag, so dass er schon irgendwo im Drucker auf die Erledigung wartet. Ich werde mir die Sache gleich einmal anschauen und einen Warmstart durchführen, damit kein Auftrag verlorengeht." "Ah. Nun, wissen sie was, warum löschen sie nicht einfach meinen Auftrag?" "Das würde ich ja tun, wenn ich könnte. Aber auf die Warteschlange kann ich komischerweise nur lesend zugreifen." antworte ich und bestätige ihm, was er durch 100maliges Anklicken von «Abbrechen» auch schon herausgefunden hat. "Vielleicht sollten wir einfach den Drucker abschalten?" "Nein, das wäre am schlimmsten - die Warteschlange könnte über den Status ihres Druckauftrages durcheinanderkommen und versuchen, ihn wieder und wieder abzuarbeiten." [Manchmal hasse ich mich.] "Na sowas, ist das nicht der Drucker, der da startet ..." jagt der PJ den Chef nach draussen. "Sie Bastard ..." sage ich zu ihm, als der Chef den falschen Alarm erkennt und zurückkommt. "Das ist FORSCHUNG!!!" schnappt der PJ verteidigend zurück. "Ich schätze, damit liegen sie richtig." pflichte ich ihm bei und erhöhe die Priorität eines Auftrages, der gerade in der Warteschlange aufgetaucht ist und lasse ihn zum Drucker durch. Der Chef sprintet wieder zu dem Gerät, als er dessen Geräusch vernimmt, um den Ausdruck zu bekommen, bevor die Sekretärin kommt. "Ihr Auftrag steckt offensichtlich in der Warteschlange fest." erkläre ich dem Chef, als er seinen Fehler bemerkt und mit Hochgeschwindigkeit in unser Büro stürmt. "Wissen sie was, ich könnte doch den Druckauftrag an den Drucker hier umleiten, um zu sehen, ob es hier funktioniert." "Ah, in Ordnung", sagt der Chef abgelenkt, als der IT-Chef bemerkt, der sich lebhaft mit der Sekretärin unterhält - zweifellos über die neuentdeckte Begeisterung des Chefs für Sport am Arbeitsplatz -, als sie ihren Druckauftrag erneut abschickt. Drei Klicks später rast der Chef - er hat keine Chance - zwischen uns und dem Drucker hin und her, als dieser mit dem Ausdruck beginnt. Ein Blatt ringelt sich aus dem Gerät und landet in der Hand des Chefs. "Das ist schon wieder der falsche Druckauftrag - kann es sein, dass es ihr Druckauftrag ist, der immer wieder abgearbeitet wird, wie sie das vorhin erklärten?" "Nein, ich glaube nicht >klick klick<. Oh, hier haben wir es! Es ist ganz einfach, sie haben ihren Auftrag und sie hat den von ihnen. Der klassische Druckauftrags-Transpositions-Feh ..." "ICH GLAUBE, WIR HABEN ES HIER MIT EINEM SPEICHERÜBERLAUF ZU TUN!" ruft der PJ begeistert. "SPEICHERÜBERLAUF! ICH WIEDERHOLE: SPEICHERÜBERLAUF!" Nun, wenn es der Wissenschaft dient, kann es nicht schlimm sein, schätze ich ... [[Der B.O.F.H.-Führer für die Hilflosen ...]] "Hmm." murmelt der PJ, als ich wild auf meiner Tastatur herumhämmere, um mein neuestes Werk zu vollenden. "Wie wäre es mit einer Runde Unreal Tournament? Nur sie, ich und ein paar Nutzer, die glauben, sie könnten Kanonenfutter spielen." "Ich WÜRDE ja gern", kommentiere ich. "Aber ich arbeite an meinem neuen Werk ..." "Wirklich? Brauchen sie noch ein paar Zitate?" fragt er und bringt seine kreativen Säfte in Schwung. "Wie wäre es mit: «Ein Nutzer braucht das Administratoren-Passwort so dringend wie Nitroglyzerin durchgeschüttelt werden muss.»? Nein? Und das hier: «Wenn sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, während all ihre Kollegen den Kopf verlieren, liegt das möglicherweise daran, dass ein CD-Brenner in ihrem Rechner steckt.»?" "Nun, das klingt ja gut, aber es passt WIRKLICH nicht zum Inhalt meines neuen Buches." murmle ich und versuche die richtigen Worte zu finden, um die aktuelle Seite zu vollenden. "Worum geht es denn?" fragt der PJ und blickt mir über die Schulter. "?Wollen sie mit dem Feuer spielen, dann rufen sie uns an??" "Nein." "?Männer kommen vom Mars, die Nutzer vom Uranus??" "Nein, aber manchmal scheint es so zu sein." "?Ich bin in Ordnung, sie sind ... im Krankenhaus??" "Nein ..." "?Zen und die Kunst der Computer-Wartung??" "Nein ..." "Also arbeiten sie an einem neuen Buch?" "So ist es. Und diesmal ist es nicht eines der üblichen Anleitungsbücher, sondern ein richtiges Buch." "Keine Ansammlung aussageloser Sätze mehr?" "Nun, das habe ich nicht gesagt, ich sagte nur, dass dieses Buch anders ist." "Sie schreiben doch nicht etwa ein «... für Dummköpfe»-Buch, oder?" "Nein, aber sie sind schon nahe dran", antworte ich und zeige ihm die Titelseite. "WINDOWS XP für IDIOTEN!" liest der PJ hinter mir. "Das mag ich!! Aber fehlt da nicht das «ist» im Titel??? Und was steht denn eigentlich drin?" "Oh, das sind nur ein paar Windows XP-Hinweise, die ich auf verschiedenen Websites gefunden und mit einer netten Schriftart versehen habe, hier und da ein paar Unterstreichungen und noch ein bunter Umschlag. Und - das ist die wahre Meisterleistung - ich habe alle möglichen Bildschirmfotos zusammengesucht, um den Inhalt aufzuwerten." "Bildschirmfotos?" fragt der PJ verächtlich. "Ja, gäbe es keine Bildschirmfotos und die grosse Schriftart, wären nur knapp 40 Seiten zusammengekommen. Aber MIT den Bildschirmfotos und der lesefreundlichen Schriftgrösse bekomme ich eine Schönheit mit 200 bis 250 Seiten!" "Das wird doch niemand kaufen. Niemand ist so blöd!" "Seien sie sich da nicht zu sicher. Ich drucke gerade den Umschlag aus. Das Buch basiert auf der Idee, dass es jemanden gibt, der zu dumm ist, selbst einfachste technische Dokmente zu lesen, jemanden, für den selbst die «... für Dummköpfe»-Bücher zu technisch sind. Jemanden, der sich von bunten Farben beeindrucken lässt, von Bildern und dem Schrifttyp Comic Sans Serif. Und wo wir gerade von ihm sprechen ..." Wir beide schweigen, als der Chef mit einem Gesichtsausdruck hereinmarschiert, der nur zweierlei bedeuten kann - er ist verwirrt oder das Abführmittel, das der PJ in sein Schoko-Eclair geschmuggelt hat, beginnt zu wirken. "MMMMMmmm", murmelt der Chef und steigert die Spannung noch ein wenig. "Weiss jemand von ihnen, was das hier ist?" Er hält das erwähnte farbige Titelblatt hoch, das frisch aus dem «Nur für das Management»-Drucker kommt, der normalerweise aus Kostengründen für wichtige Dokumente wie Geschäftsberichte, Tortendiagramme und nächtliche Pornographie reserviert ist. "Ah, das «XP für Idioten»-Buch!" rufe ich. "Ist es gedruckt? Hervorragend, darauf habe ich gewartet!" "Für «IDIOTEN»?" fragt der Chef. "Das ist sicher eine Marketing-Massnahme", antworte ich. "Der Verlag, der die Bücher verkauft, will Leute ansprechen, die Dinge wissen wollen, über die andere Bücher einfach hinweggehen." "Ja ..." antwortet der Chef und beginnt sich zu interessieren. "Und wieso drucken sie es dann aus?" "Oh, nun, es ist auf der Website zu einem ermässigten Preis zu bekommen, weil sie dadurch die Kosten für den Druck, die Verpackung und den Versand sparen. Man muss es nur herunterladen und dann selbst ausdrucken - was auch bedeutet, dass man stets die letzte Überarbeitung bekommt!" "Das IST ja wirklich eine gute Idee", sagt der Chef. "Und wie ist das Buch so?" "Schauen sie es sich doch selber an!" rufe ich und deute auf die zusammengeklauten Daten auf dem Monitor, von denen ich behaupte, sie seien mein Werk. "... Gut ..." murmelt der Chef, als er durch das Dokument blättert und ganz offensichtlich Gefallen an Text-Bilder-Verhältnis findet. "Und wie teuer war es?" "Hundertacht Pfund." "HUNDERTACHT PFUND!!" keucht er. "EMPFOHLENER VERKAUFSPREIS", erläutere ich und spiele mit der Naivität des Chefs. "Aber im Web bekommt man es für ... 100." "Das ist noch immer eine Menge!" "Stimmt, aber sie liefern zusätzlich noch eine «Fortgeschrittener Idiot»-CD und ein T-Shirt mit." "Ein kostenloses T-Shirt?!" keucht der Chef begeistert. "Und wie kann man es bestellen?" "Nun, sie bestellen es auf der Website der «Gesellschaft der Informationsvermittler für Technik und Technologie, Abteilung für Entscheidungsträger» - sie sind doch sicher Mitglied, oder?" "Uh, nein ..." "Wirklich? Alle Leute behaupten, sie seien Mitglied." "Oh. Vielleicht bin ich das, ich weiss es nicht genau. Ich bin Mitglied so vieler Organisationen ..." "Gut, dann besuchen sie einfach die Website, geben ihren Nutzernamen und das Passwort ein und sie werden dann die Bestellung an einen der grössten Online-Shops weiterleiten, mit dem sie ein spezielles Abkommen haben. Aber sie müssen heute bestellen, weil es die kostenlosen T-Shirts nur noch heute gibt." "Oh! Gut! Und wenn ich meinen Mitgliedsnamen vergessen habe?" fragt der Chef nervös wie jemand, der auf einen Anruf wartet. "Nun, ich denke, dass ich es für sie bestellen könnte. Allerdings habe ich meine Kreditkarte schon mit all den anderen Büchern, bei denen es ebenfalls T-Shirts gibt, überzogen." "Andere Bücher?" fragt der Chef neugierig. Offenkundig muss er weg, will sich aber die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Firma für seine Kleidung bezahlen zu lassen. "Ja, es gibt eine Serie von zehn Büchern." "Für jeweils 100 Pfund?" "Genau." "GUT!" keucht er begeistert. "Hier ist meine Karte. Bestellen sie sie und sorgen sie nur dafür, dass ich eine Rechnung bekomme!" Der Chef rast davon, nachdem er seine Karte auf den Tisch geworfen hat, und ich rufe die DVD-Sektion von Amazon auf. ... "Ah, er wird schnell zurückkommen!" sagt der PJ und beobachtet nervös den Korridor, während ich meine 1000 Pfund-Bestellung vollende. "Nein, wird er nicht." "Er wird! Er ist in der Herrentoilette am Ende des Korridors verschwunden!" "Die Toilette, in der es an den Innenseiten der Türen keine Klinken gibt?" frage ich. "Ah!" ruft der PJ aufgeklärt. "Sie Bastard!" "Nein, nein", rudere ich zurück. "Ein BASTARD hätte mit Klebstoff die Türen zugeklebt, damit das arme Schwein ausgesperrt bleibt ..." "Sie sind ein Bastard!" sagt der PJ, der Professionalität erkennt, wo er sie sieht. "Durch und durch und jetzt auf der Suche nach einer Website, die T-Shirts druckt." "Also wollen sie wirklich die T-Shirts drucken?" "Wer würde sich die Gelegenheit entgehen lassen, dem eigenen Chef ein T-Shirt mit einem Idioten-Spruch auf der Rückseite unterzujubeln?" "Welcher Spruch?" "Nun, an diesem Punkt kommen sie ins Spiel. Ich brauche zehn. So schnell wie möglich." "Hm. Wie wäre es mit «IDIOT» und einem Pfeil, der nach oben zeigt? Einfach nur «IDIOT»; «IDIOT UND STOLZ DARAUF» ...?" Und so kommt es ... [[Die B.O.F.H.-Dokumente-Verwaltung ...]] "Und was würden sie vorschlagen, um das Problem zu lösen?" fragt der IT-Chef beim zweiten Frühstück. "Ein Dokumente-Management-System scheint mir angebracht zu sein." schlägt der Chef vor und zeigt damit, dass er wieder einmal unbeaufsichtigt mit Händlern gesprochen hat. "Oooh, ein Lizenz zum Gelddrucken!" unterbricht der PJ begeistert. "Was meinen sie?" "Nun, wir müssen ganz offensichtlich damit rechnen, dass das Angebot des Händlers einen Haken hat ... zum Beispiel eine riiieeesige Rechnung oder die Dokumente brauchen einen bestimmen Server ..." "Nein, nein, es ist alles offen." "Offen für jeden, der die passenden Programme kauft, um die Dokumente aus der Datenbank zu extrahieren, schätze ich?" füge ich hinzu. "Nein, es ist für alle offen!" antwortet der Chef, der sich in den letzten Wochen in seiner Freizeit offenbar eingehend mit der bunten Broschüre befasst hat. "Sie sagen, dass sie Windows-Standard-Dateien benutzen ..." "Ach so, der alte «Ändere-die-Endung-des-Dateinamens-in-irgendeine- obskure-Buchstabenkombinaten»-Trick, damit die Dateien nur mit ihrem Programm gefunden werden können. Ja, sowas mag ich!" "Was meinen sie?" "Das ist doch ganz einfach. Erinnern sie sich noch daran, als das Lager alle archivierten Dokumente auslagern wollte, um etwas Lagerraum freizumachen?" "Ja?" "Und sie haben sich an diese Firma gewandt, die sich auf die Einlagerung von Akten spezialisiert hatte, die alle unsere Akten in «Standard»-Behältern einlagern wollte." "Und die ALLE Akten indizieren wollte, so dass es genügt hätte, anzurufen, den Namen der Akte zu nennen, die dann prompt geliefert werden sollte?" "Ja." "Und wir haben dieser Firma einen ganzen Batzen dafür bezahlt, nicht zu vergessen noch die Gebühren für das Anliefern der Akten und so weiter. Erinnern sie sich?" "Uh-Huh." "Und erinnern sie sich auch daran, als unser Unternehmen einen grossen Verlust wegen dieser Firma machte?" "Als sie ihr Lager anzündeten, ja." "Als ich ihre Umweltüberwachungssysteme getestet habe, um herauszufinden, wie sicher unsere Akten aufbewahrt werden, ja." "Wie auch immer ..." zweifelt der Chef. "Und erinnern sie sich daran, dass wir schliesslich all unsere Akten zurückgefordert haben?" "Ja." "Und als die Akten zurückkamen, steckte jede in einem braunen Umschlag mit einer kryptischen Nummer, so dass sie mehr als den doppelten Raum als vorher beanspruchten. Dann mussten wir diesen Studenten einstellen, der die Akten aus den Umschlägen holt und wieder sortiert ..." "Soweit ich mich erinnere, ist er noch immer damit beschäftigt." kommentiert der IT-Chef. "Sie wollen also behaupten, dass dieses Programm zur Dokumentenverwaltung so arbeitet wie diese Firma und dass die Behauptung, alle Schnittstellen seien offen, eine Lüge ist, die sie mit dem Versprechen eines kostenlosen Besuchs in den USA zu «Schulungszwecken» verdecken wollen???" >>AUSFLUGS-ALARM!!!<< "Nein, ich sagte, dass wir aus unseren Irrtümern lernen können!" antworte ich schnell, bevor der PJ die Sache an sich reissen kann. "Also IST doch etwas dran, an einem Server zum Management der Dokumente?" keucht der Chef. "Nun, ein solches System könnte hilfreich sein ..." springt der PJ auf den fahrenden Zug auf. ... DREI BIERHALTIGE FERIENTAGE IN DEN USA SPÄTER ... "Und, wie steht es um das Dokumenten-Verwaltungs-System?" fragt der Chef und versucht, dem PJ über die Schulter zu schauen, um einen Blick auf den Fortgang des Kategorisierungs-Prozesses zu erhaschen. "Gut, aber es gibt noch ein paar kleinere Schwierigkeiten bei der Auswahl der passenden Kategorien ..." "Wirklich, kann ich dabei helfen? Ich habe mir ein paar der Dokumenten angeschaut, die sie mitgebracht haben, und habe das System, glaube ich, begriffen. Dokumente zu finanziellen Transaktionen können nach Abteilung, Lieferant, Zahlungsart, Einkäufer, Anschaffungsart, Aufwand, dem Gebäude, Einsatzort, Beschaffungsgrund, Name ..." Der Chef plappert noch eine Weile vor sich hin, dann marschiert er begeistert davon, um zu unserer Unterstützung eine umfangreiche Liste aufzustellen. Der PJ hat in der Zwischenzeit mit der Ruhe eines wirklichen Profis seine Tätigkeit fortgesetzt. "ES IST VERBLÜFFEND!!!" ist der Chef begeistert, als er ins Büro kommt - ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. "Ich habe mir die Statistik zur Ausnutzung der Speicherkapazität angeschaut, und es scheint einen enormen Anstieg bei der Nutzung der Speicher zu geben, ganz besonders seit dem heutigen Morgen, und es sieht so aus, als brauchten wir bald neue Festplatten!!! Ich hatte gar nicht geahnt, dass es so beliebt ist!!!" "Oh, ja!" stimme ich zu. "Und es stellt unter Beweis, dass die Heimarbeiter, die über das Internet auf ihre Dateien zugreifen können, am meisten davon profitieren. Schauen sie sich nur die Internet-Zugriffe an!" "Ach du grosser Gott! Das ist ja hervorragend! Aber was glauben sie, wie lange es noch dauern wird, bis wir neue Festplatten brauchen?" "Zwei, vielleicht drei Tage. Wir überspielen gerade die Inhalte einiger älterer Sicherungsbänder, weshalb die Daten nun über das Netzwerk schneller verfügbar sind. Was wird gerade im Augenblick überspielt?" "Die McHenry ... uh, Service-Dokumentation." "Wirklich? Es ist doch immer wieder interessant, mit wem die Firma Beziehungen unterhält, von denen man nie etwas gehört hat! Was kommt danach?" "Schauen wir mal ... Nun, wir hätten das noch drei oder vier Bänder mit «Rusty und Eddie»- ..., ähm, Interaktionsdaten." "Rusty und Eddie. Hmm, ich schätze, ich sollte mich mit diesen alten Vorgängen noch einmal vertraut machen." "Nun, an ihrer Stelle würde ich mir dafür einige Stunden reservieren." "Das ist langweilig. Nun, ich überlasse es besser ihnen. Informieren sie mich, wenn es Probleme gibt." "Selbstverständlich!" ... Kaum einen Tag später ist der Spuk vorbei. Als der Chef dem mittleren Management die Vorteile des neuen Systems vorführen wollte, brachte eine Zufallsauswahl der unter «Finanzen» kategorisierten Daten ein Bild aus der «Mädchen tun es für Geld»-Serie auf den Monitor - so hatte der PJ sie eingeordnet. Der Chef hat uns unsere «Hacker»-Geschichte abgekauft, aber der Rechner musste verschwinden ... ... in einen Lagerraum, wo die Website in Windeseile neue Kunden bekommt. Man muss diese neuartige Technologie einfach lieben ... [[Ein neues Quiz ... im B.O.F.H.-Stil ...]] Ja! Es ist Zeit für ein neues B.O.F.H.-Quiz! Testen sie ihre Fähigkeiten! Plazieren sie ihre Wetteinsätze! Anworten am unteren Ende! Allgemeinbildung 1. Sie befinden sich in einem Irrgarten mit lauter verzwickten kleinen Gängen, die alle gleich aussehen. Wohin wenden sie sich? A Nach Norden. B Nach Süden. C Nach Osten. D Nach Westen. E Zum Mittagessen in die Kantine. 2. Die Werte für die Netzwerkausnutzung erreichen ohne sichtlichen Grund ein Allzeithoch. Dies könnte bedeuten: A Sie müssen sich um einen leistungsfähigeren Router kümmern. B Es könnte Probleme mit einer Netzwerk-Karte geben. C Es könnte sich um einen Fehler bei der Netzwerküberwachung handeln. D Jemand hat das MP3-Archiv entdeckt! E Die Nutzer haben keine Lust mehr, in Unreal Tournament gegen einen unsichtbaren und unbesiegbaren Gegner mit dem Redeemer (Erlöser [thomas w.]) anzutreten. Diese Schwächlinge! 3. Vervollständigen sie die Reihe: 5V, 12V, 48V, 96V ... A 127 Volt. B 0 Volt. C 24 Volt. D 1 Ampere. E "AGHH AAAGHH! Ich sage ihnen alles, was sie wissen wollen!" 4. Wer zuletzt lacht, ... A lacht am lautesten. B lacht am längsten. C ist ein Dummkopf. D reizt alle bis aufs Blut. E hat den Elektroschocker noch nicht gesehen. 5. Welches der folgenden Dinge ist ein nach Industriestandards ein Ersatz für ein Werkzeug zum Entfernen von SIMM-Speicher? A Keines - es gibt einen Ersatz! B Ein Schraubenzieher. C Ein Autoschlüssel. D Eine Kneifzange. E Der Handrücken, mit dem man so lange auf das Motherboard schlägt, bis der Chip herausfällt. 6. Eine CPU kann standardmässig übertaktet werden, A bis zu: einem geringen Wert über der angegebenen Taktfrequenz. B 10 Prozent der über angegebenen Taktfrequenz. C 18.5 Prozent über der angegebenen Taktfrequenz. D 70 Prozent über der angegebenen Taktfrequenz unter Einsatz eines Kühlgases und verschiedener Gebete. E 100 Prozent oder mehr, wenn sie nicht in ihrem eigenen Rechner steckt. Geschichte Sind sie ein B.O.F.H.-Veteran? 7. >Clunka Clunka Clunka< ist ein Geräusch, das sie assoziieren mit: A einem Wäschetrockner. B einer Waschmaschine mit ungleichmässig verteilter Ladung. C einem platten Reifen an ihrem Wagen. D einer mit Klebeband gesichterten Tür, die wiederholt mit dem Fuss eines ungebetenen Nutzers kollidiert. E einer DEC RM05-Festplatte, die nach einem Headcrash durch den Rechnerraum segelt. 8. Sie lassen einen Schraubenzieher durch die Lüftungsschlitze des Netzteils auf der Rückseite einer VAX 11/780 fallen. Sie erwarten: A eine sehr sorgfältig durchgeführte Prozedur zur Rettung des Schraubenziehers. B einen Netzteilausfall. C ein unangenehmes >KRACH<-Geräusch. D einen Stromausfall im Rechnerraum. E eine Plünderung der Geschäfte der beiden angrenzenden Strassen, nachdem die örtliche Verteilerstation ausgefallen ist. 9. Das alte Band, das sie nutzen, um Daten einer Umfrage zu speichern, zeigt Lesefehler - nach der Hälfte der Daten gibt es nur noch Fehler. Sie: A säubern die möglicherweise verschmutzten Leseköpfe. B schicken das Band an ein kommerzielles Datenwiederherstellungsunternehmen. C .A und reduzieren dann die Temperatur im Rechnerraum und versuchen, die Daten bis zum Ende zu lesen. D Melden den Fehler dem Nutzer. E markieren einfach ein paar Daten vom Anfang und fügen sie am Ende der lesbaren Daten immer wieder ein, bis die Datei die erwartete Grösse hat. 10. Die grösste Gefahr für eine RA60-Wechselfestplatte war: A die nicht korrekte Befestigung im Laufwerksschacht. B die Nichtentfernbarkeit von der Laufwerksspindel nach der Benutzung. C die Zerstörung der Festplatte, wenn der Laufwerksverschluss sich während des Betriebes öffnete. D ein verschmutzer Lesekopf. E eine vorsorgliche Wartung durch einen Ingenieur. 11. Die richtige Kombination sorgfältig terminierte Suchzugriffe auf RA80-Festplattenlaufwerke in einem Festplattenregal verursacht: A die Aufführung eines «Musikstückes». B geringe Vibrationen. C starke Vibrationen. D sehr heftige Vibrationen. E den Wechsel des Regals in den «horizontalen» Modus. 12. Ein Nutzer hat sich durch seine Erinnerungsstücke gewühlt und dabei eine grosse Kiste mit Lochkarten aus seiner Studentenzeit gefunden, mit denen er noch etwas anfangen will. A Ein guter Administrator: ruft ein Computermuseum an, um dort die Karten einlesen zu lassen. B schreibt schnell ein Programm, das die Karten über einen Scanner einliest. C erklärt dem Nutzer, wie er die Daten selber eingeben kann. D wirft die Karten in den Mülleimer und erklärt dem Nutzer, dass sie demagnetisiert sind. E lässt die Kiste mit den Karten aus dem vierten Stockwerk auf den Nutzer fallen. Finanzen Sind sie ein teurer B.O.F.H.? 13. Der korrekte Weg, das Jahresbudget zu planen ist: A alle Ausgaben für die geplante Technik und die Wartung im kommenden Jahr zu addieren und diese Zahl weiterzugeben. B die Ausgaben des laufenden Jahres zu nehmen und um 5 Prozent zu erhöhen. C die Ausgaben des laufenden und des vorherigen Jahres zu nehmen, um einen Trend zu ermitteln, und daraus die Zahl zu ermitteln. D die Erfolgsbeteiligung der Geschäftsführung als Anhaltspunkt zu nehmen. E die Ausgaben des laufenden Jahres zu verdoppeln, nachdem sie dieses Photo aus dem Kopiererraum von der letzten Weihnachts-Party der Erbsenzähler anonym abgeschickt haben. 14. Ein Lieferant behauptet, sein Produkt verringere kompletten Kosten der Anschaffung. Dies bedeutet: A die kompletten Kosten sind unter Berücksichtigung des Einkaufspreises, des Wartungsaufwandes, der erwarteten Lebensdauer und möglicher weiterer Einnahmen durch Vermietung geringer. B die kompletten Kosten spielen keine Rolle mehr, wenn man Weiterbildung, die Vertragsstrafe für die Kündigung früherer Verträge und die Istallationskosten berücksichtigt. C er arbeitet auf Kommissionsbasis und war noch nicht sehr erfolgreich im laufenden Jahr. D er ist ein Lügner. E C., D. und dass sie sich noch zu ein paar Mittagessen einladen lassen können, bevor sie sein Angebot ablehnen. 15. Die jährlichen Verhandlungen über die Verlängerung des Wartungsvertrages stehen an. Ihre Vertragspartner führen Grund auf Grund an, weshalb sie die Kosten nicht erhöht haben, wie dies so viele andere taten. Dies bedeutet: A sie wollen konkurrenzfähig sein. B A. und suchen nach einer weiteren Einnahmequelle. C sie haben einen Subunternehmer gefunden, der für glänzende Perlen und blitzenden Schund arbeitet. D sie haben Angst vor der Steuerfahndung, nachdem bei dieser ein anonymer Brief gelandet ist. E A., C., D. und sie haben ihnen erneut diese drei zusätzlichen Geräte untergejubelt, die sie schon im letzten Jahr abgelehnt hatten (ein «administrativer Fehler»). Auflösung: Es gibt keine Auflösung, es gibt niemals eine Auflösung! Sie brauchen keine Auflösung. Nicht, wenn sie sind, wer sie zu sein vorgeben! Nicht, wenn sie den Prozessor ihrer Auto-Rechners so hochtakten können, dass die Höchstgeschwindigkeit des alten Kameraden um 2 Meilen steigt, bevor die zusätzlichen Vibrationen sie hinausatapultieren. Nicht, wenn sie sich an die guten alten Tage erinnern, in denen das Rattern eines Lochkartenrechners so laut war, dass die Rentner am Ende der Strasse Schützengräben buddelten und ihre Notrationen zusammenpackten. NICHT, wenn ihr jährliches Budget so hoch ist, dass auf den Taschenrechnern der Erbsenzähler kein Platz mehr dafür ist ... Jeder andere ist offensichtlich ein Angeber. [[Technologie-Fanatiker-Alarm ...]] "... selbst Haustiere werden mit ihren Eigentümern in Kontakt treten können, wenn sie diesen PDA am Halsband tragen." schnattert der Chef, der begeistert eine dieser Pseudo-Computer-Kolumnen in einem Bouleverdblatt liest, während er fröhlich an ein weiteres Kleidungsstück denkt, für das er nichts bezahlen muss ... "Was für ein Warwickismus!" rufe ich aus. "Warwickismus?" fragt der Chef. "Ja", antwortet der PJ hilfsbereit. "Sie wissen schon, ein geschmackloser, pseudo-technischer Bericht, der die Illusion technischer Kompetenz des Autors bewahren soll." "?" formt der Mund des Chefs wortlos. "Nun ja, zum Beispiel", fährt der PJ fort. "Das ist, als würde ich behaupten, in meinem Penis sei ein Computer-Chip implantiert, der mit den Supermarktkassen kommuniziert, damit ich beim Kauf von Kondomen einen Rabatt bekomme." "Haben sie?!" fragt der Chef schockiert. "Natürlich nicht!" erwidert der PJ. "Das ist nur ein Strichcode." "Ja, aber für die Kasse ist das ein «Baguette, gross», wenn er über den Scanner gezogen wird." füge ich hinzu. Ich kann mich wirklich nicht stoppen, als ich den entsetzten Gesichtsausdruck des Chefs bemerke. "Und manchmal müssen sie sechs- oder siebenmal scannen, bevor der Code gelesen werden kann, in der Zeit wird er ..." plappert der PJ fröhlich weiter, während der Chef leise davonschleicht. "Habe ich etwas falsch gemacht?" fragt der PJ, als er meinen empörten Gesichtsausdruck sieht. "Ich weiss, ich weiss, aber sie sollten wirklich versuchen, etwas besser mit ihm zusammenzuarbeiten - er ist immerhin unser Chef." "Ja, darüber habe ich mich auch schon gewundert." erwidert der PJ. "Es IST schon eine Weile her, dass wir es mit frischem Blut zu tun hatten - bildlich gesprochen." "Natürlich, aber was wollen sie denn dagegen unternehmen?! Vergessen sie nicht, dass gute Manager nicht gerade leicht zu finden sind - das ist das Spiel des Teufels. Und bevor wir wissen, wie uns geschieht, müssen wir uns mit einem Chef herumärgern, der wissen will, wohin all das schöne Geld verschwindet, BEVOR er die Ausgabe genehmigt, ein Chef, der nicht voller Begeisterung Schecks für die Kampagne zur Förderung fortschrittlicher Hardware unterschreibt - oder mindestens sein Akronym daruntersetzt -, so dass wir gezwungen sind, in unsere eigenen Taschen zu greifen, wenn es um grössere Anschaffungen geht." "Ja, da stimme ich ihnen zu", murrt der PJ widerstrebend. "Aber er ist ein wenig ... langweilig." "Langweilig!" rufe ich und konsultiere mein Gedächtnis-Lexikon. "Gleichgültig und passiv. Normal. Möglicherweise braucht er ein paar überraschende Schläge, um aktiver zu werden?" "Sie meinen wirklich, sie wollen ihm erklären, worum es bei Computern geht?" "Nein, nein. Ich meine kurze elektrische Schläge. 90 Volt Wechselstrom oder so, nicht zu drastisch." "Wie soll uns das helfen?" fragt der PJ. "Hilfe? Oh, Entschuldigung, ich war mit meinen Gedanken woanders. Sie wollen also eine Form von HILFE für ihn? Wir könnten ihm vorschlagen, ein Seminar für Manager im Technik-Bereich zu besuchen, um seine Fähigkeiten zu erweitern?" Nachdem wir beide ein wenig gelacht haben, fahre ich fort. "Eigentlich gar keine schlechte Idee. Wir könnten ihn in ein Seminar schicken, wo man ihm die Grundlagen der Computerarbeit einprügelt ..." "Ich glaube nicht ..." "Es könnte ihn davon abhalten, jedem Nutzer unsere Unterstützung bei Schwierigkeiten zuzusagen ..." "Mal sehen, welche Ergebnisse eine Suchanfrage liefert." erwidert der PJ und ruft eine häufig besuchte Suchmaschine auf. Ein paar bunte Seiten später ... "Hier wäre etwas", meint der PJ und tippt auf den Bildschirm als wäre dieser ein Aquarium. "Mal sehen ... Kein Vorwissen nötig, gut, Lernerfolg ohne Anstrengung garantiert - wenn wir den Worten glauben können - hervorragend ..." "Und es gibt ein Leistungs-Zertifikat!" "Ja, sie haben die Idee offensichtlich von Microsoft gestohlen. Das bedeutet eigentlich nur, dass man es geschafft hat, morgens rechtzeitig aufzuwachen, man von der Maschine zu wenig versteht, um sie zu zerstören, und man den Kopf immer einzieht, wenn der Tutor eine Frage stellt ... JA, ich glaube, das wäre etwas für ihn!" Einen Tag später haben wir den Chef überzeugt, und zwei Tage später ist er in dem Seminar. Einen weiteren Tag später ist er zurück - neu und verbessert. Nun, er ist jedenfalls zurück ... Der erste Eindruck: Er ist über die Technologie informiert, hatte eine grossartige Zeit und strotzt nun vor Ideen. "Ich bin begeistert von den Möglichkeiten, die sich uns mit Windows XP eröffnen." jubelt er, als er in unser Büro segelt. "Wussten sie schon, dass man damit auf dem PC Filme anschauen kann und spielen?" "Etwa so?" fragt der PJ und startet einen aktuellen Film auf seinem Arbeitsplatzrechner. "Ja! Ist das XP?" "Nein, Linux. Genau das gleiche, nur verliert man nicht sein letztes Hemd, wenn man es kauft." "Oh. Unterstützt es die Datenübertragung per Funk? Man kann eine ganze Menge Kabel sparen, wenn man ein paar Funk-Hubs einrichtet. Und dadurch wird es einfacher, die Büros neu zu organisieren, falls es zu einer Umstrukturierung kommt!" Der scharfe Geruch von Hysterie liegt in der Luft, und der Chef zeigt all die klassischen Warnzeichen eines Technologie-Fanatikers. Wir müssen wohl den «Papierloses Büro»-Test machen ... "Ein Funknetz haben wir schon installiert", antwortet der PJ und deutet zum Hitzedetektor an der Decke. "Wirklich? Ich dachte immer, dies sei ein Bestandteil der Brandschutzanlage." "So geht es den meisten, aber sehen sie dieses kleine Licht an der Seite? Es leuchtet einmal in der Minute auf, um anzuzeigen, dass das Netzwerk funktioniert." "Wirklich?! Nun, wir müssen ein paar Verbindungen einrichten - am besten nur für die Manager -, damit wir unsere Rechner in jedem beliebigen Raum nutzen können und uns nicht immer wieder über die Verkabelung den Kopf zerbrechen müssen!" "Ihre Rechner funktionieren ohne Strom?" frage ich genau im richtigen Augenblick. "Guter Einwurf. Nun, ich denke, wir können uns Laptops für die Manager leisten - was uns erlauben würde, UNSERE RECHNER ZU BERATUNGEN MITZUNEHMEN!!!" begeistert er sich wieder, offenbar von einer berauschenden Zukunftsvision begeistert. Budget-Verteidigungs-ALARM ausgelöst! "Ah, ich glaube, dass wir dafür kein Geld haben ..." wirft der PJ ein. "Unsinn! Es gibt einen Haufen Geld, das für einen erweiterten Datei-Server vorgesehen ist, den wir auch im nächsten Jahr noch anschaffen können - oder im Jahr darauf, falls wichtigere Projekte anliegen. Das Teilen von Dateien gehört ohnehin in die Vergangeneheit! SAN ist die Antwort!" Beinahe Schaum vor dem Mund, zeigt der Chef deutlich alle Anzeichen eines Fanatikers. Ich brauche nur noch einen Beweis ... "Soll ich ein paar Empfehlungen ausdrucken und sie unter den Managern zirkulieren lassen, um dann eine Bestellung auszudrucken ..." "Keine Ausdrucke mehr!" ruft der Chef und zeigt damit alle Anzeichen des letzten Stadiums des Fanatismus. "WIR BRAUCHEN DAS PAPIERLOSE BÜRO! WIR SIND SCHLIESSLICH DIE I.T.-ABTEILUNG!!" Der PJ und ich schweigen ein paar Sekunden, bevor wir Ausweichplan 107E starten. "Hm", fragt der PJ. "HAT ihr Rechner nicht schon eine Funk-LAN-Karte? ICH dachte, wir hätten eine geordert!" "Wirklich?" fragt der Chef. "Da muss ich gleich nachschauen!" Fünf Sekunden später läutet das Telefon. "Nein, keine Karte." "Es ist intern - es sieht aus, wie ein leerer Steckplatz." "Uh, nun, das wusste ich nicht." "Wissen sie was, ziehen sie einfach das Kabel, mit dem sie bisher mit dem Netzwerk verbunden sind, aus ihrem Rechner und schauen sie dann nach, ob sie auf ihre E-Mails zugreifen können ..." "Nichts, das Netzwerk ist nicht verfügbar, steht da." "Nicht verfügbar ... OH, ICH WEISS! Ihr Rechner ist über das Erdungskabel im Netzkabel geerdet. Fahren sie ihren Rechner herunter, schalten sie ihn aus, dann brechen sie den Erdungsstift heraus und starten neu." [Lärm und Geächze im Namen des guten Geschmacks entfernt.] "Nein, nichts!" "Das ist in Ordnung, ihr Rechner kommuniziert noch nicht mit dem Netz, weil es möglicherweise keine direkte Verbindung durch die Luft zwischen ihm und der Empfängerstation an der Decke gibt. Heben sie ihren Rechner einfach etwas höher, damit die Verbindung aufgebaut werden kann." "Ich könnte mich auf den Tisch stellen. Brauche ich meinen Monitor?" "Nun wenn er ebenfalls ent-erdet ist." "Ich rufe zurück!" FÜNF MINUTEN SPÄTER "In Ordnung, ich stehe auf meinem Schreibtisch und halte meinen Computer neben dem Empfänger ... OH! Die Diode hat aufgeblitzt, das Netzwerk muss funktionieren." "Ja, das Netzwerk steht, aber sie müssen noch das Hitzesiegel am zentralen Zugriffspunkt entfernen." "Wie?" "Haben sie ein Feuerzeug?" ... "... und es sieht so aus, als bräuchten wir einen neuen Manager." informiert der IT-Chef uns. "Als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hat er sich nämlich entschieden, nicht mehr zu uns zurückzukehren, sondern in einem Gartenbaumarkt anzufangen." "Ja, das ist sicherlich besser für ihn." "In der Zwischenzeit übernehmen sie bitte seine Aufgaben - bis wir einen Ersatz für ihn gefunden haben ..." !!! Weihnachtsgedicht... folgt......